Botschafter des Heils in Christo 1857

Der gegenwärtige und der zukünftige Zeitlauf - Teil 1/9

[eine Schriftforschung]

Aus dem Französischen übersetzt. Unter dem oben genannten Titel sind im Französischen mehrere Aufsätze erschienen, die wir in diesem Jahrgang des Botschafters der Reihe nach veröffentlichen wollen. Die Leser werden aber gebeten, die angeführten Bibelstellen selbst nachzuschlagen.

„Der sich selbst für unsere Sünden gegeben hat, damit er uns herausnehme aus der gegenwärtigen bösen Welt, nach dem Willen unseres Gottes und Vaters, dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen“ (Gal 1,4.5).

Der Herr Jesus ist geboren, um König zu sein. Er ist in die Welt gekommen, um der Wahrheit Zeugnis abzulegen. Da Ihn aber die Seinen nicht aufgenommen haben, so entsagt Er für einige Zeit, hienieden zu regieren, und in den Himmel zurückgegangen, sammelt Er sich von dort aus eine Versammlung, die, als seine Braut, mit Ihm das Reich erben soll. Diese Zeit der Abwesenheit des Herrn Jesus ist für uns der gegenwärtige böse Zeitlauf.

Wenn diese Versammlung vollständig und zu Ihm aufgenommen ist, so wird Er mit ihr kommen, um seine Rechte geltend zu machen, und als wahrer Melchisedek wird Er seinem Zepter der Gerechtigkeit und des Friedens alle Reiche, welche unter allen Himmeln sind, unterwerfen. Dies wird das Reich Gottes sein, oder der zukünftige Zeitlauf1.

Der gegenwärtige Zeitlauf und der zukünftige Zeitlauf, das ist in wenigen Worten der Gegenstand, den wir in diesem Aufsatz erforschen möchten, indem wir besonders den Charakter und die Berufung der Versammlung Jesu Christi, durch diese beiden Haushaltungen hindurch zu unterscheiden suchen.

Wie könnten wir, die Glieder dieser Versammlung, unserer Berufung würdig wandeln, wenn wir nicht zuerst einen klaren und bestimmten Begriff davon haben? Lasst uns deshalb das Licht der Prophezeiung nicht verachten, das unseren Weg beleuchten kann, indem es mit seinen Strahlen das herrliche Ziel unserer Pilgrimschaft erhellt, und unsere Schritte durch das Dunkel dieser Welt, durch die wir zu gehen haben, leitet und sicher macht.

Gebe der Herr in seiner Gnade, dass diese einfachen Forschungen einigermaßen zu diesem Zweck dienen.

I. Natur der Versammlung

Die Versammlung ist keineswegs die Gesamtheit aller Heiligen seit dem Anfang bis zum Ende der Welt. Sie ist der Leib des Christus, am Tage der Pfingsten durch seinen Geist gebildet, und seitdem gesammelt, um zu ihrem Haupte versammelt zu werden, ehe Er kommt, um über die Welt Gericht zu halten, und um sein Reich aufzurichten. Sie ist sogar ein Geheimnis, das in früheren Zeiten nicht offenbart worden ist.

Dies lehrt uns das Wort, und insbesondere Paulus, der Diener der Versammlung, und Verwalter dieses Geheimnisses (Eph 3,1–12; Kol 1,18–27). Deshalb:

1. Ist die Versammlung sowohl von Israel in vergangenen Zeiten, als auch von Israel und den Nationen im zukünftigen Zeitalter zu unterscheiden?

a) Israel war ein Volk nach dem Fleisch, äußerlich von allen andern Völkern getrennt, in einem besonderen ihm zur Wohnung angewiesenen Land. Die Versammlung ist ein Volk, das aus allen anderen genommen ist, ob schon es mitten unter ihnen wohnt. Sie ist auf der ganzen Erde zerstreut, und alle nationalen Unterschiede sind darin vollständig ausgelöscht (Gal 3,26; Eph 2,11–12; Kol 3,11; Apg 15,14).

b) Israel war ein Volk nach dem Fleisch. Wer von israelitischen Eltern geboren und am achten Tage beschnitten wurde, war Israelit. Die Versammlung ist ein Volk nach dem Geist. Weder die Geburt nach dem Fleisch, noch irgendeine Zeremonie macht zum Christen, sondern nur der Glaube und die Geburt nach dem Geist (Joh 1,12.13).

c) Nicht nur dies, sondern die Versammlung ist eine „Behausung Gottes im Geist“, „der Tempel Gottes“, so wie dies auch jedes Glied derselben ist (1. Kor 3,16; 4,17; 2. Kor 6,16; Eph 2,20–22; 1. Pet 2,5), „Der Leib Christi“, in welchem folglich sein Geist lebt, wie der Geist des Menschen im Menschen lebt (Eph 1,22.23; 4,4 usw.). Deshalb ist auch die Gottesverehrung der Versammlung bezeichnet durch „in Geist und Wahrheit“ (Joh 4,24) im Gegensatz zur Jüdischen, welche in Schatten und Satzungen des Fleisches bestand (vgl. Kol 2,17; Heb 9,1.10). Israel hatte wohl eine Wohnung Gottes bei sich in seiner Stiftshütte oder in seinem Tempel. Da aber dieser Tempel selbst von „dieser Schöpfung“ war, so war er nur ein Schatten der himmlischen Güter, und die Opfer, die man dort darbrachte, waren in Beziehung mit den Segnungen, die Israel verheißen waren, d. h. wieder von dieser Schöpfung: Lämmer, Früchte, Wein, Öl usw., nicht geistliche Opfer, wie in der Versammlung.

d) Das Königtum und das Priestertum in Israel gehörten von Rechtswegen einer Familie, und waren dementsprechend Rechte nach dem Fleisch. Jeder Sohn Aarons war bei erreichtem Alter, wie sein Charakter im Übrigen auch sein mochte, Priester (2. Mo 28,1; 3. Mo 8). Die Leviten allein konnten im Tempel dienen und das Volk belehren (5. Mo 33,10; 2. Chr 35,3).
Die Versammlung hat einen einzigen Hohenpriester in dem Himmel, Jesus, wie es der Hebräerbrief zeigt. Alle Glieder der Versammlung sind Könige und Priester durch den Geist, der in ihnen ist (1. Pet 2,5.9). Der Dienst ist nicht das Recht einer Familie, und ist an keine Stellung nach dem Fleisch gebunden, sondern hängt einzig von den Gaben ab, die der Geist jedem zuteilt, wie Ihm gefällt (Röm 12,3–8; 1. Kor 12,6.11; 1. Pet 4,10.11).

e) In Israel wollte Gott, dass man Ihm nur an einem Ort diente, den Er sich selbst erwählt hatte, und wo sein Name wohnte (5. Mo 12,11; 16,5.6). In der Versammlung gibt es keine heiligen Örter. Da, wo zwei oder drei im Namen des Herrn versammelt sind, ist Er in der Mitte2 (Mt 18,20). Dies ist ebenfalls eine Folge der Innewohnung des Geistes in den Gläubigen. Da dieser Geist in ihnen ist, so sind sie selbst der Tempel Gottes.

f) Der Bund, den Gott mit Israel, wenigstens als Volk, gemacht hatte, war ein Bund des Gesetzes und unter der Bedingung des Gehorsams (3. Mo 18,5; 2. Mo 19,5.6; 5. Mo 27,12–26.28). Die Versammlung aber steht vor Gott auf dem Grund einer unbedingten und unabhängigen Gnade (Joh 3,16.17.36; Eph 2,4–6).

