Betrachtung über Apostelgeschichte (Synopsis)

Kapitel 6 + 7

Betrachtung über Apostelgeschichte (Synopsis)

Doch ach! andere Übel befallen die Kirche. Das Fleisch beginnt sich inmitten der Kraft des Heiligen Geistes – in den verschiedenen Umständen der Jünger und in jenen Dingen, in denen sich die Gnade in besonderer Weise offenbart hatte – auf Seiten dessen zu zeigen, was mit dem Fleisch in Verbindung stand. Die Hellenisten (Juden von griechischer Abstammung) murren gegen die Hebräer (Eingeborene von Judäa), weil man ihrer Meinung nach die Witwen der letzteren begünstigte bei Verteilung der Gaben, die der Versammlung von ihren wohlhabenderen Gliedern geschenkt wurden. Jedoch die durch den Geist verliehene Weisheit begegnet hier der Schwierigkeit, indem sie den Anlass benutzt, um dem Werk nach den wachsenden Bedürfnissen Ausbreitung zu geben. Es wurden sieben Personen ernannt, um für die Witwen Sorge zu tragen, da die Apostel dieserhalb ihre eigene Arbeit nicht vernachlässigen wollten. Auch finden wir bei Philippus und Stephanus die Wahrheit dessen bestätigt, was Paulus sagt. „Die Diener, die wohl gedient haben, erwerben sich eine schöne Stufe und viel Freimütigkeit im Glauben, der in Christus Jesus ist“ (1. Tim 3, 13).

Lasst uns hier bemerken, dass die Apostel in ihrer Arbeit das Gebet der Predigt voranstellen, denn ihr Kampf mit der Macht des Bösen wurde in diesen verborgenen Übungen in einer mehr besonderen Weise fortgesetzt. Zudem war es für die Kraft und Weisheit, deren sie bedurften, notwendig, dass sie die Macht Gottes verwirklichten und dass, um unmittelbar auf Seiten Gottes zu handeln, die Gnade und die Salbung in ihren Herzen aufrechterhalten wurden.

Beachten wir auch die Gnade, die sich unter dem Einfluss des Geistes Gottes in dieser Sache zeigt: alle die Namen der für die Sorge der Witwen auserwählten Männer sind Namen von Hellenisten. Der Einfluss des Wortes breitete sich aus, und eine große Menge der Priester wurde dem Glauben gehorsam. Also hatten bis jetzt der Widerstand von außen und das Böse von innen durch die Offenbarung der Gegenwart Gottes inmitten der Kirche nur zur Förderung des Werkes gedient. Lasst uns diese Tatsache ganz besonders beachten. Nicht nur bringt der Geist durch sein Zeugnis Gutes hervor, sondern das Böse, das außerhalb und innerhalb da vorhanden ist, wo die Macht des Geistes sich entfaltet, kann auch nur von der Wirksamkeit der Gegenwart des göttlichen Geistes Zeugnis geben.

