Wenn die Mauer des Schweigens bricht ...
Hilfe für misshandelte Kinderseelen

Eine ehrliche Bestandsaufnahme

Wenn die Mauer des Schweigens bricht ...

Kindesmissbrauch führt immer zu seelischen Schäden an den Kindern, da diese nicht in der Lage sind, das an ihnen Geschehene zu verarbeiten. Da es sich bei den Tätern häufig um nahe Verwandte handelt, die mit Belohnungen locken und mit Strafen drohen, trauen sich die Kinder nicht, gegen diese schreckliche Behandlung aufzubegehren, sondern schlucken die Ängste und Nöte in sich hinein.

Es handelt sich in aller Regel um eine Art „Zuckerbrot-Peitsche-System“. Dem Missbrauchten wird eine Belohnung versprochen (Zuckerbrot), wenn er sich wieder auf den Missbrauch einlässt. Auf der anderen Seite steht die Peitsche. „Wenn du unser gemeinsames Geheimnis preisgibst, wirst du ganz krank werden und vielleicht sogar ins Gefängnis kommen (oder mich ins Gefängnis bringen). Dann wird alles ganz schlimm werden …“

Ein Kind ist von seinen Eltern und anderen Menschen abhängig und besitzt bei weitem nicht das ausreichende Selbstbewusstsein, um nein zu sagen – es sei denn, wir Eltern haben es unseren Kindern beigebracht. Kinder suchen nach Anerkennung, Schutz und Geborgenheit. Wenn sie einmal diese Anerkennung bekommen haben, kommen sie aus einem solchen Sklavensystem nicht mehr heraus.

Die schreckliche Vorahnung und ihre Folgen

Kinder sprechen davon, wie sie an den entsprechenden Tagen, oft Wochenenden, die ganze Nacht auf die sich (fast) lautlos öffnende Tür gestarrt und gewartet haben. Die ganze Zeit baute sich das entsprechende Angstgefühl auf. Oder sie wussten, wenn ich jetzt wieder mit Opa oder Onkel oder Vater allein bin, dann wird es kommen. Sie klammerten sich an die anderen Anwesenden, aber man ließ sie im Regen stehen. „Bleib doch bei …, dann ist er nicht allein zu Hause und wird bestimmt etwas Schönes mit dir spielen.“ Dass dieses Schöne eine furchtbare Maske trug, wusste (vielleicht) nur das Kind selbst – seine Rufe blieben unbeantwortet.

Kinder sind nicht selten ungehorsam. Sie können sich auch aufreizend kleiden. Das aber hat nichts mit Kindesmissbrauch zu tun und kann von niemand als Entschuldigung verwendet werden.

Inzwischen gib es eine Reihe von Beispielen, dass missbrauchte Menschen in den Selbstmord getrieben worden. Oft wissen nur ganz wenige andere von ihrer furchtbaren Vergangenheit, so dass manche in ihrer Umgebung keine Ahnung haben, warum sie depressiv geworden sind und dann ihrem Leben ein Ende setzten.

Vielen Menschen wurde die Chance genommen, eine Familie zu gründen. Ein Betroffener schreibt, dass seine Beziehungen zu Frauen längstens zwei Jahre dauerten. Er sei – und das sei die Wahrheit – durch diese Straftat eines Erwachsenen so sehr beraubt worden, dass er beziehungsgestört, wenn nicht sogar beziehungsunfähig sei.

Was tun?

Den Opfern kann man nur raten, falls irgendwie vorhanden, sich einer Vertrauensperson außerhalb der Familie anzuvertrauen, insbesondere, wenn sich der Täter innerhalb des Familienkomplexes befindet. Dazu gehört Mut, aber ohne ihn entgeht man dem Täter und den innerlichen Folgen nicht. Es hat keinen Sinn, Missbrauch in sich „hineinzufressen“. Dann ist man nicht in der Lage, diese Eindrücke biblisch und seelisch zu verarbeiten.

