Vorträge über die Stiftshütte

Vortrag 19: Der Vorhof

Der Vorhof wurde durch die leinenen Umhänge gebildet, die die Stiftshütte umgaben. Die Länge von Osten nach Westen betrug 100 Ellen, die Breite 50 Ellen. An der Ostseite gab es in der Mitte eine Öffnung, bzw. ein „Tor“ von 20 Ellen, sodass rechts und links jeweils 15 Ellen der leinenen Umhänge übrigblieben.

Diese Umhänge, die den Vorhof bildeten, waren aus feinem Leinen. Sie waren 5 Ellen hoch und hatten eine Gesamtlänge von 280 Ellen, wobei das Tor, das ein besonderes Muster hatte, nicht eingerechnet ist. Die Umhänge wurden an silbernen Bindestäbe und „Haken“, wie sie in unserer Übersetzung genannt werden, aufgehängt. Das bedeutet also, dass jede Säule ein Kapitell, bzw. einen Kopf aus Silber hatte und eine Stange vom einen zum anderen führte, die sie fest miteinander verband.

Was die Säulen betrifft, so gibt es keine konkrete Angabe bezüglich des Materials, außer, dass sie aus Kupfer waren. In der Anordnung in Kapitel 27,10 wird gesagt, dass „ihre zwanzig Säulen und ihre zwanzig Füße aus Kupfer“ sein sollten1. Dagegen ist eingewandt worden, dass die Säulen dadurch extrem schwer sein müssten und die Menge von 70 Talenten Kupfer, die in Kapitel 38,29 erwähnt wird, nicht ausreichend gewesen wäre. Allerdings haben wir nicht genügend Hinweise, um einen Schluss daraus ziehen zu können. Es ist aber bedeutsam, dass das Akazienholz hier im Gegensatz zu den Gegenständen, wo es zweifellos verwendet wurde, nicht erwähnt wird. Unabhängig davon, ob die Säulen aus Holz (das hier nicht erwähnt wird) gemacht wurden oder aus Kupfer (und innen hohl waren, wie bei Säulen üblich), die Säulen selbst verschwinden gewissermaßen aus dem Blickwinkel, bis auf ihre kupfernen Füße.

Außerdem werden ohne genauere Beschreibung Pflöcke aus Kupfer erwähnt, die sowohl für die Wohnung als auch für den Vorhof benötigt wurden. Sie dienten zweifellos zur Stabilisierung der Säulen, genauso wie Pflöcke bei einem Zelt.

Richten wir nun unsere Aufmerksamkeit auf die geistliche Bedeutung dieser Dinge. Der Vorhof bildete eine Umzäunung für das Haus Gottes und trennte seinen Wohnort dadurch von der Außenwelt. Ich denke, dass wir keine Schwierigkeiten damit haben sollten, zu erkennen, dass diese Umgebung durch das Volk des Herrn gebildet wird, das praktisch die Trennungslinie in dieser Welt bildet zwischen allem, was von Gott ist und dem, was nicht von Ihm ist. Schauen wir uns zuerst das Material der Umhänge an, den gezwirnten Byssus. Wir haben seine Bedeutung bereits bei der Beschreibung der innersten Teppichlage der Stiftshütte gesehen. Daher müssen wir hier nicht mehr ins Detail gehen. Es genügt, wenn wir uns daran erinnern, dass das Leinen von der fleckenlosen Reinheit des Lebens redet, was sowohl Gedanken als auch Taten und Worte einschließt.

Die Länge der Umhänge war identisch mit der der innersten Teppichlage der Stiftshütte. Dort waren es 10 Teppiche von je 28 Ellen Länge, insgesamt also 280 Ellen. Das erinnert uns daran, dass Gottes Maßstab für praktische Heiligkeit immer gleich ist. Er hat nicht zwei verschiedene Standards, wie es bei uns oft der Fall ist – einen für uns und vielleicht einen weiteren für die anderen. Gott verabscheut verschiedene Gewichtssteine und Maße (Spr 20,10.23). Wenn Er menschliche Gerechtigkeit bemisst, tut Er das nach einem einzigen Maßstab, dem der absoluten Vollkommenheit, die wir in den zehn Geboten ausgedrückt finden – eine Zahl, die auch in der Beschreibung des Vorhofs häufig vorkommt. Zehn ist die Zahl der Verantwortlichkeit sowohl Gott als auch den Menschen gegenüber. Wer hat solch einer Verantwortung entsprochen? In Off 19,8 lesen wir, dass die feine Leinwand die Gerechtigkeiten der Heiligen sind – ihre gerechten Taten. Das Leinen spricht dementsprechend von einer vollkommenen, fleckenlosen menschlichen Gerechtigkeit. Danken wir Gott, dass die Zeit kommt, wo seine Heiligen vollkommen und tadellos in fleckenlosem Leinen offenbar werden. Ihre Taten des Glaubens und der Liebe, die Frucht der göttlichen Gnade, werden in Herrlichkeit offenbar werden und sie werden Christus gleich sein (1. Joh 3,2). Wenn wir aber über uns sprechen, über unsere Gerechtigkeit sogar als erretteten Menschen, ist es dann wie eben von mir beschrieben tatsächlich so, dass es dem Standard der göttlichen Forderung völlig entspricht? Jesaja sagte im Blick auf das gesamte Volk und sich persönlich: „Du kommst dem entgegen, der Freude daran hat, Gerechtigkeit zu üben, denen, die sich auf deinen Wegen an dich erinnern.“ Das bedeutet, dass Gott dem Menschen begegnen kann, wenn er in der Lage ist, Ihm in Gerechtigkeit gegenüberzutreten. „Siehe, du ergrimmtest, und wir haben gesündigt“. Das zeigt, wie Er den Menschen vorfindet. „Und wir sind allesamt wie ein Unreiner geworden, und alle unsere Gerechtigkeiten wie ein unflätiges Kleid; und wir verwelkten allesamt wie ein Blatt, und unsere Ungerechtigkeiten rafften uns dahin wie der Wind.“ (Jes 64,4.5). Hier haben wir ein Bekenntnis dessen, was der Mensch in sich selbst ist, ein Bekenntnis, in das jeder von uns völlig einstimmen könnte, wenn wir sehen, was wir ohne Christus sind. Selbst das Allerbeste, das wir haben, ist unpassend für die Gegenwart Gottes.

