Botschafter des Heils in Christo 1853

Versammelt als "Brüder" zum Gottesdienst

Der Name „Brüder“ gehört allen Kindern Gottes (Phil 4,1; Kol 1,2; 1. Thes 5,27), Jesus selbst hat sie so genannt (Heb 2,11). Wir bekennen demnach eine Gemeinschaft zu sein mit allen Brüdern, Mitbürgern der Heiligen und Hausgenossen Gottes (Eph 2,19) und lehnen damit jede Benennung ab, mit der man uns anders, als „Christen“, „Brüder“ usw. bezeichnen wollte, indem wir nur eine Einheit in Christo anerkennen und als Brüder uns vereinigen, die alle Freudigkeit zum Eingang in das Heiligtum durch das Blut Jesu haben (Heb 10,19).

Als Priester Gottes (Off 1,6), um geistliche Opfer zu opfern, die Gott durch Jesus Christus angenehm sind (1. Pet 2,5), glauben wir nicht, dass irgendein Mensch als Leiter irgendeiner gottesdienstlichen Handlung von Menschen eingesetzt werden darf (Gal 1,1). Christus ist das Haupt der Gemeinde (Eph 1,22; Kol 1,18) und teilt durch seinen Geist die Gaben aus (Eph 4,7.8). Dieser teilt seinerseits wieder jedem aus, je nachdem Er will (1. Kor 12,11). Der Geist ist der uns von Christus gegebene Beistand (Joh 14,16.26; Apg 2,33), der sich unserer Schwachheit annimmt (Röm 8,26) und uns in die ganze Wahrheit leitet (Joh 16,13).

Wir erkennen daher nur solche Gaben an, welche nicht von Menschen, sondern von oben kommen (Jak 1,17; Eph 4,8; 1. Kor 12,4.7.8). Damit soll nicht gesagt sein, dass wir den Dienst (diaxovia, heutzutage „Amt“ genannt) aufheben. Nein, im Gegenteil, wir richten ihn auf und nehmen ihn im allerweitesten Sinn mit Dank an. Seelsorge, Lehre, Ermahnung, Leitung und jeden anderen Dienst, und wäre es nur ein Glas kalten Wassers (Röm 12,6–8; Eph 4,11.12; 2. Kor 8,3.4; Mt 10,42), sind uns von Herzen willkommen und wir begehren, uns dafür dankbar, sowohl gegen den zu erweisen, der uns solche Gaben nach seiner Gnade gibt (Röm 12,6), als auch gegen den, durch welchen der Herr uns solche mitteilt. Wir wiederholen es aber nochmal: Der Mensch hat weder die Freiheit noch die Macht dazu, solche Gaben auszuteilen und einzusetzen, sondern solches muss der Wirkung des Heiligen Geistes überlassen werden (Apg 13,2).

Da nun die Gaben verschieden sind (1. Kor 12,4), so glauben wir, dass völlige Freiheit sein muss, diese in unserer Mitte auszuüben. So nehmen wir nun mit Freuden in unseren gottesdienstlichen Versammlungen eine Ermahnung, eine Lehre, ein Gebet usw. von jedem Bruder auf, insofern es zur Erbauung geschieht. Wir sind bereit, soweit der Herr uns Kraft und Möglichkeit dazu verleiht, uns mit jedem Bruder, der durch den Heiligen Geist beten (Jud 1,20) und dem Herrn von Herzen singen und spielen kann (1. Kor 14,15.26.31; Kol 3,16; Eph 5,19), zu vereinigen. Die Schwachheit und Torheit unseres Fleisches erkennen wir dabei demütig an und ermahnen deshalb die Brüder, Acht zu haben in Allem auf das geschriebene Wort Gottes, das uns unterweist zur Errettung, das nützlich ist zur Lehre, Überführung, Zurechtweisung, Unterweisung in der Gerechtigkeit damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt (2. Tim 3,15–17). Mit diesem Wort glauben wir auch das Mittel in der Hand zu haben, unter dem Beistand des Herrn durch seinen Geist unterscheiden zu können, ob eine Lehre von Gott sei oder nicht. Indes räumen wir weder der Philosophie (Kol 2,8) noch der menschlichen Weisheit (1. Kor 1,19–21; 3,19.20) die Möglichkeit ein, dieses verstehen zu können, sondern behaupten mit dem Wort Gottes, dass uns nur der Geist Gottes darüber belehren kann und muss (1. Kor 2,11–13). Dabei haben wir die feste Zuversicht, dass in einer Versammlung von Gläubigen, und seien es noch so wenige, es der Herr nie an seinem Segen fehlen lassen wird, weil er ja selbst sich dort einfinden will (Mt 18,20).

