Botschafter des Heils in Christo 1857

Der gegenwärtige und der zukünftige Zeitlauf - Teil 4/9

III. Entrückung der Versammlung

„Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird auch Gott die durch Jesus Entschlafenen mit ihm bringen. (Denn dieses sagen wir euch im Wort des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit bei dem Herrn sein. So ermuntert nun einander mit diesen Worten“ (1. Thes 4,14–18).

In diesen Worten haben wir die klarste und vollkommenste Offenbarung über die Entrückung der Versammlung. Es werden uns darin drei Dinge, die durch den Herrn in seiner Zukunft erfüllt werden, dargestellt:

Die Auferstehung aller bis dahin verstorbenen Gläubigen

Manche behaupten, dass es mehrere voneinander getrennte Auferstehungen geben würde. Dass dies nicht der Fall ist, geht schon aus dem Ausdruck „Auferstehung aus den Toten“ hervor (Apg 4,2; Lk 20,35; Phil 3,11). Sie wird uns aber auch in mehreren besonderen Aussprüchen klar vorgestellt, z. B. Lukas 14,14: „Glückselig wirst du sein, weil sie nichts haben, um dir zu vergelten; denn dir wird vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten.“

Lukas 20,35.36: „die aber für würdig erachtet werden, jener Welt teilhaftig zu sein und der Auferstehung aus den Toten, heiraten nicht, noch werden sie verheiratet; denn sie können auch nicht mehr sterben, denn sie sind Engeln gleich und sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind.“ Dies ist keine Auferstehung aller Toten, weil nur einige dieser Auferstehung sowie jenes Zeitlaufs für würdig gehalten werden, und weil sie in Folge dieser Auferstehung den Engeln gleich sind – „Söhne Gottes, weil sie Söhne der Auferstehung“ sind – so wie Jesus Christus selbst durch seine Auferstehung als Sohn Gottes in Kraft erwiesen wurde (vgl. Röm 1,4).

Philipper 3,11: „Ob ich auf irgendeine Weise hingelangen möge zur Auferstehung aus den Toten.“ Paulus hätte nicht so sprechen können, wenn es nur eine Auferstehung geben würde, zu welcher sowohl Gerechte als Ungerechte gleicherweise und ohne irgendwelche Anstrengung gelangen würden.

Die Belehrung, die Paulus den Korinthern über die Ordnung, in der die Auferstehung geschieht, gibt, stimmt völlig mit dem Gedanken einer besonderen Auferstehung der Versammlung bei der Zukunft Christi überein, worauf dann eine andere für die Übrigen der Toten erfolgt. „Denn wie in dem Adam alle sterben, so werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden. Jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling, Christus; dann die, die des Christus sind bei seiner Ankunft; dann das Ende“ (1. Kor 15,22–24).

Manchmal wird Johannes 5,28.29 als Beweis für eine einzige Auferstehung angeführt. Der Herr Jesus rechtfertigt sich, als er von den Juden der Gotteslästerung angeklagt wird, weil Er sich Sohn Gottes nannte. Er zeigt, dass der Vater dem Sohn Macht gegeben hat, alles das auch zu tun, was der Vater selbst tut. Dem Vater aber gehört die Lebendigmachung, die Auferweckung und das Gericht, und der Sohn tut ganz dieselben Dinge, wie wir von Vers 14 an lesen.

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.“ Dies ist die Lebendigmachung der geistlich Toten durch den Glauben an das Wort des Herrn Jesus. Hiermit ist alles über diesen Gegenstand gesagt.

