Betrachtungen über das erste Buch Mose

Rebekka, eine Frau für Isaak

Betrachtungen über das erste Buch Mose

Ein Vorbild von der Berufung der Versammlung

Interessant ist die Verbindung dieses Kapitels mit den beiden vorhergehenden. In Kapitel 22 wird der Sohn auf dem Altar geopfert, in Kapitel 23 wird Sara beigesetzt, und in Kapitel 24 wird der Knecht ausgesandt, um eine Frau für den zu suchen, den Abraham „im Gleichnis“ aus den Toten wiederempfangen hatte (vgl. Heb 11,19). Diese Reihenfolge stimmt auffallend mit der Ordnung der Ereignisse überein, die mit der Berufung der Versammlung verbunden sind.

Die großen Tatsachen, denen wir im Neuen Testament begegnen, sind

  1. die Verwerfung und der Tod Christi,
  2. die Beiseitesetzung Israels, und
  3. die Berufung der Versammlung in die herrliche Stellung als Braut des Lammes. Dies entspricht genau dem Inhalt der drei genannten Kapitel. Der Tod Christi musste eine vollendete Tatsache sein, bevor die Versammlung berufen werden konnte. Ebenso musste die „Zwischenwand der Umzäunung“ abgebrochen sein, bevor der „eine neue Mensch“ gebildet werden konnte (Eph 2,14.15). Es ist wichtig, das zu verstehen, damit wir den Platz kennen, den die Versammlung in den Wegen Gottes einnimmt. So lange die jüdische Haushaltung bestand, hatte Gott strikte Trennung zwischen Juden und Heiden angeordnet, und deshalb lag der Gedanke einer Vereinigung beider in einem neuen Menschen dem Geist eines Juden ganz und gar fern. Der Jude war vielmehr zu der Ansicht erzogen worden, dass seine Stellung die des Heiden in jeder Beziehung überragte, und diesen als einen unreinen Menschen zu betrachten, mit dem jede Verbindung untersagt war (vgl. Apg 10,28).

Hätte Israel mit Gott gelebt gemäß den wahren Beziehungen, in der Er das Volk in seiner Gnade gebracht hatte, wäre es in dieser Stellung der Absonderung und der Vorrechte geblieben. Aber Israel folgte einem anderen Weg, und als es durch die Kreuzigung des Herrn der Herrlichkeit und durch die Verwerfung des Zeugnisses des Heiligen Geistes das Maß der Ungerechtigkeit voll gemacht hatte, wurde Paulus erweckt, um der Verwalter einer neuen Sache zu sein, die in den Ratschlüssen Gottes verborgen gewesen war, während sich das Zeugnis an Israel richtete. „Deshalb ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch, die Nationen, – (wenn ihr nämlich gehört habt von der Verwaltung der Gnade Gottes, die mir in Bezug auf euch gegeben ist, dass mir durch Offenbarung das Geheimnis kundgetan worden ist…, das in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden ist, wie es jetzt offenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten (d. h. den Propheten des Neuen Testaments) im Geist: dass die aus den Nationen Miterben seien und Miteinverleibte und Mitteilhaber seiner Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium“ (Eph 3,1–6). Das ist eine deutliche Sprache. Das Geheimnis der Versammlung, die aus Juden und Heiden zusammengesetzt, durch einen Geist zu einem Leib getauft, mit dem herrlichen Haupt im Himmel vereinigt ist, war bis zu den Tagen des Paulus nie offenbart worden. Im Blick auf dieses Geheimnis fährt der Apostel fort: „Dessen Diener ich geworden bin nach der Gabe der Gnade Gottes, die mir gegeben ist nach der Wirksamkeit seiner Kraft“ (Eph 3,7). Die Apostel und Propheten des Neuen Testaments bilden sozusagen die erste Lage dieses herrlichen Gebäudes (siehe Eph 2,20). Hieraus ergibt sich auch, dass der Bau unmöglich früher (vor der Zeit der Apostel) seinen Anfang genommen haben kann. Wäre der Bau schon in den Tagen Abels begonnen worden, hätte der Apostel gesagt: „Aufgebaut auf die Grundlage der Heiligen des Alten Testaments“. Aber da er anders geredet hat, müssen wir unbedingt daraus schließen, dass die Heiligen des Alten Testaments, welche Stellung ihnen auch angewiesen sein mag, unmöglich einem Leib angehören können, der bis zum Tod und zur Auferstehung Christi, sowie bis zu der daraus folgenden Sendung des Heiligen Geistes, nur im Ratschluss Gottes bestand. Jene Heiligen waren errettet, errettet durch das Blut Christi, und bestimmt, mit der Versammlung die himmlische Herrlichkeit zu genießen, aber sie konnten nicht einem Leib angehören, der erst Hunderte von Jahren nach ihrer Zeit ins Dasein gerufen wurde.

