Vorträge über die Stiftshütte

Vortrag 17: Der Brandopferaltar

„Und er machte den Brandopferaltar aus Akazienholz: fünf Ellen seine Länge, und fünf Ellen seine Breite, quadratförmig, und drei Ellen seine Höhe; und er machte seine Hörner an seine vier Ecken; aus ihm waren seine Hörner; und er überzog ihn mit Kupfer. Und er machte alle Geräte des Altars: die Töpfe und die Schaufeln und die Sprengschalen, die Gabeln und die Kohlenpfannen; alle seine Geräte machte er aus Kupfer. Und er machte dem Altar ein Gitter wie ein Netz aus Kupfer, unter seiner Einfassung, unterhalb, bis zu seiner Hälfte. Und er goss vier Ringe an die vier Ecken des kupfernen Gitters als Halterungen für die Stangen. Und er machte die Stangen aus Akazienholz und überzog sie mit Kupfer. Und er brachte die Stangen in die Ringe, an die Seiten des Altars, dass man ihn damit tragen konnte; hohl, aus Brettern machte er ihn“ (2. Mose 38,1–7).

Einleitung

Unsere Erkundung der Stiftshütte und all ihrer Geräte – im Allerheilgsten und im Heiligen – ist zuende. Wir betreten jetzt den umliegenden Vorhof. Und indem wir uns weiter an die Reihenfolge des Aufbaus halten, steht zuerst der Brandopferaltar vor uns. Der war tatsächlich der markanteste Gegenstand im Vorhof. Er stellte sich dem Eintretenden unmittelbar in den Weg. Wir werden sehen, dass seine Bedeutung dieser markanten Platzierung gerecht wird.

Mit den Materialien, aus denen der Altar gefertigt wurde – dem Akazienholz und dem Kupferüberzug – sind wir mittlerweile bestens vertraut. Wenn im Inneren der Stiftshütte Gold das charakteristische Metall war, so war es außerhalb Kupfer. Die Maße des Altars betrugen fünf mal fünf Ellen Grundfläche und drei Ellen Höhe. Die Längenverhältnisse unterschieden sich also von denen des Räucheraltars, der doppelt so hoch wie breit war. An den vier Ecken des Altars waren die Hörner, und zwar „aus ihm“, d.h. sie bildeten einen integralen Bestandteil des Altars. Alle seine Gefäße waren aus Kupfer: Töpfe zur Reinigung von der Fettasche; Schaufeln zum Wegschaffen von Asche und Feuer; Sprengschalen zum Aufnehmen des Blutes, das zu sprengen war; Gabeln für den Umgang mit Fleisch; und Kohlenpfannen, in denen das Feuer war. Es gab auch ein „Gitter wie ein Netz“ bis zur Hälfte des Altars, und daran vier Ringe für die Stäbe, mit denen er zu tragen war. Diese Stäbe waren aus Akazienholz und mit Kupfer überzogen. Der ganze Altar war „hohl, aus Brettern“, und die Anweisung war, ihn so zu machen, wie es Mose auf dem Berg gesehen hatte.

Die Anbringung des Gitters

Das meiste an dieser Beschreibung erfordert keine besonderen Erläuterungen, aber eine gewisse Frage besteht bezüglich Gestaltung, Anbringung und Verwendung des Gitters. Die Übersetzung „Gitter“ wird allgemein als richtig anerkannt, auch wenn das Wort nur in diesem Zusammenhang auftritt. Es leitet sich von dem Wort „flechten“ ab, und aus demselben Stamm wird das Wort „Sieb“ in Amos 9,9 gebildet. Der Zusatz „wie ein Netz“ ist klar. Das Gitter war unter der „Einfassung“ des Altars. Auch das ist ein Wort, das nirgendwo sonst verwendet wird und dessen Herkunft nicht völlig klar ist. Man sagt, dass es von einem Wort stammt, das „umgeben“ bedeutet: dann wäre „Rand“ oder „Einfassung“ eine passende Übersetzung.

Was diesen „Rand“ betrifft, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Manche haben ihn als ein Brett oder eine Leiste angesehen, die rechtwinklig und auf halber Höhe am Altar angebracht war. Der Sinn wäre dann gewesen, dass der Priester bei der Darbringung von Opfern darauf stehen konnte. Manche meinen, das „Gitter wie ein Netz“ habe unter dieser Leiste gehangen, bis zum Boden gereicht, und so dem Altar eine Art vergrößerte Grundfläche oder Verzierung gegeben, aber sie können nicht zufriedenstellend erklären, wie dann die Ringe an den vier Ecken des Netzes angebracht sein sollten. Es hätte dann auch vier dieser Netzen geben müssen und damit befinden wir uns jenseits dessen, was die Schrift sagt.

Andere wiederum fassen das Gitter als eine Art Kante auf, die horizontal vom Altar abstand, um Feuer abzufangen, das möglicherweise vom Altar herabfiel.

Noch andere meinen, die „Einfassung“ sei innerhalb der Oberseite des Altars gewesen, wo sie einen Teil der Fläche einnahm, während das Gitter darunter die freibleibende quadratische Fläche ausfüllte – wie ein Bild, das von einem Rahmen, seiner Fassung, umgeben ist. Aber während damit sowohl Gitter als auch Ringen ein Sinn zukommt, wirkt die Bedeutung der „Mitte“ des Altars hier doch etwas erzwungen: sie würde die halbe Fläche der Oberseite bezeichnen, deren andere Hälfte von der „Einfassung“ eingenommen wird.

Ebenfalls denkbar ist, dass das „Gitter wie ein Netz“ ein großes Quadrat war, dass unter dem Altar angebracht wurde, wobei es so weit überstand, dass beim Einsetzen der Stangen zum Anheben des Altars dieses Netz bis zur Mitte (also seitlich bis zur Hälfte nach oben) reichte. Der Einwand gegen diese Sichtweise ist, dass es umständlich und sinnlos erscheint, den Altar auf diese Weise zu tragen, und dem Gitter auch keine klare Verwendung zukommt außer der etwas sonderbaren, dass es damit gewissermaßen ein Sack war, in dem der Altar transportiert wurde.

Wir kehren nun zu der primären und natürlichen Erklärung des „Gitters“ zurück. Es war für das Feuer gedacht. Deshalb musste es innerhalb der Einfassung des Altars sein und nicht außerhalb. Dabei liegt es nahe, dass mit der „Einfassung“ kein zusätzlich hergestelltes Element sondern schlicht die Oberkante gemeint ist. Das Gitter war darunter, das heißt, nicht auf einer Ebene mit der Einfassung, sondern tiefer liegend, nämlich mittig zwischen Ober- und Unterkante des Altars. Die einzige Schwierigkeit baulicher Art stellen die Ringe dar. Wenn das Gitter innerhalb des Altars auf halber Höhe eingebaut war, wie konnten dann außerhalb die Stäbe daran angebracht werden, mit denen der Altar getragen wurde? Wir geben zu, dass diese Frage besteht, und können nur vermuten, dass die Ringe wohl durch Löcher an den Ecken des Altars reichten und so von außen sichtbar waren, wo sie ihren vorgesehenen Zweck erfüllten. Das würde auch der Sicherung des Altars beim Transport gedient haben.

Wir werden sehen, dass diese Gedanken auch in Übereinstimmung mit der geistlichen Bedeutung des Altars sind, die wir nun untersuchen möchten.

Das Akazienholz, aus dem er gefertigt war, muss uns nicht mehr lange beschäftigen. Seine Bedeutung haben wir schon gerlernt. Es spricht von der unverderblichen, sündlosen Menschheit unseres Herrn, die aus diesem Grund dem Tod nicht unterworfen war. Wie passend daher, wenn es mit dem beständigen Zeugen des Todes verbunden ist – dem Altar. Unser Herr musste nicht sterben, und deshalb konnte Er sein Leben lassen. Alle anderen waren dem Gericht verfallen. Niemand konnte daher für sich selbst Sühnung bewirken, geschweige denn für andere. Wir sehen unseren Herrn hier als den „Altar, der die Gabe heiligt“ (Mt 23,19).

