FAQ - häufig gestellte Fragen zum christlichen Glauben

Das Evangelium des Heils - Teil 1: Die Rechtfertigung von unseren Sünden

Die Fragen und Antworten in diesem Kapitel können als Einführung zu Römer 1 bis 5,11 gelesen werden. Kapitel 6 enthält Fragen und Antworten zu Römer 5,12 bis 8,39.


5.1 Was bedeutet das Wort «Evangelium»?

Das griechische Wort für Evangelium (euangelion) ist wörtlich mit «gute Botschaft» zu übersetzen. Im antiken Griechenland war es Brauch, dass nach einer gewonnenen Schlacht ein Kurier zur Stadt geschickt wurde, der dieses eine Wort ausrief: «euangelion»! Gute Nachricht – die Schlacht ist gewonnen! Das Evangelium ist die gute Nachricht, die Gott seit dem Tod und der Auferstehung von Christus den Menschen verkündigen lässt.

5.2 Was ist der Inhalt des Evangeliums?

Das Evangelium zeigt, wie Gott für den Menschen, der völlig versagt hat, einen Weg gefunden hat, auf dem er in eine lebendige Beziehung zu Ihm kommen kann. Dieser Weg führt über seinen Sohn, den Herrn Jesus, der Gott war und ist, aber Mensch wurde und am Kreuz für Sünder starb: «Das Evangelium Gottes ... über seinen Sohn» (Röm 1,1.3). Dies ist der einzige Weg, der zu Gott führt (Apg 4,12). Der Mensch hat Gott nicht gesucht, aber die gute Nachricht besteht darin, dass Gott den Menschen gesucht hat (siehe Lukas 15).

5.3 Weshalb schämte sich Paulus des Evangeliums nicht?

Paulus hätte sich des Evangeliums schämen können (Röm 1,16.17), weil der Mensch eine Nachricht, die ihn für schuldig erklärt, natürlicherweise ablehnt. Der Überbringer einer solchen Botschaft wird im Allgemeinen verachtet. Sündern das Evangelium zu verkündigen, bringt Schmach mit sich.

Dennoch schämte sich Paulus aus verschiedenen Gründen des Evangeliums nicht. Erstens, ist es «Gottes Kraft» für alle, die glauben (Röm 1,16). Es hat einen so mächtigen Einfluss, dass es Menschen ändern und sie zu Gott führen kann, wenn sie es annehmen und glauben. Zudem gilt das Evangelium für alle Menschen (Röm 1,16). Schliesslich wird Gottes Gerechtigkeit (Röm 1,17) darin offenbart (5.4).

5.4 Was ist mit «Gottes Gerechtigkeit» gemeint?

Gott zeigt, dass Er gerecht ist, indem Er

  • in seinem Zorn den Sünder verurteilt (Röm 1,17.18);
  • Jesus Christus aus den Toten auferweckte und Ihm einen Ehrenplatz gab (Joh 16,10);
  • Sünden, die Ihm bekannt werden, vergibt (1. Joh 1,9);
  • jene rechtfertigt, die an Jesus Christus glauben (Röm 3,25.26; 4,5).

Der letzte Punkt erscheint auf den ersten Blick überraschend: dass Gott sündige Menschen rechtfertigen kann! Die Lösung für dieses Problem besprechen wir in   5.11 und   5.12.

5.5 Wer hat das Evangelium nötig?

Alle. Paulus unterteilt die Menschheit in drei Gruppen:

  • Personen, die jede Kenntnis über den wahren Gott verloren und keinerlei gute moralische Grundsätze für ihr Verhalten haben (Röm 1,18–32);
  • die Moralisten, Menschen also, die sich selbst gewisse moralische Verhaltensregeln auferlegen und auch als Massstab an andere anlegen (Röm 2,1–16);
  • die Juden (Röm 2,17–3,9).

Jeder Mensch gehört zu einer dieser drei Personengruppen. Paulus zeigt, dass jede dieser Gruppen – und darum jeder Mensch – vor Gott schuldig ist.

5.6 Sind alle Menschen schuldig?

Ja, letztlich sind alle schuldig. Ausnahmen gibt es keine! Personen, die zur ersten Gruppe gehören (5.5) sind schuldig, auch wenn sie das Evangelium nie gehört haben. Sie hätten den Schöpfer-Gott einfach aus der Beobachtung der Schöpfung erkennen können. Doch sie wollten nicht.

Die Moralisten (2. Gruppe,   5.5) stellen sich zwar Verhaltensregeln auf, halten sie aber nicht und handeln gegen ihr eigenes Gewissen (Röm 2,15).

