Botschafter des Heils in Christo 1857

Gedanken zu 2. Korinther 7,1

„Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so lasst uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes“ (2. Kor 7,1).

Dieser erste Vers des siebten Kapitels steht noch im Zusammenhang mit dem vorigen Kapitel. Der Apostel sagt: „Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte …“. Er knüpft die Ermahnung dieses ersten Verses an eine Verheißung des Herrn, die er im vorigen Kapitel ausgesprochen hatte. Wir lesen in 2. Korinther 6,17.18: „Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unreines nicht an, und ich werde euch aufnehmen; und ich werde euch zum Vater sein, und ihr werdet mir zu Söhnen und Töchtern sein, spricht der Herr, der Allmächtige.“ Ebenso in Vers 16: „Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein“ (s.a. 3. Mo 26,11.12).

Es gibt wohl keine Verheißung, meine Brüder, die für uns in den vielen Versuchungen auf dem Weg durch diese Wüste tröstlicher und köstlicher wäre, als diese, und keine, die wir in unserer Schwachheit so sehr bedürfen. Es ist der Herr, der Allmächtige selbst, der uns versichert: „Ich werde euch aufnehmen; und ich werde euch zum Vater sein, und ihr werdet mir zu Söhnen und Töchtern sein.“ Er, für dessen Größe und Herrlichkeit es keine Worte gibt und von dem wir in unserer Schwachheit so wenig verstehen, Er, vor dem alle heiligen Engel auf ihre Angesichter niederfallen und anbeten, ist unser Vater und wir seine Kinder. Es gibt keine Kreatur, weder im Himmel noch auf der Erde, welche sich eines solchen gesegneten Vorrechtes zu rühmen hätte. Jesus war der einzige, welcher sagen konnte: „Mein Vater!“, der einzige, zu welchem Gott sagte: „Du bist mein Sohn!“. Allein der Herr Jesus hat durch sein gnadenreiches Werk uns in eine solche Stellung gebracht, dass Er zu uns sagen konnte: „Mein Gott – euer Gott; mein Vater – euer Vater!“. Wir haben jetzt den Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: „Abba, Vater!“.

Unsere Aufnahme bei Gott und unser Eintritt in das Kindesverhältnis zu Ihm ist aber, wie wir hier sehen, an eine Bedingung geknüpft. „Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unreines nicht an, und ich werde euch aufnehmen“ Der Herr sonderte Israel von allen übrigen Völkern ab. Es war zwar ein irdisches Volk, bestimmt für diese Erde und deren Segnungen, aber es war ausgezeichnet vor allen anderen Völkern, weil es das Volk Gottes war, und sollte deshalb auch von allen anderen abgesondert wohnen. Wenn der Herr anfängt, uns zu suchen, so findet Er uns inmitten der Welt, der Sünde und dem Verderben preisgegeben. In diesem Zustand ist Er weder unser Vater noch sind wir seine Kinder, sondern wir befinden uns inmitten einer Welt, die der Ausführung eines schrecklichen Gerichts, welches der Herr schon lange über sie ausgesprochen hat, entgegentaumelt, und wir selbst haben auch nichts anderes als dieses zu erwarten, solange wir in diesem Zustand beharren. Und gewiss ist es eine große Täuschung und Verblendung des Herzens, in dieser Stellung Gott seinen Vater zu nennen oder Ihn als Vater anzurufen. Gott sagt ja selbst, dass Er uns dann aufnehmen und unser Vater sein will, wenn wir aus der Mitte derer ausgehen und uns von ihnen absondern, unter welchen wir uns von Natur befinden, und keine Gemeinschaft mehr mit dem haben, was unrein und vor Gott verwerflich ist. Es ist dies zwar keine so äußerliche und leibliche Absonderung wie bei Israel, dem irdischen Volk Gottes, sondern eine Absonderung in Gesinnung, Wort und Wandel von allem, was vor Gott nicht wohlgefällig ist, obgleich wir uns äußerlich in der Mitte der Welt und der Sünde befinden. Eine solche Absonderung geziemt dem Volk Gottes, welches für den Himmel bestimmt ist.