Wenn wir uns dagegen von uns selbst weg und zu Ihm hinwenden, finden wir in unserem Herrn das volle Maß von Gottes Maßstab der Gerechtigkeit. In 1. Joh 3,5 lesen wir: „Und ihr wisst, dass Er offenbart worden ist, damit Er unsere Sünden wegnehme; und Sünde ist nicht in Ihm“. Es ist sehr auffällig, dass diese beiden Dinge nebeneinandergestellt werden. Die Verse, die wir aus Jesaja gelesen haben, geben Zeugnis von unserer Sünde: Unser Bestes ist vor Gott wie ein unflätiges Kleid. So gleichen wir dem Hohepriester Josua, der in seinen schmutzigen Kleidern für den Priesterdienst in der Gegenwart Gottes ungeeignet war (Sach 3,3). Hier ist jedoch Einer, der offenbart wurde, um unsere Sünden wegzunehmen und in dem keine Sünde ist. Das ist die erste große Wahrheit, die uns diese Umhänge zeigen – die fleckenlose, absolute Heiligkeit unseres Herrn. Das ist das feine Leinen von 280 Ellen Länge (7x40, Vollkommenheit erwiesen durch Erprobung), das dem vollen Maß der Anforderungen Gottes entspricht. Dies bildet das wirksamste Zeugnis und die vollkommene Trennung zwischen all der Sünde der Welt und der heiligen Umgebung, in der sich Gott offenbart.

Es gibt aber noch etwas, das darüber hinausgeht. Gerechtigkeit ist Gottes Maßstab für seine Heiligen und gerade in diesem Brief des Johannes gehen wir von der fleckenlosen Reinheit Christi weiter und sehen, was bei der Neugeburt ebenfalls verliehen wird: „Dass, wie Er ist, auch wir sind in dieser Welt“ (1. Joh 4,17). Das wird manchmal als vollständige Annahme in Christus als unserem Stellvertreter angesehen, aber es ist mehr als das. Der erste Johannesbrief beschäftigt sich nicht so sehr mit dem Werk Christi für uns, sondern mehr mit dem Werk der Gnade durch die Neugeburt in uns, das eine sittliche Übereinstimmung mit Christus hervorbringt. Wir, die wir seine Liebe kennen, an sie glauben und sie empfangen haben, sind aus Gott geboren, und so wird das Wesen, die Heiligkeit Christi selbst, in uns durch die Kraft des Heiligen Geistes gewirkt: „Dass, wie Er ist, auch wir sind in dieser Welt“.

In 1. Joh 3,2 haben wir ohne Frage die Zukunft: „Wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, Ihm gleich sein werden, denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist“. Wir können nicht erwarten Ihn sehen zu können, ohne dafür moralisch passend zu sein. So lesen wir im Johannesevangelium: „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ (Joh 3,3). Wenn wir Gott sehen möchten, muss es eine sittliche Übereinstimmung mit Ihm geben. Entsprechend heißt es in Hebräer 12: „Jagt dem Frieden nach [...] und der Heiligkeit, ohne die niemand den Herrn schauen wird“ (V14). „Seht, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen! Und wir sind es.“ (1. Joh 3,1). Das ist es, was wir in dieser Welt sind: Kinder Gottes. Das sind wir bereits jetzt, obwohl es noch nicht offenbar ist, was wir sein werden. Erst wenn Christus in all der fleckenlosen Reinheit seiner menschlichen Natur in Herrlichkeit offenbart ist, „werden wir Ihm gleich sein, denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist.“

Beachten wir, was damit im dritten Vers direkt verbunden wird: „Und jeder, der diese Hoffnung zu Ihm hat, reinigt sich selbst, wie Er rein ist.“ Wir blicken auf die fleckenlosen, leinenen Umhänge und sagen: „Sünde ist nicht in Ihm“ (1. Joh 3,5). Dann sprechen wir aus: „Dass, wie Er ist, auch wir sind in dieser Welt“. Wir haben eine Natur, die schon hier zur Heiligkeit fähig ist. Wir schauen weiter und sehen, dass die Zeit kommt, wenn wir, die wir jetzt Kinder Gottes sind, Ihm gleich sein werden, „denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist.“ Wenn wir diese Hoffnung in Christus haben, wird sie letztendlich praktische Gerechtigkeit bewirken – wir trachten danach, unsere Kleider im jetzigen Leben von der Welt unbefleckt zu halten.

