Vorträge über die Stiftshütte

Vortrag 13: Der Tisch

„Und er machte den Tisch aus Akazienholz: zwei Ellen seine Länge, und eine Elle seine Breite, und eineinhalb Ellen seine Höhe. Und er überzog ihn mit reinem Gold und machte ihm einen Kranz aus Gold ringsum. Und er machte ihm eine Leiste ringsum, eine Hand breit, und machte einen Kranz aus Gold an seine Leiste ringsum. Und er goss für ihn vier Ringe aus Gold und setzte die Ringe an die vier Ecken, die an seinen vier Füßen waren. Dicht bei der Leiste waren die Ringe, als Halterungen für die Stangen, dass man den Tisch tragen konnte. Und er machte die Stangen aus Akazienholz und überzog sie mit Gold, dass man den Tisch tragen konnte. Und er machte die Geräte, die auf dem Tisch waren: seine Schüsseln und seine Schalen und seine Spendschalen und die Kannen, womit das Trankopfer ausgegossen wird, aus reinem Gold“ (2. Mose 37,10–16).

Wir kommen nun zu den Einrichtungsgegenständen des Heiligen. Im Allerheiligsten stand die Lade mit ihrem Sühndeckel ganz allein, außer am Sühnungstag, wenn der Hohepriester noch das goldene Räucherfass hineinbrachte. Aber im Heiligen standen der Tisch mit den Schaubroten, der Räucheraltar, und der goldene Leuchter. Dem ersten davon wenden wir uns nun zu.1

Vier Merkmale

Der Tisch hatte vier Merkmale, aus deren Bedeutung sich uns im Wesentlichen der Sinn des Ganzen erschließt: Sie betreffen die Materialien, aus denen er hergestellt wurde; seine Maße; seine Form; und seine Verwendung.

Das Material war Akazienholz, das mit reinem Gold überzogen wurde. Die Maße waren zwei Ellen in der Länge, eine Elle in der Breite und eineinhalb Ellen in der Höhe: Die Höhe war somit dieselbe wie die der Lade, deren weitere Maße den Tisch allerdings um eine halbe Elle überragten.

Der Tisch hatte einen Kranz aus Gold ringsherum. Daran grenzte eine handbreite Leiste oder ein Versatz, und dann ein weiterer Kranz aus Gold. Es gab also zwei Kränze, die durch eine Leiste getrennt waren.

Es gab außerdem vier Ringe aus Gold an den „vier Ecken, die an seinen Füßen (Beinen?) waren. Dicht bei der Leiste waren die Ringe“. Dort hinein wurden die zwei goldüberzogenene Stäbe aus Akazienholz gelegt, um den Tisch damit durch die Wüste zu tragen.

Den Zweck dieses Tisches erfahren wir in Verbindung mit den Anweisungen zur Bereitung der wöchentlichen „Schaubrote“, die darauf gelegt werden sollten (3. Mo 24,5–9). Zwölf Brote, die je aus zwei Zehntel Feinmehl gebacken wurden, sollten in zwei Reihen auf den mit reinem Gold überzogenen „reinen Tisch“ gelegt werden. Reiner Weihrauch sollte darauf getan werden, und diese Darstellung musste Woche für Woche erneuert werden. Es war dieser Brauch, der dem Tisch seinen Namen gab: es war der „Tisch der Schaubrote“ (4. Mo 4,7).

In Verbindung mit dem Tisch, nämlich für den Gebrauch daran, standen auch die verschiedenen Gefäße aus reinem Gold: „seine Schüsseln und seine Schalen und seine Spendschalen und die Kannen, womit das Trankopfer ausgegossen wird“ (V. 16). Die Schüsseln mögen Behältnisse für die Brote gewesen sein; die Schalen enthielten wohl den Weihrauch (wie er bei der Einweihung des Altars dargebracht wurde: 4. Mo 7,14 usw.). Die Spendschalen sollten vielleicht die Trankopfer aufnehmen, die aus den Kannen gegossen wurden. Wir schauen sie uns später noch an.

Das Material

Die Bedeutung der Materialien, aus denen der Tisch hergestellt wurde – des Akazienholzes und seines Goldüberzugs – haben bereits vor uns gestanden, als wir uns mit der Lade und den Brettern beschäftigt haben, aber wir werden sie in Verbindung mit der Verwendung des Tisches noch einmal kurz betrachten. Bei einem Tisch denkt man natürlicherweise an einen Platz für die Bereitstellung von Speisen und an die Speise selbst. „Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde“ (Ps 23,5). Wir finden den Gedanken der Nahrung in Verbindung mit der Person unseres Herrn in Johannes 6: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot aus dem Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahrhaftige Brot aus dem Himmel. Denn das Brot Gottes ist der, der aus dem Himmel herabkommt und der Welt das Leben gibt“ (Joh 6,32.33). „Der aus dem Himmel herabkommt“ lässt uns an die Gottheit unseres Herrn denken. Das ist das reine Gold.

Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; wenn jemand von diesem Brot isst, wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt. Die Juden stritten nun untereinander und sagten: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Sohnes des Menschen esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst“ (Joh 6,51–53). Offenbar spricht unser Herr hier von seinem Tod. Aber sein Tod setzt seine Menschwerdung voraus. Er musste Mensch werden, um sterben zu können. Auf diese Weise wird die zweifache Wahrheit der Gottheit und der Menschheit unseres Herrn in diesem Kapitel, das Ihn als das Brot des Lebens vorstellt, miteinander verbunden dargestellt. Wir finden hier also beide Bestandteile des Tisches: Gold und Akazienholz.

Die Maße

Bezüglich der Maße des Tisches: Seine Höhe betrug eineinhalb Ellen – genau wie die der Bundeslade. Das weist uns darauf hin, dass das Brot der Gemeinschaft dasselbe Niveau hat wie der Sühndeckel. Gemeinschaft mit Gott ist mit Christus, und muss folglich mit dem Wert seiner Erlösung auf einer Ebene liegen.