g) Die an den Bund mit Israel geknüpften Segnungen waren alle irdisch (3. Mo 26,3–12; 5. Mo 7,12–15; 8,7–18; 11,8–15.21; 28,1–14). Die Versammlung ist mit geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern gesegnet (Eph 1,3; Kol 3,1–4; Phil 3,18–21). Auf der Erde hat sie Trübsal und Kreuz zu erwarten (Joh 12,25.26; 15,18–21; 16,1–4; 2. Tim 3,11.12 usw.).

h) Israel war von Gott berufen, seinen Feinden den Krieg zu erklären und sie auszurotten (3. Mo 10,9; 5. Mo 7,12.16–26). Die Waffen der Versammlung aber sind nicht fleischlich. Sie soll kein anderes Schwert kennen, als das des Geistes. Und wenn es sich um Feinde Gottes handelt, so soll der Christ sie tragen, wie auch sein Heiland tut (2. Kor 10,4; Eph 6,10–17; Mt 13,30; Lk 9,54.55).

Können zwei Haushaltungen3 deren Charakterzüge so verschieden sind, eine und dieselbe Haushaltung bilden? Mit andern Worten, kann die Versammlung nur die Fortsetzung von Israel sein?

Man wird sagen, dass die Versammlung, so wie sie heut zu Tage besteht, ein Fortschreiten der Gemeine von Israel sei, und dass die Versammlung der letzten Tage, in welchen ganz Israel errettet und die Erde mit der Erkenntnis des Herrn bedeckt sein wird, wieder ein Fortschreiten der jetzigen Versammlung sei. Aber kann man wohl das Ersetzen gewisser Grundsätze durch andere, oft ganz entgegengesetzte Grundsätze, ein Fortschreiten nennen? Was wird endlich die Idee einer einigen Versammlung durch alle Haushaltungen hindurch werden, wenn die hauptsächlichsten Charakterzüge der vergangenen Haushaltung, wieder in der zukünftigen Haushaltung erscheinen? Das ist es aber, was uns gerade das Wort zeigt, mit Ausnahme zweier oder dreier Fälle, in welchen Verschiedenheit, sogar Gegensatz zwischen dem alten Israel und dem Israel der letzten Tage ist.

Um nun mit den Verschiedenheiten anzufangen, so war der Bund, den Gott einst mit Israel auf Sinai gemacht hatte, wie wir gesehen haben, nach dem Gesetz, und die Segnungen hingen vom Gehorsam ab. Der Bund, den Gott mit Israel in den letzten Zeiten machen wird, wird im Gegenteil ein Bund der unbedingten Gnade sein. In diesem ist er neu, im Vergleich mit dem Bund aus Sinai. Deshalb werden auch die Segnungen dieses Bundes so lange währen wie Himmel und Erde, während die Segnungen des Bundes des Gesetzes ein Ende genommen haben (Jer 31,31–37; 33,11–26; Hes 37,25–28).

Übrigens hat dieser Bund der unbedingten Gnade seinen Grund in dem Bund, welcher (mit Abraham) schon vierhundert Jahre vor dem Gesetz gemacht war. Ein Bund, auf welchen sich die Heiligen in Israel immer vor Gott berufen, und nie auf den Bund des Sinai (Ps 105,8 usw.; Mich 7; Lk 1,72.73). Dies macht uns auch begreiflich, warum der Herr Jesus „der Mittler des neuen Bundes“, sein Blut, „das Blut des neuen Bundes“ und der Kelch des Abendmahls „der neue Bund in meinem Blut“ genannt wird (Heb 9,15; Mt 26,28; Lk 22,20). Es macht uns ferner die Anwendung von Jeremia 31,31–37, in Hebräer 8,8–12 und 10,16.17 verständlich.

Ehe die Versammlung bestand, war auch Israel das einzige Volk auf der Erde, mit dem Gott einen Bund machte, und dessen Gott Er sich nannte. Im zukünftigen Zeitlauf wird es nicht so sein, denn es werden sich im Gegenteil „… an jenem Tag … viele Nationen sich dem HERRN anschließen, und sie werden mir zum Volk sein…“ (Sach 2,15). „… ihre Brandopfer und ihre Schlachtopfer sollen wohlgefällig sein auf meinem Altar. Denn mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Völker“ (Jes 56,7).

Lasst uns jedoch jetzt auf die Beziehungen zwischen dem alten Israel und dem der letzten Tage zurückkommen.

a) Der Herr sagt zu der Tochter Zion allein: „… siehe, ich komme und werde in deiner Mitte wohnen, spricht der HERR… Und der HERR wird Juda als sein Erbteil besitzen im heiligen Land und wird Jerusalem noch erwählen“ (Sach 2,14.16). Kurz, unter den, alsdann gesegneten Völkern, wird Israel eine Vorrangstellung einnehmen. Wer könnte daran zweifeln, nachdem er Stellen wie Jesaja 14,1.2; 49,22.23; 54,3; 60,3–16 usw. gelesen hat?

b) Wie vormals die Heiligen in Israel zur Austilgung ihrer Feinde berufen waren, so wird es wieder der Fall sein. „Lobeserhebungen Gottes seien in ihrer Kehle und ein zweischneidiges Schwert in ihrer Hand, um Rache zu üben an den Nationen, Bestrafungen an den Völkerschaften; ihre Könige zu binden mit Ketten und ihre Edlen mit eisernen Fesseln, um an ihnen auszuüben das geschriebene Gericht! Das ist die Ehre aller seiner Frommen. Lobt den HERRN!“ (Ps 149,6–9). Die, welche den Herrn fürchten, werden „die Gottlosen zertreten, denn sie werden Asche sein unter den Füßen“ (Mal 3,21), wie Kot auf der Straße (Mich 4,13; 5,8.9; 7,10).

c) Wie Gott in der vorherigen Haushaltung einen einzigen Ort auf der Erde erwählt hatte, um seinen Namen darauf zu legen, und um dort die Verehrung der Heiligen anzunehmen, so wird Er es wieder tun, und der Ort wird derselbe sein, nämlich Jerusalem, „die Stadt des großen Königs“ (Ps 48,3) von welchem Er gesagt hat: „Meine Augen und mein Herz werden immer dort sein“. Da wird Er wieder mitten unter Israel wohnen, da wird nicht nur das wiederhergestellte Israel sondern es werden alle Nationen hinkommen, um „den Herrn der ganzen Erde“ anzubeten (Jes 2,2.3; Jer 3,17; Mich 4,1.2; Hes 20,40.41; 43,7; Sach 8,1–3; 20–23; 14,16–21).

d) Der Gottesdienst wird, wenigstens in manchen Beziehungen, den fleischlichen und irdischen Charakter annehmen, den er früher in Israel hatte. Man wird wieder Brand- und Schlachtopfer, Kuchen und Weihrauch opfern, und man wird wieder das Laubhüttenfest halten. Seht die vorherigen Stellen und Jeremia 33,17.18.

e) Wie vor dem Bestehen der Versammlung die Segnungen, mit welchen Gott seine Heiligen belohnte, irdische Segnungen waren, so wird es in der letzten Zeit wieder der Fall sein (Jes 60; 61,4–6; 64,11–25; Jer 31,12–14.23–28; Hes 36,24; Hos 2,18–22; Amos 9,13–15).