Elieser

Um ein klares Verständnis über den Inhalt dieses Kapitels zu bekommen, muss man folgende Punkte beachten:

  1. den Schwur,
  2. das Zeugnis und
  3. den Erfolg der Sendung Eliesers.

Der Schwur des Knechtes

Es ist schön zu sehen, dass Berufung und Erhöhung Rebekkas sich auf den Schwur gründeten, der zwischen Abraham und seinem Knecht bestand. Sie wusste nichts davon, obwohl sie nach dem Vorsatz Gottes der Mittelpunkt der Handlung war. Genauso verhält es sich mit der Versammlung Gottes, ob man sie nun im Ganzen oder in einem ihrer Teile betrachtet. „In dein Buch waren sie alle eingeschrieben; die Tage, die entworfen wurden, als nicht einer von ihnen war“ (Ps 139,16). „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus, wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und untadelig seien vor ihm in Liebe“ (Eph 1,3.4). „Denn welche er zuvor erkannt hat, die hat er auch zuvor bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Welche er aber zuvor bestimmt hat, diese hat er auch berufen; und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht“ (Röm 8,29.30). Es besteht eine wunderbare Übereinstimmung zwischen diesen Schriftstellen und dem Thema, das uns beschäftigt. Die Berufung, die Rechtfertigung und die Herrlichkeit der Versammlung gründen sich auf den ewigen Vorsatz Gottes, auf sein Wort, das durch den Eid besiegelt und durch den Tod, die Auferstehung und die Erhöhung des Sohnes bestätigt worden ist. Weit vor dem Beginn der Zeit bestand der wunderbare Vorsatz bezüglich der Versammlung, der untrennbar mit den Gedanken Gottes über die Verherrlichung des Sohnes verbunden ist, in den Tiefen der ewigen Ratschlüsse Gottes. Der Abraham von seinem Diener geleistete Eid hatte die Erwerbung einer Gefährtin für den Sohn zum Zweck. Die Wünsche des Vaters für seinen Sohn führten zu all der Würde, die Rebekka später besaß. Welche Freude gibt das Bewusstsein, dass die Sicherheit und das Glück der Versammlung untrennbar mit Christus und seiner Herrlichkeit verbunden sind! „Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann; denn der Mann wurde auch nicht um der Frau willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes willen“ (1. Kor 11,8.9). So lesen wir auch in dem schönen Gleichnis vom Hochzeitsmahl: „Das Reich der Himmel ist einem König gleich geworden, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete“ (Mt 22,2). Der Sohn ist der Mittelpunkt aller Gedanken und Ratschlüsse Gottes, und wenn jemand zur Herrlichkeit geführt wird, so kann es nur in Verbindung mit dem Sohn sein. Durch die Sünde hat der Mensch jedes Anrecht auf diese Dinge, ja, auf das Leben selbst, verwirkt, aber Christus nahm die ganze Strafe für die Sünde auf sich. Er machte sich für seine Versammlung für alles verantwortlich. Als ihr Stellvertreter wurde Er ans Kreuz genagelt. Er trug ihre Sünden an seinem eigenen Leib auf dem Holz und stieg, nachdem Er das volle Gewicht der Sünde getragen hatte, hinab ins Grab. Nichts kann daher vollständiger sein als die Befreiung der Versammlung von allem, was gegen sie war. Sie ist lebendig gemacht aus dem Grab Christi hervorgegangen, wo alle Sünden ihrer Glieder zurückgeblieben sind. Das Leben, das sie besitzt, wurde auf der anderen Seite des Todes erworben, nachdem alle Forderungen Gottes befriedigt waren. Dieses Leben ist daher auf die Gerechtigkeit Gottes gegründet, ebenso wie sich das Anrecht Christi auf das Leben auf seine Vernichtung der Macht des Todes gründet, und Er ist das Leben der Versammlung. In dieser Weise hat sie göttliches Leben, sie ist bekleidet mit göttlicher Gerechtigkeit, und die Hoffnung, die sie belebt, ist die Hoffnung der Gerechtigkeit (Vergleiche unter vielen anderen folgende Schriftstellen: Joh 3,16.36; 5,39.40; 6,27.40.47.68; 11,25; 17,2; Röm 5,21; 6,23; 1. Tim 1,16; 1. Joh 2,25; 5,20; Jud 21; Eph 2,1–6.14.15; Kol 1,12–22; 2,10–15; Röm 1,17; 3,21–26; 4,5.23–25; 2. Kor 5,21; Gal 5,5).