Aber was für ein Gedanke ist das! Gott ist in der Person seines Sohnes herabgekommen, „die Welt mit sich selbst versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend“ (2. Kor 5,19). Um das zu dieser Versöhnung nötige Werk völlig zu bewirken, kam unser gelobter Herr als das Brot vom Himmel herab. Und sein Weg führte Ihn tiefer hinab als zu der Krippe in Bethlemen – obwohl das schon eine unermessliche Distanz war; tiefer als in das bescheidene Heim in Nazareth, oder auf den heimatlosen Pfad, auf dem Er keinen Ort hatte, sein Haupt hinzulegen; tiefer als an den Ort, wo sie Ihn als Samariter verachteten oder als einen von einem Dämon Besessenen (Joh 8,48); selbst tiefer als einen menschlichen Verbrecher; denn Er stieg an den Ort der Entfernung von Gott herab, Er wurde von Ihm verlassen – Er, der Sünde nicht kannte, wurde für uns zur Sünde gemacht (2. Kor 5,21).

Die Tiefen aller deiner Leiden
kein Menschenherz erfassen kann!

Aber die Antwort des allmächtigen Gottes auf dies alles war, dass Er Ihn aus den Toten auferweckte und Ihm Herrlichkeit gab (1. Pet 1,21). Ja, Er hat seinen Platz „zur Rechten der Majestät in der Höhe“ eingenommen (Heb 1,3). Das entspricht dem Ort über dem Sühndeckel, dem Thron Gottes, wo auch das Zeugnis vom Blut des ewigen Bundes ist.

Aber an diesem erhöhten Ort ist Er nicht für sich selbst: Er ist dort als der Stellvertreter seines Volkes. Auf solch eine Höhe der Wohlannehmlichkeit hat Er sein bluterkauftes Volk emporgehoben. Es steht vor Gott im ganzen Werte Christi und seines vollbrachten Werkes. Der Apostel sagt über diese Annahme in Christus: „Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, wegen seiner vielen Liebe, womit er uns geliebt hat, hat auch uns, als wir in den Vergehungen tot waren, mit dem Christus lebendig gemacht – durch Gnade seid ihr errettet – und hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christus Jesus“ (Eph 2,4–6). Der Tisch unserer Annehmlichkeit hat dieselbe Höhe wie die Lade. Solch eine Grundlage hat unsere Gemeinschaft.

So vollkommen ist dieses Werk. Wir sehen es an der Stellung unseres gepriesenen Herrn und daran, wie Gottes Gnade Seelen lebendig macht. Mögen wir praktischerweise befähigt werden, durch Glauben in Gottes Gedanken einzudringen, und auf seiner Ebene die Gemeinschaft „mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus“ zu genießen (1. Joh 1,3). Das bedeutet allerdings, dass wir „nicht auf Fleisch vertrauen“ dürfen. Die praktischen Kennzeichen der Gemeinschaft werden wir genauer betrachten, nachdem wir noch weitere Lehren aus dem Tisch gezogen haben.

Wir haben schon darauf hingewiesen, dass die Maßangaben nicht nur einzeln betrachten werden können, sondern auch in ihren Verhältnissen zueinander. Einzeln betrachtet zeugen die zwei Ellen Länge von Gemeinschaft und die eine Elle Breite von der Einheit, die das Kennzeichen aller wahren Gemeinschaft ist – göttliche Einheit in der Wahrheit. Damit werden alle falschen Vorstellungen von Gemeinschaft im Keim erstickt.

Wenn wir aber die Längenverhältnisse des Tisches anschauen, so finden wir folgende Angabe: 2 x 1 x 1,5 oder, in größerem Maßstab, 4 x 2 x 3. So haben wir die Faktoren 2 in der Breite, 3 in der Höhe, und 4 in der Länge. Die Zahl zwei spricht, wie wir schon gesehen haben, von Gemeinschaft: „Gehen wohl zwei miteinander, außer, wenn sie übereingekommen sind?“ (Amos 3,3). Drei ist die Zahl göttlicher Fülle und Offenbarung, und hat gewiss ihren rechten Platz an dem Tisch, wo Gott in Christus offenbart ist, in dem „die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ wohnt (Kol 2,9). „Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2. Kor 13,13): Hier haben wir die Dreieinheit Gottes in Verbindung mit dem Gedanken der Gemeinschaft. Vier ist die Zahl des Geschöpfes und erinnert daran, dass der Mensch Jesus Christus die Grundlage der Gemeinschaft ist. Die Zahl Vier spricht auch von dieser Welt, der Wüste mit ihren Prüfungen und Leiden, die so oft die Schwachheit und das Versagen der Heiligen zutage bringen. Aber selbst hier in der Wüste bereitet Gott uns einen Tisch. So spricht die zwei von Gemeinschaft; die drei von den Personen, mit denen wir Gemeinschaft haben; und die vier von dem Ort, an dem (äußerlich gesehen) diese Gemeinschaft stattfindet.

Zwei Kränze

Was die Bauweise des Tisches betrifft, so hatte er mit seinen zwei Kränzen und der Leiste gewisse Eigenarten, die unsere Aufmerksamkeit fordern. Wir haben gesehen, dass der „Kranz“ an der Lade keine bloße Verschönerung war, sondern gleichzeitig eine sichere Einfassung darstellte, worin der Sühndeckel ruhte und in völliger Sicherheit am vorgesehenen Platz gehalten wurde. Auf ähnliche Weise hat wohl der Kranz um den Tisch herum nicht nur der Verzierung gedient, sondern auch die Schaubrote vor dem Herabgleiten geschützt. Der Kranz steht, wie gesagt, für „Jesus, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ (Heb 2,9). Er stellt Christus dar an dem Ort, den Er durch sein Werk auf Erden erworben hat: „Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, das du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte.“ Er fährt daher fort, seinen Vater in vollem Vertrauen anzureden: „Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war“ (Joh 17,4.5).

