Der Brief an die Römer

Kapitel 8

Der Brief an die Römer

Der Apostel hat nun alle Einwendungen gegen die vollkommene Rechtfertigung des Sünders und deren praktische Folgen zerstört und stellt uns nun in diesem Kapitel den Zustand des befreiten Christen vor, dessen Freiheit auf dem Werk Christi ruht, dessen Freude eine Folge des Besitzes des Lebens des Christus ist und dessen Erlösung sich auf seinen Körper ausdehnen wird.

Das Kapitel teilt sich in drei Teile:

  1. zuerst stellt es das Leben im Geist dar und den Geist betrachtet es als Motor des neuen  Lebens (Verse 1 bis 14),
  2. dann die persönliche Gegenwart des Heiligen Geistes, als wohnend in uns und dabei nicht nur die Frucht seiner persönlichen Gegenwart (Verse 15 bis 29),
  3. und zuletzt beweist es, dass Gott für uns ist (Verse 28 bis 39).

Zuerst haben wir also das Leben in seinem vollen Resultat, sogar bis zur Auferstehung des Körpers; dann die Gegenwart des Heiligen Geistes in uns, und endlich die ganze Sicherheit gebende Kraft dessen, was Gott äußerlich in seinen Ratschlüssen usw. für uns ist.

Die ersten drei Verse stellen uns in kurzen Worten das Resultat der in den Kapiteln 5 bis 7 entwickelten Wahrheiten vor. In Kapitel 5 haben wir die Rechtfertigung des Lebens, und das Ergebnis finden wir hier in Vers 1; in Kapitel 6 sind wir der Sünde gestorben und mit Christus auferweckt, und das entspricht hier dem Vers 2, und endlich in Kapitel 7 sind wir dem Gesetz gestorben, was in Vers 3 ausgedrückt wird.

„Also ist jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind“ (Vers 1). Christus hat sich dem Gericht, das der Sünde wegen notwendig war, unterworfen und ist dann vom Tod auferstanden. Er ließ die Sünde mit dem Leben, in dem Er sie getragen und mit dem Er den Anforderungen und dem Fluch des Gesetzes Genüge getan hatte, hinter sich zurück und trat in eine neue Stellung vor Gott ein. Er war der Sünde wegen, und daher an unserer statt, unter dem Urteil der Verdammnis, und darum kann jetzt, weil Er aus den Toten auferstanden und vor Gott erschienen ist, nicht mehr von Sünde, Zorn, Gericht und Verdammnis die Rede sein. Wir aber sind mit Christus vereinigt; wir sind in eine neue Stellung, in das Auferstehungsleben mit Christus versetzt und sind darum auch der Sünde und ihren Folgen völlig entrissen. Weil wir, wie wir schon in Kapitel 6 gesehen haben, in Ihm mitgestorben und mitauferweckt sind, weil wir durch das Leben des Christus leben, darum kann es auch jetzt keine Verdammnis mehr für uns geben. Wir sind in Ihm und haben als Mitauferweckte in Ihm unsere Stellung in der Gegenwart Gottes. Aber nicht nur, dass wir nicht mehr verdammt werden können, sondern, was noch weitergeht, da ist keine Verdammnis mehr; der Zustand, auf den sie anwendbar war, hat ein Ende. Ebenso wenig wie es noch irgendeine Verdammnis für den auferstandenen Christus gibt, ebenso wenig auch für alle, die in Ihm sind. „Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ (Vers 2).

Der Ausdruck Gesetz des Geistes des Lebens bezeichnet den beständigen, ewigen Grundsatz des Lebens, das in Christus Jesus ist. Wir finden in Ihm die lebendige Kraft des Geistes, die uns durch Vereinigung mit Ihm in eine neue Stellung versetzt hat – in eine Stellung, in der wir uns für immer außerhalb des Bereiches der Verdammnis befinden „freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“. Der Tod herrscht nicht mehr über Christus und deshalb auch nicht mehr über uns; denn wir sind in Ihm mitauferweckt. Nachdem Christus zuerst unsere Versöhnung bewirkt hat, treten wir, befreit von Sünde und dem Tod, als dem Lohn der Sünde, mit Ihm in das Leben ein. Wir haben teil an dem Leben des Auferstandenen. Wir sind durch die Kraft Gottes in eine neue Schöpfung gebracht, und diese Kraft ist in der Auferstehung völlig erwiesen. In Römer 7 finden wir die Wünsche des inneren Menschen, aber wirksam in Verbindung mit dem Gesetz, und darum ist keine Kraft vorhanden; doch als Mitauferweckte finden wir in Christus lebendige Kraft. Es ist auch zu bemerken, dass es sich hier nicht um Erfahrungen handelt, sondern um die Frucht dessen, was Gott in Christus gewirkt hat und was uns in dem neuen Leben, das wir bekommen haben, geschenkt ist.

„Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem er, seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sendend, die Sünde im Fleisch verurteilte“ (Vers 3). Es war nicht die Schuld des Gesetzes, dass es durch den Menschen seine Rechte nicht in Erfüllung bringen konnte, sondern die Schuld lag allein an der Kraftlosigkeit des Fleisches. Man kann aus schlechtem Material nicht etwas Vollkommenes machen. Wenn das Gesetz an dem Fleisch zu wirken sucht, so wird es dasselbe nur vernichten; das Material zerbricht darunter. Nie bewirkt das Gesetz die Gabe der Gerechtigkeit. Wohl verspricht es das Leben denen, die es halten; aber weil niemand da ist, der es hält, gibt es daher auch keinem das Leben; Christus allein gibt das Leben.

Die große Sache, um die es sich in diesem Vers handelt, ist nicht die Vergebung der begangenen Sünden, sondern die Befreiung von der Sünde im Fleisch. Diese ist es, die das Herz des Gläubigen so oft beunruhigt, wenn er nicht in Wahrheit die Befreiung, die Gott in Christus für ihn bewirkt hat, kennt. Ist er auch von der Tilgung seiner Sünden überzeugt, so werden diese doch als ein Gesetz in seinen Gliedern, wodurch er der Sünde Knecht ist, kraftvoll wirken. Gott aber sei Dank, der uns, indem Er seinen eigenen Sohn sandte, eine vollkommene Erlösung bereitet hat. Welche Liebe! Er hat in Ihm nach seiner Gnade und seinem Vorsatz das Werk der Befreiung völlig für uns vollbracht; über Wurzel und Zweig der Sünde hat Er in Christus sein Urteil vollzogen, so dass sie kein Recht mehr über uns hat; ja, sie ist für das Gewissen zwischen Gott und der Seele gar nicht mehr vorhanden. „Die aber des Christus sind, haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und den Begierden“ (Gal 5, 24).

Für jeden, der in Christus ist, ist also die Sünde im Fleisch gerichtet. Kann uns nun das Vorhandensein der Sünde noch beunruhigen, wenn sie schon gerichtet ist und wir also dafür kein Gericht mehr zu erwarten haben? Gewiss nicht. Wir richten zwar die Sünde vor Gott, weil Gott sie in Christus gerichtet hat und bezeugen dadurch, dass wir mit Ihm und nicht mehr mit der Sünde eins sind; doch ihr Vorhandensein kann uns nicht beunruhigen; es kann weder unser Gewissen verunreinigen, noch uns hindern, mit Gott zu verkehren und in seiner Gegenwart zu leben. Wenn wir aber nach dem Fleisch leben oder dem Fleisch erlauben, zu wirken, so sind wir verunreinigt, und die praktische Gemeinschaft mit Gott ist unterbrochen. Diese Unterbrechung dauert so lange, bis wir aufrichtig unsere Sünden bekennen und Gott nach seiner Treue und Gerechtigkeit uns wieder vergeben und gereinigt hat (1. Joh 1,9). Vernachlässigen wir aber dieses Bekenntnis oder Selbstgericht, so gehen wir mit unreinem Herzen voran und haben keine wahre praktische Gemeinschaft mit Gott. Also nicht das Vorhandensein des Fleisches oder der Sünde verunreinigt uns oder verhindert unsere praktische Gemeinschaft mit Gott, sondern das Leben nach dem Fleisch.

Unsere Stellung vor Gott aber wird nicht im Geringsten dadurch berührt oder verändert. Wir sind in Christus, dem Auferstandenen, und darum kann uns keine Verdammnis mehr treffen. Für Ihn gibt es kein Gericht mehr und darum auch für alle nicht, die in Ihm sind. Ist auch das Fleisch in uns vorhanden, so sind wir doch soweit davon getrennt wie Christus selbst, der zur Rechten Gottes sitzt, weil wir in Ihm sind. Jede Frage, sowohl hinsichtlich der Sünden als auch hinsichtlich der Sünde ist für uns in Christus am Kreuz beseitigt, und wir befinden uns jenseits des Kreuzes in dem Auferstandenen – da, wo kein Gericht und keine Verdammnis mehr ist. Christus selbst ist jetzt der wahre Ausdruck und Charakter unserer Stellung vor Gott.

Weiter sehen wir hier, dass das christliche Leben mit der Befreiung von der Verdammnis durch die Gnade unzertrennlich verbunden ist, und zwar in Kraft der Auferstehung Christi. Das Gesetz musste den Sünder verdammen; Gott aber, in Gnade handelnd, hat die Sünde verdammt und den Sünder frei ausgehen lassen. Was ist nun das Resultat dieser Handlung Gottes? „...damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt würde in uns, die nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln“ (Vers 4). Dieser Vers bildet einen Übergang von der Stellung, in die die Gnade uns vor Gott gesetzt hat, zu dem praktischen Leben, in das die Gnade den Christen einführt und worin sie ihn leitet. Es ist hier also vom Wandel die Rede; das Recht des Gesetzes wird in uns erfüllt. Es ist nicht ein äußerliches Gesetz, das durch das Fleisch zu wirken hat, sondern ein neues Leben in Kraft. Das Fleisch ist nicht verändert, und deshalb werden wir ermahnt, nicht nach demselben zu leben, sondern es vielmehr zu richten und zu verurteilen.

