Botschafter des Heils in Christo 1853

Gedanken über Epheser 1

In diesem Kapitel redet der Apostel von der Absicht Gottes in Bezug auf uns. Genau gesagt spricht Er darin von dem reichen Segen, den Er uns genießen lassen will, weniger aber von den Mitteln, die Er dazu gebraucht hat, um uns zu sich zu bringen. Es ist freilich auch gut, wenn wir auch diese in ihrem unaussprechlichen Wert verstehen. Wir werden uns dann um so mehr mit den Dingen beschäftigen, wozu wir berufen sind. In dem Genuss dieser Dinge liegt das Wesen eines Christen und das Wachstum der Seele. Sie durchdringen unser ganzes sein, und wo das Herz sie recht erfasst hat, wird man sich viel mehr als Christ und Zeuge der Wahrheit beweisen. Es wird dann die Welt durch die in uns wohnende Kraft des Heiligen Geistes einen größeren und augenscheinlicheren Anziehungspunkt haben. Das ist es also, wonach wir zu trachten haben.

Es handelt sich um wirkliche Dinge, nicht nur darum, errettet worden zu sein, sondern auch darum, die Trauben Eskols (Früchte des Landes der Verheißung) geschmeckt zu haben, und zwar von dem himmlischen Kanaan, wovon der Glaube sagt: mein Vaterland. Moses sandte Spione nach Kanaan, um das Land auszukundschaften, in welches Gott das Voll Israel führen wollte. Sie brachten prächtige Trauben aus diesem ersehnten Land mit zurück. Einige hatten begriffen, wie es um das Land der Verheißung stand: ein Land, nicht wie Ägypten, das nur mit Mühe bewässert werden konnte, sondern ein Land, das vom Himmel selbst getränkt wurde, mit fruchtbaren Bergen und Tälern und reich in jeder Beziehung. Es war ein Vorbild des himmlischen Vaterlandes, worin für einen jeden Segen in Fülle vorhanden ist. Das Vorrecht Israels bestand nicht allein darin, dass es durch das Blut des Lammes vor dem Engel des Gerichts geschützt blieb, oder nur darin, dass es vor Pharao durch die Macht des Herrn errettet wurde, oder darin, dass es durch die Wolke im Rücken bewahrt blieb, so dass der Feind nicht nahen konnte, sondern auch darin, dass es in der Wüste von Gott geleitet und gepflegt wurde. In dieser Wüste sollte es leben, nachdem es befreit worden war. Gott war mit ihm. Aber ach! Das Herz kehrte immer wieder nach dem Land zurück, was es verlassen hatte. Das Volk war immer zu sehr mit den Fleischtöpfen Ägyptens beschäftigt, die es verlassen hatte, d. h. mit den fleischlichen Lüsten. Ihre Herzen waren nicht beschnitten (vgl. Apg 7,51).

Diejenigen, die im Geist im Himmel wohnen, nehmen auch das Wesen oder den Charakter des Himmlischen an, und sie wachsen in den Dingen, worin sie sich befinden. Sie stehen mit Gott in Verbindung, sie leben in seiner Gemeinschaft und genießen, was Gott ihnen gegeben hat. Dies ist ohne Zweifel sehr wertvoll, aber es ist noch wertvoller, dass sie Gott selbst genießen können. Das ist eine überschwängliche Gnade, die da will, dass wir immer bei Ihm bleiben, um immer mehr seine Gedanken und Absichten kennen zu lernen, denn solche verstehen am besten, was sich vor dem Herrn geziemt, und wachsen permanent in der Erkenntnis Gottes und des Christus. Lasst uns dies wohl erwägen und beherzigen.

Im dritten Vers des oben angeführten Kapitels heißt es: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus“ – In Christus, dem Haupt des Leibes sind wir mit allerlei geistlichen Gütern gesegnet. In Ihm ist unsere angewiesene Stellung, was wir immer reichlicher, vor allem in der Praxis, verstehen lernen sollen. „Wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und untadelig seien vor ihm in Liebe“ (Eph 1,4).