Derselbe Brief stellt uns das Ausmaß dieser gegenwärtigen Wirkung vor: „Wer sagt, dass er in Ihm bleibe, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie Er gewandelt ist“ (1. Joh 2,6). Wie oft sagen Menschen: „Ich weiß, dass wir heilig sein sollen, aber ihr könnt nicht von uns erwarten, dass wir vollkommen heilig sind“. Wenn beispielsweise folgender Vers zitiert wird: „Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt“, folgt die Entgegnung: „Aber das war Paulus“, so als ob wir unmöglich erwarten könnten, Paulus zu gleichen. Diese Schriftstelle geht sogar noch weiter. Wir sollen nicht nur so wie Paulus sein, sondern wir sind hier zurückgelassen, um so wie Christus selbst zu sein. Und wenn ihr diesen Vers anschaut, werdet ihr sehen, dass in Bezug darauf keinerlei Einschränkung gemacht wird. Der Maßstab für unser Leben ist das, was Christus hier war. Gott verabscheut unterschiedliche Maßstäbe. Er bemisst nicht den Wandel seines Sohnes mit einem Maß und den seines Volkes mit einem anderen. Er hat Mitleid und Erbarmen mit uns. Er hat Gnade, um unsere Sünden zu vergeben, und Barmherzigkeit, um uns in unserer Schwachheit beizustehen. Seine Heiligkeit erlaubt es Ihm jedoch nicht, das volle Maß des vollkommenen Maßstabs der Heiligkeit, der für uns durch den Wandel unseres wunderbaren Herrn Jesus festgelegt wurde, um ein Jota zu verringern.

Wirkt das schwer? Entsetzt es uns? Schrecken wir davor zurück? Würdet ihr es wagen, irgendeinen niedrigeren Standard als diesen haben zu wünschen? – dass Gott für uns einen Standard festlegen sollte, um weniger heilig, weniger hingegeben zu wandeln als Christus? Würdet ihr euch wünschen, dass ein gewisses Maß an Sünde, an Egoismus verbleiben könnte? Wenn ihr einer Aussage begegnetet, die als von Gott kommend gebracht würde und wie folgt lautete (und so redet der Unglaube im Herzen oft): „Es macht doch eigentlich keinen großen Unterschied, nicht völlig heilig zu sein“, würde das nicht tief in euch einen Schock auslösen? Würdet ihr nicht sagen: „Das ist ganz sicher das Werk des Feindes, der ein böses Gift mitten in die göttliche Wahrheit sät“. Wir wissen, dass es nur einen Maßstab geben kann: Christus. Und Er hat uns ein Beispiel hinterlassen, damit wir seinen Fußspuren nachfolgen (1. Pet 2,21), oder wie wir es hier haben: „Wer sagt, dass er in Ihm bleibe, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie Er gewandelt ist“. So wird das volle Maß der Umhänge für uns an Christus gemessen, denn Er ist Gottes einziger Maßstab.

Wir haben uns die Länge der Umhänge angeschaut. Angenommen, Gott hätte ein geringeres Maß als 280 Ellen vorgegeben, was wäre das Ergebnis gewesen? Ein Vorhof ohne ausreichenden Schutz. Es hätte Lücken gegeben und Gottes heilige Gegenwart wäre nicht von der umgebenden Welt abgegrenzt gewesen. So auch heute. Gäbe es nicht diesen vollständigen Maßstab der vollkommenen Heiligkeit Gottes, wie sie in Christus gesehen und in seinem Volk entfaltet wird, würde man über Gott denken, dass Er weniger heilig und abgesondert vom sündigen Menschen sei. Dieselbe Wahrheit wird in der Höhe der Umhänge zum Ausdruck gebracht. Sie waren 5 Ellen hoch – die Zahl der Verantwortlichkeit, besonders in Bezug auf den Menschen. Wir sehen Christus, der die Anforderungen Gottes an den Menschen völlig erfüllte und damit gleichzeitig den Maßstab für uns setzte.

Nachdem wir – ich hoffe zu unserer vollen Überzeugung – die Tatsache vor uns hatten, dass wir, wenn wir Gottes Gedanken entsprechen wollen, in unserem Wandel das haben müssen, was dem Wandel Christi entspricht, möchten wir nun einige Schriftstellen betrachten, die die Heiligkeit in dem Gläubigen hervorheben.

In Daniel 6 sehen wir ihn inmitten eines feindlichen Hofes von Personen umgeben, die, neidisch auf seine Stellung, seine Person vor dem König in den Schmutz ziehen und ihn so in Ungnade bringen wollen. Hier sehen wir gewissermaßen den Umhang aus fleckenlosem Leinen, die Charakterzüge Gottes, die in Daniel zum Ausdruck kommen. Gegen ihn stellt sich eine Welt, die mit Gott in Feindschaft ist. Sie wollen ihn in Misskredit bringen Wie gehen sie nun dabei vor? Unehrlichkeit, Ungerechtigkeit oder Pflichtverletzung kommen als Anklagegründe nicht in Frage gegen den Mann, der in seinem weißen, fleckenlosen Zeugnis herausragte. Ja, er ist das Ziel ihrer Feindschaft, doch geht sie zweifellos gepaart mit einer stillen Bewunderung des Neides einher, der keinen Anlass zum Tadel in ihm finden kann. So wenden sie sich dem Gesetz seines Gottes zu, das dem Willen des Königs entgegensteht, als dem einzigen Weg, einen Anklagegrund gegen ihn finden zu können. Oh, dass es bei uns genauso wahr wäre wie bei Daniel, dass es unmöglich ist, den Finger auf eine einzige Ungereimtheit in unserem Lebensweg zu legen, dass die einzigen Punkte, die zu einem Konflikt mit der Welt führen, unsere Treue und Hingabe gegenüber Christus sind, die Feindschaft im Herzen derer erregen, die nicht mit Gott versöhnt sind.

