Botschafter des Heils in Christo 1853

Gedanken über Johannes 17

Es gibt kein anderes Kapitel der Bibel, worin mit mehr Zusammenhang angegeben wird, was Christus für die Gläubigen ist, als dieses. Ich sage nicht, dass hier die Rede von diesen oder jenen Umständen ist, in welche der Gläubige kommen kann, sondern davon, was Er selbst vor Gott ist, und wie Er uns in dieselbe Stellung hineingeführt hat. Er sagt von sich selbst: „Ich bin nicht von dieser Welt.“ Er betrachtet seine Stellung Gott und der Welt gegenüber, stellt die Gläubigen auch Gott und der Welt gegenüber sich gleich und zugleich legt Er hier den Grund, worauf dies alles ruht. Von allen wichtigen Wahrheiten, die in diesem Kapitel enthalten sind, wollen wir hauptsächlich diese betrachten, nämlich, wie sich Christus für uns vor Gott stellt.

Wir finden überhaupt, dass Christus der Ursprung von allem ist, was wir haben. Er hat es von dem Vater empfangen. Wir finden einerseits in Ihm, als Sohn Davids, die Erfüllung gewisser Verheißungen, die dem Abraham gegeben. Andererseits ist Er aber auch die Quelle des Lebens, von dem Vater herkommend, und als solcher, Erfüller aller Verheißungen, die uns in Ihm vor Grundlegung der Welt geschenkt worden sind, und also ist Er hier anzusehen. So köstlich die Erfüllung gewisser Verheißungen auch an und für sich ist, so liegt dennoch nicht alles das darin, was Er für uns ist.

Er ist Sohn des Vaters, das Wort worin das Leben ist, wie es in Johannes 1,18 heißt: „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns. Und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit eines Eingeborenem vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade.“ Nachdem Johannes, von diesem Gesichtspunkt aus, uns seine Geschichte entwickelt hat, zeigt er Ihn in diesem Kapitel am Ende seines Lebens, wie Er war, die Gnade und die Wahrheit, gekommen aus dem Schoß des Vaters und bereit, wieder zum Vater zurückzukehren. Dieses Kapitel hat etwas ganz Eigentümliches, in welchem wir in diese wunderbaren Anordnungen eingeführt werden. Wir vernehmen hier nicht allein, was der Herr den Menschen, sondern was Er seinem Vater sagt.

Es ist mehr als Zutrauen, es ist innige Vertraulichkeit; wir hören, wie Er dem Vater über alles Rechenschaft gibt. „Ich habe dich verherrlicht auf der Erde, das Werk habe ich vollbracht, das du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte.“ Er überantwortete alles. Er schüttete das Herz aus in das Herz des Vaters in Betreff der Seinen, und das ist das vertraulichste Verhältnis, worin Er uns eingeführt hat. Christus, der Sohn, hat den Vater befriedigt. Er übergibt Ihm das ganze Gnadenwerk, wovon Er der Stellvertreter war. Wir finden hier also die innigsten Verbindungen zwischen Ihm und seinem Vater und durch Ihn zwischen dem Vater, dem Sohn, (sich selbst) und uns. Wir finden darin den Grund, worauf unsere Hoffnung gebaut ist. In den vorhergehenden Kapiteln hatte Er mit seinen Jüngern über verschiedene Gegenstände gesprochen. Jetzt aber war die Zeit gekommen, wo das vollbracht werden sollte, wodurch wir in unmittelbare Verbindung mit Gott eingeführt werden sollten.

Sein ganzes Werk für die Menschen ist vollendet. Alles, was der zweite Adam zu erfüllen hatte, wurde durch Ihn erfüllt. Das ganze Verderben, welches der Erste Adam in der Schöpfung eingeführt hatte, war die Ursache geworden, was der zweite vollbrachte. Er war vom Himmel und ist gekommen, das Verhältnis zwischen Gott und uns zu gründen. Er stellt sich vor Ihn hin als der, der das Werk, vom Vater gefordert, ganz vollendet hatte.

