Betrachtungen über das dritte Buch Mose

Der Aussatz und das Gesetz des Aussätzigen (Kapitel 13 und 14)

Betrachtungen über das dritte Buch Mose

Die Verantwortung des Priesters

Von allen Dienstverrichtungen, die der Priester zu beobachten hatte, forderte keine so viel Sorgfalt und Aufmerksamkeit wie das Erkennen und Behandeln des Aussatzes.

Es ging dabei besonders um die Reinheit der Versammlung oder Gemeinde und um die Gnade, die nur dann den Ausschluss eines Gliedes gestatten konnte, wenn die Gründe dazu deutlich feststanden. Die Heiligkeit Gottes konnte niemand erlauben, in der Versammlung zu bleiben, wenn er draußen sein musste, und andererseits wollte die Gnade niemand draußen haben, der drinnen seinen Platz hätte haben sollen. Daher bedurfte der Priester in hohem Maß Wachsamkeit und Weisheit, Geduld und Sorgfalt und gereifte Erfahrung.

Mit welcher Vorsicht musste der Priester bei der Prüfung des Aussatzes zu Werk gehen! Er musste das Übel besehen und den damit Behafteten sieben Tage einschließen. Er musste nach Ablauf dieser sieben Tage eine neue Besichtigung vornehmen und nach Befund der Dinge den Kranken zum zweiten Mal sieben Tage einschließen, und erst nach einer nochmaligen Prüfung am siebten Tag durfte er das Urteil fällen, ob es Aussatz war oder nicht. Kein Fall durfte voreilig beurteilt oder unbesonnen entschieden werden. Persönliche Beobachtung, priesterliche Unterscheidung, ruhige Erwägung, strenge Beachtung des geschriebenen Wortes, dieses heiligen, unfehlbaren Wegweisers – alles das war unbedingt erforderlich, wenn der Priester sich ein gesundes Urteil bilden wollte. In nichts durfte er sich durch eigene Gedanken, durch eigene Gefühle oder durch eigene Weisheit leiten lassen. Das Wort bezeichnete genau den einzuschlagenden Weg. Jedes Kennzeichen, jede Veränderung, jedes besondere Symptom und Merkmal – alles war mit göttlicher Vollkommenheit und Vorsorge bezeichnet, so dass der Priester nur mit dem Wort bekannt und ihm unterworfen zu sein brauchte, um vor Fehlentscheidungen bewahrt zu bleiben.

So viel über den Priester und seine Verantwortlichkeit. Betrachten wir jetzt die Krankheit selbst. Der Aussatz konnte an einer Person, einem Kleidungsstück oder an einem Haus ausbrechen.

Von rein natürlichem Gesichtspunkt aus betrachtet, gibt es wohl keine Krankheit, die ekelhafter sein könnte als der Aussatz, und da er unheilbar ist, so liefert er ein lebendiges und erschreckendes Bild von der Sünde: von der Sünde in der Natur des Menschen, in seinen Umständen und in der Versammlung. Welch eine ernste Belehrung liegt für die Seele in der Tatsache, dass diese abscheuliche und erniedrigende Krankheit als ein Bild des sittlich Bösen zu betrachten ist, sei es des Bösen in einem Glied der Gemeinde Gottes, in den Umständen eines solchen Gliedes oder in der Gemeinde selbst!

I. Der Aussatz an einem Menschen

Betrachten wir denn zunächst den Aussatz an einer Person oder, mit anderen Worten, die Wirkung des sittlich Bösen (oder dessen, was den Schein des Bösen hatte) in einem Glied der Versammlung.

Die Grundsätze des Aussatzes und seiner Reinigung sind im weiteren Sinn auf jeden Sünder anwendbar; im vorliegenden Abschnitt jedoch wird die Sache nur in Beziehung zu denen dargestellt, die das anerkannte Volk Gottes ausmachten. Die Person, die der Priester hier untersuchen muss, ist ein Glied der Versammlung Gottes. Das ist wohl zu beachten. Die Versammlung Gottes muss rein erhalten werden, weil sie die Wohnstätte Gottes ist. Keinem Aussätzigen darf gestattet werden, innerhalb der Grenzen der Wohnung des HERRN zu verweilen.