In diesen Schriftstellen werden drei Punkte hervorgehoben: das Leben, die Gerechtigkeit und die Hoffnung der Versammlung. Alle drei entspringen der Tatsache des Einsseins der Versammlung mit dem, der aus den Toten auferweckt worden ist. Nichts kann das Herz so befestigen, wie die Überzeugung, dass die Existenz der Versammlung unbedingt zur Herrlichkeit Christi gehört. „Die Frau ist des Mannes Herrlichkeit“ (1. Kor 11,7). Die Versammlung wird genannt: „Die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“ (Eph 1,23). Dieser Ausdruck ist beachtenswert. Das durch „Fülle“ übersetzte Wort bezeichnet die Ergänzung einer Sache, oder das, was diese Sache zu einem Ganzen macht. In dieser Weise machen Christus als das Haupt und die Versammlung als der Leib den einen „neuen Menschen“ aus (Eph 2,15). Wenn wir die Sache von diesem Gesichtspunkt aus betrachten, werden wir uns nicht mehr darüber wundern, dass die Versammlung der Gegenstand der ewigen Ratschlüsse Gottes gewesen ist, sondern werden vielmehr fühlen, dass durch die Gnade ein Grund vorhanden war, dass die Braut seines eingeborenen Sohnes die Gedanken Gottes vor Grundlegung der Welt beschäftigte. Rebekka war für Isaak notwendig, und darum war sie Gegenstand eines geheimen Ratschlusses, während sie selbst über ihre Zukunft und ihre hohe Bestimmung noch ganz unwissend war. Alle Gedanken Abrahams bezogen sich auf Isaak. „Ich werde dich schwören lassen bei dem HERRN, dem Gott des Himmels und dem Gott der Erde, dass du meinem Sohn nicht eine Frau nehmen wirst von den Töchtern der Kanaaniter, in deren Mitte ich wohne“ (V. 3). „Eine Frau für meinen Sohn“, das ist hier der wichtige Punkt. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ (1. Mo 2,18). Dies lässt uns einen tiefen Blick tun in das, was die Versammlung ist. Sie ist in den Ratschlüssen Gottes für Christus nötig, und in dem vollbrachten Werk Christi schuf Gott die Voraussetzung, um sie ins Dasein rufen zu können.