Das ist der Gedanke Gottes über uns. Er will uns vor seinem Angesicht haben und zwar glücklich und für sich selbst. Nur in einem Sinn kann Gott sich selbst nicht genügen, nämlich in der Liebe. Diese muss andere Wesen haben, als sich selbst, um sie glücklich zu machen. Und Er will solche Wesen vor sich haben, die dem entsprechen, was Er ist. Er ist der Heilige, Er ist die Liebe, darum stellt Er auch uns heilig und untadelig in Liebe vor sein Angesicht. Das sind gar wichtige und kostbare Gedanken für uns. Gott hat gewollt, dass die Gemeinde der Art sei, dass Er Wohlgefallen an ihr haben könnte, und um sein eigenes Bild in ihr zu schauen. Er spiegelt sich in seinen Kindern wieder, indem Er Wesen vor sein Angesicht stellt, die Ihm ähnlich sind. Dadurch macht Er uns überaus glücklich. Er macht uns seiner Natur teilhaftig, und macht aus uns einen Gegenstand seiner Freude. Aus diesem Grund macht Er uns heilig und untadelig in Liebe, hier unten durch den Geist, aber droben in wirklicher Vollkommenheit.

Vor seinem Angesicht zu sein ist schon jetzt unsere Stellung. Es ist nicht eine einfache Freude, sondern es ist das Kostbarste, was man sich denken kann. Adam floh vor Gott. Man ist nicht gern vor seinem Angesicht, wenn man nicht heilig ist. Aber dann, wenn das Gewissen durch das Blut des Christus gereinigt ist, ist man in Wahrheit vor Ihm glücklich. Man muss heilig sein, um die Neigungen der göttlichen Natur zu verstehen. Wir müssen unser Glück darin finden, vor Ihm heilig und unsträflich in Liebe zu sein.

Wir finden in 1. Johannes 4,13 einen Ausdruck eigentümlicher Art: „[...] dass er uns von seinem Geist gegeben hat“, ein Ausdruck, kräftig genug, um uns verstehen zu lassen, auf welche Weise wir der Natur teilhaftig geworden sind. Wir erkennen nun, dass Gott nicht allein in uns wohnt, sondern auch, dass wir in Ihm wohnen, weil Er uns von seinem Geist gegeben hat. Das uns Mitgeteilte ist nichts Geringeres als die Mitteilung der göttlichen Natur, durch welche wir in Ihm wohnen und Er in uns, damit wir heilig und unsträflich vor Ihm in Liebe seien. Was wir droben sein werden, soll unser Ziel hier unten sein – nicht als eine aufgebürdete Pflicht – sondern wir sollen uns zum Lob Gottes als solche beweisen, die der göttlichen Natur teilhaftig geworden sind. Wollen wir das verwirklichen, so dürfen unsere Gedanken nur oben sein, nach dem Maß der Gnade, die wir empfangen haben. Es ist sehr segensreich für uns, sich mit den himmlischen Dingen im Geist zu beschäftigen, im Glauben da zu verharren, wo die Gedanken Gottes über uns ihre Verwirklichung finden in der Herrlichkeit.

„Und uns zuvor bestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst, nach dem Wohlgefallen seines Willens“ (Eph 1,5). Der Apostel erwähnt stets diese Kindschaft d.h. dass Gott uns für sich selbst besitzen will durch Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, als seine Kinder. Und es ist der Reichtum seiner Liebe, der uns dahin gebracht hat. Der Apostel spricht nachher von der Grundlage, worauf der Glaube ruht, und von den Mitteln, welche Gott gebraucht hat, uns zu seiner Kindschaft zu bringen. Auf diese Mittel können wir mit Bestimmtheit rechnen. Hier ist die rechte Tür, durch welche wir hinein kommen. Sind wir durch diese Tür, die Jesus selbst ist, eingegangen, so haben wir die Gewissheit, im Haus des Vaters zu sein. Es wäre aber traurig, Jesus nur als Tür zu haben, auch wenn es schon kostbar ist, zu verstehen, was wir Vers 7 lesen: „In dem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade.“

Wenn man nicht die Gewissheit über seine völlige Annahme besitzt und die große Liebe des Vaters nicht versteht, so verkennt man den Reichtum seiner Gnade. Bin ich über mein Verhältnis zu Gott unklar und ungewiss, so ist der Gruß der Gnade mir im Wesen nicht zu Teil geworden. Man muss sich völlig auf Gott verlassen und auf die Kraft dessen, der uns aufgefordert hat, durch die rechte Tür einzugehen. Wir können hier niemals die Reichtümer seiner Gnade ganz erforschen. Wir können unsere Sünden nicht einmal berechnen, viel weniger noch diesen Reichtum seiner Gnade, und dies ist es doch allein, was wir zu erforschen haben. Besonders für euch, die Ihr kleinmütig und ängstlich seid, ist das einzige und beste, was Ihr tun könnt, die Reichtümer seiner Gnade zu erforschen.