Es ist erstaunlich zu sehen, mit welcher Sorgfalt und Geduld der Priester handeln musste, damit nicht etwas, das kein Aussatz war, als solcher behandelt oder etwas, das wirklich Aussatz war, von ihm übersehen wurde. Vieles mochte in „der Haut“ (der Stelle, wo sich die Krankheit zeigte) erscheinen und dem Aussätzigen täuschend ähnlich sehen und sich doch nach der sorgfältigen Prüfung des Priesters als unbedenklich und äußerlich erweisen. Hier musste die größte Sorgfalt geübt werden. Da zeigte sich vielleicht ein Flecken auf der Oberfläche der Haut, der nicht verunreinigend war. Und andererseits konnte ein scheinbar nur an der Oberfläche liegender Flecken sich bei näherer Untersuchung als tiefer liegend erweisen, als etwas, was bereits den gesamten Organismus angegriffen hatte. Alles das forderte die sorgfältigste Prüfung des Priesters (s. V. 2–11). Irgendeine geringfügige Nachlässigkeit, ein unbedeutendes Versehen konnte die traurigsten Folgen nach sich ziehen. Es konnte zur Verunreinigung der ganzen Gemeinde führen, wenn ein wirklich Aussätziger in ihrer Mitte blieb, oder andererseits zu dem Ausschluss eines reinen Gliedes Israels wegen etlicher äußerer Flecken, die ohne Bedeutung waren.

Wir haben hier eine Fülle von Unterweisung für das Volk Gottes. Es ist ein Unterschied zu machen zwischen persönlicher Schwachheit und der Wirksamkeit von ganz entschieden Bösem, zwischen Mängeln und Gebrechen im äußeren Charakter und in der Tätigkeit der Sünde in den Gliedern. Ohne Zweifel ist es nötig, über unsere Schwachheiten zu wachen, denn wenn sie nicht bewacht, nicht gerichtet und bekämpft werden, können sie zur Quelle von offenbarem Bösem werden (siehe V. 14–28). Alles, was aus der Natur ist, muss verurteilt und unter den Füßen gehalten werden. Obwohl wir persönliche Schwachheit in anderen milde beurteilen müssen, sollten wir sie in uns selbst niemals begünstigen. Denken wir z. B. an ein leicht erregbares Temperament. In mir selbst sollte ich es entschieden verurteilen, bei einem anderen es mit Geduld tragen. Es kann sich, gleich dem „weiß-rötlichen Flecken“ bei einem Israeliten (V. 19.20), als die Quelle tatsächlicher Verunreinigung erweisen, ja zur Ursache meines Ausschlusses aus der Versammlung werden. Jede Form von Schwachheit muss überwacht werden, damit sie keinen Anlass zur Sünde gibt. „Ein kahles Haupt“ war kein Aussatz, aber der Aussatz konnte sich dort zeigen, und daher musste es überwacht werden. So gibt es Hunderte von Dingen, die an und für sich nicht sündig sind, die aber, wenn sie nicht sorgfältig überwacht werden, Anlass zur Sünde geben können. Auch handelt es sich dabei nicht nur um Dinge, die nach unserer Meinung als Flecken, Gebrechen und persönliche Schwachheiten bezeichnet werden müssen, sondern auch um Dinge, deren wir uns vielleicht gerne rühmen. Witz, Neigung zum Scherzen, ein lebhafter Geist und ein fröhliches Gemüt – alles das kann die Ursache und Quelle einer Verunreinigung werden. Jeder von uns hat etwas, worüber er besonders zu wachen hat und wobei er stets auf der Hut sein muss. Wie gesegnet ist es, dass wir ein Vaterherz kennen, zu dem wir im Blick auf alle diese Dinge kommen und auf das wir stets rechnen dürfen! Wir haben das große Vorrecht, zu jeder Zeit in der Gegenwart einer Liebe erscheinen zu dürfen, die nichts vorwirft und nie ermüdet; dort können wir unser Herz ausschütten und Hilfe finden, um über alles den Sieg davonzutragen.