Aber wie notwendig war diese Menschheit, wenn es Sühnung geben sollte. Schon das Wort für „Altar“ steht mit „schlachten“ – mit Blutvergießen – in Verbindung. Deshalb musste derjenige, der der wahre Altar war, zu sterben fähig sein, und zugleich jemand, auf den der Tod keinen Anspruch hatte. Das war die vollkommene, sündlose Menschheit unseres Herrn, wie wir sie im Zusammenhang mt dem Akazienholz wiederholt gesehen haben. Hier wird die Betonung besonders auf seinen Opfertod gelegt, und wir brauchen wohl nicht zu sagen, wie deutlich dieser mit seiner Menschheit in Verbindung steht. Wenn „der Lohn der Sünde“ – der Tod mit dem darauf folgenden Gericht – jemals vom Menschen genommen werden sollte, so musste dies auf der gerechten Grundlage geschehen, die Gott selbst geschaffen und angenommen hat. Es musste ein Opfer von unendlichem Wert und von fleckenloser Reinheit gebracht werden. Daher war die Menschwerdung nötig: „Das Wort wurde Fleisch“ (Joh 1,14).

Die Schrift legt immer wieder Zeugnis ab von dieser gesegneten und grundlegenden Wahrheit: vom ersten Buch Mose bis zur Offenbarung – in Bildern, Geschichten, Psalmen und Weissagungen, dazu in den Berichten der Evangelien, in der Predigt der Zeugen Christi und durch die Entfaltung der Lehre in den Briefen. Wir werden auf einige Stellen eingehen, und es darüberhinaus dem Leser überlassen, persönlich dieses gesegnete Thema zu erforschen.

Die großartige Wahrheit der Menschwerdung zum Zweck des Opfers und der Erlösung ist schon in der Verheißung des Samens der Frau zu sehen (1. Mo 3,15), der zermalmt werden und dabei Satan zermalmen sollte. Weiter ist das in allen Opfern dargestellt worden. Niemals floss das Blut eines Opfertieres ohne die göttliche Absicht, darin den sühnenden Tod des Lammes Gottes zu zeigen, das „zuvor erkannt ist vor Grundlegung der Welt, aber offenbart worden ist am Ende der Zeiten um euretwillen“ (1. Pet 1,20). So wurde das Passalamm nicht zufällig genommen, sondern am zehnten Tag ausgewählt und bis zum vierzehnten Tag verwahrt (2. Mo 12,3.6), um zu zeigen, wie Christus persönlich als Mensch völlig der Verantwortung und den Anforderungen vor Gottes Auge entsprach, ehe Er in seinem öffentlichen Dienst offenbar wurde.

In der Geschichte der Vorbilder finden wir immer wieder diese Hinweise auf unseren Herrn und sein Erlösungswerk: Joseph in seinem tadellosen Leben und als der besondere Gegenstand der Liebe des Vaters; Isaak als Sohn der Verheißung, der im Vorbild als Opfer dargebracht wurde. Der ganze Bericht von Israels Erlösung ist voll von solchen Vorbildern. Und gerade für die Dinge, die wir momentan betrachten, liegt darin der wahre Grund ihrer Bedeutsamkeit. In der weiteren Geschichte Israels sehen wir in den Führern, Richtern und Königen, dass Gott an einen Befreier denkt, wobei oftmals – wie bei Mose und David – eine Zeit der Verwerfung vorausging. Aus den Psalmen schallt von allen Seiten das Lob des Anführers und Vollenders des Glaubens (Ps 16), der aber hinabgestiegen ist in die Grube des Verderbens, um Gottes Willen zu tun, indem Er seinen Leib bis zum Tod opferte (Ps 40). Die Psalmen geben uns tatsächlich einen umfassenden Eindruck der vollkommenen Menschheit des Herrn und seines Opfertodes.

Das Licht dieser großartigen Wahrheit leuchtet in den Propheten noch intensiver, wo der Sohn der Jungfrau und der Knecht Gottes verheißen wird (Jes 7,14; 42,1) und wir überaus deutliche Voraussagen auf das Kreuz finden (Jes 53). Jeremia spricht von dem gerechten Spross aus dem Haus Davids (Jer 23,5–6) und Sacharja davon, dass der Hirte geschlagen wird (Sach 13,7). Aber neben den direkten Weissagungen und Hinweisen auf diese großartige Wahrheit finden wir sie unter der Oberfläche wie die Goldadern im Erdboden.

Das neue Testament ist natürlich voll davon. Dort ist der menschgewordene und gekreuzigte Christus das große Thema. Wer diese göttliche Tatsache aus dem Wort Gottes herausnimmt, dem bleibt nichts mehr übrig. Sie ist die Essenz der Schriften. Könnte man diese Wahrheit beseitigen, wäre die Bibel zerstört.

Aber das Zeugnis der Schriften über die Gottheit unseres Herrn ist ebenso voll und deutlich wie das über seine menschliche Natur, die im Akazienholz vorgeschattet wird. Wir haben bereits gesehen, wie seine Gottheit im Gold zu sehen ist, und dieselbe Wahrheit wird zweifellos auch im Kupfer dargestellt. Wenn wir das besehen, wollen wir auch nach dem Grund fragen, warum nun ein anderes Metall verwendet wird.

Kupfer

Wie wir schon gesehen haben, spricht das Silber, aus dem die Füße gemacht wurden, von der Erlösung, dem Preis, den jeder als Lösegeld für seine Seele zahlen musste (2. Mo 30,11–16). Wenn dieses kostbare Metall somit das Werk unseres Herrn Jesus betont, erinnert es uns doch zugleich daran, dass dieses Werk seinen Wert aufgrund dessen hatte, was Er war. Zweifellos deutet auch das Silber als ein Edelmetall auf seine Gottheit hin. Das Gold tat dies in erster Linie im Hinblick auf seine Herrlichkeit – als das kostbarste der Metalle zeigt es passenderweise die ewige Form ihrer Darstellung. Auf ebenso passende Weise erinnert uns das Silber mit seiner weißen Farbe an seine göttliche Heiligkeit, die in Verbindung mit dem Werk steht, das „weißer [wäscht] als Schnee“. Aber das Silber lenkt die Aufmerksamkeit mehr auf sein Werk als auf seine Gottheit, und wir dürfen erwarten, dass es sich bei dem Metall, das jetzt vor uns steht, ebenso verhält.

Das in manchen englischen Übersetzungen mit Messing wiedergegebene Wort meint vermutlich Kupfer. Messing, wie wir es kennen, ist eine Legierung von Kupfer mit anderen Metallen, aber das trifft auf die Metalle, von denen in der Schrift die Rede ist, wahrscheinlich nicht zu.

Kupfer findet schon sehr früh in der Schrift Erwähnung: In 1. Mose 4,22 wird Tubalkain als ein „Hämmerer von allerlei Schneidewerkzeug aus Kupfer und Eisen“ beschrieben. Doch bedeutsamerweise wird Gold noch früher und sogar vor dem Sündenfall erwähnt: In 1. Mose 2,11 heißt es: „Das Gold dieses Landes ist gut“. Gottes Herrlichkeit kommt zuerst. Es hat vielleicht auch eine Bedeutung, dass Kupfer im Zusammenhang der Familie Kains auftaucht. Es ist sehr auffallend, dass Kupfer im Vergleich zu Eisen frühere und breitere Verwendung gefunden zu haben scheint. Die „Bronzezeit“ ging, so sagt man, der „Eisenzeit“ voraus. Jedenfalls machte man Werkzeuge und Geräte aus Kupfer, und indem sie Verfestigungsprozessen unterzogen wurden, behielten sie ihre Schärfe und Biegsamkeit fast ebenso gut wie Eisen und Stahl.

In diesem Zusammenhang wollen wir etwas über die Eigenschaften von Kupfer sagen. Später werden wir finden, wie treffend sie geistliche Wahrheiten vorstellen, die der Verwendung im Altar und im Waschbecken entsprechen. Kupfer ist in vielen Teilen der Welt zu finden. Es ist vielleicht weiter verbreitet als jedes andere Metall. Oft findet man es zusammen mit Gold oder Silber und vielen weiteren Stoffen, vor allem mit Schwefel. Es von all diesen fremden Elementen rein zu erhalten, erfordert eine Reihe von Verfahren, in denen besonders die Wirkung des Feuers hervorsticht. Am Ende erhält man das reine Metall. Es gibt auch große natürliche Vorkommen reinen Kupfers.

Das rötliche Metall ist sehr biegsam und verformbar. Es eignet sich daher besonders, um Töpfe oder andere Gefäßen daraus zu hämmern, oder auch Bleche, um diverse Gegenstände wie etwa den Alter damit zu überziehen. Man kann es auch auf Hochglanz polieren. Sein Hauptmerkmahl ist wohl seine Festigkeit, an der es sowohl Gold als auch Silber übertrifft.

