Betrachtungen über das erste Buch Mose

Joseph in Ägypten

Betrachtungen über das erste Buch Mose

Die Handlungen des Menschen und der Plan Gottes

Beim Lesen dieser anziehenden Teile des Buches Gottes stellen wir eine interessante Verkettung verschiedener Wirkungen der Vorsehung fest, die alle ein Hauptziel verfolgen, nämlich die Erhöhung des Menschen, der in der Grube gewesen war, und die gleichzeitig am Rand eine Menge untergeordneter Dinge ans Licht bringen. „… damit die Überlegungen vieler Herzen offenbar werden“ (Lk 2,35), aber Joseph sollte erhöht werden. „Und er rief eine Hungersnot über das Land herbei; jede Stütze des Brotes zerbrach er. Er sandte einen Mann vor ihnen her, Joseph wurde zum Knecht verkauft. Man presste seine Füße in den Stock, er kam in das Eisen, bis zur Zeit, als sein Wort eintraf; das Wort des HERRN läuterte ihn. Der König sandte hin und ließ ihn los, der Herrscher über Völker, und befreite ihn; er setzte ihn zum Herrn über sein Haus und zum Herrscher über all sein Besitztum, um seine Fürsten zu fesseln nach seiner Lust, und dass er seine Ältesten Weisheit lehre“ (Ps 105,16–22).

Es ist zu beachten, dass es sich hauptsächlich darum handelte, den zu erhöhen, den die Menschen verworfen hatten, und dann den Menschen ihre Sünde bewusst zu machen, der sie sich durch die Verwerfung schuldig gemacht hatten. In welch bewundernswerter Weise erfüllt sich das alles! Unwichtige und wichtige, günstige und ungünstige Umstände müssen zur Erfüllung der Vorsätze Gottes mitwirken. In Kapitel 39 gebraucht Satan die Frau Potiphars, um Joseph ins Gefängnis zu bringen, und in Kapitel 40 benutzt er die Undankbarkeit und Nachlässigkeit des obersten Schenken, um ihn dort festzuhalten. Aber alles ist vergeblich. Gott steht hinter den Kulissen und hält alle Fäden in seiner Hand. Er lässt zur richtigen Zeit den Mann seiner Ratschlüsse hervortreten. Gott steht über allen Umständen. Er kann alles zur Erfüllung seiner unergründlichen Absichten benutzen. Wie glücklich sind wir, in allen Dingen die Entwicklung der Ratschlüsse unseres Vaters verfolgen zu dürfen, und wie wohltuend ist die Gewissheit, dass Er als unumschränkter Machthaber über alle Werkzeuge verfügt, und dass Engel, Menschen und Teufel unter seiner Gewalt stehen und nach seinem Belieben zur Ausführung seiner Vorsätze dienen müssen.

Dies alles sehen wir deutlich in den vor uns liegenden Kapiteln. Gott tritt in das Privatleben eines heidnischen Leibwachen-Obersten, besucht das Haus eines heidnischen Königs, ja, dessen Lagerstätte, und lässt dessen Träume zur Entwicklung seiner Pläne beitragen. Wir sehen, dass nicht nur einzelne Personen und deren Verhältnisse zur Erreichung der Ziele Gottes benutzt werden, sondern Ägypten und die umliegenden Länder müssen auf seinen Ruf auf dem Schauplatz erscheinen. Die ganze Erde wird durch die Hand Gottes gewissermaßen zu einer Bühne, auf der die Herrlichkeit und Größe des „von seinen Brüdern Abgesonderten“ entfaltet werden. Das sind die Wege Gottes, und es ist eine der schönsten Erfahrungen für den Gläubigen, die wunderbaren Taten seines himmlischen Vaters zu sehen. Wie mächtig bricht die Vorsehung Gottes in der Geschichte Josephs durch! Werfen wir z. B. einen Blick in den Kerker. Wir sehen dort einen in Eisen gelegten Mann, eines üblen Verbrechens beschuldigt, aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßen und verworfen, und gerade dieser Mann wird in einem Augenblick in die höchste Stellung in Ägypten berufen. Wer könnte leugnen, dass Gott hierin seine Hand hatte?

