FAQ - häufig gestellte Fragen zum christlichen Glauben

Anbetung

Wenn man heute Christen fragt, was Anbetung ist, erhält man verschiedene Antworten. Manche sagen: „Wir gehen an diesen oder jenen Ort in den Gottesdienst“ – und meinen damit die Predigt, die sie dort hören. Andere sprechen von Anbetung und denken dabei an eine musikalische Darbietung eines Chors, eines Orchesters oder einer Band. Aber treffen diese Ansichten wirklich das, was die Bibel unter Anbetung versteht? Wie bei jedem Thema, das unser Glaubensleben betrifft, müssen wir uns auch hier fragen: „Was sagt die Schrift?“ (Röm 4,3).

Die Bibel zeigt, dass Anbetung eine Handlung gegenüber Gott ist. Wir beugen uns vor Ihm – ob persönlich oder gemeinsam – und bringen Ihm etwas dar, was Er annehmen kann.

Leider haben sich die Menschen vor allen möglichen Dingen niedergebeugt – vor Planeten oder Sternen, vor Götzenbildern aus Holz oder Stein. Sie dachten, dass diese Dinge ihr Leben beeinflussen würden. Natürlich ist diese Verehrung lebloser Dinge völlig gegen Gottes Willen. Doch wie kam es dazu? Die Antwort finden wir in Römer 1: Als sich die Menschen weigerten, Gott die Ehre zu geben, wurden ihr Herz und ihr Sinn verdunkelt. Als Folge davon verfielen sie in Torheit und knieten vor Götzenbildern nieder, die der Mensch gemacht hatte (V. 21–23). Wenn Menschen sich nicht vor Gott beugen wollen, werden sie sich schließlich vor allen möglichen Dingen verneigen. In unserer immer weniger christlich geprägten Gesellschaft – speziell in den westlichen Ländern – mögen sich viele Menschen als nicht-religiös ausgeben. Aber in ihrem Leben zeigen sie, dass sie trotzdem das Bedürfnis haben, zu jemand aufzublicken, etwas zu verehren oder sich vor jemand niederzubeugen. So verehren sie Fußballstars, Athleten, Sänger oder sonstige Prominente.

Die Bibel zeigt die wahre Bedeutung von Anbetung nach Gottes Gedanken. Sie macht klar, dass die Prinzipien der Anbetung immer gleich bleiben:

  • Es muss im Glauben geschehen (Heb 11,6).
  • Es erfordert eine ehrfurchtsvolle Haltung vor Gott.
  • Wir sollen Ihm das bringen, was Er annehmen kann.

Andere Elemente der Anbetung haben sich im Lauf der verschiedenen Zeitepochen grundlegend geändert: Was wir heute Gott darbringen können, unterscheidet sich von dem, was Ihm die Juden einst opferten. Die ganze Art und Weise der christlichen Anbetung unterscheidet sich fundamental vom jüdischen Gottesdienst.

Die jüdische Anbetung war ein formeller, materieller Gottesdienst, der tierische Opfer, Backwerk (Speisopfer), Erstlingsfrüchte, Räucherwerke usw. beinhaltete. Kunstvolle Gebäude und Kleider spielten eine wichtige Rolle. Der christliche Gottesdienst hingegen ist geistlich, nicht materiell. Wir werden einige dieser Unterschiede behandeln.

Da kann man sich fragen: Warum hat Gott die Art und Weise des Gottesdienstes so verändert? Ist Gott anders geworden? Sicher nicht (Jak 1,17; Heb 13,8)! Aber etwas anderes hat sich geändert: der Herr Jesus ist am Kreuz gestorben. Christen können auf sein Erlösungswerk zurücksblicken und auf dieser Grundlage Gott anbeten. Sie bringen Ihm Dank und Anbetung in dem Bewusstsein, dass ihre Sünden vergeben sind, ihr Gewissen gereinigt und Gott verherrlicht ist. Das war offensichtlich zur Zeit des Alten Testaments nicht möglich. Das Opfer von Christus lag damals noch in der Zukunft. Darum richtete Gott im Volk Israel einen zeremoniellen, formellen und materiellen Gottesdienst ein, der das Werk des Herrn Jesus bildlich darstellte. Als Jesus Christus dann kam, verschwanden diese Schatten und machten dem „Körper“, d.h. der Realität, Platz (Kol 2,17).

Um Gott einsichtsvoll anbeten zu können, ist es wichtig, sowohl die Parallelen als auch die Unterschiede zwischen dem jüdischen und dem christlichen Gottesdienst gut zu verstehen.

Wir möchten dieses wichtige Thema anhand von Fragen und Antworten behandeln. Dadurch sollen wir ermutigt werden, aktive Anbeter zu werden. Anbetung hat im christlichen Leben eine zentrale Bedeutung. Als Menschen, die durch das kostbare Blut des Lammes erlöst worden sind (1. Pet 1,18.19), haben wir allen Grund, uns vor Gott in Anbetung niederzubeugen.

Der Begriff „Anbetung“

1) Was genau ist Anbetung?

Anbetung ist ein Sich-Niederbeugen vor Gott. Damit ist nicht unbedingt eine körperliche Haltung, sondern eine innere Einstellung der Ehrerbietung gemeint. Wir verbeugen uns vor Gott, indem wir Ihn anerkennen und seine Würde zum Ausdruck bringen: Wir verehren seine Person, seine Eigenschaften und seinen Charakter. Ein Beispiel dazu gibt uns Offenbarung 5,9, wo es heißt: „Du bist würdig.“ In diesem Sinn beinhaltet Anbetung auch, dass wir Gott etwas bringen oder etwas vorstellen.

Anbetung hat einen zentralen Platz im christlichen Leben – sowohl im persönlichen als auch im gemeinsamen. Wir sind errettet worden, um Anbeter zu werden – schon auf der Erde (Joh 4,23), aber auch in alle Ewigkeit (Off 4,10.11; 5,9–14).

2) Was lernen wir vom griechischen Wort für anbeten?

„Proskuneo“ ist das griechische Wort, das in der Bibel im Allgemeinen mit „anbeten“ oder „huldigen“ übersetzt wird. Dieses Wort wird so definiert: „sich niederbeugen“, das heisst: „sich – buchstäblich oder sinnbildlich – in Ehrerbietung niederwerfen“. In manchen Situationen bezieht es sich nur auf die körperliche Haltung. Aber normalerweise wird dieses Wort benutzt, wenn es darum geht, sich vor Gott zu niederzubeugen. Das unterstreicht, was in der Antwort zu Frage 1 gesagt worden ist. Die körperliche Haltung des Sich-Verneigens, die dem Wort „proskuneo“ entnommen wird, illustriert die geistliche Einstellung, die für die Anbetung notwendig ist. Das gilt besonders für die christliche Anbetung, da sie eine geistliche Tätigkeit ist.