Da Opfer gerade im christlichen Bereich leicht auf taube Ohren stoßen könnten – „Das ist unmöglich, dass dieser so geschätzte Christ so etwas getan haben soll!“ – ist es manchmal leider unausweichlich, sich zunächst an ungläubige Vertrauenspersonen wie Lehrer oder sogar die Polizei zu wenden. Das aber ist längerfristig nach der Erfahrung vieler Opfer keine Hilfe, die den Missbrauch innerlich dauerhaft überwinden lässt. Andererseits zeigt die Erfahrung, dass einem Opfer oftmals so wenig Glauben geschenkt wird, dass nur ein Weg über die Polizei „erfolgsversprechend“ erscheint. Gerade dann, wenn es noch mögliche andere Opfer gibt oder Christen „in der Umgebung“ überfordert sind, gibt es keinen anderen Weg.

Dieser Gedanke mag manche erschrecken. Tatsächlich bleibt dadurch das Zeugnis der Versammlung (Gemeinde) Gottes auf der Strecke. Aber wollen wir etwas hochhalten, was nur durch Heuchelei unterlegt ist? Wenn ein Kind seinem Schandtäter nur durch einen Ungläubigen entkommen kann, so müssen wir uns diesem schamvollen Weg stellen. Und wir können keinem Kind dafür einen Vorwurf machen! Zugleich wird damit ein großes Problem unter Christen offenbar: Es gibt viel zu wenige, die sich in das Thema eingearbeitet haben und sowohl in der Lage als auch bereit sind, in seelsorgerlicher Weise anderen zu Hilfe zu kommen. Denn eine oft gehörte und leider zutreffende Aussage von Betroffenen ist: „An wen soll ich mich denn wenden? Es gibt in meinem Umfeld niemand, dem ich vertrauen kann und der das Einfühlungsvermögen und die Sachkenntnis besitzt, um einem Missbrauchsopfer zu helfen.“ Es liegt an uns selbst, diesen Misstand zu erkennen, zu bekennen und Energie aufzubringen, ihn zu beseitigen. Hinzu kommt, dass sich viele Täter unter Christen darauf berufen, dass es keine zwei Zeugen gebe, dass also Aussage gegen Aussage stehe (was leider wirklich ein Problem darstellt). Sie reden sich so langer heraus und drehen die Vorwürfe sogar herum, dass es offenbar immer öfter nötig wird, eine solche „staatliche“ Stelle einzubeziehen, um den Täter wirklich überführen zu können. Das ist tragisch, aber leider Realität.

Nur dann, wenn wir zu unserem Versagen stehen, nur dann, wenn wir das Böse, das in unserer Mitte vorkommt, auch aufdecken, gibt es einen Weg der Heilung und Vergebung. Das sollte uns bewusst sein. Wegschauen und wegducken ist nur eine scheinbare Lösung, die nicht lange trägt. Wie gesagt – wir sind nicht als Detektive berufen worden. Aber wir sollen auch nicht Blindheit vortäuschen. Wo es Fälle gibt, die Fragen geradezu provozieren, sollten wir diese auch stellen.

Warum handeln?

Warum soll man überhaupt handeln? Diese Frage mag erstaunlich klingen. Denn heute wissen wir, dass es unbedingt nötig ist zu handeln, wenn man ein Opfer oder einen Täter identifiziert. Dennoch wird die Notwendigkeit des Handelns teilweise in Frage gestellt.

Mich fragte vor einiger Zeit jemand: Warum denn eigentlich alles aufdecken, warum muss man denn überhaupt handeln? Was bezweckst du damit? Meine Antwort lautet:

  • Es geht um die Ehre des Herrn. Kann Er etwas Böses inmitten der Seinen dulden?
  • Es geht um das Opfer (und potenzielle weitere Opfer), denen nur dann wirkliche Heilung zuteil wird, wenn man sich um sie kümmert und das Böse auch böse nennt und entsprechend behandelt.
  • Es geht um die Versammlung (Gemeinde), welche die biblische Pflicht hat, das Böse aus ihrer Mitte auszuschließen – auch den Bösen.
  • Es geht um die Täter, denen nur dann geholfen werden kann, wenn sie die Dinge aufrichtig bereuen, bekennen und lassen. Das aber setzt voraus, dass sie alles in gottgemäßer Weise ordnen.