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist jetzt, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben.“ Geht nun der Herr, indem Er hier den oben erwähnten Gedanken wiederholt, nicht weiter, und umfasst Er nicht auch darin die leibliche Auferstehung derjenigen, welche geistlicher Weise durch den Glauben an sein Wort lebendig gemacht sind? Wenn es nicht so wäre, dann würde dieser Vers zu dem vorigen nichts hinzufügen. Bei dieser Voraussetzung aber ist das Wort „werden leben“ umso besser gewählt, indem es ebenso wohl die Verwandlung der lebenden Heiligen, in welcher das Sterbliche vom Leben verschlungen wird, (vgl. 2. Kor 5,4) als auch die Auferstehung der gestorbenen Heiligen, welche aus ihren Gräbern hervorgehen, bezeichnet. Es ist zwar wahr, dass der Herr Jesus diesen Augenblick mit den Worten bezeichnet: „Es kommt aber die Stunde und ist jetzt“ eine Ausdrucksweise, welcher Er sich bei der Samariterin bediente, um die Zeit der Versammlung zu bezeichnen (vgl. Joh 4,23). Es geschieht dies deshalb, weil in der Tat die herrliche Lebendigmachung der Versammlung nur die volle Offenbarung des Lebens des Christus ist, welches von jetzt an in ihr ist (vgl. Kol 3,3.4). Ihre Lebendigmachung ist durch kein Ereignis noch durch irgendeine Zwischenzeit von der Stunde ihrer Fremdlingschaft getrennt. Sie ist nur der letzte „Augenblick“, der „letzte Nu“ derselben (vgl. 1. Kor 15,52). Warum sollte sie in den Worten des Herrn getrennt sein?

„Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben zu haben in sich selbst“ (Joh 5,26). Dieses erinnert an die Worte des Herrn Jesus zu Petrus: „Auf diesen Felsen [den Sohn des lebendigen Gottes] werde ich meine Versammlung bauen, und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18). Als Sohn des lebendigen Gottes habe ich das Leben in mir, wie der Vater das Leben in sich selbst hat, und wie ich das Leben habe, so werden diejenigen, welche mir angehören, es auch haben. Wie ich siegreich aus dem Hades hervorgegangen bin, so werden auch sie daraus hervorgehen. Weil ich lebe, werden auch sie leben. „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, unser Leben, offenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbart werden in Herrlichkeit“ (Kol 3,3.4).

„Und er hat ihm Gewalt gegeben, Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist“ (Joh 5,27). Nach der herrlichen Lebendigmachung der Versammlung durch die Stimme „des Sohnes Gottes“, kommt das durch „den Sohn des Menschen“ ausgeübte Gericht, ein Gericht, welches sich von dem Gericht über die Nationen bei seiner Ankunft, bis zu dem der Toten, Geringe und Große, vor dem großen weißen Thron, erstreckt.

„Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts“ (Joh 5,28.29). Wundert euch nicht darüber, dass der Sohn des Menschen richten wird, denn Ihm kommt es auch zu, die Toten aufzuerwecken. „Es kommt die Stunde …“. Die Stunde der Versammlung, das verborgene Geheimnis, hat schon 1800 Jahre gedauert, und wir können nicht sagen, wie lange sie noch währen wird. Und nichts tritt dem Gedanken entgegen, dass die Stunde, von welcher hier die Rede ist, nicht mindestens tausend Jahre dauere, und sie ist sowohl eine Stunde der Auferstehung, als auch des Gerichts. Es findet am Anfang derselben Auferstehung statt, bei der Ankunft des Sohnes des Menschen, gleich nach der großen Trübsal. Von dieser Auferstehung, oder wenigstens von einem Teil dieser Auferstandenen, nämlich derjenigen, welche zum Leben auferstehen, redet der Herr Jesus in Lukas 20,35, denn hier trägt alles einen jüdischen Charakter. Diese Auferstehung war es auch, welche Daniel 12,2 sah (und nicht die der Versammlung), weil sie nach der großen Trübsal erfolgt. Übrigens sagt auch der Prophet an dieser Stelle „viele“ (nicht „alle“), „die im Staub der Erde schlafen“. Es entspricht also dem, was der Herr Jesus sagte, nicht genau: „Alle, die in den Gräbern sind …“. Dies kommt daher, weil in der Tat nach den tausend Jahren die Auferstehung derer stattfindet, welche bis dahin in den Gräbern geblieben sind, um vor dem großen weißen Thron zu erscheinen. Der Ausdruck des Herrn: „Alle, die in den Gräbern sind“, bezeichnet, wie mir scheint, die Gesamtheit dieser, außer der Versammlung Auferstandenen, und zwar aller, ohne dass ein einziger fehlt.