Der Zweck des Opfers und des ganzen Werkes Christi war ja auch kein anderer, als der, uns von jeder Sünde und Unreinigkeit zu befreien, und der auf die Erde herniedergesandte Heilige Geist ist beschäftigt, dieses Werk bei uns zu verwirklichen. Er überführt von der Sünde, von der Gerechtigkeit und von dem Gericht, Er bringt die Kraft des Blutes Christi auf unser Gewissen in Anwendung und reinigt uns durch dasselbe von allen toten Werken. Er sondert uns von der Welt und ihren Werken ab, nimmt selbst Besitz von unseren Herzen und stellt uns so für Gott beiseite. Jetzt erst findet das köstliche Wort, welches wir in 2. Korinther 6,16 lesen, auf uns seine Anwendung: „Und welchen Zusammenhang der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Denn ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat:,Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein‘“.

Die Art und Weise unserer Bekehrung zeigt uns also deutlich, an welche Bedingung Gott selbst unser Verhältnis zu Ihm geknüpft hat. Ohne unsere Absonderung durch den Heiligen Geist könnten wir unmöglich in diesem so gesegneten und köstlichen Verhältnis zu Ihm stehen. Was für ein Vorrecht aber für solche armen und elenden Sünder, wie wir von Natur sind, dass wir durch die Innewohnung des Heiligen Geistes sein Tempel geworden, worin Er wohnt und wandelt, sein Volk und seine Kinder, deren Gott und Vater Er ist, ja dass Er uns ganz und gar für sich genommen, und uns seiner göttlichen Natur teilhaftig gemacht hat. Und um uns in dieses Verhältnis zu bringen – welche Liebe, welche Gnade, welche Arbeit und Mühe hat es von Seiten Gottes gekostet! Ist es deshalb nicht sehr traurig, um nicht mehr zu sagen, wenn wir dies alles so wenig anerkennen und so leicht vergessen, wenn wir leichtsinnig und nachlässig leben und uns durch die Dinge beflecken, wovon wir gereinigt sind, und wenn wir mit der Welt in Dingen Gemeinschaft haben, von welchen uns der Heilige Geist abgesondert hat. Die Worte: „Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unreines nicht an, und ich werde euch aufnehmen“ verlieren nie ihre Geltung. So viel wir selbst jetzt, nachdem wir Kinder Gottes geworden sind, dieser Absonderung gemäß leben, so viel werden wir auch die Segnung und die Kraft dieses Kindesverhältnisses genießen. Der Heilige Geist fand es für nötig, die Korinther an die köstliche Verheißung des Herrn, und die damit verbundene Absonderung zu erinnern, und dies wird auch immer bei uns nötig sein, besonders dann, wenn wir uns in Betreff unseres Lebens mit ihnen in einem ähnlichen Zustand befinden.

Nur dann, wenn wir die Natur unseres Verhältnisses zu Gott recht erkannt haben, sind wir auch im Stand zu verstehen, was für ein praktisches Leben diesem Verhältnis allein geziemt, nämlich ein Wandel in Untertänigkeit, im Gehorsam, in dem Gefühl der Abhängigkeit und in der Liebe. Sobald unser Leben nicht diesen Charakter hat, vernachlässigen wir unsere Stellung und unser Verhältnis zu Gott. Die Welt erkennt und versteht nichts davon, das göttliche Leben ist ihr ganz und gar fremd. Deshalb ermahnt auch der Apostel: „Seid nicht in einem ungleichen Joch mit Ungläubigen. Denn welche Genossenschaft haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen? Und welchen Zusammenhang der Tempel Gottes mit Götzenbildern?“ (2. Kor 6,14–16). Eine solche Gemeinschaft würde im vollsten Widerspruch zu der Natur unseres Verhältnisses stehen. Die Welt hat den Herrn aus ihrer Mitte verworfen und gekreuzigt, weil sie Ihn nicht kannte, die Glaubenden aber sind sein Tempel, worin Er wohnt und wandelt und sind seiner Natur teilhaftig geworden. Wie wäre es nun aber möglich, dass jene und diese Gemeinschaft haben können? Gewiss nicht anders, als wenn die Gläubigen ihre Natur verleugnen und sich der Welt gleichstellen.