Wie reagieren?

Wenn man von einem Kindesmissbrauch erfährt, verfällt man leicht in den Fehler, zu einfach auf den Herrn als Hilfe zu verweisen. „Der Herr wird’s schon machen, du musst Ihm nur alles sagen und vertrauen.“ Man vergisst leicht, dass das Opfer vielleicht schon hundertmal zu Jesus Christus gebetet hat – aber keine direkte Antwort bekam, denn der Missbrauch wurde nicht verhindert. Wir wissen heute, dass gerade der Missbrauch oftmals dazu geführt hat, dass man Gott auf die Anklagebank setzt und kein Vertrauen mehr zu Gott, zu Kirchen, zu Gläubigen und zu Dienern Gottes hat.

Es muss unser Anliegen sein, das zerstörte Vertrauen von Kindern zu von Gott gegebenen Autoritäten, ja zu Gott selbst wieder neu aufzubauen. Es dauert eine sehr lange Zeit, dieses zerstörte Vertrauen wieder zu reparieren. Denn man muss nicht nur Vertrauen aufbauen, sondern erst einmal dem großen Misstrauen begegnen, das entstanden ist. Man befindet sich auf einer Skala von minus 10 bis plus 10 nicht mehr bei „0“, sondern steht bei einem extrem negativen Vertrauen von sozusagen minus 10. Da ist es nötig, zunächst einmal wieder zu beginnen, deutlich zu machen, dass ein Leben ohne Vertrauen unmöglich ist.

Diese Veränderung ist nur dann glaubhaft, wenn man nichts einfordert, sondern zunächst nur gibt: Vertrauen, Liebe, Aufrichtigkeit, Glaubwürdigkeit, Transparenz. Oftmals sind Opfer nicht in der Lage, ein Gebet zu akzeptieren oder mitzubeten, weil sie das Vertrauen zu Gott verloren haben. Sie fragen sich: „Wie konnte Gott zulassen, dass ich so sehr zerstört wurde?“ Daher muss dieses Vertrauen erst wieder neu entstehen, bevor man ein Opfer für gemeinsames Gebet gewinnen kann.

Zuhören und das Eingehen auf die Empfindungen der Betroffenen sind hierbei sehr wichtig. Das alles zeigt, wie schwierig der Umgang mit Betroffenen ist. Man benötigt die klare Führung des Herrn, um sich richtig zu verhalten. Ohne Empfindsamkeit wird man kein Kind und auch kein ehemals als Kind missbrauchtes Opfer gewinnen können.

Gesellschaftliche Entwicklungen

Manche Christen befürchten, dass es nach und nach zu einer steigenden gesellschaftlichen Akzeptanz von sexuellen Handlungen mit Minderjährigen – Kindern und Jugendlichen – kommen könnte. Zwar spricht der aktuelle, immer noch anhaltende Medienhype, wenn wieder einmal ein Missbrauchsfall an die Öffentlichkeit gerät, gegen die Missbrauchstäter eine andere Sprache. Aber die Gefahr einer Trivialisierung des Fehlverhaltens ist real. Zum einen, weil die Taten kirchen-, gesellschaftsschicht- und religionsübergreifend begangen werden, ihnen scheinbar also das Extreme fehlt. Zum anderen, weil mediale Übertreibungen in der Regel zu einer Abstumpfung der Gefühlswelten führen. Wenn selbst Kabarettisten sich des Themas zunehmend annehmen, dann könnte der Weg in eine stärkere Akzeptanz beschritten werden.