Wenn man die Sache von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, handelt es sich nicht mehr um die Frage, ob Gott Sünder retten kann. Nein, Er wünscht tatsächlich, „seinem Sohn die Hochzeit auszurichten“, und die Versammlung ist die auserwählte Braut, der Gegenstand des Vorsatzes des Vaters, der Liebe des Sohnes und des Zeugnisses des Heiligen Geistes. Sie ist bestimmt, die Genossin der Würde und der ganzen Herrlichkeit des Sohnes zu sein, so wie sie teilhat an all der Liebe, deren ewiger Gegenstand Er gewesen ist. Hören wir die Worte des Sohnes: „Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, damit sie eins seien, wie wir eins sind; ich in ihnen und du in mir, damit sie in eins vollendet seien und damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast“ (Joh 17,22.23). Diese Worte offenbaren uns die Gedanken Christi über die Versammlung. Sie ist nicht nur bestimmt, so zu werden, wie Er ist, sondern sie ist dies schon jetzt, denn wir lesen: „Hierin ist die Liebe mit uns vollendet worden, damit wir Freimütigkeit haben an dem Tag des Gerichts, dass, wie er ist, auch wir sind in dieser Welt“ (1. Joh 4,17). Diese Tatsache gibt der Seele völliges Vertrauen. „Wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“ (1. Joh 5,20). Alle Ungewissheit ist verschwunden, denn alles ist der Braut in ihrem Bräutigam zugesichert. Alles, was Isaak gehörte, wurde das Eigentum Rebekkas, und ebenso ist alles, was Christus gehört, das Teil der Versammlung. „Alles ist euer. Es sei Paulus oder Apollos oder Kephas, es sei Welt oder Leben oder Tod, es sei Gegenwärtiges oder Zukünftiges: alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes“ (1. Kor 3,21–23). Christus ist „als Haupt über alles der Versammlung gegeben“ (Eph 1,22). In Ewigkeit wird es seine Freude sein, die Versammlung in der Herrlichkeit und Schönheit darzustellen, die Er ihr bereitet hat, denn ihre Herrlichkeit und Schönheit wird nur der Abglanz seiner eigenen Herrlichkeit sein. Engel und Fürstentümer sollen in der Versammlung die wunderbare Entfaltung der Weisheit, Macht und Gnade Gottes in Christus schauen.

Das Zeugnis des Knechtes

Untersuchen wir jetzt den zweiten Punkt, den wir oben erwähnten: das Zeugnis. Der Diener Abrahams musste ein klares und bestimmtes Zeugnis ablegen. „Da sprach er: Ich bin Abrahams Knecht; und der HERR hat meinen Herrn sehr gesegnet, so dass er groß geworden ist; und er hat ihm Kleinvieh gegeben und Rinder und Silber und Gold und Knechte und Mägde und Kamele und Esel. Und Sara, die Frau meines Herrn, hat meinem Herrn einen Sohn geboren, nachdem sie alt geworden war; und er hat ihm alles gegeben, was er hat“ (V. 34–36). Er offenbart den Vater und den Sohn, das war sein Zeugnis. Er redet von dem großen Reichtum des Vaters und erzählt, dass er alle seine Habe dem Sohn gegeben hat, weil dieser der „eingeborene Sohn“ und der Gegenstand der Liebe des Vaters ist. Durch dieses Zeugnis sucht er eine Braut für den Sohn zu werben.

Ich brauche kaum zu sagen, dass die Schrift uns hier in bildlicher, aber sehr treffender Weise das Zeugnis des am Pfingsttage vom Himmel gesandten Heiligen Geistes vor Augen stellt. „Wenn aber der Sachwalter gekommen ist, den ich euch von dem Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der von dem Vater ausgeht, so wird er von mir zeugen“ (Joh 15,26). „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was irgend er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkünden. Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er empfangen und euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum sage ich, dass er von dem Meinen empfängt und euch verkünden wird“ (Joh 16,13–15). Die Übereinstimmung zwischen diesen Worten und dem Zeugnis des Knechtes Abrahams ist lehrreich und interessant. Indem er von Isaak redete, suchte er das Herz der Rebekka zu gewinnen. Ebenso macht es der Heilige Geist. Indem Er von Jesus redet, sucht Er Sünder aus einer Welt der Sünde und der Torheit in die gesegnete und heilige Einheit des Leibes Christi zu ziehen. „Von dem meinen wird er empfangen und euch verkünden“. Der Geist Gottes will niemals die Aufmerksamkeit der Seele auf sich selbst oder sein Werk lenken, sondern allein auf Christus. Je tiefer eine Seele im Geist lebt, umso mehr wird sie mit Christus beschäftigt sein.