Die folgenden Verse 5 bis 10 stellen den völligen Gegensatz zwischen denen dar, die in dem Fleisch – in dem Zustand des Fleisches – und denen, die im Geist sind. „Denn die, die nach dem Fleisch sind, sinnen auf das, was des Fleisches ist; die aber, die nach dem Geist sind, auf das, was des Geistes ist“ (Vers 5). Die Ausdrücke nach dem Fleisch und nach dem Geist bezeichnen den Zustand oder das ganze Wesen des fleischlichen, d.h. des natürlichen Menschen und des geistlichen, d.h. des Christen. Jeder hat seinen Sinn auf Gegenstände gerichtet, die dem ihm eigenen Wesen oder seiner Natur entsprechend sind. Der eine richtet seinen Sinn auf das, was des Geistes ist, der andere auf das, was des Fleisches ist. „Die Gesinnung des Fleisches ist der Tod“. Sie ist ohne wahre Frucht und liegt unter dem Tod des alten Adam. Der Tod tritt ein, um diesen Zustand zu versiegeln. „Die Gesinnung des Geistes aber Leben und Frieden“ (Vers 6). Sie ist in völliger Übereinstimmung mit Gott, und darum ist ihr innerstes Wesen Leben und Frieden. „Die Gesinnung des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott; denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie vermag es auch nicht. Die aber, die im Fleisch sind, vermögen Gott nicht zu gefallen“ (Verse 7 und 8).

Das Gesetz Gottes offenbart nicht allein das, was recht ist, sondern auch die Autorität des Gesetzgebers. Das Fleisch aber hat nicht nur Wünsche, die Gott entgegen sind, sondern auch einen Willen, der seinem Gesetz nicht unterworfen ist. Sobald die Autorität Gottes hineinkommt, zeigt sich die Empörung des Fleisches; denn das Fleisch sagt unaufhörlich: Ich will oder ich will nicht. Und wenn ich nur ein Gebot übertrete, so bin ich in allem schuldig, weil sowohl im Übertreten des einen als auch im Übertreten aller Gebote sich derselbe Widerwille der Unterwürfigkeit zeigt. Schon das bloße Vorhandensein des Willens im Fleisch offenbart dessen Haltung gegenüber Gott. Unsere Pflicht ist, Gott zu gehorchen; aber seinen eigenen Willen zu haben, bedeutet Ungehorsam. Das Fleisch ist also nicht nur gegen den Willen, sondern auch gegen die Autorität Gottes.

Unsere Beziehung zu Gott aber wird jetzt nicht mehr durch das Fleisch, sondern durch den Geist charakterisiert: „Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn nämlich Gottes Geist in euch wohnt“ (Vers 9). – Im Menschen selbst ist keine Kraft, um dem Fleisch zu widerstehen oder um sich von dem Einfluss desselben zu befreien. Auch dem Gesetz ist das nicht möglich. Wenn der Mensch von dem Einfluss des Fleisches befreit werden will, so muss eine andere Kraft vorhanden sein – eine Kraft, die nicht vom Menschen ist, aber doch im Menschen wirkt. Wie gut, dass wir sagen können: Was bei Menschen unmöglich ist, das ist möglich bei Gott! Wäre das nicht der Fall, so würde uns unsere Erlösung in Christus für das praktische Leben sehr wenig nützen; wir würden keine Kraft haben, um den Versuchungen der Sünde und des Fleisches zu widerstehen und würden in der Praxis sehr bald wieder deren Sklave sein. Doch der in uns wohnende Geist Gottes ist jetzt die Kraft, um die Wünsche und Neigungen der neuen Natur zu erfüllen und die des Fleisches zu verurteilen. Dieses Wohnen des Geistes in uns, ist von höchster Wichtigkeit; denn dadurch sind wir sicher, dass Gott selbst in uns ist.

