Das Gesetz des Aussätzigen

Die unerlässliche Reinigung

Das Gesetz des Aussätzigen

„Und der, der zu reinigen ist, soll seine Kleider waschen und all sein Haar scheren und sich im Wasser baden; und er ist rein. Und danach darf er ins Lager kommen, aber er soll sieben Tage außerhalb seines Zeltes bleiben“ (3. Mo 14,8)

In den Augen Gottes ist der arme Aussätzige jetzt rein und fleckenlos. Der Priester hat ihn für rein erklärt, und diese Erklärung ist mit der ganzen Autorität und Sicherheit Gottes selbst gegeben.

Was ist die Folge? Der Mensch sucht sofort alles zu reinigen, was ihn berührt; das Äußere muss dem Inneren entsprechen. Alles muss in Harmonie mit dieser wunderbaren Stellung sein, die er jetzt vor Gott einnimmt. Das heißt, es ist die Stellung eines gereinigten und fleckenlosen Menschen.

Du wirst dich erinnern, lieber Leser, dass wir dich im vorhergehenden Kapitel baten, besonders darauf zu achten, was der Aussätzige zu seiner Reinigung tun musste.

Wenn du den ersten sieben Versen dieses Kapitels des dritten Buches Mose gefolgt bist, das unserer Betrachtung zugrunde liegt, wirst du bemerkt haben, dass der Aussätzige selbst gar nichts zu tun hatte: alles war für ihn getan. An ihm war es, anzunehmen, was andere an seiner Stelle getan hatten, sein Vertrauen in das vergossene Blut zu setzen und den Worten des Priesters zu glauben. Er hatte nichts zu tun, sondern lediglich dazustehen. Er war ein stummer und reumütiger Zeuge, erfüllt mit Dankbarkeit für das überwältigende durch Gott eingesetzte Mittel der Reinigung. Nun aber beginnt für ihn ein neuer Abschnitt. Alles ist verändert, und wir werden zusehen, was er tut:

Zunächst wäscht er seine Kleider. Diese waren so schmutzig und ekelhaft, dass niemand sie hätte berühren mögen. Wir haben mehr als einmal in China bettelnde Aussätzige am Rand des Weges gesehen, und wir können bestätigen, dass man kein abschreckenderes Schauspiel sehen könnte. Sie sind selbst so vollständig verunreinigt, und warum sollten sie sich deshalb der Mühe unterziehen, ihre Kleider rein zu halten? Nun aber ist alles verändert für denjenigen, der uns beschäftigt. Er ist rein in den Augen Gottes und durch den Glauben rein in seinen eigenen Augen, und als solcher soll er nun vor den Augen seiner Mitmenschen erscheinen.

Es kann sein, dass es ihm früher gelungen ist, seine Kleider vielleicht sauberer zu halten als andere Aussätzige, so gut sogar, dass letztere oft erstaunt waren, dass er sein Äußeres noch so pflegen konnte. Er selbst war darüber wahrscheinlich sehr zufrieden; aber nun, rein und fleckenlos in den Augen Gottes, verwirklicht er, dass seine Kleider viel zu wünschen übrig lassen. Es ist nötig für ihn, sie zu waschen.

Die Kleider sprechen von dem, was uns eng berührt – unsere Verbindungen – das was in Beziehung zu uns steht und von der Welt gesehen werden kann. Vielleicht haben unsere Nachbarn gesehen, dass wir an den Vergnügungen dieser Welt teilgenommen haben. Jeder Verkehr und jede Gewohnheit dieser Art muss „gewaschen“ werden. Wie können wir das schaffen? Die Antwort finden wir in Psalm 119,9: „Wodurch wird ein Jüngling seinen Pfad in Reinheit wandeln“? Das ist die Frage, und nun folgt die Antwort von Gott selbst: „Indem er sich bewahrt nach deinem Wort“.

Was muss der gereinigte Aussätzige nach dem Waschen der Kleider außerdem tun? „All sein Haar soll er scheren“. Für den Israeliten war es nach dem Gesetz nicht richtig, „eine Glatze auf dem Haupt zu machen und den Rand seines Bartes abzuscheren“ (3. Mo 19,27; 21,5). Das bewirkte Schmach und Schande. Jetzt aber musste alles Haar verschwinden; alles, was zur Schönheit und natürlichen Herrlichkeit beitrug, musste fallen. Alles, was geeignet war, irgendeine Unreinheit zu verbergen, musste um jeden Preis entfernt werden. Ist jemand durch das Blut Christi gereinigt worden, so wird er bald entdecken, dass er auch berufen ist, einen dem Wort des Herrn entsprechenden Weg zu gehen und an seiner Schmach teilzunehmen. Selbst wenn wir uns nicht sehr gut vorstellen können, in welchem Maß der geschorene Kopf Schmach und Verachtung auf ihn herabzog, so haben wir dennoch im Wort diese klare Beschreibung von gewissen Gläubigen zur Zeit der Apostel: „Ihr habt viel Kampf der Leiden erduldet; indem ihr einerseits sowohl durch Schmähungen als auch Drangsale zur Schau gestellt wurdet ...“ (Heb 10,32.33).