Unser Wort „Kupfer“ leitet sich vom Namen der Insel Zypern ab, von der die Römer ihre Lieferungen dieses Metalls hauptsächlich bezogen. Das hebräische Wort nehoshet ist allerdings ungewissen Ursprungs. Man hat die Vermutung angestellt, dass es sich von einem Wort ableitet, das „glänzend“ bedeutet und möglicherweise von einem Wortstamm kommt, der „schmücken“ bedeutet – das alles ist aber zu ungewiss, als dass es mehr als diese Erwähnung verdient. Eine viel größere Ähnlichkeit – und tatsächlich eine Übereinstimmung im Wortstamm – besteht zu dem Wort für „Schlange“. Das sehen wir an der „Schlange aus Kupfer“ – nachasch n‘choscheth (4. Mo 21,9). Es scheint beinahe, dass Hiskia, als er der kupfernen Schlange den Namen „Nechustan“ gab („Kupfernes“), die Doppelbedeutung der Worte bewusst kombinierte.

Zum Wort für „Schlange“ findet man die Angabe, dass es von einem Wort abgeleitet ist, das zuerst „zischen“, dann aber auch „weissagen“ bedeutet. Eine Verbindung zwischen den Worten für „Schlange“ und für „Kupfer“ ist vielleicht befriedigender als die zuvor erwähnte Vermutung. Aber in der Schrift finden wir einen reichhaltigen Gebrauch von Kupfer, der uns klare Hinweise auf seine geistliche Bedeutung geben wird. Diese möchten wir uns jetzt ansehen, wobei wir unterscheiden zwischen solchen, die gute, und solchen, die böse Eigenschaften zeigen.

Verwendung von Kupfer in der Schrift

„Ein Land, ... aus dessen Bergen du Kupfer hauen wirst“ (5. Mo 8,9). Jenes gute Erbteil sollte nicht nur Nahrung hervorbringen, sondern auch Metalle, die für mancherlei Geräte gebraucht wurden. Man hat auch den Gedanken geäußert, dass eine entsprechende Anspielung auf Eisen- und Kupferminen im Segen Asers zu sehen ist: „Eisen und Erz seien deine Schuhe1“ – als ob es im Gebiet Asers gleichsam unter ihren Füßen lag. Aber der Rest des Verses scheint eine einfachere Erklärung anzudeuten: „Und wie deine Tage, so deine Kraft!“ (2. Mo 3,5). Auch wenn das hier mit „Kraft“ wiedergegebene Wort eigentlich „Ruhe“ bedeutet, ist der Gedanke offenbar einer von bleibender Sicherheit und Geborgenheit (siehe auch Micha 4,13).

Simson wurde mit „ehernen (o. kupfernen) Fesseln“ (Ri 16,21; 2. Kön 25,7) gebunden. Kupfer scheint das übliche Material für Fesseln gewesen zu sein. In seinem Klagelied über Abner sagt David: „Deine Hände waren nicht gebunden, und nicht in eherne (o. kupferne) Fesseln gelegt deine Füße“ (2. Sam 3,34; siehe auch Klgl 3,7). Die Städte Basans waren „mit Mauern und kupfernen Riegeln“ gesichert (1. Kön 4,13). Das Volk des Herrn ist in einem starken Gefängnis, aber „er hat zerbrochen die ehernen (o. kupfernen) Türen“ (Ps 107,16; siehe auch Jes 45,2). Vom Behemot heißt es: „Seine Knochen sind Röhren aus Kupfer“ (Hiob 40,18). David sagt: „Er lehrt meine Hände den Kampf, und meine Arme spannen den ehernen (o. kupfernen) Bogen“ (2. Sam 22,35). Helm und Waffenrüstung von Goliath waren aus demselben Material (1. Sam 17,5–6). Für die Begegnung mit Goliath rüstete Saul auch David mit einem kupfernen Helm und einem Panzer aus, aber der Mann des Glaubens lehnte diese Rüstung ab (1. Sam 17,38–39).

Kupfer wird als Symbol völligen Schutzes verwendet. So verheißt Gott Jeremia: „Ich mache dich heute zu einer festen Stadt und zu einer eisernen Säule und zu einer ehernen (o. kupfernen) Mauer gegen das ganze Land“ (Jer 1,18; 15,20). Die Unnachgiebigkeit dieses Metalls deutet auch auf Gericht hin: „Ich werde ... euren Himmel wie Eisen machen und eure Erde wir Erz (o. Kupfer)“ (3. Mo 26,19). In 5. Mose 28,23 ist die Reihenfolge umgekehrt.

Diese und andere Schriftstellen, die noch angeführt werden könnten, unterstreichen die symbolische Bedeutung des Kupfers: Haltbarkeit, Kraft, Unnachgiebigkeit – ob zum Schutz, zur Fesselung oder in der Kriegsführung. In Anwendung auf die Natur Gottes spricht es von seinem unwandelbaren Wesen, seiner Stärke und davon, dass es unmöglich ist, seinem Gericht zu entfliehen. Auf der anderen Seite spricht es von der Sicherheit derer, die seinem Schutz unterstellt sind.

Dieselben Merkmale sprechen in Anwendung auf sündige Menschen von Störrigkeit und Herzenshärte: „Ich wusste, dass du hart bist und dass dein Nacken eine eiserne Sehne und deine Stirn aus Erz (o. Kupfer) ist“ (Jes 48,4). „Eherne Unverfrorenheit“ (engl. brazen effrontery) ist ein Kennzeichen Satans und weist uns vielleicht hin auf die bereits bemerkte Verbindung zwischen der „Schlange“ und Kupfer.

Wenn wir von der „kupfernen Schlange“ sprechen, könnten wir fragen, warum gerade dieses Material verwendet wurde. Wir haben schon in den kupfernen Fesseln und Riegeln den Hinweis auf richterliches Handeln gesehen. Könnte das nicht auch bei der Schlange der Gedanke sein? Gottes Gericht muss in seiner Unwandelbarkeit und Stärke die Sünde heimsuchen. So ist am Kreuz das Gericht Gottes über die Sünde gewissermaßen aus Kupfer – wie die Schlange. Gottes unwandelbare Natur muss gerade aufgrund ihrer Vollkommenheit die Sünde absolut richten. „Der Sohn des Menschen [muss] erhöht werden“ (Joh 3,14). Unser Herr wurde unseretwegen „zur Sünde gemacht“ (2. Kor 5,21), indem Er Gottes unwandelbares Gericht über die Sünde trug, um denen, die bei Ihm Schutz und Zuflucht suchen, Leben und Heilung anstelle von Gericht zu bringen.

Das führt uns zum Brandopferaltar zurück, der mit Kupfer überzogen war, was in vollkommener Übereinstimmung mit der Wahrheit ist, die insgesamt in diesem Altar vorgestellt wird: Gottes unwandelbares Gericht über die Sünde, das den Gottlosen mit Zorn bestrafen muss. Im Kreuz Christi aber findet es nicht in der Bestrafung des Sünders seinen Ausdruck, sondern im Ausgießen des Gerichts über den sündlosen Stellvertreter. Wenn wir auf den Altar blicken, wie er glüht mit seinem „feuerroten und trüben“ Kupfer, werden wir erinnert, dass Gerechtigkeit und Gericht die Grundfesten des Thrones Gottes sind (Ps 89,15). Er muss Sünde richten: Er wäre nicht der Gott, der Er ist, wenn das nicht so wäre. Daher zeigt jede Darstellung Gottes, in der dieser unwandelbare Charakter des Gerichts ausgelassen wird, einen falschen, nicht den wahren Gott.