Die Energie des Geistes offenbart sich besonders in Stephanus, der voll Gnade und Kraft ist. Die hellenistischen Juden widerstehen ihm, weil sie nicht imstande sind, ihm zu antworten, klagen sie ihn vor dem Synedrium an, indem sie ihn besonders beschuldigten, dass er in dem Namen Jesu die Zerstörung des Tempels und der Stadt sowie die Veränderung der Gebräuche ihres Gesetzes verkündigt habe (V. 14). Hier sehen wir die freie Macht des Heiligen Geistes, jedoch nicht in den Aposteln, nicht in den Juden aus Palästina. Der Geist teilt aus, wem Er will. Es ist der gottesfürchtige und fromme Hellenist, der den Leitern der Nation das letzte Zeugnis ablegt. Wenn einerseits Priester glauben, so geben andererseits Juden von außen Zeugnis und bereiten den Weg für ein noch ausgedehnteres Zeugnis und zu gleicher Zeit für die schließliche Verwerfung der Juden, die moralisch als Grundlage und Mittelpunkt des Zeugnisses und des göttlichen Sammelns, das sich in der Welt erfüllte, angesehen wurden. Das Urteil wird ihnen vom Heiligen Geist durch den Mund des Stephanus angekündigt. Es sind nicht die Apostel, die durch amtliche Autorität mit Jerusalem brechen. Die freie Wirksamkeit des Heiligen Geistes kam einem Bruch zuvor, der nicht einmal in solcher Weise stattfand, dass er einen Teil von der Erzählung der Schrift bildet. Die Sache wird durch die Macht Gottes bewirkt; und die Aufnahme des Zeugen in den Himmel – des Zeugen, der durch den Geist erweckt worden war, die Juden als Widersacher anzuklagen und ihren gefallenen Zustand bloßzulegen – versetzte den Mittelpunkt des Sammelns in den Himmel, dem Geist gemäß – in jenen Himmel, wo der mit dem Geist erfüllte treue Zeuge eingegangen war. Während er noch auf der Erde war, hatte er schon das Ansehen eines Engels in den Augen des Synedriums, das ihn richtete (Kap. 6, 15); allein die Härte ihrer Herzen ließ sie nicht stillstehen auf dem Weg ihrer Feindschaft gegen das für Christus abgelegte Zeugnis – ein Zeugnis, das sich hier in einer besonderen Weise als das Zeugnis des Heiligen Geistes erweist.

Soweit uns mitgeteilt wird, hatte Stephanus den Herrn während seines Lebens auf der Erde nicht gekannt. jedenfalls war er nicht, wie die Apostel, bestimmt, ein Zeuge dieses Lebens zu sein. Er war einfach das Werkzeug des Heiligen Geistes, der seine Gaben austeilt, wem Er will. Stephanus beginnt die Geschichte der Juden mit Abraham, der durch die Offenbarung des Gottes der Herrlichkeit berufen war. Abraham gehorchte zwar langsam, wurde aber endlich durch die langmütige Gnade Gottes nach Kanaan gebracht. Dennoch war er ein Fremder im Land der Verheißung, und Knechtschaft sollte das Teil seiner Nachkommen sein, bis Gott in Gnade dazwischenkäme (V. 5 ff.). Daher war das Los des gesegneten Patriarchen nicht das eines Besitzers der Verheißungen, sondern eines Fremdlings, und das Los seiner Nachkommen war, Gefangene zu sein, bis Gott sie mit starkem Arm befreite. Nichts kann treffender sein als die von Stephanus zur Schau gestellte ruhige Überlegenheit über die Umstände. Er wiederholt den Juden eine Geschichte, die sie nicht ableugnen konnten – eine Geschichte, deren sie sich rühmten und die sie doch gänzlich verurteilte. Sie taten, wie ihre Väter getan hatten. Doch zwei Personen sind in der Erzählung des Stephanus, in Verbindung mit der Güte Gottes gegen Israel, in dieser Zeit besonders hervorragend: Joseph und Mose. Israel hatte beide verworfen – Joseph den Nationen überliefert und Mose als Richter und Führer von sich gestoßen. Es geschah in Fällen, welche die Juden nicht ableugnen und denen sie nicht widersprechen konnten. Es ist die Geschichte des Christus, der ebenfalls zu der von Gott bestimmten Zeit wirklich Israels Erlöser sein wird. Dies ist der Inhalt der Beweisführung des Stephanus. Jedoch gab es noch zwei andere Elemente in seiner Rede. Die Juden hatten immer solche, die Gott gesandt und in denen der Heilige Geist gewirkt hatte, verworfen, und auch das Zeugnis dieses Geistes in den Propheten, die von dem Christus, den sie jetzt überliefert und getötet, geredet hatten. Überdies hatten sie, wie wir in Mose sehen, die falschen Götter angebetet, sogar von der Zeit ihrer Befreiung aus Ägypten an 1 – eine Sünde, die (wie groß auch die Langmut Gottes sein mochte), da sie jetzt das Maß ihrer Ungerechtigkeit erfüllt hatten, die Ursache ihrer Wegführung jenseits Babylons sein würde, das schon einmal ihre Strafe gewesen war.