Nun frage ich, wie kann man aus diesen Charakterzügen der Heiligen der letzten Zeit, diejenigen der Versammlung machen, ohne die bestimmtesten Belehrungen des Wortes über die Versammlung und der Berufung ihrer Glieder umzuwerfen? Können die Christen jemals den Rockzipfel eines Juden fassen, um Gott in Jerusalem zu suchen, und um dort das Laubhüttenfest zu halten (Sach 8,23), sie, die von ihrem Meister gelernt haben, dass man in der Versammlung den Vater weder auf dem Berg von Samaria, noch in Jerusalem, anbeten wird, sondern dass Gott wahrhaftige Anbeter verlangt, welche Ihn in Geist und Wahrheit anbeten? Werden sie je das Schwert nehmen können, um sich über ihre Feinde zu rächen, sie, denen gesagt ist „… Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ (Mt 5,44)? Können die Christen je, ohne untreu zu sein, ihre Segnungen auf der Erde erwarten, sie, denen gesagt ist, „Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist“ (Kol 3,2). Sollen sie endlich einmal die Knechte und Mägde Israels sein, seine Ackersleute und Weingärtner, und sich damit beschäftigen, die zerstörten Mauern wieder aufzubauen? Sie, welche gelernt haben, dass in der Versammlung weder Jude, noch Grieche ist (Kol 3,11)?

Das ist aber noch nicht alles. Der Herr hat gesagt: „Und wer überwindet und meine Werke bewahrt bis ans Ende, dem werde ich Gewalt über die Nationen geben; und er wird sie weiden mit eiserner Rute, wie Töpfergefäße zerschmettert werden“ (Off 2,26.27). Und wir sehen diese Verheißung in Offenbarung 20 erfüllt, wo die Glieder der Versammlung, nachdem sie die Begleiter des Herrn geworden sind, mit Ihm, wenn Er kommt, um den Boshaftigen zu zerstören, leben und regieren werden tausend Jahre über Nationen, welche Satan nicht mehr verführt. Diese vor den Verführungen Satans geschützten Nationen, begreifen offenbar die Heiligen dieser glücklichen Zeiten, wo die Erde mit der Erkenntnis des Herrn bedeckt sein wird, in sich. Wenn aber diese Heiligen nur eine Fortsetzung der Versammlung sind, wenn sie wieder die Versammlung selbst sind, wie es einige sagen, was geht daraus hervor? Dass ein Teil der Versammlung von dem Himmel aus über einen anderen Teil der Versammlung auf der Erde regieren wird. Ist aber das annehmbar? Ist das die Einheit des Leibes, welche uns Paulus lehrt, wenn er sagt: „Da ist ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung“ (Eph 4,4)?

Wenn einmal eine einzige Wahrheit angenommen ist, so macht sie alle diese Unmöglichkeiten aufhören, und diese Widersprüche verschwinden. Die Versammlung ist der Leib des Christus, der seit Pfingsten durch seinen Geist gesammelt wird. Und wenn er einmal vollständig ist, wird er mit seinem Haupt vereinigt, und zwar ehe Er kommt, um über die Welt das Gericht zu halten, und dein Reich aufzurichten. Wenn diese Versammlung aus der Welt entrückt ist, so nimmt Gott seine unterbrochenen Beziehungen zu Israel wieder auf, und nachdem Er es gerichtet hat, erfüllt Er in seiner Gnade alle dem Abraham und den Vätern gemachten Verheißungen. Da sehen wir, weshalb wir Israel in den letzten Zeiten in vielen Beziehungen in ähnlichen Stellungen und Charakterzügen finden, wie diejenigen, welche es ehemals hatte. Nur konnte es ehemals, unter dem Bund des Gesetzes, seine Segnungen, die ihm dargestellt waren, verlieren. In den letzten Zeiten, unter dem (mit Abraham gemachten) Bund der Gnade wird es die Segnungen, die ihm beigelegt werden, nicht verlieren.

Doch wir kommen darauf zurück. Jetzt wollen wir unsere Forschungen über die Natur der Versammlung fortsetzen.

2. Das von den Zeitaltern her verborgene Geheimnis, die Versammlung, befindet sich im Alten Testament nur in Schatten und Bildern.

Die Versammlung ist „… das Geheimnis kundgetan worden ist – wie ich es zuvor in kurzem beschrieben habe, woran ihr beim Lesen mein Verständnis in dem Geheimnis des Christus wahrnehmen könnt, das in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden ist, wie es jetzt offenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geist: dass die aus den Nationen Miterben seien und Miteinverleibte und Mitteilhaber der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium,… und alle zu erleuchten, welches die Verwaltung des Geheimnisses sei, das von den Zeitaltern her verborgen war in Gott“ (Eph 3,3–9; vgl. Kol 1,14–27).

Man kann fragen, ob denn der Gegenstand dieses Geheimnisses nicht einfach die Berufung der Heiden sei? Nein, denn die einfache Tatsache, dass Heiden zur Erkenntnis Gottes berufen werden, ist kein im Alten Testament verborgenes Geheimnis, denn man findet darin oft Erklärungen wie folgende: „… Es ist zu gering, dass du mein Knecht seist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten von Israel zurückzubringen. Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um meine Rettung zu sein bis an das Ende der Erde“ (Jes 49,6). „Alle Enden der Erde werden sich erinnern und zu dem HERRN umkehren; und vor dir werden niederfallen alle Geschlechter der Nationen.“ (Ps 22,28). Eine so klar geoffenbarte Tatsache ist kein verborgenes Geheimnis. Hingegen, die Berufung einiger Auserwählten aus den Nationen, um mit einigen aus den Juden Miterben, und ein Teil ein und desselben Leibes und mitteilhaftig seiner Verheißung in dem Christus durch das Evangelium zu sein (vgl. Eph 3,6.10). „Christus in euch, die Hoffnung Der Herrlichkeit“ (Kol 1,27), ein neuer Mensch, wo nicht ist „wo nicht ist Grieche und Jude,… sondern Christus alles und in allen“ (Kol 3,11). Dies ist das Geheimnis, welches den Heiligen und Propheten des Alten Testaments unbekannt war. Und wenn wir aufmerksam forschen, was jene von der Berufung der Heiden gesagt haben, so werden wir unter anderem sehen, dass sie immer von ganzen Nationen sprechen, von Nationen als Nationen, mit ihren Fürsten und Königen. Wir werden sehen, dass, obwohl diese Nationen Gott kennen und an Seinen Segnungen Teil haben, sie dennoch eine von Israel sich unterscheidende Stellung einnehmen. Wir werden sehen, dass sich diese Nationen in Folge von schrecklichen Gerichten, die der Herr über sie ausübt, bekehren. Das alles sind aber Dinge, die nicht die Versammlung betreffen. Wir haben auch schon bemerkt, dass der Kultus dieser bekehrten Nationen nicht der der Versammlung ist. So ist es also eigentlich nicht die Berufung von Heiden zur Versammlung, von der die Propheten gesprochen haben. Sie war für sie ein Geheimnis.

Warum aber wenden denn die Apostel auf die Versammlung solche Stellen der Propheten an, die von der Berufung der Heiden sprechen? Ohne Zweifel deshalb, weil die besondere Berufung einiger Heiden, um mit einigen Juden ein und denselben Leib zu bilden, den durch Seinen Geist belebten Leib, eine besondere Tatsache ist, die in der allgemeinen Tatsache der Berufung der Heiden enthalten ist, wie die Erstlinge in der Ernte enthalten waren (vgl. 5. Mo 26). Denn wenn es Erstlinge gibt (vgl. Off 14,1–4), dann sind wir himmlische Erstlinge, wir, die wir zuvor auf Christus gehofft haben (vgl. Eph 1,12; Jak 1,18).

