Das Gesetz des Aussätzigen

Das Übel des Aussatzes

Das Gesetz des Aussätzigen

Die Bibel, besonders das Alte Testament, hat, wie viele unserer Leser wissen, einen Reichtum an wunderbaren Bildern unseres Herrn Jesus Christus und der Dinge, die Ihn betreffen. Im Neuen Testament werden diese Bilder „Schatten“ genannt, wie geschrieben steht: „Das Gesetz hat einen Schatten der zukünftigen Güter“ (Heb 10,1).

Einige dieser „Schatten“ sind so genau und mit so reichlichen Einzelheiten beschrieben, dass wir bei aufmerksamer Betrachtung in höchste Verwunderung versetzt werden über die Unterweisungen, die sie enthalten und über die Schönheiten, die sie uns enthüllen.

Unter allen diesen „Schatten“ würde es schwierig sein, einen zu finden, der mit mehr Einzelheiten und Merkmalen dargestellt ist, die zu unserem Verständnis und zu unseren Herzen reden, als „das Gesetz des Aussätzigen“.

Der Aussatz ist die furchtbarste und ekelhafteste aller Krankheiten. Er endet nicht nur mit dem Tod, sondern mehr als irgendeine andere Krankheit ist er ein Bild des im Leben wirkenden Todes. Die vom Aussatz befallenen Körperteile sterben wirklich, während der Kranke noch weiterlebt.

Der Anfang des Aussatzes gleicht der Sünde in ihrem Anfang. Er ist klein und unverfänglich und hat zunächst nichts Besorgniserregendes. Wir lesen, dass er manchmal als ein „weißlicher“ oder „glänzender“ Fleck erscheint. So wie die Sünde, hat der Aussatz im Anfang nichts Erschreckendes für uns. Im Gegenteil, er hat eine gewisse Anziehung, etwas „Glänzendes“ an sich, während in Wirklichkeit aber der Tod da ist. Denn der „Lohn der Sünde ist der Tod“, und es ist ebenso sicher, dass der Aussatz zum Tod führt.

Der Aussatz kann in fast allen Teilen des Körpers ausbrechen. Es war nicht das, was der Aussätzige getan hatte, was ihn unrein machte, sondern das, was er war, nicht seine Handlungen, sondern sein Zustand. Wir können alle mit David sagen: „Siehe, in Ungerechtigkeit bin ich geboren, und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen“ (Ps 51,7). Sowohl durch unseren Zustand als auch durch unsere Handlungen sind wir unrein. Deshalb musste sich der Aussätzige an den Priester wenden – und nicht an den Arzt – um gereinigt zu werden. Wir dürfen daraus schließen, dass der Aussatz ein erschreckendes Bild der Sünde ist.

Wir können feststellen, dass die Sünde und ihre Reinigung der Gegenstand der Bibel vom ersten Buch Mose bis zur Offenbarung ist. Genauso finden wir diesen Gegenstand auch in den Kapiteln 13 und 14 des dritten Buches Mose dargestellt, aber mit einer solchen Kraft und Intensität, dass wir gezwungen sind, uns anbetend niederzubeugen und anzuerkennen, dass nur die Hand Gottes imstande war, ein solches Bild zu malen und dass keine Liebe, außer der Liebe Gottes, sich ein solches Reinigungsmittel ausdenken konnte. Und nicht nur sehen wir in diesen Kapiteln den Aussatz als Bild der Sünde beschrieben, sondern wir werden darin auch weitere, wunderbare Züge finden, wenn wir nur die Augen geöffnet haben, um sie zu sehen.

Indem wir gemeinsam mit dem Betrachten dieser Abschnitte beginnen, werden wir mit Gottes Hilfe versuchen, einige der wunderbaren Einzelheiten dieses Bildes hervortreten zu lassen.

