Vorträge über die Stiftshütte

Vortrag 16: Das Salböl

„Und der HERR redete zu Mose und sprach: Und du, nimm dir die besten Gewürze: von selbst ausgeflossene Myrrhe 500 Sekel, und würzigen Zimt die Hälfte davon, 250, und Würzrohr 250, und Kassia 500, nach dem Sekel des Heiligtums, und ein Hin Olivenöl; und mache daraus ein Öl der heiligen Salbung, eine Mischung von Gewürzsalbe, ein Werk des Salbenmischers; es soll ein Öl der heiligen Salbung sein. Und du sollst damit salben das Zelt der Zusammenkunft und die Lade des Zeugnisses und den Tisch und alle seine Geräte und den Leuchter und seine Geräte und den Räucheraltar und den Brandopferaltar und alle seine Geräte und das Becken und sein Gestell, und du sollst sie heiligen; und sie sollen hochheilig sein: Alles, was sie anrührt, wird heilig sein. Und Aaron und seine Söhne sollst du salben und sollst sie heiligen, damit sie mir den Priesterdienst ausüben. Und zu den Kindern Israel sollst du so reden: Ein Öl der heiligen Salbung soll mir dieses sein bei euren Geschlechtern. Auf keines Menschen Fleisch soll man es gießen, und in dieser Zusammensetzung sollt ihr ihm Gleiches nicht machen; es ist heilig, heilig soll es euch sein. Wer ihm Gleiches mischt und wer davon auf einen Unbefugten tut, der soll ausgerottet werden aus seinen Völkern“ (2. Mose 30,22–33).

Wir wollen nun über das „heilige Salböl“ sprechen, denn in Verbindung mit dem goldenen Altar und dem Räucherwerk wird auch das erwähnt (2. Mo 37,29). Wie es verwendet wurde, wird uns im Detail beschäftigen, wenn wir zur Priesterweihe kommen. Die Ausführungen über dessen Bestandteile und die Art der Zubereitung finden wir in demselben Kapitel, in dem auch das Räucherwerk beschrieben wird (2. Mo 30,22–33).

Myrrhe

Myrrhe ist ein Harz von einem Zwergbaum aus der Familie der Terebinthen, der in Arabien wächst. Dieses Harz kann sowohl spontan als auch infolge absichtlicher Einschnitte aus dem Stamm hervorquellen. Für das Salböl musste es die beste, nämlich „von selbst ausgeflossene“ Myrrhe sein. Manche denken, dass hier einfach nur „flüssige“ Myrrhe gemeint ist. Wie dem auch sei: der Gedanke ist offenbar, dass die Qualität hervorragend sein musste. Myrrhe hat einen lieblichen Geruch, ist aber von bitterem Geschmack. Das Wort Myrrhe ist tatsächlich dasselbe wie das für „Bitterkeit“, das wir vom Ortsnamen Ortsnamen Marah kennen (2. Mo 15,23). Myrrhe wurde als Duftstoff verwendet, aber auch als schmerzlindernde Medizin (Mk 15,23), sowie zur Behandlung von Ausscheidungen und als Beigabe zu anderen Medikamenten.

Wir haben schon auf die Wortbedeutung angespielt. Der Haupt-Wortstamm bedeutet „fließen“. Das entspricht der Vorstellung eines aus dem Baum hervorquellenden Harzes. Aber weil Myrrhe so extrem bitter ist, wurden auch Galle und andere bittere Dinge mit demselben Namen belegt – etwa das Wasser der „Bitterkeit“, das Wasser der Eifersucht (4. Mo 5,18). Noomi nannte sich Mara, „denn der Allmächtige hat es mir sehr bitter gemacht“ (Rt 1,20). Die Männer, die bei David in der Höhle Adullam Zuflucht suchten, waren „erbitterten Gemüts“, und Jeremia sagt, dass es „schlimm und bitter“ ist, den Herrn zu verlassen (Jer 2,19).

Die Bezeichnung „von selbst ausgeflossen“ heißt wörtlich einfach „frei“. Davon leitet sich das Wort für die Schwalbe ab, die nach Belieben ihre Kreise zieht (Ps 84,4). Im Jubeljahr wurde „Freiheit“ ausgerufen (3. Mo 25,10). Jesaja spielt darauf an als einen Gegenstand der Verkündigung des Herrn (Jes 61,1).

Zur Myrrhe selbst finden wir deutliche Hinweise in der Schrift: „Myrrhe und Aloe, Kassia sind alle deine Kleider“ (Ps 45,9). Im Hohelied wird der Herr1 als von der Wüste heraufkommend beschrieben, „wie Rauchsäulen, durchduftet von Myrrhe und Weihrauch“ (Hld 3,6). Dasselbe duftende Gewürz erwähnt Salomo auch in Verbindung mit der Braut (Hld 4,6.14). Der Geliebte hinterließ es am Griff des Riegels, als er sich von der Tür zurückzog (Hld 5,5). Die Braut beschreibt seine Lippen als „träufelnd von fließender Myrrhe“ (Hld 5,13). Im Neuen Testament zählte Myrrhe zu den Geschenken, mit denen die Weisen kamen (Mt 2,11). Nikodemus brachte es mit Aloe vermischt, um den Leib des Herrn einzubalsamieren, als Er in das Grab gelegt wurde (Joh 19,39).

