Betrachtung über Apostelgeschichte (Synopsis)

Kapitel 22

Betrachtung über Apostelgeschichte (Synopsis)

Paulus hatte zum Obersten auf griechisch geredet; aber weil er immer bereit war, durch die Aufmerksamkeit der Liebe andere zu gewinnen, und besonders wenn vom geliebten, obwohl widerspenstigen Volke die Rede war, redet er zu ihnen auf hebräisch (d. h. in ihrer gewöhnlichen Sprache, hebräisch genannt). Er erzählt hier nicht, was der Herr zu ihm gesagt, als Er sich ihm offenbart hatte, sondern er gibt ihnen eine besondere Mitteilung seines nachherigen Gesprächs mit Ananias, einem gläubigen und von allen geachteten Juden. Dann geht er auf den Punkt ein, der notwendig seine Stellung und Verteidigung charakterisierte. Christus war ihm erschienen und hatte gesagt: „Sie werden dein Zeugnis zu Jerusalem nicht annehmen. Ich werde dich weit weg zu den Nationen senden“ (V. 18–21). Gott sei gepriesen! dies ist die Wahrheit; aber warum teilte er sie gerade jenen Menschen mit, die nach seinen eigenen Worten sein Zeugnis nicht annehmen würden? Das einzige, was einer solchen Mission an die Nationen außerhalb des Systems, das Gott unter den Juden errichtet hatte, Autorität geben konnte, war die Person des Herrn Jesus, und die Juden glaubten nicht an Ihn. In seinem Zeugnis an das Volk legt der Apostel vergebens Nachdruck auf die jüdische Frömmigkeit des Ananias. So aufrichtig sie war, so war sie doch in dem Zeugnis, das Paulus ablegte, nur ein zerbrochenes Rohr. Dennoch war das Zeugnis des Ananias das einzige, worauf sich der Apostel berief, ausgenommen sein eigenes. Seine Rede hatte nur eine Wirkung – dass sie den gewaltigen und unverbesserlichen Hass dieser unglücklichen Nation gegen jeden Gedanken der Gnade in Gott wachrief und ihren unbegrenzten Stolz ans Licht brachte, der in der Tat dem Fall, der sie zerschmetterte, voranging (Spr 16, 18). Das Volk, und nicht nur ihre Obersten, hatte die Gnade verworfen. Der Oberste, der die Wut des Volkes sieht und keineswegs versteht, um was es sich handelt, befiehlt mit der stolzen Verachtung eines Römers, dass Paulus gebunden und gegeißelt werde, damit er bekenne, was die Ursache der Wut des Volkes gegen ihn sei. Jedoch war Paulus selbst ein Römer und als solcher geboren, während der Oberste jenes Bürgerrecht für eine große Summe erworben hatte. Paulus machte diese Tatsache mit Sanftmut bekannt, und die, die ihn ausforschen sollen, stehen von ihm ab. Der Oberste fürchtete sich, weil er ihn gebunden hat; da aber seine Autorität dabei beteiligt ist, lässt er ihn gebunden. Am folgenden Tag macht er ihn los und bringt ihn vor das Synedrium der Juden.

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