„Und der Pharao sprach zu Joseph: Nachdem Gott dir dies alles kundgetan hat, ist keiner so verständig und weise wie du. Du sollst über mein Haus sein, und deinem Befehl soll mein ganzes Volk sich fügen; nur um den Thron will ich größer sein als du. Und der Pharao sprach zu Joseph: Siehe, ich habe dich über das ganze Land Ägypten gesetzt. Und der Pharao nahm seinen Siegelring von seiner Hand und tat ihn an die Hand Josephs, und er kleidete ihn in Kleider aus Byssus und legte die goldene Kette um seinen Hals. Und er ließ ihn auf dem zweiten Wagen fahren, den er hatte, und man rief vor ihm her: Werft euch nieder! – Und er setzte ihn über das ganze Land Ägypten. Und der Pharao sprach zu Joseph: Ich bin der Pharao, und ohne dich soll kein Mensch seine Hand oder seinen Fuß aufheben im ganzen Land Ägypten“ (Kap. 41,39–44).

Joseph, ein wunderbares Vorbild auf Christus

Das war keine gewöhnliche Beförderung. Die Reihenfolge der Begebenheiten, die zu dieser Erhöhung mitwirkten, zeigt deutlich, dass die Hand Gottes alles leitete. Zugleich sehen wir in allem ein treffendes Bild von den Leiden und der Herrlichkeit des Herrn Jesus Christus. Joseph wurde aus der Grube und dem Kerker, in die ihn die Eifersucht seiner Brüder und das falsche Urteil der Heiden gebracht hatten, herausgenommen, um Herrscher über ganz Ägypten zu werden, und nicht nur das, er sollte auch auf diesem Weg der Segenskanal und der Erhalter Israels und der ganzen Erde werden. Das alles deutet bildlich auf Christus hin, es könnte wirklich kein besseres Bild geben. Wir sehen, wie ein Mensch durch die Hand des Menschen bis zur Stätte des Todes geführt wird, und dann sehen wir ihn durch die Hand Gottes auferweckt und zur höchsten Würde und Herrlichkeit erhoben. „Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus, den Nazaräer, einen Mann, von Gott vor euch bestätigt durch mächtige Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte tat, wie ihr selbst wisset – diesen, hingegeben nach dem bestimmten Ratschluss und nach Vorkenntnis Gottes, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen an das Kreuz geschlagen und umgebracht. Den hat Gott auferweckt, nachdem er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, wie es denn nicht möglich war, dass er von ihm festgehalten wurde“ (Apg 2,22–24).

Aber es gibt außer den bereits angedeuteten Punkten noch zwei Ereignisse in der Geschichte Josephs, die ihrem bildhaften Charakter eine ganz besondere Vollkommenheit geben. Es ist seine Heirat mit einer Fremden in Kapitel 41 und sein Zusammentreffen mit seinen Brüdern in Kapitel 45. Dies ist die Reihenfolge der Ereignisse: Joseph stellt sich seinen Brüdern als vom Vater gesandt vor. Sie verwerfen ihn und bringen ihn, so weit es an ihnen liegt, an die Stätte des Todes. Gott nimmt ihn von dort weg und erhebt ihn zu einem Platz der höchsten Würde. Als er so erhoben ist, empfängt er eine Braut, eine Frau, und als seine Brüder völlig gebrochen zu seinen Füßen liegen, gibt er sich ihnen zu erkennen, beruhigt ihre Herzen und führt sie in die Segnung ein. Dann wird er der Segenskanal für sie und die ganze Erde.