Das deutet an, warum der Kranz ganz aus Gold war. Es ist die göttliche Herrlichkeit, die Er seit jeher bei dem Vater hatte, aber in die Er gewissermaßen auf einer neuen Grundlage eingegangen ist, nämlich als der Stellvertreter seines bluterkauften Volkes, dessen Erlösung Er nach dem Willen des Vaters bewirkt hatte. Das war das Werk, das Ihm zu tun gegeben war, um so den Namen Gottes in einer Welt, die sich gegen Ihn aufgelehnt hatte, zu offenbaren durch die Darstellung seiner Heiligkeit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Gnade und Liebe – alles vereint zur Erlösung von Sündern.

So bekommt die göttliche Herrlichkeit infolge seiner Erniedrigung bis zum Tod eine neue Bedeutung, und erscheint für das ganze Universum in neuem Glanz. Das Wesen Gottes blieb stets dasselbe, aber es war von Satan und von den Menschen – seinen willigen Handlangern – in den Dreck gezogen worden. Dadurch ist der im Bilde Gottes erschaffene Mensch unermesslich weit hinabgesunken, selbst tiefer als die wilden Tiere, weil er seinen gottgegebenen Verstand in den Dienst der Sünde gestellt hat. Es gibt keine Erniedrigung auf Erden wie die des gefallenen Menschen. Deshalb konnte die Herrlichkeit Gottes in der Welt, die sein eigen ist, nicht hervorstrahlen, außer wo seine vorherbestimmende Gnade sich stückweise in der Nachkommenschaft des Glaubens offenbarte (vgl. Heb 11). Das aber waren nur unvollständige Eindrücke dessen, was allein im Sohn zur vollen Darstellung kommen konnte.

Dann aber sprach Er: „Siehe, ich komme, um deinen Willen, o Gott, zu tun“ (Heb 10,9). Von diesem „Kommen“ können wir sagen, dass es seine Menschwerdung genauso beinhaltet wie sein vollkommenes Leben und seinen Dienst, der hinführt zur Erfüllung des wunderbaren Willens Gottes durch „das ein für alle Mal geschene Opfer des Leibes Jesu Christi“ (Vers 10). „Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen gegeben, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge ... und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters“ (Phil 2,9–11). So ruht das Zeugnis der Herrlichkeit Gottes im ganzen Universum auf dem Haupt des Einen, der keine Ehre für sich selbst suchte.

Die Schaubrote

Aber es ist die „Herrlichkeit seiner Gnade“, woran die Brote uns denken lassen, wenn sie durch den Kranz an Ort und Stelle gehalten werden. Es ist ein verherrlichter Christus, der die Seinen bewahrt, und Er tut es seinem ganzen Wesen gemäß. Diese Herrlichkeit ist, wie wir gesehen haben, unmittelbar und auf ewig mit seinem Erlösungwerk auf dem Kreuz verbunden. Im Lichte dieser Herrlichkeit lesen wir: „Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben“ (Joh 10,28). „Weil ich lebe, werdet auch ihr leben“ (Joh 14,19). „So werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden“ (Röm 5,10). Hier ist sein Leben als auferstandener und verherrlichter Mensch gemeint. Alles ist von nun an mit der Herrlichkeit des Herrn Jesus verbunden – einer Herrlichkeit, in die Er eingegangen ist, nachdem Er und weil Er den Weg seiner Leiden bis zum Tod durchschritten hat. Weil Er verherrlicht war, konnte an Pfingsten der Geist gegeben werden (Apg 2,33; vgl. Joh 7,39). Die Heilung des Gelähmten an der Pforte des Tempels schreibt Petrus der Kraft des verherrlichten Jesus zu: „Der Gott unserer Väter hat seinen Knecht Jesus verherrlicht“ (Apg 3,13). Dieser Gedanke prägt die ganze Lehre des Apostel: Christus in Herrlichkeit ist die Quelle alles Segens und auch der Kraft, in der dieser Segen durch den Heiligen Geist offenbart wird.

Aber wir finden noch eine weitere Bestätigung dafür, dass der Tisch samt seinem Kranz mit der Sicherheit des Gottesvolkes zu tun hat, wenn wir die Schaubrote anschauen, die ja dauerhaft auf dem Tisch sein sollten. Dass sie Schaubrote (oder „Brote des Angesichts“) genannt wurden, soll andeuten, dass sie vor Gottes Angesicht gestellt wurden als Ihm vollkommen annehmlich. Sie wurden auch „das beständige Brot“ genannt (4. Mo 4,7), weil sie stets vor Gott standen, und „heiliges Brot“, was von der Heiligkeit in ihrer Darstellung spricht. Es war das, was vor Gott dargestellt wurde, wie es die Ausdrücke „Schichtbrot“ (1. Chr 9,32) und „Darstellung der Brote“ (Heb 9,2) nahelegen.

Das mit „Kuchen“ wiedergegebene Wort ist „challoth“. Es ist das gebräuchliche Wort, bedeutet aber wörlich „durchstochener Kuchen“, weil diese Kuchen durchstochen oder perforiert wurden, wohl um sie schneller durchbacken zu können. Insofern diese Kuchen von Christus sprechen, ist das „Durchstechen“ besonders passend, nicht in erster Linie im Blick auf das Durchstechen bei seinem Tod – obwohl alles darauf hinauslief – sondern im Blick auf die stete Unterwerfung seines ganzen Wesens – seines Herzens unter die Hitze des Feuers und der Erprobung auf Erden, sowie die Erforschung durch Gottes heiliges Wort.

Diese Brote wurden aus Feinmehl gemacht, was von der vollkommenen Menschheit unseres Herrn spricht, von der Beständigkeit und Gleichförmigkeit seines Wesens. Wir werden das näher anschauen, wenn wir das Speisopfer untersuchen. Jeder Kuchen oder jedes Brot wurde aus zwei Zehnteln Feinmehl gemacht. Genauso war das Speisopfer bemessen, das zur Opferung eines Widders gehörte. Beim Rind waren es drei Zehntel, und beim Lamm nur ein Zehntel. Der Widder deutet hin auf die Weihe und Hingabe unseres Herrn bis zum Tod. Wir haben das schon bei den Decken des Zeltes gesehen. Indem das Feinmehl von seiner Person spricht, erinnert es uns auf passende Weise an Ihn, der Gott völlig ergeben war und nun vor Ihm sein Volk im ganzen Wert und in der vollen Kraft dieser Hingabe vertritt.