Es ist eine höchst schlagende Aufzählung ihrer ganzen Geschichte: das volle Maß der Schuld ist dargetan. Sie hatten auch das Gesetz empfangen und nicht gehalten, die Propheten, die von Christus gezeugt hatten, verworfen und Christum selbst überliefert und gemordet und allezeit dem Heiligen Geist widerstritten. Das, worauf sie vertrauten – den Tempel –, hatte Gott verworfen. Gott selbst ist sozusagen im Land Kanaan ein Fremdling gewesen; und wenn Salomo Ihm ein Haus baute, so geschah es, damit der Heilige Geist erklären konnte, wie Er es schon durch den Mund des Propheten getan hatte, dass Der, der den Himmel zu seinem Thron und die Erde zum Schemel seiner Füße hatte und Dessen Herrschaft sich über das ganze Weltall erstreckte, nicht wohnen wollte in steinernen Häusern, welche die Schöpfung seiner eigenen Hand waren. Auf diese Weise haben wir die völlige Zusammenstellung ihrer Geschichte, verbunden mit den letzten Tagen ihres Gerichts. Sie widerstanden immer dem Heiligen Geist, gleichwie sie allezeit dem Gesetz ungehorsam gewesen waren (V. 51–53). Das Judentum war gerichtet, nachdem die Langmut Gottes und alle seine Wege der Gnade mit dem Menschen als Mittel erschöpft waren.

Ihrem Gewissen nach überführt und ihrem Herzen nach verhärtet, wurden die Glieder des Synedriums mit Wut erfüllt und knirschten mit den Zähnen gegen ihn (V. 54). Wenn aber Stephanus dieses letzte Zeugnis gegen Israel ablegen sollte, so sollte er es nicht bloß ablegen, sondern es vielmehr in seine wahre Stellung setzen, und zwar durch einen lebendigen Ausdruck von dem, was ein Gläubiger kraft der Gegenwart des Heiligen Geistes war, der hienieden in ihm wohnte. In der Geschichte der Juden haben wir den Menschen, wie er immer dem Heiligen Geist widersteht, in Stephanus aber einen Menschen, der infolge der Erlösung von Ihm erfüllt ist.

Dies sind die Elemente dieser rührenden und treffenden Szene, die in der Geschichte der Kirche einen wichtigen Zeitabschnitt bildet. Die Häupter Israels knirschen mit den Zähnen vor Wut wider das mächtige und überführende Zeugnis des Heiligen Geistes, womit Stephanus erfüllt war. Sie verwerfen einen verherrlichten Christus, wie sie einen erniedrigten getötet hatten. Folgen wir jetzt der Wirkung in Bezug auf Stephanus selbst. Er schaut unverrückt auf zum Himmel, der jetzt dem Glauben völlig geöffnet ist. Dorthin richtet der Geist das Herz und befähigt es, dort zu verharren. Er offenbart dem, der also mit Ihm selbst erfüllt ist, die Herrlichkeit Gottes in der Höhe, und in dieser Herrlichkeit Jesum zur Rechten Gottes an dem Ort der Kraft. Dann gibt der Geist die Wirkung des Zeugnisses, das in der Gegenwart der Macht Satans, des Mörders, abgelegt ist. „Ich sehe“, sagt Stephanus, „die Himmel geöffnet.“ Das ist also die Stellung des wahren Gläubigen in Gegenwart der Welt, die Christus verworfen hat, der mörderischen Welt. Der Gläubige, lebendig im Tod, sieht durch die Kraft des Heiligen Geistes in den Himmel und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes. Stephanus sagt nicht, dass er „Jesum“ sehe. Der Geist charakterisiert Ihn als den Sohn des Menschen. Köstliches Zeugnis für den Menschen! Nicht für die Herrlichkeit Gottes legt Stephanus Zeugnis ab (dies war nichts Ungewöhnliches für den Himmel), sondern für den Sohn des Menschen in der Herrlichkeit: dazu wurden ihm die Himmel geöffnet.