Wir sind in gewisser Beziehung diese Garbe, und dieser Fruchtkorb, die der fromme Israelit auf seinem Feld sammelte, um sie Gott im Tempel darzubringen. Die in den letzten Tagen bekehrten Israeliten und Heiden hingegen, sind die Ernte. Das, was man von der Ernte sagen konnte, konnte man auch in vielen Beziehungen von den Erstlingen sagen. Die einen wie die anderen wuchsen auf demselben Boden, unter demselben Regen und unter derselben Sonne. In anderen Beziehungen waren sie verschieden, denn die Erstlinge wurden vor der Ernte eingesammelt, und gehörten Gott, die Ernte hingegen gehörte dem Volk. So kann auch vieles, was von den in den letzten Tagen bekehrten Israeliten und Heiden gesagt ist, von der Versammlung gesagt werden. Es sind dieselben Sünder, die durch denselben Namen errettet sind, „… denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in dem wir errettet werden müssen“ (Apg 4,12). Sie sind in demselben Blut gewaschen, denn die Quelle, die einst dem Hause David und den Bürgern zu Jerusalem wider die Sünde und Unreinigkeit eröffnet wird, ist dasselbe Blut, das heute den von aller Sünde reinigt, der daran glaubt (Sach 13,1; 1. Joh 1,7).

Kurz gesagt sind wir jetzt genau wie es auch Israel und die Nationen sein werben, kraft eines Gnadenbundes, in dem Gott unserer Sünden nicht gedenkt und die Ungerechtigkeiten vergibt, errettet, und nicht kraft des Bundes vom Sinai, der niemand errettet hat. Dies sind allerdings Ähnlichkeiten, aber es gibt auch Verschiedenheiten, wie wir schon gesehen haben, z. B., dass die Versammlung vor der Bekehrung Israels und der Nationen gesammelt wird. Die Versammlung ist mit geistlichen und himmlischen Segnungen gesegnet, Israel und die Nationen mit irdischen Segnungen.

In allen diesen Beziehungen könnte man von der Versammlung nicht sagen, was von Israel und den Nationen gesagt ist. Liest man  die von den Aposteln angeführten Stellen in den Propheten selbst im Zusammenhang mit dem, was vor und nachher steht, so wird man gewöhnlich Einzelheiten finden, die unmöglich auf die Versammlung Bezug haben können. Sie sind nur einerseits auf sie anwendbar, und von dieser einen Seite betrachten sie die Apostel, weshalb sie sie anführen.

In Römer 15 zum Beispiel wendet Paulus Stellen auf die Versammlung an, die Bezug auf die Berufung der Nationen haben, weil die Versammlung ein Pfand und ein Anfang dieser Berufung ist. Man sieht darin diese Berufung, wie der Bürger Jerusalems in der Darbringung der Erstlinge das Pfand der Ernte sah.

Wenn der Apostel in Hebräer 8 Jeremia 31,31–34 anführt, so ist sein Zweck zu zeigen, dass, da der Bund des Sinai nichts zur Vollkommenheit bringen konnte, ein anderer Bund, der der unbedingten Gnade, eingeführt werden musste. Da nun sowohl der Bund des zukünftigen Zeitlaufes mit Israel, als der jetzige mit der Versammlung ein solcher ist4, so konnte sich der Apostel bei dieser Gelegenheit der Worte des Propheten bedienen. Wenn der Apostel diese Stelle in Hebräer 10 wieder anführt, so geschieht es, um zu zeigen, dass, da eine unbedingte Vergebung angekündigt und verheißen ist, notwendiger Weise auch ein großes und vollkommenes Opfer, wie das des Herrn Jesus, diese Vergebung erwirkt haben müsse. Dies ist nun, wie wir schon gesehen haben, gleich wahr von dem Bund Gottes mit der Versammlung, wie von dem Bund mit Israel in den letzten Zeiten. Liest man aber diese Worte in Jeremia selbst in Verbindung mit dem, was vor- und nachher folgt, so wird man bald sehen, dass sie sich nicht eigentlich auf die Versammlung beziehen. „Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde“ (Jer 31,31). Wir sind weder das Eine noch das Andere.  „Nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand fasste, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen…“ (Jer 31,32). Gott hat aber unsere Väter weder aus Ägypten geführt, noch einen Bund mit ihnen gemacht, wir, die wir Sünder aus den Nationen sind, von denen im Gegenteil gesagt ist, dass wir „entfremdet dem Bürgerrecht Israels, und Fremdlinge betreffs der Bündnisse der Verheißung“ (Eph 2,11.12). In diesem Bund verheißt Gott ferner, dass Jerusalem wieder gebaut wird „… vom Turm Hananel bis zum Ecktor. Und die Mess-Schnur wird weiter fortlaufen geradeaus über den Hügel Gareb und sich nach Goa wenden. Und das ganze Tal der Leichen und der Asche und alle Felder bis zum Bach Kidron, bis zur Ecke des Rosstores im Osten, wird dem HERRN heilig sein; es soll nicht ausgerottet und nicht zerstört werden in Ewigkeit“ (Jer 31,38–40).Wie kann man dies alles aus die Versammlung anwenden?

Lasst uns aber unsere Forschungen fortsetzen, indem wir als Beispiel einige Stellen der Propheten nehmen, in denen man mit dem meisten Grund erwarten könnte, die Versammlung zu finden, und wir wollen sehen, ob sie wirklich darin zu finden ist, oder ob diese Stellen sogar die Versicherung des Paulus, dass es nämlich ein Geheimnis sei, das in früheren Zeitaltern den Menschenkindern nicht offenbart worden sei, bestätigen.

Die Verheißung, welche Gott dem Abraham gab, dass in seinem Samen alle Völker der Erde gesegnet werden sollen (1. Mo 12,3; 22,18; 28,14), ist in einem Sinne auf die Versammlung angewendet (Gal 3,8), doch ist sie es immerhin nur insofern, als die Versammlung die Erstlinge der Bekehrung der Welt ausmacht, und nicht in einem bestimmten und unbedingten Sinn. In der Versammlung ist es auf hundert oder tausend Familien eine, die im Samen Abrahams gesegnet ist, und nicht alle Familien der Erde, und es werden in Zukunft genauso wenig sein, zumal jetzt böse Menschen aber und Betrüger zu Schlimmerem fortschreiten werden, indem sie verführen und verführt werden, bis der Abfall kommt und der Mensch der Sünde, welchen der Herr Jesus selbst durch die Erscheinung Seiner Ankunft vernichten wird (vgl. 2. Tim 3,13; 2. Thes 2,3–8). Wenn aber Gott sagt: „Alle Familien der Erde“, so sind es auch alle diese Familien, und nicht eine kleine Anzahl aus ihnen. Dieses Wort hat also seine völlige Erfüllung nicht in der Versammlung. Es wird sie, aber dann haben, wenn die Versammlung entrückt, wenn der Boshaftige vernichtet und die Erde voll Erkenntnis des HERRN sein wird, wie die Wasser den Meeresgrund bedecken (Jes 11,4–9).