Wenn wir diese Gedanken zusammenfassen, erkennen wir, wie sie auf unseren Herrn zutreffen. Einerseits deutet der spontane Ausfluss des Baumes darauf hin, wie willig er sein ganzes Leben bis zum Tod Gott hingab. Andererseits deuten die gezielten Einschnitte auf das „Durchstechen“ hin, das Ihm die Menschen zufügten, das aber bloß denselben Wohlgeruch hervorbrachte. Die Bitterkeit der Myrrhe weist auf die Wirklichkeit der Leiden hin, durch die Er ging. Was seinen Leiden solche Intensität gab, war nicht das leibliches Ungemach und sein körperlicher Schmerz, nicht einmal der Tod, sondern der Widerspruch der Sünder gegen Ihn (Heb 12,3). Seine bloße Anwesenheit in einer Welt, in der alles gegen Gott war, musste schon bitter für Ihn sein. Wie empfand seine vollkommene Seele, da Er stets in völliger Gemeinschaft mit seinem Vater war, welch eine böse und bittere Sache es für den Menschen war, sich von dem Herrn abzuwenden! Wer konnte die Sünde so ermessen wie dieser eine Sündlose? Und Er war es, der den bitteren Kelch des Zornes Gottes über die Sünde geschmeckt und bis zur Neige geleert hat.

Aber all diese bittere Erfahrung bot allein die Gelegenheit zur Offenbarung einer Ergebenheit für Gott, die diesem ein vollkommener Wohlgeruch war, aber auch einer Liebe zu den Seinen, die stark wie der Tod war. Die am Riegel der Tür hinterlassene Myrrhe, wohinter diejenige sich aufhielt, die Ihm so wert war, rief ihr und ruft auch uns die unveränderliche Liebe ins Gedächtnis, die auf das verschlossene Herz einwirkt und um Einlass zu völliger Gemeinschaft bittet.

Und woran hat sich diese Liebe bemessen? Insofern die Myrrhe mit dem Tod in Verbindung steht, gibt sie uns wohl auch zu verstehen, dass es eine Liebe ist, die „die Erkenntnis übersteigt“ (Eph 3,19). „Der Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20) – das ist ein Maß, das nicht bemessen werden kann. Die Liebe fließt frei aus Ihm hervor, dessen Herz durch unsere Sünden und für diese Sünden durchstochen wurde. Unsere Wertschätzung dieser Liebe ist auch im besten Fall noch schwach. Aber es gibt einen, der sie in ihrem vollen Wert ermisst.

Auch ist diese Liebe nicht beengt, außer durch den Unglauben des Menschen. Denn ihre „Fülle“ spricht zu uns nicht nur von dem freiwilligen Charakter seiner völligen Hingabe bis zum Tod, sondern auch davon, dass sie dem, der will, ohne Geld oder Kaufpreis zukommt. Sie bringt für alle Glaubenden „Freiheit ... den Gefangenen“, das wahrhaftige Jubeljahr (Jes 61,1). „Wenn nun der Sohn euch frei macht, werdet ihr wirklich frei sein“ (Joh 8,36). Wir haben das gesegnete Unterpfand der kommenden „Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes“ schon während wir die Sohnschaft erwarten, die Erlösung des Leibes (Röm 8,23). Dann wird wirklich der Wohlgeruch der Myrrhe die weite Schöpfung durchziehen, und der Duft seines Salböls sich einem anbetenden Universum auftun. Bis dahin ist die Myrrhe ein lieblicher Duft für Gott und die Glaubenden, und ein wirksames Heilmittel für die sündenkranke Seele.

Unser gelobter Herr hat sich geweigert von den Menschen Wein und Myrrhe anzunehmen. Er war bereit, den bitteren Kelch ihrer Sünden bis zur Neige zu leeren, und suchte ihn nicht zu mildern oder abzuschwächen. Die bitteren Wasser Marahs wurden süß, als das Holz hineingeworfen wurde.

Und wir finden, wie Er diesen Kelch des Trostes seinen Heiligen darreicht, die leiden müssen, die durch Feuer der Versuchung gehen und die selbst dem Tod ins Auge blicken. „Sei getreu bis zum Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben“ lautet die Verheißung, die treffenderweise an Smyrna geht, was eigentlich „Myrrhe“ bedeutet (Off 2,8–11).

