Vorträge über die Stiftshütte

Vortrag 14: Der Leuchter

„Und er machte den Leuchter aus reinem Gold; in getriebener Arbeit machte er den Leuchter, seinen Fuß und seinen Schaft; seine Kelche, seine Knäufe und seine Blumen waren aus ihm. Und sechs Arme gingen von seinen Seiten aus: drei Arme des Leuchters aus seiner einen Seite und drei Arme des Leuchters aus seiner anderen Seite. Drei Kelche, mandelblütenförmig, an dem einen Arm: Knauf und Blume; und drei Kelche, mandelblütenförmig, an dem anderen Arm: Knauf und Blume; so für die sechs Arme, die vom Leuchter ausgingen. Und an dem Leuchter vier Kelche, mandelblütenförmig: seine Knäufe und seine Blumen; und zwar ein Knauf unter zwei Armen aus ihm und wieder ein Knauf unter zwei Armen aus ihm und wieder ein Knauf unter zwei Armen aus ihm für die sechs Arme, die von ihm ausgingen. Ihre Knäufe und ihre Arme waren aus ihm; der ganze Leuchter eine getriebene Arbeit aus reinem Gold. Und er machte seine sieben Lampen und seine Dochtscheren und seine Löschnäpfe aus reinem Gold. Aus einem Talent reinem Gold machte er ihn und alle seine Geräte“ (2. Mose 37,17–24).

Als nächster Gegenstand im Heiligtum soll uns nun der goldene Leuchter beschäftigen. Wie der Sühndeckel wurde er aus reinem Gold getrieben – kein Stück Akazienholz wurde darin verarbeitet. Bezüglich seiner Form gab es detaillierte Anweisungen. Was seine Größe betrifft, hat man Vermutungen angestellt, und manche denken, dass seine Höhe in etwa mit der des Tisches übereingestimmt haben müsse. Aber wo die Schrift schweigt, ist es weise, wenn wir es ihr gleichtun, wobei wir doch nach den Gründen für dieses Schweigen fragen und vielleicht daraus etwas lernen können. Wir wollen das mit der Hilfe des Herrn tun, nachdem wir die Bedeutung des Leuchters verstanden haben.

Der Leuchter wurde aus einem Talent Gold gemacht, was (Stand 1914) einem Materialwert von $27.000 entspricht. Damit scheint ein großer und prächtiger Gegenstand machbar zu sein. Seine allgemeine Form kann leicht der gegebenen Beschreibung entnommen werden. Er hatte einen Fuß, der als feste Grundlage diente. Daraus kam der Schaft oder Hauptstamm hervor. Aus diesem mittigen, aufrechten Schaft verzweigten sich in gleichen Abständen drei Paare von einander gegenüberstehenden Seitenarmen. Zusammen waren es also sechs Arme. Diese Arme und auch der Mittelschaft waren mit Kelchen, Knäufen und Blumen verziert – wie Mandeln (so die englische Authorized Version). Man vermutet, dass die „Kelche“ wie Mandeln aussahen. Die „Blumen“ sprechen für sich selbst. Und die „Knäufe“ lassen an runde, ungeöffnete Knospen denken. Andere, wie die englische Revised Version, übersetzen das erste Wort mit „Mandelblüte“. Dann bezeichnen die runden Knäufe die Frucht, und die „Blume“ wäre die Knospe. In jedem Fall haben wir die drei Bestandteile der Mandel – Knospe, Blüte und gereifte Frucht – an jedem Arm versammelt.

Der Mittelschaft hatte vier Kelche oder Mandeln mit Knäufen und Blumen: Je ein Verbund (aus Kelch, Knauf und Blume) voneinander getrennt unterhalb eines jeden der Armpaare, während der vierte Verbund wahrscheinlich oben angebracht war, um als Fassung für die Lampe zu dienen. Gleicherweise hatte jeder Arm drei solche Verbünde: einen wahrscheinlich wie beim Mittelschaft am oberen Ende, und die anderen zwei irgendwo über seine Länge verteilt. Auf das Ende eines jeden Arms wurde eine goldene Lampe gesetzt. Das Erscheinungsbild des Leuchters insgesamt entsprach so einem goldenen Mandelbaum mit Knospen, Blüten und Früchten; und aus der Spitze jedes Zweiges und des Mittelstamms strahlte das Licht hervor. Sieben Lampen gaben so ihr Licht am heiligen Ort. In dem Gesicht Sacharjas haben wir zwei Olivenbäume, einen auf jeder Seite des goldenen Leuchters, die den Leuchter mit Öl versorgten (Sach 4,1ff.). Hier aber ist der Gedanken des Baums nur angedeutet in der verzweigten Erscheinung des Leuchters mit seinen Blüten und Früchten.

Wenngleich er allgemein im ganzen Heiligen Licht verbreiten sollte, wird der Leuchter doch in Verbindung mit jedem Gegenstand dort einzeln erwähnt. Er wurde „dem Tisch gegenüber“ aufgestellt (2. Mo 40,24.25), der so ganz von ihm erleuchtet war. Er wird auch in Verbindung mit dem Räuchern des Räucherwerks auf dem goldenen Altar erwähnt (2. Mo 30,7.8). Und seine sieben Lampen sollten „vor dem Leuchter hin scheinen“, um ihn selbst ins Licht zu stellen und die Schönheit seiner Bauweise hervorzuheben. So stand jeder Einrichtungsgegenstand im klaren Licht des Leuchters, und in diesem Licht konnte an jedem der Dienst ausgeführt werden.

Das zu verwendende Öl wurde gesondert bereitgestellt (2. Mo 27,20.21). Es war der reinste Teil der Olive – „zerstoßenes Olivenöl“ – womit das, was anderweitig gewonnen werden konnte, für andere Zwecke übrig blieb. Die Kinder Israel brachten es. Gott hat seine Freude darin, sein Volk dafür zu gebrauchen wie auch für jeden anderen Dienst, zu dem es geeignet ist.

Zuletzt müssen wir noch über die Dochtscheren und Löschnäpfe sprechen, mit denen die Dochte getrimmt und die verbrannten Dochtteile weggeschafft wurden. Diese Geräte und auch die Lampen wurden alle aus reinem Gold gemacht. Das Zurichten hatte jeden Morgen zu geschehen, damit das Licht im Heiligtum niemals nachließ. Es war in Verbindung mit der Zurichtung der Lampen am Morgen und ihrem Anzünden am Abend, dass das Räucherwerkt geräuchert werden sollte, wie wir schon bemerkt haben. Wir wenden uns nun der geistlichen Bedeutung dieser verschiedenen Merkmale zu.

Wir sind bereits mit der Tatsache vertraut, dass Gold ein Symbol für göttliche Herrlichkeit ist – im Unterschied zum Akazienholz, das von der vollkommenen und unverderblichen Menschheit unseres Herrn spricht. Die Gottheit unseres Herrn scheint hier also im Vordergrund zu stehen. Wir haben allerdings in den Mandelknospen, Blüten und Früchten einen Hinweis auf seine Auferstehung, die seine Menschheit und sein Sterben vorraussetzt. Aber wir sehen Ihn hier als den Auferstandenen und Verherrlichten an dem Platz, den Er bei dem Vater hatte, „ehe die Welt war“.