Wir versammeln uns am ersten Tag der Woche, um „das Brot zu brechen“ (Apg 20,7) und bekennen auch darin unsere Gemeinschaft als Leib Christi (1. Kor 10,16.17) – sowohl mit den Gliedern, als auch mit dem Haupt, dessen Tod der unsere ist und dessen Herrlichkeit wir als unser Erbe erwarten bei seinem Wiederkommen. Mit ihm gestorben, sind wir auch mit ihm auferstanden (Kol 2,13; Eph 2,5.6) und begehren nun nicht mehr uns oder der Welt zu Gefallen zu leben, sondern Gott (Röm 6,11). Wir halten uns daher auch nicht nur von der Welt (2. Kor 6,14–18), sondern sogar von jedem Bruder fern, der unordentlich wandelt (2. Thes 3,6; 1. Kor 5,11). Wir sind im Wort Gottes ermahnt Wortgezänke zu meiden (1. Tim 6,4), dabei aber auch aufgefordert, für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen (Jud 1,3), und als gute Streiter Christi die dabei unausbleiblichen Leiden (2. Tim 2,3.12) gern zu ertragen.

Verschiedenheiten von Ansichten, welche die Erbauung des Leibes Christi nicht stören und überhaupt dem Wort Gottes nicht bestimmt zuwider sind, geben kein Hindernis für die Gemeinschaft und sichtbare Einheit derer ab, die unseren Heiland lieb haben. Dieser ist ja auch darum gestorben, um die zerstreuten Kinder Gottes in eins zu versammeln (Joh 11,52). Er will, dass wir eins seien, damit die Welt die Sendung Jesu und die Liebe des Vaters erkenne (Joh 13,35; 17,23). Für „alle Menschen“, für die „Obrigkeit“ usw. zu beten und aller Welt das Evangelium zu predigen, halten wir für unsere Pflicht (1. Tim 2,1–4).

Von der Welt wollen wir uns trennen, nicht aber von den „Christen“. Wir begehren nichts mehr, als eine solche Vereinigung.

Wenn sich nun Christen weigern, sich uns anzuschließen, so liegt nicht die Schuld an uns, denn die „Christen“ gehören als ein Leib beisammen. Wer unter ihnen Trennung anrichtet oder ihrer Vereinigung sich widersetzt, ist als solcher, der Trennung anrichtet (als Sektierer), zu meiden (Röm 16,17.18; 2. Tim 4,5), denn der Herr selbst sagt: „Wer nicht mit mir sammelt, zerstreut“ (Mt 12,30). Die sich aber von den Ungläubigen trennen und von ihnen ausgehen, sollen Söhne und Töchter des Allmächtigen heißen (2. Kor 6,18), und unser Wunsch und Gebet ist, dass es ihrer recht viele sein mögen.

Alle, die den Namen unseres Herrn anrufen (1. Kor 1,2), sollen bei dem Mahl, das uns der Herr zu feiern geboten hat, willkommen sein. Wir bitten schließlich noch unsere lieben Brüder inständig, durch unseren Herrn Jesus Christus und durch die Liebe des Geistes (Röm 15,30), „in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten“ zu verharren (Apg 2,42) und auch dadurch – so wie durch ihren ganzen Wandel – kund zu tun, dass sie nicht von der Welt sind (Joh 15,19; 17,14) und dass sie nicht ein gleiches Joch mit den Ungläubigen tragen können. Denn mit diesen sollen und können wir weder Genossenschaft, noch Gemeinschaft, noch Übereinstimmung noch Teil haben (2. Kor 6,14–16).

Zwar sind wir schwach, töricht und unedel vor der Welt (1. Kor 1,27.28) und haben eine kleine Kraft (Off 3,8), aber wir versuchen das Wort zu halten und in allen Dingen von Herzen sagen zu können: „durch den uns die Welt gekreuzigt ist, und wir der Welt“ (vgl. Gal 6,14).

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