Es gab zwölf dieser Brote, was uns sogleich an die zwölf Stämme erinnert, aus denen das Volk Israel in seiner Gesamtheit besteht. Es war die Zahl nationaler Einheit, und damit verbunden ist der Gedanke an eine göttliche Regierung, die über sie und – wären sie treu gewesen – auch durch sie über die Welt hätte ausgeübt werden sollen. Die Zahl taucht bei den zwölf Aposteln wieder auf, denen Gottes Regierung in der Christenheit anvertraut war, und für das tausendjährige Reich auch die Regierung Israels (Mt 19,28). Auch in der himmlischen Stadt sticht die Zahl zwölf hervor: Die Stadt hat zwölf Tore mit den Namen der zwölf Stämme darauf; sie hat eine Ausdehnung von 12.000 Stadien in jede Richtung, wodurch sie einen perfekten Würfel bildet; ihre Mauer misst 144 (zwölf mal zwölf) Ellen; sie hat 12 Grundlagen aus wertvollen Steinen; der Baum des Lebens darin trägt zwölf verschiedene Früchte. Das erinnert uns daran, dass Israels Segnungen ewig sind, und dass göttliche Regierung die wesentliche Eigenschaft und der Zustand dieses „unerschütterlichen Reiches“ ist (Heb 12,28). Darin wird Gott die Schöpfung wieder aufgreifen und sich ihr gegenüber in seiner vollkommenen Heiligkeit und Liebe offenbaren (4 x 3).

Diese Tatsachen unterstreichen die Bedeutung der zwölf Brote. Sie stellen Israel dar unter der Kontrolle göttlicher Regierung, und daher zu ewigem Segen bestimmt. Dass die Brote in zwei Reihen angeordnet waren, scheint die vollkommene Ordnung aller göttlichen Regierung anzudeuten, und das wahrhaftige Zeugnis dessen, worüber uns die Brote belehren. Sie stellen Christus in der Vollkommenheit seiner Person dar, und der Weihrauch darauf spricht von seinem Duft und Wohlgeruch für Gott. Aber sie zeigen auch Christi Volk in Ihm, wie es stets vor Gott ist entsprechend dem Wert und Wohlgeruch dessen, was der Herr ist. Sie werden nicht als das gesehen, was sie in sich selbst sind und worin kein lieblicher Duft für Gott ist, sondern als in Christus, und so angenehm gemäß dem, was Er vor Gott ist. So sehen wir in den zwölf Broten nicht nur die Vollkommenheiten Christi, sondern auch die seines Volkes als in Ihm.

Im Neuen Testament haben wir einen ähnlichen Gedanken in dem Brot, das auf dem Tisch des Herrn ist: „Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes des Christus? Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die Vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot“ (1. Kor 10,16.17). Auch hier erinnert uns das eine Brot, während es von dem Leib unseres Herrn spricht, zugleich an sein Volk, das eben falls ein Brot, ein Leib ist, denn alle nehmen teil an dem einen Brot. So wird sein Volk in Ihm gesehen – vollständig und als vollendetes Ganzes.

Diese Wahrheit der Einheit des Volkes vor Gott nimmt offenbar einen wichtigen Platz in den Gedanken Gottes ein, im Alten wie im Neuen Testament. In den Tagen Elias war die nationale Einheit Israels auf traurige Weise und nach außen hin sichtbar zerbrochen: Die zehn Stämme hatten sich gegen das Haus Davids aufgelehnt, und die Masse war abgefallen. Und doch hatte sich Gottes Gedanke über die Einheit Israels nicht verändert. Elia, der das Volk zu Gott zurückführen möchte, stellt den zerbrochenen Altar wieder her: „Und Elia nahm zwölf Steine, nach der Zahl der Stämme der Söhne Jakobs, an den das Wort des Herrn ergangen war, indem er sprach: Israel soll dein Name sein! Und er baute von den Steinen einen Altar im Namen des Herrn“ (1. Kön 18,31.32).

Das war im Geiste der Tat Josuas ähnlich, der in früherer Zeit auf das Gebot des Herrn hin zwölf Steine im Jordan aufrichtete, wo Israel hindurchzog, und zwölf Steine aus dem Bett des Flusses herausnahm, um sie im Lager bei Gilgal aufzustellen (Jos 4,3–9). Diese Steine symbolisieren die Einsmachung des Volkes Gottes mit Christus. Die Steine im Flussbett des Jordan erinnerten nicht nur daran, dass der Herr den Strom aufgehalten hatte, sondern auch daran, dass ganz Israel hindurchgezogen war. Gleicherweise erinnern die in Gilgal aufgerichteten Steine daran, dass ganz Israel in sein Erbteil eingegangen ist. So hielt der Tod unseres Herrn Jesus den Todes- und Gerichtsfluss auf, und bereitete einen Weg für sein Volk, um hindurchzuziehen in sein ewiges Erbteil. Es ist sein Tod, der in den zwölf Steinen vorgebildet wird, aber sein Volk wird in Ihm gesehen. Und so sind sie auch in seiner Auferstehung vertreten als seine Miterben. Jeder Glaubende kann sagen: „Ich bin mit Christus gekreuzigt“ (Gal 2,19), „mit ihm begraben“ (Röm 6,4), „mit dem Christus auferweckt“ (Kol 3,1), und Er hat mich „mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christus Jesus“ (Eph 2,6). Und das ist nicht nur für eine besondere Klasse von Glaubenden wahr, sondern für jeden, der an den Herrn Jesus Christus glaubt. Für die volle Zahl der Heiligen ist gesorgt, und jeder einzelne steht vor Gott als mit Christus einsgemacht und verbunden. Das ist wahr, ob nun das verantwortliche Zeugnis unversehrt ist wie in den Tagen Josuas, oder ob Versagen eingekehrt ist wie zur Zeit Elias. Der Israel Gottes war stets vor Ihm als ein unversehrtes Ganzes: So ist es auch mit der Kirche Gottes, ob in ungebrochener äußerlicher Einheit der ersten Liebe in den Tage der Apostel, oder zu „schweren Zeiten“ der Gegenwart, wenn die Kirche dem äußeren Erscheinen nach in lauter Bruchstücke zerfallen ist.