Wir nehmen die Bedeutung der Lampen, die uns eigentlich erst später beschäftigen würden, etwas vorweg und suchen ihre Bedeutung in der Schrift, um zu sehen, in welcher Verbindung sie zu dem sie tragenden Leuchter stehen.

Öl gehörte zu den nützlichsten Erzeugnissen des Landes Israel – für den häuslichen wie für den gottesdienstlichen Gebrauch. Es hatte drei Hauptverwendungen: Zur Speise, für Licht, und zur Salbung. So hatte die Witwe von Zarpat nichts außer „einer Hand voll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug“ (1. Kön 17,12). Die tüchtige Frau hatte einen guten Vorrat von Öl – „bei Nacht geht ihr Licht nicht aus“ (Spr 31,18). David wusch und salbte sich nach dem Tod seines Kindes (2. Sam 12,20). Das sind Beispiele des häuslichen Gebrauchs von Öl, und die gottesdienstliche Verwendung war ähnlich. So wurde das Speisopfer, wenn es ein Ofengebäck war, aus Feinmehl „gemengt mit Öl“ oder „gesalbt mit Öl“ zubereitet (3. Mo 2,4). Den Gebrauch des Öls zum Licht betrachten wir gerade in den Lampen des Heiligtums. Und es wurde stets zur Salbung und Weihung von Menschen, Orten und Gegenständen verwendet. So wurden Priester gesalbt (2. Mo 28,41) und auch die Stiftshütte samit all ihren Einrichtungsgegenständen (2. Mo 40,9). David sowie alle Könige Judas wurden gesalbt (2. Sam 2,7; 1. Kön 1,34). Der Prophet Elisa musste gesalbt werden (1. Kön 19,16). Ein bemerkenswerter Fall ist die Salbung des Denkmals in Bethel durch Jakob (1. Mo 28,18; 31,13), wobei er den Ort als das „Haus Gottes“ aussonderte, ein gewisser Vorgriff auf die Stiftshütte. Wie wohl bekannt ist, bedeutet „Messias“ „Gesalbter“. Die Bezeichnung „der Gesalbte des Herrn“ wurde stets auf Könige angewandt und war der anerkannte Titel unseres Herrn. „Christus“ ist bloß die griechische Entsprechung für Messias, den „Gesalbten“ (Ps 2,2; 18,51; 84,10; Dan 9,25.26).

Im gottesdienstlichen Gebrauch scheint das Salben die hautsächliche Verwendung des Öls gewesen zu sein, und vielleicht können wir sagen: es ist auch der abschließende Gedanke. Dass Jakob in Bethel das Denkmal salbte, ist die erste Erwähnung der Verwendung von Öl überhaupt in der Schrift, und es wird dort der Gedanke des Heiligens oder Beiseitesetzens für Gott geweckt, der – wie alle Gedanken Gottes – seine volle Bedeutung in seinem geliebten Sohn, dem Gesalbten, erhält. Die Bedeutung des Öls unter diesem Gesichtspunkt ist klar, und einige Schriftstellen zeigen sie uns: „Siehe, die Himmel wurden ihm aufgetan, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herniederfahren und auf ihn kommen“ (Mt 3,16). Wir haben einen inspirierten Kommentar dazu in der Rede des Petrus an die Schar im Haus des Kornelius, wo er ausgehend von der Taufe Jesu zeigt, „wie Gott ihn mit Heiligem Geist und mit Kraft gesalbt hat, der umherging, wohltuend und alle heilend, die von dem Teufel überwältigt waren; denn Gott war mit ihm“ (Apg 10,38). Derselbe Geist gab an Pfingsten in den Jüngern dem auferstandenen und verherrlichten Christus Zeugnis. Die Salbung Davids durch Samuel verbindet seine Beiseitesetzung zum König aufs engste mit der Kraft des Geistes, die für diese erhobene Stellung nötig ist (1. Sam 16,13).

Die Beiseitesetzung durch Salbung geschah somit vor allem zum Dienst und zu göttlichen Aufgaben, sowohl bei Stiftshütte, Priestern und Propheten, als auch bei Königen. Diese Ausstattung zum Dienst geschah in zweifacher Hinsicht – für die unmittelbare Anbetung Gottes, und für Regierung und Zeugnis gegenüber Menschen. Es ist Letztgenanntes, das wir besonders mit dem Dienst unseres Herrn verbinden. Und kommen wir an dieser Stelle nicht zu dem zusätzlichen Gedanken des Lichts? „Und Jesus kehrte in der Kraft des Geistes nach Galiläa zurück, und die Kunde über ihn ging aus durch die ganze Gegend. Und er lehrte in ihren Synagogen, geehrt von allen“ (Lk 4,14.15). Derselbe Evangelist fährt direkt fort mit dem Bericht seines Besuchs in Nazareth, wo Er aus dem Propheten Jesaja las: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen“ (Verse 16–22). Hier haben wir den Schein der Lampe des Zeugnisses in der Kraft des Heiligen Geistes. Dasselbe können wir von der Offenbarung des Geistes am Pfingsttage sagen: „Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden Einzelnen von ihnen“ (Apg 2,3). Die Gedanken von Licht und Zeugnis scheinen hier miteinander verbunden zu sein, wie es auch in einem anderen Abschnitt ist, wo zwar von dem Geist nicht die Rede ist, wohl aber von Zeugnis: „unbescholtene Kinder Gottes inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter dem ihr scheint wie Lichter in der Welt, darstellend das Wort des Lebens“ (Phil 2,15.16).

Wenn wir zum Alten Testament zurückkehren, so finden wir die Gedanken der Salbung und einer Lampe miteinander verbunden: „Dort will ich das Horn Davids wachsen lassen, habe eine Leuchte für meinen Gesalbten zugerichtet“ (Ps 132,17). „Damit mein Knecht David alle Tage eine Leuchte vor mir habe“ (1. Kön 11,36). David selbst wurde „die Leuchte Israels“ genannt (2. Sam 21,17), und in weit höherem Sinn bezeichnet unser Herr Jesus selbst sich als „das Licht der Welt“ (Joh 8,12). Wir sehen also, dass Öl ein Bild des Heiligen Geistes ist. Die Salbung geschieht durch Ihn und gibt Kraft zum Licht und Zeugnis.

Als nächstes kommen wir dazu, wie die Schrift selbst die Bedeutung der Lampen, die in der Gegenwart Gottes stehen, auslegt: „Und sieben Feuerfackeln brannten vor dem Thron, die die sieben Geister Gottes sind“ (Off 4,5). Die Ähnlichkeit zum goldenen Leuchter mit seinen sieben Lampen ist so deutlich, dass man die Auslegung darauf wohl ebenso anwenden kann wie auf das Symbol in der Offenbarung, deren Szene mit Thron und Räucheraltar uns an Stiftshütte und Tempel erinnert.