Israel (die Juden, 3. Gruppe) bekam das mosaische Gesetz von Gott – und brach es.

«Da ist kein Gerechter, auch nicht einer.» – «Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes» (Röm 3,10.23).

5.7 Gibt es für das Problem des Schuldig-Seins vor Gott keine Lösung?

Doch. Vorab muss man bedenken, dass Gott ein gerechter Richter ist, dass Er heilig ist und Sünde verabscheut. Er kennt uns und jede unserer Sünden. Es gibt daher nur zwei Möglichkeiten: Entweder muss Er mich verdammen oder ich muss vor Ihm gerechtfertigt werden. Wie dies geschehen kann, wird in den folgenden Fragen und Antworten gezeigt.

5.8 Was bedeutet, «vor ihm gerechtfertigt werden»?

Gerechtfertigt sein, heisst «für gerecht erklärt werden» (Röm 3,20). Das ist noch besser als unschuldig sein. Jemand, der gerechtfertigt ist, kann auf Christus zeigen, der zur Rechten Gottes sitzt, und kann sagen: «Ich gehöre Ihm, deshalb bin ich gerecht.» Der unschuldige Adam konnte das nicht tun.

Wenn jemand einen Gerechtfertigten als schuldig verurteilen wollte, müsste er zuerst Christus als ungerecht verurteilen – und das ist unmöglich (Röm 8,34).

Wir sind gerecht, weil wir gerechtfertigt worden sind. Diese Gerechtigkeit ist nicht von uns oder von Menschen; es ist die «Gerechtigkeit aus Gott», die Er uns anrechnet (Röm 4,3.5.11; Phil 3,9;   5.10).

5.9 Was ist mit «Gesetzeswerken» gemeint? Kann man mit «guten Werken» vor Gott gerecht werden?

Gesetzeswerke (Röm 3,20) sind nicht nur Taten, die dem Gesetz von Mose entsprachen, sondern Werke, um irgendein Gesetz zu befolgen. Durch das Halten eines religiösen Gesetzes möchte man Gottes Anerkennung gewinnen und dann diese Stellung aufrecht erhalten. Die meisten Menschen glauben, so errettet werden zu können – «wenn du gut bist, kommst du in den Himmel.» Aber leider ist niemand gut! Das Volk Israel hat im Fall des mosaischen Gesetzes bewiesen, dass der Mensch unfähig ist, dieses oder irgendein anderes Gesetz zu halten. Das ist ein allgemeiner Grundsatz. Es gibt keine Werke – nichts, was der Mensch tun könnte –, um vor Gott gerecht zu werden.

5.10 Wie kann man vor Gott gerechtfertigt werden (Röm 3,22–25)?

Was uns betrifft, nur «durch Glauben» (Röm 3,22–25). Was Gott angeht, nur «durch seine Gnade». «Durch Glauben» bedeutet, dass wir darauf vertrauen, dass Jesus Christus unsere Sünden gesühnt hat, und dass dies genügt. «Durch seine Gnade» heisst, dass wir annehmen müssen, was Gott gibt, und dass wir zur Schuldentilgung nichts beitragen können.

Das Mittel unserer Rechtfertigung ist das Blut Jesu: Er musste als unser Stellvertreter sterben.

5.11 Was heisst «den Gott dargestellt hat als ein Sühnmittel»?

Das hebräische Wort für «sühnen» bedeutet wörtlich «zudecken» (2.7). Im Alten Testament wird dieser Begriff als Bezeichnung für den Sühndeckel der Bundeslade im Allerheiligsten verwendet (Röm 3,25). Dieser Deckel war aus reinem Gold gefertigt – ein Hinweis auf die makellose Herrlichkeit Gottes. Die Gesetzestafeln, die den Menschen nur schuldig sprechen konnten, befanden sich in der Bundeslade. Die Cherubim (die Wächter der Heiligkeit Gottes, die auch das göttliche Gericht vollzogen, siehe 1. Mose 3,24) blickten auf den Deckel der Bundeslade (2. Mose 25,20; 37,9) und mussten bestätigen, dass Gott gerecht ist, wenn Er den Menschen verurteilt. Aber dann wurde der Sühndeckel mit dem Blut eines unschuldigen Opfertieres besprengt, und so konnte Gott sein schuldiges Volk verschonen (3. Mose 16,14–16.33).

Das ist ein Bild von dem, was Christus getan hat: Er gab sein Leben – sein Blut wurde vergossen –, so dass Gott uns nicht verurteilen muss. Wir sind dadurch «gedeckt», dass der Herr Jesus sein Leben für uns gelassen hat.