Wir bemerken, und das wollen wir nie aus den Augen verlieren, dass Gott es ist – und nicht der Mensch – der uns diese wunderbaren Bilder gegeben hat. Die Einführung des ganzen Gegenstandes findet sich im ersten Vers von Kapitel 13: „Und der HERR redete zu Mose und Aaron und sprach ...“ – Erinnern wir uns beim Lesen daran, dass wir die Worte des lebendigen und wahren Gottes selbst hören.

In 3. Mose 13,2 lesen wir: „Wenn ein Mensch in der Haut seines Fleisches eine Erhöhung oder einen Ausschlag oder einen Flecken bekommt, und es wird in der Haut seines Fleisches zu einem Aussatzübel, so soll er zu Aaron, dem Priester, gebracht werden oder zu einem von seinen Söhnen, den Priestern“.

„Eine Erhöhung, ein Ausschlag, ein weißer oder ein glänzender Fleck“. Wie sind doch diese Worte so bedeutsam! Eine „Erhöhung“ oder eine „Aufblähung“, spricht das nicht von dem Hochmut, der jeden von uns aufbläht? Von dem Hochmut, der Meinungsverschiedenheiten hervorruft, von dem Hochmut, der die Wurzel und der Sitz so vieler Sünden und Übel ist? Wir sind wahrscheinlich alle von diesem Übel befallen, von diesen „erhöhten“ Geschwülsten. Oft ist es so, dass diejenigen, die sich davon ausgenommen glauben und sich für die Demütigsten halten, in Wirklichkeit hochmütig über ihre Demut sind.

Das Wort Gottes sagt: „Die Erkenntnis bläht auf“ (1. Kor 8,1). Wie eindrucksvoll ist es, festzustellen, dass die Erkenntnis, von der hier die Rede ist, diejenige des Wortes und der Wege Gottes ist! Wie sollte es uns doch dahin leiten, stillzustehen und nachzudenken, wenn wir sehen, dass selbst die Kenntnis der Bibel uns aufblähen und eines dieser Geschwülste hervorrufen kann, die den Aussatz verbergen!

Jemand hat vier Arten von Hochmutstendenzen charakterisiert: Hochmut der Rasse, Hochmut der Stellung, Hochmut des Aussehens und als Schlimmstes den Hochmut d. h. die Erkenntnis, die aufbläht. Es gibt also mehrere Arten von „Erhöhungen“, aber eine der am meisten zu fürchtenden ist diejenige, die hervorgerufen wird durch die Kenntnis des Wortes Gottes selbst. Diese ist wohl auch die am meisten verbreitete. Der Pharisäer in Lukas 18 war von einem Geschwulst dieser besonders boshaften Art befallen. Pharao, der Bedrücker, Nebukadnezar, der König, (2. Mo 5,2; Dan 4,27) und viele andere litten unter diesem „erhöhten“ Geschwulst, obwohl dieses hier von anderer Art war. Unsere Leser können sich leicht andere Fälle dieser Art des Aussatzes vorstellen, sie selbst vielleicht inbegriffen.

Ein „Ausschlag“?

Diese Arten von Krusten können irgendeine alte Wunde oder Verletzung bedecken. Zahlreich sind diejenigen unter uns, die darunter leiden. Jemand hat uns in der Vergangenheit Unrecht getan. Die Sache ist im Herzen geblieben; wir haben nie ganz vergeben, obwohl wir versucht haben, die alte Wunde zu bedecken. So ist auch die Wurzel der Bitterkeit (Heb 12,15), die in der Erde und von der Erde bedeckt ist, aber immer den Hang hat, aufzusprossen und zu beunruhigen, viele zu „verunreinigen“. Lasst uns auf diese Krusten achten, sie gehören zu den gefährlichsten. Der König Saul liefert uns das Beispiel eines Mannes, der von diesen Krusten in einem furchtbaren Ausmaß behaftet war (1. Sam 18,8.9; 23,23).

„Ein weißlicher oder glänzender Fleck“!