Gott führt seinen Willen aus. Er wollte einen Menschen für sich an die Stelle des ersten Adams haben und Christus entspricht vollkommen diesem Zweck. Der zweite Adam wirkte in denselben Umständen, worin der Erste uns gestürzt hatte, und es handelt sich jetzt nicht darum, was wir, sondern was Gott getan hat. Es ist wichtig zu verstehen, das unser Verhältnis zu Gott auf das gegründet ist, was der Gott–Mensch erfüllt hat. Bis dahin war auf unserer Seite nur Sünde und Torheit; was Christus getan hat, ist die Weisheit, die Reinheit und der Gehorsam in der Vollkommenheit. Es war die Stunde gekommen zu wissen, ob dieser neue Mensch, Jesus, vor Gott bestehen konnte, und Er kann es. Er kann die Augen gen Himmel emporheben und dahin zurückkehren, von woher Er aus Liebe und Gnade gekommen war, sagend: „Ich habe dich verklärt auf Erden; Vater die Stunde ist da, verherrliche deinen Sohn; damit dich dein Sohn auch verherrliche! Gleich wie du ihm hast Macht gegeben über alles Fleisch, damit Er das ewige Leben gebe allen, die du ihm gegeben hast“ (V. 1–2). Wir sehen, dass Er immer in der vollkommenen Demut spricht. Er nimmt seinen Wohnsitz beim Vater, und zwar hatte Er sich diesen nicht nur verdient, sondern auch selbst bereitet.

Wäre der Mensch unschuldig, so würde er seine Wohnung im Paradies haben; aber dass ein Mensch sich selbst eine Wohnstätte im Himmel vor Gott bereitet, wie Christus es getan, und zwar für uns getan hat, so etwas bestand bis dahin nur in den Gedanken Gottes. Ein Mensch, der das Leben aus Gott bat, und sich durch sein vollbrachtes Werk eine Stätte im Himmel bereitet hat, ist etwas Neues. Doch ist zu bemerken, dass Jesus die Herrlichkeit als eine vom Vater geschenkte annimmt. Er ist in seiner Stellung als Mensch treu, obschon Er Sohn ist. Er stellt sich mit den Seinen gleich, als der, welcher alles empfängt. Er nimmt seinen Platz in der Herrlichkeit bei dem Vater für immer, – als das Haupt, um allen denen das ewige Leben zu geben, die Ihm der Vater gegeben hat, wie Er selbst alles von Ihm empfängt. „Das ist das ewige Leben, dass sie dich und den du gesandt Haft, Jesus Christus, erkennen“ (V. 3). Hier handelt es sich nicht mehr um die Gerechtigkeit der Menschen, sondern es heißt: das ist das ewige Leben.