Doch was war zu tun, wenn der Aussatz unzweideutig festgestellt war? Der Gott Israels konnte mit Schwachheiten, Mängeln und Gebrechen Nachsicht haben, aber von dem Augenblick an, wo ein Zustand tatsächlicher Unreinheit eintrat, sei es auf dem Kopf, im Bart, an der Stirn oder an irgendeinem anderen Teil des Körpers, konnte das Übel in der Versammlung nicht mehr geduldet werden. „Und der Aussätzige, an dem das Übel ist – seine Kleider sollen zerrissen und sein Haupt soll entblößt sein, und er soll seinen Lippenbart verhüllen und ausrufen: Unrein, unrein! Alle Tage, da das Übel an ihm ist, soll er unrein sein; er ist unrein; allein soll er wohnen, außerhalb des Lagers soll seine Wohnung sein“ (V. 45.46). Das war der Zustand, die Beschäftigung und der Platz des Aussätzigen. Mit zerrissenen Kleidern, entblößtem Haupt, verhülltem Bart und mit dem Schrei auf seinen Lippen „Unrein, unrein!“ wohnte er draußen in der Einöde, in einer trostlosen, menschenleeren Wüste. Was hätte demütigender und herabwürdigender sein können als das? „Allein soll er wohnen.“ Er war untauglich für jeden Verkehr und jede Gemeinschaft. Er war von dem einzigen Platz in der ganzen Welt ausgeschlossen, wo die Gegenwart des HERRN gekannt und genossen wurde.

Mein Leser! Sieh hier in dem armen, verlassenen Aussätzigen ein lebendiges Bild von jemand, in dem die Sünde wirkt. Das ist es in der Tat, was uns vor Augen gestellt werden soll. Es handelt sich hier nicht, wie wir bald sehen werden, um einen hilflosen, schuldigen und überführten Sünder, dessen Schuld und Elend ans Licht getreten ist und der als solcher einen passenden Gegenstand für die Liebe Gottes und für das Blut Christi bildet. Nein, wir erblicken vielmehr in dem ausgeschlossenen Aussätzigen einen Menschen, in dem die Sünde noch in ihrer ganzen Kraft wirksam ist. Das ist es, was verunreinigt und von dem Genuss der Gegenwart Gottes und der Gemeinschaft der Heiligen ausschließt. Solange die Sünde wirkt, kann keine Gemeinschaft mit Gott oder mit seinem Volk stattfinden. „Allein soll er wohnen, außerhalb des Lagers soll seine Wohnung sein.“ Wie lange? „Alle die Tage, da das Übel an ihm ist.“ Das ist eine wichtige praktische Wahrheit. Die Wirksamkeit des Bösen ist der Todesstoß für alle Gemeinschaft. Es mag viel äußerer Schein, Form und Bekenntnis vorhanden sein, aber Gemeinschaft kann nicht stattfinden, solange die Kraft des Bösen da ist. Es kommt nicht auf den Charakter oder das Maß des Bösen an. Wenn es auch nur in einem törichten Gedanken besteht, so muss es doch, solange es weiterwirkt, die Gemeinschaft verhindern. Erst dann, wenn das Übel seinen Höhepunkt erreicht hat, wenn es offensichtlich zum Vorschein gekommen und ganz und gar ausgebrochen ist, kann es durch die Gnade Gottes und durch das Blut des Lammes geheilt und weggetan werden.

Ein Mann, ganz vom Aussatz bedeckt

Dieser Gedanke leitet uns zu einem höchst wichtigen Punkt, der allen, die die Handlungsweise Gottes mit dem Sünder nicht verstehen, geradezu widersinnig erscheinen muss. Wir lesen in den Versen 12 und 13 bezüglich des Aussätzigen: „Wenn aber der Aussatz in der Haut ausbricht und der Aussatz die ganze Haut dessen, der das Übel hat, bedeckt, von seinem Kopf bis zu seinen Füßen, wohin auch die Augen des Priesters blicken – und der Priester besieht ihn, und siehe, der Aussatz hat sein ganzes Fleisch bedeckt, so soll er den, der das Übel hat, für rein erklären; hat es sich ganz in Weiß verwandelt, so ist er rein“ (V. 12.13). In dem Augenblick, wo ein Sünder seinen wahren Platz vor Gott einnimmt, ist die Frage geordnet. Sobald sein wirklicher Charakter voll und ganz ans Licht gestellt ist, gibt es keine Schwierigkeit mehr. Er mag, ehe er diesen Punkt erreicht und weil er sich weigert, seinen wahren Platz einzunehmen, viele schmerzliche Übungen durchzumachen haben, damit die „ganze Wahrheit“ hinsichtlich dessen, was er ist, ans Licht kommt. Aber sobald er dahin gebracht ist, von Herzen zu sagen: „Hier stehe ich, so wie ich bin“, kommt ihm die ganze, freie Gnade Gottes zugute. „Als ich schwieg, verzehrten sich meine Gebeine durch mein Gestöhn den ganzen Tag. Denn Tag und Nacht lastete auf mir deine Hand; verwandelt wurde mein Saft in Sommerdürre“ (Ps 32,3.4). Wie lange dauerte diese schmerzliche Erfahrung? Bis die ganze Wahrheit ans Licht kam, bis alles, was im Innern wirkte, völlig an die Oberfläche trat. „Ich tat dir meine Sünde kund und habe meine Ungerechtigkeit nicht zugedeckt. Ich sprach: „Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen“; und du hast die Ungerechtigkeit meiner Sünde vergeben“ (Ps 32,5).