Die erste Handlung von Anbetung im Neuen Testament wird uns in Matthäus 2 berichtet. Da kamen weise Männer aus dem Osten, um vor dem Kind Jesus niederzufallen und Ihm zu huldigen (V. 11).

Das Wort „proskuneo“ kommt im Neuen Testament ungefähr 60 Mal vor. Das Wort „latreuo“, das auch mit Anbetung übersetzt wird, hat mehr die Bedeutung von Gottesdienst.

3) Ist anbeten das Gleiche wie loben oder danken?

Nein. Wir danken für das, was wir bekommen haben (siehe Apg 27,35; 2. Kor 9,15; 1. Thes 1,2). Wir loben jemand für das, was er getan hat (Mt 11,25; Lk 19,37; 1. Kor 11,2.17.22; 1. Pet 2,14). Aber wir beten Gott für das an, was Er ist (Lk 24,52; Joh 4,22–24; Joh 9,38; Off 5,9). Nur Gott steht Anbetung zu. Es ist jedoch richtig – falls es angebracht ist –, Menschen zu danken und sie zu loben. Der Dank, das Lob und die Anbetung Gottes sind eng miteinander verbunden und werden oft auch zusammen dargebracht (Off 5,9).

4) Ist Anbetung eine spontane Reaktion oder eine geplante Aktivität?

Es ist beides. Auf der einen Seite lesen wir von einzelnen Menschen, die sich – beeindruckt von Gottes Größe und seinen wunderbaren Taten – spontan vor Ihm niedergeworfen und Ihn angebetet haben. Beispiele sind der Knecht Abrahams und Gideon (1. Mo 24,26; Ri 7,15). Dasselbe gilt für die fünf Begebenheiten in der Offenbarung, bei denen Gott angebetet wird (Off 4,10.11; 5,14; 7,11; 11,16.17; 19,4).

Auf der anderen Seite werden wir dazu aufgefordert, Anbetung zu bringen. Gott verdient es, angebetet zu werden (5. Mo 26,10; 1. Chr 16,29; Ps 29,2; 45,12; 95,6; 96,9; 99,9; 132,7). Der Israelit sollte nicht „leer vor dem HERRN erscheinen“ (2. Mo 34,20; 5. Mo 16,16). Konkrete Ermutigungen zur Anbetung im Neuen Testament finden wir in 1. Petrus 2,5 und Hebräer 13,15.

Anbetung zur Zeit des Alten Testaments

5) Wurde Gott in alttestamentlicher Zeit angebetet?

Ja, es gab persönliche und gemeinsame Anbetung. Es wird von vielen Personen berichtet, die sich einzeln vor Gott in Anbetung niedergebeugt haben. Wir erwähnen als Beispiele:

  • Abraham (1. Mo 22,5),
  • Abrahams Knecht (1. Mo 24,26),
  • Josua (Jos 5,14),
  • Elkana (1. Sam 1,3),
  • David (2. Sam 15,32) und
  • Hiob (Hiob 1,20).

Aber es gibt auch viele Beispiele, gemeinsam angebetet wurde:

  •  die Kinder Israel (2. Mo 4,31; 2. Chr 7,3; Neh 9,3),
  • die ganze Versammlung Israels (1. Chr 29,20),
  • das Volk (2. Mo 12,27),
  • Josaphat, Juda und Jerusalem (2. Chr 20,18),
  • Hiskia und die ganze Versammlung Israels (2. Chr 29,28–30) und
  • das ganze Volk (2. Mo 33,10; Neh 8,6).

Sodann gibt es auch Beispiele dafür, dass Engel Gott anbeten (Neh 9,6; Heb 1,6).

6) Wie haben die Gläubigen in alttestamentlicher Zeit angebetet?

Die gemeinsame Anbetung im Alten Testament

  • war größtenteils materiell und beinhaltete tierische Opfer und das Darbringen von Weihrauch, Speisopfern, Erstlingsfrüchten usw.
  • war streng geregelt durch formelle Zeremonien, heilige Orte, spezielle Kleider, vermittelnde Priester, zeremonielle Waschungen usw.
  • illustriert die christliche Anbetung (siehe Fragen 7 bis 11) und unterscheidet sich doch grundlegend von ihr (siehe Frage 12).

Illustrationen der christlichen Anbetung

7) Welche alttestamentlichen Bilder der Anbetung gibt es?

Die großen alttestamentlichen Vorbilder der Anbetung sind folgende:

  • die Altäre, die von einzelnen Personen aufgerichtet wurden (siehe Frage 8),
  • die Opfer auf dem kupfernen Altar – besonders das Brandopfer (2. Mo 27,1–8; 3. Mo 1; siehe Frage 9),
  • das Räucherwerk auf dem goldenen Altar (2. Mo 30,1–10; siehe Frage 10),
  • das Darbringen des Korbes mit den Erstlingsfrüchten (5. Mo 26; siehe Frage 11).

8) Was lernen wir von den Altären im Alten Testament?

Nach der Flut, als Noah gerettet war und die gereinigte Erde betrat, baute er einen Altar und brachte reine Tiere als Opfer dar (1. Mo 8,20). Die Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob bauten Altäre, um Gott zu nahen (1. Mo 12,7.8; 13,4.18; 22,9; 26,25; 33,20; 35,1–7). Am Altar hatten sie Gemeinschaft mit Gott und beteten Ihn an.

Von diesen Altären können wir zwei wichtige Lektionen lernen:

  • Glaubende sollen Anbeter sein.
  • Anbetung basiert auf unserer Erkenntnis von Gott, denn die Altäre wurden damals nach einer speziellen Offenbarung Gottes oder einer besonderen Erfahrungen mit Ihm gebaut.

9) Werfen die Opfer im Alten Testament Licht auf die Anbetung?

Ja, das tun sie. Auf der einen Seite sprechen diese Opfer vom Herrn Jesus (3. Mo 1 – 7; 3. Mo 16; 4. Mo 19 usw.). Diese symbolische Bedeutung der Opfer wird im Neuen Testament ausdrücklich bestätigt (Eph 5,2; Heb 9 – 10).

Das Speisopfer illustriert sein vollkommenes Leben (3. Mo 2). Gewisse Details bei anderen Opfern weisen ebenfalls auf die Vollkommenheit in seinem Leben hin. Es heißt zum Beispiel, dass das Opfertier „ohne Fehl“ sein musste (3. Mo 1,3). So war Jesus Christus in seinem Leben „ohne Fehl und ohne Flecken“ (1. Pet 1,19). Das war eine Voraussetzung für seinen Opfertod.