In Bezug auf den Fortschritt des Zeugnisses heißt es jetzt nicht: „Jesus ist der Messias, und Er wird zurückkommen, wenn ihr Buße tut“ (was nicht aufhört, wahr zu sein), sondern es ist der Sohn des Menschen im Himmel, der dem mit dem Heiligen Geist erfüllten Menschen geöffnet ist – jener Himmel, zu dem Gott die Seele bald hinführen wird, wie es die Hoffnung und das Zeugnis derer ist, die sein sind. Die Langmut Gottes handelte ohne Zweifel noch in Israel; aber der Heilige Geist öffnete dem Gläubigen neue Szenen und Hoffnungen. 2 Doch bemerken wir hier, dass Stephanus infolge dessen, dass er Jesum im Himmel sieht, Ihm vollkommen ähnlich ist auf der Erde – eine für uns so köstliche und gnadenreiche Tatsache; nur bedurfte Jesus keiner Erscheinung, um Ihm einen Gegenstand seines Glaubens vorzustellen, noch wurde durch Offenbarung der Herrlichkeit irgendwelche Verwandlung nach demselben Bilde bei Ihm hervorgebracht. Allein diese: „Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist“, finden wir in den Worten: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!“ Und die Liebe zu Israel, die sich in der Fürbitte ausspricht: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, finden wir in den Worten: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu“, ausgenommen, dass hier der Heilige Geist nicht bezeugt, dass sie es in Unwissenheit getan haben.

Bemerken wir auch – und dies hebt noch klarer die besondere Stellung des Stephanus hervor – das Gefäß des Zeugnisses des Geistes, insofern es schließlich von den Juden verworfen wurde, sowie den göttlichen Charakter und die Person Jesu in dem, worin sein Jünger Ihm am meisten gleicht. Der Himmel ist Jesus geöffnet, der Heilige Geist kommt auf Ihn hernieder, und Er wird als Sohn Gottes anerkannt (Mt 3, 16. 17). Der Himmel öffnet sich über Ihm, und die Engel kommen auf den Sohn des Menschen hernieder (Joh 1, 51): Allein Ihm wird kein Gegenstand vorgestellt. Er selbst ist der Gegenstand, den die Himmel anstaunen. Der Himmel wird sich am Ende des Zeitalters öffnen, und Jesus selbst wird auf dem weißen Pferd (d. i. in Gericht und Triumph) erscheinen (Off 19, 11). Aber hier tut sich der Himmel auf, und der Jünger, der Christ, voll des Heiligen Geistes, sieht hinein und erblickt dort Jesum zur Rechten Gottes. Jesus ist auch jetzt noch, mehr als der Himmel, der Gegenstand des Gläubigen, der mit dem Heiligen Geist erfüllt ist, so dass die vor uns liegende Szene, sowohl in Bezug auf den Gegenstand des Glaubens als auch auf die Stellung des Gläubigen, bis zum Ende charakteristisch ist. Verworfen, und zwar durch die Juden verworfen wie Jesus, ein Genosse seiner Leiden und mit seinem Geist der Gnade erfüllt, sind die Blicke des glücklichen Märtyrers unverrückt nach oben gerichtet, nach dem Himmel, den der Heilige Geist ihm öffnet; und er sieht daselbst den Sohn des Menschen, bereit, seinen Geist aufzunehmen. Das Zeugnis von den noch übrigen Ratschlüssen Gottes wird später kommen. Es ist aber nicht allein Jesus, den die Himmel empfangen müssen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, wovon die Propheten geredet haben, sondern sie müssen auch die Seelen seines gläubigen Volkes bis zu dem Augenblick der Auferstehung empfangen, sowie die ganze Kirche, im Geist getrennt von der Welt, die Ihn verworfen, und von dem Judentum, das sich dem Zeugnis des Heiligen Geistes widersetzt hat. Letzteres, das Judentum, wird durchaus nicht mehr anerkannt, da ist kein Raum mehr für die Langmut Gottes gegen dasselbe. Sein Platz ist durch den Himmel eingenommen und durch die Kirche, die ihrem Herrn dort im Geist folgt, indem sie auf seine Rückkehr wartet 3. – Saulus war bei dem Tod des Stephanus zugegen und willigte darin ein.