In Hebräer 11,25 wird von dem „zeitlichen Genuss der Sünde“ gesprochen. Denn die Sünde hat ihre Freuden und scheint oft eine glänzende Anziehung zu haben; aber dasselbe Buch erwähnt den „Betrug der Sünde“ (Heb 3,13). Die Wahrheit lehrt uns, dass Sünde immer betrügt! Die Sünde möchte unsere Augen von der Gefahr, dass es Sünde ist, ablenken und sie uns in einem vorteilhaften, „glänzenden“ Licht zeigen. Erinnert ihr euch daran, wie die erste Sünde in die Welt gekommen ist? Satan hat sie der Frau als den „glänzenden Flecken“ dargestellt. Sie „sah, dass der Baum gut zur Speise, und dass er eine Lust für die Augen und dass der Baum begehrenswert wäre, um Einsicht zu geben“ (1. Mo 3,6). Welche große Anziehungskraft übte er auf sie aus! Sie unterlag ihr. Sie nahm von der verbotenen Frucht und aß davon.

Seit diesem Tag hat sich Satan eifrig darum bemüht, diese „glänzenden Flecken“ hervorzubringen, weil er weiß, dass sie im Aussatz enden. Die glänzendsten Nachtquartiere der Stadt Schanghai sind im Allgemeinen diejenigen, die im schlechtesten Ruf stehen. Sie sind Schlupfwinkel der Sünde und übersättigt von Aussatz. Achtung vor den leuchtenden Flecken, denn sie tragen alle den Keim des scheußlichen Aussatzes! Welche wunderbare göttliche Gnade, dass die Kinder Gottes für ewig von diesen tödlichen Flecken des Aussatzes befreit sind!

Ich möchte eure Aufmerksamkeit auf die Worte lenken: „So soll er zu Aaron, dem Priester, gebracht werden.

Diese Worte sind sehr wichtig, und wir finden fast die gleichen in 3. Mose 14,2 im Zusammenhang mit der Reinigung. Alles hängt daher vom Urteilsspruch des Priesters ab, zu entscheiden, ob ein Mensch vom Aussatz befallen ist oder nicht, oder ob ein Mensch in dem Zustand ist, von seinem Aussatz gereinigt zu werden.

Der Mensch und seine Freunde hatten in dieser Sache nichts zu sagen. Derjenige, bei dem sich eine Erhöhung, ein Ausschlag oder ein Flecken befand, hätte sagen können: „Ich glaube, diese Symptome sind ohne Bedeutung; nach meiner Meinung und nach der Meinung der großen Weisen bedeuten diese Flecken überhaupt nichts.“

Freund, das erste, was dieser Mensch lernen muss, ist, dass seine eigenen Ansichten und diejenigen irgendeines Lebenden, mit Ausnahme des Priesters, keinen Wert haben. Die ganze Frage lässt sich kurz darin zusammenfassen: „Was sagt der Priester“?

Der Kranke wünschte vielleicht nicht, zu ihm zu gehen. Vielleicht dachte er, dass er selbst beurteilen könne, was mit diesem Übel sei, aber das Wort Gottes ist entscheidend: „So soll er zu dem Priester gebracht werden.“

Woher die Bedeutung dieser Worte? Lieber Leser, bist du zum Herrn Jesus, dem großen Priester, gebracht worden? Hast du dein Leben noch nie den Blicken seiner Augen ausgesetzt, die wie eine „Feuerflamme“ sind (Off 1,14)?

In deinem Leben mag es Dinge geben, von denen du weißt, dass sie nicht lobenswert sind. Wie ist es damit? Hat der Priester sie betrachtet, hat er sie von nahem besehen? Dann weißt du, dass er sie als „unrein“ erklären muss. Deine Freunde haben dich vielleicht oftmals im Gebet zu dem Herrn Jesus gebracht. Aber wenn du noch niemals zu diesem Hohenpriester gebracht worden sein solltest, dann gebe Gott, dass dieses kleine Buch dich heute zu Ihm führe.