Der goldene Tisch (Christus) in der gänzlich beispiellosen Vollkommenheit seiner Person bleibt bestehen. Und Er, der Auferweckte und Verherrlichte, ist stellvertretend für sein bluterkauftes Volk, das mit Ihm und in Ihm eins ist, vor Gott. So ist sein Gebet in Johannes 17 von göttlicher Seite beantwortet, wenn auch – leider – durch trauriges Versagen nach außen hin völlig verwüstet ist, was eigentlich ein Zeugnis für die Welt sein sollte. Das gemeinsame Leben bleibt, und so auch jene Einheit vor Gott, die damit einhergeht (Joh 17,21).

So kehrt der Glaube immer zu den Gedanken Gottes zurück, selbst in Tagen des Verfalls. Elias Altar mit seinen zwölf Steinen lässt völlig unbeachtet, dass es zwei Königreiche gab. Vor Gott ist es ein Israel. Zur Zeit des Apostels Paulus war die Zerstreuung noch umfassender: Die zehn Stämme waren breits aus dem Blickfeld verschwunden – unter den Nationen verschüttet wegen ihres Götzendienstes. Und die Juden hatten sich teils in gefälliger Selbstgerechtigkeit eingenistet, teils in blankem Unglauben. Sie hatten den Herrn der Herrlichkeit abgelehnt und hinausgeworfen, und häuften „Zorn bis zum Ende“ auf (1. Thes 2,16). Zu einer solchen Zeit hielt Paulus weiter an Gottes Gedanken über Israel fest. Er wusste: „Nicht alle, die aus Israel sind, diese sind Israel“ (Röm 9,6), und dann erinnert er gerade an die Zeiten Elias, wie Gott damals siebentausend übrig gelassen hatte, die ihre Knie nicht vor dem Baal gebeugt hatten, und fügt hinzu: „So besteht nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Auswahl der Gnade“ (Röm 11,4.5).

So sagt er auch vor König Agrippa, als er zu seiner Verteidigung von der an die Väter ergangenen Verheißung spricht, dass zu dieser „unser zwölfstämmiges Volk, unablässig Nacht und Tag Gott dienend, hinzugelangen hofft“ (Apg 26,7). Das Auge Gottes und der Glaube sehen die ganze erwählte Nation. So war es auch bei den Propheten, wenn sie den Tag zukünftiger Herrlichkeit Israels vorhersagten: die zwischenzeitlichen Teilungen und Zerstreuungen wurden entweder ignoriert oder triumphal überwunden. Durch die Vereinigung von zwei Hölzern sollte Hesekiel die zukünftige Wiedervereinigung von Israel und Juda zu einer Nation anzeigen (Hes 37,16–22), und derselbe Prophet traf umfänglich Vorsorge für die Aufteilung des Landes unter den zwölf Stämmen des vereinigten Volkes (Hes 48). So hat die Zahl zwölf eine unmissverstänliche Bedeutung nicht nur für eine begrenzte Zeit, sondern in Bezug auf die „unbereubaren“ Gnadengaben und Berufungen Gottes (Röm 11,29).

So deuten der goldene Kranz rings um den Tisch, sowie die zwölf Schaubrote oben darauf, die Fülle an, in der das ganze geliebte Volk Gottes in Christus vor Gott gestellt ist, und vor Gott bewahrt wird aufgrund der Tatsache, dass Christus vor Ihm mit Herrlichkeit gekrönt als der Stellvertreter ist. Auf diese Weise festgehalten, können sie niemal verlorengehen. Wir können uns gut vorstellen, wie irgendein übereifriger Levit den Priester auf die Gefahr hinweist, dass die Brote vom Tisch herabgleiten könnten, und einen Plan ersinnt, sie sicherer zu halten. Der Priester konnte ruhig darauf antworten: „Dafür ist von Gottes Seite bereits gesorgt: Siehst du den Kranz (die Krone) nicht? Daran kommen sie nicht vorbei“. Und so können wir auch einem bangenden Gläubigen, der fürchtet, er möchte nicht bis zum Ende ausharren, die Antwort geben: „Siehst du diese Krone nicht? – Jesus, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt?“

Die Leiste

Wir kommen jetzt dazu, uns mit der Bedeutung der handbreiten Leiste zu befassen. Manche denken, dass diese Leiste außerhalb des schon beschriebeben Kranzes war und die Gefäße des Dienstes darauf abgestellt werden konnten. Andere haben sie als eine bloße Zierleiste gesehen, die senkrecht angebracht war und auf deren Oberkante die Tischplatte ruhte. Sie hätte dann als Rahmen für das ganze Gestell gedient, woran auch die Füße mit den Ringen und Stäben befestigt waren.

Wir können die genaue Form und Anbringung dieser Leiste nicht mit Sicherheit bestimmen, wollen aber doch einige Gedanken über ihre allgemeine Bedeutung anregen. Das Wort meint in erster Linie eine Einfriedung. So bezeichnet es in Psalm 18,45 und Micha 7,17 Schlösser oder Festungen. Eine Einfriedung soll Eindringlinge abhalten, etwa durch eine Mauer oder eine anderweitige Absperrung. Eine solche Umzäunung des Tisches würde daher auf etwas hinweisen, das fernhält, was dort nicht hingehört. Der Kranz rings um den Tisch hat schon darauf hingedeutet, was die Brote sicher an ihrem Platz hält. Diese Leiste oder „Festung“ (ebenfalls mit einem Kranz verziert) deutet hin auf den Ausschluss aller Dinge von dem Tisch, die nicht mit der Herrlichkeit Christi in Übereinstimmung sind. Eine solche Leiste gibt dem Tisch Festigkeit und Stabilität, sowohl wenn er im Heiligtum steht, als auch wenn er durch die Wüste getragen wurde. Die Bemessung der Leiste als „eine Hand breit“ hat man auf die göttliche Hand bezogen, die über dem Tisch ist, um alles der Herrlichkeit Gottes gemäß abzugrenzen und festzulegen. Diese Hand über dem Tisch mag von göttlicher Allmacht sprechen, aber doch auch von Gnade, weil Gott seinen eigenen Sohn für uns gegeben hat, der nun durch seine Rechte zum Führer und Heiland erhöht ist (Apg 5,31).