Hier endigt die erste Periode der Kirche Gottes – ihre Geschichte in unmittelbarer Verbindung mit Jerusalem und den Juden, als dem Mittelpunkt, auf den das Werk der Apostel sich bezog, „anfangend von Jerusalem“. Sie wird in einem gläubigen Überrest fortgesetzt. Israel als solches wurde eingeladen, hereinzukommen, weil es als Volk der Gegenstand der Liebe und Fürsorge Gottes war: allein sie wollten nicht. Es folgen dann einige Ereignisse, die den Wirkungskreis ausdehnen und die Einheit des Ganzen aufrechterhalten. Sie sind sozusagen die Vorläufer der Offenbarung der Berufung der Nationen als solche und der Kirche als ein Leib, unabhängig von Jerusalem und getrennt von der Erde. Diese Ereignisse sind: Das Werk des Philippus in der Bekehrung Samarias und des Eunuchs; die Bekehrung des Kornelius mit der Entzückung, die über Petrus kam – ein Ereignis, das nach der Berufung Sauls stattfand, der durch einen Juden, der unter seiner Nation einen guten Namen hatte, hineingebracht wurde, ferner die Arbeit des Petrus im ganzen Land Kanaan, und endlich die Verbindung, die zwischen den Aposteln zu Jerusalem und den bekehrten Heiden zu Antiochien gestiftet wurde, der Widerstand des Herodes, des falschen Königs der Juden, sowie die Sorge, die Gott beständig für Petrus trägt, und Gottes Gericht über den König. Nachher kommt das direkte Werk unter den Nationen, das Antiochien zum Ausgangspunkt hat. Dieses Werk war schon vorbereitet durch die Bekehrung Sauls, durch Mittel und mit einer Offenbarung, die ganz besonderer Art waren. Lasst uns jetzt den Einzelheiten dieser Kapitel folgen.