Wenn der Geist Gottes im Menschen Wohnung macht, so hört Er nicht auf, Gott zu sein, noch bewirkt Er, dass der Mensch aufhört, Mensch zu sein; sondern Er bringt auf göttliche Weise im Menschen ein Leben, einen Charakter, einen neuen Menschen und in diesem Sinn ein neues Geschöpf hervor. Zu gleicher Zeit ist Er der Geist Christi, – der Geist, durch dessen Kraft Christus gehandelt, gelebt und sich geopfert hat und durch den Er auferstanden ist. Das ganze Leben des Christus war der Ausdruck der Wirkung des Geistes – des Geistes im Menschen; und diese ganze Kraft wohnt in uns. „Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein“ (Vers 9). Christus anzugehören, seinen Geist zu haben, ist das wahre und einzige Gut, die ewige Wirklichkeit. Und hier finden wir die Wirklichkeit. Das Christentum verwirklicht sich in einer gleichförmigen Natur mit Gott, ohne die wir nicht in Gemeinschaft mit Ihm sein können; und Gott ist es, der uns diese Gleichförmigkeit mit sich geschenkt hat. Wir könnten nicht aus Gott geboren werden, wenn Er uns das Leben nicht mitteilen würde; und der Geist ist die Quelle und die Kraft dieses Lebens. Wenn jemand den Geist Christi nicht hat, wenn die Kraft dieses geistlichen Lebens nicht in ihm ist, so gehört er Christus nicht an. Wenn aber Christus in uns ist, so besitzen wir in Ihm, der unser Leben ist, die Kraft unseres geistlichen Lebens. Der Leib ist zwar tot; denn weil der Leib einen Willen hat, so ist er nichts als Sünde; der Geist aber ist Leben (Vers 10), – der Geist, durch den Christus gelebt hat. Christus, im Geist in uns, ist das Leben, damit Gerechtigkeit vorhanden sei; denn in der Wirksamkeit dieses Lebens liegt die einzig mögliche, praktische Gerechtigkeit; – das Fleisch kann sie niemals vollbringen (Vers 10). Wir leben durch Christus, denn die Gerechtigkeit ist in dem Leben Christi; außerhalb desselben ist nur Sünde. Also, Leben ist Christus. Nur Er besteht noch für uns, und Er ist unser Leben; alles andere ist Tod.

Der Geist aber hat noch einen anderen Charakter. Es ist der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes“ (Vers 11). Es ist also auch der Körper nicht vergessen. Er wird ebenfalls an der Auferweckungskraft völlig teilhaben. Wir werden einen Körper haben, der dem Leben, das wir durch den Geist in Christus besitzen, gleichförmig ist – gleichgestaltet dem verherrlichten Christus. Es ist also wegen seines in uns wohnenden Geistes, dass wir auferweckt werden. Aber die Welt wird nicht deshalb auferweckt; sie hat den Geist Christi nicht, wird aber durch das Machtwort Christi vor seinen Richterstuhl gerufen.

Bis jetzt haben wir nun drei Charaktere des Geistes gesehen:

  1. Er ist der Geist Gottes, im Gegensatz zu dem Fleisch der Sünde, dem natürlichen Menschen;
  2. Er ist der Geist Christi, der unseren Wandel in der Welt charakterisiert,
  3. und endlich ist Er der Geist dessen, der Christus aus den Toten auferweckt hat, – die Macht, die den Leib vollkommen und für ewig von den Banden des Todes befreien wird.

In den beiden folgenden Versen spricht der Apostel nun zunächst von dem Ergebnis unserer Befreiung in Christus, in Bezug auf unsere Stellung zu dem Fleisch und auf unser Verhalten ihm gegenüber: „So denn, Brüder, sind wir Schuldner, nicht dem Fleisch, um nach dem Fleisch zu leben“ (Vers 12), – und dann stellt er die beiden großen Grundsätze, die Tod und Leben zur Folge haben, zur ernsten Betrachtung vor das Gewissen des Christen, um sein praktisches Leben danach auszurichten: „Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben“ (Vers 13). Das Leben nach dem Fleisch ist hier gleichbedeutend mit dem Wandeln nach dem Fleisch, von dem in Vers 4 die Rede ist. Die Stellung des Gläubigen vor Gott ist nicht in dem Fleisch, sondern in dem Geist, und das Ergebnis dieser Stellung ist, dass er nicht nach dem Fleisch lebt. Wir sind also, weil wir in Christus Jesus von dem Gesetz der Sünde und des Todes freigemacht sind, auch in der gegenwärtigen Welt keine Schuldner dem Fleisch gegenüber. Wenn wir nach dem Fleisch leben, so bewegen wir uns auf dem Pfad des Todes; wenn wir aber durch den Geist die Handlungen des Leibes töten, so leben wir.

Paulus sagt hier nicht als Gegensatz zu Schuldner des Fleisches: Ihr seid Schuldner des Geistes; denn dadurch würde er uns unter ein noch viel höheres Gesetz, als das von Mose, gebracht haben – unter ein Gesetz, dessen Erfüllung uns noch weit unmöglicher gewesen wäre. Der Geist Gottes selbst ist die Kraft, wodurch wir die Handlungen des Leibes töten. Wir werden nicht durch die Grundsätze der Welt, sondern durch die göttliche Liebe und Macht in Christus Jesus – nicht durch das Fleisch, sondern durch den Geist Gottes geleitet. Wir leben vor Gott in der Freiheit der Erlösung. „Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes“ (Vers 14); sie werden nicht als Gefangene fortgeschleppt, sondern als Söhne geleitet.