Eine Gefährtin seiner Herrlichkeit

Einige Bemerkungen über die Heirat Josephs und die Wiederherstellung seiner Brüder sind hier angebracht. Die fremde Frau ist ein Bild der Versammlung Gottes. Christus stellte sich den Juden dar und nachdem Er von ihnen verworfen worden war, nahm Er seinen Platz in der Höhe ein, von wo Er den Heiligen Geist herniedersandte, um eine auserwählte Versammlung zu sammeln, die aus Juden und Heiden zusammengesetzt und dazu bestimmt ist, mit ihm in der himmlischen Herrlichkeit vereinigt zu sein. Wir haben bereits in Kapitel 24 die Lehre von der Versammlung betrachtet, aber es sind noch einige Punkte zu erwähnen. Zunächst ist zu beachten, dass Josephs ägyptische Braut innig mit ihm in seiner Herrlichkeit verbunden war. (Die Frau Josephs stellt die Versammlung dar als mit Christus in seiner Herrlichkeit vereinigt, während die Frau Moses die Versammlung als mit Christus in seiner Verwerfung vereinigt darstellt.) Mit ihm vereinigt teilte sie alles, was sein war. Zudem nahm sie einen Platz der Nähe und Vertrautheit ein, den sie nur allein kannte. Ebenso ist es mit der Versammlung, der Braut des Lammes: Sie wird zu Christus hin gesammelt, um, die Teilhaberin sowohl seiner Verwerfung als auch seiner Herrlichkeit zu sein. Die Stellung Christi verleiht der Stellung der Versammlung ihren Charakter, und die Stellung der Versammlung sollte stets ihren Weg charakterisieren. Wenn wir zu Christus hin gesammelt werden, so ist es zu ihm als dem in Herrlichkeit Erhöhten und nicht als dem auf der Erde Erniedrigten. „Daher kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch; und wenn wir Christus dem Fleisch nach gekannt haben, kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr so“ (2. Kor 5,16). Der Sammelpunkt der Versammlung ist Christus in der Herrlichkeit.

Das volle Verständnis dieses Grundsatzes ist für die Praxis weit wichtiger, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Die Absicht Satans und die Neigung unserer Herzen gehen stets dahin, uns von einer Erhebung zu der Höhe der Gedanken Gottes zurückzuhalten, und dies ist ganz besonders wahr im Blick auf den Mittelpunkt unserer Vereinigung als Christen. Viele sind der Meinung, dass das Blut des Lammes diesen Mittelpunkt bildet. Nun ist es ganz sicher richtig, dass das kostbare Blut Christi uns persönlich als Anbeter in die Gegenwart Gottes versetzt hat und das Blut daher die Grundlage unserer Gemeinschaft mit Gott bildet. Aber wenn wir von dem Mittelpunkt unserer Vereinigung als Versammlung reden, dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren, dass der Heilige Geist uns zu einem auferstandenen und verherrlichten Christus hin sammelt. Diese Tatsache verleiht unserer Vereinigung als Christen einen hohen und heiligen Charakter. Sobald wir uns auf einen niedrigeren Boden stellen, werden wir unfehlbar zu einer Sekte oder Partei. Wenn wir uns um irgendeine Verordnung versammeln, so wichtig sie sein mag, oder um eine Wahrheit, die an und für sich durchaus nicht bestritten werden kann, so machen wir etwas Geringeres als Christus zu unserem Mittelpunkt.

Es ist daher sehr wichtig, die praktischen Folgen der Wahrheit zu prüfen, dass wir zu einem auferstandenen und verherrlichten Haupt hin versammelt sind. Wäre Christus auf der Erde, so würden wir uns hier um ihn sammeln müssen, da Er aber in den Himmeln verborgen ist, empfängt die Versammlung ihren Charakter von seiner Stellung dort. Deshalb konnte Christus sagen: „Sie sind nicht von der Welt, wie ich nicht von der Welt bin“; und weiter: „Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie Geheiligte seien durch Wahrheit“ (Joh 17,16.19). So lesen wir auch in 1. Petrus 2,4.5: „Zu welchem kommend, als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt kostbar, werdet auch ihr selbst als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, zu einer heiligen Priesterschaft, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlangenehm durch Jesus Christus“. Wenn wir zu Christus hin versammelt sind, dann muss es sein, so wie Er ist und wo Er ist, und je besser wir durch die Leitung des Heiligen Geistes diese Dinge verstehen, umso besser werden wir auch wissen, wie wir uns jetzt zu verhalten haben. Josephs Braut wurde nicht in der Grube oder im Kerker mit ihm vereinigt, sondern in der Würde und Herrlichkeit seiner Stellung als Herrscher über ganz Ägypten. Es fällt uns in diesem Fall sicher nicht schwer, den außerordentlichen Unterschied zwischen den beiden Stellungen zu erkennen.

