Die Leitung des Heiligen Geistes in den Zusammenkünften

In einem früheren Abschnitt haben wir gesehen, dass der Besitz einer Gabe zugleich der Auftrag ist, sie auszuüben. Aber so wenig wie der Arbeiter selbst bestimmen kann, wo, so wenig kann er selbst entscheiden, wann er seine Gabe gebrauchen soll. In allem ist er abhängig von dem Heiligen Geist, der ihn in allen Dingen leiten will.

Das ist ganz besonders der Fall, wenn es sich um die Zusammenkünfte der Gläubigen handelt. Dort ist der Heilige Geist in besonderer Weise anwesend, weil Er in der Versammlung wohnt (1. Kor 3,16; Joh 14,17 usw.). Und Er will dort gebrauchen, wen Er will und zu der Zeit, wann Er will. Er will auch angeben, was gebraucht werden soll, weil Er allein weiß, was die Anwesenden brauchen. Ich spreche jetzt nicht von den Zusammenkünften am Tisch des Herrn, denn dort werden keine Gaben ausgeübt, dort kommen wir als priesterliche Familie zusammen.

Welcher Bruder kann genau ermessen, was die anwesenden Brüder und Schwestern oder die Kinder und die Fremden brauchen? Er kann darüber Vermutungen anstellen und versuchen, etwas aus dem Wort Gottes zu geben, was dem entspricht. Aber der Heilige Geist kennt die Herzen vollkommen: „Denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes“ (1. Kor 2,10; Röm 8,26–27). Er weiß auch vollkommen, was alle Anwesenden nötig haben. Wie wichtig ist es deshalb, genau auf die Leitung des Heiligen Geistes achtzugeben! Wie wichtig ist es, dass wir uns durch Ihn in unseren Zusammenkünften leiten lassen!

Das gilt nicht nur für das Sprechen. Der Heilige Geist will durch das erste Lied oder die Lieder und durch das Gebet oder die Gebete die Herzen vorbereiten auf das, was Er in diesen Zusammenkünften bringen will. Wie notwendig ist es deshalb, dass die, die das Lied vorschlagen oder beten, dies in Abhängigkeit von Ihm tun! Nicht weil sie das Lied so schön finden, haben sie es vorzuschlagen, sondern weil der Heilige Geist den Gedanken an das Lied in diesem Augenblick in ihren Herzen weckt und ihnen die Freimütigkeit gibt, es vorzuschlagen. Wenn sie ein falsches Lied vorschlagen, werden die Brüder, die der Heilige Geist in dieser Zusammenkunft zum Sprechen benutzen will, in Verwirrung gebracht. Und selbst wenn diese unter der Leitung des Geistes doch den rechten Gegenstand behandeln, ist die Einheit des Dienstes gestört und Verwirrung angerichtet.

Hieraus ergibt sich, wie gefährlich es ist, wenn der Bruder, der selbst das erste Lied vorgeschlagen hat oder gebetet hat, auch spricht. Wir können nicht sagen, dies sei immer falsch, denn der Heilige Geist besitzt Freiheit, zu gebrauchen, wen Er will. In kleinen Versammlungen, wo z. B. nur zwei oder drei Brüder sind, wird der Heilige Geist oftmals denselben Bruder benutzen. Aber es ist eine große Gefahr damit verbunden, nämlich die, dass der betreffende Bruder seine eigenen Gedanken als die Leitung des Heiligen Geistes ansieht oder sogar bewusst selbst leitet, so dass Lied, Gebet und Gesprochenes wohl eine Einheit bilden, aber nicht die Einheit, die durch den Geist gewirkt ist. Gewiss, nicht immer gibt das erste Lied den Gedankengang der Zusammenkunft an. Auch der Bruder, der dieses Lied vorschlägt, kann einen Fehler gemacht haben. Aber ein Bruder, der über einen Gegenstand spricht, der einen ganz anderen Gedanken enthält als das vorher gesungene Lied, muss doch ganz besonders sicher sein, dass der Heilige Geist dies will.

Es ist wahr, dass der Heilige Geist meistens das benutzt (oder vielleicht gar ausschließlich das benutzt), wodurch der Sprecher selbst erst einen Segen für sein eigenes Herz empfangen hat und woraus er selbst für sein praktisches Leben etwas gelernt hat. Aber oftmals ist dazwischen Zeit vergangen. Oftmals übt der Heilige Geist das Herz einer einzelnen Person, während die ganze Versammlung diese Übung nicht nötig hat. Und meistens ist es unmöglich, über etwas zu sprechen, das wir selber gerade lernen. Kann z. B. jemand, der sich in dem Zustand von Römer 7 befindet, darüber sprechen zur Erbauung der Zuhörer? Das ist unmöglich! Erst wenn er die Lehre von Römer 7 gelernt und die Befreiung von Römer 8 erfahren hat, kann er in Ruhe weitergeben, was er selber gelernt hat.

Wie wichtig ist es deshalb, dass die Leitung der Zusammenkünfte völlig dem Heiligen Geist überlassen wird! Dann weiß selbst der begabteste Bruder vorher nicht genau, ob der Heilige Geist ihn in der Zusammenkunft benutzen will. Und keiner weiß, worüber gesprochen werden soll, auch nicht derjenige, der wahrscheinlich sprechen wird. Dann gibt es ein ruhiges Warten auf die Leitung des Geistes, wen Er benutzen will. Er wird in dem Herzen des betreffenden Bruders (oder der Brüder) die Überzeugung geben, über welchen Gedanken aus Gottes Wort sie sprechen sollen. Es kann sein, dass dies ein Abschnitt ist, mit dem sie sich lange nicht beschäftigt haben und über den sie nicht so fließend sprechen können wie über einen Gegenstand, den sie kurz vor der Zusammenkunft überdacht haben. Aber wenn sie sich auch in ihrem Sprechen unter die Leitung des Heiligen Geistes stellen, wird Er die rechten Gedanken in ihren Herzen wirken. Und dann wird nicht der Sprecher durch seine fließende, wohldurchdachte Rede das Gefühl der Hörer zufriedenstellen und geehrt werden, sondern der Heilige Geist wird durch die vielleicht schwache Rede den wirklichen Bedürfnissen von Herz und Gewissen entsprechen. Und das allein ist doch wichtig. Sollten wir, wenn wir uns gemäß dem Wort Gottes ganz unter die Leitung des Heiligen Geistes stellen, weniger gesegnet werden, als wenn wir nach unseren eigenen Gedanken handeln? Gewiss ist es möglich, dass Gefühl oder Verstand weniger beeindruckt werden. Aber es ist auch nicht Gottes Absicht, in erster Linie auf den Verstand oder das Gefühl einzuwirken. 1. Korinther 14,23–25 sagt uns, dass der wirkliche Segen darin besteht, dass das Verborgene des Herzens offenbar werde.

Obiges gilt natürlich nicht für besondere Zusammenkünfte zur Erläuterung bestimmter Wahrheiten. Dort ist zum voraus bestimmt, welches Thema behandelt werden und wer sprechen soll. Aber das ist auch keine Zusammenkunft der Versammlung im eigentlichen Sinn des Wortes. Auch auf die Evangeliumsverkündigung ist Obiges nicht ohne weiteres anwendbar. Aber Gott wird sicher einen reichen Segen geben, wenn der Sprecher, auch was das Thema betrifft, auf die Leitung des Heiligen Geistes wartet.

Nächstes Kapitel »« Vorheriges Kapitel

Ihre Nachricht