Es ist aufschlussreich, das Tun des Herrn mit dem Aussätzigen zu beobachten, von dem Augenblick an, wo sich die ersten Merkmale des Übels auf der Haut zeigten, bis zu dem Zeitpunkt, wo die Krankheit den ganzen Menschen „von seinem Kopf bis zu seinen Füßen“ bedeckte. Hier gibt es weder Übereilung noch Gleichgültigkeit. Gott kann mit Langmut untersuchen. Er kann „sieben Tage“ und, sollte sich die geringste Veränderung in den Symptomen zeigen, nochmals „sieben Tage“ warten. Aber sobald das bestimmte Wirken des Aussatzes festgestellt ist, gibt es kein Zögern mehr. „Außerhalb des Lagers soll seine Wohnung sein.“ Wie lange? Bis die Krankheit völlig an die Oberfläche getreten ist. „Wenn der Aussatz sein ganzes Fleisch bedeckt hat, so soll er ihn für rein erklären.“ Das ist ein wichtiger Punkt. Wenn der Mensch vom Kopf bis zu den Füßen mit Aussatz bedeckt war, so wurde er für rein erklärt, d. h. er war dann ein geeigneter Gegenstand für die Gnade Gottes und das Blut der Versöhnung.

Ebenso verhält es sich mit dem Sünder. Gott ist „zu rein von Augen, um Böses zu sehen, und Mühsal vermag er nicht anzuschauen“ (Hab 1,13), und dennoch, sobald der Mensch seinen Platz einnimmt als ein verlorener und schuldiger Sünder, als jemand, in dem nichts ist, worauf das Auge einer grenzenlosen Heiligkeit mit Wohlgefallen ruht, ja der so schlecht ist, dass er unmöglich schlechter sein könnte – so ist die vollkommene göttliche Gnade da, um alles zu ordnen. Die Gnade Gottes beschäftigt sich mit Sündern, und wenn ich mich als Sünder erkenne, so erkenne ich mich da als einer, zu dessen Errettung Christus gekommen ist. Je klarer mich jemand überführen kann, dass ich ein Sünder bin, umso kräftiger begründet er mein Anrecht auf die Liebe Gottes und auf das Werk Christi. „Denn es hat ja Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe“ (1. Pet 3,18). Nun, ich bin ein „Ungerechter“. Ich bin einer von denen, für die Christus starb, und habe deshalb ein Anrecht auf die Früchte seines Todes. Wenn ich etwas anderes als ungerecht wäre, so würde der Tod Christi nicht für mich sein, aber da ich ungerecht bin, so ist er gerade für mich passend, von Gott für mich bestimmt und wird von Gott auf mich angewandt. Wenn ich mit etwas in oder von mir beschäftigt bin, so ist es klar, dass ich die geistliche Anwendung von 3. Mose 13,12.13 noch nicht ganz begriffen habe. Ich bin dann nicht zu dem Lamm Gottes gekommen, „gerade so wie ich bin“. Gott erwartet von uns nicht, dass wir etwas Besonderes fühlen oder erfahren, sondern dass wir seinem Wort glauben. Erst wenn der Aussätzige vom Kopf bis zu den Füßen mit Aussatz bedeckt war, hatte er den wahren Platz erreicht, auf dem die Gnade ihm begegnen konnte. Ja, „wo aber die Sünde überströmend geworden ist, ist die Gnade noch überreichlicher geworden“ (Röm 5,20). Solange ich meine, dass noch irgendein Pünktchen an mir von jenem ekelhaften Übel frei ist, bin ich noch nicht mit mir zu Ende gekommen. Erst wenn mein wahrer Zustand vor meinen Augen völlig aufgedeckt ist, werde ich verstehen, was Errettung aus Gnaden bedeutet.

II. Der Aussatz an einem Kleidungsstück

Beschäftigen wir uns jetzt kurz mit dem Aussatz an einem Kleidungsstück, wie er uns in Kapitel 13,47–59 dargestellt wird.