Fragen wir, in wie weit diese Absonderung und Reinigung stattfinden soll, so finden wir die Antwort in dem oben angeführten Vers: „ … Geliebte, so lasst uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes, indem wir die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes.“ Also eine völlige Absonderung und Reinigung. Gott will nicht, dass wir eine geringere Heiligkeit haben sollen als Er selbst, und es ist ein unendliches Glück für uns, dass uns Gott an seiner eigenen Heiligkeit teilnehmen lässt! Und wenn wir je wünschen oder nur daran dächten, weniger heilig zu sein als Er, so würden wir dadurch nur eine große Verachtung seiner Gnade und Liebe, und eine Geringschätzung gegen seine Heiligkeit und unser eignes Heil an den Tag legen.

Wir lesen in 1. Petrus 1,14–16: „Als Kinder des Gehorsams bildet euch nicht nach den vorigen Begierden in eurer Unwissenheit, sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr heilig in allem Wandel! Denn es steht geschrieben:,Seid heilig, denn ich bin heilig.‘“ (s.a. 3. Mo 11,44). Es ist ganz naturgemäß, wenn das Kind sich nach dem Vater bildet, der es gezeugt hat, und so ist es ja auch ganz naturgemäß, wenn wir in der Heiligkeit unseres Gottes und Vaters leben. Gewiss, es wird auch so sein, dass, wenn wir die Bedingung unserer Annahme kennen, die Natur unseres Verhältnisses zu Gott verstehen und die Gnade, Liebe und Heiligkeit Gottes sowie unser kostbares Heil wirklich ehren und hochschätzen, dass wir uns in dieser Welt von allem trennen, was dem Herrn nicht wohlgefällt, dass wir eifrig sind, uns von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes zu reinigen und unsere Heiligkeit in der Furcht Gottes zu vollenden, oder mit einem Wort, dass wir uns von allem getrennt halten, wovon der Herr selbst getrennt ist.

Nun ist es aber auch wahr, dass „Alle aber auch, die gottselig leben wollen in Christus Jesus“ – ein Leben in der Furcht Gottes leben wollen –, „werden verfolgt werden“ (2. Tim 3,12). Je unbefleckter wir uns vor der Welt zu bewahren suchen, desto mehr wird diese uns schmähen, hassen und verwerfen. Je mehr wir der Gesinnung unseres Herrn Jesus Christus gemäß, der in stetem Gehorsam gegenüber Gott lebte und sich von der Welt völlig unbefleckt erhielt, einhergehen, desto mehr werden wir auch in dieser Welt erfahren, was Er selbst hier erfuhr. Aber wir finden auch etwas, was wir nie in der Welt finden konnten und was unendlich köstlicher ist als alles, was diese uns je darbieten kann, nämlich die Verheißung Gottes: „Und ich werde euch aufnehmen; und ich werde euch zum Vater sein, und ihr werdet mir zu Söhnen und Töchtern sein, spricht der Herr, der Allmächtige.“ Befinden wir uns in der Stellung des Gehorsams, die uns allein geziemt, so wird der Herr auch die ganze Kraft und Tragweite dieser Verheißung an uns offenbaren und verwirklichen. Überall werden wir seiner väterlichen Sorgfalt, seiner tröstenden Liebe, seiner wunderbaren Hilfe und seiner göttlichen Langmut begegnen. Nie wird Er uns versäumen noch verlassen und wir dürfen stets, wie auch der Apostel den Hebräern in Hebräer 13,6 schreibt, mit aller Kühnheit sagen: „Der Herr ist mein Helfer, und ich will mich nicht fürchten; was wird mir ein Mensch tun?“