Vor allem aber haben wir in Offenbarung 20,4–6 zwei sich klar unterscheidende Auferstehungen: „Die erste Auferstehung“, welche für immer von der Macht des zweiten Todes befreit, und die „Auferstehung der Übrigen der Toten“. Wir erfahren ferner, was nirgends sonst gesagt ist, dass der Zwischenraum zwischen diesen beiden Auferstehungen mindestens tausend Jahre beträgt.

Wird man sagen, dass die erste Auferstehung eine geistliche Auferstehung sei? Dann würde aber die zweite, welche aus „den Übrigen der Toten“ besteht, es ebenfalls sein, denn dieser Ausdruck: „den Übrigen aus den Toten“ zeigt an, dass diese mit denen, welche schon zum Voraus von ihnen herausgenommen, von gleicher Natur sind, und in diesem Fall gäbe es keine Auferstehung. Übrigens finden wir die Versammlung im ersten Teil von Offenbarung 20,4[i]: „Und ich sah Throne, und sie saßen darauf, und es wurde ihnen gegeben, Gericht zu halten“ (vgl. 1. Kor 6,2). Dann sehen wir noch andere Heilige, welche auch einen Teil der Auferstehung bilden, aber nicht zur Versammlung gehören, weil sie durch die große Trübsal gegangen sind, vor welcher Stunde die Versammlung die Verheißung hat, bewahrt zu werden. Sie haben weder das Tier noch sein Bild angebetet, und haben das Malzeichen nicht auf ihre Stirn noch auf ihre Hand angenommen. Sind es nicht diejenigen, von welchen in Offenbarung 6,9–11 die Rede ist, sowohl diejenigen, welche dann schon getötet worden sind, als auch diejenigen, welche es von diesem Augenblick an sein werden? [ii]

So kann also die gewöhnliche Annahme einer einzigen Auferstehung der Gerechten und Ungerechten, die in dem Augenblick vor dem letzten Gericht stattfinden soll, nicht bestehen, wenn wir die auf diesen Gegenstand bezüglichen Stellen nur einigermaßen ernstlich untersuchen.

Wenn es nur eine einzige Auferstehung gäbe, die in dem Augenblick, wenn Himmel und Erde vor dem großen weißen Thron entfliehen, stattfände (Off 20,11–13), wie soll man sich dann Römer 8,18–23 erklären, wo die Freimachung dieser Schöpfung offenbar an die Erlösung der Leiber der Heiligen, nämlich an ihre Auferweckung, geknüpft ist? Wie soll man sich auch Stellen wie Matthäus 19,28.29; 1. Korinther 6,2; Offenbarung 3,26.27; Jesaja 25,8–10 verglichen mit 1. Korinther 15,54 erklären? Wir sehen in der Tat in Jesaja 25,8–10, dass, nachdem der Tod durch den Sieg verschlungen ist, der Herr Moab zertreten wird wie man das Stroh zertritt um Dünger daraus zu machen. Diese Worte sind aber in 1. Korinther 15,54 gebraucht für die Auferstehung der Heiligen, sodass also, nachdem diese Auferstehung stattgefunden haben wird, Moab zertreten wird. Man versuche dies in dem System einer einzigen Auferstehung zu erklären!

Zwar sind diese verschiedenen Auferstehungen manchmal in zwei zusammengefasst: in die Auferstehung der Gerechten und in die der Ungerechten (Joh 5,29), oder in die erste Auferstehung und in die der Übrigen der Toten (Off 20). Und in der Tat gibt es in Betreff des Charakters der Auferstandenen nur zwei Klassen, Gerechte und Ungerechte, nämlich solche, welche zum Leben, und solche, welche zum Gericht auferstehen. Ebenso kann man sie in Betreff der Zeit dieser Auferstehungen in zwei zusammenfassen: die Einen werden bei der Ankunft des Herrn (im allgemeinsten Sinne des Wortes genommen, ohne seine Ankunft für die Versammlung und die für Israel zu unterscheiden!) auferstehen, und bilden zusammen die „erste Auferstehung“, die Anderen bilden die „Übrigen der Toten“.