Der folgende Abschnitt mag uns helfen zu verstehen, welcher Gedanke mit der „Leiste“ verbunden ist: „Und als er die Messungen des inneren Hauses vollendet hatte, führte er mich hinaus auf den Weg zum Tor, das nach Osten gerichtet war; und er maß es ringsherum. Er maß die Ostseite mit der Messrute, 500 Ruten mit der Messrute ringsum. Er maß die Nordseite, 500 Ruten mit der Messrute ringsum. Die Südseite maß er, 500 Ruten mit der Messrute. Er wandte sich um zur Westseite und maß 500 Ruten mit der Messrute. Er maß es nach den vier Seiten. Es hatte eine Mauer ringsherum: die Länge war 500 und die Breite 500 Ruten, um zwischen dem Heiligen und dem Unheiligen zu scheiden“ (Hes 42,15–20).

Der Prophet hat in den vorangegangenen Kapiteln das Heiligtum beschrieben, den neuen Tempel, und von dort ausgehend begibt er sich außerhalb des Tores und sieht eine deutliche Trennung zwischen dem Heiligen und dem Unheiligen durch die Messungen um das Heiligtum herum. Ob es sich um einen Raum handelte, der 500 Ruten im Quadrat maß, oder schlicht um eine Mauer von 500 Ellen im Quadrat, die den Tempelhof umgibt: die offensichtliche Bedeutung ist, dass eine vollständige Trennung gemacht werden sollte zwischen dem was heilig, und dem, was nicht heilig ist. Das entspricht dem Gedanken, den auch die „Leiste“ um den Tisch herum andeutet. Dieselbe Herrlichkeit, die das Brot auf dem Tisch umzäunt, macht auch eine Trennung zwischen diesem Brot und allem, was mit der Herrlichkeit Gottes nicht übereinstimmt. Mit welchem Eifer schützt Gott die Person seines geliebten Sohnes von jeder Art der Verunehrung durch Vermischung mit irgendetwas anderem. So wie in den Tagen Josuas am Jordan eine Entfernung von etwas zweitausend Ellen zwischen der Lade und dem Volk war (Jos 3,4), so wird hier das Brot von allem anderen abgeschirmt. Christus in seiner einzigartigen und vollkommenen Menschheit wird davor geschützt, mit irgendjemand anders vermengt zu werden, selbst wenn er zu den Besten der Menschen gehören sollte.

So war es beispielsweise, als unser Herr verwandelt wurde und Mose und Elia erschienen, um sich mit Ihm zu unterreden. Aus Begeisterung und Furcht, und weil er nicht wusste, was er sagen sollte, schlug Petrus vor, drei Hütten zu machen, „dir eine und Mose eine und Elia eine“. Wie rasch sehen wir da die „Leiste“, als Gott vom Himmel her sprach: „Dieser ist mein geliebter Sohn, ihn hört“ (Mk 9,2–8). Nur kurze Zeit vorher hatte doch Petrus selbst den Vorrang der Herrn gegenüber Elia und den anderen Propheten bezeugt: „... andere: Elia; andere aber: Einer der Propheten ... Du bist der Christus“ (Mk 8,27–29). Ein Großteil des Hebräerbriefs besteht aus demselben eifrigen Wachen über die Person unseres Herrn. Die „Leiste ringsum, eine Hand breit“ und der goldene Kranz scheiden ihn von den Engeln (Heb 1), von Mose (Heb 3), von Josua (Heb 4), von Aaron (Heb 5.7), und von der ganzen Reihe der Glaubensmänner (Heb 11). Denn Jesus, der „Anfänger und Vollender des Glaubens“, ist über ihnen allen.

Gleicherweise ist es so, wenn wir die Brote betrachten, die an Christi Volk als in Ihm gesehen erinnern, dass sie von der Welt getrennt sind. Das wird im Gebet unseres Herrn in Johannes 17 illustriert, von dem wir sagen könnten, dass es im Wesentlichen mit diesen zwei Kränzen zu tun hat. Die Worte „Herrlichkeit“ und „verherrlichen“ finden wir überall in diesem Kapitel. Seine große Sorge für seine Geliebten in dieser Welt ist, dass sie bewahrt und nicht nur gerettet werden von all dem Bösen in dieser Welt. „Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnehmest, sondern dass du sie bewahrest vor dem Bösen“ (Joh 17,15). Das Maß ihrer Trennung von der Welt ist, was seine Gedanken und Absichten betrifft, so völlig wie bei Ihm selbst: „weil sie nicht von der Welt sind, wie ich nicht von der Welt bin“ (Vers 14).

Die Verwirklichung dessen und die starke Absonderung, welche die Heiligkeit in Gnaden wirkte, kann man in den ersten Kapiteln der Apostelgeschichte sehen, wo das Böse nach göttlichem Maßstab gerichtet wird, und Eindringlinge schon aus Furcht fernbleiben: „Von den Übrigen aber wagte keiner, sich ihnen anzuschließen“ (Apg 5,13). So soll in 1. Korinther 5 die böse Person hinausgetan werden. Und das Wort an die Kinder Gottes ist: „Jeder aber prüfe sich selbst“ – also Billigung oder Korrektur – „und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch“ (1. Kor 11,28). So ist es gerade die Herrlichkeit der Gnade, die den Tisch des Herrn vor allem beschützt, was ihn verunehren könnte.