Besonders beruhigend und tröstlich ist auch der Schluss der Verheißung in 2. Korinther 6,18: „... spricht der Herr, der Allmächtige.“ Unser Vater, der uns aufgenommen hat, dessen Söhne und Töchter wir sind und in dessen Obhut wir zu jeder Zeit stehen, ist der Herr, der Allmächtige. Er ist Herr über alles und ist auch allmächtig, und gewiss hat der Heilige Geist dieses Trostwort deshalb hinzugefügt, um unsere Herzen in allen Versuchungen, in allen Drangsalen und Verfolgungen mit Mut und Trost zu erfüllen. Unser Gott und Vater will und kann uns in jeder Lage das völlig sein, was Er uns auch verheißen hat, denn Er ist der Herr, der Allmächtige.

Der Herr wolle durch diese köstliche Verheißung einen lebendigen Eifer für seine Heiligkeit in unseren Herzen erwecken. Es kommt immer darauf an, welchen Eifer wir für Ihn selbst haben, denn dieser bedingt das Maß unseres wahren Eifers für alles, was gut und heilig und vor Ihm wohlgefällig ist, und ebenso das Maß unsers Eifers gegen alles, was Sünde, was ungöttlich ist und was Ihm missfällt. Dann auch können wir sagen, dass wir so viel Eifer für Ihn und seine Heiligkeit haben, als das Bild des Christus, welcher das Ebenbild Gottes ist, in uns eine Gestalt gewonnen hat, oder als seine Gesinnung in uns verwirklicht ist. Der Heilige Geist ist fortwährend bemüht, unsere Absonderung, die vor Gott in Christus schon vollkommen ist, auch in unserem praktischen Leben völlig zu machen, und die Züchtigungen des Vaters haben, wie wir in Hebräer 12,10 lesen, denselben Zweck: „… er aber zum Nutzen, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden.“ Es ist also nicht allein der Herr Jesus, der uns durch sein Opfer ein für alle Mal reinigte, um uns für immer in die Gemeinschaft Gottes zu bringen, sondern wir sehen auch die Sorgen des Vaters und die Wirksamkeit des Heiligen Geistes beschäftigt, um uns praktisch in unserem Leben zu reinigen und abzusondern. Wie ernst und gesegnet ist diese Wahrheit! Und sie wird uns gewiss nicht leer und unfruchtbar und in dem Wachstum zur Vollendung der Heiligkeit in der Furcht Gottes gleichgültig sein lassen, wenn anders unsere Herzen ein wahres Gefühl für die Liebe Gottes haben.

In den Briefen an die Korinther findet der aufmerksame Leser in dieser Beziehung viele ernste und köstliche Ermahnungen und Beispiele. Hier, wie überall in den Briefen des Apostels Paulus, begegnen wir besten nachahmungswürdigen Eifer sowohl in seinem Dienst als auch in seinem Leben. Er sagt von sich selbst: „Ich zerschlage meinen Leib und führe ihn in Knechtschaft.“ Dieser Eifer für die Heiligkeit Gottes, diese Absonderung von allem Bösen, machte ihn fähig, ein Diener Gottes zu sein, und auch wir werden nur dann in Wahrheit tüchtig sein, anderen zu dienen, wenn wir uns selbst unbefleckt erhalten, denn nur in dieser Gesinnung haben wir einen wahren Eifer für die Reinigung anderer. Wir finden dies ebenfalls in dem Dienst des Apostels bewahrheitet. Er ist stets auf das eifrigste bemüht, wie wir es besonders in seinen Briefen an die Korinther wahrnehmen, jede Art des Bösen aus der Versammlung zu entfernen. Er sagt in 2. Korinther 11,2: „Denn ich eifere um euch mit Gottes Eifer; denn ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau dem Christus darzustellen.“