5.12 Wie kann Gott einen Sünder rechtfertigen und gleichzeitig gerecht sein?

Weil Christus unser Stellvertreter (vgl. 2.8) geworden ist. Er hat unseren Platz eingenommen und hat das Gericht für unsere Sünden ertragen.

Wenn jemand meine Schuld begleicht, was kann dann der Richter tun? Nichts, weil jemand anders zu meinen Gunsten bezahlt hat. Niemand hätte ein besseres Mittel für Rechtfertigung und Vergebung  finden können! Gott vergibt – was an sich schon wunderbar ist –, sieht aber über Sünden nicht hinweg. Er vergibt, nachdem Er unsere Sünden an seinem Sohn verurteilt und gerichtet hat. Das Problem wurde gelöst, und zwar auf gerechte Art und Weise.

5.13 Was ist mit den Glaubenden des Alten Testaments? Wie werden sie gerechtfertigt?

Genau so wie die Glaubenden des Neuen Testaments: durch Glauben. Abraham glaubte Gott, was ihm zur Gerechtigkeit gerechnet wurde (Röm 4,3). Gott konnte dies gerechterweise tun, weil Er auf das zukünftige Opfer des Herrn Jesus blickte (Röm 3,25.26).

5.14 Aber wird nicht im Jakobus-Brief gesagt, dass Abraham durch Werke gerechtfertigt worden ist?

Richtig. Aber Jakobus spricht nicht davon, wie man vor Gott gerechtfertigt wird, sondern davon, dass unsere Handlungen den Menschen zeigen, dass wir gerechtfertigt sind. Der einzige Beweis, dass unser Glaube echt ist, besteht in unseren Werken, die wir nach unserer Errettung tun (Jak 2,21.22). Wie konnten die Zeitgenossen Abrahams sehen, dass er gerecht war? Nur durch seine Werke. Als er sich aufmachte, um Isaak zu opfern (1. Mose 22), erbrachte er den Beweis für seinen Glauben. Aber Gott wusste lange zuvor, dass Abraham glaubte, und rechnete ihm dies zur Gerechtigkeit (1. Mose 15,6).

5.15 Warum wurde Christus unserer Rechtfertigung wegen auferweckt?

Das Werk des Herrn Jesus war vollendet, als Er sagte: «Es ist vollbracht», «den Geist übergab» (Joh 19,30) und starb. Als Gott Jesus auferweckte, zeigte Er den Menschen und den Engeln, dass Er den Tod seines Sohnes als völlig genügend angenommen hat, und dass Er durch Christus und sein Werk völlig befriedigt worden ist.

Gott ist gerecht, wenn Er solche rechtfertigt, die an den Herrn Jesus glauben (Röm 3,26), d.h. jene, die ihr Vertrauen in sein Werk am Kreuz setzen. Die Auferweckung beweist, dass das Werk am Kreuz von Gott angenommen worden ist. Zudem bestätigt es unseren Glauben.

5.16 Was hat die Rechtfertigung für Folgen?

Wir haben Frieden mit Gott (Röm 5,1). Es gibt kein ungelöstes Problem mehr zwischen Gott und uns. Nichts trennt uns mehr. Es handelt sich nicht um einen zukünftigen Frieden mit Gott. Der Glaubende besitzt ihn jetzt schon. Es gibt überhaupt kein Hindernis mehr in unserer Beziehung zu Gott. Gott hat nichts mehr gegen uns. Wir stehen nun in seiner Gunst (Röm 5,2). Gott ist «für uns» (Röm 8,31). Er hat nur positive Gedanken und Gefühle für uns.

Aber es gehört noch viel mehr dazu: Lies Römer 5,1–11. Dort siehst du die wunderbaren Folgen der Rechtfertigung und des Friedens mit Gott!

5.17 Was sind die praktischen Folgen für unser Leben?

Die Verse in Römer 5,3–11 zeigen uns, dass Bedrängnisse (Prüfungen und grosse Schwierigkeiten), mit denen wir in unserem Leben konfrontiert werden, zu unserem Guten dienen. Prüfungen bewirken ein Wachstum in Geduld, Erfahrung und in Hoffnung. Die Liebe Gottes wurde durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen. Gott hat diese Liebe gegen uns erwiesen, indem Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Gott bereits alles für uns getan hat und uns das Grösstmögliche gegeben hat als wir noch Sünder waren. Wie viel mehr wird Er uns jetzt, da wir in seiner Gunst stehen und mit Ihm versöhnt sind, durch alle Schwierigkeiten unseres Lebens hindurchretten und uns vor dem zukünftigen Zorn bewahren! Was für eine Zusicherung!

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