Ein schleichendes Gift in der Gesellschaft

Das erinnert an das Thema Homosexualität. Vor Jahren konnte sich keiner damit „outen“ – er wäre untergegangen und hätte keine Chance mehr auf gesellschaftliche Anerkennung gehabt. Es gibt Unternehmen, in denen Homosexuelle erst noch heiraten mussten, um bestimmte Führungspositionen zu erhalten. Dann auf einmal wurde von Kabarettisten erst schleichend und dann immer offener dieses Thema „verarbeitet“. Heute ist es salonfähig. Ja man wird bestraft, wenn man die biblische Moral – die göttlichen Gedanken – diesen Praktiken entgegen stellt.

Selbst in Kirchen kann man nicht mehr die Wahrheit darüber sagen. Im Jahr 2010 äußerte sich die höchste Vertreterin der Kirche, die ihre Existenz auf den Gottesmann Martin Luther zurückführt, zu diesem Thema. Wenn man doch die Hinweise in der Bibel, dass die Frauen nicht lehren und in der Gemeinde (Versammlung) schweigen müssten, nicht wörtlich nehmen dürfe, könne man auch die konkreten Hinweise, dass Homosexualität Sünde sei, nicht wörtlich nehmen. So die Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands.

Im Namen der Freiheit und Kirche

Es ist zu befürchten, dass mit solchen Argumenten in einigen Jahren mit der gleichen Konsequenz auch das Thema Kindesmissbrauch behandelt werden kann. Zumindest ist zu erwarten, dass das Alter, bei dem man von Missbrauch sprechen kann, heruntergesetzt wird. Und immer mal wieder ist bundesweit von politischen Stellungnahmen aus einzelnen Parteien zu hören, wo sexuelle Taten mit Minderjährigen in Schutz genommen werden. Vielleicht wird es zunächst heißen: Wir misshandeln keine Kinder, wir fassen uns nur an – als ob das noch kein Missbrauch wäre! Und dann geht es „gleitend“ über in härtere Dinge. Es ist nicht zu erwarten, dass es auf dem Gebiet der Moral besser wird. Gott hat uns in der Bibel vorhergesagt, dass die Dinge böser und damit unbiblischer werden.

Unmoral ist schon salonfähig geworden. Dass es in Sachen „Kindesmissbrauch“ wieder in eine solche Richtung gehen kann, muss uns besonders dann nicht wundern, wenn man die „Geschichte“ von Kindesmissbrauch in Deutschland verfolgt. Ein führender Politiker der Grünen – das ist die Partei, von der eine Spitzenpolitikerin derzeit als Präses die Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands leitet -hatte in den siebziger Jahren als Vertreter der neuen deutschen Freiheit davon gesprochen, dass er sich als Erzieher im Kindergarten lustvoll am geöffneten Hosenlatz von Kleinen habe streicheln lassen. Damals wurde aus dieser Richtung sogar die Abschaffung des Pädophilie-Straftatbestands betrieben.

In diesem Zusammenhang sollte auch bedacht werden, dass noch immer eine Reihe von Wissenschaftlern das Thema Kindesmissbrauch sehr tief hängen. Solange es keinen vollzogenen Geschlechtsverkehr gibt, sprechen sie noch nicht von sexueller Gewalt. Immer wieder ist zu hören, dass hier die minderjährigen selbst Freude an diesen Interventionen hätten. Sogar Experimente in diese Richtung wurden in den vergangenen Jahrzehnten von sogenannten Wissenschaftlern gemacht.

Darüber hinaus muss einem die Reaktion vieler prominenter Menschen auf die Inhaftierung des bekannten Schauspielers Roman Polanski zu denken geben. Immerhin ging es um die Vergewaltigung eines 13 jährigen Jungen! Dennoch wurde Polanski von einer Reihe von Schauspielern, Künstlern und sonstigen internationalen Persönlichkeiten in Schutz genommen. Das zeigt, wie ernst es unsere Gesellschaft mit der Ächtung von Kindesmissbrauch ist.