Vielleicht sagst du: „Diese Dinge verdienen es nicht, dass man ihnen solche Bedeutung beilegt, es ist nur eine Erhöhung.“ Aber ist es vielleicht eine Erhöhung des Hochmutes? Ist Sünde die Wurzel dieses Übels? Allein der Priester ist imstande, die Sache zu entscheiden. Geh zu Ihm, Freund, ohne zu zögern, solange es noch Zeit und Hoffnung gibt. Es ist tausendmal besser, dass du jetzt die Wahrheit kennst, als dass du in die Hölle gestoßen wirst. Vielleicht gibst du dir selbst nicht Rechenschaft, dass du schon auf dem Weg dahin bist.

Habe keine Angst, einem harten oder ungeduldigen Priester zu begegnen; im Gegenteil, du wirst die Erfahrung machen, dass Er voller Liebe und Mitgefühl ist. Er wird diese „Geschwülste“ oder „Erhöhungen“ betrachten, diesen „Ausschlag“, der irgendein altes Übel bedeckt, vielleicht einen alten Streit oder einen schlechten Gedanken. Er wird diese „glänzenden Flecken“ besehen, die du mit Gefallen ansiehst. Aber sie sprechen von einem verborgenen Übel in der Tiefe deines Seins oder von egoistischen Fehlern, die du zärtlich liebst. Der Priester wird sich bei seiner Prüfung keineswegs beeilen. Sein Auge wird sich niemals täuschen, und wenn gewisse Zweifel bleiben, so wird Er denjenigen einschließen, bei dem sich diese Symptome finden, und zwar für sieben Tage. Sofern das nicht genügt, während einer zweiten Periode von sieben Tagen (s. 3. Mo 13,4.5).

Aber verfolgen wir weiter unsere Anwendung dieser bemerkenswerten Phase der Diagnose. Hat unser Priester, der Herr Jesus Christus, nicht bereits den Menschen „eingeschlossen“? Hat Er ihm nicht bereits jede Möglichkeit gegeben, sich hinsichtlich der Anklage, ein Aussätziger zu sein, zu rechtfertigen? Gewiss, Er hat es getan.

Er hat den zuerst unschuldigen Adam im Garten Eden auf die Probe gestellt. Aber der Aussatz brach bald aus: die Sünde kam in die Welt. Er stellte den Menschen noch einmal auf die Probe vor der Flut. Den Menschen, der zu diesem Zeitpunkt mit einem Gewissen als Führer versehen war; und als Gott ihn „ansah“, da fand Er einen solchen furchtbaren Aussatz, dass die damalige Menschheit, mit Ausnahme von acht Personen, vernichtet wurde. Angesichts eines solchen Übels gab es keine andere Wahl.

Er stellte Noah und seine Söhne auf die Probe, aber die Sünde erschien von neuem. Dann erwählte Er Abraham und seine Nachkommen und trennte sie von den übrigen Nationen. Aber wieder erschien die Sünde. Dann gab Er ihnen das Gesetz, aber auch dieses war keinerlei Hilfe. Schließlich sandte Gott seinen vielgeliebten Sohn, der von den Menschen verworfen und gekreuzigt wurde. Seitdem ist die Prüfung beendet. Es ist zwecklos, den Menschen weiterhin einzuschließen. Der sündige Zustand des Menschen ist offenbar.

Lies bitte Römer 3 ab Vers 10 und weiter: „Da ist kein Gerechter, auch nicht einer“; und in Vers 12: „Da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer“; auch die weiteren Verse 22 und 23 „Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“. (siehe auch Röm 3,19; 11,32). Jeder Mund ist verschlossen worden. Der Priester hat bereits alle Glieder der menschlichen Rasse für unrein erklärt, du selbst bist einbegriffen.

