Das Gesetz des Aussätzigen

Zwei lebende, reine Vögel

Das Gesetz des Aussätzigen

Jetzt sehen wir den Aussätzigen, der wirklich ganz mit Aussatz bedeckt ist, in der Gegenwart des Priesters. Dieser prüft ihn, um festzustellen, ob er geheilt ist. Und zu seiner großen Freude findet er keine Stelle ohne Aussatz an seinem Körper! Er ist geheilt; nun kann er gereinigt werden.

Freund, der du bis hierher den Weg des Aussätzigen verfolgt hast, willst du nun deine ganze Aufmerksamkeit auf das richten, was er tun soll zu seiner Reinigung? Ein anderer hat ihn zum Priester gebracht. Der Priester geht aus dem Lager hinaus, er sieht ihn und entscheidet, dass der Mensch in dem für die Reinigung notwendigen Zustand ist.

Höre jetzt zu. Der Priester spricht! Er gebietet,

„dass man für den, der zu reinigen ist, zwei lebende, reine Vögel nehme und Zedernholz und Karmesin und Ysop“ (3. Mo 14,4).

Der Aussätzige war viel zu arm, um sich diese Vögel und die anderen notwendigen Dinge zu beschaffen. Im Übrigen verlangt der Priester diese auch nicht von ihm. Nein, er befiehlt einem anderen, das herbeizubringen, was für die Reinigung des Aussätzigen nötig war.

Erinnert uns das nicht an die früher von Isaak gestellte Frage: „Wo ist das Schaf zum Brandopfer?“ Und die Antwort von Abraham: „Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer, mein Sohn“ (1. Mo 22,8). Gott ist es, der sich immer das Opfer ersehen muss. Wir, die armen Sünder, müssten in unseren Sünden sterben, wenn wir uns auf die Suche nach einem passenden Opfer begeben müssten, denn wir würden es niemals finden. Aber das Wort Gottes sagt: „Der Priester soll gebieten, dass man für ihn nehme...“.

Gott hatte diese beiden lebenden und reinen Vögel beschafft. Die beiden zusammen sind ein herrliches Bild unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus.

„Und der Priester soll gebieten, dass man den einen Vogel schlachte in ein irdenes Gefäß über lebendigem Wasser“ (3. Mo 14,5).

Auch hier kann der arme Aussätzige nichts anderes als zuschauen, während ein anderer nicht nur das Opfer besorgt, sondern es auch schlachtet. Betrachten wir einen Augenblick diese Szene:

Ein irdenes Gefäß und in diesem irdenen Gefäß ein reiner und makelloser Vogel. Die Himmel sind die Sphäre, die Wohnung dieses Vogels, der Himmel ist die Stätte, wo Er geboren ist. – Aber Er stieg herab und trat in ein irdenes Gefäß. Er tauschte seine Wohnung des Himmels gegen diese arme Erde ein. In diesem irdenen Gefäß wurde Er geschlachtet. Ein treffendes Bild unseres Heilandes! Er verließ seine himmlische Wohnung. Er verließ seinen Thron der Herrlichkeit. Er stieg herab in diese traurige Welt und nahm einen irdischen Körper an. – Denn in Wirklichkeit sind unsere Körper nichts anderes als „irdene Gefäße“. Wie gerne betrachten wir diesen Menschen vom Himmel, wie Er zu uns herabgekommen ist und wie Er als der vollkommene Mensch auf dieser Erde lebte. In diesem irdischen Körper wurde Er ans Kreuz zur Schlachtung geführt (Jes 53,7). Dort vergoss Er sein kostbares Blut.

O Lamm Gottes, unschuldig
am Kreuzesstamm geschlachtet!
Du littest stets geduldig,
da du geschmäht, verachtet.
All' Sünd' hast du getragen,
sonst müssten wir verzagen:
Wir preisen dich, o Lamm Gottes!

In welch tiefer Not,
schrieest du zu Gott:
„Warum hast du mich verlassen?“
Oh, wer kann dein Weh erfassen!
In welch tiefer Not,
schrieest du zu Gott!

Du, zur Sünd' gemacht,
sankst in Todesnacht.
Du, der keine Sünde kannte,
der sich selbst „das Leben“ nannte.
Du, zur Sünd' gemacht,
sankst in Todesnacht.