Es gibt manche, die das ständige In-Sich-Schauen und das Stehen bleiben bei dem, was sie in ihrem Herzen sehen (wenn es auch durch den Heiligen Geist gewirkt sein kann), als ein Kennzeichen großer Geistlichkeit betrachten. Doch das ist ein Irrtum. Statt ein Beweis von Geistlichkeit zu sein, beweist diese Selbstbetrachtung vielmehr gerade das Gegenteil. Jesus hat im Blick auf den Heiligen Geist ausdrücklich erklärt: „Er wird nicht aus sich selbst reden“, sondern: „Er wird von dem Meinen empfangen und euch verkünden“. Wenn daher jemand fortwährend in sich blickt, so kann er sicher sein, dass er in dieser Beziehung nicht durch den Geist Gottes geleitet wird. Der Heilige Geist zieht die Seelen zu Gott hin, indem Er ihnen Christus vorstellt. Die Erkenntnis Christi ist das ewige Leben, und die durch den Heiligen Geist bewirkte Offenbarung des Vaters durch den Sohn bildet die Grundlage der Versammlung. Als Petrus bekannte, dass Christus der Sohn des lebendigen Gottes ist, antwortete Christus: „Glückselig bist du, Simon, Bar Jona; denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist. Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus; auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen, und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,17.18). Auf welchen Felsen? Petrus? Ganz bestimmt nicht! Der „Felsen“ ist die Offenbarung des Vaters durch Christus, den Sohn des lebendigen Gottes. Diese Offenbarung ist das einzige Mittel, durch das eine Seele in die Versammlung Christi gebracht werden kann. Hier lernen wir den wahren Charakter des Evangeliums kennen. Das Evangelium ist vor allen Dingen und ausdrücklich eine Offenbarung, und zwar nicht nur die Offenbarung einer Lehre, sondern einer Person, der Person des Sohnes Gottes, und diese durch Glauben angenommene Offenbarung zieht das Herz zu Christus und wird die Quelle des Lebens und der Kraft, die Grundlage der Vereinigung mit Christus als Glied seines Leibes, sowie die Kraft der Gemeinschaft. Der Apostel sagt: „Als es aber Gott wohlgefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren usw.“ Hier haben wir den Grundsatz des „Felsen“; Gott offenbart seinen Sohn. In dieser Weise wird der Bau errichtet, und er steht nach dem ewigen Vorsatz Gottes auf diesem unerschütterlichen Fundament.

Es ist daher beeindruckend, wenn man dies Kapitel als ein Bild von der Sendung und dem Zeugnis des Heiligen Geistes betrachtet. Der Knecht Abrahams gab Einblick in Hoheit und Reichtum, die der Vater dem Sohn gegeben hatte, sowie die Vaterliebe, die ihn erfreute, also alles, was das Herz Rebekkas ansprechen und von den Dingen abziehen konnte, worin sie sich befand. Er zeigte ihr einen fernen Bräutigam und stellte ihr vor Augen, dass sie mit ihm einsgemacht werden würde. Alles, was Isaak gehörte, sollte Rebekkas Teil sein. Das war der Inhalt der Botschaft. Denselben Charakter trägt das Zeugnis des Heiligen Geistes. Er redet von Christus, von der Herrlichkeit Christi, von der Schönheit, Fülle und Gnade Christi, von seinen „unergründlichen Reichtümern“ (Eph 3,8), von der Majestät seiner Person und der Herrlichkeit seines Werkes. Zugleich stellt Er das Glück heraus, eins zu sein mit einem solchen Christus als Glied seines Leibes.

Das ist zu allen Zeiten das Zeugnis des Heiligen Geistes und daran kann jede Belehrung und Predigt gemessen werden. Eine geistliche Belehrung wird immer durch eine Darstellung Christi gekennzeichnet sein. Er wird ihren Inhalt ausmachen. Der Geist kann sich nur mit Christus beschäftigen. Von ihm zu reden ist seine Wonne. Seine Vollkommenheit, seine Tugend und seine Schönheit kundzumachen ist seine Freude. Wenn daher jemand durch die Kraft des Geistes Gottes im Werk des Herrn arbeitet, so wird sich stets mehr als alles andere Christus in seinem Dienst zeigen. Menschliche Vernunftschlüsse werden in diesem Dienst wenig Raum finden.