Die Opfer, bei denen Blut vergossen wurde, sprechen vom Tod des Herrn Jesus. Sie illustrieren, dass sein Tod

  • Gott verherrlicht hat (Brandopfer),
  • die Basis für Gemeinschaft und der Gegenstand der Gemeinschaft ist (Friedensopfer),
  • die Sünden gesühnt hat (Sündopfer) und
  • den verursachten Schaden gutgemacht hat (Schuldopfer).

Viele verschiedene Tieropfer und viele unterschiedliche Arten der Darbringung waren nötig, um das Werk des Herrn Jesus am Kreuz im Voraus anzudeuten. So geben die Opfer des Alten Testaments in ihren unterschiedlichen Aspekten viel Stoff für die christliche Anbetung, wenn wir ihre symbolische Bedeutung im Blick auf Jesus Christus erkennen.

Auf der anderen Seite sprechen manche dieser Opfer – besonders das Brandopfer (3. Mo 1) – von der Anbetung selbst:

  • Der zentrale Gedanke dieser Opfer war, dass Gott etwas dargebracht wurde. Zudem sollte es ein Opfer sein, an dem Er Gefallen finden konnte, d.h. das zum „lieblichen Geruch dem HERRN“ war (3. Mo 1,9.13.17).
  • Gott bestimmte, was Er als Opfer annahm und welche Opfergabe Er nicht akzeptierte. Er legte auch fest, wie das Opfer gebracht werden sollte. Jedes Detail musste von seinem Sohn sprechen.

10) Was lernen wir vom goldenen Räucheraltar?

Der goldene Altar befand sich im Heiligtum des Zeltes der Zusammenkunft gerade vor dem Vorhang, der den Zugang zum Allerheiligsten versperrte (2. Mo 30,1–10). Jeden Morgen musste der Hohepriester Aaron das Räucherwerk auf diesem Altar räuchern. So erfüllte der liebliche Geruch des Räucherwerks – das von der Vollkommenheit des Herrn Jesus spricht – jeden Tag das Heiligtum. Dieses Bild spricht von der Tatsache, dass sowohl unsere Gebete als auch unsere Anbetung in der Annehmlichkeit von Christus vor Gott kommen.

Für den Sühnungstag, wenn Aaron in die Gegenwart Gottes treten sollte, bekam er genaue Anweisungen: „Er lege das Räucherwerk auf das Feuer vor den HERRN, damit die Wolke des Räucherwerks den Deckel bedecke, der auf dem Zeugnis ist, und er nicht sterbe“ (3. Mo 16,13). Diese Handlung zeigt unser Vorrecht, in die Gegenwart Gottes „einzutreten“ und „hinzuzutreten“, um Ihn dort anzubeten (Heb 10,19.22). Eingehüllt in die Wohlannehmlichkeit Christi treten wir als Anbeter vor Gott. Denn wir wissen, dass wir angenehm gemacht sind in dem Geliebten (Eph 1,6).

11) Was lernen wir von den Anweisungen in 5. Mose 26?

Dieser Abschnitt belehrte die Israeliten über die Zeit, wenn sie im verheissenen Land sein würden. Sie sollten die Erstlingsfrüchte der Ernte in einen Korb sammeln und damit „an den Ort gehen, den der HERR, dein Gott, erwählen wird, um seinen Namen dort wohnen zu lassen“. Dort sollten sie ihre Geschichte als Volk erzählen und davon sprechen, wie Gott sie gesegnet hatte. Dann sollten sie die Erstlingsfrüchte vor dem HERRN niederlegen und Ihn anbeten.

Es gibt einige Unterschiede zur christlichen Anbetung: Wir sollten zum Beispiel beim Anbeten nicht in erster Linie mit uns, unserer Errettung oder unseren Segnungen beschäftigt sein. Vielmehr soll Christus und sein Werk das Zentrum unserer Anbetung sein. Dennoch enthält 5. Mose 26 einige praktische Lektionen für uns:

  • Die Israeliten mussten im Land leben, damit sie die Erstlingsfrüchte sammeln konnten. Auf uns Christen übertragen heißt das: Nur wer die christliche Stellung versteht und genießt, kann ein aktiver Anbeter sein.
  • So wie die Israeliten zuerst Früchte sammeln mussten, so ist es nötig, dass wir mit Christus beschäftigt sind, damit wir etwas haben, was wir Gott in Anbetung bringen können.
  • Es wurden die Erstlingsfrüchte, nicht die Reste geopfert. Daraus lernen wir für uns, dass Gott und seine Anbetung den ersten Platz einnehmen soll.
  • Die Früchte mussten frisch sein und konnten nicht für lange Zeit gelagert werden. Das zeigt, dass unsere Anbetung frisch und lebendig sein soll. Was wir Gott bringen, soll dem persönlichen Genuss des Herrn Jesus und seines Werks entspringen.
  • „Du sollst dich an all dem Guten erfreuen“ (V. 11). Anbetung ist mit Freude verbunden.
  • Die Worte, die der Israelit vor Gott aussprach, machen klar, dass Anbetung nicht aus unverständlichen Tönen oder endlosen Wiederholungen besteht. Wenn wir Gott anbeten, drücken wir uns mit verständlichen Worten aus. Wir reden von Ihm und seinem Charakter, der in seinen Taten oder Wegen zum Ausdruck kommt.

Unterschiede zur christlichen Anbetung

12) Wie unterscheidet sich die israelitische Anbetung von der christlichen Anbetung?

Einerseits enthält der israelitische Gottesdienst, der im Alten Testament beschrieben wird, viele Bilder, die wir geistlich auf die christliche Anbetung übertragen können (siehe Fragen 7 bis 11). Anderseits gibt es fundamentale Unterschiede zur christlichen Anbetung:

  • Die israelitische Anbetung basierte auf Zeremonien. Alles war auf das Materielle ausgerichtet: Es gab das wunderschöne Zelt in der Wüste oder den herrlichen Tempel im Land. Altäre, tierische Opfer, Räucherwerke und spezielle Kleider prägten den israelitischen Gottesdienst. Die christliche Anbetung hingegen ist geistlich (Joh 4,23).
  • Die israelitische Anbetung bestand aus Zeremonien, die im Wesentlichen nur Schatten waren. Das Christentum besitzt die Wirklichkeit oder den Körper, der damals vorgeschattet wurde. So haben wir heute „das Ebenbild der Dinge“ (Heb 10,1, siehe auch Kol 2,17).
  • Die israelitische Anbetung schaute vorwärts auf das, was Gott schon im Voraus wusste und schließlich am Kreuz geschehen würde. Im Gegensatz dazu gründet sich christliche Anbetung auf das vollbrachte Werk des Herrn Jesus (Heb 9,12.14). Seit Christus gekommen und am Kreuz gestorben ist, will Gott nicht länger tierische Opfer annehmen (Heb 10,5.6).
  • Die israelitische Anbetung war charakterisiert durch das wiederholte Vergießen von Blut (Heb 10,1). Christliche Anbetung hingegen basiert auf der Tatsache, dass das Erlösungswerk vollbracht ist. Das Blut des Herrn Jesus wurde „ein für alle Mal“ vergossen (Heb 9,12.26; 10,12).
  • Die israelitische Anbetung war durch verschiedene Klassen innerhalb des Volks gekennzeichnet: der Hohepriester, die Priester, die Leviten und das normale Volk. Im Christentum ist der Herr Jesus der „große Hohepriester“. Es gibt keinen anderen Mittler weder „Heilige“ noch Maria, noch eine spezielle Klasse von „Priestern“ (1. Tim 2,5). Alle Glaubenden sind Priester (1. Pet 2,5; Off 1,6) und haben direkten Zugang zu Gott (Eph 2,18; Heb 10,19–22).
  • Der israelitische Gottesdienst machte nichts vollkommen (Heb 7,19; 9,8; 10,1.4). Christliche Anbeter dagegen sind vollkommen gemacht (Heb 10,14). Das betrifft ihre Stellung vor Gott. Ihre Praxis ist eine andere Sache. Solange wir noch auf der Erde sind, haben wir das Fleisch in uns. Obwohl wir nicht sündigen sollen, kommt es leider vor, dass wir fallen. Trotzdem wissen wir: Christus hat ein für alle Mal gelitten. Gott sieht uns in Ihm und wirft uns nichts vor. Deshalb haben wir ein gereinigtes Gewissen und die Freimütigkeit, in Anbetung „hinzuzutreten“ (Heb 10,19.22). Das kannten die Anbeter aus Israel nicht.
  • Die israelitische Anbetung richtete sich an den HERRN (1. Mo 13,18; 5. Mo 26,4). Christen kennen Gott als ihren Vater. Darum beten sie den Vater (Joh 4,23) und seinen Sohn Jesus Christus an.

Wir wollen diese Unterschiede an einem Beispiel verdeutlichen: Wenn Christen heute wirklich Weihrauch verbrennen, dann handeln sie einerseits im Widerspruch zum geistlichen Charakter der christlichen Anbetung. Anderseits verhalten sie sich dabei so, als wüssten sie nicht, dass die alttestamentlichen Vorausbilder durch Jesus Christus und sein Erlösungswerk in Erfüllung gegangen sind.

Aus diesen Unterschieden ziehen wir eine wichtige Schlussfolgerung: Wenn wir in der christlichen Zeit spezielle Gewänder, Altäre, Räucherwerke benutzen oder eine spezielle Klasse von Priestern haben, kehren wir zum Judentum zurück. Doch genau davor warnt uns der Hebräer-Brief auf unmissverständliche Weise.

Die christliche Anbetung

13) Was können wir Gott in der christlichen Anbetung bringen?

Anbeten bedeutet, dass wir Gott in Ehrerbietung sagen, wer Er ist. Doch wie können wir Gott anbeten, den wir nie gesehen haben? Er hat sich in seinem Sohn offenbart. Der Herr Jesus hat in seinem Leben auf der Erde und besonders in seinem Sterben am Kreuz gezeigt, wer Gott wirklich ist. Deshalb bringen wir in unserer Anbetung zum Ausdruck, wer Christus ist und was Er am Kreuz getan hat. Dadurch beten wir Gott an und bringen Ihm als eine heilige Priesterschaft geistliche Schlachtopfer dar (1. Pet 2,5). Die Person und das Werk des Herrn Jesu – das ist heute und in Ewigkeit der Gegenstand unserer Anbetung.

Als Christen bringen wir also (außer der Kollekte, 1. Kor 16,1.2) keine materiellen Opfer dar, wie es die Israeliten taten, sondern geistliche. Der Herr Jesus selbst kündigte diese neue, geistliche Form der Anbetung an (Joh 4,21.23; siehe Frage 15). Der Hebräer-Brief zeigt im Detail die Vortrefflichkeit der christlichen Anbetung auf.

Anbetung ist nicht etwas Sentimentales oder Emotionales – obwohl unsere Herzen in der Anbetung berührt werden und beteiligt sind. Der Wert von dem, was wir bringen, liegt in den Eigenschaften Gottes und in den Vorzügen seines Sohnes Jesus Christus, die wir Ihm vorstellen, und nicht in unseren Emotionen.

Noch eine kurze Bemerkung zu Römer 12,1, wo wir aufgefordert werden, unsere Körper als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer darzustellen. Diese Bibelstelle spricht nicht von Anbetung, sondern von einem Leben, das wir aus Dankbarkeit für unsere Errettung Gott zur Verfügung stellen. Im gleichen Sinn werden in Römer 15,16 die Ergebnisse des Dienstes (hier von Paulus) als Opfer für den Herrn betrachtet. Auch hier geht es nicht um Anbetung.

14) Wie wissen wir, dass Gott unsere Anbetung annimmt?

Nach 1. Petrus 2,5 sind die geistlichen Schlachtopfer „Gott wohlangenehm durch Jesus Christus“. Gott nimmt das, was wir Ihm in Anbetung bringen, nicht aufgrund dessen an, was wir von Natur aus oder in unserem praktischen Leben sind. Es hängt auch nicht von unserer Beredsamkeit oder von der Großartigkeit des benutzen Gebäudes ab. Nein, es ist der Herr Jesus, der unsere Anbetung für Gott annehmbar macht. Unsere Worte mögen einfach sein, aber wenn sie wahrhaftig sind und von Christus und seinem Werk sprechen, wird sich Gott darüber freuen.

Gott möchte, dass sowohl unsere Anbetung als auch unser tägliches Leben in Übereinstimmung mit seinem Wort sind. Sonst kann Er das, was wir Ihm bringen, nicht annehmen. Zwei Beispiele aus der Bibel dazu:

  • Als Kain seine Feldfrüchte darbrachte, blickte Gott nicht auf seine Opfergabe (1. Mo 4,5). Warum? Weil sie auf dem Prinzip der „Gerechtigkeit aus Werken“ beruhte. Kain brachte sie ohne Glauben dar und missachtete die Notwendigkeit des Todes, um sich Gott zu nähern.
  • Der Prophet Amos musste dem Volk Israel sagen, dass Gott ihre Opfer wegen ihres schlechten Verhaltens nicht annehmen würde (Amos 5,21–26). So gilt auch für uns: Wenn wir den Herrn durch Sünden verunehrt haben, müssen wir die Sache im Selbstgericht in Ordnung bringen (1. Kor 11,27–31). Danach können wir wieder in Anbetung vor Gott erscheinen.