In dem Folgenden begegnen wir einer weiteren Darstellung jener unbedingten Vorrechte und Segnungen, die das Teil der Gläubigen sind. In den Versen 15 und 16 haben wir zuerst den Titel und dann die Wirksamkeit, die den Geist, der in den Gläubigen wohnt, charakterisieren. „Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wiederum zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater“ (Vers 15)! Unter dem Gesetz war nur Knechtschaft und Furcht, wie wir in der letzten Hälfte von Römer 7 gesehen haben. Der Heilige Geist als Geist der Kindschaft konnte in niemandem wohnen, der unter dem Gesetz war. Zwar wirkte der Geist in den Heiligen des Alten Testaments und machte sie zu Zeugen und Boten der Wahrheit; aber das war doch ganz verschieden von dem, was jetzt das Teil eines Heiligen ist. Die persönliche Stellung jener war und blieb die eines Knechtes und nicht eines Sohnes, obwohl der Glaube sie befähigte, die köstlichen Dinge der Verheißung, die bei Gott für diejenigen aufbewahrt waren, die Ihn fürchteten, in Hoffnung vorauszusehen. Solche aber, die durch den Sohn freigemacht sind, haben den Geist der Kindschaft empfangen. Die Aufnahme in das Haus, mit dem bleibenden Titel als Sohn, ist das unmittelbare und immerwährende Ergebnis der empfangenen Gnade. Der Geist des Sohnes Gottes ist in das Herz des Gläubigen gesandt, nicht um ihn zu einem Sohn zu machen, sondern weil er schon ein solcher ist (Gal 4,6).

Er zeigt seine persönliche Gegenwart durch eine Äußerung, die Er allein aus dem Herzen hervorbringen kann. Der Ruf: Abba, Vater! ist unser eigener; aber er wird hervorgebracht durch den Geist des Sohnes in uns. Wir rufen: Abba, Vater! weil wir Gott als solchen kennen; aber die Kraft dieser Erkenntnis ist die Gegenwart des Geistes, der in uns wohnt. „Der Geist selbst bezeugt mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind“ (Vers 16). Er ist es, der in uns die Neigungen eines Kindes weckt und uns zu gleicher Zeit das Bewusstsein gibt, dass wir Kinder Gottes sind. Und dieser Geist trennt sich nicht von der Person, in der Er das Leben gewirkt hat und gibt durch seine mächtige Gegenwart Zeugnis, dass wir Kinder Gottes sind. Wir haben dieses Zeugnis in unseren Herzen; aber zu gleicher Zeit ist es der Geist selbst, der unterschieden von uns, in denen Er wohnt, uns dieses Zeugnis gibt. Der Geist ruft Abba, weil es der Geist des Sohnes ist, und unsere Herzen wiederholen diesen Ruf, weil wir durch denselben Geist wissen, dass der lebendige Christus unser Leben vor Gott ist. Und es ist sein Geist, der unseren Herzen die Kraft gibt, sagen zu können, dass wir Kinder Gottes sind. In den Versen 14 und 15 wird, um unsere Beziehung zu Gott auszudrücken, ein anderes Wort als in Vers 18 gebraucht. Dort heißt es Söhne und hier Kinder. Unsere Stellung ist die eines Sohnes, unsere persönliche Beziehung aber die eines Kindes. Das Wort Sohn wird im Gegensatz zu dem Zustand unter dem Gesetz, wo man Knecht ist, gebraucht; es drückt die ganze Tragweite der Vorrechte eines Kindes aus. Das Wort Kind dagegen drückt die ganze Innigkeit dieser Beziehung selbst aus.

In den drei zuletzt betrachteten Versen ist also von unserer Beziehung als Kinder zu Gott die Rede und dass wir in dem Geist der Kindschaft Gott als unseren Vater anrufen; in Vers 17 fährt der Apostel dann fort, von den weiteren Vorrechten zu reden, die mit dieser Beziehung in Verbindung stehen. Wir haben teil an dem Erbe Gottes: „Wenn aber Kinder, so auch Erben – Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir nämlich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden“. Es ist also nicht nur der Geist der Sohnschaft, der unserer Beziehung zu Gott als Söhne Ausdruck verleiht, sondern die Liebe Gottes kennt uns auch in keiner anderen Beziehung und segnet uns als Söhne mit derselben Fülle des Segens, womit auch Christus als Sohn gesegnet ist. Diese Liebe hat uns mit Christus in allem einsgemacht – ausgenommen in seiner Herrlichkeit als Gott.

Bevor wir aber dieses Erbe in Besitz nehmen, müssen wir einen Weg gehen, der mit Trübsal bedeckt ist. Der Weg der kommenden Herrlichkeit führt durch Leiden. Diese Leiden sind hier aber weniger als die Leiden für Christus, sondern mehr als die Leiden mit Christus dargestellt. Der geistliche Mensch fühlt die Dinge auf der Erde, wie Christus sie fühlte, und darum wird er auch mit Ihm leiden. Seine Natur steht im Gegensatz zu allem, was sich in der Welt befindet, und darum kann es auch nicht anders sein, als dass er darin beschwert ist. Die Liebe, die Heiligkeit, die Ehrfurcht Gottes, die Liebe zu den Menschen, kurz alles, was in ihm als Teilhaber der göttlichen Natur wohnt, ist eine Quelle der Leiden für ihn. Doch gerade dieses Leiden mit Christus auf dieser Erde, garantiert ihm seine Teilnahme mit Ihm in der Herrlichkeit des Himmels. Und auf diese überschwängliche Herrlichkeit richtet der Heilige Geist seinen Blick inmitten der Leiden, indem Er durch den Apostel versichert: „Denn ich halte dafür, dass die Leiden der Jetztzeit nicht wert sind, verglichen zu werden mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll“ (Vers 18).