Muss man sich über entartete Sexualität unserer Gesellschaft wundern, wenn schon im Kindergarten Sexualerziehung – von obersten Behörden befürwortet – stattfindet? Wir waren jetzt erstaunt, was für Material eine Lehrerin in der vierten Klasse leichtfertig zur Einsichtnahme der Kinder auslegen wollte. Text und Bilder erinnerten zum Teil an pornographische Literatur. Wenn schon diese Kinder in unsachgemäßer Weise aufgeklärt werden sollen, wie irreleitend ist es da, wenn schon Kinder im Kindergarten über Dinge (und das noch in falscher Weise) aufgeklärt werden, die von Kleinstkindern nicht in der richtigen Art und Weise verarbeitet werden können.

Wenn wir uns nicht in Gottes Hand wüssten, müsste uns angst und bange werden …

Umkehrung von Täter-Opfer-Rolle

Leider erlebt man heute oft eine Umkehrung von Täter-Opfer. Dann, wenn jemand den Mut hat, in einem Verein, in einer Kirche, vielleicht auch in einer christlichen Gemeinde (Versammlung) einen Fall von Kindesmissbrauch aufzudecken, wird er oder sie als Nestbeschmutzer bezeichnet. Eine betroffene Frau eines bekannten Sportvereins erzählt, wie sie auf einmal mit ihrer Familie zu den Gejagten gehörte, die nicht mehr geduldet wurde. Sie sollten mundtot gemacht werden.

Eine solche Umkehrung dürfen wir nicht zulassen. Wenn wir in unseren eigenen Familien betroffen sind, ist es unabdingbar, dass wir den Opfern zur Seiten stehen und sie nicht zu „Tätern“ machen, so dass sie sich fürchten müssen, von allen Seiten kritisiert oder sogar gemobbt zu werden. Das haben sie nicht verdient und führt oft dazu, dass sich Opfer immer noch nicht trauen, ihre Erlebnisse anderen weiterzugeben.

Leider gibt es das auch inmitten von Christen. Immer wieder hört man Sätze wie: „War das wirklich nötig, dass sie damit an die Öffentlichkeit gegangen sind? So haben sie unseren Frieden zerstört! Nächstenliebe hätte das in Demut ertragen. Hat das nicht auch der Herr Jesus getan?“ Solche Aussagen sind – mit Verlaub – pervers. Kindern und Erwachsenen wird mit einem moralischen Zeigefinger der Herr Jesus als Vorbild hingestellt, obwohl gerade Er derjenige ist, dass Kinder schützt und ihnen helfen möchte. Grabesfrieden auf Kosten der Wahrheit hat Er ohnehin nicht verheißen. Es steht uns allen gut an, uns für Missbrauchsopfer stark zu machen und ihnen in jeder Hinsicht zur Seite zu stehen. Gerade dann, wenn sie endlich die Hürde überwinden konnten, über das ihnen widerfahrene Leid zu reden. Sollten wir uns nicht fragen, warum wir nicht, manchmal über Jahre, empfindsam genug waren zu spüren, dass junge Menschen furchtbar leiden mussten? Haben wir nicht eine erhebliche Mitverantwortung?

Es ist mein Gebet zu Gott, dass unter Christen eine solche Umkehrung nicht mehr stattfindet, sondern dass man den Opfern wirklich glaubt. Sie haben das Recht, Gehör zu finden, nachdem sie schon so viel erdulden mussten. Und wir haben die Pflicht, ihnen durch Gebet und hilfreiche Taten zur Seite zu stehen.

Das Internetzeitalter – Kinderpornographie

An dieser Stelle muss ich noch einige Anmerkungen über das Internet machen. Das Web ist heute Plattform für Kinderpornographie. Es gibt ein kaum überschaubares Material in diesem Bereich. Polizisten sprechen davon, dass man noch so viele Seiten löschen könne, man werde diesem Fass ohne Boden nicht Herr werden.