Bei Daniel sehen wir also Gottes Maßstab, der gewissermaßen zwischen der Außenwelt und einem tadellosen und fleckenlosen Leben hängt. Die Seite nach außen hin finden wir in Phil 2,14–16, d.h. ein Zeugnis vor der Welt, dem man nicht widersprechen kann. Wie gut ist es, wenn die Welt nichts als weißes Leinen sehen kann, wenn sie auf Kinder Gottes schaut – und so das Bild Christi im Alltagsleben der Gläubigen reflektiert sieht.

Wir haben einen weiteren Gedanken dazu in Jakobus 1,27. Dort geht es nicht nur darum, was das feine Leinen in sich selbst ist, sondern dass es uns vor Verunreinigung schützt. Wir stehen mit der Welt in äußerlichen Verbindungen. Unsere unterschiedlichen Verpflichtungen und unsere Arbeit bringen uns in Kontakt mit ihr und wir sollen unsere Kleider von ihr unbefleckt halten, wie es Judas in seinem Brief sagt: „Indem ihr auch das vom Fleisch befleckte Kleid hasst“ (Jud 23) und wie es uns im Prediger empfohlen wird: „Deine Kleider seien weiß zu aller Zeit“ (Pred 9,8). Auch an Sardes, wo im Allgemeinen Trägheit vorherrschte, lautete das Wort des Herrn: „Aber du hast einige wenige Namen in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; und sie werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind es wert.“ (Off 3,4).

Weißes Leinen soll also das Kennzeichen unseres Wandels in Beziehung zur Welt sein. Manchmal wird gesagt, es sei ein gutes Zeichen, wenn Menschen Böses über einen sagen. Der Herr Jesus sagte: „Glückselig seid ihr, wenn sie [...] alles Böse gegen euch reden“. Ja, aber das tat Er mit dem Zusatz „lügnerisch [...] um meinetwillen“ (Mt 5,11). Wenn sie es um des Herrn willen und lügnerisch tun, können wir Gott dafür danken. Lasst uns aber acht haben, dass es nicht daran liegt, dass unser Kleid durch das Fleisch befleckt ist, denn das wäre zu unserer Schande und würde unseren geliebten Herrn völlig falsch darstellen. Wie sollten wir vor dem Gedanken zurückschrecken, Ihn in einer Welt, die Ihn bereits so sehr hasst, falsch darzustellen.

In die gleiche Richtung geht auch 1. Petrus 4,14: „Wenn ihr im Namen Christi geschmäht werdet, glückselig seid ihr! Denn der Geist der Herrlichkeit und der Geist Gottes ruht auf euch. Bei ihnen freilich wird er verlästert, bei euch aber wird er verherrlicht.“ Wie gut ist es, wenn Christen so beschrieben werden können. Gott wird von seinen Feinden verlästert, aber durch den Wandel und das Reden seines Volkes verherrlicht. Der nächste Vers zeigt, dass es keinen Schmutz auf der Kleidung geben darf. „Dass doch niemand von euch leide als Mörder oder Dieb oder Übeltäter oder als einer, der sich in fremde Sachen mischt“ (1. Pet 4,15). Den vollkommenen Maßstab der Heiligkeit hat Christus in seinem Leben für uns gesetzt. Lasst uns keinen anderen Maßstab suchen. Es vergeht sicher kein Tag, an dem wir nicht im Bekenntnis vor unseren Gott gehen und uns am Waschbecken reinigen müssten, dennoch darf nichts den Standard heruntersetzen. Lasst uns nicht Vorsorge für das Fleisch treffen, damit es seine Begierden befriedigt (Röm 13,14). Unser Maßstab ist Christus! Lasst uns seinen Fußstapfen nachfolgen.

Als Nächstes kommen wir zu einem sehr kostbaren Zug der Wahrheit, die in den Haken und Köpfen, sowie den Bindestäben angedeutet wird. Die Umhänge wurden an den Haken und Bindestäben aufgehängt. Die Säulen selbst standen auf dem soliden Kupferfundament, ihre Köpfe waren jedoch mit einem silbernen Kapitell umgeben. Silber weist auf die Erlösung hin, die große Wahrheit darüber, dass wir durch das kostbare Blut Christi erkauft sind. Erinnern wir uns daran, dass es ohne Erlösung keinen heiligen Wandel geben kann. Die Säulen mit ihren silbernen Köpfen weisen uns auf Christus als dem hin, der mit der Erlösung gekrönt ist, die Er für uns bewirkt hat. Die Haken mit den Bindestäben, die von einer Säule zur nächsten gehen und alles fest zusammenhalten, sprechen von der Erlösung, von der der heilige Wandel zur Verherrlichung Gottes abhängt. In unserer eigenen Kraft zu stehen und so zu wandeln, wie Christus gewandelt ist, ist für uns genauso unmöglich wie eine Welt zu erschaffen. Unser Wandel muss von der Erlösung Christi abhängen und nicht etwa von unserer Stärke oder unserem Charakter, genauso wie die Umhänge von den silbernen Haken und den Bindestangen herunterhingen. Diese Umhänge waren abhängig vom Silber und unser Wandel ist abhängig von der Erlösung unseres Herrn Jesus Christus.