Als der reiche Jüngling zu Jesus kam und fragte: „was soll ich tun, um das ewige Leben zu haben?“ antwortete Er: „du weißt die Gebote.“ Seine Stunde war noch nicht gekommen; Er war noch nicht verworfen; darum sagte Er ihm: Tue das, und du wirst leben. Der Jüngling hatte nicht gefragt, was soll ich tun, dass ich selig werde, sondern um das ewige Leben zu haben. Die Gerechtigkeit Gottes war noch nicht wegen der Sünde befriedigt. Hätte man das Gesetz erfüllt, würde man das ewige Leben gehabt haben; aber jetzt gibt es kein ewiges Leben, wenn man nicht den Vater und den Sohn kennt. Glaubt auch jemand, dass Gott das ewige Leben gibt, und er glaubt es nach seinen eigenen Gedanken, und nicht nach dem, wie es Gott offenbart hat, so hat er doch keinen Teil daran. Gott allein kann sagen: das ist das ewige Leben. Haben wir es nicht in Jesus, so gibt es für uns keins, denn um es zu besitzen, ist in uns nichts erforderlich. Das ist ein neuer Gedanke. Das Leben wird also nicht mehr bei den Menschen, sondern in Christus gesucht, der unser Verhältnis zu Gott gemacht hat. Wer den Vater und den Sohn kennt, kann sagen: ich habe das ewige Leben. Wer dies glaubt, hat das Zeugnis in sich selbst, und es ist köstlich, zu wissen, dass der Herr diese Dinge mit solcher Gewissheit festgestellt hat. Es könnte eine Seele sagen: ich habe nicht das ewige Leben, denn ich verherrliche Gott nicht. Meine Freunde, lasst euch ein wenig bei Seite, hier spricht der Sohn zum Vater und euch geziemt nicht, eure eigenen Gedanken dazwischen zu schieben. Gott findet sich nur in Jesus verherrlicht. „Ich habe dich verherrlicht auf der Erde.“ Vorher war es mit Gott wie mit der Turteltaube, die Noah sandte; sie konnte nirgends Fuß fassen; aber als der Sohn gekommen war, konnte er sagen: Ich habe dich verherrlicht, und auf Ihm ruht Gott mit Wohlgefallen. Damit Satan es höre, die Seinen sich freuen, die Welt es erkenne und die Engel es bewundern, sagt Jesus am Ende seiner Laufbahn: Ich habe dich verherrlicht. Er ist der geliebte Mensch, der von Gott gegeben ist, der Mensch, der vollkommen erfüllt hat alles, was Gott fordern konnte. Er durfte sagen: ich habe vollendet das Werk, ich habe nichts mehr zu tun, und du, Gott, hast nichts mehr zu fordern. „Ich habe dich verherrlicht und nun verherrliche du mich, Vater, bei dir selbst, und mit der Herrlichkeit, welche ich hatte bei dir, bevor die Welt war“ (V. 5). Das ist die Grundlage unseres Heils. Es ist bemerkenswert zu sehen, wie der Sohn, der doch Gott war mit dem Vater und zu dieser Herrlichkeit gerechte Ansprüche hatte, darum bittet, weil es sich Ihm als Mensch geziemt, und diese Herrlichkeit nimmt Er als Mensch in Besitz. So verstehen wir, wie Er unsere Stelle eingenommen hat; als Mensch verantwortlich in unserem Verhältnis in Betreff der Sünde (obwohl Er ohne Sünde war) und auch dadurch, dass Er den Vater vollkommen verherrlicht hat. Also hat Er ein Recht zu dieser Herrlichkeit, in welcher Er als Mensch bei dem Vater verherrlicht ist, und bittet endlich, dass dieselbe Herrlichkeit für uns sei, wie für Ihn. Er hat sich gedemütigt bis zum Tod, deshalb hat Ihn auch Gott erhöht.

Auf diesem Grund ruht das Ganze; der Sohn verherrlicht den Vater auf der Erde, und der Vater muss Ihn im Himmel verherrlichen. Er hat seinen Platz dort genommen, weil alles vollbracht war. Was tut Er jetzt in Betreff unserer? „Ich habe deinen Namen offenbart den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast; sie waren dein und du hast sie mir gegeben; und sie haben dein Wort behalten.“ Als Er zum Vater Geht, sagt Er: mein Vater und euer Vater. Er offenbarte den Vater, wie Er Ihn selbst kannte, denn wo Er Ihn einer Seele offenbart, kann Er Ihn auch nicht anders offenbaren, als wie Er Ihn selbst kennt. Er bringt uns das Herz des Vaters, wie es ist, wenn wir es auch schwächer erkennen; wie auch ein kleineres Kind schwächer und unwissender ist, als ein größeres, aber nichts desto weniger sind wir alle seine Kinder, und alle der Gegenstand seiner Sorge und seiner Zärtlichkeit. Wir begreifen nicht die ganze Liebe, welche uns Gott erweist; aber Christus sagt uns: „Ich bin in ihnen und du in mir, damit sie sein vollendet in eins und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast, und liebst sie, gleich wie du mich liebst“ (V. 23). So sind wir dargestellt, gleichviel in welchem Gerad es bei uns verwirklicht ist; aber merkt auch, dass Er nicht von der Welt war. Der Mensch, der Erste Adam, hatte der Sünde wegen im Paradies keinen Teil mit Gott, weil er gefehlt hatte, und sollte bald in die Hölle verstoßen werden. Christus, der zweite Adam, um die Ratschlüsse Gottes zu erfüllen, stellt sich in die Reihe der sündigen Menschen; aber Er war nicht von dieser Welt und folglich war die Welt sein Wohnsitz nicht. Die Menschen, die Ihm Gott gegeben hat, sind von der Welt genommen und Er sagt von diesen, wie von sich: „Sie sind nicht von dieser Welt.“ Er bringt sie in die Stellung, die Er sich gemacht hat, und diese Stellung ist nicht in dieser Welt. Er wird zwar von der Welt Besitz nehmen, als Erbe; aber die Welt ist weder sein Platz, noch der unsrige.