Was auch übrigens die Schwierigkeiten sein mögen, welche dieser Gegenstand, falls man ihn ein wenig ergründen will, darbieten kann, so bleibt es doch klar (und dies wollten wir hauptsächlich darzustellen suchen), dass die Auferstehung der Versammlung von der Auferstehung der Bösen gänzlich getrennt ist, sowohl in Betreff der Zeit als auch in Betreff der darin wirkenden Grundsätze.

In Betreff der Zeit bleiben die Bösenin den Banden des Todes, bis dass sie der Herr zum Gericht vor den großen weißen Thron ruft. Die Versammlung, als Erstlinge der neuen Schöpfung, steht vor der Vollendung des Zeitalters auf, bei der Ankunft des Herrn, und wird Ihm entgegengerückt. „Jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling, Christus; dann die, die des Christus sind bei seiner Ankunft“ (1. Kor 15,23).

In Betreff der darin wirkenden Grundsätze stehen die Bösen durch eine unüberwindliche Kraft des Herrn, welcher sie zum Gericht ruft, auf. Die schon gerechtfertigte, des geistlichen Lebens ihres Hauptes teilhaftig gewordene Versammlung, steht durch das Herannahen dieses herrlichen Hauptes, dessen leibliches Leben sich seinen im Staub der Erde schlafenden Gliedern mitteilt, auf. Die in Christus Entschlafenen sind wie ein erstarrter Leib, der wieder Leben gewinnt, und der beim Herannahen des lebenden Hauptes, welcher ihn ruft und welcher kommt, um sich mit ihm zu vereinigen, sich erhebt.

Die Verwandlung der übrig gebliebenen lebenden Gläubigen

„Danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft.“

Wenn nun schon die Verwandlung der Lebenden hier nicht eigentlich bezeichnet ist, so ist sie doch darunter verstanden, denn wir können nicht mit diesen schweren und gebrechlichen Leibern in den Wolken dem Herrn entgegen gerückt werden in die Luft und können nicht den Himmel bewohnen und seine Freuden genießen. Paulus sagt anderswo: „Dies aber sage ich, Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können, auch die Verwesung nicht die Unverweslichkeit erbt“ (1. Kor 15,50). Er fügt auch zugleich hinzu: „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden [zwar] nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dieses Verwesliche muss Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen. Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: „Verschlungen ist der Tod in Sieg“ (1. Kor 15,51–54). „Wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1. Joh 3,2).

„Denn unser Bürgertum ist in den Himmeln, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus als Heiland erwarten, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit, nach der wirksamen Kraft, mit der er vermag, auch alle Dinge sich zu unterwerfen“ (Phil 3,20.21).

Paulus erwartete demnach die Verwandlung und nicht den Tod, wie er es in 2. Korinther 5,4 sagt: „Weil wir nicht entkleidet, sondern überkleidet werden möchten, damit das Sterbliche verschlungen werde von dem Leben“, obwohl er zugleich bereit war durch den Tod zu gehen, wenn ihn Gott dazu berufen würde, was ihm immer weit besser schien, als in diesem Leib abwesend vom Herrn zu sein (vgl. Phil 1,21–24).

Aber anstatt diese Erwartung des Paulus zu bewahren und mit ihm zu wiederholen: „Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden“, hat man sich nicht gescheut, ihn der Lügen zu strafen, indem man sagt: Dies ist gewiss, dass wir alle sterben müssen. Und so hat man die Seelen und Herzen der Christen von der Erwartung des Herrn hinweggezogen, welche, nach der Gnade, die kräftigste Triebfeder jeder wahren Hingabe und jedes freudigen Gehorsams ist, um sie auf den Tod, diesen Sold der Sünde, zu lenken, welcher an und für sich nur einen gezwungenen und knechtischen Gehorsam hervorbringen kann. Doch, man sagt oft, indem man glaubt, ein Wort der Schrift anzuführen, es sei allen Menschen verordnet, einmal zu sterben. Aber nein, das Wort sagt das nicht, denn es wäre im Widerspruch mit sich selbst. Es sagt: „Und ebenso wie es den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht, so wird auch der Christus, nachdem er einmal geopfert worden ist, um vieler Sünden zu tragen, zum zweiten Mal denen, die ihn erwarten, ohne Sünde erscheinen zur Errettung“ (Heb 9,27.28).