Dadurch wird das Internet zu einer direkten Gefahr für Kinder und Jugendliche. Es geht mir an dieser Stelle nicht darum, was sich Kinder dort ansehen, sondern wozu sie im Blick auf das Internet benutzt werden. Denn auch dort suchen und finden pädophile Menschen ihre Opfer, die sie dann missbrauchen.

Um nicht falsch verstanden zu werden – nicht das Internet ist die Ursache für diese furchtbare Tat. Es macht diese Tat nur leichter. Das Internet erzeugt im Übrigen auch nicht per se mehr Kindesmissbrauch. Das zeigt die zurückgehende Anzahl der erfassten Fälle. Aber das Internet bewirkt dennoch einen Dammbruch. Es überschwemmt die Fangemeinde mit diesen furchtbaren, ekelhaften Bildern. Polizisten, die auf diesem Gebiet tätig sind, erzählen, wie sie ein Fass aufmachen und fünf neue Fässer dahinter stehen. Man erkennt nur die Spitze des Eisbergs.

Es ist nicht nur das Internet, das unüberschaubar ist. Inzwischen gehören auch die Handys mit ihren Möglichkeiten, Bilder zu versenden, zu dieser Seuche. Allerdings hinterlassen Bilder – sei es im Internet oder auf einem Handy – Spuren, die von Ermittlern gut verfolgt werden können. Das Internet vergisst nichts – der Computer ist auch kaum „löschbar“. Aber offenbar hält das nur wenige Pädophile davon ab, mit Bildern zu arbeiten.

Noch einmal: Die Ursache für diese ekelerregende Sünde liegt in dem Herzen des Menschen. „Was aus dem Menschen ausgeht, das verunreinigt den Menschen. Denn von innen aus dem Herzen des Menschen gehen hervor die schlechten Gedanken: Hurerei, Dieberei, Mord, Ehebruch, Habsucht, Bosheit, List, Ausschweifung, böses Auge … alle diese bösen Dinge gehen von innen aus und verunreinigen den Menschen“ (Markus 7,20–23). Das hat Jesus Christus zu seinen zwölf Jüngern gesagt, und das ist auch heute noch wahr.

Nicht das Internet ist das Problem. Es macht unser Problem nur offenbar. Denn unser Fleisch, die in uns wohnende Sünde, spricht auf diese Giftpfeile des Bösen an und lässt sich dazu bringen, das Böse zu vollbringen.

Die Methoden des Internets

Aktuell las ich von dem Problem, dass pädophile Menschen auch das Internet immer stärker nutzen. Sie gehen in Kinder- und Jugendlichen-Chats hinein, melden sich unter falschem Namen und falschem (nämlich zu jungem) Alter an und suchen Kontakt mit jungen Menschen, vor allem Mädchen. Dann versuchen sie, in einem folgenden Privataustausch (neben dem öffentlichen Chatroom ist das immer möglich) zumindest Bilder zu bekommen, häufig streben sie auch ein Treffen an, das sie mit einer Belohnung verbinden. Aus einem Treffen sollen dann regelmäßige werden, in denen oft nicht nur Bilder ausgetauscht werden, sondern auch „handgreiflich“ und noch schlimmer vorgegangen wird.

Wenn wir uns so mit diesem traurigen Thema beschäftigen, wollen wir immer wieder daran denken, dass Kindesmissbrauch eine schlimme Sünde ist. Wer sich mit Dreck beschäftigt, wird selbst dreckig werden, wenn er sich nicht ständig mit dem klaren, frischen Wasser des Wortes Gottes reinigt. Nicht, dass dies bedeutet, dass man dadurch in die Sünde des Kindesmissbrauchs gerät. Aber die Beschäftigung mit Sünde geht nicht spurlos an einem Christen vorbei. Er muss sich durch das Wort Gottes die Hände wieder reinigen lassen. Daher gilt für uns, die wir an Jesus Christus glauben: „Bewahre dich selbst rein“ (1. Timotheus 5,12).

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