Einige Schriftstellen zeigen uns das sehr deutlich. In 1. Petrus 1,2 lesen wir: „Auserwählt nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, durch Heiligung des Geistes, zum Gehorsam“ (das ist das feine Leinen) „und zur Blutbesprengung Jesu Christi“ (hier haben wir die silbernen Haken, an denen das feine Leinen aufgehängt ist). Gehorsam ist mit dem gesprengten Blut Jesu Christi verbunden. Er kann aus nichts anderem hervorfließen.

Eine bekannte Stelle im Titusbrief macht dies ebenfalls klar: „Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen, und unterweist uns, damit wir, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnend, besonnen und gerecht und gottselig leben in dem jetzigen Zeitlauf“ (Tit 2,11–12). Indem der Apostel die Knechte ermahnte, gehorsam und ehrfürchtig zu sein, und ihre Freiheit im Haus nicht dazu zu nutzen, Kleinigkeiten zu entwenden oder zu stehlen, nimmt er es zum Anlass, über das Heil Gottes und seine Auswirkungen zu sprechen. Es ist ein Wort für uns alle, denn wir alle sind Knechte Gottes und sollen hier so leben, dass es Gott ehrt, oder, wie Paulus hier sagt: „Damit sie die Lehre, die unseres Heiland-Gottes ist, zieren in allem“ (Tit 2,10). Denn die Gnade, die das Heil bringt, unterweist auch. Sie kann uns nicht belehren, was Heiligkeit bedeutet, bis sie uns gelehrt hat, was das Heil ist. Wenn aber das Heil gekannt ist, unterweist uns die Gnade, was uns angeht besonnen, was die Beziehungen zu anderen betrifft gerecht, und im Hinblick auf unsere Beziehung zu Gott gottselig zu leben und die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes zu erwarten. In Vers 14 erinnert er uns dann an die Wahrheit, die wir gerade betrachten: „Der sich selbst für uns gegeben hat, damit Er uns von aller Gesetzlosigkeit loskaufte (das sind die silbernen Stangen) und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig sei in guten Werken.“ Wie wunderbar hängen die leinenen Umhänge an den Haken und Stäben aus Silber – und damit der Erlösung.

Die Briefe an die Kolosser und Epheser stellen dies deutlich vor. Zuerst legen sie die große Grundlage der göttlichen Wahrheit in Verbindung mit der Erlösung, und anschließend, davon abhängig, die Belehrung über unseren Wandel und unser Zeugnis in der Welt.

Der Abschnitt in Römer 8,3–4 zeigt das ebenfalls sehr eindrücklich. Es ist besonders bezeichnend, weil uns hier vorgestellt wird, wie unmöglich es ist, die Leinenumhänge ohne die silbernen Haken und Stäbe zu haben: „Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war“ usw. Das Gesetz hatte keine Kraft, ein heiliges Leben in uns zu bewirken, keine Kraft, den Wandel, der Christus auf der Erde kennzeichnete, zustande zu bringen. Aber „Gott, indem Er, seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sendend“ (als Opfer für sie, worin wir den silbernen Glanz der Erlösung erkennen können), „die Sünde im Fleisch verurteilte“ -sie beiseite setzte, damit als Ergebnis „die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt würde in uns, die nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist wandeln“. Die göttliche Gerechtigkeit, die durch das Gesetz nichts von uns empfangen konnte, ist durch das Opfer Christi so völlig zufriedengestellt, dass wir nicht nur errettet und unsere Sünden vergeben sind, sondern wir auch die Kraft für die praktische Gerechtigkeit bekommen haben, die Gott bei seinem Volk sucht.

Ich möchte euch bitten, eure Aufmerksamkeit für einen Moment auf die Säulen des Vorhofs zu richten. Wir haben das Material und die Maße der Umhänge gesehen, die von der fleckenlosen Reinheit Christi als Standard für den Wandel und das Zeugnis seines Volkes in der Welt sprechen. Die Säulen ruhen auf den Füßen aus Kupfer. Das volle Gewicht liegt auf der Grundlage, auf dem Kupfer.

Wie wir bereits gesehen haben, spricht das Kupfer von der Beständigkeit des göttlichen Charakters und Vorsatzes. Er ist der Herr, der sich nicht verändert (Mal 3,6). Wenn seine Gerechtigkeit und Wahrheit auf den sündigen Menschen angewendet werden, bedeuten sie Gericht – in Verbindung mit unserem Herrn dagegen ihre vollkommene Darstellung in dessen gesamten Wandel und Zeugnis auf der Erde. Wenn ich es einmal so ausdrücken darf, nahm der Herr nach jeder Seite hin einen festen Standpunkt für Gott ein, so wie die Säulen an den vier Seiten des Vorhofs, die auf ihrer kupfernen Grundlage ruhten. In seinem ganzen Leben, ja in jeder Handlung, entfaltete sich in unserem Herrn unerschütterliche Hingabe und göttliche Gerechtigkeit – von welcher Seite wir auch auf Ihn schauen.

Der Süden (vgl. den sanft wehenden Südwind in Apg 27,13) spricht von dem, was naturgemäß attraktiv ist, vom Wohlergehen in der Welt. Der Norden spricht von der dunklen, kalten und freudlosen Seite, von Widrigkeiten. Beiden Seiten begegnen wir in Hohelied 4,16: „Wache auf, Nordwind, und komm, Südwind: Durchwehe meinen Garten, lass träufeln seine Wohlgerüche!“. Wir gehen also durch die unterschiedlichsten Erfahrungen und begegnen einerseits Annehmlichkeiten, andererseits Bedrängnissen. Alles soll jedoch, die Wohlgerüche, den Duft Christi, in unseren Leben hervorbringen.