In ernstem Kontrast zu diesem Reichtum der Liebe und Gnade steht die Lästerung der ehebrecherischen Frau, die sich dieser wohlriechenden Düfte bemächtigt und sie als Lockmittel für die Gottlosen verwendet (Spr 7,17). Umso erschreckender, dass wir in ihr diejenige erblicken, die – so könnten wir sagen – in Smyrna in Gestalt der „Juden“ auftritt (dem Bekenntnis nach Gottes Volk zugehörig, aber ohne Eingeständnis des eigenen verlorenen Zustandes), in Pergamos fortfährt, die Heiligen ins Wanken zu bringen, und sie in Thyatira lehrt, Hurerei mit der Welt zu treiben, wobei sie als „die Frau Jesabel“ vorgestellt wird, die als die Weltkirche schlussendlich als „Babylon, die große“ in all ihrer Schändlichkeit gesehen wird und ihr gerechtes Schicksal erfährt (Off 2,12–29; 17; 18). Auch dort sieht man sie im Handel mit gestohlenen Gewürzen (denn sie hat kein Herz für Christus) – „Zimt und Amom und Räucherwerk“ (Off 18,13). Wo immer sie zu erkennen ist, müssen die Heiligen Gottes den Ruf beachten: „Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet und damit ihr nicht empfangt von ihren Plagen“ (Off 18,4).

Würziger Zimt

Die einzigen anderen Stellen, an denen dieses Wort gebraucht wird, sind der gerade erwähnte traurige Abschnitt (Spr 7,17), und einer, der in gesegnetem Kontrast dazu steht, wo die wahre Braut beschrieben wird, wie sie all diese wohlriechenden Düfte trägt – gewiss, allein aus Gnade (Hld 4,14). Die allgemeine Bedeutung wird damit bestätigt, aber wir wollen nachforschen, was die spezielle Bedeutung des Zimtes ist.

Es scheint allgemein anerkannt zu sein, dass es hier um dasselbe Gewürz geht, das uns unter diesem Namen bekannt ist. Es ist die Rinde eines kleinen immergrünen Baumes der Familie der Loorbeergewächse. Ein weiterer Baum derselben Familie ist der duftende Kampferbaum. Zimt ist von süßem Geruch und hat einen angenehmen Geschmack. Er wird hauptsächlich zur Würzung verwendet. Aus der Rinde kann ein wertvolles ätherisches Öl extrahiert werden, worin diese Eigenschaften nochmals intensiviert sind. Zimt wird vor allem auf Sri Lanka gewonnen und wurde in der Zeit des zweiten Buches Mose wahrscheinlich aus Indien importiert. Die Rinde nimmt man von den Jungtrieben. Als Medizin hat sie eine stimulierende und herzstärkende Wirkung.

Wenn wir in der Etymologie des Wortes Licht suchen über die geistliche Bedeutung, begenet uns viel Ungewissheit. Eine Quelle leitet es von einer „zweifelhaften und veralteten“ Wurzel ab. Es ist fast dieselbe wie die des Würzrohrs, zu dem wir als nächstes kommen. Die Hauptbedeutung dieser Wurzel ist „aufrecht stehen“. Diese Bedeutung kann man vielleicht dadurch rechtfertigen, dass es das Rohr oder die schilfähnlichen Triebe waren, von denen die Rinde genommen wurde.2 Die aufrechten Ruten dieser Jungtriebe deuten dann auf die ganze Tatkraft, Energie und Aufrichtigkeit unseres Herrn hin. Die abgelöste Rinde erinert an das Abziehen von Tierhäuten, deren äußerer Bedeckung. Wenn man einem Baum seine Rinde nimmt, dann nimmt man ihm sein Leben. Es muss uns nicht überraschen, bei jedem dieser Gewürze einen Hinweis auf den Tod zu finden. Das Kreuz war die große Notwendigkeit göttlicher Liebe, wenn Christus den Vater wahrhaft offenbaren wollte.

Der Zimt wird als „würzig“ bezeichnet. Dieses Wort hat eine Wurzel, die mit unserem Wort „Balsam“ verwandt ist und „Duft“ bedeutet. Das legt eine doppelte Betonung auf dieses duftende Gewürz. Vielleicht deutet die Erwähnung des „Balsams“ an, dass die Essenz der Rinde extrahiert und verwendet wurde. Darauf gehen wir später noch ein.

Wir erinnern uns, dass der Zimtbaum immergrün war. Er hatte keine Zeiten der Trägheit. So war auch die Hingabe unseres Herrn unveränderlich. Weder Dürre noch Kälte konnten seine Blätter welken lassen. Inmitten der öden Wüste des Unglaubens – etwa in Chorazin, Bethsaide und Kapernaum – zeigte Er keine Spur von Ermattung. „Ich preise dich, Vater“, waren dort und stets seine Worte.

Auch das ist „Medizin“ für uns, eine geistliche Erfrischung, ein Stärkungsmittel für ermattete Herzen. Die unveränderliche Liebe und Hingabe unseres Herrn ist nicht nur das größtmögliche Vorbild für uns. In seiner Gnade dient sie auch dazu, sein geliebtes Volk, das zu ermatten droht, aufzumuntern und zu stärken. Wenn alles dazu angetan ist, die Hände erschlafft niedersinken zu lassen, dürfen wir als seine Heiligen reichlich an seiner Liebe teilhaben – einer Liebe, die Ihn verzehrte. Es war eine Liebe für seinen Vater, für seine Herrlichkeit – aber ebendeshalb auch für all die Seinen.