Demgemäß sagt es uns, dass es den Menschen, den meisten Menschen, obliegt, einmal zu sterben, und erinnert uns zugleich daran, dass Christus ein zweites Mal, ohne Sünde, von einigen gesehen wird, welche also nicht sterben werden, nämlich von denen, welche, Ihn zur Errettung erwartend, im Augenblick seiner Ankunft leben werden.

Die Entrückung sowohl der einen als der anderen Gruppe von Gläubigen.

In diesem Augenblick, in diesem Nu, werden sowohl die Auferstandenen als die Verwandelten „zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft.“ Henoch und Elia hatten schon das Vorrecht, die Erde zu verlassen, um in den Himmel aufzufahren, ohne durch den Tod zu gehen. Henoch hatte, wie es scheint, keine Zeugen seiner Entrückung, über welche wir nichts Näheres wissen. Elia, als Prophet des Bundes, welcher unter Sturm, Blitzen und Donnern gegeben wurde, wurde in einem Sturmwind durch einen Feuerwagen und durch Feuerrosse entrückt. Der Herr Jesus, als Mittler eines besseren Bundes, eines Bundes der Gnade, wurde auf Wolken entrückt. Die Versammlung, sein Leib, wird wie Er entrückt.

Es wird übrigens keine langsame und schmerzhafte Umwandlung sein wie die der Puppe, deren Neugeborener lange seine schlaffen und ungeschickten Flügel schütteln muss, ehe er sich fröhlich in die Luft erheben kann.

Es wird nicht einmal wie bei der Auferstehung des Lazarus sein, der aus seinem Grab mit Tüchern gebunden herauskam, die man losmachen musste, damit er gehen konnte. In einem Augenblick, in einem Nu wird diese Auferstehung der gestorbenen Heiligen und die Verwandlung der Lebenden stattfinden so wie auch ohne Zweifel die Entrückung dem Herrn entgegen

Also wird die köstliche Verheißung, welche der Herr seinen Jüngern, ehe Er sie verließ, gab, erfüllt: „In dem Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet“ (Joh 14,2.3).

So vollendet sich endlich das Werk Gottes in seinen Auserwählten. Diese Vollendung ist gleichsam das letzte Wort unserer himmlischen Berufung, ohne welches wir nie einen klaren und vollkommenen Begriff von ihr haben würden.

Die Versammlung ist die himmlische Eva, welche, nachdem sie aus der Seite ihres Mannes, während Er auf dem Thron des Vaters ruhte, genommen ist, Ihm bei seinem Erwachen als herrliche Frau dargestellt wird: „… die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und untadelig sei“ (Eph 5,27).

Da uns Gott vor Grundlegung der Welt in Christus Jesus erwählt hat, so hat Er uns auch damals lebendig gemacht, auferweckt und in die himmlischen Örter versetzt (vgl. Eph 1,2.3; 2,5.6), „denn welche er zuvor erkannt hat, die hat er auch zuvor bestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern“ (Röm 8,29). Diesen Vorsatz der freien und gnadenvollen Liebe des Vaters hat der Sohn in uns angefangen zu verwirklichen, als Er uns zu sich zog und durch den Glauben mit sich vereinigte. So mit Ihm in Gemeinschaft gesetzt, haben wir in einem gewissen Grad seine Gesinnung angenommen und sind ein Wiederschein seines Bildes. Dies will Er nun vollenden, indem Er unsere toten Leiber lebendig macht und sie zur Gleichförmigkeit seines herrlichen Leibes umgestaltet. Der Herr hat uns in einer Beziehung schon von der Welt getrennt, indem Er uns ihre Nichtigkeit und ihr Verderben zu erkennen gab, und unsere Neigungen und unsere Gesinnung zu sich hinzog. Auch dieses will Er in uns vollenden, indem Er uns zu sich auf den Wolken außerhalb der Welt zieht.

