Botschafter des Heils in Christo 1857

Das Endziel Gottes und die Mittel Jakobs (1. Mose 35)

(1. Mose 35)

In 1. Mose 13 sehen wir, dass Abraham, nachdem sich Lot von ihm getrennt hatte, dem Herrn einen Altar baute. Gott erschien ihm, aber nicht wie das erste Mal, um ihn auf den Weg des Glaubens zu bringen. Er ist auf dem Weg des Glaubens. Die Verheißungen sind ihm gemacht. Gott gibt ihm jetzt eine genauere Kenntnis von der Tragweite dieser Verheißungen. „Und der HERR sprach zu Abram, nachdem Lot sich von ihm getrennt hatte: Erhebe doch deine Augen und schau von dem Ort, wo du bist, nach Norden und nach Süden und nach Osten und nach Westen! Denn das ganze Land, das du siehst, dir will ich es geben und deiner Nachkommenschaft bis in Ewigkeit. … Mach dich auf und durchzieh das Land nach seiner Länge und nach seiner Breite; denn dir will ich es geben“ (1. Mo 13,14–17). Hier haben wir einen großen Grundsatz in Betreff der Trennung von der Welt.

Wir wollen jedoch jetzt einen anderen Altar betrachten, den, welchen Jakob nach dem Rückruf Gottes bei Bethel errichtete und diesen ein wenig mit dem Ringkampf Gottes mit Jakob, als er aus Mesopotamien zurückkehrte, vergleichen. In der Fremde hatte dieser keinen Altar.

Die Geschichte Jakobs ist die Geschichte eines Menschen, der in der Gunst Gottes steht, der aber auf einem hin und her schwankenden Weg und in vielen Fehltritten erzogen ist. Die Treue Gottes erwies sich bei allen seinen Fehlern und Wegen, selbst in seinen Versuchen, die Segnung auf einem fleischlichen Weg zu erlangen. Dieses Ergebnis drückt er selbst in seiner Unterredung mit Pharao aus (1. Mo 47). Er naht dem großen Beherrscher der Welt, und segnet ihn, ohne im Geringsten zu zögern, während er zu gleicher Zeit eine sehr traurige Mitteilung über sein eigenes Leben macht. Wir sehen seine augenscheinliche Überlegenheit in der Gegenwart der Welt, aber im Vergleich mit anderen Heiligen ist sein Leben ein trauriges gewesen. „Wenig und böse waren die Tage meiner Lebensjahre“ (1. Mo 47,9). Wenn der geringste Heilige dem höchsten Herrscher der Welt gegenüber gestellt wird, so ist er doch immer der Größere. Es ist aber sehr schön, in Jakob diese Niedrigkeit, als ein Ergebnis seiner wenigen und bösen Tage, zu sehen. Der Heilige mag zu seiner eigenen Beschämung manche Fehler vor der Welt zu bekennen haben, seine Seele aber ist in Gemeinschaft mit Gott und im Bewusstsein seiner Segnungen.

Was den Charakter Jakobs betrifft, so war er gewiss ein Gläubiger, der Gottes Verheißungen schätzte. Esau tat das nicht. Die Bibel redet von ihm als von einem Ungöttlichen (vgl. Heb 12,16). Während Jakob die Verheißungen schätzte, verkaufte Esau seine Erstgeburt für ein Linsengericht. Doch finden wir bei Jakob nicht diesen Charakter des Glaubens: das Vertrauen auf Gott, dass Er die Verheißungen auch ausführe. Er schätzte sie wirklich, aber er gebrauchte fleischliche Mittel, um sie zu erlangen. Er verließ sich auf menschliche Klugheit anstatt auf Gott. Am Ende sehen wir ihn gesegnet, aber sein Betragen konnte Gott nicht billigen. Auf seinen Wegen würde ihm mit demselben Maß gemessen, mit welchem auch er gemessen hatte. Er wurde selbst stets der Gegenstand eines ähnlichen Betrugs. Er sagt zu Laban: „Am Tag verzehrte mich die Hitze, und der Frost in der Nacht, und mein Schlaf floh von meinen Augen. Zwanzig Jahre bin ich nun in deinem Haus gewesen; ich habe dir vierzehn Jahre gedient für deine beiden Töchter und sechs Jahre für deine Herde, und du hast meinen Lohn zehnmal verändert“ (1. Mo 31,40.41). Betrogen mit seiner Frau, übervorteilt in seinem Lohn, fern vom Haus seines Vaters und ein Sklave Labans, ging er auf einem betrügerischen Weg einher, anstatt sich auf die Erfüllung der Segnungen Gottes zu verlassen. In diesem allem sehen wir tatsächliche Züchtigung für seine Unlauterkeiten. Gott ließ ihn die Rute fühlen, aber zu gleicher Zeit unterstützte Er ihn auch. Und in dieser Weise verfährt der „Vater der Geister“ (Heb 12,9) immer mit den Seinigen.