Würzrohr

Beim Würzrohr besteht kein Zweifel über die Herkunft des Wortes, denn es wird häufig und ganz vielfältig verwendet in der Schrift. Aber aus diesem Grund haben wir wenige Hinweise, die ganz spezifisch sind. Der Wortstamm bedeutet „aufrecht stehen“: Es war ein Rohr oder Halm. Das vorangestellte „Würz-“, wie beim würzigen Zimt, spricht von seinem Duft, und das scheint uns einen Hinweis auf den gemeinten Gegenstand zu geben. Solches Würzrohr, sagt man, ist im Libanon zu finden, ebenso in Indien und Arabien. Es wächst gewöhnlich auf Schlammboden, aus dem es seine namensgebenden Triebe hervorsprießen lässt. Man nimmt an, dass die „Narde“ in der Schrift das indische Würzrohr ist.

Den Durft konnte man durch das Zerstoßen der Pflanze gewinnen. Verschiedene Bedeutungen des Wortes „Rohr“ geben uns Hinweise. Es wurde für Getreidehalme verwendet (1. Mo 41,5), für die „Arme“ des goldenen Leuchters (2. Mo 25,32), für ein Rohr, das im Wasser schwankt (1. Kön 14,15), für eine Messrute (Hes 40,3), für den Balanzierstab einer Waage (Jes 46,12), und für einen Rohrstab (Jes 36,6). Der Schlamm als Nährboden wird in Jes 19,6 angedeutet. Die Zerbrechlichkeit des Rohrs wird benutzt, um ein Bild der Gnade dessen zu zeichen, der ein geknicktes Rohr nicht zerbrechen wird (Jes 42,3). Die meisten Eigenschaften des Rohrs können speziell auf unseren Herrn angewandt werden: Seine absolute Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit, durch die Er zur Waage und zur Messschnur des Menschen wurde – und ihren Mangel aufdeckte, aber ihnen doch geduldig diente, ja, sie in Gnaden heimsuchte.

Aber wir haben es sogleich mit dem duftenden Rohr zu tun, wenngleich die oben angeführten Qualitäten etwas von dem Wesen dieses Duftes bezeugen mögen (s.a. Jes 43,24; Jer 6,20; Hld 4,14; Hes 27,19). Sein Aufwuchs im Schlamm lässt uns an den denken, der im Schlamm dieser Welt aufrecht und zu Gottes Wohlgeruch aufwuchs. Der Mensch wächst im Schlamm auf und neigt immer wieder dahin zurück – wie der Mann mit der Mistgabel (eine Figur aus Bunyans Pilgerreise), der zur Erde niedergebeugt war und die ihm angebotene Krone der Herrlichkeit gar nicht bemerkte. Aber unser Herr hatte seine Augen und sein Herz stets nach oben zum Himmel gerichtet. Der Schlamm der Erde war bloß der Ort, an den Er für sein einzigartiges Werk gekommen war. Menschen mögen im Schlamm kriechen. Wir haben es getan. Ein Hiob erkannte, dass seine Selbstgerechtigkeit mit dem Schlamm der Grube übereckt war (Hiob 9,31). Aber war um den Herrn herum war, diente allein dem Kontast zu seinem aufrechten und vollkommenen Leben, das stets zum Himmel wies. Sein Schatz, sein Ein und Alles war bei seinem Vater. Und wo immer Er ein „geknicktes Rohr“ fand, trug Er die Absicht im Herzen, es aus dem Schlamm zu heben und aufzurichten – „Auch ich verurteile dich nicht; geh hin und sündige nicht mehr!“ (Joh 8,11).

Dieses Rohr wurde vom „Tier des Schilfs“ (auch übersetzt mit „Horde der Speerkämpfer“) zerknickt (Ps 68,31). Böse Menschen nahmen, banden und zerschlugen Ihn. Aber welcher Duft erfüllte Himmel und Erde infolge dieses Zerschlagens. Der würzige Duft des Rohrs erinert uns auch daran, dass an unserem Herrn nichts negatives oder fades war. Es wäre unpassend, das schwache Wort „liebenswert“ zu benutzen, um Ihm zu beschreiben. Als der Hohepriester befahl, unseren Herrn zu schlagen, da begehrte Er weder dagegen auf, noch ließ Er sich einschüchtern. Mit welch heiliger Würde schalt Er vielmehr die Ungerechtigkeit und bezeugte vor Pilatus sein Königtum. Ein himmlischer Duft durchzog den Gerichtssaal, die lebendige Kraft der Heiligkeit, als Er der Wahrheit Zeugnis gab (Joh 18,33–37).