Nun ist Gott geehrt,
Satans Macht zerstört,
freigemacht unzähl'ge Scharen,
die des Todes Beute waren,
Gott in dir geehrt,
Satans Macht zerstört.

Aber der geschlachtete Vogel wurde auch über „lebendigem Wasser“ geschlachtet. Das lebendige Wasser ist das Wasser, das Leben und Macht im Gegensatz zu stehendem Wasser hat. Welche verblüffende Macht ist doch in der Strömung des lebendigen Wassers der Niagarafälle! In der Bibel wird das Wasser oft als ein Symbol des Wortes Gottes benutzt (Eph 5,26 usw.). Und das quellende oder das lebendige Wasser spricht von dem lebendigen Wort, das auf unsere Herzen durch den Geist Gottes angewendet wird. Dieses Wort ist „lebendig und wirksam“ (Heb 4,12).

Das Wort bezeugt also, dass der Herr Jesus für mich gestorben ist, und dass Er für meine Sünden gelitten hat. Du hast vielleicht oft die Erzählung seines Todes gehört. Du hast ebenso den in einem irdenen Gefäß geschlachteten Vogel gesehen: aber lieber Leser, hast du jemals verwirklicht, dass es für dich war? Hast Du jemals den Heiland über lebendigem Wasser zu Tode gebracht gesehen? „Der Glaube ist aus der Verkündigung ... durch Gottes Wort“ (Röm 10,17). In der Verbindung mit dem lebendigen Wort wird in dir ein lebendiger Glaube geboren.

Was seh' ich dort auf Golgatha,
den Heiland aller Welt,
nach Seelen dürstend ringt Er da,
zahlt teures Lösegeld.
Oh sieh' am Kreuz auf Golgatha,
o welche Lieb',
o welche Lieb'.

Aus der durchbohrten Seite unseres Heilandes kam Blut und Wasser heraus. Ebenso war in diesem irdenen Gefäß Blut über lebendigem Wasser, was davon spricht, dass dieser Vogel sein Leben lassen musste.

„Den lebenden Vogel soll er nehmen, ihn und das Zedernholz und das Karmesin und den Ysop, und dieses und den lebenden Vogel in das Blut des Vogels tauchen, der geschlachtet worden ist über dem lebendigen Wasser“ (3. Mo 14,6).

Wir haben bereits bemerkt, dass die beiden Vögel zusammen ein Bild unseres Herrn Jesus Christus sind. Wir haben Ihn aus dem Himmel herabkommen sehen, wie Er diesen Leib annahm, der Ihm bereitet war; und in diesem „irdenen Gefäß“ starb Er am Kreuz für uns. Aber Er blieb nicht am Kreuz. Mit den Zeichen des Todes an seinen Händen, an seinen Füßen und an seiner Seite wurde Er in das Grab gelegt. Am dritten Tag ist Er auferstanden, immer noch die gleichen Zeichen an sich tragend. So sehen wir also den lebenden Vogel in das Blut des toten Vogels hinabsteigen und daraus hervorkommen; seine reinen Flügel sind ganz und gar durch den Tod gezeichnet. Welches rührende und leuchtende Bild des Todes und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus! Aber der Vogel wird noch in der Hand des Priesters zurückgehalten und ist noch nicht wieder frei, um seinen Flug in die Lüfte zu seiner Wohnstätte anzutreten.

Nicht nur musste der lebende Vogel in das Blut des toten Vogels getaucht werden, sondern mit ihm Zedernholz, Karmesin und Ysop. Das Zedernholz spricht von den großen und edlen Dingen der Natur, der Ysop im Gegenteil symbolisiert die niedrigsten, verächtlichsten und bittersten Dinge der Natur. Salomo spricht über die „Bäume, von der Zeder, die auf dem Libanon ist, bis zum Ysop, der an der Mauer herauswächst“ (1. Kön 5,13). Der begabteste Mensch; der wohlwollendste, der ehrenwerteste und der vermeintlich gerechteste, alle müssen sich herabbeugen in diese reinigende Flut, um das Heil zu erlangen.

Das gleiche trifft für den Erbärmlichsten der Menschen, der unter der Last schwerer Arbeiten seufzt und dessen Leben nur ein Leben voller Bitterkeit ist, zu; auch er muss unter das Blut kommen, wenn er das Heil erlangen will. Das gleiche gilt für den „Einfältigen“, der durch das gleiche Mittel errettet werden muss (Hes 45,20). Das Karmesin stellt die königliche Farbe dar und sagt uns, dass die Hochgestellten auf der Erde, seien es Prinzen oder Könige, genau wie die gewöhnlichen Menschen unter das Zeichen des Blutes herabsteigen müssen.