Das vom Herrn zu diesem bewunderungswürdigen Werk angewandte Mittel ist immer dasselbe, nämlich sein Wort. Sein Wort, vielleicht aus dem Mund eines schwachen und von der Welt verachteten Gläubigen herkommend, ist es, das uns lebendig macht und uns von der Welt trennt, um uns mit Ihm zu verbinden. Sein Wort wird es auch sein, aber als gebietender Zuruf, der vom Himmel mit der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes ertönt, welches das letzte Teilchen unserer sterblichen Leiber lebendig macht und uns mit Ihm für immer vereinigt. Die, welche seine Stimme, die zum Glauben und zur Bekehrung rief, hörten und ihr folgten, werden seine herrliche Stimme, entweder in den Gräbern hören und daraus hervorgehen oder sie in der Gebrechlichkeit dieses sterblichen Leibes vernehmen und verwandelt werden. Diejenigen hingegen, die sich weigerten, sie zu hören und ihr zu gehorchen, als dieselbe sie zur Bekehrung rief, werden in den Banden des Todes bleiben, bis dass sie zum Gericht auferstehen.

So erfüllt dein Wort, Herr Jesus, deine gesegnete Stimme alles in den deinen, wie du es auch gesagt hast: „Meine Schafe hören meine Stimme … und sie folgen mir“ (Joh 10,27).

O! Wie viel süßer und köstlicher würde uns die liebliche Stimme Jesu klingen, wenn wir immer daran dächten, dass sie bald in den Wolken erschallen wird, um unsere sterblichen Leiber lebendig zu machen und um uns zu Ihm in den Himmel zu ziehen, damit, wo Er ist, auch wir seien! Ach! Wenn der Ungläubige glauben könnte, dass die Stimme, welche ihn jetzt im Evangelium beruft und die ihm nur als Schwachheit und Torheit erscheint, die einzige ist, welche nicht nur seiner Seele Frieden geben, sondern auch seinen Leib lebendig machen kann! Wenn er glauben könnte, dass diese Stimme, welche jetzt von Gnade und Vergebung spricht, sich in ein zweischneidiges Schwert verwandeln wird, um die Völker damit zu schlagen und in eine Feuerflamme, um denen Vergeltung zu geben, die Gott nicht kennen und dem Evangelium nicht gehorchen! Wenn er endlich glauben könnte, dass es die allmächtige Stimme dessen ist, welchem man wohl gehorchen muss, wenn sie die Toten, die Geringen und die Großen, zwingen wird, vor Ihm zu erscheinen, um nach ihren Werken gerichtet zu werden! Doch dies sind Dinge, welche der Geist allein offenbaren kann.

An uns ist es denn, vielgeliebte Brüder im Herrn und „Genossen der himmlischen Berufung“ (Heb 3,1), Gott ohne Aufhören zu danken, „dass Gott euch von Anfang erwählt hat zur Errettung in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit, wozu er euch berufen hat durch unser Evangelium, zur Erlangung der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus“ (2. Thes 2,13.14).

Möchte diese glückselige Hoffnung, indem wir sie immer mehr im Glauben erfassen, vermehrt zu unserem Trost und zu unserer Heiligung dienen, wie auch gesagt ist: „So ermuntert nun einander mit diesen Worten“ und „Und jeder, der diese Hoffnung zu ihm hat, reinigt sich selbst, wie er rein ist“ (1. Thes 4,18; 1. Joh 3,3).

Weinen wir über geliebte Freunde, die im Herrn entschlafen sind? Lasst uns doch nicht traurig sein, denn Er selbst wird bald vom Himmel erscheinen und auf seinen Zuruf werden diese Vielgeliebten zuerst auferstehen, und wir, die wir leben, werden zusammen mit ihnen in den Wolken dem Herrn entgegengerückt werden in die Luft, und allezeit bei Ihm sein. Dann endigen alle diese durch die Umstände auferlegten Trennungen, diese bitteren Notwendigkeiten des Lebens, diese oft noch schmerzhafteren Trennungen, welche die Sünde zwischen denen herbeigeführt hat, welche, da sie nur ein Leib sind, auch nur ein Herz und eine Seele sein sollten. Im Haus des Vaters werden alle Kinder um ihren ältesten Bruder versammelt sein, ohne dass ein einziges fehlt und ohne je wieder irgendeine Trennung befürchten zu müssen. Sollten wir aber weinen, so lasst uns nicht weinen wie die, die keine Hoffnung haben, sondern trösten wir einander mit dem Gedanken, „dass wir allezeit bei dem Herrn sein werden.“