Aber am Kreuz unseres Herrn Jesus Christus sehen wir diesen unbeugsamen Wesenszug gepaart mit einer gleichermaßen vollkommenen Liebe in Erbarmen mit dem Sünder. Da ist Gerechtigkeit, so fest und starr, dass das Schwert auf den Sündlosen fällt, der am Ort des Gerichts seinen Platz einnimmt; und da ist Liebe, so voll, so stark, so frei, dass Gottes ewige und unveränderliche Natur sich in zärtlichster Fürsorge erstreckt, indem sie Vergebung, Rechtfertigung und Heil dem verlorenen Sünder anbietet, der in Christi Namen kommt. Christus ist in das Gefängnis gegangen und wurde an unserer Stelle gebunden: Die kupfernen Riegel stehen nicht länger zwischen der Seele und ihrer Freiheit. Die Himmel, die Ihm einst wie Kupfer schienen, als Er ausrief: „Mein Gott! Ich rufe am Tag, und du antwortest nicht; und bei Nacht, und mir wird keine Ruhe“ (Ps 22,3), ergießen sich nun in erfrischenden Schauern und sind dem Glauben weit geöffnet, um den Sohn des Menschen auf dem Thron zu sehen, denn Er hat Gottes Wesen in unserer Erlösung großgemacht.2

Die Maße des Brandopferaltars

Die Materialien des Altars bezeugen also die großartige Tatsache der Sühnung. Wir wollen aus den Maßangaben ebensolche Lektionen ziehen. Die Grundfläche des Altars war ein Quadrat von fünf Ellen Seitenlänge und seine Höhe betrug drei Ellen. Die Elle war, wie wir schon gesehen haben, die hebräische Einheit für Längenangaben, wie es das Hin für Flüssigkeiten war und das Sekel für Gewichte. Es deutet, ähnlich wie auch die fünf Finger der Hand, auf menschliche Begabung hin, und daher auf Verantwortung. Wir haben in der Länge und der Breite (jeweils fünf Ellen) also einen doppelten Zeugen der Verantwortlichkeit. Das Kreuz Christi verkündet diese Verantwortlichkeit: wie wir darin versagt haben, und wie Christus das Gericht für dieses Versagens auf sich genommen hat.3 Der Altar war quadratisch, was uns an die absolute Gerechtigkeit Gottes erinnert, an die Gleichbehandlung in all seinen Wegen. Wie vollkommen kam das am Kreuz zur Darstellung! Es gab keine Minderung der Strafe aufgrund der Würde des wunderbaren Stellvertreters. Alles war „quadratisch“ – „Da ist kein Ansehen der Person bei Gott“ (Röm 2,11).

Die Hörner des Brandopferaltars

Aber von jeder Ecke dieses quadratförmigen Altars erhob sich ein Horn. Diese Hörner waren integraler Bestandteil des Altars, und wurden doch von ihm unterschieden. Eine wunderbare und klare Bedeutung dieser Hörner steht mit dem gerade angeführten Vers in Verbindung: Unbeugsame, unparteiische Gerechtigkeit ist das Kennzeichen aller Wege Gottes und nirgendwo zeigte sich das auf vollkommenere Weise als hier. Niemand konnte in seinem Fall auf irgendeine Rechtsmilderung hoffen. Hier würde niemandem etwas anderes als unparteische Gerechtigkeit zuteil. Der Reiche würde hier von seinem Reichtum keinen Nutzen haben und der Arme würde mit seiner Armut kein unrechtes Mitleid erwecken können. Ob weise oder töricht, alt oder jung, Slave oder Freier – alle trafen hier auf unparteiische Gerechtigkeit.

Die Hörner wiesen aber in Richtung der vier Teile der Erde. Ihre Botschaft war universell. Und wenn sie „die ganze Welt“ für „dem Gericht Gottes verfallen“ erklärten (Röm 3,19), verkündeten sie ebenso die Evangeliumsbotschaft über den Stellvertreter, der Sündenträger geworden ist, jedem, der sie in der ganzen Welt hören will. Die Schuld ist weltweit, das Heilmittel ist es auch. Alle Klassen, alle Sorten von Mensch begegnen sich hier auf dem gemeinsamen Boden als Sünder und nehmen dasselbe Heil in Anspruch.

Hörner sind in der Schrift ein Symbol für Stärke: „Du wirst mein Horn erhöhen wie das eines Wildochsen“ (Ps 92,11). Sie sind Kennzeichen oder Symbol von Macht: „Erhöht ist mein Horn in dem Herrn“ (1. Sam 2,1). Sie stehen auch symbolisch für das Königreich des Messias: „Dort will ich das Horn Davids wachsen lassen“ (Ps 132,17). Die Hörner des Altars stellen die im Altar vorgestellten Wahrheiten besonders in den Fokus und verstärken sie – bringen sie gewissermaßen auf den Punkt. Das erklärt vielleicht, warum das Blut des Sündopfers für jemanden aus dem Volk an diese Hörner getan wurde (3. Mo 4,30). Auch wird verständlich, warum schuldige Menschen am Altar Zuflucht nahmen und dessen Hörner ergriffen. Adonija suchte und fand dort Sicherheit (1. Kön 1,50). Joab hingegen begegnete am selben Zufluchtsort der gerechten Strafen für seine Sünden (1. Kön 2,28–34), denn „wenn jemand gegen seinen Nächsten vermessen handelt, dass er ihn umbringt mit Hinterlist – von meinem Altar sollst du ihn wegnehmen, dass er sterbe“ (2. Mo 21,14)4. Es scheint fast, als ob die folgenden Worte auf dieses Ergreifen der Hörner des Altars hinwiesen: „Oder man müsste meinen Schutz ergreifen, Frieden mit mir machen, Frieden machen mit mir“ (Jes 27,5). Siehe auch Jesaja 25,4.

Aber gerade jener Ort, an dem göttliche Gnade sich denen erwies, die in Buße den Herrn aufsuchten, zeugte von ihrer bleibenden Sünde, dass sie von Ihm abgewichen waren: Die Sünde Judas stand geschrieben auf den Hörnern ihrer Götzenaltäre (Jer 17,1). Sie mochten das Blut der Götzenopfer an die Hörner ihrer Altäre tun – die Hörner würden allein gegen sie zeugen und selbst abgehauen werden, worin sich zeigt, dass weder im Götzen noch in dessen Altar Kraft zur Gnadenerweisung war (Amose 3,14).5

Die Höhe des Altars

Der Altar war drei Ellen hoch, und das lässt uns wieder an die Offenbarung denken, von der diese Zahl spricht. Das Kreuz offenbart Gottes Wesen. Wir sehen darin seine Gerechtigkeit, seine Heiligkeit und seine Liebe. Auch seine Weisheit und jede andere seiner Eigenschaften kommen hier auf die ein oder andere Weise zur Darstellung. Seine Kraft offenbart sich in der Auferstehung unseres Herrn, wovon die Zahl drei ebenfalls spricht. Wie gesegnet, dass in dem, was von Tod und Opfer spricht, durch die Höhenangabe des Altars auch die Zusage der Auferstehung enthalten ist. So ist unser Herr, wenn Er von seinem Tod sprach, nicht dabei stehen geblieben, sondern kündigte auch seine Auferstehung an (Mt 16,21).

Feuer

Als nächstes kommen wir zu dem Gitter aus Kupfer mit seinen vier Ringen und seiner Anbringung unterhalb der Einfassung (oder dem Rand) des Altars „bis zu seiner Hälfte“. Wir haben gesehen, dass es wahrscheinlich bedeutet, dass das Gitter unterhalb des Randes angebracht war, und zwar genau mittig im Altar. Seine Bestimmung war, das Opfer zu tragen sowie das Feuer, von dem es verzehrt wurde. Wenn wir mit diesem Gedanken richtig liegen, haben wir hierin ein Vorbild der Natur der Leiden unseres Herrn. Das sollte uns seine Gnade groß machen und das Herz mit Lob erfüllen.

Feuer ist stets der Inbegriff von Zorn und Gericht, und zwar nicht willkürlichen Charakters, sondern des unbedingt notwendigen und erforderlichen. Alles Leben beruht auf Wärme und jede Wärme ist in letzter Konsequenz eine Form von Feuer. „Unser Gott ist ein verzehrendes Feuer“ (Heb 12,29). Feuer spricht von intensiver Energie, deren Quelle Gott allein ist. Es muss alles verbrennen, das der Feuerprobe nicht stand hält. So muss Gott im Gericht alles verzehren, was seinem gerechten und vollkommenen Willen entgegensteht. Das ewige Zeugnis dessen wird der „Feuersee“ sein, in dem sein Zorn gegen solche brennen muss, die es selbst bewirkt haben, dass der Zorn sich so erweisen muss.

Aber ohne Wärme oder Hitze könnte es kein Leben geben. Und ebenso kann es kein moralisches oder geistliches Leben geben ohne das Gericht Gottes. Wenn manche dafür einstehen, diesen Charakterzug Gottes beiseite zu tun, stürzen sie letzlich die ganze Schöpfung in den Tod. So kann und wird es nicht sein. Das Feuer muss sein Werk tun, und selbst im Gericht wird es nicht nur Gottes Gerechtigkeit, sondern auch seine Güte zeigen. Aber wir wollen uns einige Schriftstellen über das Feuer anschauen.