Diese Absonderung ist weit davon entfernt, im Gegensatz zur Gnade zu stehen. Sie ist vielmehr deren Frucht. Denn heilige Absonderung geschieht immer in der Kraft des auferstandenen Herrn, und nie durch gesetzliche oder asketische Bemühungen. Sein Volk wird durch Liebe gedrängt: „Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie Geheiligte seien durch Wahrheit“ (Joh 17,19). Nur aus Gnade konnte Er das für uns tun. Wenn Er in der Welt war als Bürge seines Volkes, dann ist es auch um ihretwillen, dass Er sich von der Welt durch Tod und Auferstehung trennt. Als „heilig, unschuldig, abgesondert von den Sündern“ brauchte unser Herr keine moralische Absonderung von dem Bösen in dieser Welt, aber „die Seinen, die in der Welt waren“ brauchen die praktische Heiligung, die allein seine Gnade geben kann. Und indem Er in den Tod hinabstieg, hat Er die Bande zerrissen, mit denen die seinen an eine sündige Welt gekettet waren. Und nun, in Auferstehungs-Herrlichkeit, lebt Er allezeit, um sich für sie zu verwenden (Heb 7,25). Für diesem hohepriesterlichen Dienst ist Johannes 17 das Beispiel. Diese praktische Absonderung in Herz und Wandel wird durch „die Wahrheit“ bewirkt, oder – wie Johannes 13 es veranschaulicht – durch die Fußwaschung. All das zeigt uns der Kranz ringsum die Leiste, der uns auch an die ewige Sicherheit des Volkes Gottes erinnert, während es durch eine böse Welt zieht, wo es die Absonderung des Herzens hin zu einem verherrlichten Christus lernen muss. Von seiner Herrlichkeit hängt es ab, sie durchzubringen, und sie zuletzt völlig geheiligt Gott darzustellen. Aber auch heute sind es nur der Unglaube und die Schwachheit des Fleisches, weswegen es noch nicht volle praktische Wirklichkeit ist. In Ihm sind wir nicht beengt.

Wir haben bereits über den Auschluss von moralisch Bösem gesprochen, wie es in 1. Korinther 5 zu sehen ist. Vielleicht gibt es die Neigung, zu vergessen, dass die Herrlichkeit Christi ebenso eifrig darüber wacht, dass sein Tisch nicht mit lehrmäßig Bösem verunreinigt wird, oder durch Gleichgültigkeit dem gegenüber. Ein Abschnitt aus dem zweiten Johannesbrief illustriert das: „Und dies ist die Liebe, dass wir nach seinen Geboten wandeln. Dies ist das Gebot, wie ihr von Anfang an gehört habt, dass ihr darin wandeln sollt. Denn viele Verführer sind in die Welt ausgegangen, die nicht Jesus Christus im Fleisch kommend bekennen; dies ist der Verführer und der Antichrist. Gebt acht auf euch selbst, damit wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangen. Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, dieser hat sowohl den Vater als auch den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüßt ihn nicht. Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken“ (2. Joh 6–11).

Diese Abschnitt braucht keine Erklärung, sondern vielmehr Gehorsam unter Gebet. In den Schriften des Johannes, wie überhaupt im ganzen Wort Gottes, ist Christus das Ein und Alles, und der Test des Menschen ist, wie sie zu Ihm stehen. Ihn anzubeten, Ihm zu vertrauen, Ihm zu gehorchen – darin erweist sich jemand als Teil der Familie Gottes. Was nicht von Christus ist, und jeder, der nicht die Lehre des Christus bringt, muss uneingeschränkt zurückgewiesen werden. Die „Lehre des Christus“ enthält alles, was mit Ihm in Verbindung steht – die ganze Wahrheit Gottes. Wer irgendetwas davon bewusst und willentlich ablehnt, ist damit eine „böse“ Person, und alles, was die Person oder das Werk des Herrn verunehrt, darf auch nicht für einen Augenblick wissentlich geduldet werden. Wenn auch Langmut und Geduld gefordert sind, darf es doch keine Gleichgültigkeit gegenüber böser Lehre geben. Durch solche Gleichgültigkeit würde man zum Teilhaber der bösen Werke dessen, der nicht die Lehre des Christus gebracht hat. Das sind die göttlich eingesetzten Grenzen um den Tisch des Herrn.

Die Geräte

Es bleibt noch, über die verschiedenen Geräte zu sprechen, die in Verbindung mit dem Tisch gebraucht wurden, und die – wie manche denken – auf dieser Leiste abgestellt wurden. Wenn der Tisch nicht nur davon spricht, was Gottes Speise und seine Freude ist, sondern auch davon, was Er für sein Volk bereitstellt, damit sie es mit Ihm genießen, dann sprechen die Geräte wohl von der göttlichen Vorsorge für den Dienst.

Das Material dieser Geräte war reines Gold. Alles daran ist göttlich. Die Vorsorge Gottes für den Dienst der Gemeinschat kommt allein von Ihm. Menschliche Hilfsmittel sind hier völlig fehl am Platz. Es mag eingewandt werden, dass eine gewisse geregelte Ordnung und Vorsorge für den Dienst getroffen werden müssten, und das ist völlig wahr, aber diese Vorsorge kommt nicht von Menschen, sondern von Gott. Jedes Bemühen, durch menschliche Anstellung für den Dienst am Tisch des Herrn zu sorgen, ist – wenn auch unbeabsichtigt – eine Beleidigung der Liebe, Gnade und Heiligkeit Gottes. Ach! Es kann sich wohl keine einizige Schar aus Gottes Volk von diesbezüglichem Versagen freisprechen. Aber es sollte doch gewiss unser ernstes Bestreben sein, allein göttlich bestimmte und vorbereitete Geräte zu haben und zu nutzen.