Ja, der Priester sieht dich an, lieber, vielleicht noch unbekehrter Leser, und höre, was Er dir zu sagen hat. Er erklärt, dass du ein Sünder und kein Gerechter bist. Dein Mund ist verschlossen, und das Beste, was du tun könntest, wäre, ihn zu bedecken und zu rufen: „Unrein!“ „Unrein!“

Du bist jetzt zum Priester gebracht worden. Er hat dich angeblickt. Er sieht, dass das Übel in der Haut deines Fleisches der Aussatz ist. Er sieht, dass die Haut weiß geworden ist. Was ist zu sagen? Es ist ein Zeichen der Fäulnis und des Todes. Er erklärt dir, dass die Infektion bereits in deinem Blut ist und dass in seinen Augen bei dir bereits die Anzeichen des Todes vorhanden sind, dem das Gericht folgt und nach diesem „der zweite Tod“. Das Übel ist tiefer als die Haut (3. Mo 13,3). Es handelt sich nicht nur um ein oberflächliches Übel, von dem du befallen bist. Nein, das wahre Übel ist viel tiefer. Es ist in deinem Herzen, und darüber hat der Priester erklärt: „Arglistig ist das Herz, mehr als alles, und verdorben ist es“ (Jer 17,9). Und Er fügt hinzu: „Wer mag es kennen?“ Er weiß wohl, dass du nicht bereit bist, zu glauben, dass dein Fall so hoffnungslos ist! Er weiß, dass du nicht verstehen kannst und auch nicht zugeben willst, dass dein Aussatz bereits so vorgeschritten ist, dass er „unheilbar“ ist. Das aber ist die Wahrheit, das ist dein Zustand.

Wir lesen in der Bibel, dass die Augen Gottes auf diese Welt gerichtet sind und auf die Menschen, die sie bevölkern. Von der Schöpfung heißt es in 1. Mose 1: „Und Gott sah alles, was Er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ So konnte Er sein Werk beschreiben, bevor die Sünde erschien. Aber ach, die Sünde erschien bald. Wir lesen: „Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen groß war auf der Erde und alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag“ (1. Mo 6,5). Wir lesen außerdem: „Der HERR hat vom Himmel herniedergeschaut auf die Menschenkinder, um zu sehen, ob ein Verständiger da sei, einer, der Gott suche. Alle sind abgewichen, sie sind allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer“ (Ps 14,2.3). Wir sind also gezwungen, zu sagen, dass der Priester „sah“ und feststellte, dass jeder Mensch auf der Erde vom Aussatz befallen ist.

Lieber Leser, der Priester hat dich betrachtet und für unrein erklärt. Dieser Priester kann sich nie täuschen; Er liebt dich viel zu sehr, um solche furchtbare Worte auszusprechen, wenn nur eine Möglichkeit bestanden hätte, auf andere Weise zu handeln.

Vor einigen Jahren aß ich mit einem Arzt zusammen, der ein Fachmann in Bezug auf Aussatz war. Er erzählte mir, dass vor einigen Tagen ein junger Mann zu ihm gekommen sei und ihm eine kleine Wunde gezeigt habe, die „nicht heilen wollte“. Der Arzt befragte ihn, untersuchte die Hand und stellte ein Aussatzübel fest. Er war aufrichtig und augenscheinlich bei guter Gesundheit. Er hatte eine Frau und kleine Kinder. Dieser junge Mann war jedoch weit von der Annahme entfernt, dass er vom Aussatz behaftet sei. Ich sehe noch die Tränen über die Wangen des Arztes fließen, als er mir diese Geschichte erzählte, so tief war sein Schmerz und so groß seine Sympathie für den unglücklichen jungen Mann, den er für unrein erklären musste. Und was sollen wir sagen, von unserem großen Hohenpriester, der über die verunreinigten Menschen geweint hat, die nicht zu Ihm kommen wollten, um gereinigt zu werden.

Glaube nur, lieber Leser, dass die Erklärung des Priesters über deinen Zustand der Wahrheit entspricht und dass diese Erklärung für dich zutrifft, wenn nicht der Priester dich schon gereinigt hat.