Auch Mose „wählte lieber mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, als den zeitlichen Genuss der Sünde zu haben, indem er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens“ (Heb 11,25.26). Ein wenig weiter werden auch wir ermahnt, „seine Schmach zu tragen“ (Heb 13,13). Der Herr selbst hat diese Schmach gekannt und konnte sagen: „Du kennst meinen Hohn und meine Schmach und meine Schande; vor dir sind alle meine Bedränger. Der Hohn hat mein Herz gebrochen, und ich bin ganz elend; und ich habe auf Mitleid gewartet, und da war keins, und auf Tröster, und ich habe keine gefunden“ (Ps 69,20.21). Niemand hat jemals so tief wie Er Schmach und Schande gekostet; aber du und ich, lieber gläubiger Leser, wir haben das Vorrecht, Ihm in kleinem Maß nachzufolgen auf diesem Weg. Möge Er es uns gewähren, das als einen größeren Reichtum zu achten, als alles, was diese arme Welt bieten kann.

Inmitten eines Volkes, in dem gewöhnlich jedermann einen kräftigen Haarwuchs hatte, einen langen buschigen Bart, welches lächerliche Schauspiel musste es da für die Öffentlichkeit sein, einen vollständig geschorenen Mann vorübergehen zu sehen. Viele spottende Blicke mussten ihm folgen. Spöttereien waren zahlreich hinter ihm. Aber war es nicht der Mühe wert, sie zu erdulden? War es nicht unendlich viel besser, gereinigt und in die Versammlung des HERRN zurückgeführt zu sein, als noch außerhalb des Lagers umherzuirren und zu rufen: „Unrein, unrein“?

Die sieben Tage würden schnell vorüber sein und dann würde er sich in sein trautes Heim zurückziehen können unter den Schutz vor Schmach und Verachtung, um sich des Friedens, der Freude und der Zuneigung der Seinen zu erfreuen. Möge er also in dieser freudigen Erwartung, während er Gelegenheit dazu hat, mutig Zeugnis von der Gnade und Macht, die ihn gereinigt und in die Versammlung des HERRN zurückgeführt hat, ablegen! Aber es gibt noch mehr in dem Vers, der uns beschäftigt:

Der zu reinigen ist, hat seine Kleider gewaschen, all sein Haar geschoren, und nun heißt es, dass „er sich im Wasser baden soll“. Was bedeutet das? Ich glaube, dass uns das näher berührt, als wenn wir unsere Kleider waschen. Es ist etwas, was intimer im Zusammenhang mit mir selbst steht als meine Verbindungen, meine Wege und äußerlichen Beziehungen. Dieses berührt alle Gewohnheiten meines Lebens. Diese Waschung reinigt selbst meine Gedanken, und das Ergebnis wirkt sich auf meine Worte, meine Handlungen und alle meine Gewohnheiten aus, d. h. auf mich selbst. „Denn wie einer, der es abmisst in seiner Seele, so ist er“ (Spr 23,7). Alles muss gereinigt sein, nicht durch das Blut, sondern durch das Wasser.

Der Vogel war nur einmal geschlachtet worden. Das Blut war nur einmal gesprengt worden, aber das Wasser kann mehrmals angewandt werden.

In der weiteren Betrachtung dieses Kapitels werden wir sehen, dass sich der Aussätzige am siebten Tag erneut waschen musste, um seine Reinigung vollkommen zu machen, nicht durch das Blut, sondern durch das Wasser.

Du wirst dich erinnern, dass bei der Anordnung der Stiftshütte das eherne Waschbecken, das das Wasser enthielt, in dem sich die Priester Hände und Füße wuschen, zwischen dem Altar und dem Heiligtum stand. Hier war es, wo sie sich beständig wuschen, bevor sie eintraten, um ihren Dienst auszuführen.

Dieses Bild zeigt uns die beständige Notwendigkeit der Reinigung von den Verunreinigungen, die wir uns in dieser Welt zuziehen. Nicht durch das Blut, lasst es uns noch einmal wiederholen, sondern durch das Wasser des Wortes Gottes. Erinnert uns das von der Waschung durch Wasser redende Bild nicht an viele Verse des Neuen Testamentes? Zum Beispiel heißt es im zweiten Brief an die Korinther, nachdem uns die wunderbare Zusage gegeben wurde, dass der allmächtige Gott unser Vater sein würde: „Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so lasst uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes“ (2. Kor 7,1). Und es steht noch geschrieben: „Christus hat uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben als Darbringung und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch“ (Eph 5,2).