Vers 25 sagt Jesus: „Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt.“ Er sagt: „gerechter Vater“ und nicht: „heiliger Vater“; denn es war aus mit der Welt; Er beruft sich auf die Gerechtigkeit gegen die Welt. Die Welt hatte den Vater nicht erkannt, wiewohl Er sich vollkommen im Fleisch offenbart hatte. Die Stunde war gekommen, zwischen Jesus und der Welt zu entscheiden; Gott musste sich für einen aussprechen, denn zusammen konnten sie nicht mehr gehen. Gott konnte die Welt nicht mehr lieben, in der sein Sohn so verhöhnt und verachtet gewesen, und wo Judas herausgegangen und das Maß erfüllt war. So ist die Welt gerichtet, obschon das Gericht nicht gleich vollzogen wurde. Der Fürst dieser Welt ist hinausgestoßen, und diejenigen, die ihm entrissen werden sollten, sind dem Herrn Jesus gegeben. Der Herr fügt hinzu: „ich habe ihnen gegeben dein Wort und die Welt hasst sie; denn sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie von der Welt nimmst, sondern, dass du sie bewahrst vor dem Übel.“ Also bezeichnet Er diese Gläubigen: „sie waren dein und sie haben dein Wort behalten.“ Merkt euch, dass Jesus sagt: „sie haben dein Wort behalten.“ Wie haben sie es denn behalten? Seine Jünger, worüber Er in diesem Augenblick mit seinem Vater sprach, hatten es nicht verstanden. Ihr Benehmen war oft sehr traurig, aber sie hatten beharrt, (Judas ausgenommen). Es gab vieles, was sie nicht verstanden, aber sie hatten das Wort des Vaters in Betreff des Herrn Jesus behalten. Als Jesus einmal fragte: Wollt ihr auch weggehen, antwortete Petrus: Herr, wo sollten wir hingehen. Du hast Worte des ewigen Lebens, und wir haben erkannt, dass du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes (Joh 6,68). Sie hatten das Wort des Vaters fest gehalten und sobald wir dem Wort des Vaters Zutrauen schenken, weil Jesus es gesagt hat, so sind wir sein. Es ist für die Gläubigen auch gut, dieses Urteil des Herrn Jesus über seine Jünger zu kennen. Gleich nachdem der Herr sie über die letzten Umstände seines Lebens unterrichtet hatte, stritten dieselben Jünger untereinander darüber, welcher der größte sei, und trotzdem hatten sie das Wort behalten. Wenn das Vertrauen zu Ihm da ist, so sagt Jesus: sie sind dein und ich bin in ihnen verklärt. Die Jünger hatten verstanden, dass der arme Zimmermanns Sohn der Sohn Gottes und der Erbe aller Dinge war. Wenn nun Jesus diesen Platz im Herzen eingenommen hat, so sind wir selig, wenn man verstanden hat, was Jesus ist, obschon verachtet und verworfen. So das Auge durch diese Verachtung hindurch den Sohn Gottes, den Vielgeliebten, erkannt hat, ist man erfreut, denn man hat verstanden, dass da das ewige Leben ist. Wir haben nun denselben Gedanken, wie Gott; Christus ist dann der Gegenstand all unserer Wünsche und in Ihm finden wir unsere Freude. Wir sagen dann: Er hat Recht, alles kommt vom Vater. „Sie haben geglaubt, dass du mich gesandt hast und dass ich von dir ausgegangen bin.“ Wir sehen in diesem allen die Größe der Vorrecht, wovon Christus spricht; wir haben gesehen, wie und warum Er auf die Herrlichkeit Ansprüche hat. Gott der Vater war sie Ihm schuldig, und Er gibt sie uns; aber noch dazu alle Worte, die Er vom Vater gehört hat, alle Pläne und geheimen Ratschlüsse des Vaters, welche Ihm, als Prophet Gottes, mitgeteilt worden sind; alle Zeugnisse der Zuneigung und der Wege Gottes, welche seine Seele getröstet haben, hat Er uns mitgeteilt. Die Herrlichkeit, die Er erworben, die Worte, die Er gehört hat, gibt Er uns. Er will ha? den, dass wir in derselben Gemeinschaft mit dem Vater sein sollen; wir sollen Teil haben an der Erkenntnis seiner ganzen Liebe und an all seinen Gaben. Seht, was für eine Stellung wir haben, und was für eine Stütze unserer Seele gegeben ist auf dem Pilgerweg; und wenn wir die Einsicht über die Liebe des Vaters haben, die in das Herz seines Sohnes ausgegossen war, so können wir sagen, dass wir erkannt haben, dass Jesus vom Vater ausgegangen ist und dass wir glauben, Er sei von ihm gesandt. Diese Liebe vom Vater ist auch in unser Herz ausgegossen, um uns zu stärken, und damit wir unser Einssein mit dem Sohn, in seinem Verkehr mit dem Vater und in der Stellung, die Er uns erworben hat, hochschätzen können. Das ist, zu erkennen, was der Vater für den Sohn ist und zu erkennen, dass Er alleiniger Gott ist und den, welchen Er gesandt hat, Jesus Christus.