Das meist für Feuer gebrauchte Wort bildet seinen eigenen Wortstamm. Das ist nicht verwunderlich, denn Feuer hat man schon immer gebraucht. Wir finden ähnliche Wörter in anderen Sprachen. In der Antike zählte es zu den Elementen und wurde häufig als Gottheit verehrt. Wir sehen darin, wie Satan die Gaben Gottes, in denen wir seine Güte und Macht sehen, als Mittel benutzt, die Menschen Ihm gegenüber zu verblenden. Und wenn irgendetwas die Stelle Gottes einnimmt, wird es ein Götze. Es wird von seiner eigentlich nutzvollen Verwendung herabgesetzt zu etwas, das Gott in ein falsches Licht rückt und den Menschen verdirbt. So wirkt das Böse im steten Kreislauf – in einer abfallenden Spirale, die ohne die bewahrende Gnade Gottes fortschreitet, bis die einsetzende Ewigkeit ihm ein Ende im Feuersee bereitet.

Aber jeder Irrtum ist ein Zerrbild der Wahrheit oder eine missbräuchliche Anwendung derselben. Und so können wir sicher sein, dass das Feuer von Gott spricht. Es wird uns sein Wesen darin sichtbar, wenn wir nur das Wort Gottes befragen, um belehrt zu werden. Feuer für sich genommen ist, wie alles in Gottes Schöpfung, nur eine Entfaltung seiner Macht und Weisheit. Davon ausgehend wird es in geistlicher Hinsicht zum Symbol seiner Kraft.

Auf Sodom und Gomorrah regnete es Feuer und Schwefel von dem Herrn aus dem Himmel (1. Mo 19,24). Ob Gott sich natürlicher Mittel bediente, um dieses Gericht herbeizuführen, soll uns nicht kümmern. Es genügt uns zu wissen, dass Er es tat. Das zukünftige Schicksal der Bösen beschreibt Gott auf ähnliche Weise: „Er wird Schlingen auf die Gottlosen regnen lassen; Feuer und Schwefel und Glutwind wird das Teil ihres Bechers sein“ (Ps 11,6). Siehe auch Ps 21,10; Jes 30,33; Jes 66,15–16. Diese und viele weitere ernste Stellen bezeugen das unausweichliche Verderben der Gottlosen.

Wenn jemand einwenden sollte, dass diese Abschnitte alle aus dem Alten Testament sind und deswegen bildlich aufgefasst werden müssten, genügt es, die ersten Seiten des Neuen Testaments aufzuschlagen, um dasselbe Zeugnis auf den Lippen unseres Heilands selbst zu finden: „wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt“ (Mk 9,48; Lk 16,23–24). Und das abschließende Buch des Wortes Gottes ist voller Hinweise auf das schreckliche Feuergericht. Am Ende heißt es: „Dies ist der zweite Tod, der Feuersee“ (Off 20,14–15). Wer diese ernste und unausweichliche Wahrheit leugnet, leugnet Christus und sein Wort.

Feuer ist also ein Symbol für das Gericht Gottes. Aber wir haben reichliche Anspielungen darauf in anderen Schriftstellen, die uns vielfältige und doch verwandte Sichtweisen vorstellen. Der Engel des Herrn erschien Mose „in einer Feuerflamme mitten aus einem Dornbusch“ (2. Mo 3,2). Die Gegenwart Gottes war damit auf eine Weise sichtbar, die einerseits die Not andeutete, durch die sein Volk (der Dornbusch) in Ägypten gehen musste, und andererseits, dass Er diese Not zuließ und benutzte. Seine Gegenwart war der Grund, dass der Dornbusch nicht verzehrt wurde. Auf der anderen seite fuhr das Feuer in der Plage, die über die Ägypter kam, in zerstörerischer Kraft zur Erde (2. Mo 9,23). Als das Volk unter dem Schutz des Blutes seine letzte Nacht in Ägypten verbrachte, musste es von dem Lamm essen, „gebraten am Feuer“ (2. Mo 12,8). Und jede Nacht seiner Wüstenreise wurde durch die „Feuersäule“ erleuchtet (2. Mo 13,21). Als Gott ihnen das Gesetz gab, stieg Er auf den Sinai herab im Feuer (2. Mo 19,18). Als Nadab und Abihu sündigten, indem sie „fremdes Feuer“ darbrachten, traf das Gericht sie in Form von Feuer (3. Mo 10,2). Der Prophet Hesekiel sah die Herrlichkeit des Herrn in Verbindung mit Feuer (Hes 1,4.27). „Der Herr, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer“ (5. Mo 4,24).

Das Feuer steht daher typologisch für Gottes Gericht, das jede Sünde heimsuchen muss. Es zeigt zudem seine wesenseigene Heiligkeit und Gerechtigkeit, sowohl gegenüber seinen Feinden als auch gegenüber seinem eigenen Volk. Die Feinde müssen, wenn sie nicht Buße tun, jenen unaussprechlichen, ewig währenden Zorn ertragen. Die Menschen aus seinem Volk müssen durch das Feuer von aller Schlacke befreit werden, und am Richterstuhl Christi müssen alle ihre Werke der Erprobung dieser beurteilenden Heiligkeit standhalten. Wir wenden diese Gedanken nun auf das Feuer des Brandopferaltars an.

Gnade und Wahrheit

Die Stiftshütte spricht von der Offenbarung Gottes in Gnade. Daher ist, wie wir gesehen haben, jedes Einzelstück auf die eine oder andere Weise ein Vorbild dessen, durch den „Gnade und Wahrheit“ geworden ist (Joh 1,17). Es ist nicht Gnade ohne die Wahrheit – denn das wäre überhaupt keine Gnade – sondern Gnade und Wahrheit: Gnade, offenbart in und durch Wahrheit. Gott ist absolute Wahrheit, und das charakterisiert seine Selbstoffenbarung. Außerhalb von Ihm ist alles finstere Nacht des Irrtums und der Lüge Satans. Der einzige, der Ihn vollkommen offenbaren konnte, war deshalb der, der sagen konnte: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich“ (Joh 14,16).

In Form und Gestaltung des Altars sind uns diese Wahrheiten in Verbindung mit dem tatsächlichen Zustand des Menschen vorgestellt worden. Eine fleckenlose und unverderbliche Menschheit verbunden mit absoluter Gottheit (Akazienholz und Kupfer). So drückt sich die Person Christi aus. Das Kupfer erinnert, wie wir gesehen haben, an das unnachgiebige, unveränderliche Wesen Gottes, das bleiben und bestehen muss, was immer es umgibt. Angesichts von Ungehorsam und Sünde bedeutet es unbeugsames und ewiges Gericht. Wir können sagen, dass uns das Kupfer mit seinem feuerähnlichen Glanz hinlenkt auf das darauf brennende Feuer. Tatsächlich finden wir beides miteinander verbunden, wenn der Herr inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelnd gesehen wird: „Seine Füße gleich glänzendem Kupfer, als glühten sie im Ofen“ (Off 1,15).

Die Gnade kann sich daher schuldigen Menschen gegenüber nur in Übereinstimmung mit der „Wahrheit“ der unwandelbaren Natur Gottes erweisen. Den Forderungen seiner Natur, so unachgiebig wie Kupfer, muss genüge getan werden. Deshalb ist der erste Gegenstand, dem wir begegnen, wenn wir Gott nahen, ein Altar, ein Ort des Opfers, wo Leben hingegeben wird – wir können sagen: Leben für Leben – und wo das Feuer der Heiligkeit Gottes das Opfer verzehrt.

Letztendlich war der Altar somit der Ort, wo das Feuer brennen konnte. Und das geschah auf dem Gitter aus Kupfer. An diesem Ort allein konnte, bildlisch gesprochen, das Feuer der Heiligkeit und des Gerichts Gottes brennen, ohne denen, die es eigentlich getroffen hätte, ewiges Verderben zu bringen. „Die Berge erbebten“ und „zerschmolzen wie Wachs“ (Jes 63,19–64,1; Ps 97,5). Wenn Er sich schlussendlich die Schöpfung vornimmt, um sie seinem Wesen gemäß zu reinigen, dann werden „die Himmel vergehen ... mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brand werden aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr werden verbrannt werden“ (2. Pet 3,10). Das ist natürlich im notwendigen Gericht der „Geist des Gerichts“ und der „Geist des Vertilgens (engl. Verbrennens)“ (Jes 4,4), ein vorbereitendes und vorweggreifendes Gericht kurz vor dem tausendjährigen Reich, das wörtlich und vollständig an dessen Ende verhängt wird, vor dem Eintritt in den ewigen Zustand.6

Wer könnte an diesem schrecklichen Tag des Zornes Gottes auch nur für einen Augenblick bestehen? Es gab eine Person und nur einen Ort, wo dieses Feuer brennen konnte und nur Beständigkeit vorfand, weil alles Gottes heiliger Natur entsprach. Das Gitter, worauf das Feuer göttlichen Gerichts brennen konnte, war das Innerste des Sohnes Gottes. Da war Einer, der auf gerechte Weise der Stellvertreter schuldiger Sünder sein konnte. Seine heilige Person machte Ihn fähig, Zornesträger zu sein. Das Feuer des dreimal heiligen Gottes konnte dort brennen. Und es hat dort gebrannt und nichts wurde verzehrt als nur die Sünden, die unser Herr in Gnade auf sich genommen hat – so große und so viele Sünden, dass die ganze Menschheit auf ein und dasselbe Verderben wartete. Das Kreuz! Hier wurden Sünden gerichtet und hinweggetan, hier wurde Satans Macht zerstört, die Welt gekreuzigt, und hier fand göttliche Gerechtigkeit eine ewige Grundlage des Segens für diese Schöpfung. Unbeugsame Gerechtigkeit zeigte sich verbunden mit göttlicher Liebe.