Kassia

Das Wort Kassia wird an nur noch einer weiteren Stelle verwendet, und auch dort steht es neben dem Würzrohr (Hes 27,19). Es zählt dort zu den Dingen, mit denen Aram (Syrien) Tauschhandel betreibt: Die Welt möchte mit den Vortrefflichkeiten Christi Handel betreiben, und Satan, ihr Fürst, sucht den Herrn dessen zu berauben, was ihm allein gehört. In Psalm 45,8 wird ein anderes Wort ebenfalls mit „Kassia“ übersetzt. Dort sind die Kleider unseres Herrn benetzt mit Myrrhe, Aloe und Kassia. Das Wort dort ist von dem Wortstamm „kratzen/schaben“ abgeleitet, weil so die Rinde der Kassie entfernt wird. Das Wort für die Kassia im Salböl stammt, so nimmt man an, von einer Wortwurzel, die „teilen/spalten“ bedeutet und so auf die Spaltung der aufgerollten Rinde hinweist3. Sie ähnelt wohl dem Zimt. Sie gehört zur selben Pflanzenfamilie, ist aber von geringerer Würze. Die Septuaginta übersetzt das Wort hier mit „Schwertlilie“.

Sie schmeckt wohl strenger als Zimt und wächst an Orten, die für sonstige Vegetation ungeeignet sind. Sie wurde zur Würzung und als Arznei verwendet. Von einer verwandten Art wird Senna gewonnen (eine bekannte Arznei).

Gewisse geistliche Eigenschaften finden wir angedeutet, aber sie weisen nicht so klar auf die Vollkommenheiten unseres Herrn hin. Weil Kassia eine Art Zimt war, deutet es wohl auch auf ähnliches hin: auf den Eifer der Liebe Christi zu Gott, der Ihn bis in den Tod führte – eine Liebe, die sich zum Segen und Heil selbst zu sündigen Menschen ausstreckt. Kassia duftet nicht so stark, schmeckt dafür aber kräftiger. Das erinnert uns ein wenig an das Galban. Vielleicht zeigt es die Entschlossenheit seines Eifers für Gott, in dem das Feuer seiner Liebe sich in kompromisslosem Tadel von Bösem und von Halbherzigkeit ausdrückte. Sein vernichtender Taldel eines bloßen Formalismus, sein kompromissloses Dringen auf göttliche Wahrheit, durch das Er die ganze Falschheit einer nur äußerlichen Religion zur Schau stellte, in welcher die Seele nicht wiedergeboren wurde – diese und ähnliche Kennzeichen können wir mit der Kassia verbinden. Sie ist eine bittere und demütigende Medizin, aber eine, deren „abführende“ Wirkung denen, die sie einnehmen, zur Heilung ist.

Das bedeutet nicht, dass damit ein fremdes Element in das hineinkommt, was den vollen Duft unseres Herrn für seinen Vater ausmacht. Das gefühlsselige Fleisch erschrickt bei solchen Erprobungen des Herzens, aber Treue zu Gott duldet keine Halbherzigkeit. Wie die Kassia dort gedieh, wo andere Pflanzen nicht wachsen konnten, so ist es Golgatha, wo die Vollkommenheit seiner Treue ganz gesehen wird. An jenem Ort des Todes, als ein Opfer für die Sünde, ergab sich ein solcher Durft, dass alles andere im Vergleich dazu nichts ist.

Das Öl als Trägersubstanz

Als nächstes müssen wir die Proportionen betrachten, in denen diese vier Zutaten vermengt wurden. Aber vorher werden wir erinnert, dass ihre „Trägersubstanz“ das Olivenöl war, über das wir ja schon gesprochen haben. Wir haben gesehen, dass es ein Bild des Heiligen Geistes ist, mit dem unser Herr gesalbt war und in dessen Kraft er Wunder wirkte und von Gott zeugte. Wir werden also erinnert, dass jede wahre Entfaltung der Vortrefflichkeiten Christi in und durch den Heiligen Geist erfolgen muss. Jeder Umgang mit diesen Heiligen Dingen ohne den Geist wäre eine rein intellektuelle Anstrengung, die bestenfalls nutzlos wäre und ebenso trocken wie eine Verwendung der Gewürze ohne das Öl. Um der Salbung zu dienen, müssen sie durch den Geist zu einer heiligen Mischung geformt werden, „ein Werk des Salbenmischers“. Das will nicht nur heißen, dass der Geist uns in die Wahrheit einführt, sondern dass er sie in Gemeinschaft mit der Seele darreicht.

Aber wir müssen einen Schritt zurückgehen, um in vollerem Umfang die Bedeutung des Öls zu erkennen. Die Zutaten darin sprechen von den verschiedenen Eigenschaften, die unseren Herrn kennzeichneten. Es gab nichts in Ihm, das nicht in vollem Einklang mit dem Heiligen Geist war. Tatsächlich war es nicht nur so, dass Er mit Geist gesalbt war, sondern auch, dass seine menschliche Natur von dem Geist war: „Der Heilige Geist wird auf dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten“ (Lk 1,35). Wir finden das im Vorbild in den Ofengebäcken aus Feinmehl, die mit Öl sowohl gemengt als auch gesalbt wurden. Das ist in der Tat ein heiliges Geheimnis. Es ruft uns zur Anbetung auf, wenn wir an den Heiligen denken, dessen ganze Gegenwart als Mensch durch den Heiligen Geist und in dessen Kraft war. Die Belehrung der Schrift verbindet auf diese Weise den Heiligen Geist mit der Person des Herrn. Der Geist stellt uns immer Christus vor: Er nimmt von den Dingen Christi, um sie uns zu zeigen. Wenn Er dem bangen Sünder Frieden gibt, dann nicht dadurch, dass Er den Sünder damit beschäftigt, wie Er – der Geist – in seinem Herzen wirkt, sondern indem Er Christus und dessen Werk für den Sünder vorstellt. Gleichermaßen wird in dem Glaubenden keine Heiligkeit hervorgebracht, indem er sein Ich kultiviert, sondern indem er die Herrlichkeit des Herrn anschaut und in dasselbe Bild verwandelt wird (2. Kor 3, 18).