15) Was ist Anbetung „in Geist“ und „in Wahrheit“?

Der Herr Jesus benutzte diesen Ausdruck in Johannes 4, als Er mit der samaritischen Frau über Anbetung sprach. Diese Frau kannte eine äußerliche, zeremonielle Anbetung, die vom jüdischen Gottesdienst abgeleitet war und auf Traditionen der Samariter beruhte (2. Kön 17). Der Herr erklärte ihr, dass eine neue Zeit beginnen würde, in der es eine neue Art von Anbetung geben würde: „Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahrhaftigen Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden“ (V. 23).

Anbetung „in Geist“ drückt zweierlei aus:

  1. Christliche Anbetung ist geistlich und somit der materiellen Anbetung entgegengesetzt. Sie steht in einem klaren Kontrast zu den Elementen des israelitischen Gottesdienstes, bei dem es um Gebäude, Räucherwerke, Opfertiere, Kleider usw. ging. Dadurch entspricht die christliche Anbetung dem, was Gott ist: „Gott ist ein Geist“ (Joh 4,24).
  2. Der Heilige Geist leitet die christlichen Anbeter in dem, was sie vor Gott zum Ausdruck bringen.

Anbetung „in Wahrheit“ beinhaltet auch zwei Aspekte:

  1. Anbetung basiert immer auf der offenbarten Wahrheit. Die Patriarchen beteten Gott an, nachdem Er ihnen erschienen war (1. Mo 12,7; 26,24.25; 35,1–7). Unter dem Gesetz musste die Anbetung auf den Anweisungen beruhen, die Gott dem Volk Israel gegeben hatte. Als Christen besitzen wir die volle Offenbarung Gottes. In seinem Sohn hat Er uns mitgeteilt, was in seinem Herzen ist, so dass wir Ihn als Vater kennen. Der Herr Jesus verkündete seinen Namen: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater und meinem Gott und eurem Gott“ (Joh 20,17). Wir kennen also die volle Wahrheit über Gott, darum können wir in Wahrheit anbeten.
  2. Unsere Anbetung sollte echt sein. Wir sollten meinen, was wir sagen, und nicht einfach ein Lippenbekenntnis vortragen (Mt 15,8; Jes 29,13).

16) Wen beten wir an?

Anbetung steht nur Gott zu und nie Geschöpfen, seien es Menschen, Engel oder sonst jemand (2. Mo 20,2–5; 5. Mo 6,13; Mt 4,10; Apg 10,25.26; 14,13–18; Off 19,10; 22,8.9; siehe auch Joh 4,24; 1. Kor 14,25) Konkret heisst das:

  1. Wir beten Gott, den Vater, an. In Johannes 4,23 lesen wir, dass der Vater Anbeter sucht. Der Name „Vater“ wird hier gebraucht, um Folgendes zu zeigen: Er sucht Anbetung von solchen, die sich ihrer Beziehung als Kinder zum Ihm als ihrem Vater bewusst sind (Eph 1,3; 3,14; 5,20). Wir beten unseren Gott und Vater für das an, was Er ist, und für seine herrlichen Pläne (Eph 1 und 3).
  2. Wir beten den Sohn Gottes an. Obwohl Er Mensch geworden ist, war und ist Er immer Gott. Er ist es würdig, angebetet zu werden. Sogar auf der Erde nahm Er Anbetung von den Menschen an (Mt 14,33; Joh 9,38). Als Er in den Himmel auffuhr, warfen sich seine Jünger vor Ihm nieder (Lk 24,52). Seitdem der Sohn Gottes gekommen ist, ist es unmöglich, den Vater wahrhaftig zu ehren, ohne seinem Sohn die gebührende Ehrerbietung zu geben (Joh 5,23).

17) Dann ist die Anbetung des Heiligen Geistes nicht biblisch?

Nein, das ist sie nicht. Das wird sofort klar, wenn wir Folgendes bedenken:

  • Nirgends in der Bibel finden wir ein Beispiel, dass sich jemand in der Anbetung oder im Gebet an den Heiligen Geist wendet.
  • Der Heilige Geist wohnt in uns und hilft uns unsere Beziehung zum Vater und zum Sohn zu genießen (Röm 8,15.16; Joh 14,8–17). Wir werden ermahnt, im Heiligen Geist zu beten (Eph 6,18; Jud 20). Wir üben auch den Gottesdienst durch den Heiligen Geist aus (Phil 3,3). Die Anbetung ist also durch den Geist Gottes geleitet, aber nicht an Ihn gerichtet.

18) Welche Gabe benötige ich für die Anbetung?

Gar keine – weder für die persönliche noch für die gemeinsame Anbetung. Jeder Christ kann sich vor dem Herrn verneigen, dazu braucht er keine geistliche Fähigkeit. Wenn die Gaben aufgezählt werden, wird die Anbetung nicht erwähnt (Röm 12,6–8; 1. Kor 12; Eph 4,11). Gaben sind für die Erbauung des Leibes, d.h. für die Errettung von Sündern und die geistliche Entwicklung der Erlösten (Eph 4,12). Anbetung hingegen richtet sich an Gott und ist nicht so sehr eine Frage des Wissens, sondern vielmehr eine Frage der Liebe und Hingabe.

19) Kann jeder anbeten und gibt es gewisse Voraussetzungen dafür?

Die erste Voraussetzung für Anbetung ist die persönliche Errettung. Nur Menschen, die erlöst sind und sich nicht mehr unter der Macht Satans befinden, können anbeten. Das wird in der Geschichte des Volkes Israel dargestellt. Es war den Israeliten nicht möglich, in Ägypten anzubeten (2. Mo 8,25–27). Sie mussten zuerst durch das Blut des Lammes erlöst und dann durch den Durchzug des Roten Meeres befreit werden. So ist es auch heute: Ein unbekehrter Sünder kennt Gott nicht als Vater. Zudem ist es ihm unmöglich, die herrlichen Eigenschaften Gottes zu erkennen.

Glaubende müssen Befreiung erfahren haben, um Gottes Gegenwart genießen zu können. Erst dann können sie anbeten. Diese Freiheit werden sie nur haben, wenn sie die christliche Stellung kennen und genießen (s. Frage 11): Sie sind gerechtfertigt, geheiligt und vollkommen gemacht (Röm 5,1, Heb 10,10.14). Sie haben eine himmlische Berufung (Heb 3,1). Die Kenntnis des vollbrachten Erlösungswerks des Herrn Jesus, die ewige Sicherheit des Glaubenden und Reinigung von einem bösen Gewissen geben dem Erlösten die Freimütigkeit, Gott in Anbetung zu nahen (Heb 9,12.14; 10,19.22).