Und wenn der Herr sagt, dass Abraham Seinen Tag sah und sich freute (Joh 8,56), so will Er nicht von Seiner ersten Ankunft in der Niedrigkeit sprechen. Wie hätte sich der Vater der Gläubigen freuen können, seinen Herrn durch seine ungläubigen Nachkommen verwerfen und gekreuzigt und diese, in Folge ihres Unglaubens, von Gott verworfen und auf der ganzen Erde zerstreut zu sehen, und ihr Land verflucht und öde? Dies aber ist die Bestimmung Israels während der Dauer der Versammlung hier unten. Der Tag Christi hingegen, den Abraham und alle Väter und alle Propheten von ferne gesehen haben, und ihn mit Frohlocken begrüßten, nennt das Wort Gottes immer mit diesem Namen (2. Kor 1,14; 2. Thes 2,1), die Zeit seines herrlichen Reiches. An diesem Tag werden nicht nur alle Nationen der Erde im Samen Abrahams gesegnet sein (Sach 8,13.20–23; Ps 72,17), sondern er wird auch noch vermehrt werden wie die Sterne des Himmels und wie der Sand am Meere (Jes 27,6; Jer 31,27; 33,22; Hes 36,9–11,37.38).

Wenn Jakob auf seinem Sterbebett weissagt, dass dem Schilo die Völker anhangen werden (vgl. 1. Mo 49,10), so spricht er nicht von der Versammlung, sondern von den Völkern, die sich in den letzten Tagen gegen Jerusalem sammeln werden, um es zu zerstören, und in der Wirklichkeit aber vom Herrn gerichtet, und dann gesegnet werden, eine Tatsache, von welcher die Propheten oft reden (Jes 46,18; Joel 3,2.11; Zeph 3,8.9; Sach 14,2; Mich 4,11–13; Mt 25,31; Off 19,17–21).

Auf diese Sammlung und dieses Gericht der Völker bezieht sich auch Matthäus 25,31 und folgende, wo man mit Unrecht die Versammlung zu sehen glaubte, als wenn die schon gerecht gemachte, auferstandene und in den Himmel versetzte Versammlung mit den Bösen vor Gericht zu erscheinen hätte, um entweder ihre Verdammung oder ihre Lossprechung zu vernehmen, während doch gesagt wird, dass sie nicht in das Gericht kommt (Joh 5,14). Auch ist dies nicht das letzte Gericht, das in Offenbarung 20,11.12 beschrieben ist (vergleiche dazu Mt 25,31.32 mit Joel 3,17 und Jer 3,17).

Wenn dann die Völker gegen Jerusalem versammelt sein werden, wird Juda wie ein Löwe rechts und links zerreißen (Micha 5,8; Sach 12,1–8). Dann oder doch bald nachher, werden die Vorbilder irdi- schen Glückes, wie sie in 1. Mose 49,11. 12, Joel 3,23 und Amos 9,13 enthalten sind, verwirklicht werden. Diesen herrlichen Tag der Ankunft ihres Herrn, um sein Volk, die Kinder Jakobs, die Nachkommen Israels, zu erkaufen, erwarteten die Erzväter.

Man könnte ähnliche Bemerkungen über die Weissagung Bileams machen (4. Mo 23,11–14; 24,5–9.17–19), über das Lied Moses (5. Mo 32,11–43), der Hanna (1. Sam 2,1–11), Davids (2. Sam 22.23) und endlich über die meisten Gesänge des Alten Testamentes, denen man noch die der Maria und des Zacharias beifügen kann (Lk 1,46–55.68–71). Diese Lobgesänge, die in den besonderen Umständen derjenigen, die sie aussprachen, und sich teilweise auf diese Umstände beziehen, ihren Grund hatten, reichen gewöhnlich bis zur zweiten Ankunft des Herrn und zur Herstellung seines herrlichen Reiches, ohne sich bei dem Herrn Jesus als Haupt der Versammlung aufzuhalten.

Psalm 2 gibt uns ein auffallendes Beispiel hiervon, dass nämlich in den Offenbarungen des Alten Testamentes nicht von der Versammlung die Rede ist. „Der du durch den Mund deines Knechtes David gesagt hast: Warum tobten die Nationen und sannen Eitles die Völker? Die Könige der Erde traten auf, und die Obersten versammelten sich miteinander gegen den Herrn und gegen seinen Christus. Denn in dieser Stadt versammelten sich in Wahrheit gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, sowohl Herodes als auch Pontius Pilatus mit den Nationen und den Völkern Israels, um alles zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss zuvor bestimmt hat, dass es geschehen sollte.“ (Apg 4,25–28, vgl. Ps 2,1.2). Dennoch haben diese Worte des Psalms wenigstens schon ihre erste Erfüllung in der Verwerfung des Herrn gehabt. Man hätte nun erwarten können, dass dieser Psalm im Folgenden von der Versammlung und ihrer Bestimmung spräche. Das wäre dann ein Verfolgen der Tatsachen gewesen, aber tut er es? Nein, gewiss nicht! Denn während der Zeit der Versammlung ist der Herr Jesus nicht König in Zion, da es im Gegenteil die Zeit ist, wo Zion ohne König ist, eine Wittwe und verlassen. In der Versammlung spricht Gott zu den Völkern nicht in seinem Zorn, und sein Sohn zerschlägt sie nicht mit eisernem Zepter, und zerschmeißt sie nicht wie Töpfe. Da Israel seinen König verworfen hat, und deshalb selbst verworfen ist, so hält Gott im Gegenteil seinen Zorn zurück, der, wenn er nach der Weissagung seinen Lauf hätte, alsbald das Gericht der Erde herbeiführte. Er lässt eine Zeit der Geduld und der Gnade eintreten, während der Er jeden Menschen ohne Unterschied einlädt, sich zu bekehren, und zu glauben, damit er errettet werde. Der Sohn seinerseits stößt niemanden von sich, der zu Ihm kommt. Die Zeit der Bildung der Versammlung wird in diesem Psalm gänzlich mit Stillschweigen übergangen, und diese Weissagung wird erst dann wieder ihren Lauf und ihre völlige Erfüllung bekommen, wenn die christianisierten Völker selbst, indem sie die Gnade Gottes mit Füßen treten, sich aufs Neue gegen den Herrn unter der Anführung des Antichristen verbinden werden. Dann wird Gott im Zorn mit ihnen reden, seinen König in Zion einsetzen und Ihm alle Reiche der Welt zum Erbe geben (Off 11,15; 19,11; 2,26.27).

Psalm 60 gibt zu ähnlichen Bemerkungen Veranlassung. Es sind achtzehnhundert Jahre, seit das erste Wort dieses Psalms durch die Himmelfahrt des Herrn Jesus und durch sein Sitzen zur Rechten des Vaters erfüllt ist, während der übrige Teil seine Erfüllung noch erwartet. Ohne Zweifel ist der Herr Jesus jetzt schon unser großer Hohepriester, aber Er bringt jetzt das Opferblut hinter dem Vorhang dar, innerhalb des Allerheiligsten, wo Er unsichtbar ist, und aus welchem Er noch nicht herausgekommen ist, um sein Volk zu segnen. Er ist, mit einem Wort, als der wahre Melchisedek, Priester und König, welcher Gerechtigkeit und Frieden auf der Erde regieren macht, nicht geoffenbart worden. Um dies auszurichten, muss Er zuerst Alles voll Erschlagene machen, und das Haupt, welches über ein großes Volk herrscht, vernichten, wie es in 5. Mo 32,42 steht: „Meine Pfeile werde ich berauschen mit Blut, …mit dem Blut der Erschlagenen und Gefangenen – vom Haupt der Fürsten des Feindes“. Er muss endlich Die zunichtemachen, die die Erde verderben, was Er in der gegenwärtigen Zeit nicht tut, indem Er den größten Sünder einlädt, zu Ihm zu kommen, um das Leben zu haben. So geht also der Prophet unmittelbar von der Himmelfahrt des Herrn Jesus zu seiner herrlichen Wiederkunft, um Sein Reich auf der Erde aufzurichten, über, und sagt nichts von der Versammlung, die den Zwischenraum zwischen diesen beiden Ereignissen ausfüllt.