Als sich Jakob auf seiner Flucht vor Esau am Abend niedergelegt und einen der umherliegenden Steine als Kopfkissen benutzt hatte, träumte er: „Und siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt, und ihre Spitze rührte an den Himmel; und siehe, Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Und siehe, der HERR stand über ihr und sprach: Ich bin der HERR, der Gott Abrahams, deines Vaters, und der Gott Isaaks; das Land, auf dem du liegst, dir will ich es geben und deinen Nachkommen. Und deine Nachkommen sollen wie der Staub der Erde werden, und du wirst dich ausbreiten nach Westen und nach Osten und nach Norden und nach Süden; und in dir und in deinen Nachkommen sollen gesegnet werden alle Familien der Erde. Und siehe, ich bin mit dir, und ich will dich behüten überall, wohin du gehst, und dich zurückbringen in dieses Land; denn ich werde dich nicht verlassen, bis ich getan, was ich zu dir geredet habe“ (1. Mo 28,12–15). Aber trotz dieser köstlichen Verheißung und dieser trostreichen Zusage, gebrauchte Jakob immer List und menschliche Mittel, um sein Ziel zu erreichen, sowohl in Betreff des Erstgeburtsrechts und des Segens, als auch der Herde Labans (1. Mo 30).

Nach einer gewissen Zeit sieht er ein, dass er nicht länger bei Laban bleiben kann und er stiehlt sich heimlich von dort weg, obgleich Gott ihm geboten hatte, in das Land seiner Verwandtschaft zurückzukehren. Laban verfolgt ihn, aber Gott tritt dazwischen, und wenn jener auch wollte, er durfte ihm keinen Schaden zufügen. Jakob richtet zum Zeugnis einen Steinhaufen auf (1. Mo 31).

Als er zum ersten Mal vor Esau floh, sah er ein Gesicht von Engeln und es wurde ihm offenbart, dass er ein Gegenstand der Gunst Gottes sei. Ebenso jetzt. Zu Bethel hatte er den Stein, den er zu seinem Kopfende gelegt hatte, als ein Denkmal ausgerichtet. Er hatte Öl darauf gegossen und ein Gelübde getan. Und danach sehen wir, dass er durch eine Reihe von Züchtigungen geht.

Nicht länger fähig, bei Laban zu bleiben, erschien ihm der Herr wieder, und indem Er ihm gebot, in das Land seiner Väter zurückzukehren, sagt Er ihm: „Ich will mit dir sein“ (1. Mo 31,3). Und es begegneten ihm die Heere Gottes auf dem Weg, und er nennt diesen Ort: „Machanaim“ d. h. zwei Lager (1. Mo 32,1.2).

Jetzt aber hat sich Esau aufgemacht, um ihm zu begegnen und wiederum offenbart sich in Jakob derselbe Charakter des Unglaubens. Anstatt sich der Worte Gottes zu erinnern: „Ich will mit dir sein“ und der Tatsache zu gedenken, dass Gottes Heere ihm begegnet sind, nimmt er aufs Neue seine Zuflucht zu fleischlichen Auswegen, um Gnade zu finden vor den Augen Esaus und um ihn zu versöhnen (1. Mo 32,21). Wären viertausend Mann anstatt vierhundert bei Esau gewesen, was lag daran? „Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns?“ (Röm 8,31). Und dann auch: Welches Recht und welcher Titel gebührte Esau? Wir erniedrigen uns immer unter die Kinder der Welt, wenn wir menschliche, hinterlistige Wege in unserem Handeln mit ihnen einschlagen.