Auf diese Offenbarung der Söhne Gottes in Herrlichkeit wartet auch die Schöpfung. Wir sind, wie wir in diesem Kapitel gesehen haben, zur Freiheit gebracht; aber die Schöpfung hat mit dieser Freiheit durch die Gnade, in der wir uns erfreuen, nichts zu tun. Die Gnade beschäftigt sich nur mit Personen; aber die Herrlichkeit, als Frucht der Macht Gottes, mit den äußerlichen Dingen. Die Schöpfung selber wird von der Knechtschaft des Verderbens befreit werden, weil sie an der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes teilnehmen wird; denn die Schöpfung ist nicht durch den eigenen Willen der Eitelkeit unterworfen – sie hat in dieser Beziehung keinen Willen – sondern um deswillen, der sie unterworfen hat, d.h. um des Menschen willen, der durch seine Sünde in das Reich der Natur Verwirrung gebracht hat und um deswillen die Erde verflucht wurde. Diese befindet sich jetzt in dem Zustand des Jammers und des Verderbens. Das Lösegeld aber, das Blut Jesu, das uns erkauft hat, ist auch für sie bezahlt; aber ihre Befreiung geschieht erst bei der Offenbarung der Söhne Gottes. Wenn Christus kommen wird, wird Er die Quelle der Freude für alle sein, die Ihn anerkennen, und der Segen wird sich über die ganze Schöpfung ausbreiten. Bis zu diesem Zeitpunkt seufzt sie und liegt gewissermaßen in Geburtswehen (Vers 22). Ihre Befreiung aber wird durch die Ankunft des Christus bewirkt, wenn Gott alle Dinge in Ihm, als unter einem Haupt, vereinigen wird, und dann ist sie von dem Fluch erlöst. Wenn aber schon die Schöpfung seufzt, die doch im Vergleich zu der unsrigen eine geringere Herrlichkeit zu erwarten hat, so ist leicht zu begreifen, was Paulus sagt: „Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlinge des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst, erwartend die Sohnschaft: die Erlösung unseres Leibes“ (Vers 23). Wir sehen nicht nur das Seufzen der Schöpfung um uns her, sondern, durch unseren Körper mit derselben verbunden, seufzen wir auch in uns selbst und sind beschwert – nicht weil wir im Blick auf unsere Errettung oder die Liebe Gottes unsicher sind – sondern weil wir, da wir unsere Teilnahme an der Herrlichkeit kennen, den Kontrast des Zustandes fühlen, in dem wir uns gegenwärtig befinden. „Wir seufzen in uns selbst, erwartend die Sohnschaft: die Erlösung unseres Leibes“. Bei der Ankunft des Herrn wird der Körper die Sterblichkeit ablegen und die Unsterblichkeit anziehen; und dann werden wir völlig vom Staub befreit sein. In unserem gegenwärtigen Zustand aber werden wir auch gerade umso mehr mit der leidenden und seufzenden Schöpfung sympathisieren, je mehr die Liebe und Gnade Gottes in unseren Herzen verwirklicht ist, je mehr wir wie Jesus das Elend fühlen, in das die Sünde alles gebracht hat und je mehr der Lichtglanz der zu erwartenden Herrlichkeit durch den Geist in unseren Herzen ausstrahlt.

Jetzt haben wir den Geist der Sohnschaft, der uns völlig davon überzeugt, dass wir Kinder sind, aber wir sehnen uns nach der ganzen Verwirklichung dieser Sohnschaft, wozu auch die Erlösung des Körpers gehört. Im Blick auf die noch zu erwartende Segenszeit, in der der Geist Gottes in Fülle ausgegossen sein wird, was sozusagen als die Ernte des Geistes angesehen werden kann, besitzen wir jetzt die Erstlinge desselben. Hätten wir jetzt schon die Verwirklichung unserer gesegneten Stellung erlangt, so würden wir aufhören, zu hoffen und uns zu sehnen; denn das, was wir sehen, hoffen wir nicht. Wir sind aber selig in Hoffnung durch den Glauben; und diese Hoffnung ist für unsere Herzen eine völlige Gewissheit, weil wir den Geist als Unterpfand haben; und darum warten wir mit Ausharren (Verse 24 und 25).