Wir sehen, wir geeignet das Gitter aus Kupfer ist, das Wesen des Sühungswerkes unseres Herrn darzustellen. Und die Gedanken, die uns beschäftigt haben, scheinen die Auffassung zu bestätigen, dass das Gitter im Inneren, gerade in der Mitte des Altars angebracht war.

Denn unser Herr ertrug das Feuer göttlichen Gerichts nicht auf eine äußerliche, oberflächliche Weise. Es ist nur ein schwacher und einseitiger Blick auf jene Leiden, der allein in die Vefolgungen gottloser Menschen oder auch die Bosheit Satans, der sie antrieb, fokussiert ist. Damit können wohl die körperlichen Qualen erklärt werden, denen sich unser heiliger Herr freiwillig unterwarf. Aber das Feuer göttlicher Heiligkeit, dieses herzerforschende Gericht gegen die Sünde, drang ein in das unmittelbare Zentrum seines Wesens. Mit Ehrfurcht betreten wir solch heiligen Boden. Die Sünde ist keine Äußerlichkeit, auch wenn sie dem äußeren Menschen Schaden zufügt. Ihre Quelle ist das Herz, der Mittelpunkt des menschlichen Seins. Daher drang im sündlösen Stellvertreter die Flamme bis in seine heilige Seele ein. Das sühnende Leiden war – wie die Sünde des Menschen – im Herzen. Das Durchdringen der Nägel, die Dornenkrone, der Hohn des Volkes, der Speerstoß – all das ist nicht Ausdruck des tiefsten Wesens seiner Leiden. Gott allein, der das Herz erforscht, weiß, was es bedeutete. Der Sohn, der dieses Gericht trug, weiß um die Intensität dieses Feuers, durch das Er sich selbst ohne Flecken Gott geopfert hat, und weiß, was diese Leiden bedeuten. Was uns betrifft, so dürfen wir uns mit gedämpfter Stimme und bewundernden Herzen erinnern:

Die Tiefen aller deiner Leiden
kein Menschenherz erfassen kann!

Wie erbärmlich erscheint auf diesem Hintergrund die Auffassung, bei den Leiden unseres Herrn habe es sich um eine abgemilderte Strafe gehandelt, wie manche es haben wollen, von geringerem Maße als das, was ein Sünder einmal tragen muss. Die Schrift ist völlig klar darin, dass unser Herr die volle Sündenstrafe trug – den Zorn, das Verlassensein von Gott in „äußerster Finsternis“ (als Gott sich zurückgezogen hatte im Gericht des Verlassenwerdens) und den Tod. Wenn jemand fragen sollte, ob das Kreuz mit dem ewigen Feuersee gleichzusetzen sei, und, falls nicht, ob der Herr dann überhaupt dieselbe Strafe getragen hat, die der Sünder einmal tragen muss – so antworten wir: Der Kern des Gerichts liegt im Zorn und im Verlassensein von Gott. Das Gericht verändert nicht das Herz des Sünders, der, da er Gottes Gnade verachtet, lieber sonstwo sein möchte als im Licht seiner unendlichen Heiligkeit. Das Verderben des Sünders ist deshalb ein ewiges, weil der Charakter des Sünders sich nicht ändert. Es bleibt bestehen: Es ist „eine große Kluft befestigt“ (Lk 16,26). Und: „Wer unrecht tut, tue noch unrecht“ (Off 22,11). Es fehlt jedes Verlangen für Gott oder den Himmel. Aber wie war es bei unserem Herrn? Sein Herz blieb auch im Verlassensein am Kreuz so gerecht, so rein, so wahrhaftig, wie es war, als Er sich mit dem Vater beriet, ehe die Welten gemacht wurden, oder als Er im unbefleckten Licht des „Heiligen Berges“ erschien (2. Pet 1,18). Sein einziges Ziel dort war der Wille des Vaters, sein einziges Motiv, Ihn zu verherrlichen und seine Liebe in Gerechtigkeit zu offenbaren. Das Zerschlagen- und Verlassenwerden und die Finsternis bewirkten keine Veränderung in diesem Fleckenlosen und Heiligen – sein Name sei ewig gepriesen!

Es war daher nicht möglich, dass Er vom Tod festgehalten wurde (Apg 2,24), denn Er hatte alle Forderungen der Gerechtigkeit erfüllt. Es gab nur eine mögliche Antwort auf solch ein Werk und solche Frömmigkeit – dass Er auferweckt wurde aus den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters und erhöht auf den himmlischen Thron. Es ist wohl wahr, dass seine Person von ewigem Wert ist, aber dass sein Herz so wahrhaft und völlig Gott ergeben blieb, als das volle Gericht Ihn traf – darauf konnte die gerechte Antwort nur sein, die Heimsuchung zu beenden. Aber ach! Das Herz des Menschen bleibt auch im Gericht unverändert. Nichts als göttliche Gnade kann eine Veränderung bewirken. Und wenn ein Mensch die Gnade nicht will, so muss er ins Gericht kommen.

In gewisser Hinsicht können wir in dem Altar ein vollständiges Bild des Sühnungswerkes unseres Herrn, auch wenn wir das „außerhalb des Lagers“ verbrannte Sündopfer außer Acht lassen (3. Mo 16,27; Heb 13,11–12). In letzterem sehen wir die Auswirkung des Zorntragens, des Verlassenseins und des Gerichts vonseiten Gottes. Aber haben wir nicht im Feuer den Wesenskern all dessen? Dabei enthält es, wie wir sehen werden, noch viel mehr. So war das Brandopfer das Opfer schlechthin. Es war namensgebend für den Altar, weil es die wesentlichen Elemente aller Opfer enthielt.

Es ist richtigerweise darauf hingewiesen worden7, dass das Wort für das „Verbrennen“ außerhalb des Lagers nicht nur „brennen“, sondern ein völliges „Verzehren“ bezeichnet (ähnlich dem Wort „Seraphim“ in Jes 6,2.6), wohingegen das Wort für das Räuchern des Fettes beim Sündopfer dasselbe ist, das auch beim Räucherwerk Anwendung findet (3. Mo 16,25.27). Aber zeigt nicht gerade die Tatsache, dass das Fett dieses Opfers, das außerhalb des Lagers verbrannt wurde, zu einem Wohlgeruch auf dem kupfernen Altar geräuchert wurde, dass diese zwei Gedanken wohl unterschieden, nicht aber voneinander getrennt werden sollten? Andernfalls würde der Brandopferaltar und würde auch sein Opfer keine vollständige Sühnung andeuten.

Das Gitter inmitten des Altars lehrt uns daher, dass unser Herr Jesus in seinem Sühnungswerk das gerechte Gericht Gottes im innersten seiner Seele tragen musste. Wir dürfen deshalb erwarten, im Buch der Erfahrungen – in den Psalmen – Aussprüche unseres Herrn zu finden, die Ausdruck der inneren Erfahrungen sind, durch die Er ging, als Er am Kreuz war.

„Wie Wachs ist geworden mein Herz, es ist zerschmolzen inmitten meiner Eingeweide“ (Ps 22,14). „Meine Ungerechtigkeiten haben mich erreicht, dass ich nicht sehen kann; zahlreicher sind sie als die Haare meines Hauptes, und mein Herz hat mich verlassen“ (Ps 40,13). „Der Hohn hat mein Herz zerbrochen, und ich bin ganz elend ... Denn den du geschlagen hast, haben sie verfolgt“ (Ps 69,21.27). „Denn wie Rauch entschwinden meine Tage, und meine Gebeine glühen wie ein Brand. Wie Kraut ist versengt und verdorrt mein Herz, dass ich vergessen habe, mein Brot zu essen. Denn Asche esse ich wie Brot, und meinen Trank vermische ich mit Tränen vor deinem Zorn und deinem Grimm“ (Ps 102,4–5.10–11).