Als unser Herr von Johannes im Jordan getauft wurde und der Heilige Geist in leiblicher Gestalt wie eine Taube auf Ihn herabkam, da lag in der Form, die der Geist annahm – so können wir es wohl sagen – ein Hinweis auf Wesen und Amt unseres Herrn Jesus. Die Taube ist der Vogel des Himmels: Ebenso ist Er „vom Himmel herabgekommen“ (Joh 6,38). Die Taube ist auch der Vogel, der liebt und trauert: So kam Er in Liebe und war der „Mann der Schmerzen“. Die Taube ist der Vogel der Milde: Er war sanftmütig und von Herzen demütig. Die Taube war ausdrücklich ein „reiner“ Vogel, wodurch sie als Opfertier in Frage kam: So war unser Herr ohne Flecken, und hat sich als solcher „durch den ewigen Geist“ Gott geopfert (Heb 9,14). Damit ist die Taube sowohl ein Hinweis auf den Herrn als auch auf den Heiligen Geist, der in dieser Gestalt kam.

Das Öl war damit ein passender Träger für diese wohlriechenden „Hauptgewürze“. Ein „Hin“ sollte davon genommen werden. Die Bezeichnung dieser Maßeinheit ist ungewisser Herkunft, vielleicht stammt sie von einem Wort, das „reich sein, voll sein, genügend sein“ bedeutet. Das würde auf ein Vollmaß hinweisen: „Gott gibt den Gest nicht nach Maß“ (Joh 3,34). So lesen wir: „Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück“ (Lk 4,1).

Das Hin war das Maß, das in Verbindung mit den Trankopfern und dem Öl des Speisopfers verwendet wurde (2. Mo 29,40). (Man beachte auch die speziellen Bestimmungen für die abgestuften Opfer in 4. Mose 15,4–10, die auf verschiedene Aspekte des Opfers unseres Herrn hinweisen und vielleicht auch auf verschiedene Verständnisgrade auf Seiten des Anbeters.) So wie die Elle für Längen, das Ephah für Schüttgüter und das Sekel für Gewichte, so scheint das Hin die gebräuchliche Einheit für Flüssigmaße gewesen zu sein. So wird mit „eines Menschen Maß“, mit dem, was ein Mensch begreifen kann, durch den Geist dasjenige verständlich gemacht, was „die Erkenntnis übersteigt“ – „der unergründliche Reichtum des Christus“ (Eph 3,8.19).

Die Gewichtsproportionen der Gewürze

Die Gewürze wurden nach Gewicht abgemessen, die Einheit dafür war „das Sekel des Heiligtums“ (Vers 24). Das Wort hat eine Wurzel, die wiegen und ursprünglich vielleicht balancieren bedeutet. Mit dem Sekel wird der wahre Wert einer Sache bestimmt. Das Sekel des Heiligtums (oder das geheiligte Sekel) war vielleicht schwerer als das gewöhnliche. Es stimme vielleicht mit dem Sekel des Königs überein (2. Sam 14,26). Eines wissen wir jedenfalls: Das Sekel des Königs der Könige ist gerecht und unveränderlich, denn „zweierlei Gewichtssteine, zweierlei Epha, sie alle beide sind dem HERRN ein Gräuel“ (Spr 20,10). Das Sekel wurde in zwanzig Gera unterteilt, und ein halbes Sekel oder zehn Gera waren das Sühngeld für die Männer Israels (2. Mo 30,11–16). Dessen Bedeutung haben wir schon betrachtet.

Gott ist ein Gott des Wissens, und von Ihm werden die Handlungen gewogen (1. Sam 2,3). Der stolze König Babylons wurde gewogen und zu leicht befunden (Dan 5,27). Und „alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“ (Röm 3,23). Das alttestamentliche Wort für „Herrlichkeit“ ist „Gewicht“. Es leichtet sich von einem Wort ab, das „schwer sein“ bedeutet. So erreicht nach Gottes Maßstab keiner das volle Gewicht, das allein Ihn verherrlichen kann. Es gibt daher nur Einen, in dem sich in der Prüfung das volle und wahre Gewicht zeigt. Er konnte sagen: „Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, das du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte“ (Joh 17,4). Und nicht nur zeigte sich in Ihm das volle Gewicht dessen, was Gott verherrlichte – es war auch alles im rechten Verhältnis.

