Die Taufe mit dem Heiligen Geist

„Denn gleichwie der Leib einer ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich viele, ein Leib sind: also auch der Christus. Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden“ (1. Kor. 12,12–13).

In diesen Versen sehen wir die Versammlung, den Leib des Christus. Dies ist es, was Gott wirkt. Er errettet nicht allein Seelen, sondern versammelt sie auch. Und nicht nur, dass Er sie in eins versammelt, sondern Er macht die gläubigen Juden und die Gläubigen aus den Nationen, während sie noch auf Erden sind, zu einem neuen Menschen in Christus, zu seinem Leib. Das ist in der Tat neu. Bis zu der Zeit waren sie nach Gottes eigenem Befehl scharf getrennt, und die Nationen hatten kein Teil an den Vorrechten der Juden (2. Mo 12,45; Esra 9 usw.).

Dies ist nicht nur eine ausschließlich neutestamentliche Wahrheit, sondern sie ist auch nur durch einen Apostel, Paulus, offenbart worden. Wir finden sie nur in seinen Schriften. In Epheser 3 sagt er dies auch ausdrücklich. Den Anfang finden wir schon bei seiner Bekehrung. Als er auf dem Weg nach Damaskus war, um die verhassten Jünger Jesu gefangenzunehmen, wird der Himmel geöffnet, und eine Stimme sagt: „Saul, Saul, was verfolgst du mich?“ und „Ich bin Jesus, den du verfolgst“ (Apg 9). Der verherrlichte Jesus im Himmel macht sich eins mit seinen verachteten Jüngern auf Erden. Und diese Einheit ist so groß, dass in 1. Korinther 12,12, wo über die Gesamtheit der Gläubigen gesprochen wird, gesagt werden kann: „Also auch der Christus“.

Wir finden diese Wahrheit vor allem in dem Brief an die Epheser dargelegt. In Epheser 3,3–6 steht: „ ... dass mir durch Offenbarung das Geheimnis kundgetan worden, welches in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden, wie es jetzt offenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geist: dass die aus den Nationen Miterben seien und Miteinverleibte“ (wörtlich „Mitleib“, siehe Fußnote der „Elberfelder Übersetzung“). Hier finden wir, dass sowohl der gläubige Jude als auch der gläubige Nichtjude vereint werden als Erben und als Glieder eines Leibes. Eph 2 zeigt, wie das möglich ist: „Denn Er ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht und abgebrochen hat die Zwischenwand der Umzäunung, nachdem Er in seinem Fleisch die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, hinweggetan hatte, auf dass Er die zwei, Frieden stiftend, in sich selbst zu einem Menschen schüfe und die beiden in einem Leib mit Gott versöhnte durch das Kreuz, nachdem Er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte“ (Verse 14–16).

Christus hat am Kreuz die Scheidewand hinweggetan. Niemals hätte ein Jude dies tun dürfen oder können, denn er hätte dadurch nicht die Nationen in die bevorrechtete Stellung gebracht, sondern lediglich sich selbst davon ausgeschlossen. Bei dem Kreuz zeigte sich jedoch die vollständige Verderbtheit des Menschen. Das bevorrechtetste Volk, das durch Gott abgesondert und mit Wohltaten überhäuft war, verwarf seinen Gott und kreuzigte den Sohn Gottes. Nun war Segen nur noch möglich auf Grund unumschränkter Gnade. Und darin konnte es zwischen Juden und Griechen keinen Unterschied geben. So können nun beide in einem Leib vereinigt werden. Aber dieser Leib muss ein Haupt haben. Epheser 1,20–23 zeigt uns das Haupt: „und hat Ihn [Christus] als Haupt über alles der Versammlung gegeben, welche sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“.

Epheser 1 sieht den Herrn Jesus als Menschen. Deshalb wird in Vers 17 gesprochen von dem „Gott unseres Herrn Jesus Christus“. Aber solange der Herr nicht am Kreuz gestorben war, konnte Er nicht das Haupt des Leibes werden: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein, wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“ (Joh 12,24). Darum ging Er ans Kreuz, um Gott zu verherrlichen und uns zu erlösen. Und Gott, der durch sein Werk am Kreuz so vollkommen verherrlicht wurde, weckte Ihn auf aus den Toten und setzte Ihn zu seiner Rechten in den himmlischen Örtern. Und auch uns, die des Christus sind, weckt Gott mit auf (Eph 2,6).