Diese Geräte waren: „Schüsseln“, „Schalen“, „Kannen“ und „Spendschalen“. Die Schüsseln mögen die Schaubrote enthalten haben. Die Schalen waren wohl für den Weihrauch da, um ihn auf die Brote zu geben. Die Kannen und Spendschalen wurden für den Wein der Trankopfer verwendet. So wurde nicht nur Speise vorbereitet, sondern auch Mittel bereitgestellt für deren ordnungsgemäße Darstellung, mit ihren Beigaben von Freude und Wonne. Denn gewiss hat Gott seine Wonne in Christus (Weihrauch) und eine Freude, die das menschliche Herz nicht erfasst – eine Freude, wie sie im „Blut der Traube“ zum Ausdruck kommt, und die uns zurückblicken lässt zur Ausschüttung jenes kostbaren Lebens auf dem Kreuz. All das wird Ihm mit Sicherheit durch den göttlichen Sohn dargereicht. Und doch erfreut es Gott in seiner unendlichen Gnade, wenn sein Volk Ihn umgibt, indem es das Lob Christi darbringt und Ihm so angenehm ist.

Aber wenn dieses Vorrecht unaussprechlich groß ist, wie groß ist dann auch die Verantwortung, dass wir „Gefäße zur Ehre“ sind (2. Tim 2,21), geheiligt und nützlich dem Hausherrn. Doch nur das, was durch göttliche Gnade gewirkt ist, kann dem Hausherrn nützlich sein: durch jene Gnade, die uns unterweist, „die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden“ zu verleugnen (Tit 2,12), oder jemanden dahin bringt, dass er sich „von diesen reinigt“. Wer könnte die Fülle des göttlichen Dienstes ermessen, wären alle Gefäße im Haus des Herrn so, wie sie sein sollten – „heilig dem Herrn. Und die Kochtöpfe im Haus des Herrn ... wie die Opferschalen vor dem Altar“ (Sach 14,20)? So ist es droben, wo kein Gräuel hineinkommt. Aber das „große Haus“ (2. Tim 2,20) hat den Platz des Hauses Gottes auf Erden eingenommen, und inmitten der Verunreinigung und des Verderbens ist der Pfad des Glaubens durch Demut und einen Geist der Trauer gekennzeichnet – nicht durch die Zurschaustellung außergewöhnlicher Gaben.

Ringe

Wie die Lade und der Räucheraltar hatte auch der goldene Tisch Ringe aus Gold, hier dicht bei der Leiste, für die goldüberzogenen Stäbe aus Akazienholz, an denen er durch die Wüste getragen wurde. Könnte in der Nähe dieser Ringe zur Leiste nicht eine Andeutung liegen, dass die Heiligkeit des Tisches Gottes sein Volk nicht vom Genuss der Gemeinschaft mit Ihm abhalten sollte, auch nicht in der Wüste? Wo immer Er sie hinführte, sollte sein Tisch sie begleiten, denn einzig Verunreinigung schließt von der Gemeinschaft aus, nicht die Erpropung an sich. Alle Pfade, welche die müden Füße der Heiligen des Herrn beschreiten müssen, sind von unserem Herrn Jesus, von dem der Tisch ja spricht, schon beschritten worden. Es mag Gefahr, Spott und Hass seitens der Welt geben, sowie Verfolgung und Not – Er ist durch all dies hindurchgegangen, „ausgenommen die Sünde“ (Heb 4,15).

Nicht nur ist Er auf diese Weise bereits durch die Welt geschritten, sondern seine Verheißung ist auch: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“ (Mt 28,20). Die Ringe zeigen die Beständigkeit seiner Gegenwart. So kann der Glaubende kühn sagen: „Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde“ (Ps 23,5).

Wohin Er mich auch leite,
ich wend‘ mich nicht zurück.
Mein Hirt‘ ist mir zur Seite,
mir mangelt nichts zum Glück.

Der Tisch spricht also, wie wir gesehen haben, von der Speise Gottes – der Person Christi – und damit von dem, worin Er mit seinem Volk Gemeinschaft hat. Der Mensch konnte niemals Gott das bieten, woran seine Seele gefallen hat. Es hätte nur wie das Opfer Kains sein können, die Frucht des Erdbodens, der aufgrund der Sünde des Menschen verflucht worden ist. Aber Christus hat einen Tisch bereitet, an dem Gott alles seiner Heiligkeit gemäß vorfindet, sodass Er sagen kann: Das ist meine Speise – das Brot Gottes. Aber da dieser Gepriesene, unser Herr Jesus, unser Gericht getragen hat, gibt es nun für jeden, der an Ihn glaubt, einen Platz am Tisch Gottes. Er ist dort willkommen, mit Gott teilzuhaben an seiner Freude an Christus. Das ist das Wunder der Gnade: „Gemeinschaft mit dem Vater uns mit seinem Sohn Jesus Christus“ (1. Joh 1,3).

In diesem Kapitel, aus dem wir soeben zitiert haben, finden wir die Aussage, dass Christus und sein Werk die Grundlage unserer Gemeinschaft untereinander sind: „Wenn wir aber in dem Licht wandeln, wie er in dem Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde“. Das ist das Band, das durch den Heiligen Geist die Heiligen in Gemeinschaft miteinander verbindet. Sie haben dasselbe Leben, das ihnen dieselben Wünsche und Empfindungen für Christus gibt. Das ist eine Gemeinschaft, von der die Welt nichts kennt.

Wenn wir diese Gemeinschaft betrachten, und zugleich den zerteilten Zustand der Christenheit sehen und nach dem Grund dafür fragen, dann können wir nur sagen, dass Christus nicht der alleinige Gegenstand der Seele war und ist. Das ist es, wodurch eine bloße Bekennerschaft hineinkommt, und dadurch die Gemeinschaft mit der Welt statt mit Gott. Möge unser gelobter Herr und Heiland so sehr der Gegenstand unserer Seelen sein – deiner wie meiner – dass wahre und praktische Gemeinschaft um seine Person das Ergebnis ist.

Fußnoten

  • 1 Das Wort für Tisch is „shulhan“ und leitet sich von einer Wurzel ab, die „senden“ oder „darreichen“ bedeutet – gemeint ist ein Gegenstand, der die Möglichkeit bietet, Nahrung darauf bereitzustellen. Das Wort Siloam in Johannes 9 ist dasselbe, und der inspirierte Schreiber verrät dort, dass es „Gesandt“ bedeutet.
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