Das Gesetz des Aussätzigen

Der achte Tag!

Das Gesetz des Aussätzigen

„Und am achten Tag soll er zwei Lämmer nehmen, ohne Fehl, und ein weibliches Lamm, einjährig, ohne Fehl, und drei Zehntel Feinmehl, gemengt mit Öl, zum Speisopfer, und ein Log Öl. Und der reinigende Priester soll den Mann, der zu reinigen ist, und diese Dinge vor den HERRN stellen an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft“ (3. Mo 14,10.11).

Der so sehr ersehnte Tag ist endlich angebrochen. Die sieben Tage sind vergangen, ihre Wechselfälle sind vorbei. Nun ist für den Mann, der zu reinigen ist, der achte Tag da. Er kann jetzt zurückkehren in sein Haus und in den glücklichen Kreis seiner Familie, wo alles Friede, Freude und Liebe ist. In diesem Haus ist die Freude völlig nach sieben Tagen der Schmach während seines Zeugnisses.

„Der achte Tag“ scheint in der Schrift eine besondere Bedeutung zu haben. Sieben Tage vollendeten die Woche, die mit dem Sabbat, dem siebten Tag, endete. Der folgende Tag war „der andere Tag nach dem Sabbat“, oder der „erste Tag“ einer neuen Woche. Aber hier wird er nicht der „erste Tag“ oder „der andere Tag nach dem Sabbat“ genannt, sondern „der achte Tag“. Wir verstehen diesen Unterschied durch 3. Mose 23,11.15.16. „Der andere Tag nach dem Sabbat“ spricht von der Auferstehung Christi und dem Herabkommen des Heiligen Geistes. 3. Mose 23,36.39 spricht von dem „achten Tag“. In diesen beiden Versen haben wir im Bild einen neuen Anfang. Christus hat auf der Erde während tausend Jahren geherrscht; jede Sünde ist abgeschafft worden; Satan ist für immer verbannt und eine Ewigkeit der Freude und des Friedens beginnt. Dieser Ausdruck des achten Tages ist wie ein Symbol der Ratschlüsse der Gnade Gottes bezüglich dieser Erde, wenn Er nach den Jahrhunderten der Sünden und der Leiden für immer eine Zeit der Freude und des Friedens einführt, wie der Herr es ausdrückt: „Siehe, ich mache alles neu“ (Off 21,5).

Ebenso war „der achte Tag“ der Beginn einer neuen Zeit für den Aussätzigen. Die Tage einsamen Umherstreifens außerhalb des Lagers sind für immer vergangen. Die Waschungen im Wasser sind nicht mehr nötig, ebenso nicht mehr die Arbeit des Schermessers. Er ist für immer zu Hause bei den Seinen und nie mehr abwesend. Ein Leben der Liebe, der Freude, des Friedens und der Anbetung hat begonnen. So wird er jetzt, mit den vorgeschriebenen Opfern in der Hand (die von den verschiedenen Gesichtspunkten und Vortrefflichkeiten des großen Opfers Christi sprechen), er, der Mensch, der so kurz vorher noch ein verbannter Aussätziger war, hingeführt zum Eingang des Heiligtums Gottes, um dem HERRN dargestellt zu werden. Alle Opfer sind da, selbst das den Heiligen Geist darstellende Log Öl, durch den Christus sich selbst ohne Flecken Gott geopfert hat (Heb 9,14). In dem Wert dieser Opfer nähert sich der kurz vorher noch so weit entfernte Mensch Gott. Ich erinnere mich nicht, dass irgendein Israelit, mit Ausnahme der Priester und Leviten, jemals so nah zu Gott geführt worden wäre und das wunderbare Vorrecht gehabt hätte, dem HERRN auf diese Weise dargestellt zu werden.

Ich werde nicht müde, diese wunderbare Szene zu betrachten! Nur acht Tage vorher war dieser Mensch ein hässlicher Aussätziger, verbannt aus der Mitte seiner Mitmenschen, das Haupt entblößt, die Kleider zerrissen, den Mund bedeckt, während er im Gehen seufzte: „Unrein, unrein“! Und jetzt wird er nicht nur in die Mitte seines Volkes zurückgeführt, sondern er wird sogar zum Heiligtum Gottes selbst hingeführt und dort dem HERRN dargestellt.