Gott schüttete in Jesus sein Herz aus und Er war der Verwahrer der Gefühle Gottes, und das ist auch die Lage, die Er uns verschaffen will. Er will haben, dass wir die Herrlichkeit, die Er hat, erkennen, indem wir da sein sollen, wo Er ist. Wir, die wir ihn erkannt haben in seiner Erniedrigung und mit Ihm erniedrigt gewesen sind. „Vater, ich will, dass wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, dass sie meine Herrlichkeit sehen.“ Die Herrlichkeit dessen, der, obwohl von der Welt verachtet, dennoch vor Grundlegung der Welt geliebt war. „Ich habe ihnen gegeben dein Wort;“ sagt Er. Sie haben als Zeuge dieselbe Stellung in der Welt, wie ich selbst, „und die Welt hasst sie, weil sie nicht von der Welt sind.“ In demselben Grad, wie wir wünschen, unsere Stellung mit Christus im Himmel einzunehmen, so müssen wir auch auf Erden die seinige einnehmen und gehabt sein. Dies ist der praktische Zustand der Christen. Wir haben gesehen, wie Gott uns zu Christen gemacht, indem Er uns absondert von der Welt durch den Tod Jesu. In dem Augenblick, wo Jesus spricht, hatte Gott schon alles mit dem Menschen versucht. Er hatte auf alle Versuche verzichtet; es handelte sich jetzt um was ganz anderes: Gott wollte den alten Menschen nicht mehr haben. Er gründete etwas Neues in Jesus, den vollkommenen Menschen, und unsere Beziehungen zu Gott sind nun unbeweglich in Ihm. Gott hat seinen Sohn verherrlicht; Er ehrt Ihn als Sohn, nachdem dieser uns angezogen hatte, wieder aufgenommen, und ein jeglicher, der durch den Glauben in Ihn versetzt ist, ist mit in den Himmel eingegangen. Das ist nun der einzige Weg, auf welchem wir zu Gott kommen können.