Ist uns dieser Leib durch seine Gebrechlichkeiten eine Last, welche wir mühsam nachschleppen müssen, hindern uns jene den Herrn durch unsere Tätigkeit so zu verherrlichen, wie wir es wünschen, so lasst uns immer daran gedenken, dass der Herr, wenn Er kommt, unseren Leib der Niedrigkeit verwandeln und ihn seinem Leib der Herrlichkeit gleichgestalten wird. Wie wir jetzt das Bild des irdischen Adams tragen – eine Quelle der Schmerzen und Seufzer – so werden wir das Bild des himmlischen Adams tragen – eine Quelle der Herrlichkeit und des Glücks. Dann werden wir den Herrn von Angesicht zu Angesicht sehen und Ihm ohne Ermüdung und Gebrechlichkeit dienen. Habt denn noch ein wenig Geduld und Mut, Ihn zu verherrlichen, wenn Er uns in Leiden und Gebrechlichkeiten dazu beruft. Er wird bald kommen und nicht ausbleiben.

Leiden wir in Folge der Armut, der Ungerechtigkeit der Menschen oder ihrer Verfolgungen, so weist uns auch da das Wort zu unserem Trost auf die Ankunft des Herrn hin (Jak 5,7), indem es uns lehrt, dass die Gewalttätigkeit, die Ungerechtigkeit und die Unterdrückung auf der Erde herrschen werden, bis der Herr kommt, diejenigen zu verderben, welche sie verderben, und um alle Dinge durch seine herrliche Gegenwart neu zu machen. Aber vor diesem Tag werden wir zu Ihm versammelt sein, fern von der Welt und den Bösen. „Habt nun Geduld, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn. Siehe, der Ackerbauer wartet auf die köstliche Frucht der Erde und hat Geduld ihretwegen, bis sie den Früh- und den Spätregen empfängt. Habt auch ihr Geduld, befestigt eure Herzen, denn die Ankunft des Herrn ist nahe gekommen.“

Wie würden wir in allen unseren Nöten getröstet sein, wenn wir immer diesen glücklichen Augenblick vor Augen hätten, wo uns der Herr für immer bei sich vereinigen wird! Denn welche von jenen Nöten wird dann nicht wie ein Traum am Morgen verschwinden? Und wie würde selbst diese Tröstung zu unserer Heiligung beitragen! Denn woher kommt Murren, Eifer, Neid, Geiz und so viele Lüste, die gegen die Seele streiten, wenn nicht daher, dass die Hoffnung unserer baldigen Vereinigung mit dem Herrn nicht lebendig in uns ist? Dann hängen sich unsere armen Herzen, welche wie der Efeu ein Bedürfnis haben, sich an etwas anzuschließen, an die Erde, da sie sich nicht an den Himmel hängen können. Wenn aber diese Hoffnung uns belebt, so wird der Eifer, das Murren usw. einer sanften und geduldigen Erwartung Platz machen, sogar der Freude und der Danksagung. Und anstatt zu dem Irdischen werden wir zum Himmlischen hingezogen sein, dann wird auch während unsere Füße noch hier unten wandern, unser Herz schon im Himmel sein.

So heiligt der Heiland die Seinigen. Zuerst durch seine Gnade und dann durch die Hoffnung seiner Herrlichkeit, welche gleichsam eine Ergänzung derselben ist. Als Er uns in seiner Gnade sagte: „Gehe hin in Frieden, deine Sünden sind dir vergeben!“, da nahm Er von unseren Herzen die Last, welche sie fast erdrückte. Er führte uns zu sich, beschämt von unserer Bosheit und seiner Liebe. Wir fühlten dann das Bedürfnis, nicht mehr uns selbst zu leben, sondern dem, der uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat. Dadurch, dass er uns sagt: „Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet“ (Joh 14,3), versetzt Er unsere Hoffnung, unseren Schatz und unser Leben in den Himmel. Er macht Himmelsbürger aus uns, welche hier unten für eine kleine Zeit Fremdlinge und Pilger sind (Tit 2,11–14). Der Herr aber richte unsere Herzen zu der Liebe Gottes und zu dem Ausharren des Christus (2. Thes 3,5)!

[Fortsetzung folgt]

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