Betrachtet unseren Herrn Jesus von jeder Seite aus, in allen Umständen seines Lebens hier auf der Erde. Wie absolut fest und unerschütterlich stand er da für Gott! Stellt sich jedoch bei uns der Wohlstand ein, Annehmlichkeiten oder die Gunst der Welt, scheinen die Säulen unseres Zeugnisses leider auf Treibsand zu stehen! Wie oft versagt das Volk Gottes auf der Südseite, der blühenden Seite des Lebens. Wenn andererseits Not eintritt, Trübsal, Schmach für die Wahrheit, um des Namens Christi willen, wie oft werden die Heiligen Gottes schwach, wenn ein treues Zeugnis aufrechterhalten werden sollte. Sieh auf unseren Herrn bei der Hochzeit zu Kana, oder im Haus des Pharisäers, oder bei irgendeinem anderen seiner Kontakte mit den Menschen (Er war übrigens kein Einsiedler, der sich weigerte einer Einladung zu folgen), welch ein Zeugnis für Gott gab es an jedem dieser Orte und wie absolut unnachgiebig war es in jeder Einzelheit! Als die dunklen Wolken (wie vom Norden her) der Verlassenheit, Verfolgung, ja, des Kreuzes selbst über Ihn kamen, wie behielt Er in diesen Umständen stets den gleichen Standpunkt für Gott bei. Als seine Sonne sozusagen im Westen unterging, die Zeit für Ihn nahte, diese Welt zu verlassen, gab Er nicht ein Jota nach, sondern stellte sein Angesicht fest, nach Jerusalem zu gehen (Lk 9,51). Und als Er freudig der Sicherheit der kommenden Herrlichkeit, wie der eines Sonnenaufgangs, entgegensah, hielt Er sein Zeugnis für die göttliche Wahrheit und Heiligkeit völlig aufrecht. So stand unser Herr auf jeder Seite unbeirrt und fest wie die Säulen um den Vorhof. Und diese Standfestigkeit hält Er immer noch für uns durch sein Wort und seinen Geist aufrecht, denn die Dimensionen des Vorhofes bleiben gleich.

Ich habe von Christus in seiner unerschütterlichen Treue und Standfestigkeit gesprochen, wie sie in den Säulen um den Vorhof gezeigt werden und auch davon reden, wie Er sein Volk aufrechterhält. Ich möchte nun an eine Stelle erinnern, die wir bereits vor uns hatten und in der es darum geht, wie wir „die Lehre, die unseres Heiland-Gottes ist“ in allem zieren sollen (Tit 2,10). Die Säulen befinden sich rings um den Vorhof, doch wo ist das Leinen, das sie zieren soll? In Christus hat Gott einen absolut vollkommenen Maßstab, doch stellen wir dar, wofür die leinenen Umhänge stehen? Zieren wir die Lehre, die unseres Heiland-Gottes ist, in allem?

Schlagen wir einige Schriftstellen auf, die zeigen, wie uneingeschränkt wir an Ihm hängen müssen, wenn wir in dieser Welt bestehen sollen, wie die leinenen Umhänge um Gottes Vorhof.

„Daher, wer zu stehen meint, sehe zu, dass er nicht falle“ (1. Kor 10,12). Das gilt für jeden von uns. Wir sollten nicht von uns denken, dass wir nicht fallen könnten. Die Geschichte des Petrus und die Tausender aus dem Volk Gottes würde leider schnell zeigen, dass wenn Selbstvertrauen auftritt, Stolz dem Sturz, und Hochmut dem Fall vorausgeht (Spr 16,18). Hüten wir uns vor Selbstvertrauen. Lasst uns eher, wie 1. Pet 1,17 ermahnt „die Zeit unserer Fremdlingschaft in Furcht“ wandeln. Schneller als wir denken wird Satan unser Vertrauen dazu benutzen, uns zu Fall zu bringen. Wie viele von uns, ach, könnte auch nur einer von uns sicher sein, eine einzige Stunde stehen zu bleiben, ohne zu fallen? Wo finden wir menschliche Standfestigkeit, die ausreicht, uns vor der Verunehrung unseres Herrn zu bewahren? Gott allein vermag uns aufrecht zu halten (Röm 14,4). Oh, dass wir uns mehr und mehr bewusst machten, dass wir keine Kraft haben, uns auch nur einen Augenblick aufrecht zu erhalten – genauso wenig wie diese leinenen Umhänge ohne die Säulen. Wir müssen uns im Glauben an unseren geliebten Herrn hängen, um gehalten zu werden. Gott sei Dank werden wir gehalten, denn Er vermag uns aufrecht zu halten.

In vielen der Abschnitte, die wir uns in dieser Verbindung ansehen, geht es eher um unser Wüstenleben als um unsere Stellung vor Gott. Vielleicht ist manchen unter uns der Mut gesunken, als wir über das Zeugnis in unserem Leben nachgedacht haben, und sie haben sich die Frage gestellt „Und wer ist dazu tüchtig?“ (2. Kor 2,16). Als Antwort möchte ich euch die Zusicherung zurufen: Bewahrt „durch Gottes Macht durch Glauben [...] zur Errettung, die bereit ist, in der letzten Zeit offenbart zu werden“ (1. Pet 1,5), bewahrt für das unverwesliche Erbe, das für uns im Himmel bereitliegt, bewahrt nicht durch eigene Kraft, sondern durch seine Macht, davor bewahrt, der Versuchung durch die Macht des Feindes zu erliegen, bewahrt durch Glauben, gehalten durch die silbernen Haken und Stangen der Errettung durch unseren Herrn Jesus Christus. Und wir dürfen uns sicher sein, dass Er, der uns dieses Wort gegeben hat, es auch ausführen wird. Mögen wir davor bewahrt werden, Ihn durch Unglauben zu verunehren.