Auch Psalm 8 hat eine anfängliche Erfüllung gehabt, als die Menge, die dem Herrn Jesus nachfolgte, sowie die Kinder schrien: „Hosanna dem Sohn Davids!“ (vgl. Mt 21,8–16). Damals war das Reich gleichsam auf dem Weg, sich zu gestalten, als aber die Obersten diese Huldigungen verhinderten, und sogar das Volk dahin trieben, den Tod dessen zu verlangen, der als ein sanftmütiger König zu ihm kam, da wurde das Reich auf eine noch zukünftige Zeit hinausgeschoben. „…Jetzt aber sehen wir ihm noch nicht alles unterworfen“ (Heb 2,8), sagt der Apostel den Hebräern. Dies wird erst erfüllt sein, wenn der Herr Jesus vom Himmel offenbart und wenn die Erde durch Seine herrliche Gegenwart erneuert sein wird. Dies ist der „zukünftige Erdkreis“ (Heb 2,5), hier durch den Psalmisten beschrieben, in dem die ganze Schöpfung von dem Dienst der Eitelkeit befreit, den Herrn loben wird (vgl. Röm 8,20; Ps 148). Aber von der Versammlung, die zwischen der Himmelfahrt des Herrn Jesus und der Errichtung des zukünftigen Erdkreises entstanden ist, sagt der Psalmist nichts.

Gedanken zu Jesaia 11: Die beiden ersten Verse bezeichnen offenbar den Herrn in seinem ersten Kommen. Von da an bis zum fünften Vers ist er als der gerechte und getreue Richter dargestellt, was den Charakter seines zweiten Kommens ausmacht (vgl. Off 19,11). „Und dann wird der Gesetzlose offenbart werden, den der Herr Jesus verzehren wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten wird durch die Erscheinung seiner Ankunft“ (2. Thes 2,8). Dann, weil Er seine Auserwählten, welche Tag und Nacht zu Ihm schreien, gerächt haben wird, wird man sagen können: „Ich habe einen Gottlosen gesehen, der gewaltig war und der sich ausbreitete wie ein saftvoller Spross;  und man ging vorbei, und siehe, er war nicht mehr da; und ich suchte ihn, und er wurde nicht gefunden“ (Ps 37,35.36). Die Sanftmütigen werden hingegen das Land besitzen und sich am großen Frieden ergötzen (vgl. Ps 37,11). Dann wirb endlich die Erbe mit der Erkenntnis des Herrn bedeckt sein, wie der Meeresgrund von den Gewässern bedeckt ist, und die ganze Schöpfung wird erneuert sein. Es macht also auch hier die erste Ankunft des Herrn mit seiner zweiten nur Eine aus, weil die zwischen diesen beiden Ankünften inne liegende Versammlung, die den Zwischenraum ausfüllt, nicht erwähnt wird.

Untersuchen wir nun Daniel 9,24–27, ohne uns bei dem Anfang dieser Prophezeiung, über den man gewöhnlich einig ist, aufzuhalten. Nach 69 Jahrwochen „wird der Messias weggetan werden und nichts haben“ (Dan 9,26; s. a. Jes 49,4.5). Das ist bereits erfüllt. Danach wird ein Volk des Fürsten, das Volk des vierten Weltreiches, aus welchem der kommende Fürst sein wird, entstehen, und die Stadt samt dem Heiligtum verwüsten. Auch das ist in der Zerstörung Jerusalems durch Titus schon erfüllt worden. Ist es nun möglich, die 70. Woche gleich nach der 69. folgen zu lassen? Schon die Zerstörung Jerusalems, die nach der 69. Woche angeführt ist, obwohl sie ungefähr vierzig Jahre nach dem Tod des Heilandes erfolgte, hat einen Zwischenraum zwischen diese beiden Wochen gebracht. Wenn man übrigens vielleicht sagen könnte, dass während den 3 ½ Jahren, die auf den Tod des Herrn folgten, der Bund der Gnade mit Vielen geschlossen wurde, was ist dann das Schlacht- und Speisopfer, das aufhören würde? Sind es die jüdischen Opfer? In der Absicht Gottes haben diese beim Tod des Herrn, der sie unnötig machte, aufgehört, was der im Tempel mitten entzwei gerissene Vorhang andeutete. In Wirklichkeit aber haben sie bei der Zerstörung des Tempels, die sie unmöglich machten, aufgehört. Aber weder im einen noch im anderen Falle war es eine halbe Woche, ober 3 ½ Jahre nach dem Tod des Herrn. Unter „Gräuel der Verwüstung“ versteht man gewöhnlich einen in den Tempel gesetzten Götzen. Das kann man aber nicht auf das Heer des Titus anwenden, denn der Tempel wurde gegen seinen Willen, und ehe man ihn durch einen Götzen hätte verunreinigen können, verbrannt, und endlich fand dies nicht in der siebzigsten Woche statt. Demgemäß bleibt das, was von der 70. Woche gesagt ist, unerklärbar, wenn man sie gleich nach der 69. folgen lässt. Wenn matt aber zwischen beiden Wochen, die ganze Zeit der Versammlung annimmt, und wir haben gesehen, dass man es in mehreren anderen Stellen tun muss, dann verschwinden viele Schwierigkeiten. Nach der 69. Woche ist der Messias weggetan worden, und der Augenblick, der die Segnungen über Israel hätte bringen sollen, wird der seiner Verwerfung. Da nun Israel von da an nicht mehr als das Volk Gottes auf der Erde anerkannt ist, so hört die Zeit auf, für dasselbe zu zählen.