Wir lesen ferner: „Und Joseph wurden zwei Söhne geboren, ehe das Jahr der Hungersnot kam“ (41,50). Eine Zeit der Trübsal nahte, aber vorher wurde die Frucht seiner Verbindung mit seiner Frau sichtbar. Die Kinder, die Gott ihm gegeben hatte, wurden vor dieser Zeit der Trübsal ins Leben gerufen. So wird es auch im Blick auf die Versammlung sein. Alle ihre Glieder werden berufen, der ganze Leib wird vervollständigt und mit seinem Haupt im Himmel vereinigt werden, ehe „die große Drangsal“ beginnt, die über die ganze Erde kommen soll (Mt 24,21).

Die Wiederherstellung von Josephs Brüdern

Beschäftigen wir uns jetzt einen Augenblick mit Josephs Zusammentreffen mit seinen Brüdern. Wir werden darin verschiedene Punkte finden, die mit der Geschichte Israels in den letzten Tagen auffallend übereinstimmen. Während der Zeit, in der Joseph von seinen Brüdern getrennt war, hatten seine Brüder eine tiefe Prüfung und schmerzende Gewissensübungen durchzumachen. Eine dieser Übungen drücken sie mit folgenden Worten aus: „Wahrhaftig, wir sind schuldig wegen unseres Bruders, dessen Seelenangst wir sahen, als er zu uns flehte, und wir hörten nicht; darum ist diese Drangsal über uns gekommen. Und Ruben antwortete ihnen und sprach – Habe ich nicht zu euch gesprochen und gesagt: Versündiget euch nicht an dem Knaben? Aber ihr hörtet nicht; und siehe, sein Blut wird auch gefordert!“ (Kap. 42,21.22).

Weiter lesen wir in Kapitel 44,16: „Und Juda sprach: Was sollen wir meinem Herrn sagen? Was sollen wir reden und wie uns rechtfertigen? Gott hat die Ungerechtigkeit deiner Knechte gefunden.“ Keiner kann unterweisen wie Gott. Er allein kann im Gewissen ein wahres Gefühl von der Sünde wachrufen und die Seele zu dem tiefen Bewusstsein ihres Zustandes vor ihm bringen. Der Mensch eilt sorglos in seinen Sünden dahin, bis die Pfeile des Allmächtigen sein Gewissen durchbohren, und dann wird er durch schmerzhafte Übungen geführt, die nur in der Fülle der erlösenden Liebe leichter werden können. Josephs Brüder hatten keine Vorstellung davon, was aus ihrem Verhalten gegen Joseph für sie hervorgehen würde. „Sie nahmen ihn und warfen ihn in die Grube; … und sie setzten sich, um zu essen“ (Kap. 37,24.25). „Wehe denen…, die Wein aus Schalen trinken und mit den besten Ölen sich salben, und sich nicht grämen über die Wunde Josephs!“ (Amos 6,6).

Gott rief zu seiner Zeit Betrübnis und Gewissensübungen in ihnen wach, und zwar in wunderbarer Weise. Jahre gingen dahin, und die Brüder hätten sich einbilden können, dass alles in bester Ordnung sei. Dann aber kamen „die sieben Jahre des Überflusses und die sieben Jahre der Hungersnot“ (Kap 41). Was bedeuteten sie? Von wem kamen sie, und was war ihr Zweck? Wie wunderbar und unergründlich ist die Weisheit Gottes! Die Hungersnot erreicht das Land Kanaan, und der Hunger bringt die schuldigen Brüder nach Ägypten, vor die Füße dessen, den sie misshandelt hatten. Wie deutlich zeigt sich darin die Hand Gottes! Da stehen sie, in ihren Gewissen überführt und von einem tiefen Schuldbewusstsein erfüllt, in der Gegenwart des Mannes, den sie in die Grube geworfen hatten. In der Tat, ihre Sünde hatte sie gefunden, aber gefunden in der Gegenwart Josephs. Gesegneter Platz!