Der Herr tut noch mehr, als uns seiner Gnade gewiss zu machen. Von der Gnade heißt es in den Versen 8 bis 10: „Die er uns gegenüber hat überströmen lassen in aller Weisheit und Einsicht, indem er uns kundgetan hat das Geheimnis seines Willens, nach seinem Wohlgefallen, das er sich vorgesetzt hat in sich selbst für die Verwaltung der Fülle der Zeiten [immer derselbe Gedanke, wovon Paulus erfüllt ist]: alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus, das, was in den Himmeln, und das, was auf der Erde ist, in ihm.“

Das ist der Gedanke Gottes. Er will alles vereinigen in Christus und hier hat Er uns seine Absichten zu erkennen gegeben. In Ihm sind wir des Erbes teilhaftig gemacht: „In dem wir auch ein Erbteil erlangt haben, die wir zuvor bestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rat seines Willens, damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien, die wir zuvor auf den Christus gehofft haben“ (Eph 1,11.12). Es ist von Segen, wenn wir darauf recht aufmerksam werden, dass Gott alles in Christus vereinigen will. Die Gemeinde soll seine Miterbin sein, das ist das Geheimnis seines Willens. Diese Dinge werden hier an die alten Verheißungen geknüpft, die dem Abraham zugesagt waren, nämlich an das Kommen des Messias und die Verheißung des Heiligen Geistes.

Es handelte sich darum, diese Verheißungen den Heiden zukommen zu lassen: Der Heilige Geist der Verheißung, “der das Unterpfand unseres Erbes ist, zur Erlösung des erworbenen Besitzes, zum Preise seiner Herrlichkeit“ (Eph 1,14).

Wenn der Apostel sagt „wir“ (V. 12), so spricht er von dem Überrest der Juden, die geglaubt haben, und danach sagt er „ihr“, indem er sich an die Heiden wendet. Wir dürfen hier aber nicht an die Juden als Volk denken, sondern an solche, die als ein kleiner Überrest den Gesalbten annahmen und die Erstlinge des Volkes sind, was später glauben und sagen wird: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ Jene glaubten, ehe sie den Messias in der Offenbarung seiner Macht und Herrlichkeit sahen. Sie haben zuvor auf Christus gehofft. Der Herr hat durch den Propheten Joel verheißen: „Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch“ (Joel 3,1). Er spricht hier von der Zeit, wo Er die Juden in ihrem Land wieder hergestellt hat, denn Er sagt: Mein Volk wird nicht für immer beschämt sein, sondern ich werde meinen Geist ausgießen usw. Als der Pfingsttag erfüllt war, sagt Petrus in Apostelgeschichte 2,16, dass jetzt der Tag ist, wovon der Prophet Joel gesprochen hat. Doch ist der Heilige Geist nur auf eine kleine Zahl herabgekommen, weil das Volk Christus nicht aufnahm. Offenbar sehen wir hier nicht die gänzliche Erfüllung der Weissagung, denn es gab nur einige Personen, welche an Christus glaubten, ohne zu sehen, und dies waren Juden.

Sie empfingen den Geist, hier nicht in dem Maß, wie er nach Erfüllung der Dinge geweissagt war, denn sie sind noch nicht erfüllt. Aber Einige haben im Voraus das alles durch den Glauben ergriffen. Ebenso sind nun auch die Heiden durch denselben eingegangen, versiegelt durch den Heiligen Geist. Auch sie sollen zum Lob der Herrlichkeit seiner Gnade sein, wodurch sie angenehm gemacht sind in dem Geliebten. Der Heilige Geist versiegelt uns und ist uns gegeben zum Unterpfand der Dinge, die wir noch nicht haben, sondern nur im Glauben besitzen. Wenn Gott alle Dinge vollbracht haben wird, ist kein Glaube, kein Siegel, kein Unterpfand mehr nötig. Freilich werden wir im Himmel mit dem Heiligen Geist erfüllt sein, um die himmlischen Dinge genießen zu können, diese werden wir dann schauen und besitzen.