Glücklicher, ja überaus glücklicher Platz, gesegnete Stellung! Dieser Platz ist unser Platz. „Und euch, die ihr einst entfremdet und Feinde wart nach der Gesinnung in den bösen Werken, hat er aber nun versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod, um euch heilig und untadelig und unsträflich vor sich hinzustellen“ (Kol 1,21.22). „Entfremdet und Feinde“ beschreibt genau den aus dem Lager verbannten Aussätzigen; ... „nun versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod“ spricht von dem gereinigten und ins Lager zurückgeführten Aussätzigen, durch den Tod dieses „lebenden Vogels“. Und mit welchem Ziel dieses alles? Für den Aussätzigen und für den Sünder geschieht es „um euch heilig und untadelig und unsträflich vor sich hinzustellen“.

Ihr wisst, dass gewisse bevorrechtigte Personen am Hof des Königs vorgestellt werden; aber du und ich, lieber christlicher Freund, wir haben die wunderbare und herrliche Aussicht, am Hof des Königs der Könige vorgestellt zu werden!

Welche unaussprechliche Bedeutung hat für mich der Ausdruck: „Der reinigende Priester soll den Mann ... vor den HERRN stellen“. Es wird kein Fremder sein, der mich hinführen wird, mich, der ich fremd bin den himmlischen Höhen und den Herrlichkeiten dieser lichtvollen Wohnung. Nein, es ist der Priester, der mich gereinigt hat, derjenige, den ich auf der Erde solange gekannt und geliebt habe, Er ist es und kein anderer. Könnte ich die geringste Furcht empfinden, wenn Er mich bei der Hand nimmt und mich hinführt in die Herrlichkeit, um mich dem HERRN darzustellen? O nein, es ist seine Hand, diese gleiche durchbohrte Hand, die mich geführt hat alle Jahre meiner Reise durch die Wüste und mich nimmt, um mich vor den HERRN zu stellen.

Wir hatten eines Abends eine biblische Betrachtung über den 1. Petrusbrief. Als wir bei Vers 11 des zweiten Kapitels anlangten, fragte einer den alten chinesischen Gläubigen M. Tschang, wie es komme, wie es komme, dass der Apostel Petrus sagt: „Ich ermahne euch als Fremdlinge, und als solche, die ohne Bürgerrecht sind ...“, während uns der Apostel Paulus schreibt: „Also seid ihr denn nicht mehr Fremdlinge und ohne Bürgerrecht ...?“ (Eph 2,19).

M. Tschang blieb eine Weile in großer Verlegenheit. Um ihm zu helfen, wurde eine andere Frage gestellt: „M. Tschang, bist du auf der Erde ein Fremdling?“ – „Ja“, antwortete er, „selbst meine eigene Familie kennt mich kaum.“ – „Wird der Herr Jesus, wenn du bei Ihm sein wirst, ein Fremder für dich sein?“ – „O nein“! erwiderte er warm, indem ein Lächeln über sein ganzes Gesicht ging, „Er ist mein bester Freund, seit mehr als 40 Jahren kenne ich Ihn!“

Wir können mit ganzem Herzen mit dem Dichter sagen:

Dort, in den Höhen voller Segen,
Wo aus der Fremd' ich kehre ein,
Kommt mir kein fremder Gott entgegen,
Denn Er ist Gott und Vater mein.

Als Fremdlinge hienieden,
Ist unser Heim bei dir,
Wenn wir im Kampf ermüden,
Den du verordnet hier.

Je mehr wir als „Fremdlinge“ und als „Gewaschene“ und „Geschorene“ auf der Erde leben, umso mehr erfreuen wir uns jetzt schon seiner kostbaren Gemeinschaft. Wie unaussprechlich groß wird später einmal unsere Freude in der ewigen Heimat sein!

Zur Heimat da droben
Zieht's mich aus der Welt,
Die Heimat da droben
Allein mir gefällt.

Nichts stillt hier mein Sehnen,
Mein Herz bleibt leer,
Dort ewig zu wohnen,
Ist was ich begehr'.

Wir stellen uns auf der Erde die Freude, die Ehre und das Vorrecht eines solchen Augenblicks vor, aber was ist unsere Freude im Vergleich zu der seinen?

Sieht Er nicht, wenn Er uns hinführt, um uns dem HERRN darzustellen, etwas von der Frucht der Mühsal seiner Seele und sättigt sich? (Jes 53,11).