Der Heilige Geist ist es, der uns lehrt, die Liebe des Vaters zu verstehen. Sind wir mit Gott beschäftigt, so zeigt Er uns die Größe unseres Gottes in seiner Weisheit, Gnade und Kraft, und macht uns recht frei. Diese Freiheit wirkt eine Heiligung, welche einen unerschütterlichen Grund hat. Gott, der Vater und Jesus Christus waren mit uns beschäftigt, da Christus an unserer statt auf Erden war, um uns an seine Stelle zur Rechten des Vaters zu bringen. Eine solche Überzeugung wirkt eine wahre Heiligung, weil sie uns immer wachsen lasst in der Gemeinschaft Gottes, der heilig und ein Licht ist, und die Früchte des Geistes werden offenbar. Wo diese Früchte sind, da ist Gott. Nicht allein wirkt Er in uns, sondern wir sind auch durch den Heiligen Geist, der uns geschenkt ist, seiner Natur teilhaftig geworden. Stehen wir nun auf diesem neuen Grund, der unbeweglich ist, sind wir durch den lebendigen Glauben in Christus, der allein vor dem Vater gilt, so haben wir eine Stellung eingenommen, die Satan nicht erreichen kann; sie ist unbeweglich und weit über das alles, was Satan getan hat. Er kann nicht hineindringen, wie Er in die bewegliche Stellung drang, welche der Erste Adam einnahm. So lasst uns recht in diese unermessliche Ausdehnung der göttlichen Gnade hineinschauen; mögen unsere Ohren recht vernehmen, was in unserem Kapitel der Sohn dem Vater sagt, als Er sein Herz in Betreff der Seinen vor Ihm ausschüttet.

Wir finden seine Jünger hier noch sehr unwissend, aber nie dürfen wir unsere Unwissenheit und Gleichgültigkeit damit entschuldigen. Sind wir in solchem Fall, so soll uns dies vielmehr demütigen und aufmuntern, die Stellung einzunehmen, die Jesus uns anweist, damit wir unsere Vorrechte in Ihm erreichen. Wir haben auch jetzt mehr, als die Jünger zu jener Zeit. Als Jesus noch auf Erden war, kamen die Jünger zu Ihm und fragten ihn nach dem Willen des Vaters. Jetzt aber ist uns der Heilige Geist geschenkt, der in uns die Gemeinschaft mit dem Vater verwirklicht. Ist aber der Gläubige nicht in dieser Gemeinschaft, so kann er sehr leicht irren; die Einsicht hängt von dem Zustand seiner Seele ab. Wir sind nicht mehr Knechte, zu denen man sagt: Tue das; wir sind vielmehr Kinder die durch die Gegenwart des Geistes die Absicht des Vaters vernehmen.

Wir können nicht gesegnet sein, wenn wir nicht in der Gemeinschaft mit dem Herrn wandeln, vielmehr sind wir dann nur Knechte. Dies haben die Gläubigen vielfach vergessen, und deshalb gibt es so viel Dunkelheit unter ihnen. Christus ist nicht mehr in der Welt; wir aber sind noch darinnen und haben von den Dingen zu zeugen, die außerhalb der Welt, im Himmel, sind. Es ist aber unmöglich, die himmlischen Dinge durch das Fleisch zu verstehen, selbst für einen Christen, wenn er nicht treu ist. Er verliert das Unterscheidungsvermögen und erniedrigt sich zu gleicher Strafe, mit dem, was ihn umgibt, wenn er nicht ausschließlich den Beifall des Vaters sucht.

Gott spricht mit uns immer, als mit Kindern, die wissen, dass sie Kinder, sind: es ist ihr Fehler, wenn sie es vergessen, oder wenn sie es nicht wissen. Jesus sagt: Ihr wisst, wo ich hingehe, und den Weg wisst ihr auch (Joh 14,4). Ebenso spricht der Heilige Geist. Es gibt viele Christen, die nicht wissen, dass sie mit Ihm eins sind, und solchen muss man es vorhalten, denn Jesus hat gesagt: Ihr werdet erkennen, dass ich in euch bin, wenn ihr den Heiligen Geist habt. Er spricht immer seiner Liebe gemäß in Bezug auf die Vorrechte, die wir in Ihm haben. Er hat uns teilhaftig gemacht, nicht seiner Gottheit, aber alles dessen, was Ihm der Vater als Mensch gegeben hat.