Hier tritt die Zahl fünf deutlich hervor. Das haben wir schon bei anderen Maßangaben für die Stiftshütte gefunden. Es ist die Zahl, die ein Vollmaß von Fähigkeit und Verantwortung ausdrückt. Verwirklicht wurde sie allein in dem, der Gott und Mensch war: Eins ist die Zal der Gottheit und vier die Zahl der Schöpfung (1+4=5).

Von der Myrrhe wurden 500 Sekel genommen, und genauso viel Kassia. Vom würzigen Zimt und vom Würzrohr war es je halb so viel, 250 Sekel. Myrrhe spricht, wie wir gesehen haben, vom Duft der Hingabe und Liebe des Herrn zu Gott bis in den Tod. Die Faktoren der Zahl 500 sind 5x5x5x2x2: eine Verantwortlichkeit, der in Liebe auf eine göttliche vollkommene Weise bis zum Tod entsprochen wird. Niemand außer Gott kann die Liebe und dieses Leid ermessen, und Er hat es mit göttlicher Wahrheit wertgeschätzt.

Die zuletzt erwähnte Kassia war von demselben Gewicht. Die scharfe und herzerforschende Aufdeckung und Ablehnung des Bösen war genauso kompromisslos wie seine Hingabe in Liebe bis zum Tod. Sie war im gleichen Maß vorhanden wie die wohlriechende Myrrhe, und auf vollkommene Weise damit vermengt.

Der würzige Zimt, der von dem glühenden Eifer spricht, der Ihn verzehrte, stand im passenden Verhältnis zu den anderen zwei Bestandteilen. Es wurde halb so viel davon genommen. Die Faktoren reden jedoch eher von einem Zeugnis (2) erfüllter Verantwortung. Sein Eifer führte Ihn niemals über den Willen Gottes hinaus oder abseits des Laufs der Wege Gottes. Er hat niemals Feuer vom Himmel gerufen, um die zu verzehren, die Ihn nicht annehmen wollten.

Das Würzrohr wurde im selben Verhältnis verwendet. Passend verband es den würzigen Duft mit der Wärme des Zimtes. Bei seiner persönlichen, absoluten Gerechtigkeit, die aus dem Schmutz der Erde aufwuchs, verbreitete Er rundherum nichts als Wohlgeruch – einen Wohlgeruch, der, vermengt mit seinen moralischen Eigenschaften, den Geliebten zu einem „kostbaren Salböl“ machte – die völlige Freude seines Vaters.

Und so war in Ihm alles vollkommen harmonisch miteinander vermengt. Das Erebnis war absolut einzigartig. Jedes Merkmal war so von den anderen durchdrungen, sodass in jedem der Duft von allen zu finden war. Er hat auch nicht einmal gemäß diesem und dann gemäß jenem Wesenszug gehandelt. Seine Liebe zeigte ebensolchen Eifer, die Sünde zu tadeln, wie seine Aufrichtigkeit absolut darin war, die zu trösten, die gebrochenen Herzens waren. Er hat diese Wesenszüge nicht an- und abgelegt. Am Tisch des Pharisäers hatte der Wohlgeruch seiner Wege und Worte alle Eigenschaften von Zärtlichkeit, Treue, Heiligkeit und Sündenhass, während Er den selbstgerechen Menschen tadelte und an die Sünderin ein Wort des Friedens richtete (Lukas 7). Aber ach! Des Menschen Herz will es nicht annehmen, und deshalb trifft ihn das Gericht. Aber der Glaube freut sich, und noch mehr freut sich Gott, diese Wohlgerüche zu erkennen – jeden in allem und alle in jedem.4

Die Verwendung des Salböls

Das Salböl sollte auf das Zelt der Zusammenkunft getan werden und auf all seine Geräte, um sie für Gott zu heiligen, und auf Aaron und seine Söhne (Verse 26–30). Es sollte auf keines Menschen Fleisch gegossen werden, und es sollte nicht nachgemacht werden (Vers 32). Der Wohlgeruch Christi sollte auf alles getan werden, das von Ihm, Gottes Sohn, spricht, an dem Gott unveränderlich neu Gefallen findet. Die Materialien sprachen von Ihm. Selbst ihr Aufbau sprach von Ihm. Die goldenen Lampen stellten Ihn ins Licht. Und nun weist auch das Salböl auf Ihn hin. Auch der Hoherpriester war ein Vorbild dessen, der unser Hohepriester ist, und die Söhne Aarons versinnbildlichen das wahre Volk Gottes, auf welches das heilige Salböl gegossen wurde – der Duft Christi haftet ihnen an.