In der bezeichneten Stelle unseres Kapitels ist uns der Charakter mitgeteilt, den der Heilige Geist unterdessen einnimmt, und zwar in denjenigen, die zuvor auf Christus gehofft haben, damit wir etwas würden, zum Lob seiner Herrlichkeit. Er hat uns des Erbes teilhaftig gemacht, aber mitten in einer Welt, die weder etwas von diesen Gedanken Gottes versteht noch von dem Geheimnis seines Willens, das seine Gnade uns reichlich zugeteilt hat in aller Gnade und Einsicht. Bedenken wir unser Elend von Natur, so wird es uns erst kostbar, sagen zu können: Ich glaube alle diese Dinge, ich glaube die Absicht Gottes, das Gesamte in Christus zu vereinen und dass es die Stellung der Gemeinde ist, heilig und unsträflich zu sein vor Ihm in Liebe. Diese wird nicht nur in in seiner Gegenwart gesegnet, sondern sie wird der Ausdruck dessen sein, was Gott ist, weil Er ihr von seinem Geist gegeben hat. Allein durch den Glauben nehmen wir diese gesegnete Stellung ein. „In dem auch ihr, nachdem ihr gehört habt das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils – in dem ihr auch, nachdem ihr geglaubt habt, versiegelt worden seid mit dem Heiligen Geist der Verheißung“ (Eph 1,13).

Der Apostel erkennt, dass alle Heiligen ein Leib in Christus sind und wünscht nun, dass ihre Hoffnung klar und fest sei, und dass sie die Macht des Lebens des Christus erfahren möchten. Er wünscht ihnen den wirklichen Genuss von der Berufung Gottes, von der ganzen Herrlichkeit seines Erbes, in den Heiligen, in allerlei Weisheit und Verstand. Dies drückt Er vom 18. Vers bis zum Ende in sehr herzlichen Worten aus.

Wir müssen uns stets bewusst bleiben, was wir vor Gott sind und die Stellung nicht vergessen, worin Er uns, erhaben über alle Dinge, gesetzt hat, um den Besitz des Erbes zu erkennen, welches Jesus erworben hat, zum Lob seiner Herrlichkeit. Danach haben wir zu trachten und es soll uns alle Tage beschäftigen. Es erfüllt unsere Herzen immer mit Lob und Dank, wenn wir daran denken, wie hoch uns Gott gestellt hat. In seiner Nähe und Gemeinschaft nehmen wir alle Hindernisse und Schwierigkeiten aus seiner Hand. Wir fühlen, dass Er die Seile seiner Liebe zwischen uns ausgespannt hat, und dass nichts uns treffen kann, ohne seinen Willen.

Wenn wir unsere Herzen mit all diesen Dingen beschäftigen, verwirklichen wir unsere Gemeinschaft mit Gott immer mehr und genießen unsere Vorrechte in Christus. Vorab aber müssen wir auf das genaueste überzeugt sein, dass wir die Vergebung unserer Sünden und die Erlösung durch das Blut Jesu haben. Man muss durch die enge Pforte eingegangen sein und in der Gegenwart Gottes bleiben, um sich recht freuen zu können.

Mögen die Schwierigkeiten sein, wie sie wollen, so lässt uns doch die Hoffnung nicht zu Schanden werden, weil die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen ist. Durch den Heiligen Geist sind wir in den Stand gesetzt, alles zu genießen, was der Gemeinde gehört, welche Gott zuvor erwählt hat, zum Lob seiner Herrlichkeit. Haben wir die Versicherung seiner Liebe, die so unendlich viel wert ist, so haben wir die Zuversicht, vor Ihm zu sein heilig und unsträflich und die ganze Herrlichkeit des Erbes zu besitzen.

Mögen wir stets im Haus unseres Vaters bleiben, worin wir gepflegt und getragen werden. Sind wir vielleicht noch schwach, so sei dennoch dieses Vaterhaus droben der Ort, worin wir in unserer Schwachheit wachsen, worin wir verstehen lernen, was Er für uns getan hat und wie sehr wir geliebt sind.

So lasst es uns denn recht erkennen, dass der Heilige Geist uns als Siegel und Unterpfand von Dingen gegeben ist, die unendlich hoch sind. Auf dieser Erde hat Gott die Gemeinde heilig und unsträflich in Liebe vor sich hingestellt. Sie ist vor Ihm in Christus, und wir sind berufen, Nachfolger des Christus und Gottes zu sein, als geliebte Kinder, durch die Macht des Heiligen Geistes. Als solche sollen wir uns stets beweisen, während wir durch diese Welt hindurch reisen, und sollen in den Dingen leben, die wir noch nicht sehen.

Gott möge uns reichlich mit seinem Geist erfüllen, damit wir Ihn auf allen Wegen verherrlichen und als solche leben, die zuvor auf Christus gehofft haben.

(Frei aus dem Französischen übersetzt.)

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