Wir kommen jetzt auf die Bedeutung des Leuchters zurück. Wir haben gelernt, dass die Lampen symbolisch für das Licht des Heiligen Geistes stehen, durch den das Heiligtum Gottes erleuchtet wird, und werden das später noch genauer betrachten, aber jetzt wollen wir uns fragen: Was stellt der Leuchter, der diese Lampen trägt, uns vor? Wir haben die Antwort eigentlich schon gegeben, denn in jedem Einrichtungsgegenstand wird uns Christus vorgestellt. Der Leuchter ist dabei keine Ausnahme. Dass er nur aus Gold gefertigt war, stellt seine Gottheit vor. Seine Menschheit tritt dabei nur als Nebengedanke auf. Wir werden das nun umfassender betrachten. Das Gold hatte die Form eines Mandelbaums mit sieben Zweigen, an denen Knospen, Blüten und Früchte waren. Die Zahl sieben spricht von der Vollkommenheit unseres Herrn als Quelle und Träger des Lichts. Die Mandelblüten und -früchte haben ebenfalls ihre besondere Bedeutung.

Wir erinnern uns sicher daran, wie Gott zeigen wollte, dass Aaron der göttlich bestimmte Priester war. Um das Murren der Kinder Israel verstummen zu lassen, sollte jeder Stamm einen Stab bringen, der vor den Herrn hingelegt wurde (4. Mo 17). „Und es geschah am nächsten Tag, als Mose in das Zelt des Zeugnisses hineinging, siehe, da hatte der Stab Aarons, vom Haus Levi, gesprosst: Er hatte Sprossen getrieben und Blüten gebracht und Mandeln gereift“ (V. 23). Die drei Stufen des Lebens werden hier also erwähnt: Knospe („Sprossen“), Blüte und Frucht. Zwei dieser Worte sind im Grundtext dieselben oder Verwandte derer, die auch in der Beschreibung des Leuchters verwendet werden – „Sprossen“ (dort „Blumen“) und „Mandeln“ (dort „mandelblütenförmig“) – was den Gedanken bestätigt, dass alles dort von der Natur des Mandelbaums redet.

Die Stäbe der einzelnen Stämme sind völlig von der Wurzel, von ihrem ursprünglichen Leben, abgetrennt. Wenn sie jetzt irgendein Lebenszeichen aufweisen würden, dann wäre es getrennt von dieser Wurzel. Es würde eine Wiedereinpflanzung des Lebens sein – mit anderen Worten: das Werk Gottes. Aber die Stäbe der Stämme blieben tot. Der von Aaron aber wies nicht nur Lebenszeichen auf, sondern brachte mit Knospe, Blüte und Frucht auch das volle Ergebnis des Lebens hervor. Es war ein Werk Gottes, das für immer jede fremde Beanspruchung des Platzes der Ehre und des Dienstes, den Er Aaron gegeben hatte, verstummen ließ. „Niemand nimmt sich selbst die Ehre, sondern er wird von Gott berufen wie auch Aaron“ (Heb 5,4).

Aber Gott unterwies damit nicht nur Israel, sondern erteilte Lektionen der Gnade und Wahrheit für alle Zeiten. Er wollte dem Menschen zeigen, wer allein der wahre Priester ist, den Er erhöht hat. Wie auch in all seinem übrigen Handeln kennzeichnen auch hier allein völlige Gerechtigkeit und Wahrheit sein Handeln. Es konnte nur einen Priester geben. Denn allein der Sohn Gottes, der Mensch wurde, war befähigt, Gott zu nahen und für ein schuldiges und sündiges Volk den Zugang zu öffnen. Das wird noch deutlicher vor uns stehen, sobald wir das Priestertum zum Thema haben. Für jetzt genügt es zu sehen, auf welche Art Gott beweist, dass Christus wirklich sein Priester ist.

Wie die Stäbe abgeschnitten wurden, so wurde auch unser Herr „abgeschnitten aus dem Land der Lebendigen“ (Jes 53,8). Dieses fleckenlose und vollkommene Leben, das nicht wie die ganze menschliche Familie unter dem Urteil des Todes stand, wurde willig als Opfer hingegeben. Aber jenseits des Grabes gestattet Gott uns, ins Heiligtum zu blicken und dort den gepriesenen Herrn zu sehen als aus den Toten auferstanden. Seine Jünger hatten das Kreuz betrachtet, hatten am Grab verweilt und grübelten angesichts seines ganzen wundersamen Lebens, wovon sie sagten: „Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen solle“ (Lk 24,21). Aber gerade als der Glaube seinen Tiefpunkt erreicht, beginnt aus dem Grab Licht zu leuchten in den Worten: „Doch auch bei all dem ist dies heute der dritte Tag, seitdem dies geschehen ist. Aber auch einige Frauen von uns haben uns außer uns gebracht: Am frühen Morgen sind sie bei der Gruft gewesen, und als sie seinen Leib nicht fanden, kamen sie und sagten, dass sie auch eine Erscheinung von Engeln gesehen hätten, die sagen, dass er lebe“ (Lk 24,21–23). Das war, von ihnen selbst unbemerkt, bereits die Dämmerung des Auferstehungsglaubens, der nur die Bestätigung des Wortes brauchte, um ihre Herzen brennend zu machen und sie für die unmittelbare Offenbarung des auferstandenen Herrn vorzubereiten.

„Der Herr ist wirklich auferweckt worden“ (Lk 24,34). Aber wie viel bedeutet das! Es ist Gottes Siegel auf jedes Wort, das Er gesprochen hat, und alles, was Er während seines Lebens getan hat, und es ist die völlige Umkehrung des Gerichts dieser Welt – politisch und religiös – die Ihn abgelehnt und hinausgeworfen hat als Übeltäter und Gotteslästerer. Mehr noch, es ist Gottes Erklärung seiner Annahme des Opfers für die Sünde, das unser Herr auf dem Kreuz gestellt hat. Weiter bekundet es, dass der Tod keine Macht über Ihn hat, dass Satans Macht für immer zerstört ist, und dass Gottes Heiliger nicht die Verwesung sehen konnte (Apg 2,27.31). „Wir wissen, dass Christus, aus den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt“ (Röm 6,9).

Der Tod hatte immerzu dem Priesterdienst eines jeden aus dem Haus Aaron ein Ende bereitet, „weil sie durch den Tod verhindert waren zu bleiben; dieser aber, weil er in Ewigkeit bleibt, hat ein unveränderliches Priestertum“ (Heb 7,23.24). Dieser Priester ist „nicht nach dem Gesetz eines fleischlichen Gebots geworden, sondern nach der Kraft eines unauflöslichen Lebens“ (Heb 7,16). Während Er dieses Leben in sich selbst schon immer besaß, war es doch durch seine Auferstehung, dass es in Kraft erwiesen wurde. Es war, nachdem Er durch die Leiden Golgathas gegangen war und „vollendet worden“ ist – „am dritten Tag werde ich vollendet“ (Lk 13,32) – dass Er in der Auferstehung „von Gott begrüßt“ wurde „als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks“ (Heb 5,10).

Die Auferstehung ist daher Gottes Beweis des ewigen Priestertums seines geliebten Sohnes. Und das scheinen uns die Mandelknospen, -blüten und -früchte an den Zweigen des goldenen Leuchters vorzustellen. Das hebräische Wort für „Mandeln“ bedeutet „wachsam“ oder „eilend“. Man sagt, der Mandelbaum sei so bezeichnet worden, weil er als der erste Baum nach dem Winter erwacht und schon im Januar Knospen bildet. Darin liegt ein treffender Hinweis auf den „Erstling der Entschlafenen“ (1. Kor 15,20). Die Knospen betonen das, denn sie sind das erste Anzeichen des Lebens, dessen volle Darstellung in Blüte und Frucht ist. So war die Auferstehung unseres Herrn – wenn wir das so sagen dürfen – nicht nur der Anfang eines Lebens, das noch Früchte tragen würde, sondern war göttlich vollkommen und vollendet, als Er den Platz auf dem Thron seines Vaters einnahm.