Der natürliche Mensch hat hier keinen Platz: Es wäre Lästerung, den Wohlgeruch Christi mit solchen zu verbinden, die nicht wiedergeboren sind. Sie sind Feinde, die Gott aus seiner Gegenwart hinausstoßen muss. Die bloße Imitation der Vortrefflichkeit unseres Herrn als ein herzloses Bekenntnis wird seinen vernichtenden Tadel einbringen (Amos 6,6). Und trifft das nicht auch auf das „Fleisch“ in dem Gläubigen zu? Wo immer Zank, Stolz und Prahlerei Raum finden, sind sie nur tote Fliegen im Öl des Salbenmischers, die all seinen Duft verderben (Pred 10,1). Wie wird diese wichtige Lektion Gottes überall in seinem Wort eindrücklich vermittelt! „Das Fleisch nützt nichts“ – „Christus ist alles“. Sein Duft wird den Himmel durchziehen – „alle sich vor Jesus beugen, ehren freudig Gottes Sohn“. Sein Name sei in den Herzen seines bluterkauften Volkes schon hier wie „ein ausgegossenes Salböl“ (Hld 1,3). Darin bestehen das Öl und das Räucherwerk, die das Herz erfreuen (Spr 27,9). Unser Priester und König ist in das Heiligtum eingegangen, in jene Elfenbeinpaläste, in denen Wonne und Freude überströmen: „Myrrhe und Aloe, Kassia sind alle deine Kleider“ (Ps 45,9). Sie gehören Ihm aufgrund all dessen, was Er getan hat. „Gerechtigkeit hast du geliebt und Gottlosigkeit gehasst; darum hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit Freudenöl, mehr als deine Genossen“ (Ps 45,8).

Und in unendlicher Gnade und Gerechtigkeit ist dieses duftende Salböl herabgeflossen auf den Saum des hohepriesterlichen Gewandes, ja, es ist gekommen auf all die Seinen, sodass, wo immer „Brüder einträchtig beieinander wohnen“ – in der Einheit des Geistes – Christus alles ist, und der liebliche Geruch seines Salböls das Heiligtum seiner Gegenwart erfüllt, wo sie versammelt sind (Ps 133).

Fußnoten

  • 1 In der Elberfelder Übersetzung wird dies auf die Frau bezogen: „Wer ist sie, die da heraufkommt usw.“ (Anm. d. Übs.).
  • 2 Der Schreiber nennt eine mögliche Ableitung aus zwei gut bekannten Hebräischen Wörtera: Kinna (“Eifer“, von einer Wurzel, die „glühen“, „brennen“ oder „eifern“ bedeutet) und Min (“Gestalt“ oder „Erscheinung“). Die „Erscheindung des Eifers“. Es muss nicht betont werden, welch glühender Eifer das ganze Leben unseres Herrn prägte – „Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt“ (Joh 2,17). Und das erwies sich in heiliger Eifersucht: Er vertrieb die fleischliche Geschäftemacherei, die in diesem Haus Eingang gefunden hatte. „Die Liebe ist gewaltsam wie der Tod, hart wie der Scheol ihr Eifer; ihre Gluten sind Feuergluten, eine Flamme Jahs“ (Hld 8,6). Darin liegt jedenfalls jedenfalls eine schöne und wichtige Bedeutung, die mit dem Wesen unseres Herrn übereinstimmt – eine Liebe, die für Gottes Herrlichkeit eiferte und für „den Wohnort deiner Herrlichkeit“ (Ps 26,8). Aus Liebe dafür ließ Er seinen eigenen Tempel, seinen heiligen Leib, im Tod abbrechen. Das war ein Eifer von gänzlich unbekannter Art – ein Eifer für Gott allein und ohne jede Spur des Eigenwillens. Grausam war er nur in dem Sinn, dass er lieber Grausamkeit ertrug als auch nur die kleinste Beschmutzung der Herrlichkeit Gottes zuzulassen – die Liebe brannte als „eine Flamme Jahs“.
  • 3 Alternativ wird das Wort auf eine Wurzel zurückgeführt, die „niederbeugen“ oder „anbeten“ bedeutet. Diese Wurzel würde zur geistlichen Bedeutung besser passen als die zumeist angeführte. Unser Herr war stets ein Anbeter Gottes und Gottes allein. Nur vor Ihm beugte Er sich nieder. Jeden anderen Anspruch wies Er als offenbar satanischen Ursprungs zurück, auch wenn Ihm als Anreiz alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit geboten wurden (Mt 4,8–10).
  • 4 Manche stellen sich vielleicht die Frage, wie mit diesen Zutaten ein Salböl hergestellt weren konnte, wenn nur ein Hin Olivenöl verwendet wurde (vlt. 6,5 Liter) bei vielleicht 18 Kilogramm Feststoffen. Diese Schwierigkeit bestünde aber nur, wenn die Gewürze wirklich in Trockenform vorlagen. Aber die Myrrhe wird „frei fließend“ genannt, was andeutet, dass sie Flüssig war, und das „würzig“ beim würzigen Zimt und beim Würzrohr bedeutet eigentlich „Balsam“, was wohl andeutet, dass diese Gewürze ebenfalls in flüssiger Form zubereitet wurden. Tatsächlich sollte die Mischung ein „Werk des Salbenmischers“ sein – ein Hinweis, dass die Bestandteile als Extrakte vorlagen, ehe sie im Öl vermengt wurden. Wir können sicher sein, dass für alles in göttlicher Weisheit gesorgt war, und deshalb alles auf wunderbare Weise von dem zeugte, was Gott in diesen Materialien und in dem Salböl darstellen wollte.
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