Zweifellos gibt es ein Wachstum in der Erkenntnis des Herrn Jesus und in der Qualität der Anbetung. Dennoch ist es wahr, dass jeder Erlöste, sobald er Heilssicherheit besitzt, Gott anbeten kann.

20) Beten Christen den Herrn als ihren König an?

Viele tun es wahrscheinlich. Aber ist es richtig? Als Christen kennen wir Jesus Christus als unseren Herrn (Apg 2,36; 1. Kor 1,2), als unseren Erretter (Eph 1,7), als unseren Bräutigam (Off 22,17) und als unser Haupt (Kol 1,18). Er wird jedoch nie unser König genannt. Wir freuen uns natürlich auf die Zeit, da Christus hier als König regieren und alle Ehre bekommen wird. Aber selbst dann wird Er nicht über uns herrschen, sondern wir werden mit Ihm regieren. Unsere Beziehung zu Ihm ist viel enger. Das sollte sich auch in der Anbetung widerspiegeln.

Wir wollen das an einem Beispiel verdeutlichen: Wie wird die Frau eines Staatspräsidenten ihren Mann begrüßen, wenn er am Abend nach Hause kommt? Wird sie zu ihm sagen: „Guten Abend, Herr Präsident?“ Sicher nicht! So sehr sie sich auch über seinen hohen Posten freut, für sie ist er ihr Ehemann, den sie liebt, und nicht ihr „Herr Präsident“.

21) Ist Anbetung wirklich eine sinnvolle Aktivität?

In Johannes 4,23 sagt der Herr Jesus: „Der Vater sucht solche als seine Anbeter.“ Das ist umso bemerkenswerter als es nie heißt, dass Er Lehrer, Hirten, Evangelisten oder sonst irgendetwas sucht. Das zeigt, wie sehr sich Gott über die Anbetung als Antwort unserer Herzen freut.

In Johannes 12 wird die Anbetung durch die Handlung von Maria bildlich dargestellt. Als sie mit dem sehr kostbaren Salböl die Füße des Herrn Jesus salbte, wurde das Haus vom Geruch des Salböls erfüllt. Judas sah das als Verschwendung an. Seiner Meinung nach wäre das Geld besser für die Bedürfnisse der Menschen eingesetzt worden – sozusagen als soziales Engagement. Doch der Sohn Gottes verteidigte Maria: „Erlaube ihr, es auf den Tag meines Begräbnisses aufbewahrt zu haben; denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit.“ Wenn wir für die Anbetung Zeit und Kraft aufwenden, ist es nie eine Verschwendung. Wenn es je einen ‚guten Zweck‘ gegeben hat, ist es die Anbetung. Sie ist die höchste Form von Dienst, weil sie sich direkt an Gott richtet.

Nach 70 Jahren im babylonischen Exil kehrte eine Minderheit der Juden nach Jerusalem zurück. Was war das Erste, das sie dort taten? Sie bauten den Altar, damit sie ihrem Gott opfern konnten (Esra 3,2–3). Anbetung hatte für sie höchste Priorität.

22) Ist Anbetung dasselbe wie Dienst?

In einem gewissen Sinn ist Anbetung Dienst, nämlich Gottesdienst. Wenn dieser Aspekt der Anbetung betont wird, gebraucht der Heilige Geist in der Bibel das griechische Wort „latreuo“. Aber nicht jeder Dienst ist Anbetung. Dienst im allgemeinen Sinn zielt meistens auf die materiellen oder geistlichen Bedürfnissen der Menschen ab. Anbetung dagegen richtet sich an Gott.

Diese Unterscheidung wird im Alten Testament illustriert: Der priesterliche Dienst war nur Aaron und seinen Söhnen vorbehalten. Der levitische Dienst hingegen konnte auch durch alle anderen Leviten ausgeführt werden. Mit anderen Worten: Anbetung ist eine höhere Aktivität als alle anderen Formen von Dienst. Heute sind alle Christen Priester. Aber die Tatsache, dass der Priesterdienst höher ist als Levitendienst, bleibt bestehen.

23) Ist Anbetung eine individuelle oder kollektive Aktivität?

Beides. Auf der einen Seite finden wir in der Bibel viele Beispiele von einzelnen Personen, die Gott oder den Herrn Jesus angebetet haben (z.B. Joh 9,38). Auf der anderen Seite bringen wir als eine „heilige Priesterschaft“ – d.h. nicht als einzelne Priester – Gott geistliche Schlachtopfer dar (1. Pet 2,5). Das ist die kollektive Seite der Anbetung. Gemeinsame Anbetung wird bereits im Alten Testament dargestellt: Der Israelit musste das Schlachtopfer zum Zelt der Zusammenkunft bringen, d.h. an den Ort, wo Gott in der Mitte seines Volkes wohnte (z.B. 3. Mo 1,3). Im Neuen Testament wird Anbetung mit dem Heiligtum (Heb 10,19) und dem geistlichen Haus verbunden (1. Pet 2,5). Das macht sie zu einer gemeinsamen Sache.

Der Herr freut sich immer, wenn sich Erlöste persönlich vor Ihm verneigen und seine Größe, seine Liebe und seine Gnade anbetend bewundern. Dennoch erhebt sich die gemeinsame Anbetung – wenn wir zum Namen des Herrn Jesus hin versammelt sind (Mt 18,20) – oft auf ein höheres Niveau als die persönliche Anbetung. Wir sind dann mehr auf Christus ausgerichtet und werden auf besondere Weise durch den Heiligen Geist geleitet. Zudem wird die Anbetung in den Herzen der Einzelnen gegenseitig verstärkt: Was ein Bruder in seinem Gebet ausdrückt, ruft einen neuen Gedanken im Herzen eines anderen hervor.

24) Kann (gemeinsame) Anbetung die Form einer Aufführung annehmen?

Es gibt viele Aufführungen wie beispielsweise Chöre oder ‚Anbetungskonzerte‘, die die Menschen als „Anbetung“ bezeichnen oder bekanntmachen. Aber eine solche Vorführung ist genau das Gegenteil von Anbetung:

  • Eine musikalische Darbietung richtet sich an ein menschliches Publikum. Anbetung dagegen richtet sich an Gott.
  • Die Sänger und Musiker erhalten bei einer Aufführung oft Applaus. Anbeter geben Gott die Ehre (Off 19,10; 22,9).

25) Gibt es ein Zusammenkommen der Versammlung für gemeinsame Anbetung?

Wir finden im Neuen Testament drei regelmäßige Versammlungsstunden:

  • das Zusammenkommen zum Gebet (Mt 18,19; Apg 12,5),
  • das Zusammenkommen zu Verkündigung des Wortes Gottes (1. Kor 14,26) und
  • das Zusammenkommen zum Brotbrechen (Apg 20,7; 1. Kor 11,20–26).