Sein Herz ist voll überströmender Freude, als er durch die Ankunft des Titus von den Korinthern erfährt, dass sein erster Brief eine gute Aufnahme gefunden hatte und ein Mittel für die Reinigung der Versammlung geworden war. Er sagt in 2. Korinther 7,4–7: „Groß ist meine Freimütigkeit euch gegenüber, groß mein Rühmen euretwegen; ich bin mit Trost erfüllt, ich bin ganz überströmend in der Freude bei all unserer Bedrängnis. Denn auch als wir nach Mazedonien kamen, hatte unser Fleisch keine Ruhe, sondern in allem waren wir bedrängt; von außen Kämpfe, von innen Befürchtungen. Der aber die Niedrigen tröstet, Gott, tröstete uns durch die Ankunft des Titus; nicht allein aber durch seine Ankunft, sondern auch durch den Trost, womit er bei euch getröstet worden war als er uns kundtat eure Sehnsucht, euer Wehklagen, euren Eifer für mich, so dass ich mich umso mehr freute.“ Solch ein überragender Trost und solch eine tiefe Freude konnten nur in dem Herzen eines Mannes Raum finden, der so für Gott und seine Versammlung eiferte. Und der Gott allen Trostes, der den Kummer seines demütigen und treuen Knechtes verstand, kannte auch das rechte Mittel, um ihn aufzurichten, durch die Ankunft des Titus mit einer guten Botschaft von Korinth. O möchte doch dieser köstliche und gesegnete Eifer des Apostels auch in unseren Herzen reichliche Nachahmung finden.

Es wird uns noch etwas in diesem siebten Kapitel mitgeteilt, was auf den Gegenstand unserer Betrachtung Bezug hat und wohl beachtet zu werden verdient. Ich meine eben die Mitteilung über den Zustand der Versammlung zu Korinth, welcher den Apostel mit so großem Trost erfüllte. Der Eifer für den Herrn und seine Heiligkeit sowie der Eifer gegen das Böse war in die Versammlung zurückgekehrt. Wir lesen in 2. Korinther 7,9–11: „Jetzt freue ich mich, nicht, dass ihr betrübt worden seid, sondern dass ihr zur Buße betrübt worden seid; denn ihr seid Gott gemäß betrübt worden, damit ihr in nichts von uns Schaden erlittet. Denn die Betrübnis Gott gemäß bewirkt eine nie zu bereuende Buße zum Heil; die Betrübnis der Welt aber bewirkt den Tod. Denn siehe, eben dieses, dass ihr Gott gemäß betrübt worden seid, wie viel Fleiß hat es bei euch bewirkt! Sogar Verantwortung, sogar Unwillen, sogar Furcht, sogar Sehnsucht, sogar Eifer, sogar Vergeltung. Ihr habt in allem bewiesen, dass ihr an der Sache rein seid.“ Es gibt eine Freude wie auch eine Betrübnis, welche der Welt gemäß ist. Wir finden sie bei denen, die in den zeitlichen Dingen dieser Welt ihr Leben haben, und die eben durch diese Dinge entweder erfreut oder betrübt werden. Das Ergebnis aber ist ein trauriges, es bringt den Tod. Und wie betrübend ist es, wenn die Heiligen Gottes sich in diese Dinge einmischen, und an dieser Freude und dieser Traurigkeit teilnehmen. Für die Geliebten Gottes, für die Kinder des himmlischen Vaters passt nur die Freude und die Betrübnis, welche Gott gemäß ist und Heil bewirkt. Es ist die Freude, die wir bei dem Apostel Paulus, und die Betrübnis, die wir hier bei den Korinthern finden.

Es ist nicht zu verkennen, dass unter den Heiligen in der gegenwärtigen Zeit beides sehr mangelhaft ist, und dies hat sicher seinen Grund in der so schwachen Erkenntnis Gottes und in dem so geringen Gefühl für seine Heiligkeit und für seinen Hass gegen die Sünde. Beides aber kann nur der Herr in uns erwecken. Er allein kann alles in uns schaffen, was vor Ihm wohlgefällig ist, und wodurch sein heiliger Name verherrlicht wird. Er wolle es tun, und auch diese kurze Betrachtung über diesen so kostbaren Gegenstand dazu dienen lassen.

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