Es ist vielleicht schwierig, diesen Gedanken auszudrücken, aber haben wir nicht eine Illustration dieser Graduierung in den Beweisen seiner Auferstehung? Der weggewälzte Stein, das leere Grab, die ordentlich daliegenden Leinentücher, und das gesondert liegende Schweißtuch – kein Zeichen des Kampfes, sondern vielmehr Zeugnisse, dass der Fürst des Lebens von seinem Todesschlaf auferstanden ist: Das mögen wir als die „Knospen“ bezeichnen, die ersten Zeichen seiner Auferstehung. Der Engel, der den Stein wegwälzte und sich darauf setzte (Mt 28,2), der Jüngling, der zur Rechten des Grabes saß (Mk 16,5), die „Erscheinung von Engeln“, welche die Frauen sahen, die früh zum Grab kamen (Lk 24,23), die zwei Engel in weißen Kleidern, von denen einer zu dem Haupt und einer zu den Füßen saß, da, wo der Leib Jesu gelegen hatte (Joh 20,12): Diese könnten wir als die „Blüten“ des Mandelstabs bezeichnen, es sind weiter fortgeschrittene Zeugnisse seiner Auferstehung. Zuletzt seine eigene persönliche Offenbarung gegenüber Maria Magdalene, Petrus, den Frauen, den zwei Emmaus-Jüngern, den im Obersaal versammelten Jüngern, und denen ein zweites Mal, als auch Thomas dabei war, dann wiederum am See von Tiberias und am Berg in Galiläa: diese und andere „sichere Kennzeichen“ könnten als die volle Mandelfrucht bezeichnet werden. Schon das leere Grab war dem Glauben ein kostbares Glück, und für Johannes war es genug (Joh 20,8); das Zeugnis der Engel hatte noch mehr Gewicht; aber die Krönung von allem war, Ihn selbst zu sehen, zu betasten, Ihn essen zu sehen, reden zu hören – das war wirklich die volle Frucht. Ja, der Mandelstab hat sie hervorgebracht.

Wir können sicher sein, dass Gott dies alles zur Freude und Stärkung des Glaubens hat aufschreiben lassen und möchte, dass wir darüber nachsinnen und uns nicht mit einer einzelnen „Knospe“ oder „Blüte“ zufrieden geben, sondern unsere Augen sich an der siebenfachen Schönheit und dem überschwänglichen Zeugnis der Auferstehung des Herrn erfreuen. So zählt der Apostel in dem großen Kapitel der Auferstehung einige „Mandeln“ der Erscheinungen unseres Herrn vor seinem geliebten Volk noch einmal auf: „...dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften; und dass er Kephas erschienen ist, dann den Zwölfen. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten bis jetzt übrig geblieben, einige aber auch entschlafen sind. Danach erschien er Jakobus, dann den Aposteln allen; am Letzten aber von allen, gleichsam der unzeitigen Geburt, erschien er auch mir“ (1. Kor 15,4–8). Wir müssen nicht denken, dass der Apostel oder einer der Evangelisten eine vollständige Liste dieser Erscheinungen geben wollte. Jeder hat unter der Leitung des Geistes das angeführt, wozu es in seiner Erzählung der Dinge einen besonderen Grund gab, und das völlig wahrheitsgemäß.

Wir können die Knospen, Blüten und Früchte des Mandelbaums darüberhinaus als die verschiedenen Stufen des Verständnisses göttlicher Wahrheiten betrachten, wie sie im auferstandenen Herrn dargestellt werden und den drei verschiedenen Zuständen der Heiligen als „Kinder“, „Jünglinge“ und „Väter“ entsprechen (1. Joh 2,14) – eine Gnadenfülle, die sich jedem anpasst, und allein in Ihm ihren Mittelpunkt hat. Das scheint uns auch daran zu erinnern, dass der Eintritt in die göttliche Herrlichkeit den Gepriesenen nicht verändert hat, denn Er ist „derselbe gestern und heute und in Ewigkeit“ (Heb 13,8). Könnte irgendetwas der Frische und Kraft, die jede Etappe im Leben unseres Herrn hienieden gekennzeichnet hat, in der Herrlichkeit verloren sein? Es bleibt gewiss in dieser Herrlichkeit auf ewig unverändert. In Verbindung mit seinem Priestertum nach der Ordnung Melchisedeks wird von Ihm gesagt: „Aus dem Schoß der Morgenröte wird dir der Tau deiner Jugend kommen“ (Ps 110,3). Jene, die Ihn als kleines Kind in Bethlehem angebetet haben, die bestaunten, wie sich die Blüte seiner vollkommenen Kindheit formte, und die später die reiche Frucht seines Erwachsenenalters sahen, werden all das in göttlicher Frische droben bewahrt finden. Wie, das wissen wir nicht. Aber bei dem Herrn verdrängt ein Ding nicht das andere. Er fährt von dem einen zum anderen fort, und in diesem Sinn gibt es Fortschritt, während in einem anderen Sinn alles bleibt. Das Manna, die Wüstenspeise, die im goldenen Krug aufbewahrt wurde, weist auf einen ähnlichen Gedanken hin. Bei Ihm, dem göttlich Vollkommenen, ist es nicht so, dass Gereiftheit einen vorigen Zustand der Unreife als dessen Gegenteil voraussetzt. Bei uns bedeutet Unreife, dass etwas fehlt, worauf wir warten müssen. Er aber war auf jeder Stufe vollkommen, und nichts fehlte. Deshalb kommt alles in der Herrlichkeit des Himmels zur Darstellung.

Aber in der Wahl des Materials scheint, wie gesagt, der Schwerpunkt auf seiner Gottheit zu liegen, obwohl die Gestaltungsform klar von seiner Menschheit und Auferstehung spricht. Der Grund dafür kann vielleicht in den folgenden zwei Schriftstellen gesehen werden: „Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Sachwalter geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit“ (Joh 14,16.17). „Wenn ich nicht weggehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden“ (Joh 16,7).

In der ersten dieser Schriftstellen wird uns gesagt, dass der Heilige Geist als Gabe des Vaters und als Antwort auf die Bitte des Sohnes kommen sollte. Eine göttliche Person, der Geist, wird durch den göttlichen Vater gegeben. Aber das könnte jemand so affassen – denn das Herz des natürlichen Menschen neigt immer dazu, den Sohn Gottes herabzuwürdigen – als sei es eine Leugnung der wesenseigenen Gottheit und Gleichheit des Sohnes mit dem Vater. In der zweiten Schriftstelle wird dieser Gedanke daher widerlegt: „... werde ich ihn zu euch senden“, oder, wie Petrus an Pfingsten verkündet: „Nachdem er nun durch die Rechte Gottes erhöht worden ist und die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater empfangen hat, hat er dies ausgegossen, was ihr seht und hört“ (Apg 2,33). Ist es nicht besonders passend, dass die Sendung des Geistes durch den Sohn als eine göttliche Person geschieht? Das erklärt das Fehlen des Akazienholzes als Material des Leuchters, obwohl seine Gestaltung umso überschwänglicher von der Auferstehung dessen zeugt, der Knechtsgestalt angenommen hatte. Auch können wir niemals wirklich die zwei Naturen unseres Heilands voneinander trennen, denn Er hat aus freiem Willen seinen Vorsatz verkündet, zu „dienen auf ewig“ (2. Mo 21,1–6). Ein anderer Abschnitt zeigt uns, wie völlig der Sohn mit dem Vater eins ist in Verbindung mit dem Heiligen Geist. „Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn nämlich Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot der Sünde wegen, der Geist aber Leben der Gerechtigkeit wegen. Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes“ (Röm 8,9–11). Hier kann es kein Missverständnis geben. Der Geist Gottes ist auch der Geist Christi. Er ist auch der Geist dessen, der „Jesus“ aus den Toten auferweckt hat – und „Christus“. Hier haben wir also überreichliche Beweise, dass der Geist durch unseren Herrn nach seiner Auferstehung gesandt worden ist, aber auch die Tatsache, dass Er durch den Vater gegeben worden ist. Das soll bezüglich des Materials des Leuchters genügen.