Du wirst vielleicht nicht die geringste Ahnung davon haben, dass du verloren, ruiniert, unrein und auf dem Weg zur Hölle bist. Vielleicht sagst du: „Aber ich habe doch keineswegs das Gefühl, unrein zu sein.“ Das steht alles nicht zur Debatte. Du hast vielleicht die Geschichte des P. Damien gelesen, der im letzten Jahrhundert auf die Hawaiischen Inseln ging, um unter den Aussätzigen von Molokai zu arbeiten. Während langer Jahre widmete er sich seiner Aufgabe und blieb bei sehr guter Gesundheit. Eines Abends aber, als er ein Bad nahm, kam kochendes Wasser auf seine Zehen. Er fühlte dabei keinerlei Schmerz, sah aber sofort, wie sich Brandblasen auf dem verbrannten Fuß bildeten. Darauf wusste er unverzüglich, dass er vom Aussatz befallen war; denn eines der ersten Anzeichen des Aussatzes ist der Verlust des Gefühls an den befallenen Körperteilen. Einige Jahre später starb er, nachdem sein Körper von diesem furchtbaren Übel vollständig befallen war.

Ebenso hast du, armer Sünder, kein Gefühl dafür, denn sonst wüsstest du, dass du von diesem Übel befallen bist. Wir können eine Nadel in einen Körperteil des vom Aussatz Befallenen stecken, wobei der Kranke nichts fühlt. Daher kommt es auch, dass der Mensch, der in der Sünde lebt, nicht weiß, dass er ein Sünder ist. Bei der Erklärung des Priesters kann der Aussätzige vielleicht antworten: „Aber ich erfreue mich bester Gesundheit, in der Tat, ich habe mich in meinem ganzen Leben nie so wohl gefühlt“.

„Ich bedaure sehr“, antwortet der Priester, „aber es ist meine schmerzliche Pflicht, dich für unrein zu erklären“.

Die Ansichten oder die Gefühle des Kranken haben mit dem Fall überhaupt nichts zu tun. Alles hängt von dem Wort des Priesters ab. „Und sieht es der Priester, so soll er ihn für unrein erklären“. Jede persönliche Meinung oder die Ansicht eines Freundes wird beiseite gesetzt. Der Mensch wusste, dass er unrein war, weil der Priester es gesagt hatte!

Als die lokalen Behörden beschlossen, die Aussätzigen der Hawaiischen Inseln, in einem unter dem Namen Kalawao auf der Insel Molokai (wo P. Damien arbeitete) bekannten dreieckigen Gebirgsgebiet zu isolieren, wurde befohlen, dass „jede junge oder alte Person, ob reich oder arm, von fürstlichem oder bäuerlichem Rang, bei dem die geringste Spur des Aussatzes gefunden würde, ohne Widerspruch deportiert werden sollte“. Das Gesetz wurde mit der äußersten Härte durchgeführt. Auf allen Inseln des Hawaiischen Archipels wurden die Aussätzigen oder diejenigen, bei denen der Verdacht des Befalls bestand, durch die Polizei hartnäckig verfolgt, ihren Heimen entrissen, und wenn das medizinische Zeugnis die Erwähnung auch nur der ersten Anzeichen des Aussatzes trug, so wurden diese Menschen unverzüglich auf einem Boot in die Kolonie der Aussätzigen gebracht, wie in ein Staatsgefängnis. Die Kinder wurden ihren Eltern entrissen und die Eltern den Kindern. Eheleute wurden für immer getrennt. In keinem Fall wurde eine Ausnahme gewährt, und ein naher Verwandter der Königin der Hawaiibewohner war unter den ersten, die ergriffen und deportiert wurden.

Das ist genau das, wohin die Sünde uns führt. Männer und Frauen, Eltern und Kinder, die besten Freunde müssen sich für immer trennen, wenn die Sünde nicht weggenommen wird.

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