Diese und ähnliche Ausdrücke drücken das innere Wesen der Qualen aus, die unser heiliger Herr in Liebe für uns ertrug. So erkennen wir, worauf uns das „Gitter“ hinweist. Können wir uns ein Herz vorstellen wie das seine, das in völliger Unterwürfigkeit Gott entspricht, göttlich vollkommen ist und das Feuer dieser Heiligkeit erträgt? Das Gitter musste aus Kupfer sein, andernfalls konnte es dem darauf gelegten Feuer nicht standhalten.

Die Ringe

Und zeigt dieser Gedanke des Gitters nicht auch, wie passend es ist, dass die Ringe, mit denen der ganze Altar getragen wurde, an seinen Ecken angebracht waren? Was führte den Herrn in erster Linie herab? Es war sein Herz voller Liebe für Gott und den Menschen. Und was trug Ihn sein Leben hindurch voll demütigen Leidens und Verwerfung bis hin nach Golgatha? Es war dieselbe Liebe. Diese Ringe aus Kupfer sprechen von einem Entschluss, der durch nichts abgewandt werden konnte. Und entsprechend dieser Hingabe für Gott und Menschen begleitet unser Herr sein Volk auf jedem Schritt des Weges durch diese Wüstenszene, wobei Er dem Wert seines Kreuzes Zeugnis gibt. Jede Segnung, jede Fürsorge, jede Barmherzigkeit – alles ist durch diese „Ringe“ verbunden mit seinem Herzen, in dem Er das Gericht getragen hat, das wir verdient hatten. Sollte der Glaubende je versucht sein, die Liebe Gottes oder Christi anzuzweifeln? „Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat – wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“ (Röm 8,32). Jede Segnung ist durch das Kreuz verbürgt. Wir wollen uns diese Kostbarkeit zu Herzen nehmen und auf diese Fülle der Gnade zählen, die für „alles zum Leben und zur Gottseligkeit“ genügt (2. Pet 1,3). Dass es vier Ringe waren und vier die Zahl der Erde und der der Bedürftigkeit ist, mag diese Gedanken noch unterstreichen.

Der Altar war drei Ellen hoch und das Gitter zur Hälfte war demnach eineinhalb Ellen über dem Boden, also auf gleicher Höhe mit dem Sühndeckel. Die Erlösung am Kreuz und die Annahme vor Gott befinden sich auf einer Ebene. Gott hat seinen geliebten Sohn auf der Grundlage seines sühnenden Werkes am Kreuz als useren Stellvertreter in die Herrlichkeit aufgenommen. Der große Hirte der Schafe wurde aus den Toten wiedergebracht im Wert des Blutes des ewigen Bundes (Heb 13,20). So ist Er auch, wie wir in anderem Zusammenhang sehen werden, durch sein eigenes Blut in das Heiligtum eingegangen, als Er eine ewige Erlösung erfunden hatte (Heb 9,12).

Die Geräte

Es bleibt uns noch, ein wenig über die Geräte zu sagen, die in Verbindung mit dem Altar gebraucht wurden. Das waren Töpfe zur Reinigung von der Fettasche, Schaufeln, Sprengschalen, Gabeln und Kohlenpfannen.

Die Töpfe (siroth, von einem Wort, das „kochen“ bedeutet) waren zum Aufnehmen und Wegschaffen der Fettasche. Das wird uns vielleicht noch mehr beschäftigen, wenn wir die Opfer betrachten. Aber wir wollen an dieser Stelle schon ein paar Gedanken aufgreifen. Es gibt zwei Worte für „Asche“: Das eine ist der allgemeine Ausdruck, der oftmals in Verbindung mit Trauer verwendet wird (Est 4,1.3; Hiob 2,8; 42,6; Jes 61,3 usw.). Er ist auch Ausdruck von Leere von Eitelkeit: „Wer der Asche nachgeht“ (Jes 44,20). Das andere Wort (“Fettasche“ in der Elberfelder Übersetzung) wird nur in Verbindung mit dem Opferdienst verwendet und bedeutet wörtlich „Fett“. Den Grund dafür sehen manche darin, dass auf dem Altar Fett verbrannt wurde und die Asche daher von Fett durchsetzt war. Wie dem auch sei, das Wort jedenfalls ist sehr bedeutungsvoll. Die Asche bezeugt, dass das Feuer sein Werk getan hat, dass das Opfer geschehen und angenommen ist. Wenn es in Psalm 20,3 heißt: „Dein Brandopfer möge er annehmen“, dann könnte „annehmen“ auch übersetzt werden mit „zu Fettasche werden lassen“. Das Zeugnis eines angenommen Opfers ist kein Zeichen der Trauer, wofür das andere Wort gebraucht wird, noch der Wertlosigkeit und Nichtigkeit. Nichts ist wertlos, was in Verbindung steht mit dem Opfer unseres Herrn Jesus Christus.

Die Fettasche des Opfers wurde zuerst an die Ostseite des Altars gegeben, Richtung Sonnenaufgang. Sie wurde dann an einen reinen Ort außerhalb des Lagers weggeschafft (3. Mo 4,12; 6,3–4). Der Leib unseres gelobten Herrn blieb, nachdem Er am Kreuz sein Leben Gott gegeben hatte, vor jeder Schändung bewahrt. Dass Er mit einem Speer durchbohrt wurde, geschah, damit die Schrift erfüllt wurde, und lieferte den Beweis, dass Er tatsächlich gestorben war. Aber „kein Bein vom ihm wird zerbrochen werden“ (Joh 19,33–37). So ließ Gott nicht zu, dass sein kostbarer Leib (“einen Leib aber hast du mir bereitet“, Heb 10,5) wie der eines Verbrechers behandelt wurde, sondern sorgte dafür, dass Er denen, die Ihn liebten, richterlich überantwortet, in wohlriechende und kostbare Salben gewickelt und in eine neue, aus dem Felsen gehauene Gruft gelegt wurde (Joh 19,38–42; Lk 23,52–53). Zeigt all das nicht die Wirklichkeit dessen, was in der Fettasche angedeutet wird? Kein Wunder, dass der Topf, in dem sie an den reinen Ort getragen wurde, und die Schaufel (yah, von einem Wortstamm, der „wegreißen“ oder „wegfegen“ bedeutet), womit sie in den Topf getan wurde, aus Kupfer waren. Dasselbe unnachgiebige Gericht, das Ihm am Kreuz widerfahren war, verlangte für Ihn nun die höchste Ehre. Es war ein richterliches Zeugnis der Annahme seines Opfers. Die Ostseite des Alters, die Seite des Sonnenaufgangs, wohin die Fettasche kam, zeugt nicht nur von der Annahme des Opfers, sondern beinhaltet auch die Zusicherung der Auferstehung.

All das war stets vor dem Herrn. Er hat mit seinem Tod immer auch seine Auferstehung verbunden (Mt 16,21). Die Fettasche spricht so von der Annahme des Opfers Christi und gibt dem Glaubenden die volle Gewissheit, dass auch er angenommen ist.

Aber wir müssen noch ein paar Worte über die anderen Geräte sagen, die ebenfalls aus Kupfer waren. Die richterliche Gerechtigkeit Gottes war überall beteiligt und sein ganzes Handeln, sowohl im Tod unseres Herrn als auch in dem, was darauf folgte, gründete sich auf diesen unabrückbaren, unbeugsamen Wesenszug. So waren auch die Sprengschalen (mizrekoth, von einem Wort, das „sprengen“ bedeutet), die das Blut aufnahmen und von denen aus es auf den Altar gegossen oder gesprengt wurde, aus Kupfer. Das volle Maß des Gerichts war ausgeschüttet worden. Die Verwendung der Sprengschalen ergibt sich aus Sacharja 9,15: Das Blut der Feinde des Herrn, die sich Ihm nicht beugen wollen, wird völlig vergossen, und die, die Er dazu gebraucht, werden „voll werden wie die Opferschalen, wie die Ecken des Altars“, wo das Blut ausgegossen wurde. Zur Verwendung der Gabeln (mizlegoth, von einem Wortstamm, der „aufgreifen“ bedeutet) finden wir keine Angabe. Sie wurden offenbar bei verschiedenen Gelegenheiten zur Handhabung der verschiedenen Teile des Opfers gebraucht. Alles stand im Einklang mit der göttlichen Gerechtigkeit, der sich der Heilige willig unterwarf. Oh, welche Leiden! Wir wollen Ihn lieben und anbeten und dabei die Sünde verabscheuen, die solche Leiden nötig machte.