Hier ist ein weiterer in seinem kostbaren Blut gewaschener Sünder, der nun in die Gegenwart Gottes selbst eingeführt werden kann. Nichts weniger hätte das Herz Christi befriedigen können ... Du und ich wären vielleicht vollkommen befriedigt gewesen, dem Gericht entgangen zu sein, das durch unsere Sünde verschuldet war; wir würden zufrieden gewesen sein, einen ganz kleinen Platz am Eingang des Himmels zu erhalten. Für Ihn aber wäre das zu wenig gewesen. Das ist unser Heiland! Ahnen wir nicht etwas von dem, was seine Freude sein wird am Tag der Darstellung, durch die Worte Judas? „Dem aber, der euch ohne Straucheln zu bewahren und vor seiner Herrlichkeit untadelig darzustellen vermag mit Frohlocken...“ (Jud 24) Er musste rufen: „Meine Seele ist sehr betrübt, bis zum Tod“ (Mt 26,38). Auf diese Mühsal seiner Seele antwortet jetzt dieses Frohlocken.

Als Er das verlorene Schaf wiederfand, legte Er es überglücklich auf seine Schultern, und dann, nachdem Er es nach Hause geführt hatte, stellte Er es in der Gegenwart seiner Herrlichkeit mit Frohlocken dar. Während des ganzen Weges zu dieser himmlischen Wohnung leitete Er das Schaf „mit der Geschicklichkeit seiner Hände“ (Ps 78,72). Er hielt es aufrecht und bewahrte es vor dem Straucheln; nun kann Er am Ende der Pilgerreise diesen Gegenstand seiner Gnade und seiner Macht mit Frohlocken darstellen.

Wie aber kann Er mich untadelig vor seiner Herrlichkeit darstellen, mich, der ich so tadelnswert und so unvollkommen bin?

Er kann es aufgrund dieser drei Lämmer, die der Mann, der zu reinigen ist, an der Hand hält, während der Priester ihn vor den HERRN stellt. Du wirst bemerken, dass jedes Mal, wenn eins der Lämmer geopfert wird, erklärt wird: „Und der Priester soll Sühnung für ihn tun“ (3. Mo 14,18.19.20).

Das Wort „Sühnung“ spricht von „bedecken“. Der Mensch ist bedeckt mit dem Blut des Schuldopfers, bedeckt mit dem Blut des Sündopfers, bedeckt mit dem Blut des Brandopfers. Nicht nur findet sich an diesem Menschen, der vor kurzem noch aus der Mitte seiner Mitmenschen verbannt war, keinerlei Fehl, noch Flecken, noch Unreinheit, sondern Gott sieht ihn in der ganzen Wohlannehmlichkeit und der Gerechtigkeit, die diese Lämmer darstellen. Diese dreifache Bedeckung spricht von dem einen Opfer Jesu Christi in seinem dreifachen Charakter, Opfer, die auch untrennbar sind von dem „Speisopfer“, dem Sinnbild seines vollkommenen Lebens auf der Erde und von dem Öl.

Hätte der Mensch versucht, sich ohne diese Opfer darzustellen, so hätte Gott ihn niemals annehmen können; aber eins gemacht mit ihnen, ist der, der vor kurzem noch unrein für die Gegenwart seiner Mitmenschen war, annehmbar für die Gegenwart Gottes. So unerlässlich auch für ihn der Gebrauch des Wassers und des Schermessers war, so war es doch nicht das, was ihn passend für diese wunderbare Gegenwart machte, sondern allein das Blut. So sind auch wir, die wir einst fern waren, durch das Blut des Christus nahe geworden (Eph 2,13) und sind „begnadigt in dem Geliebten“ (Eph 1,6). Anders hätten wir es nie sein können.

Im ersten Brief des Johannes 3,2.3 steht geschrieben: „Wir wissen, dass wir, wenn es offenbar wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und jeder, der diese Hoffnung zu ihm hat, reinigt sich selbst, wie er rein ist“. Wir folgen diesem ausdrücklichen Befehl nicht, um Ihn zu sehen und um Ihm gleich zu sein, sondern weil wir diese sichere und gewisse Hoffnung haben, Ihn zu sehen, kraft seines Opfers und seines kostbaren Blutes: Wir reinigen uns also durch das Wasser des Wortes Gottes.

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