Diese Dinge sagen uns aber noch mehr. Sie gehören der Welt an, und als Christus gekreuzigt wurde, ist mir die Welt gekreuzigt worden und ich der Welt (Gal 6,14). Die Welt und ich können nie wieder Freunde sein. Das Kreuz erhebt sich zwischen der Welt und mir, denn die Welt ist des Blutes des Sohnes Gottes, meines Heilandes, schuldig geworden. Ja noch mehr, das Wort Gottes sagt mir deutlich, dass, „wer nun irgend ein Freund der Welt sein will, erweist sich als Feind Gottes“ (Jak 4,4).

„Und er soll auf den, der vom Aussatz zu reinigen ist, siebenmal sprengen und ihn für rein erklären; und den lebenden Vogel soll er ins freie Feld fliegen lassen“ (3. Mo 14,7).

Ist das nicht von wunderbarer Schönheit? Betrachte mit mir einen Moment diese anziehende Szene: Der arme Aussätzige ist von draußen hergeführt worden, der Priester hat sich zu ihm begeben. Ein anderer hat zwei lebende, reine Vögel beschafft; ein anderer hat einen der Vögel geschlachtet, dessen Blut jetzt in dem Gefäß ist; die Federn des lebenden Vogels, das Karmesin und der Ysop, alles ist gezeichnet durch das Blut des toten Vogels.

Der Aussätzige hat die Augen auf dieses Bild gerichtet, aber hat in seinem Zustand keinerlei Änderung festgestellt. Dann besprengt der Priester mit diesem Blut den Körper des Aussätzigen, einmal, zweimal, dreimal usw., sechsmal und doch ist keine Änderung wahrzunehmen. Dann aber, beim siebten Mal, ist der Mensch rein! Das Blut hat ihn gereinigt. Es gab kein anderes Mittel. „Ohne Blutvergießung gibt es keine Vergebung“ (Heb 9,22).

Dieses Blut hat die Kraft, den Aussätzigen von jeder Spur der Verunreinigung zu reinigen; der reine Vogel kann den unreinen Aussätzigen reinigen; „siebenmal“ zeigt die Vollkommenheit dieser Reinigung.

Genauso ist es für den Sünder. Das kostbare Blut Christi kann den hässlichsten, den am meisten beschmutzten und ekelhaftesten Sünder von jeder Spur der Sünde waschen. Allein das Blut machte den Aussätzigen rein; und das Blut allein reinigt heute jeden armen, verlorenen Sünder.

Hier stellt sich die Frage: Wie konnte der Aussätzige erkennen, dass seine Reinigung vollbracht war? Verschwand sein Übel plötzlich, nachdem er zum siebten Mal besprengt worden war? Sah er anders aus? Ich denke nicht; auch fühlte er danach nicht den geringsten Unterschied. Wie konnte er nun wissen, dass er gereinigt war?

In dem Moment, als er zum siebten Mal besprengt worden war, erklärte ihn der Priester für rein. Während du diese wunderbare Szene betrachtest, kannst du die Stimme des Priesters hören, der diese gesegnete Erklärung abgibt: „Sei gereinigt.“

Das Blut des Vogels hat ihn gereinigt. Das Wort des Priesters sagt ihm, dass er gereinigt ist. Früher hatte er ihm seinen Zustand der Verunreinigung erklärt, und jetzt versichert ihm der gleiche Priester dass er vom Aussatz gereinigt ist.
Aber das ist nicht alles. In diesem gleichen Moment nimmt er den lebenden Vogel und lässt ihn in die Lüfte fliegen. Das Werk des Opfers ist beendet, und es ist nichts mehr vorhanden, was den lebenden Vogel auf der Erde festhält.

Genauso ist es mit dem Herrn Jesus, der aus den Toten auferstand. Bevor der Herr Jesus in den Himmel hinaufstieg, erschien Er für kurze Zeit den Seinen. Die Auferstehung ist der eindeutige Beweis, dass sein Werk vollbracht, dass sein Sieg gesichert ist und dass unsere Sünden vor dem Angesicht Gottes hinweggetan sind.

Zur gegebenen Zeit wird Er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellen, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe (Eph 5,27).