Wir kommen nun zu einer Schriftstelle, die auf wunderbare Weise die Bedeutung der sieben Arme des Leuchters erklärt: „Und ein Reis wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais, und ein Schössling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen. Und auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn; und sein Wohlgefallen wird sein an der Furcht des Herrn. Und er wird nicht richten nach dem Sehen seiner Augen und nicht Recht sprechen nach dem Hören seiner Ohren; und er wird die Geringen richten in Gerechtigkeit und den Sanftmütigen des Landes Recht sprechen in Geradheit. Und er wird die Erde schlagen mit der Rute seines Mundes, und mit dem Hauch seiner Lippen den Gottlosen töten“ (Jes 11,1–4).

In dieser Stelle wird der Herr als der wahre Herrscher und Richter vorgestellt, der für die Rechte der schwachen und bedürftigen der Seinen eintritt und das Gericht über die bösen Menschen ausführt. Er ist der wahre Sohn Isais, von dem David ein Vorbild ist. Seine Befähigung für diesen erhabenen Platz wird uns in der siebenfältigen Ausstattung mit dem Geist gegeben. Es fällt auf, dass hier zunächst von dem Geist des Herrn allein gesprochen wird, was dem Mittelstamm entspricht, es ist die Einheit des göttlichen Wesens. Nachfolgend haben wir drei paarweise Bezeichnungen, sodass wir eine erstaunliche Entsprechung zu den drei Paaren von Armen haben, die zusammen mit dem Mittelstamm den Leuchter bildeten. Das erste Paar ist „der Geist der Weisheit und des Verstandes“. „Weisheit“ ist Kenntnis verbunden mit gesundem Urteilsvermögen. Man findet das Wort in Hiob und Prediger, wo es tatsächlich meist menschliche Weisheit meint, und im Buch der Sprüche, wo es davon redet, was für den Weg durch diese Welt nötig ist, aber auch von jener göttlichen Weisheit, die als Person von Anfang an als Genosse und Werkmeister bei dem Herrn war – als der ewige Sohn Gottes. Der Ausdruck „Verstand“ ist von einem Wort abgeleitet, das „trennen“ oder „unterscheiden“ bedeutet und somit jenes Unterscheidungsvermögen andeutet, das mit der Weisheit notwendigerweise einhergeht.

Wie wahrhaft haben diese zwei Attribute des Geistes den Herrn geprägt. Von Kind auf war Er durch „Weisheit“ gekennzeichnet, und als Er ausging, seinen Dienst auszuführen, war alles, was Er sprach und tat von der Weisheit und dem Verstand des Geistes gekennzeichnet. Er wusste nicht nur, was Er zu tun und zu sagen hatte, sondern auch wie, wann und wo.

Von „Rat“ vermutet man, dass es sich von einem Wort ableitet, das „stark sein“ und auch „befehlen“ bedeutet; daher auch „Rat geben“. Und deutet das nicht an, was jeder wahre Rat ist – nämlich bindend wie ein Befehl? So lehrte unser Herr „wie einer, der Vollmacht hat“. Wie war sein Leben gefüllt von diesem göttlich vollkommenen Rat! Das passende Begleitstück dazu war der Geist der „Kraft“, der nur scheinbar einen Gegensatz dazu bildet, aber in Wirklichkeit damit verbunden ist und es ergänzt, um so eine ausgewogene Darstellung der Wirkung des Geistes zu geben. Wenn wir an all seine mächtigen Gnadentaten gegenüber Hilflosen und Bedürftigen denken, dann sehen wir, wie völlig der Geist der Kraft auf Ihm ruhte, als Er durch den Geist seine Wunder wirkte (Lk 4,14).

Die letzten zwei Attribute des Geistes sind „Erkenntnis“ und „Furcht des Herrn“. Erkenntnis ist, wonach die Welt giert. Sie sucht danach, um sich selbst als unabhängig von Gott zu beweisen. So kam am Anfang die Sünde in die Welt. Es war ein Begehren der Erkenntnis, und zwar unabhängig von Gott und in Ungehorsam. Das Ergebnis war eine verderbte Welt unter dem gerechten Gericht Gottes. Erkenntnis kann nur von rechtem Wert sein, wenn sie von Gott kommt, als sein Geschenk. Die Weisheit und Erkenntnis der Welt haben bloß dazu gedient, die Erkenntnis Gottes auszuschließen: „weil ja ... die Welt durch die Weisheit Gott nicht erkannte“ (1. Kor 1,21). Der Grund ist klar und deutlich: Der Stolz des Menschen hat die Furcht Gottes abgeschüttelt, aber „die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis“ (Spr 1,7). Wenn die Erkenntnis dazu dient, den Menschen aufzublähen, sodass er denkt, er sei wie Gott (1. Mo 3,5), dann kann sie bloß noch verheerendere Ergebnisse hervorbringen als reine Unkenntnis. Bildung ohne Gottesfurcht nährt den Unglauben. Es ist nicht wahr, dass – wie Rom gelehrt hat – Unkenntnis die Mutter der Frömmigkeit ist (es sei denn, es ist die „Frömmigkeit“, die Bildern und Reliquien Verehrung entgegenbringt). Aber auch Erkenntnis ist nicht die Mutter der Anbetung. Es braucht dazu etwas, das von oben kommt.

Aber wie vollkommen war bei unserem Herrn Erkenntnis mit der Furcht des Herrn verbunden. Er wusste alles. Er wusste, was in dem Menschen war. Er hätte alle Geheimnisse der Natur erzählen können, die Wunder und Herrlichkeiten des Himmels. Aber wir suchen vergeblich nach einem Wort, das zur reinen Befriedigung der Neugier diente. Wie wahrhaft ehrte Er seinen Gott und Vater. Gehorsam kennzeichnete jede Regung seines Wesens. Die Furcht des Herrn war maßgeblich bei allen Schätzen der Erkenntnis, die Er offenlegte. Welch wunderbare Erkenntnis hat Er daher offenbart – Erkenntnis des Herzens Gottes, seines Wesens und seines Willen. Sie kennzeichnete seine ganze Lehre und all seine Werke. Und was im ganzen Bericht seines Lebens so offenkundig ist, kennzeichnet auch die Schrift, denn sie ist als Ganzes „das Wort des Christus“ (Kol 3,16). Die Bibel ist eine Schatzkammer göttlicher Kenntnis, aber der einzige Schlüssel sie zu öffnen ist „die Furcht des Herrn“. Sie ist ein Buch für das Gewissen und nicht für den bloßen Intellekt. Ja, sie enthält Höhen und Tiefen der Erkenntnis, aber nur, wer „mit aller Demut“ (Apg 20,19) dem Herrn dient, kann sie erfassen. Diese sechs Kennzeichen sind also die verschiedenartigen Ausprägungen des einen Geistes des Herrn, der auf unserem Herrn ruhte. Alles war göttlich vollkommen.