Er hat ein solches Zutrauen zu seinen Jüngern, dass Er ihnen die Worte gibt, die Ihm der Vater gegeben hat. Ich bitte für sie, und bitte nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast, weil sie dein sind. Ich bitte für die, welche deine Worte aufgenommen haben. Der Herr wirkt als Gesandter für die Welt und als Priester für seine Auserwählten, die offenbar sind. Diejenigen, welche es noch nicht sind, sind wohl von Gott gekannt, aber sie empfangen nicht die Pflege, die die Christen so sehr bedürfen, um in dieser Welt bewahrt zu sein. Diejenigen, die nicht offenbar sind, sind nicht verantwortlich; was aber die Christen betrifft, so ist alles, wodurch sie ihre Verantwortlichkeit fühlen, kostbar, denn sie sind die Stellvertreter Christi. Jesus sagt: Wie du mich gesandt Haft in die Welt, so habe ich sie auch gesandt in die Welt. Und wo ist der, der da verstanden hat, dass er wie Christus gesandt ist, und nicht fühlen sollte, wie sehr er der Gnade bedarf, um Ihn würdig zu vertreten? Es ist also wichtig, die Stellung der Auserwählten zu begreifen, die beauftragt sind, Christus zu vertreten. Jesus betet also nur für diejenigen, welche offenbar sind; diese sind hier ein Gegenstand der Unterredung zwischen dem Vater, und dem Sohn. Was dem Vater teuer ist, ist auch dem Sohn teuer, und wenn der Sohn den Vater lieb hat, so wird Er für uns beten, und wenn der Vater den Sohn liebt, so wird Er denselben in uns verklären.

Gott hat uns so lieb, wie ein Vater, der nicht erlaubt, dass ein Haar von unserem Haupt falle, ohne seinen Willen. Die Dinge, welche kleinlich scheinen, haben doch Interesse für Vater und Mutter. Gott vernimmt alles, was irgendwie Bezug hat auf seine Kinder; auch alles, was uns von der Herrlichkeit abwenden könnte; deswegen züchtigt Er uns, denn Er ist der heilige Vater. Er bewahrt uns vor dem Übel durch seine gnädigen Ermahnungen und Warnungen, durch sein Wort, durch seine Verweise, durch die Freuden und die Gemeinschaft der Familie Gottes und durch die Züchtigungen, die den äußeren Menschen treffen, damit der Innere bewahrt bleibe.

Die Welt hasst, sobald sich Christus offenbart, und es kann auch nicht anders sein. Man muss auf diesen Hass gefasst sein, wenn man das Licht bringt, selbst auf den Hass der Christen, die nicht nüchtern sind. Man wird uns nicht lieblich finden und das Evangelium selbst wird auch denen nicht lieblich werden, die Jesus nicht annehmen wollen. Alles was der Natur lieblich ist, gehört nicht zum Ärgernis des Kreuzes.

Wenn ich mein Christentum schwäche oder gesetzlich werde, so finde ich Aufnahme; denn der Mensch will Gott gern etwas bringen, um noch ein wenig Ruhm zu behalten; bringe ich aber nur das Kreuz Christi, so gibt es Hass. Erkenne ich aber die Welt noch ein klein wenig an, so werde ich nicht also gehasst. Es ist nun zwar nicht angenehm, gehasst zu sein; aber alles, wodurch wir der Welt angenehm werden, durch die Anerkennung ihrer Gewohnheiten, nimmt nur das Ärgernis des Kreuzes weg, und bringt uns in eine Entfernung von Christus. Lasst uns nicht vergessen, dass die Kraft, welche wir in Jesu haben, stärker ist, als Satan, wenn wir in der Gemeinschaft Gottes bleiben.

Der Herr gebe uns durch seinen Geist den rechten Ernst und die rechte Treue, den Reichtum seiner Gnade an uns zu verstehen und darin zu wandeln.

(Aus dem Französischen frei übersetzt)

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