„Und nach den 62 Wochen wird der Messias weggetan werden und nichts haben. Und das Volk des kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören, und das Ende davon wird durch die überströmende Flut sein; und bis ans Ende: Krieg, Festbeschlossenes von Verwüstungen“ (Dan 9,26). Das ist die Zerstörung Jerusalems, die Verwüstung, welche darauf gefolgt ist, und die nur mit Krieg enden wird, der Streit, den der Herr mit seinem Volk hat. Es ist die „lange Zeit“, während welcher Israel „… ohne König bleiben und ohne Fürsten und ohne Schlachtopfer und ohne Bildsäule und ohne Ephod und Teraphim“ (Hos 3,4.) Es ist eben gerade die Zeit der Versammlung. Sobald aber die Versammlung in den Himmel eingegangen ist, so tritt Gott wieder mit seinem irdischen Volk in Verbindung, um es zuerst zu richten, und bann zu segnen. Die Zeit fängt wieder an es zu zählen. Es ist die 70. Woche oder die Zeit des Antichrists, denn weil sie den Herrn Jesus, der im Namen seines Vaters kam, nicht annahmen, so wird ein anderer in seinem eigenen Namen kommen, den sie aufnehmen werden. Während der ersten Hälfte dieser Woche oder 3 ½ Jahre, wird dieser mit vielen in Israel, die er durch Schmeichelworte gewinnt, einen starken Bund machen, aber in der zweiten Hälfte, wenn er die Maske abwirft, und sich als Gott anbeten lassen will, wird er das beständige Opfer wegtun, dessen Wiederherstellung er erlaubt hatte, und in demselben Tempel, wo Gott gedient werden sollte, setzt er das Bild des Tieres, einen Gräuel, der eine Quelle des Verderbens ist, weil alle die, welche sich weigern, es anzubeten, getötet werden, und zwar „bis Vernichtung und Festbeschlossenes über das Verwüstete ausgegossen werden“ (Dan 9,27), d. h. auf den Antichristen, welcher unter den Schlägen des Herrn selbst fällt. Dann erfüllen sich „an dem Volk und an der heiligen Stadt“ alle Segnungen, die im 24. Verse angekündigt sind. Die beiden Hälften dieser letzten Woche sind dann diese Zeitabschnitte, die in der Weissagung eine so große Rolle spielen, die eine Zeit, die zwei Zeiten, und die halbe Zeit, die 1260 Tage, und die 42 Monate (Dan 7,25; 12,7; Off 11,3; 12,6.14; 13,5)5.

Was Joel 2,28–32, angeführt in Apostelgeschichte 2,16–21, betrifft, so genügt es, diese Worte zu lesen, um zu sehen, dass sie zu Pfingsten nicht ihre völlige Erfüllung hatten. Wenn zudem eine Ausgießung des Geistes stattfand, und demgemäß eine teilweise Erfüllung der Weissagung, so dass Petrus sagen konnte: „Dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt ist“, so wurden doch keine Wunderzeichen am Himmel und auf Erden getan, wie Blut, Feuer, Rauch und Dampf, die Sonne in Finsternis verwandelt, noch der Mond in Blut verkehrt, und vor allem ist der große und schreckliche Tag nicht gekommen. Was muss man daraus schließen? Dass diese sich auf die Herstellung des Reiches Christi beziehende Weissagung, zur Zeit von Petrus nur eine anfängliche Erfüllung hatte, weil das damals dem Volk Israel dargebotene Reich, das aber bald darauf von ihm verworfen wurde, der Versammlung, Platz gemacht hat. Und erst bei der Wiederkunft des Herrn Jesus wird diese Weissagung in Gang kommen, und wie das Reich selbst, ihre völlige Erfüllung haben. Dann werden wirklich Zeichen im Himmel und auf der Erde geschehen, der große und schreckliche Tag wird da sein, und eine Ausgießung des Geistes, welche für Israel der Herbstregen sein wird, wie die Pfingsten der Frühlingsregen war (Jes 13,6–13; 29,6; Hos 6,3; Sach 12,10). Dies wird auch die Erfüllung von Matthäus 24 und Offenbarung 6–20 sein.

Endlich führt man oft Amos 9,11.12 verglichen mit Apostelgeschichte 15,15–17 an, um zu beweisen, dass das wiederhergestellte Israel und die Versammlung ein Zusammenhängendes bilden. Wenn man im Propheten das darauf Folgende liest, so sieht man, dass in diesem Fall die Versammlung alle Völker und insbesondere Edom in Besitz nehmen müsste. Übrigens fassen wir die Worte von Jakobus recht ins Auge: „Gott hat zuerst die Nationen besucht“ und bringen wir sie in Verbindung mit „Danach“, welchem im Propheten die Worte: „An jenem Tag“ entsprechen. Wir sehen, dass Jakobus, indem er durch den Heiligen Geist sprach, die Worte Hoseas nicht auf die Versammlung anwendet, sondern auf die Wiederherstellung Israels. Er sagt: „… Wie zuerst Gott darauf gesehen hat, aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen“. Hiermit ist die Versammlung klar angekündigt und charakterisiert, aber Jakobus kündigt sie so an, und nicht Hosea. Dann: „Danach“, nach der Zeit der Versammlung, wird Gott die verfallene Hütte Davids wieder aufbauen. Dies ist die Wiederherstellung Israels. „Damit sie den Überrest Edoms und alle Nationen in Besitz nehmen“, oder „damit die übrigen der Menschen den Herrn suchen“, sagt der Apostel, der sich nicht bei den kriegerischen Unternehmungen Israels in den letzten Tagen aufhalten wollte, obwohl es eine klar geoffenbarte Tatsache war, sondern vielmehr bei der Bekehrung der Völker durch den Dienst Israels.

Nein, die Versammlung, der Leib Christi, befindet sich nicht im Alten Testament, oder doch nur in Christus darin, in den sie eingeschlossen und verborgen ist, wie Eva in Adam verborgen war, ehe Gott sie aus ihm herausgenommen hatte. Sie befindet sich nur in Schatten und Bildern darin. Sie ist die jetzt aus der durchbrochenen Seite ihres Mannes herausgenommene Eva, während jener auf dem Thron seines Vaters ausruht, und die Ihm bei seinem Erwachen, als herrliche Frau, ohne Flecken und Runzel dargestellt wird, um mit Ihm über eine von Gott gesegnete Schöpfung zu regieren. Sie ist Henoch, der, hier unten durch den Glauben mit Gott wandelt, dann zu Ihm entrückt wird, ehe die Flut seines Zornes über eine von der Sünde erfüllte Erde überfließt. Sie ist Rebekka, welcher ein vom Vater gesandter himmlischer Elieser, seinem vielgeliebten Sohn zu trauen sucht, welche Er durch seine reichen Geschenke tröstet, und durch die Wüste zur Wohnung ihres Gemahls leitet, der ihr entgegenkommt. Aber das himmlische Geheimnis, welches in diesen rührenden Darstellungen enthalten ist, ist selbst denen verborgen geblieben, die die Hauptpersonen dabei waren. Was die Propheten Israels klar, und ohne ein Geheimnis daraus zu machen, verkündigen, sind die auf Christus kommenden Leiden, und die darauf folgenden Herrlichkeiten (vgl. 1. Pet 1,11). Dies ist das Reich, das der Menschensohn bei seiner herrlichen Wiederkunft herstellen wird (Dan 2,44; 7,13.14.27), wo alle Reiche Ihm unterworfen und dienstbar sein werden. Es ist das Königreich Gottes, weil der Herr dann König der ganzen Erde sein wird (Sach 14,9), das „Reich der Himmel“ weil der, welcher es errichtet, vom Himmel kommt (vgl. Dan 7,13; Mt 26,64). Übrigens wird Er darin genauso seine Herrlichkeit im allerhöchsten Himmel in seinen himmlischen Heiligen, als auch in denjenigen, die auf der Erde sein werden, offenbaren, das Reich Israels (vgl. Apg 1,6), weil Israel den ersten Rang auf der Erde einnimmt, indem seine Söhne Fürsten auf der ganzen Erde sein werden (Mich 4,8.9), besonders weil derjenige, der dann regieren wird, der ist, dessen Wohlgefallen es war, sich der Welt als Sohn Davids zu offenbaren, und der sich dann wieder König Israels nennen wird (Jes 23,20–22; Zeph 3,14.15).