Der Leuchter war ganz aus Gold. Wir erinnern uns sicher, dass es immer das Werk des Geistes ist, Christus zu verherrlichen (Joh 16,14). Wie das Licht auf den Leuchter fallen sollte (2. Mo 25,37), so zeigt der Geist die Herrlichkeiten und Vollkommenheiten des Herrn Jesus. Es war durch das Licht des Leuchters, dass man den Tisch mit den Schaubroten sehen konnte. Und so ist es durch den Heiligen Geist, dass die Vollkommenheiten Christi als des Brotes Gottes, das sein Volk in der Gemeinschaft erhält, offenbart werden. Nur durch Ihn können wir wohlgefällige Anbetung bringen, und nur durch Ihn können wir folglich das Wesen und die Vollkommenheiten Christi erfassen, der den Geist herabgesandt hat. Es ist nicht der Dienst des Geistes, uns mit Ihm selbst zu beschäftigen – auch wenn Er als göttliches Wesen eins ist mit dem Vater und dem Sohn – sondern mit dem Herrn Jesus Christus. So erbringen wir den Beweis unserer Neugeburt auch nicht, indem wir in uns hinein auf das Werk des Geistes in unserer Seele schauen, sondern indem wir zu Ihm blicken, der „für Gottlose gestorben“, sowie „unserer Übertretungen wegen hingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist“ (Röm 5,6; 4,25). Früchte der Gnade sind für das Auge Gottes bestimmt, nicht für das eigene Ich. Die Früchte, auf die wir schauen sollen, sind jene wunderbaren Knospen, Blüten und Mandelfrüchte des auferstandenen Herrn. Er ist der Frucht bringende Baum, und das volle Licht des Geistes ergießt sich über all seine Vollkommenheiten.

Daher ist Heiligung nicht eine gewisse Kultivierung des Fleisches, sondern die Fähigkeit, zur Freude des Herzen zu erfassen, wer Christus ist; und wahre Unterwürfigkeit Ihm gegenüber. Der Geist sagt einem Gläubigen nicht, dass er irgendetwas in sich selbst erreicht hat, sondern wendet seinen Blick auf den Einen, der das Herz Gottes mit Freude füllt. Das allein bringt wahre Heiligkeit hervor. „Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist“ (2. Kor 3,18). Für den Sünder heißt es „Sieh!“, und für den Heiligen heißt es immer noch „Sieh!“.

Wenn wir zu dem bereits auszugsweise angeführten Abschnitt zurückkehren (Joh 16,7–15), sehen wir den vollkommenen Charakter des Lichtes, das von dem goldenen Leuchter ausstrahlt: „Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden“ (Vers 7). Der Herr muss in unendlicher Gnade die Welt auf dem Weg über das Kreuz verlassen, damit Er den Heiligen Geist senden kann. Christus ist so, als aus den Toten auferstanden und in seine Herrlichkeit eingegangen, der Spender des Lichts. Der Heilige Geist ist gekommen, und wir haben das Wesen seines Lichts erstens in Beziehung zur Welt, zweitens in Beziehung zu den Heiligen, und drittens auch in Beziehung zum Herrn selbst. Sein Zeugnis in Bezug auf die Welt ist dreifach: „Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht“ (Vers 8). Das Licht muss alles bloßstellen und offenlegen, das ihm entgegensteht. So haben wir eine dreifache Überführung: die volle Offenbarung der Sünde, ihr Gegenteil, und das darauf zu erwartende Gericht.

Aber wir sehen, dass dieses Licht des Geistes in der Welt mit Christus verbunden ist: „Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben“ (Vers 9). Die Welt ist voll von Sünde in jeder Form und in jedem Charakter – von den tiefgreifenden schrecklichen Verbrechen, die das Herz mit Entsetzen packen, bis hin zu den „kleinen Sünden“, von denen die Menschen so leichtfertig sprechen (vor den Augen Gottes gibt es so etwas nicht). Aber der Heilige Geist ist nicht nur damit beschäftigt, auf all diese Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen Licht zu werfen, Er wirft seine Strahlen auch auf die Vollkommenheiten Christi und prüft die Welt auf diese Weise. So werden alle gleichermaßen überführt – ob reich oder arm, tugendhaft oder kriminell, intelligent oder ungebildet. In einem sind sie alle gleich: Sie haben nicht an den Herrn Jesus Christus geglaubt. Der vergnügungssuchende Weltbürger, der in seinem Handel aufgehende Geschäftsmann, der zügellose Lebemann und der Mann mit Blut an seinen Händen – sie alle haben das gemein. Die Ursache aller Sünde war die Loslösung von Gott, Unabhänigkeit von Ihm. Und was der Heilige Geist gegen die Welt bezeugt, ist ihre Verwerfung des Heilmittels, das göttliche Gnade bereitgestellt hat.

So zeugt der Geist auch von Gerechtigkeit: „Von Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater hingehe und ihr nicht nicht mehr seht“ (Vers 10). Das Gesetz war eine Erklärung der Gerechtigkeit, die Gott gerechtermaßen vom Menschen forderte. Wenn wir es untersuchen, müssen wir anerkennen, dass seine Forderungen gerecht sind. Aber der Mensch ist gefallen, und das Gesetz kann nur seine Ungerechtigkeit erweisen. Ach! Wäre er nur willig gewesen, seine Ungerechtigkeit einzugestehen, und hätte mit dem Zöllner ausgerufen: „O Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig!“, dann hätte er keine Sünde, denn der Sohn Gottes ist gekommen zur Abschaffung der Sünde durch sein Opfer. Stattdessen hat der Mensch den fleckenlosen Sohn Gottes vor ein Gericht gestellt und ihn auf lästerliche Weise angeklagt. Daher bleibt die Sünde auf ihm. Hier war einer, der allezeit das seinem Vater wohlgefällige tat (Joh 8,29), den keiner der Sünde überführen konnte, und doch verurteilten Ihn Sünder wie einen Mörder zum Kreuz! Und Gott schwieg. Er ließ dem Menschen freien Lauf. Zuletzt versiegelte der Mensch noch den großen Stein vor der Graböffnung.

Sollte solche Bosheit gelingen? Was ist das Zeugnis des Heiligen Geistes zu dieser Sache? Er bezeugt Gottes Gerechtigkeit in der Tatsache, „dass Gott ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt“ (Apg 2,36). Gott ist nicht ungerecht, dass Er den Gerechten dem Vorwurf der Sünde ausgesetzt lassen würde. Er setzt Ihn auf den Thron der Herrlichkeit: Der höchste Platz im Himmel ist seine Antwort an die Welt auf das, was sie getan hat. Und wieder sehen wir, wie jedes Zeugnis von Gerechtigkeit ein Zeugnis von Christus ist.