Die letztgenannte Zusammenkunft ist naturgemäß am engsten mit Anbetung verknüpft. Wir sind versammelt, um beim Brotbrechen an den Herrn Jesus zu denken und seinen Tod zu „zeigen“ oder „zu verkündigen“ (1. Kor 11,24–26). Es wäre höchst unnatürlich, wenn uns die Beschäftigung mit den Leiden und mit dem Tod unseres Erlösers nicht zur Anbetung führen würde. Wir beten den Sohn an für seine Liebe und seinen Gehorsam bis in den Tod am Kreuz. Wir beten den Vater an, der durch den Tod seines Sohnes in allen seinen herrlichen Eigenschaften offenbart wurde.

Anbetung mag gelegentlich auch in anderen Zusammenkünften der Glaubenden vorkommen.

26) Wenn wir zum Brotbrechen zusammen sind, in welcher Ordnung sollen wir den Vater und den Sohn anbeten?

Wenn wir vom Brot essen und aus dem Kelch trinken, nehmen wir „an dem Tisch des Herrn teil“ (1. Kor 10,21). Es ist sein Tisch und wir haben Gemeinschaft mit seinem Leib und seinem Blut. Es ist sein Gedächtnismahl. Weil der Herr Jesus seinem Tisch vorsteht, wäre es unnatürlich, wenn wir Ihn beim Danken für Brot und Kelch nicht ansprechen würden.

Aber es nicht gut, Regeln aufzustellen, ob im Zusammenkommen zum Brotbrechen der Vater zuerst angebetet werden soll oder erst gegen Ende der Stunde. Die Bibel gibt diesbezüglich keine Details. Deshalb handeln wir weise, wenn wir es auch nicht tun.

27) Was sind die jeweiligen Rollen der Brüder und Schwestern bei der Anbetung?

Brüder und Schwestern sind alle Priester (1. Pet 2,5; Off 1,6). Jeder Bruder oder jede Schwester kann den Vater und den Sohn anbeten. In der gemeinsamen Anbetung werden die Brüder die Anbetung hörbar zum Ausdruck bringen. In ihren Gebeten bringen sie Gott die Anbetung, die aus den Herzen der Versammelten kommt. Der Schwerpunkt liegt dann auf der gemeinsamen Aktivität – d.h. Brüder und Schwestern beten als eine Einheit an. Das wird verwirklicht, wenn Brüder und Schwestern gemeinsam singen oder ein Bruder ein Gebet im Sinn aller Versammelten spricht. In stillen Momenten können Brüder und Schwester in ihren Herzen anbeten. Diese stille Anbetung wird auf schöne Weise durch den Duft des Salböls von Maria dargestellt – es war nicht hörbar, erfüllte aber das Haus (Joh 12,3). Der Herr freute sich – nicht so sehr über den Duft selbst – sondern über das Herz, das bereit war, Ihm dieses Salböl zu bringen.

28) Sollen wir die Psalmen in der christlichen Anbetung benützen?

Viele Psalmen drücken die Gefühle des Herrn Jesus in seinen Leiden aus (z.B. Psalm 22 und 69). Zahlreiche Verse in den Psalmen liefern helfen uns sehr, um über Christus nachzudenken und Ihn anzubeten. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Psalmen einen prophetischen Charakter haben. In weiten Teilen äußern sie die Gefühle der treuen Juden während der Drangsalszeit – allgemein als „Überrest“ bekannt. Diese Glaubenden sind keine Christen und kennen die christliche Stellung nicht. Sie kennen Gott nicht als ihren Vater und besitzen keine Gewissheit der Sündenvergebung. Sie stehen immer noch unter dem Zorn Gottes, bis die Drangsal zu Ende ist und sie den Messias annehmen. Sie beten zu Recht um Rache an ihren Feinden, damit sie dadurch aus ihrer Bedrängnis befreit würden. Aus diesem Grund eignen sich viele Psalmen – so wertvoll sie sind – nicht als Ausdruck christlicher Anbetung.

29) Was ist mit dem Benutzen von musikalischen Instrumenten in der christlichen Anbetung?

Musikinstrumente wurden in der israelitischen Anbetung benutzt. Manche Psalmen beziehen sich in ihren Titeln auf „Saiteninstrumente“ (z.B. Ps 4; 6; 54; 55). Andere Psalmen erwähnen Instrumente in ihren Texten (z.B. Ps 33,2; 45,9). Als Teil „des Dienstes des Hauses Gottes“ setzte man zur Zeit Davids verschiedene Musikinstrumente ein: Zimbeln, Harfen, Lauten (1. Chr 25,6).

Im Neuen Testament lesen wir nicht, dass in der christlichen Anbetung auf der Erde irgendwelche Instrumente eingesetzt wurden. Eine Ausnahme bildet die Offenbarung, wo Instrumente erwähnt werden (Off 5,8; 14,2; 15,2). Doch dieses Bibelbuch ist voller Symbole. Das gilt auch für die Harfen, die dort erwähnt werden. Wenn jemand darauf besteht, dass dieser Ausdruck buchstäblich gemeint ist, müsste er auch die anderen symbolischen Aussagen wörtlich nehmen und daher bei der Anbetung goldene Schalen voll Räucherwerk benutzen (Off 5,8).

Das Neue Testament dagegen stellt beim Lob und bei der Anbetung das Herz in den Mittelpunkt. In Epheser 5,19 lesen wir: „Redend zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern, singend und spielend dem Herrn in euren Herzen.“ Und in Kolosser 3,16 schreibt der Apostel: „Gott singend in eurem Herzen in Gnade.“

Die Musikinstrumente gehörten zur materiellen Anbetung im Volk Israel. Die christliche Anbetung hingegen ist geistlich. Darum entspricht das Benutzen von Musikinstrumenten in der christlichen Anbetung nicht den Gedanken Gottes.

30) Gibt es eine Beziehung zwischen christlicher Anbetung und christlichem Geben?