Deine Wunden, die du in deinen Konflikten und Kämpfen auf der Erde erhalten hast, werden für immer verschwunden sein. Aber was deinen und meinen Herrn betrifft, so werden wir Ihn für immer mit seinen Händen, seinen Füßen und seiner Seite betrachten, die die Zeichen seines Todes tragen.

Wenn sein Werk auf dem Kreuz nicht vollständig wäre – wenn Er nicht die Sühnung für unsere Sünden vollbracht hätte, wenn eine einzige unserer Sünden auf Ihm geblieben wäre – dann hätte Er niemals aus dem Grab hervorkommen und wieder in den Himmel hinaufsteigen können... Aber Gott sei Dank gebracht, sein Werk ist vollständig, es ist angenommen worden in der Höhe, und Er ist zurückgekehrt in seine himmlische Wohnung. Das ist der Beweis, dass alles vollkommen vollbracht wurde.

Nehmen wir jetzt an, dass ein Nachbar den gereinigten Aussätzigen antrifft und sagt: „Was tust du hier? Du bist aussätzig, geh weg!“

„Ja“, antwortet er, „ich war ganz gewiss aussätzig, aber Gott sei Dank, ich bin gereinigt worden.“

„Du, gereinigt?“ fährt der Nachbar fort, „danach siehst du wirklich nicht aus. Im Gegenteil, du erscheinst mir schlimmer denn je! Du bist ganz mit diesem entsetzlichen Übel bedeckt“.

„Das ist wahr, aber der Priester hat das Besprengen mit dem Blut des toten Vogels an mir vollzogen und mich für rein erklärt. Ich weiß, dass ich rein bin, weil er es gesagt hat“.

„Welcher Unsinn! Du hast seine Worte sicher falsch verstanden, und er hat gewiss gesagt, dass du unrein bist. Jeder kann sehen, dass du den Aussatz hast.“

„Nein, es ist unmöglich, dass ich ihn falsch verstanden habe. Erstens ist das Blut auf mich gesprengt worden, und ich habe selbst die Stimme des Priesters gehört, die mir gesagt hat, dass ich gereinigt bin. Und das ist nicht alles! Mit meinen eigenen Augen habe ich den lebenden Vogel gesehen, seine Federn mit Blut bedeckt, wie er sich in den Himmel hob. Du kennst das Gesetz, erinnere dich, dass der lebende Vogel nicht wegfliegen kann, bevor der Priester mich für rein erklärt hat.“

„Aber“, fährt der Nachbar fort, „willst du mir vielleicht sagen, dass du dich gereinigt fühlst, wo du doch zugibst, dass du ganz mit Aussatz bedeckt bist?“

„Freund, das ist nicht die Frage. Der Priester hat gesagt, dass ich rein bin. Und so ist alles geregelt. Er allein hat die Autorität, eine solche Erklärung abzugeben. Er hat mich für rein erklärt, und ob ich es nun fühle oder nicht, ich weiß, dass ich rein bin.“

Der Nachbar erwidert nichts mehr, während sich der glückliche Gereinigte, mit Freude und Triumph über die Erlösung, noch einmal die Szene vorstellt, in der der freigelassene Vogel in den Himmel flog. 

So ist es mit dir und mit mir, wenn wir im Blut des Herrn Jesus gewaschen sind. Wenn wir mit den Augen des Glaubens unseren Herrn und Heiland zurückkehren sehen in seine himmlische Wohnung, dann wissen wir, dass Er angenommen ist und wir in Ihm (Eph 1,6).

Dieser in den Himmel zurückgekehrte Heiland sagt uns aber noch etwas mehr als die Tatsache seines vollständig vollbrachten Reinigungswerkes. Seine Auferstehung und seine Himmelfahrt sagen uns, dass Er der siegreiche Eroberer des Todes und des Grabes ist. Die größte Schlacht des Universums ist geschlagen und gewonnen worden, und nun können wir triumphierend sagen: „Wo ist, o Tod, dein Sieg? Wo ist, o Tod, dein Stachel?“ (1. Kor 15,55).

Du brachst des Todes Bande,
allmächt'ger Heiland du,
hast uns, die ferne standen,
gebracht zu deiner Ruh'.

„Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!“ (1. Kor 15,57).

Nächstes Kapitel »« Vorheriges Kapitel

Ihre Nachricht