Doch der Herr begegnet dem Jakob in Barmherzigkeit! Dieser sendet einen Haufen Vieh nach dem anderen und auch Knechte. Nach diesen folgen die Kinder und die Frau und ganz am Ende er selbst. „Und Jakob blieb allein zurück“ (1. Mo 32,25). Trauriges Bild eines Menschen, der nicht mit Gott lebt! Befreit von der Verfolgung Labans, ermutigt durch die Verheißung Gottes „Ich will mit dir sein“ und durch dir Begegnung mit den Engeln Gottes zu Machanaim – und doch gab ihm dies alles keinen Mut, und warum nicht? Sein Herz war nicht mit Gott. Gott musste selbst die Sache in seine Hand nehmen. Aber wenn Er Jakob von dem Haus Esaus befreien sollte, so musste Er zuvor mit Jakob selbst zu tun haben.

Auf seiner Flucht nach Mesopotamien hatte Jakob Gott ein Gelübde getan und gesagt: „Wenn Gott mit mir ist und mich behütet auf diesem Weg, den ich gehe, und mir Brot zu essen gibt und Kleider anzuziehen, und ich in Frieden zurückkehre zum Haus meines Vaters, so soll der HERR mein Gott sein“ (1. Mo 28,20.21), und jetzt sagt er: „Und Jakob sprach: Gott meines Vaters Abraham und Gott meines Vaters Isaak, HERR, der du zu mir geredet hast: Kehre zurück in dein Land und zu deiner Verwandtschaft, und ich will dir Gutes erweisen! Ich bin zu gering all der Gütigkeiten und all der Treue, die du deinem Knecht erwiesen hast; denn mit meinem Stab bin ich über diesen Jordan gegangen, und nun bin ich zu zwei Zügen geworden. Rette mich doch aus der Hand meines Bruders, aus der Hand Esaus! Denn ich fürchte ihn, dass er kommen und mich schlagen könne, die Mutter samt den Kindern. Du hast ja gesagt: Gewiss werde ich dir Gutes erweisen und werde deine Nachkommen machen wie den Sand des Meeres, der nicht gezählt wird vor Menge“ (1. Mo 32,9–13). So sprach er, aber er verstand nicht, auf Gott zu vertrauen.

Wir sehen in Jakob einen Menschen, der den Herrn liebt und seine Verheißungen schätzt, aber einen Heiligen Gottes, welcher fortwährend gezüchtigt, und dessen Herz dennoch nicht gebrochen ist. Gott selbst musste sogar mit ihm ringen, ähnlich finden wir es bei Petrus. Dieser liebte auch wirklich den Herrn, aber er hatte nicht den geringsten Begriff von dem, was das Fleisch ist, und deshalb musste er durch Läuterungen gehen, „Simon, Simon! Siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sichten wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebetet, damit dein Glaube nicht aufhöre; und du, bist du einst umgekehrt, so stärke deine Brüder“ (Lk 22,31.32). Auf dem Wege der Läuterung wurde er bewahrt. „Ich habe für dich gebetet!“

An der Furt Jabbok begegnete der Herr dem Jakob allein. „Es rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte aufging“. Dies ist aber nicht das Ringen Jakobs im Glauben mit Gott, wie oft gesagt wird. „Und als er sah, dass er ihn nicht überwältigen konnte, da rührte er sein Hüftgelenk an; und das Hüftgelenk Jakobs wurde verrenkt, als er mit ihm rang“ (1. Mo 32,24.25). Es ist ein Ringen, in dem alle Kräfte Jakobs sich zeigen, und in der Folge, während er fühlte, was es heißt, ein gebrochenes Herz und ein verdorbenes Fleisch zu haben, konnte zu ihm gesagt werden: „Du hast mit Gott und mit Menschen gerungen und hast gesiegt.“ Er empfängt einen Segen: Gott nennt ihn „Israel“1, aber Er weigert sich, Seinen Namen zu offenbaren. Und konnte Er als ein Ringender, seinen Namen kundtun? Eine Stellung, wozu Er, sozusagen durch Jakob genötigt worden war. „Warum“ sagt Er, „fragst du nach meinem Namen? Und Er segnete ihn dort“ (1. Mo 32,30). Hier gibt es keine friedliche und ruhige Kenntnis der wunderbaren Gnade Gottes. Durch das Ringen ist Jakob der starke Mann Gottes, aber Gott muss das Fleisch schwächen. Er wird immer die Seele früher oder später durch seine Züchtigungen heimsuchen, wenn das Fleisch nicht geschwächt ist.