Dann, gebeten, diese wunderbare Darbringung zu betrachten, die uns von unseren Sünden gereinigt hat, lesen wir unmittelbar darauf: „Hurerei aber und alle Unreinheit oder Habsucht werde nicht einmal unter euch genannt, wie es Heiligen geziemt; auch Schändlichkeit und albernes Geschwätz oder Witzelei, die sich nicht geziemen, sondern vielmehr Danksagung“ (Eph 5,3.4).

Entspricht das nicht genau dem Waschen unserer Kleider oder dem was folgen muss: „das Haar scheren“, sich „im Wasser baden“?

Du wirst bald bemerken, dass deine Weigerung, an den nutzlosen Gesprächen und an den Witzeleien der Menschen dieser Welt teilzunehmen, dir genug Schmach einbringen wird; es ist nichts mehr nötig, um von dir ein „Schauspiel“ zu machen. Gibt es eine schönere natürliche Eigenschaft als ein lebendiger und schlagfertiger Geist mit interessanten und witzigen Einfällen? Auch wenn es harmlos erscheint, verbergen sie eine wirkliche Gefahr der Verunreinigung, wie uns eine göttliche Erklärung lehrt: „Bei der Menge der Worte fehlt Übertretung nicht“ (Spr 10,19). Und außerdem: „Tote Fliegen machen das Öl des Salbenmischers stinkend und gärend: Ein wenig Torheit hat mehr Gewicht als Weisheit und Ehre“ (Pred 10,1).

Alles das, was uns attraktiv macht für die Welt muss verschwinden. Das Wort Gottes mahnt uns oft zur Besonnenheit und zum Ernst (siehe z. B. 1. Thes 5,8; 1. Tim 2,15; 3,2.4.8.11; Tit 1,8; 2,12).

Wer das Wort Gottes liest, wird viele Abschnitte im Neuen Testament finden, die für uns die Notwendigkeit dessen unterstreichen, was der Reinigung des Aussätzigen, dem Waschen seiner Kleider und seiner Person entspricht. Wir fühlen, dass diese wichtigen Wahrheiten nicht so dargestellt worden sind, wie sie es hätten sein sollen. Wir haben mit freudigem Staunen dem Tun der Gnade Gottes zugesehen, die diesen armen, hässlichen Aussätzigen reinigt, der nicht einmal das Geringste dazu beitragen kann. Wir sind aber oft zu langsam, zu nachlässig in unseren Bemühungen, uns zu „reinigen“ und uns zu „scheren“. Und dennoch, wenn wir ein Bewusstsein davon haben, was es unseren Herrn und Meister gekostet hat, uns zu reinigen, können wir dann weniger tun, als zu suchen, Ihm zu gefallen, während Er uns noch auf der Erde lässt?

Wir wiederholen, dass in den Versen 1–7 der Aussätzige nichts tut. Er tut nichts als nur dem Priester seinen Aussatz und seine Unreinheit zu bringen: Alles ist für ihn durch einen anderen vollbracht, aber von dem Augenblick an, wo der Priester ihn für rein erklärt und den gefangenen Vogel loslässt, beginnt der Aussätzige, der vor Gott bereits rein ist, seinen äußeren Zustand in Übereinstimmung mit seiner bevorrechtigten Stellung zu bringen.

Diese beiden Seiten sind in bewundernswerter Weise in dem Brief an Titus 3,4.5.8 herausgestellt: „Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Heiland-Gottes erschien, errettete er uns, nicht aus Werken, die, in Gerechtigkeit vollbracht, wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes ...“. „Das Wort ist gewiss; und ich will, dass du auf diesen Dingen fest bestehst, damit die, die Gott geglaubt haben, Sorge tragen, gute Werke zu betreiben“.

Betrachten wir noch diese Worte: „Wenn ihr mit Christus gestorben seid ...“ – „Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid ...“ (Kol 2,20; 3,1–4).

Dieser reine Vogel hatte nichts getan, wodurch er den Tod verdient hätte; er hatte keinen Fehler und keine Verunreinigung; und dennoch starb er anstelle des unreinen Aussätzigen. In den Augen Gottes verdiente der Aussätzige den Tod – noch mehr – indem er lebte, war er doch tot (4. Mo 12,12). In den Augen Gottes starb der Aussätzige mit diesem Vogel, aber er auferstand mit dem lebenden Vogel, der so klar von der Auferstehung Christi spricht. So ist der gereinigte Aussätzige also ein neuer Mensch, der ein neues Leben besitzt, und Gott sieht uns „gestorben mit Christus“ und „auferweckt mit dem Christus“. Neue Schöpfungen, die ein neues Leben besitzen. Dann fährt er in Kolosser 3,3 fort: „Ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott“.

Als Christus starb, starb ich, der hässliche Aussätzige, mit Ihm; als Er auferstand, auferstand ich mit Ihm. Als Er in den Himmel auffuhr, nahm Er mein Leben mit und verbarg es dort mit sich in Gott.

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