[Fortsetzung folgt]

Fußnoten

  • 1 Wir sagen, der gegenwärtige Zeitlauf sei die Zeit der Abwesenheit des Herrn, und dies ist in jedem Fall für uns wahr. Aber wann hat denn dieser Zeitlauf angefangen? Vielleicht bei der Sündflut. Deshalb wären dann die Zeiten des Herrn und Seiner Apostel „am Ende dieser Tage“ genannt (Heb 1,1.2). Wäre Jesus aufgenommen worden, so wären es wirklich die letzten Tage gewesen, weil sein herrliches Reich den zukünf­tigen Zeitlauf eingeführt hätte. Obwohl übrigens der Anfang dieses Zeitlaufes nicht genau angegeben ist, so ist es doch sein Charakter. Der Christ ist aus einem bösen Zeitlauf herausgenommen (Gal 1,4), aus einem Zeitlauf der Finsternis, dessen Weltbeherrscher und Gott der Teufel ist (Eph 6,12; 2. Kor 4,4), dessen Kinder den Kindern des Lichtes entgegengestellt sind (Luk 16,8). Die, die diesen Zeitlauf liebgewinnen, verlassen Gott und seine Kinder (2. Tim 4,10). Auch soll man nicht diesem Zeitlauf gemäß handeln (Röm 12,2). Der zukünftige Zeitlauf fängt offenbar mit der Ankunft des Herrn an und entspricht der Zeit seines Reiches. Dieses Reich ist ein herrliches und wünschenswertes, weil die­jenigen, die würdig gehalten werden, jenes Zeitlaufes und der Auferstehung aus den Toten teilhaftig zu sein, nicht mehr sterben können (vgl. Luk 20,35.36). Es ist der Zeitlauf der Vergel­tung (Mk 10,30; Luk 18,30), und zwar offenbar derjenigen, die bei der Auferstehung der Gerechten stattfinden wird (Luk 14,14). Endlich ist es der Zeitlauf der Auferstehung, des Lebens und der Herrlichkeit. Oft verwechselt man die Welt und den Zeitlauf, was zu großen Irrtümern führt. Die Welt kosmos oder oikumene, ist die Erde, die wir bewohnen. Der Zeitlauf aion ist ein be­stimmter Zeitlauf dieser Welt, oder eine Zeitspendung Gottes gegen diese Welt und ihre Bewohner. Sie sind gleichsam wie zwei gleichlaufende Linien, die sogar manchmal in gleicher Entfernung von denselben Ereignissen durchschnitten und doch immer unterschieden sind. Wenn der gegenwärtige Zeitlauf bei der Sündflut angefan­gen hat, so entspricht er in seiner Dauer dem, was man die jetzige Welt nennen kann, im Gegensatz zur alten Welt, das heißt der vorsündflutlichen Welt. Der durch die Ankunft des Herrn eingeführte zukünftige Zeitlauf entspricht auch der zukünftigen Welt, oder dem zu­künftigen Erdkreis (Ps 8; Heb 2,5), d. h. der durch den Herrn hergestellten Welt, auf der alle Kreaturen Ihm unterwor­fen sein werden. Ferner entsprechen sich auch die Charakterzüge der jetzi­gen Welt und des jetzigen Zeitlaufs. Wenn dieser Zeitlauf „böse“ ist, so liegt auch die ganze Welt in dem Bösen (1. Joh 5,19), und „… alles, was in der Welt ist, die Lust des Fleisches und die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern ist von der Welt“ (1. Joh 2,15–17). Wie man deshalb den jetzigen Zeitlauf nicht lieben, noch ihm gemäß handeln soll, so soll man auch die Welt nicht lieben, noch was in der Welt ist (Jak 4,4). Wenn der Teufel der Weltbeherrscher dieses Zeitlaufes ist, so ist er auch der Fürst dieser Welt genannt (Joh 12,31; 14,30; 16,11). „In denen ihr einst wandeltet nach dem Zeitlauf dieser Welt, nach dem Fürsten der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams“ (Eph 2,2). Auch ist jetzt das Reich des Herrn Jesus weder von diesem Zeitlauf noch von dieser Welt (Joh 18,36). Dass es nicht von diesem Zeitlauf ist, wird durch das Wort „jetzt“ bezeichnet, und dass es nicht von dieser Welt ist, durch das Wort „von hier“, aber es wird sich im zukünftigen Zeitlauf über eine erneuerte Welt erstrecken. Ungeachtet dieser Beziehungen, ist Welt und Zeitlauf nicht dasselbe und sollen nicht verwechselt werden. Man tut es aber in Matthäus 13,39.40.49 und 24,3, wenn man anstatt „Vollendung des Zeitalters“ [in älteren Übersetzungen „Ende des Zeitlaufs“; Anm. des Überarb.] „Ende der Welt“ liest, was glauben macht, dass es sich dort um Zerstörung von Himmel und Erde handle, und um das Gericht, das dann stattfinden wird (Off 20), während es sich in diesen Stellen, so wie in Matthäus 25, das nur eine nähere Entwicklung davon ist, keineswegs um das Ende der Welt han­delt, sondern um das Ende des jetzigen bösen Zeitlaufs, und um das Gericht, welches dann vom Herrn ausgeführt wird, um den zukünftigen Zeitlauf einzuführen.
  • 2 Ursprünglich: „Mitten unter ihnen“.
  • 3 Das Wort „Haushaltung“ ist in seiner eigentlichen Bedeutung, nach meiner Meinung, auf die Versammlung als solche nicht anwendbar. Allein ein anderer Ausdruck, etwa „Periode,“ würde hier weniger für Israel passend sein (Anm. d. Herausg.).
  • 4 Das Wort „Bund“ kann, nach meiner Meinung, weniger auf die Versammlung als solche, als auf die Gläubigen als Volk betrachtet, angewandt werden (Anm. d. Herausg.).
  • 5 Diese Unterbrechung in den Wegen Gottes in Bezug auf s0in irdisches Volk, entspricht dem Geheimnis der Versamm­lung, und ist gleichsam ein Schlüssel zum Verständnis der Weis­sagung. Sie erklärt auch sehr gut das Schweigen der Weis­sagung in Bezug auf die Völker der Christenheit seit der Ver­werfung Israels. Da Israel der Mittelpunkt der Absichten Got­tes auf der Erde ist, so lässt Gott von den Nationen nur vom Gesichtspunkt ihrer näheren oder weiteren Beziehungen mit Is­rael weissagen. Da nun dieses Volk seit achtzehnhundert Jah­ren nicht mehr als Volk besteht, so schweigt die Weissagung seit dieser Zeit über die Bestimmungen der Nationen. Sie nimmt sie erst wieder auf, wenn sich diese Nationen wieder um Jerusalem sammeln, d. h. im Augenblick, wo sich Gott wieder zu Jerusalem wendet, um es durch das Gericht zu reinigen, und um es dann in seine herrlichen Vorrechte wieder einzusetzen. Wenn man das verstanden hätte, so hätte man nicht im Pro­pheten Daniel und in der Prophezeiung im allgemeinen den Papst, Mohammed, die Goten, Sarazenen, Attila, Karl den Großen, Napoleon, alle Könige und alle Revolutionen der neu­eren Geschichte gesucht. Man hätte auch nicht daran gedacht, das Jahr der Ankunft des Herrn zu bestimmen. Man hätte end­lich nicht alle diese Systeme gesehen, welche schon so oft von den Tatsachen widerlegt, den Ungläubigen Veranlassung zum 'Spott geben und die Frommen von der Erforschung der Weis­sagung ferne halten.
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