Es war ein Segen, solch einen Namen wie „Israel“ zu erhalten – ein Segen, der einem hinkenden Heiligen zukam. Er hinkte jetzt alle Tage seines Lebens, und Gott hatte sich geweigert, seinen Namen zu offenbaren. Nicht so bei Abraham. Der Herr sprach zu diesem: „Ich bin Gott, der Allmächtige; wandle vor meinem Angesicht und sei vollkommen … Und er hörte auf, mit ihm zu reden; und Gott fuhr auf von Abraham“ (1. Mo 17,1.22). Hier finden wir eine friedliche Gemeinschaft und Abraham kann sich für andere verwenden, anstatt für sich selbst zu ringen. Nach diesem sagte Gott zu Jakob: „Mach dich auf, zieh hinauf nach Bethel und wohne dort, und mache dort einen Altar dem Gott, der dir erschienen ist, als du vor deinem Bruder Esau flohest“ (1. Mo 35,1). Es scheint in diesem Kapitel, als wenn Gott hier mit Jakob zum ersten Mal anfinge, und gleichsam alles Vorhergehende übersähe, als wenn noch nichts vorgefallen wäre. „Da sprach Jakob zu seinem Haus und zu allen, die bei ihm waren: Tut die fremden Götter weg, die in eurer Mitte sind, und reinigt euch, und wechselt eure Kleidung; und wir wollen uns aufmachen und nach Bethel hinaufziehen, und ich werde dort einen Altar machen dem Gott, der mir geantwortet hat am Tag meiner Drangsal und mit mir gewesen ist auf dem Weg, den ich gegangen bin (1. Mo 35,1.2). Rahel hatte die fremden Götter ihres Vaters lange mit sich umhergetragen (1. Mo 31,30–35). Jakob denkt jetzt daran, aber früher hatte er es nicht beachtet. In welch einem geteilten Zustand befand sich sein Herz! Und so ist es immer, wenn wir nicht auf Gott vertrauen. Jetzt aber, da Jakob in die Gegenwart Gottes treten will, fühlt er, was sich in dieser Gegenwart geziemt oder nicht, sein Unterscheidungsvermögen zwischen rein und unrein ist erwacht. Nach all den Züchtigungen erinnert er sich jetzt der Liebe und Treue Gottes, die ihm in all seinen Wegen gefolgt ist. „Und sie gaben Jakob alle fremden Götter, die in ihrer Hand waren“ (1. Mo 35,4).

Jetzt wird Gott wieder geehrt, und zwar als der treue Gott, der dem Jakob in den Tagen seiner Trübsal geantwortet hatte, und der auf dem ganzen Weg mit ihm gewesen war. Zu der Zeit, als Gott den Jakob unter seine Zucht brachte, sagte Er: „Ich bin mit dir, und ich will dich behüten überall, wohin du gehst“ – Jetzt sagt Jakob: „Er ist mit mir gewesen!“ Ja, Er ist der Gott, der, während wir auf dem Weg fehlen, dennoch auf dem ganzen Weg stets mit uns ist.

„Und Gott erschien Jakob wiederum, als er aus Paddan-Aram kam, und segnete ihn. Und Gott sprach zu ihm: Dein Name ist Jakob; dein Name soll fortan nicht Jakob heißen, sondern Israel soll dein Name sein. Und er gab ihm den Namen Israel“ (1. Mo 35,9.10). Dies ist eine lange Zeit nach dem Ringkampf. Jakob hatte alle seine fremden Götter abgeschafft, und begegnet Gott da, wo Er sich ihm offenbaren kann, und wo Er ihm den neuen Namen „Israel“ gibt. Er tut es jetzt, als wenn Er es nie zuvor getan hätte und gedenkt nicht seiner früheren Übertretungen. Gott betrachtet ihn als einen, der stark bei Ihm ist.