Das Kleid oder das Fell legt den Gedanken an die Umstände oder die Gewohnheiten eines Menschen nahe. Wir müssen ebenso sorgfältig über die Wirkung des Bösen in unserem Verhalten, wie über seine Wirkung in uns selbst wachen. Ein Kleid musste ebenso geduldig geprüft werden wie eine Person. Auch hier begegnen wir weder einer Übereilung noch einer Gleichgültigkeit. „Und der Priester besehe das Übel und schließe das, woran das Übel ist, sieben Tage ein“ (V. 50). Das Böse kann sich auf unzähligen Wegen in unsere Gewohnheiten und Umstände einschleichen. Sobald wir etwas Verdächtiges bei uns wahrnehmen, muss dies sofort einer ruhigen priesterlichen Prüfung unterworfen werden. Es muss „sieben Tage eingeschlossen“ werden, damit es hinreichend Zeit hat, sich völlig zu entwickeln.

„Und sieht er das Übel am siebten Tag, dass das Übel um sich gegriffen hat am Kleid oder an der Kette oder am Einschlag oder am Fell nach allem, wozu das Fell verarbeitet wird, so ist das Übel ein fressender Aussatz: Es ist unrein … Es soll mit Feuer verbrannt werden“ (V. 51.52). Sobald man eine schlechte Gewohnheit bei sich entdeckt, muss sie aufgegeben werden. Befinde ich mich in einer verkehrten Stellung, so muss ich sie verlassen. Das Verbrennen des Kleides ist ein Ausdruck der Gerichtshandlung über das Böse, mag es sich in den Gewohnheiten oder in den Umständen eines Menschen zeigen. Das Böse darf nie als etwas Unbedeutendes betrachtet werden. In einzelnen Fällen musste das Kleid „gewaschen“ werden, worin sich die Wirkung des Wortes Gottes auf das Verhalten eines Menschen ausdrückt. „Der Priester soll gebieten, dass man das wasche, woran das Übel ist; und er soll es zum zweiten Mal sieben Tage einschließen“ (V. 54). Ein geduldiges Warten ist nötig, um die Wirkung des Wortes Gottes feststellen zu können. „Und besieht der Priester das Übel nach dem Waschen, und siehe, das Übel hat sein Aussehen nicht geändert … so ist es unrein; du sollst es mit Feuer verbrennen“ (V. 55). Gibt es etwas in unserer Stellung oder in unseren Gewohnheiten, was sich als unheilbar und von Grund auf böse erweist, so muss die ganze Sache aufgegeben werden. „Und wenn der Priester es besieht, und siehe, das Übel ist blass geworden nach dem Waschen, so soll er es vom Kleid … abreißen“ (V. 56). Das Wort Gottes kann bewirken, dass die schlechten Züge in dem Charakter eines Menschen oder das Verkehrte in seiner Stellung verschwinden und somit das Übel beseitigt wird. Aber wenn das Übel nach allem fortdauert, so muss die ganze Sache verurteilt und aufgegeben werden.

In allen Dingen liegt eine reiche Fülle praktischer Unterweisung. Wir müssen wohl achthaben auf die Stellung, die wir einnehmen, auf die Umstände, in denen wir uns befinden, auf die Gewohnheiten, die wir annehmen, und auf den Charakter, den wir zur Schau tragen. Ja, eine ganz besondere Wachsamkeit ist notwendig. Jedes verdächtige Symptom muss mit heiligem Eifer überwacht werden, damit es sich nicht am Ende als ein „fressender“ oder ein „um sich greifender Aussatz“ erweist, wodurch wir und viele andere verunreinigt werden können. Wir befinden uns vielleicht in einer Stellung, mit der gewisse böse Dinge verknüpft sind, die jedoch aufgegeben werden können, ohne dass wir die Stellung verlassen müssen, während wir uns andererseits in Verhältnissen befinden können, die es uns unmöglich machen, „mit Gott zu leben“. Wenn das Auge einfältig ist, wird der Pfad deutlich sein. Wenn unser Herz wirklich danach verlangt, die Gegenwart Gottes zu genießen, so werden wir leicht die Dinge entdecken, die darauf hinauslaufen, uns dieser unaussprechlichen Segnung zu berauben. Möchten unsere Herzen zart und empfindsam sein!

Wir kommen jetzt zu den mit der Reinigung des Aussätzigen verbundenen schönen und bezeichnenden Verordnungen. Sie zeigen uns einige der herrlichsten Wahrheiten des Evangeliums.

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