„Da konnte Joseph sich nicht mehr bezwingen vor allen, die um ihn standen, und er rief: Lasst jedermann von mir hinausgehen! Und es stand niemand bei ihm, als Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen gab“ (Kap. 45,1). Keinem Fremden wurde gestattet, Zeuge dieser Begebenheit zu sein, denn welcher Fremdling hätte sie verstehen können? Wir dürfen hier in eine von Gott gewirkte Sünden-Überführung in Gegenwart göttlicher Gnade sehen, und wenn diese beiden Dinge sich begegnen, ist bald jede Frage geordnet.

„Da sprach Joseph zu seinen Brüdern: Tretet doch zu mir her! Und sie traten herzu. Und er sprach: Ich bin Joseph, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt. Und nun betrübt euch nicht, und zürnt nicht über euch selbst, dass ihr mich hierher verkauft habt; denn zur Erhaltung des Lebens hat Gott mich vor euch hergesandt … Und Gott hat mich vor euch hergesandt, um euch einen Überrest zu setzen auf der Erde und euch am Leben zu erhalten für eine große Errettung. Und nun, nicht ihr habt mich hierher gesandt, sondern Gott“ (V. 4–8). Das ist wirklich Gnade, eine Gnade, die das überführte Gewissen vollkommen zur Ruhe bringt. Da die Brüder sich selbst schon vorbehaltlos verurteilt hatten, konnte Joseph ihren traurigen Herzen wieder Frieden geben. Hier sehen wir ein schönes Bild von dem, was Gott mit Israel tun wird in den letzten Tagen, wenn sie auf ihn blicken, „den sie durchbohrt haben“ und wenn sie „über ihn wehklagen“ werden (Sach 12,10). Dann werden sie die Wirklichkeit der Gnade Gottes erfahren, sowie die reinigende Kraft des Quells, der dem Haus Davids und den Bewohnern von Jerusalem geöffnet sein wird für Sünde und für Unreinheit (Sach 13,1).

In Apostelgeschichte 3 finden wir, wie der Geist Gottes in Petrus bemüht ist, diese Überführungen in den Gewissen der Juden hervorzurufen. „Der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr freilich überliefert und angesichts des Pilatus verleugnet habt, als dieser geurteilt hatte, ihn freizulassen. Ihr habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und gebeten, dass euch ein Mann, der ein Mörder war, geschenkt würde; den Urheber des Lebens aber habt ihr getötet, den Gott aus den Toten auferweckt hat, wovon wir Zeugen sind“ (V. 13–15). Diese Worte hatten den Zweck, den Juden das Bekenntnis der Brüder Josephs in den Mund zu legen: „Wahrhaftig, wir sind schuldig!“ Dann fügt die Gnade hinzu: „Und jetzt, Brüder, ich weiß, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt, so wie auch eure Obersten. Gott aber hat so erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten zuvor verkündigt hat, das sein Christus leiden sollte. So tut nun Buße und bekehrt euch, damit eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn“ (V. 17–20). Wir sehen hier zunächst, dass die Juden in der Ermordung Christi tatsächlich der Feindschaft ihres Herzens freien Lauf gelassen hatten, wie die Brüder in ihrem Verhalten gegenüber Joseph. Zugleich aber äußert sich die Gnade Gottes gegenüber jedem Einzelnen von ihnen darin, dass alles als von Gott zu ihrem Segen verordnet und zuvor verkündigt dargestellt wird. Das ist eine vollkommene Gnade, die alle menschlichen Begriffe übersteigt, und um sich dieser Gnade erfreuen zu können, ist nichts anderes nötig als ein durch die Wahrheit Gottes wirklich überführtes Gewissen. Diejenigen, die sagen konnten: „Wahrhaftig, wir sind schuldig!“ konnten auch die kostbaren Worte der Gnade verstehen: „Nicht ihr habt mich hierher gesandt, sondern Gott“. Die Seele, die das Verdammungsurteil über sich gefällt hat, ist imstande, das vergebende Erbarmen Gottes zu verstehen und zu würdigen.

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