Eine letzte Gruppe von Geräten bleibt uns noch übrig – die Kohlenpfannen (mahathoth, von einem Wortstamm, der „aufnehmen“ bedeutet – wie das Feuer). Das waren Behälter für Feuerkohlen und sie wurden wohl benutzt, um das Feuer vom Brandopferaltar zum Räucheraltar zu bringen, und vielleicht auch, um das Feuer aufzubewahren, während das Holz oder das Opfer auf dem Altar zugerichtet wurden. Dasselbe Wort wird auch für Räucherpfannen verwendet, die das Feuer enthielten, worauf das Räucherwerk gestreut wurde. Diese zwei Verwendungszwecke waren so eng miteinander verbunden, dass für beide ein und dasselbe Wort gebraucht wird. Es stimmt auch mit dem Wort für die „Löschnäpfe“ überein (2. Mo 25,38). In diese wurden die verschmorten Enden der Lampendochte am goldenen Leuchter getan. Die Kohlenpfannen am Brandopferaltar mussten aus Kupfer sein – all diese Geräte vereinten sich zu einer Stimme mit den Materialien des Gitters und des Überzugs, um zu bezeugen, dass Gottes Gericht – so wie jedes seiner Attribute – unbeugsam ist und dass der Eine, der allein dieses Gericht tragen konnte, der göttlich-menschliche Sohn ist.

Wir sehen das ernste und unausweichliche Ergebnis eines Nahens zu Gott auf irgendeinem anderen Wege als durch den göttlich angeordneten Priester und das zugehörige Opfer in dem Verderben Korahs und seiner Rotte (4. Mo 16), die unter dem Vorwand, dass ja die ganze Versammlung heilig sei, den Priester Gottes, Aaron, verachteten. Gott machte klar, dass es unmöglich war, vor Ihm zu bestehen oder Annahme zu finden, wenn nicht auf der Grundlage eines Opfers und durch den göttlich eingesetzten Priester. Korah und seiner Rotte sollten jeder eine kupferne Räucherpfanne bringen, Aaron ebenso, und Gott würde kundtun, wen Er als Priester erwählt. Nachdem das Feuer von Gott die Frevler verzehrt hatte, blieb Aaron allein übrig, um das Volk vor Gott zu vertreten. Als Mittler zwischen Gott und dem widerspenstigen Volk stand er in dieser ernsten Szene zwischen den Lebenden und den Toten (4. Mo 17,11–15). So war er ein Bild von Christus als dem Mittler und Fürsprecher, der durch sein Opfer der einzige Weg zu Gott ist.

Dieser Lektion wird besonderer Nachdruck verliehen, indem die kupfernen Räucherpfannen zu Blechen als Überzug für den kupfernen Altar breitgeschlagen werden, um dem Volk die Bestimtheit des Gerichts für jeden vor Augen zu führen, der das Opfer und den Priester Gottes missachtet. Aber die Bleche waren mit dem Altar verbunden, so als wollte Gott nicht bloß eine Warnung geben, sondern die Blicke auf den wirksamen Schutz vor jenem Gericht lenken, das Er an denen ausführen muss, die seine Gnade ablehnen.

Fußnoten

  • 1 In der Elberfelder Übersetzung heißt es „Riegel“ statt „Schuhe“ (Anm. d. Übs.).
  • 2 In der Darstellung göttlicher Eigenschaften spricht Kupfer von der Gottheit unseres Herrn und von seinem Sühnungswerk, gerade so wie das Akazienholz im selben Zusammenhang seine Menschheit darstellt. Wir geben daher einige Schriftstellen an, die auf diese Tatsache in Bezug auf sein Opferwerk hinweisen. Wir hätten natürlicherweise erwartet, dass in diesem Zusammenhang seine Menschheit mehr in den Vordergrund gerückt wird, weil es als Mensch war, dass Er sein Leben ließ. Aber hier wie auch sonst können wir zwar unterscheiden zwischen den zwei Naturen unseres Herrn, dürfen sie aber nicht voneinander trennen. Das gesamte Textgefüge der Schrift illustriert diese so überaus wichtige Wahrheit. Die Worte Gottes an Abraham: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen“ (1. Mo 22,2) deuten auf eine Liebe und auf ein Opfer hin, das unendlich größer ist als das von Abraham, und von unendlich überragender Wirksamkeit – das Opfer von Gottes eingeborenem Sohn. Joseph wurde von Hebron, dem Ort der Gemeinschaft, durch seinen Vater zu seinen Brüdern gesandt. Sie nahmen ihn, warfen ihn in die Grube, und verkauften ihn (1. Mo 37,14ff). Wir haben darin eine Vorausschattierung desjenigen, der aus dem Schoß des Vaters kam und verworfen wurde bis hin zum Tod. In den Opfern haben wir im Geflügel des Himmels (3. Mo 1) eine Andeutung desjenigen, der aus dem Himmel herabkam und in einem irdenen Gefäß geschlachtet wurde (3. Mo 14,5–6). Das Zeugnis der Psalmen ist unmissverständlich, besonders das von Psalm 102, aus dem wir bereits zitiert haben. Der demütig Leidende wird dort von Gott angeredet als der, der in Ewigkeit bleibt (Ps 102,25–27). „Ich kleide die Himmel in Schwarz“ sagt derselbe, der auch bezeugt: „Ich bot meinen Rücken den Schlagenden“ (Jes 50,3.6). „Schwert, erwache gegen meinen Hirten und gegen den Mann, der mein Genosse ist!“ (Sach 13,7). Das Neue Testament fügt dem noch überreichlich Zeugnis von selber Art hinzu: „Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wiedernehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst“ (Joh 10,17–18). Die Beziehung des Sohnes zum Vater bestand nicht nur als Mensch, sondern war göttlich: „Welcher, die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Abdruck seines Wesens seiend und alle Dinge durch das Wort seiner Macht tragend, nachdem er durch sich selbst die Reinigung von den Sünden bewirkt ...“ (Heb 1,3). „Der das Bild des unsichtbaren Gottes ist“ (Kol 1,15). Dieser Vers folgt unmittelbar auf einen, der von seinem Sühnungstod spricht: „..., in dem wir die Erlösung haben, die Vergebung der Sünden“ (Vers 14).
  • 3 „Die Seele, die sündigt, die soll sterben“ (Hes 18,4). „An dem Tag, da du davon isst, musst du sterben“ (1. Mo 2,17). „Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht“ (Heb 9,27). „Und ich sah einen großen weißen Thron ... und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen ... und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, ... und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen“ (Off 20,11–15). Das ist die schreckliche Strafe für Sünde: der körperlicher Tod, und nach dem Tod die endgültige moralische und geistliche Trennung von Gott, und der Feuersee für alle Ewigkeit. Das sind die unbeugsamen Forderungen der Gerechtigkeit Gottes.
  • 4 Es hat einmal jemand (J.B.J.) darauf hingewiesen, dass Salomos Herrschaft gekennzeichnet war durch die Darstellung von Macht und Herrlichkeit, was der zukünftigen Herrschaft des Herrn in der Herrlichkeit des tausendjährigen Reiches entspricht, wohingegen Davids Herrschaft in Gnade der jetzigen Zeit entspricht. Joab hätte Gnade suchen sollen bei David, ehe Salomo seine Herrschaft antrat. Tatsächlich war er ein Gegner Salomos.
  • 5 Mit dem Wort „Hörner“ stehen noch andere vielsagende Gedanken in Verbindung. „Strahlen sind zu seinen Seiten“ (Hab 3,4) – die Strahlen sind wörtlich „Hörner“, Lichtstrahlen, die nicht nur Kraft andeuten, sondern das Licht von Gottes offenbarter Herrlichkeit. Mose wusste nicht, „dass die Haut seines Angesichts strahlte“ (2. Mo 34,29). Das Wort für „strahlte“ hat denselben Stamm wie das Wort „Horn“. So können wir bei den Hörnern des Altars auch daran denken, dass sie vorstellen: „Gott ist Licht“, und in ihrem weltumfassenden Gnadenangebot durch das Blut: „Gott ist Liebe“, und mit diesen göttlichen Tatsachen verbunden auch seine ewige Macht.
  • 6 Dieser Satz hat sich dem Übersetzer nicht erschlossen und ist daher womöglich nicht sinngetreu wiedergegeben (Anm. d. Übers.).
  • 7 Siehe die „Numerical Bible“ von F. W. Grant zu 3. Mose 1 (S. 289 f.).
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