Fußnoten

  • 1 Bemerken wir hier auch, dass, wenn die Geduld Gottes, wie lange sie auch währen mag, keine Buße zur Folge hat, die erste Sünde, die erste Abweichung von Gott am Ende ihre Strafe findet.
  • 2 Der Heilige Geist öffnet unseren Blicken den Himmel, befähigt uns, das zu betrachten, was dort gefunden wird, und bildet uns auf der Erde nach dem Charakter Jesu. In Bezug auf die Veränderung, die beim Fortschritt der Wege Gottes stattfand, scheint es mir, dass es der durch den Geist verwirklichte Erfolg des zerrissenen Vorhangs war. Jesus wird noch stehend gesehen, weil Er sich bis zur Verwerfung des Zeugnisses des Heiligen Geistes durch Israel nicht für immerdar niedersetzte, um auf das Gericht seiner Feinde zu warten. Vielmehr verharrte Er in der Stellung eines Hohenpriesters vor Gott. Der Gläubige tritt mit Ihm durch den Geist innerhalb des Vorhangs ein, und die Seele ist droben im Himmel mit ihm vereinigt; denn durch das Blut Christi, durch diesen neuen und lebendigen Weg, können sie jetzt innerhalb des Vorhangs eingehen. Andererseits, nachdem die Juden hinsichtlich des Zeugnisses des Heiligen Geistes dasselbe getan haben, was sie in Bezug auf Jesum taten, indem sie Ihm in Stephanus sozusagen einen Gesandten nachschickten, um Ihm zu sagen: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche“ (siehe Lk 19,14), setzt sich Christus für immerdar im Himmel, bis Er die Feinde richten wird, die seine Herrschaft über sich nicht gewollt haben. In dieser letzten Stellung wird Er in der Epistel an die Hebräer betrachtet, in der sie folglich ermahnt werden, aus dem Lager Israels hinauszugehen und dem Schlachtopfer zu folgen, dessen Blut ins Heiligtum gebracht worden war. Auf diese Weise sollten sie dem Gericht entfliehen, das vermittels der Römer über Jerusalem kommen werde, um die Nation beiseite zu setzen, wie es schließlich durch Jesus selbst vollzogen werden wird. Die Stellung des Stephanus gleicht deshalb der von Jesu; sein Zeugnis ist das des Geistes für einen verherrlichten Jesus. Dies macht den großen Grundsatz der Epistel an die Hebräer sehr einfach. Die Lehre der Kirche, die durch Paulus nach der ihm auf dem Weg nach Damaskus gemachten Offenbarung verkündigt wird, geht weiter als dieses. Sie verkündigt die Einheit der Christen mit Jesus im Himmel und nicht nur ihren Eintritt in das Allerheiligste durch den zerrissenen Vorhang. Hinter diesen Vorhang, der Gott dem Volk verbarg, durfte früher nur der Hohepriester eingehen.
  • 3 Wir mögen hier bemerken, dass das Heiligtum sozusagen jetzt allen Gläubigen geöffnet ist. Der Vorhang war durch den Tod Christi wirklich zerrissen, aber die Gnade Gottes war noch mit den Juden als solchen beschäftigt und verkündigte ihnen die Rückkehr Jesu auf die Erde, d. h. außerhalb des Vorhangs, falls sie Buße täten. Alsdann würde die Segnung auf der Erde kommen - die Zeiten der Erquickung durch die Wiederkunft Christi, welche die Propheten angekündigt hatten. Allein jetzt ist es nicht mehr ein Messias, der Sohn Davids, sondern ein Sohn des Menschen im Himmel, und durch den Heiligen Geist wird hienieden ein geöffneter Himmel gesehen und gekannt, und der große Hohepriester, der zur Rechten Gottes steht, ist nicht hinter einem Vorhang verborgen. Alles ist dem Gläubigen geöffnet: die Herrlichkeit und Der, welcher dorthin eingegangen ist für sein Volk. Und dies ist, wie mir scheint, der Grund, warum Er stehend gesehen wird. Er hatte noch nicht für immerdar seinen Platz, als sitzend auf dem himmlischen Thron, eingenommen. Dies geschah erst, nachdem das dem Volk Israel gegebene Zeugnis des Heiligen Geistes von seiner Erhöhung völlig auf der Erde verworfen war. Das freie Zeugnis des Geistes, das hier und später entfaltet wird, ist höchst wichtig; jedoch wird die apostolische Autorität, wie wir später sehen werden, in dem ihr von Gott angewiesenen Platz gar nicht angetastet. Was die Juden betrifft, so können sie, bis der große Hohepriester aus dem Heiligtum droben zurückkommt, nicht wissen, dass sein Werk für das Volk angenommen ist, gleichwie sie vormals am Versöhnungstag zu warten hatten, bis er aus dem Allerheiligsten kam. Aber für uns ist der Heilige Geist aus dem Heiligtum, dem Himmel, hernieder gekommen, während Jesus innerhalb ist, und daher wissen wir, dass sein Werk für uns angenommen ist.
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