Der Geist zeugt darüberhinaus auch von Gericht: „Von Gericht aber, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist“ (Vers 11). Das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus war nur scheinbar der Triumph Satans. Es war „eure Stunde und die Gewalt der Finsternis“ (Lk 22,53). Aber eine Lüge kann nie letztgültig über die Wahrheit triumphieren, noch der Lügner über den, der die Wahrheit ist. Satans Bosheit wendet sich zu seinem eigenen Verderben und seine unsagbare Auflehnung gegen Gott, worin er die menschliche Rasse hinter sich vereinte, ging in gerade jener Tat dem Untergang entgegen, die ihm scheinbar die ganze Welt beschaffte. Es ist das Kreuz, der Tod Christi, wodurch Er „den zunichtemachte, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel“ (Heb 2,14). Satan ist gerichtet, und sein selbstgewählter Platz steht für alle Ewigkeit fest.

Aber damit ist die Frage für die Welt abschließend beantwortet. Sie steht nicht länger unter Erprobung. Es besteht keine Frage mehr, was ihre Schuld und den Charakter ihres Gerichts betrifft. Ihr Fürst ist gerichtet und damit ist auch das Gericht über sein Reich ausgesprochen. Der Geist gibt so Zeugnis von Gericht in Verbindung mit Christus und seinem Kreuz.

In seiner eigenen Gnade, die Ausdruck seiner wunderbaren Liebe ist, hat Gott dieses Zeugnis des Geistes gegenüber der Welt mit der Gnade des Evangeliums des Heils verbunden. Wenn die Welt schuldig ist, weil sie nicht an Christus geglaubt hat, dann soll der Mensch nun an Ihn glauben und ewiges Leben bekommen. Die von einem verherrlichten Herrn bezeugte Gerechtigkeit verkündet, dass Gott gerecht ist, wenn Er den rechtfertigt, der des Glaubens an Jesus ist. Satans Gericht wird niemals den erreichen, der – verloren und hilflos, wie er ist – sich auf den Heiland wirft. Einem solchen, der glaubt, bezeugt der Geist, dass er ein Kind Gottes ist.

Das lässt uns erkennen, von welcher Natur das Zeugnis des Geistes für den Glaubenden ist. Gegenüber der Welt zeugt Er von Christus; für den Heiligen gilt dasselbe. „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen“ (Verse 12.13). Vor seiner Verherrlichung hatte der Herr gegenüber seinen Jüngern manches zurückgehalten, das sie noch nicht verstehen konnten. Obwohl Er ihnen oftmals erklärte, dass Er verworfen werden und auferstehen würde, verstanden sie selbst das nicht. Aber alles änderte sich, als Er auferstand und in den Himmel auffuhr. Wenn wir die Worte von Petrus am Pfingsttag lesen, hören wir keinen „undeutlichen Ton“ über die Schuld des Menschen, die Vergebung und das Heil. Das Zeugnis darüber geschah in Erweisungen des Geistes und der Kraft. Und alles drehte sich um die Person unseres Herrn, seinen Tod, seine Auferstehung und Herrlichkeit, sowie sein Wiederkommen. Ja, die „zerteilten Zungen wie von Feuer“ waren das Symbol der Gegenwart des Geistes als das Licht des Zeugnisses – das allein auf Christus schien.

Und Pfingsten war bloß der Beginn dieser Haushaltung des Geistes, in der wir nun leben. Sie ist geprägt worden durch die Gegenwart, Macht und Offenbarung des Geistes, dessen Werk es war, Christus zu verherrlichen. Zuerst war da die volle Offenbarung der Wahrheit: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten“. Christus ist die Wahrheit. Er allein hat gezeigt, wer Gott ist und was der Mensch ist. Wir haben gesehen, was das Zeugnis des Geistes gegenüber der Welt ist. Sein Zeugnis gegenüber den Heiligen ist, sie in eine Kenntnis der Fülle des Christus zu leiten. Das sehen wir geschichtlich in der Apostelgeschichte, wo der auferstandene und aufgefahrene Herr die Quelle aller Macht und alles Zeugnisses ist und die Kirche Schritt für Schritt aus dem Judentum in die Fülle der christlichen Freiheit führt. Und was für unausforschliche Schätze der Wahrheit entfalten uns die Briefe, besonders die des Paulus: „den unergründlichen Reichtum des Christus“! Dieses „auserwählte Gefäß“ wurde, so können wir sagen, durch das Licht des goldenen Leuchters berufen. Er sah „ein Licht, das den Glanz der Sonne übertraf“, und dieses Licht offenbarte Jesus, den er verachtet und gehasst hatte, den demütigen Nazaräer, auf dem Thron der Herrlichkeit. In diesem Licht erkannte Paulus sich selbst als einen verlorenen Sünder, all seinen „Gewinn“ im Judentum als ein unflätiges Kleid. Der Gegenstand, der seine Seele völlig in Beschlag nahm, war Christus (Phil 3,4–8). Gott hatte ihm seinen Sohn offenbart (Gal 1,16), und seine Augen wurden blind für alles übrige. So hatte schon sein erstes Zeugnis in Damaskus die Gottheit Christi zum Thema: „Und sogleich predigte er in den Synagogen Jesus, dass dieser der Sohn Gottes ist“ (Apg 9,20). Hier geschah sowohl eine Offenbarung der Herrlichkeiten des goldenen Leuchters als auch ein Zeugnis darüber.

Genügt es nicht, auf die Briefe des Paulus zu verweisen, um zu zeigen, wie dieses eine Thema, die Herrlichkeiten Christi, seinen ganzen Dienst bestimmte? Im Römerbrief ist es die Rechtfertigung durch den Glauben an Christus; im Galaterbrief, die Befreiung vom Gesetz durch Christus; im Epheserbrief zeigt er uns Christus in den himmlischen Örtern; im Kolosserbrief die Herrlichkeiten des auferstandenen Herrn; und im Philipperbrief ist Christus uns Leben, Vorbild, Motivation und Kraft – einfach alles. Das volle Licht des Geistes fiel auf den goldenen Leuchter, zeigte all seine Schönheit: „Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er empfangen und euch verkündigen“ (Joh 16,14).

Die Schriften von Petrus, Jakobus, Johannes und Judas sind das Licht des Geistes zur Verherrlichung Christi. Selbst wo das Thema ein anderes ist, wird man finden, dass es dem Zweck dient, die Heiligen in Christus einzuschließen. Entsprechend ist die Offenbarung, dieses Buch der Gerichte, das Licht der sieben Leuchter vor dem Thron, und zeigt, wie Christus herrschen muss, bis Er alle Feinde seinen Füßen unterworfen hat. Alles Böse ist abgeschafft, alle seine beständigen Feinde sind für immer eingeschlossen mit dem, den sie anstelle von Christus gewählt haben. Und für den himmlischen Tag der Ewigkeit gibt es dann kein Bedürfnis der Sonne oder des Mondes mehr für Licht, noch gibt es dort Nacht, „denn die Herrlichkeit Gottes hat sie erleuchtet, und ihre Lampe ist das Lamm“ (Off 21,23).