Der Erfolg

Schließlich müssen wir uns noch mit dem Erfolg der Sendung beschäftigen. Die Wahrheit und die praktische Anwendung der Wahrheit sind zwei sehr verschiedene Dinge. Es ist eine Sache, von der Herrlichkeit der Versammlung zu reden, und eine andere Sache, von dieser Herrlichkeit praktisch beeinflusst zu werden. Bei Rebekka war die Wirkung des Zeugnisses Eliesers ganz entscheidend. Es drang in ihr Herz, und so wurde sie von allem gelöst, was sie umgab. Sie war bereit, alles zu verlassen und dem Ziel, das sie vor Augen hatte, nachzujagen, um das zu ergreifen, wozu sie ergriffen worden war (vgl. Phil 3,12.13). Es war ihr unmöglich, sich als Gegenstand einer so hohen Bestimmung zu erkennen und trotzdem in den Umständen zu bleiben, in denen sie von Natur aus war. Wenn das Zeugnis der Wahrheit entsprach, wäre es Torheit gewesen, an den gegenwärtigen Dingen festzuhalten. Wenn die Hoffnung, die Braut Isaaks und die Miterbin seiner Herrlichkeit zu werden, Wirklichkeit für Rebekka war, dann hätte sie durch weiteres Hüten der Schafe Labans nur ihrer Geringschätzung der Dinge Ausdruck gegeben, die Gott ihr in seiner Gnade vorgestellt hatte.

Aber die Aussicht war zu herrlich, um leichtfertig aufgegeben zu werden. Zwar hatte sie weder Isaak noch das Erbteil gesehen, aber sie hatte dem Bericht des Boten geglaubt und gewissermaßen schon das Unterpfand des Erbes empfangen, und das genügte ihr. Daher erhob sie sich ohne Zögern und erklärte: „Ich will gehen“ (V. 58). Sie war bereit, einen ihr unbekannten Weg zu betreten, und zwar mit dem, der ihr einen fernen Gegenstand und eine damit verbundene Herrlichkeit offenbart hatte, eine Herrlichkeit, zu der sie nun bald erhoben werden sollte. „Ich will gehen“, sagte sie, und vergessend, was hinter ihr lag, und sich ausstreckend, nach dem, was vor ihr lag, folgte sie unverzüglich ihrer hohen Berufung (siehe Phil 3,14). Welch ein schönes Bild von der Versammlung, die unter der Führung des Heiligen Geistes ihrem himmlischen Bräutigam entgegengeht! Jedenfalls sollte so der Zustand der Versammlung sein. Leider sieht es mit der Verwirklichung traurig aus. Man sieht wenig von der heiligen Freude, die jedes Hindernis in der Kraft der Gemeinschaft mit dem heiligen Führer ablegt, dessen Dienst und Freude es ist, von den Dingen Jesu zu nehmen und uns zu verkünden, so wie der Knecht Abrahams von den Dingen Isaaks nahm und sie der Rebekka zeigte, und zweifellos fand er, je mehr sie sich dem Ziel näherten, seine Freude daran, ihr immer neue Dinge über den Sohn zu berichten. So ist es wenigstens mit unserem himmlischen Führer und Begleiter. Seine Freude ist es, von Jesus zu reden. „Er wird von dem Meinen empfangen und euch verkünden“, und: „Das Kommende wird er euch verkünden“. Wir brauchen diesen Dienst des Geistes Gottes, der unseren Seelen Christus offenbart, indem Er das Verlangen in uns weckt, ihn zu sehen, wie Er ist, und ihm für immer gleich zu sein, denn nur das kann unsere Herzen von der Erde lösen und von allem, was der Natur angehört. Was sonst als die Hoffnung, mit Isaak vereinigt zu werden, hätte Rebekka veranlassen können, zu sagen: „Ich will gehen“, als ihr Bruder und ihre Mutter baten: „Lass das Mädchen einige Tage oder zehn bei uns bleiben“? (V. 55). Und so ist es mit uns. Nur die Hoffnung, Jesus zu sehen, wie Er ist, und Ihm gleich zu sein, kann uns fähig machen, uns selbst zu reinigen, wie Er rein ist (1. Joh 3,3).

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