Der Heilige Geist, als Zeuge unserer Sohnschaft, nimmt an der schmerzlichen Erfahrung, an unserer Verbindung mit der ersten Schöpfung durch den Körper, völlig teil, und so wird Er in uns die Quelle des Gefühls, das sich im Seufzen offenbart – ein Empfinden, das in seinem Charakter sowohl göttlich als menschlich ist. Und dieses Gefühl über das Böse ist nicht die Eigenliebe des Fleisches, die nicht leiden will, sondern eine Sympathie, die Gott gemäß ist und die sich auch in Christus offenbarte. Das zeigt uns auf eine treffende Weise, wie der Geist und das Leben praktisch in uns vereinigt sind. So wie Christus unsere Schmerzen und unser Elend gefühlt hat, weil Er selbst Mensch war, ebenso fühlt auch jetzt der in uns wohnende Geist unsere Leiden und Schmerzen. Und mangelt es uns an wahrer Einsicht, um in diesen Umständen auf die rechte Weise zu beten, so kommt der Geist Gottes zu Hilfe und „verwendet sich für uns in unaussprechlichen Seufzern“ (Vers 26). Wir selbst mögen dieses Seufzen nicht verstehen, aber der Geist ist dessen Quelle. Wir mögen keine Einsicht haben, um zu wissen, was die rechte Antwort darauf sei; Gott aber findet dieses Wirken des Heiligen Geistes im Mitgefühl für das, was um uns her ist, Ihm entsprechend. „Der aber die Herzen erforscht, weiß, was der Sinn des Geistes ist“ (Vers 27). Gott erforscht unser Herz und findet darin die Wünsche des Geistes; denn der Geist selbst bittet für uns. Ich bin es, der da seufzt, denn es geschieht in mir; und ich bin es auch nicht, wenn ich auf die Quelle und Kraft sehe, aus der das Seufzen hervorkommt. Welcher herrliche und ermunternde Gedanke, dass Gott, wenn Er das Herz erforscht, selbst wenn es durch das Gefühl des Elends, worin es sich bewegt, beschwert ist, nicht das Fleisch, sondern die Neigung des Geistes findet, und dass der Geist selbst sich in Gnade mit allen unseren Schwachheiten in dieser Hinsicht beschäftigt.

Wenn wir nun aber auch nicht wissen, „was wir bitten sollen, wie es sich gebührt“, und uns deshalb der Geist vertritt, so wissen wir doch, „dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind“ (V 28); und diese Einsicht kommt durch das Bewusstsein, dass Gott für uns ist.

Diese Wahrheit, dass Gott für uns ist, bildet nun den Schluss dieses kostbaren Kapitels. Im Anfang desselben ist, wie schon bemerkt, der Geist als Leben dargestellt; dann der Heilige Geist als persönlich wirkend, als gegenwärtig in uns, indem Er uns einerseits das Bewusstsein der Kindschaft und die Freude des Erbes gibt und andererseits an unseren Leiden und unseren Gebrechen während unseres Aufenthaltes in der Welt teilnimmt; und jetzt haben wir Gott für uns in seinem Ratschluss (Vers 29), in der Dahingabe seines Sohnes (Vers 31) und in unseren Umständen auf der Erde, so dass uns nichts von seiner Liebe scheiden kann (Verse 35–39).

„Denn welche Er zuvor erkannt hat, die hat Er auch zuvor bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein; damit Er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern“ (Vers 29). Alle, die Gott nach seinem Vorsatz berufen hat (Vers 28), hat Er auch zuvor erkannt; und diese alle hat Er bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu werden. Sie sollen Söhne sein, in derselben gesegneten Stellung mit Christus, damit Er der Erstgeborene vieler Brüder sei. Gott hat uns vor Grundlegung der Welt auserwählt, seinem Sohn gleichförmig zu sein. Es handelt sich hier nicht um das Seligwerden, oder um die Herrlichkeit als solche, sondern um die Gleichförmigkeit mit Christus. Jeder Heilige wird ein Bild von Christus sein. Dennoch wird Christus als der Erstgeborene, als das Bild Gottes, verschieden bleiben von seinen Brüdern. Dieser Ratschluss Gottes ist der klarste Beweis, dass Gott für uns ist, dass Er uns mit derselben Liebe umfasst, mit der Er auch Christus liebt. Ebenso geht auch alles von Ihm aus, was zu unserer Zubereitung nötig ist, um zu dem zuvor bestimmten Ziel zu gelangen. „Welche Er aber zuvor bestimmt hat, diese hat Er auch berufen; und welche Er berufen hat, diese hat Er auch gerechtfertigt; welche Er aber gerechtfertigt hat, diese hat Er auch verherrlicht“ (Vers 30). Paulus fasst hier alle Vorrechte, die er im vorigen Teil seines Briefes schon ausführlich beschrieben hat, noch einmal zusammen und flicht daraus eine unzerreißbare Schnur von kostbaren Perlen, die den Gläubigen zu jeder Zeit zieren wird. Berufen, gerechtfertigt, verherrlicht, zuvor bestimmt, zuvor erkannt, dem Bild Christi gleichförmig – welche Herrlichkeit für solche armen Geschöpfe, wie wir es sind! Ja, Gott ist für uns! Und es bleibt uns nichts anderes übrig, als niederzufallen, zu bewundern und anzubeten. „Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns“ (Vers 31)? Alles muss dazu dienen, uns zu dem gesegneten Ziel zu leiten, zu dem sein Ratschluss uns zuvor bestimmt hat.