„Und Gott sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allmächtige, sei fruchtbar und mehre dich; eine Nation und eine Schar von Nationen soll aus dir werden, und Könige sollen aus deinen Lenden hervorkommen. Und das Land, das ich Abraham und Isaak gegeben habe, dir will ich es geben, und deinen Nachkommen nach dir will ich das Land geben. Und Gott fuhr von ihm auf an dem Ort, wo er mit ihm geredet hatte“ (1. Mo 35,11–13). Das ist es gerade, was Er auch bei Abraham getan hatte. Er macht ihn jetzt nicht hinkend, noch ringt Er mit ihm, noch verbirgt Er jetzt seinen Namen. Vielmehr offenbart Er ihm diesen in allem friedlichen Vertrauen. „Und Gott fuhr von ihm auf“. Früher hatte Gott von der Spitze der Leiter zu ihm geredet, jetzt aber kommt Er zu ihm hernieder. „Und Jakob richtete ein Denkmal auf an dem Ort, wo er mit ihm geredet hatte, ein Denkmal von Stein, und spendete darauf ein Trankopfer und goss Öl darauf. Und Jakob gab dem Ort, wo Gott mit ihm geredet hatte, den Namen Bethel“, das bedeutet Haus Gottes (1. Mo 35,14.15). Da ist kein Fürchten, kein halbes Verehren. „Wie furchtbar ist dieser Ort!“ (1. Mo 28,17). Sein Name war Jakob, das bedeutet „Überlister“. Gott aber kann ihm diesen Namen nicht geben, Er nennt ihn Israel. Er offenbarte sich ihm als Gott, der Allmächtige und Jakob ist fähig, den Ort zu nennen: „das Haus Gottes“.

Hier haben wir die köstliche Belehrung, dass, wenn Gott mit uns handelt, es nicht nur darum geht, uns die Segnung des Landes Kanaan zu geben und die damit verbundene Freude, sondern dass Er uns züchtigt, um das Fleisch zu demütigen, damit Er sich uns in friedlicher Gemeinschaft offenbaren kann. Wir mögen, wie Petrus, wirkliche Liebe für den Herrn haben, oder wie Jakob die Verheißungen in Wahrheit schätzen. Wenn aber das Fleisch nicht gerichtet ist, so ist dessen Erniedrigung zuerst nötig. Dies mag oft am Anfang, oft durch Umstände auf dem Weg, oft erst auf dem Sterbebett geschehen, aber früher oder später muss das Fleisch, entweder auf eine friedliche oder eine schmerzhafte Weise gerichtet werden. In Jakob sehen wir das Vertrauen auf das Fleisch. Er stützt sich auf dasselbe zur Erlangung der Verheißungen Gottes, deshalb gibt es auf seinem ganzen Weg allerlei Züchtigungen, aber am Ende ist die Segnung. Es kann ein gewisses Trauen auf die Treue Gottes, verbunden mit Glauben an seine Verheißungen und mit Freude darin, vorhanden sein, und dennoch, anstatt sich auf die Macht Gottes in Betreff ihrer Erfüllung zu verlassen, zu solchen unheiligen Mitteln Zuflucht genommen werden, die nur Züchtigung und Sorge zur Folge haben. Der Apostel Paulus sagt: „Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer für sein eigenes Fleisch sät, wird von dem Fleisch Verderben ernten“ (Gal 6,7.8).

„Ich bin mit dir, und ich will dich behüten überall, wohin du gehst“ (1. Mo 28,15). Dies war das Teil Jakobs beim Beginn. Am Anfang und am Ende fand er die Treue Gottes, aber er verstand nicht, sich auf dem Weg darauf zu verlassen. An Gott genug zu haben, und nicht auf die Nichtigkeit des Fleisches zu vertrauen, muss gelernt werden, entweder auf eine friedliche Weise, wenn wir mit Gott leben, oder auf eine schmerzliche, wenn wir einundzwanzig Jahre auf einem fleischlichen Wege einhergehen. Jakob konnte erst dann im Frieden in Bethel sein, nachdem er gelernt hatte kein Vertrauen auf das Fleisch zu haben. Er liebte zwar nicht die fremden Götter, aber nie war er zu Hause durch sein Gewissen genötigt worden, sie hinwegzutun. Jetzt aber war es geschehen, und wir finden ihn im friedlichsten und überaus glücklichen Selbstgericht vor Gott. Dahin muss es stets mit uns kommen, mögen auch die Mittel Gottes, uns dahin zu bringen, noch so verschieden sein. Gott kann nicht eher mit seinem Kind in Bethel sein, bis Er es von seinem Vertrauen auf das Fleisch entwöhnt hat.

Der Herr gebe uns, auf Ihn allein zu vertrauen, nicht allein am Ende, sondern auf dem ganzen Weg!

[Übersetzt.]

Fußnoten

  • 1 d. i. der mit Gott kämpft – Kämpfer und Überwinder Gottes.
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