Wir haben in Epheser 2 gesehen, dass der Leib nur auf Grund des Kreuzes gebildet werden konnte. Aber er konnte auch nicht gebildet werden, bevor das Haupt da war. Das Haupt ist nicht für den Leib, sondern der Leib für das Haupt. Und darum konnte der Leib auf Erden erst gebildet werden, als das Haupt verherrlicht zur Rechten Gottes war. Tod und Auferstehung allein konnten die Grundlage bilden, und nur der auferstandene und verherrlichte Jesus konnte das Haupt sein. So sehen wir, dass alle Wahrheiten Christus und sein Kreuz und die Stellung, die Er nun zur Rechten Gottes einnimmt, zum Mittelpunkt haben.

Was haben wir also als große Wahrheit von der Versammlung Gottes gefunden? Sie ist der Leib des Christus, nachdem dieser die Erlösung vollbracht und als Folge davon die Sünde vollkommen weggetan hat, zur Verherrlichung Gottes und zur Rechtfertigung des Gläubigen. Hieraus ergibt sich, dass die Glieder des Leibes Christi nicht nur wiedergeboren sind und gerechtfertigt von Sünden durch das Blut des Christus, sondern dass sie auch mit Christus, ihrem gesegneten Haupt, einsgemacht sind zur Rechten Gottes, während Gott durch den Geist in ihnen wohnt. Sie sind nicht nur Gläubige und Heilige; das war auch von Adam an jeder, der wahrhaftig an Gott glaubte; sie sind Christen, und das ist unendlich viel mehr.

Wie werden nun diese Christen zu dem Leib des Christus vereinigt? Dadurch, dass sie sich auf Grund eines gemeinsamen Bekenntnisses zusammenschließen? Oder dadurch, dass sie denselben Glauben haben? Oder durch die Taufe?

Die Heilige Schrift kennt solche Gründe nicht. Es ist der Heilige Geist, der nach der Himmelfahrt auf die Erde kam, um den verherrlichten Menschen und das Haupt zur Rechten Gottes zu verherrlichen. Er bildet den Leib des Christus. „Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft.“ Die Versammlung, der Leib des Christus, ist also Pfingsten gebildet worden, und jeder Gläubige wird in dem Augenblick, da er den Heiligen Geist empfängt, diesem Leib hinzugefügt und also mit Christus und den Seinen vereinigt. Welch eine wunderbare Stellung, ein Glied des Leibes des Christus zu sein, einsgemacht mit dem verherrlichten Herrn zur Rechten Gottes (Apg 2)!

Nirgends in der Heiligen Schrift wird von dem Leib des Christus in der Mehrzahl gesprochen. In der Christenheit werden viele Leiber gefunden. Aber das Haupt hat nur einen Leib; alles andere ist menschlich, ein Grund zu tiefer Trauer und Beschämung für diejenigen, die Gottes Wort in diesem Punkt kennen.

Aber was muss der Christ tun inmitten der großen Verwirrung um ihn her? Der eine Leib ist auf Erden äußerlich nicht mehr sichtbar. Muss er sich in das Verkehrte ergeben und darin mittun? Gottes Wort gibt die Antwort auf alle Fragen: „Euch befleißigend, die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Band des Friedens. Da ist ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung  (Eph 4,3–4).

Kein Gläubiger, der dem Wort Gottes gehorsam sein will, kann sich in einen Zustand menschlichen Abweichens ergeben und darin mittun. Aber muss er denn versuchen, die Einheit wiederherzustellen? – Die Einheit, durch den Geist zustandegebracht, kann durch den Menschen nicht zerstört werden. Sie besteht auch heute, aber wir werden aufgefordert, sie zu bewahren, also praktisch zu verwirklichen. Und wie können wir das tun?

Gibt es einen anderen Weg, als den, im Gehorsam gegen Gottes Wort und zur Ehre unseres verherrlichten Hauptes die Verbindung mit allen menschlichen „Leibern“ abzubrechen und dann als einfache Glieder des Leibes des Christus und als nichts weiter unter der Leitung des Heiligen Geistes die Einheit zu offenbaren, wo dies gemäß der Heiligen Schrift allein möglich ist: an dem Tisch des Herrn (1. Kor 10,15–22)?

Wenn es irgendwo auch nur zwei oder drei wären, die so zusammenkämen, so würden sie die Einheit des Geistes bewahren in dem Band des Friedens und an dem betreffenden Ort der alleinige Ausdruck des Leibes des Christus sein.

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