Es ist aber nicht allein sein Ratschluss, der uns bezeugt, dass Gott für uns ist, sondern wir haben auch die vollkommene Tatsache als Beweis dafür. „Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern Ihn für uns alle hingegeben hat, wie wird Er uns mit Ihm nicht auch alles schenken“ (Vers 32)? Christus ist der Mittelpunkt aller Gedanken und Ratschlüsse Gottes; Er war der Einzige im Himmel und auf der Erde, an dem Gott seine ganze Wonne hatte, der eingeborene und geliebte Sohn. Und Ihn hat Gott nicht verschont, sondern hat Ihn für uns, die wir nichts als Feinde und Gottlose waren, hingegeben. Ist das nicht der vollkommene Beweis, dass Gott für uns ist? Können wir jetzt noch an seiner Liebe zweifeln? Können wir noch denken, dass Er uns irgendetwas Gutes versagen wird, da doch alles andere mit dem, was Er uns schon gegeben hat, nicht im Geringsten verglichen werden kann?

Gott ist für uns, und darum hat Er auch unsere Rechtfertigung in seine Hand genommen. Die Auserwählten Gottes können jeder Anklage, jedem Verdammungsurteil gegenüber in völliger Ruhe dastehen; denn Gott selbst tritt für sie ein und zerstört jede Anschuldigung. „Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt; wer ist es, der verdamme“ (Vers 33)? Und was stützt die Gerechtigkeit Gottes hinsichtlich unserer Rechtfertigung? Wodurch ist sie befriedigt und verherrlicht, so dass der Strom seiner vollkommenen Liebe ungehindert und ganz zu uns ausströmen kann? Die Antwort finden wir im folgenden Vers. „Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auch auferweckt worden, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet“ (Vers 24). Auf diese unumstößlichen Pfeiler sind alle unsere Segnungen gegründet. Er ist unserer Übertretungen wegen dahingegeben, und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden, und jetzt sitzt Er zur Rechten Gottes und bittet für uns. Welche Liebe! Auf welches sichere Fundament sind wir gestellt! Von hier aus können wir auf alles, was gegen uns ist, hinschauen und mit Zuversicht ausrufen: „Wer wird uns scheiden von der Liebe des Christus“ (Vers 35)? Was ist noch fähig, dieses Band seiner Liebe gegen uns zu zerreißen? Etwa die Versuchungen der gegenwärtigen Zeit? „Drangsal oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert“ (Vers 35)? Versuchungen, die gerade der Apostel so reichlich erlebt hat (Vers 36)?

Gerade diese Drangsale, die berechtigt zu sein scheinen, uns von der Liebe Gottes zu trennen, sind es, in denen wir der Liebe und Treue des Heilandes begegnen. Christus selbst ist durch diese Übungen gegangen, und jetzt ist Er mit uns darin und bewirkt, dass wir in allen diesen Trübsalen mehr als Überwinder sind (Vers 37). Wer wird uns denn von seiner Liebe trennen können? Die Feinde? Er hat sie überwunden. Die Höhe? Er ist für uns im Himmel. Die Tiefe? Er ist in die Tiefe des Todes für uns gegangen. Alles, selbst das Stärkste und Mächtigste, ist für den, der der Gegenstand der Liebe Gottes ist und der in der Gegenwart dieser Liebe, die in Christus Jesus offenbart ist, seine Ruhe gefunden hat, nur ein nichtiges und ohnmächtiges Hindernis.

Und mit diesem Schatz von unerschöpflichen Reichtümern im Herzen kann jeder Christ mit dem Apostel in den hohen und erhabenen Siegesruf des Glaubens, mit dem er dieses köstliche Kapitel beginnt und schließt, einstimmen – in den Siegesruf, der umso kräftiger sein wird, je mehr wir in die Tiefe und Tragweite des vollendeten Werkes Christi eingedrungen sind – und angesichts der Sünde, der Welt und des Teufels triumphierend ausrufen: Wer will verdammen? – Wer oder was wird uns zu scheiden vermögen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist (Vers 39)?

Für die, die in Christus Jesus sind, gibt es keine Verdammnis und keine Trennung mehr. Alles um uns her vergeht in Staub; aber der Glaube triumphiert; er schaut über Berge von Schwierigkeiten und über Tiefen von Sünden. Inmitten des Kampfes steht er unerschütterlich fest; denn er sieht nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare und ewig Bleibende; er schaut durch alle Nebel dieser niedrigen Schöpfung auf den hin, der sein Werk vollendet und als Sieger zur Rechten Gottes sitzt und uns jetzt als Teilhaber seiner Freude und als Miterben seiner Herrlichkeit erwartet.

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