Der letzte Gedanke, den wir in Verbindung mit dem Leucher erwähnen möchten, betrifft das Zurichten der Lampen. Wir haben gesehen, dass Öl und Licht vom Heiligen Geist sprechen, während der wunderbare Leuchter die Herrlichkeiten unseres göttlichen Herrn und Heilands vorstellt. Aber damit es wirklich Licht gibt – ob in der Welt oder unter dem Volk Gottes – werden menschliche Werkzeuge genutzt. Das ist wirklich Gnade. Und darin sehen wir sein Volk, nicht in der ganzen Vollkommenheit Christi vor Gott, sondern als Dochte, die nicht einmal explizit genannt werden. Wenn ein Docht vonnutzen sein soll, so muss er verbrannt werden, und wenn er verbrannt ist, dann muss er getrimmt werden. Darin liegen wertvolle und eindrückliche Lektionen.

Das Trimmen oder Zurichten war die Aufgabe des Priesters. Keine andere Hand als die seine konnte die verbrannten Dochtstücke entfernen, um die Lampe wieder hell leuchten zu lassen. Und so kann auch keine andere Hand als die unseres Herrn Jesus das Licht seines Volkes hell und klar leuchten lassen. Wen auch immer Er gebrauchen mag – wenn nicht Er selbst es ist, der letztlich das Werk tut, so kann es nicht wirksam sein. Das entlastet die priesterliche Familie nicht von ihrer Verantwortung. Wir sind „schuldig, einander die Füße zu waschen“ (Joh 13,14). Aber wie sorgsam müssen wir sein, dass Er uns leitet, wenn wir als seine Knechte einander zu dienen haben. Wir müssen zuerst den Balken aus unserem eigenen Auge herausziehen, ehe wir auch nur einen einzigen Splitter aus dem Auge unseres Bruder ziehen können (Mt 7,3–5).

Dass eine Lampe zugerichtet werden musste, heißt nicht, dass sie kein Licht mehr gegeben hat. Der Priester würde es nie so weit kommen lassen, sondern hat den verschmorten Teil des Dochts entfernt, damit das Öl ungehindert ein neues Stück des Dochts durchziehen konnte, um das Licht der Lampe zu nähren. Der Docht war nicht das Öl, sondern der Kanal für das Öl, wenn er auch durch den unmittelbaren Kontakt mit der Flamme verzehrt wurde. So ist es mit dem Kind Gottes: Es ist der Kanal, durch den der Geist fließt, um das Lichts auszugießen, das Christus verherrlicht. Aber wie vieles steht leider diesem Ausstrahlen sowohl in der Welt als auch im Haus Gottes entgegen. Zu denken, die fehlende Strahlkraft sei in irgendeinem Mangel seitens des göttlichen Geistes begründet, wäre Lästerung. Uns, und uns allein, trifft die Schuld, dass wir nicht völlig der priesterlichen Hand dessen ergeben sind, der uns in Liebe „zurichten“ möchte. Er möchte den glimmenden Docht unseres Zeugnisses nicht auslöschen, sondern will, dass ein unbetrübter Geist die heiligen Strahlen seiner Wahrheit hervorbringen kann.

Wir haben nicht nötig, in die Einzelheiten dieser Zurichtung der Lampen zu gehen. Er, der die Notwendigkeit sieht, kann allein das Werk tun. Und Er gebraucht dazu die Werkzeuge, die Er selbst als nützlich ansieht. Das Werk dieser „Dochtscheren“ ist so vollkommen göttlich, dass sie ganz aus Gold sein mussten. Das menschliche Werkzeug steht überhaupt nicht im Blickfeld.

Ein Gedanke ist noch sehr vielsagend: Das entfernte Stück des Dochts war das, wodurch die Lampe Licht ausgestrahlt hatte. So ist es, dass der Lebensabschnitt eines Glaubenden, der gerade noch durch die Kraft des Geistes so hell geleuchtet hat, jedes weitere Leuchten verhindern kann, wenn er darin schwelgt, sich dessen rühmt, sich darauf ausruht. Vergangene Erfahrungen – in Dienst, Gemeinschaft und Anbetung – sind bloß ein abgebrannter Docht. Sie können kein Kanal für neues Feuer sein. Sich damit zu beschäftigen hieße, auf einen versengten Docht zu starren, statt auf die Herrlichkeiten und Schönheiten des Leuchters – Christus selbst. Es heißt für uns immer: „Vergessend, was dahinten, und mich ausstreckend nach dem, was vorn ist“ (Phil 3,13). Die selbstgefällige Beschäftigung mit etwas in uns, auch wenn es die Früchte des Geistes sind, ist eine gefährliche Schlinge, an der die strahlendste Dienstbarkeit Schaden nimmt. Deshalb rühmte sich Paulus nicht all seines treuen Dienstes und Leidens, worin der Herr ihn benutzt hatte. Wenn er gezwungen war, davon zu reden, tat er es mit etwas Beschämung: „Ich bin ein Tor geworden; ihr habt mich dazu gezwungen“ (2. Kor 12,11). Er hatte einen besseren Gegenstand, und rühmte sich allein als „ein Mensch in Christus“. So unterwarf auch er sich gern dem Trimmen des Dochts, weil er den kannte, der es tat. Mochten die äußeren Umstände auch Engel Satans sein – er sah die Hand des Priesters und die goldenen Dochtscheren: „Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht“ (2. Kor 12,9).

Und doch wird eine Zeit kommen, da die Aufzeichnungen über all diese Treue betrachtet werden können und zu nichts als nur zum Lobe Gottes Anlass geben. Der Apostel wusste: „an jenem Tag“, an den er so gern dachte, würde er eine „Krone der Gerechtigkeit“ empfangen, das „Wohl, du guter und treuer Knecht!“ seines Meisters, und auf jenen Tag wartete er geduldig – mochte er jetzt auch noch so leiden und unverstanden und verachtet sein. Dort würde kein Schmerz vergessen sein. Alle Striemen und Misshandlungen, die er erdulden musste, sowie all sein Wachen und Fasten, Kälte und Blöße: Oh, der Herr hat sie aufgesammelt und in die goldenen „Löschnäpfe“ getan, wo sie wirksam vor allen Blicken verborgen sind in seiner eigenen Herrlichkeit, um „an jenem Tag“ als seine Herrlichkeit dargestellt zu werden. Dann können wir all den Dienst und die Leiden betrachten, seien sie groß oder klein, und werden sie allein als die Frucht seiner Gnade erkennen. Im Himmel wird es keine Selbstgefälligkeit geben, denn „das Fleisch“ wird für immer der Vergangenheit angehören. Am Richterstuhl Christi werden alle offenbar werden. Wir werden die Fertigkeit und Fürsorge des großen Hohenpriesters sehen und „dann wird einem jeden sein Lob werden von Gott“ (1. Kor 4,5). Es wird Kronen geben, aber nicht um sie im Stolz zu tragen, sondern um sie zu den Füßen dessen niederzuwerfen, der allein würdig ist.

Zu den Maßen des Leuchters haben wir keine Angaben. Die ganze Aufmerksamkeit gilt Materialien, Form und Verwendung. Alles war vollkommen. An Zahlen – mit denen ja gewöhnlich Maße angeben werden – haben wir hier nur die vollkommene Zahl, die Sieben. So zeugt der Geist von einem verherrlichten Christus: Er ist göttlich vollkommen. Christus ist alles.

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