Einige Bibelstellen zeigen eine klare Beziehung zwischen diesen beiden Aktivitäten auf:

  • In Hebräer 13 wird beides eng miteinander verknüpft. Vers 15 spricht von Anbetung: „Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.“ Darauf folgt in Vers 16 die Aufforderung: „Das Wohltun aber und Mitteilen vergesst nicht, denn an solchen Opfern hat Gott Wohlgefallen.“ Es ist interessant, dass sowohl für das Anbeten mit den Lippen als auch für das Geben mit den Händen das Wort „Opfer“ benutzt wird.
  • In Philipper 4,18 drückt sich der Apostel Paulus ähnlich aus. Er bezieht sich auf die materielle Gabe, die er von den Philippern bekommen hat, und bezeichnet sie als „einen duftenden Wohlgeruch, ein angenehmes Opfer, Gott wohlgefällig“. Diese materielle Gabe wurde – wie die Anbetung – als ein Opfer Gott dargebracht.
  • In 1. Korinther 16,1.2 geht es um die Sammlungen für die Gläubigen. In diesem Zusammenhang wird der erste Tag der Woche erwähnt. Am gleichen Tag, an dem die Christen das Brot brechen (Apg 20,7), sollen diese Sammlungen durchgeführt werden. Gott wertschätzt beides: was unsere Lippen ausdrücken und was unsere Hände geben.
  • Schon im Alten Testament bestand eine Beziehung zwischen der Anbetung (der Opfergabe) und dem Geben (dem Zehnten). Das sehen wir deutlich in 5. Mose 12,6 und 26,1–12.

31) Wo soll ich anbeten?

Auf der einen Seite können wir Gott überall persönlich anbeten, ob zu Hause oder unterwegs. Solange es die Umstände zulassen und wir die Möglichkeit haben, mit Christus beschäftig zu sein, können wir in unserem Herzen und wo möglich mit unseren Lippen anbeten (siehe Off 1,9.10).

Auf der anderen Seite möchte Gott bei der gemeinsamen Anbetung, dass wir uns am richtigen „Ort“ befinden. Das ist in der christlichen Zeit nicht mehr ein physischer oder geographischer Ort, wie es zur Zeit des Alten Testaments der Fall war (5. Mo 12; 26,1). Heute ist es ein geistlicher oder ein prinzipieller Ort: Wo zwei oder drei auf der Grundlage des Wortes Gottes im Namen des Herrn Jesus versammelt sind (Mt 18,20). Als Christen sollen wir Ausschau nach anderen Christen halten:

  • die den Wunsch haben, sich zum Namen des Herrn Jesus hin zu versammeln,
  • die seine Autorität und die seines Wortes anerkennen,
  • die Ihm wie die Jünger am Auferstehungstag den erstem Platz geben (‚in der Mitte‘; Joh 20,19).

An diesem Ort können wir in der Zeit der Gnade Gott gemeinsam anbeten.

Diverses

32) Ist die Idee eines „Anbetungsleiters“ biblisch?

Nein, sie ist nicht biblisch. Zur Zeit des Alten Testaments gab es einen „Vorsänger“, wie aus vielen Psalmüberschriften zu erkennen ist. Doch im Neuen Testament finden wir diesen Gedanken nicht. Eine Ausnahme bildet in einem gewissen Sinn der Herr Jesus, der als unser Vorsänger die Anbetung anführt (Heb 2,12). Die Zusammenkünfte der Versammlung werden durch den Heiligen Geist geleitet, so dass jeder Bruder mitwirken kann (1. Kor 14,26). Dieser göttliche Grundsatz unterscheidet sich fundamental von der Idee eines Anbetungsleiters, der im Voraus plant, was von wem gesagt wird.

33) Wird es nach der christlichen Zeitperiode, wenn der Heilige Geist nicht mehr auf der Erde wohnt, noch Anbetung geben?

Ja. Zahlreiche Stellen im Alten Testament enthalten prophetische Aussagen darüber. Gott wird angebetet:

  • von allen Geschlechtern der Nationen (Ps 22,28.30),
  • von der ganzen Erde (Ps 66,4),
  • von Königen (Ps 72,11),
  • von allen Nationen, die Gott gemacht hat (Ps 86,9),
  • von den Zerstreuten aus Assyrien und Ägypten (Jes 27,13),
  • von allem Fleisch, d.h. von allen Menschen (Jes 66,23),
  • vom Fürst (Hes 46,2),
  • vom Volk des Landes (Hes 46,3)
  • von allen Inseln der Nationen (Zeph 2,11),
  • von allen Übriggebliebenen von allen Nationen (Sach 14,16) usw.

Die Versammlung wird zu dieser Zeit im Himmel sein und dort mit Anbetung beschäftigt sein.

34) Wird es im Himmel Anbetung geben?

Auf jeden Fall! Der Himmel wird durch Anbetung gekennzeichnet sein. In der Offenbarung lesen wir von fünf Begebenheiten, bei denen im Himmel angebetet wird – jedes Mal mit einem besonderen Schwerpunkt:

  • die Anbetung des Schöpfers (Off 4,10.11),
  • die Anbetung des Lammes (Off 5,9–14),
  • Anbetung angesichts der großen Volksmenge (Off 7,9.11),
  • Anbetung im Hinblick auf die Errichtung des Königreichs (Off 11,16.17),
  • Anbetung angesichts des Gerichts der falschen Braut und des Hochzeitsmahls des Lammes (19,1–7).

Die 24 Ältesten symbolisieren die erlösten Glaubenden, die in den Himmel entrückt werden. Das neue Lied, das sie in Offenbarung 5,9 singen, hat vier Themen:

  1. Zuerst spricht es von der Person des Herrn Jesus: „Du bist würdig.“
  2. Dann behandelt es das Erlösungswerk, das Er vollbracht hat: „Du bist geschlachtet worden.“
  3. Im Weiteren geht es um das Ergebnis des Werks für Gott: „Du hast für Gott erkauft.“
  4. Schließlich beschreibt es das Resultat seines Werks für uns, die Glaubenden: „Du hast sie unserem Gott zu einem Königtum und zu Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen.“

Alle diese vier Themen des neuen Liedes sind heute ein Teil der christlichen Anbetung. In diesem Sinn hat das neue Lied bereits begonnen.

35) Wenn Anbetung nur Gott zusteht, warum wird dann in Matthäus 18,26 das Wort „proskuneo“ (anflehen) benutzt, das an vielen anderen Stellen mit anbeten übersetzt wird?

In Matthäus 18,26 geht es um einen Mann, der vor seinem Kreditgeber niederfällt und ihn für die Rückzahlung seiner Schuld um Geduld anfleht. Warum wird hier im Griechischen das Wort gebraucht, das sonst mit „anbeten“ wiedergegeben, hier aber mit „anflehen“ übersetzt wird?

Anbeten bedeutet „sich niederbeugen“. Das ist die Haltung, die der Mensch vor Gott einnehmen soll. Manchmal wird dieses Wort jedoch in einem allgemeinen Sinn verwendet und bezieht sich dann mehr auf die körperliche Haltung, die jemand einnimmt. Das ist hier in Matthäus 18 der Fall – wie auch an anderen Stellen in den Evangelien und in Offenbarung 3,9 (= sich niederwerfen).

« Vorheriges Kapitel