Nehmen wir als Beispiel Paulus in Rom, diesen treuen Diener Christi, der durch die unerschütterliche Säule aufrechterhalten wurde, als ihn alle verließen (2. Tim 4,16–17). Wir müssen uns auf Christus und nicht etwa auf einen Arm des Fleisches stützen (vgl. Jer 17,5.7). Wenn wir uns auf unsere Brüder oder irgendeinen anderen menschlichen Arm stützen, egal wie stark er auch erscheinen mag, wird die Zeit der Prüfung kommen. Wir müssen lernen, uns allein auf den Herrn zu stützen. Wir können uns miteinander beraten, füreinander beten, ein gegenseitiges Vorbild sein, aber wir sollten uns nicht auf Menschen verlassen. Dieses Vertrauen wird sich mit Sicherheit als ein genickter Rohrstab erweisen, der die Hand durchbohrt (vgl. Jes 36,6). Der Herr stand Paulus bei, und Er wird uns beistehen. Wie die Umstände auch sein mögen, die Säule mit ihrem kupfernen Fuß (dem zuverlässigen Wort Gottes) wird da sein und uns aufrechterhalten. Diese ewigen Arme erlösender Liebe werden uns in unserem Wandel und unserem Zeugnis in der Welt erhalten. Wenn wir mit Schmerz und Beschämung auf eine Zeit zurückblicken, in der wir den Herrn verunehrt haben, wo wir das fleckenlose leinene Kleid nicht aufrechterhielten, war es, als wir uns unserer Schwachheit bewusst waren und uns auf seinen Arm stützten? Oder war es vielmehr dann, als wir dachten, unsere Fähigkeiten reichten aus, bzw. uns auf eine menschliche Stütze lehnten? Ich bin sicher, dass wir Ihn nie verunehren, wenn wir auf Ihn vertrauen.

Lasst uns nun auf den umzäunten Bereich als Ganzes schauen. Er zeigt das Volk Gottes, das dem Wandel Christi entspricht, indem es eine praktische Abgrenzung in der Welt bildet, wo das Volk Gottes in glücklicher Gemeinschaft und ein Zeugnis für Ihn sein kann. Wie sind sie von der Welt getrennt? Sie sind weder in Klöstern eingeschlossen noch bestehen zwischen ihnen und der Welt Mauern aus Stein. Stattdessen bildet wie bei Henoch der Wandel mit Gott die Trennung, während sie die Pflichten des täglichen Lebens erfüllen. In den Briefen werden uns Anweisungen für alle Beziehungen des Lebens gegeben, aber kein einziges Wort über den Rückzug aus den alltäglichen Berufungen und Beschäftigungen des Lebens. Weit davon entfernt! Trägheit und eigennützige Abschottung werden durch das Wort Gottes verurteilt. Wir sollen in der Welt leben, während wir gleichzeitig nicht von ihr sind (Joh 17,11.16). Die leinenen Umhänge weisen also auf die praktische Lebensführung der Gläubigen hin, die sie von der Welt trennt.

Der Apostel Jakobus drückt letztlich genau dies aus, wenn er sagt: Du redest von Glauben ohne Werke, du sagst, dassdu auf dem errettenden Blut Christi ruhst und vor Gott in dem ganzen Wert der Vollkommenheit Christi stehst. Nun, dann zeige mir das auch durch deine Taten, durch dein Leben (vgl. Jak 2,14–18). Die Welt wird zu Recht sagen: Gib mir einen Beweis dafür. In der Tat hat das Siegel der Errettung Gottes zwei Seiten. Die gottzugewandte Seite lautet: „Der Herr kennt, die sein sind“ (2. Tim 2,19). Er kann dort Glauben sehen, wo die Welt ihn nicht sehen kann. Aber es gibt etwas, das die Welt sehen kann: die weißen, leinenen Umhänge. Und deshalb lautet die andere Seite des Siegels: „Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit!“ (2. Tim 2,19). Das ist das, was die Welt sehen kann. Jakobus widerspricht Paulus also zu keinem Zeitpunkt. Paulus spricht von unserem Eintritt in die Gegenwart Gottes und davon, wie uns Gott als vollendet in Christus sieht. Jakobus spricht hingegen von unserem Wandel und Zeugnis in der Welt und sagt: „Zeige mir deinen Glauben ohne die Werke,“ – wenn du kannst – „und ich werde dir meinen Glauben aus meinen Werken zeigen“ (Jak 2,18). Vor Gott sind wir durch Glauben ohne Werke gerechtfertigt; vor der Welt werden wir durch Werke gerechtfertigt, die diesen Glauben bestätigen. Unsere Verbindung zur Welt wird durch unseren Wandel und unser Zeugnis sichtbar.

Das bildet jedoch eine geschlossene Trennwand, sodass die Welt nicht in die Gemeinschaft des Volkes Gottes eindringen kann. Wie kommt es dann, dass sich falsche Lehrer in der Christenheit befinden? Es kommt daher, dass, während die Menschen schliefen, der Feind kam und Unkraut säte. Als es Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber der Ehre Gottes gab, brachte Satan falsche Lehrer in den Vorhof. Es ist immer Nachlässigkeit oder Gleichgültigkeit, die es bloßen Bekennern erlaubt, ins Volk Gottes einzudringen.

In Apostelgeschichte 5 wird die Heiligkeit, die das Haus Gottes wie die weißen Umhänge bei der Stiftshütte umgeben soll, im Umgang mit der schrecklichen Sünde von Ananias und Sapphira veranschaulicht. Der Vorhof des Herrn wurde von dem gereinigt, was ihn beschmutzt hatte. Das feine Leinen wurde sozusagen gereinigt, und die Grenze, die das Volk Gottes von der Außenwelt abschirmte, bestätigt. „Von den Übrigen aber wagte keiner, sich ihnen anzuschließen“ (Apg 5,13). Große Furcht fiel auf alle. Sie erkannten, dass sie es nicht wagen konnten, in eine so heilige Gegenwart einzudringen, aus Angst, dass das göttliche Gericht auf sie fallen würde. Die Realität des Zeugnisses der Versammlung war unmissverständlich – sie schloss Böses aus.

Was wird die Reinheit der Versammlung Christi erhalten? Wir sollen nichts Böses vermuten, wo es nicht offenbar ist. Wenn es allerdings ein Gott wohlgefälliges Leben und Zeugnis gibt, wird die Welt es nicht wagen, sich einer solchen Gemeinschaft anzuschließen.

Zuletzt kommen wir zum Tor. Gott sei Dank gibt es nur ein Tor. Das bedeutet aber nicht, dass die Versammlung eine Gesellschaft ist, in die man nur schwerlich hineinkommen könnte. Die Materialien des Tores sind die gleichen, wie die des Vorhangs und sprechen von Christus. Er ist die Tür und „wenn jemand durch [Ihn] eingeht, so wird er errettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ (Joh 10,9).

Dieser Vorhang, der das Tor, bzw. den Eingang bildete, wurde ebenfalls an silbernen Haken aufgehängt. Das zeigt uns, dass wir in unserem Zeugnis das Evangelium des Christus als den Weg hochhalten sollen, auf dem Menschen aus der Welt in den Bereich des bekennenden Volkes Gottes kommen können. Tritt durch Christus ein und du bist gerettet. Niemand sollte es wagen in den Vorhof der Stiftshütte auf einem anderen Weg einzutreten als durch das Tor. „Ich bin die Tür“ (Joh 10,9), nicht eine Tür, als ob es noch andere gäbe, sondern es heißt „Ich bin die Tür“; „Ich bin der Weg“ (Joh 14,6), der einzige Weg. Stellt euch für einen Moment jemanden vor, der es wagt, den Vorhang an der Seite anzuheben und in den Vorhof hinein zu schlüpfen. Er wäre ein Dieb und ein Räuber und würde auch so behandelt werden, indem er durch richterlichen Beschluss des Hofes verwiesen würde. Niemand kann rechtmäßig in die Gemeinschaft der Kinder Gottes eintreten als nur durch Christus. Vielleicht sagt jemand: Ich bin ein Kind gläubiger Eltern, habe ich nicht ein Recht im Volk Gottes zu sein? Nun, die Pharisäer sagten: „Abraham ist unser Vater.“ (Joh 8,39) – als Anspruch darauf, Gottes Volk zu sein. Sie hatten jedoch nicht den Glauben und die Werke ihres Vaters und so wurden ihre Ansprüche zurückgewiesen. Der Täufer sagte ihnen: „Bringt nun der Buße würdige Frucht, und denkt nicht, bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater“ usw. (Mt 3,7–10).

Es ist ein unermesslicher Segen, ein Kind gläubiger Eltern zu sein. Das Vorrecht eines christlichen Hauses ist kostbar. Die Belehrung und das Vorbild gottesfürchtiger Eltern ihrem Kind gegenüber ist ein kostbares Erbe, aber es errettet nicht. Die Eltern können den Weg zur Errettung zeigen, aber das Kind muss selbst durch die Tür, die Christus ist, eintreten. Bist du durch diese Tür eingetreten? Bist du durch Christus hineingekommen? Bist du inmitten des Volkes Gottes, nicht aufgrund eines bloßen Bekenntnisses, sondern bist du als ein armer Sünder ohne etwas Eigenes gekommen und hast Jesus Christus angenommen und bist damit durch das weit geöffnete Tor eingetreten?

Das Tor war 20 Ellen breit – weit geöffnet für jeden der hineinkommen wollte. Gottes Einladung an jeden ist, jetzt durch den Glauben an den Herrn Jesus einzutreten, und nicht nur in der Gemeinschaft des Volkes Gottes willkommen geheißen zu werden, sondern Errettung zu finden, unmittelbar das ewige Leben zu empfangen und bald die Herrlichkeit.

Während wir gewissermaßen noch am Tor stehen, verleihen wir der Einladung ein Echo:

„Und wen dürstet, der komme; wer will, nehme das Wasser des Lebens umsonst“ (Off 22,17).

Und Jesus Christus selbst sagt:

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh 6,37)

Fußnoten

  • 1 Im englischen Original heißt es hier dass die Säulen und ihre Füße aus Messing sein sollten. Es wird angemerkt, dass obwohl es in der Authorized Version so wiedergegeben wird, hier im Original gar kein Verb steht und der Modalsatz „aus Kupfer“ sich deshalb nur auf die Füße beziehen könnte. Keil hält es für selbstverständlich, dass die Säulen aus Akazienholz waren.
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