Betrachtung über Apostelgeschichte (Synopsis)

Kapitel 4

Betrachtung über Apostelgeschichte (Synopsis)

Während die Apostel zum Volke redeten, kamen die Priester und der Hauptmann des Tempels und die Sadduzäer auf sie zu, um sie zu ergreifen, da es sie verdross, dass sie die Auferstehung verkündigten, die ihr Unglaube und ihr Lehrsystem nicht annahm. Sie setzten sie ins Gefängnis bis auf den Morgen, denn es war Abend. Die Hoffnung Israels war beiseite gesetzt, die Gnade Gottes, so groß und langmütig sie auch war, hatte vergebens geredet. Dennoch glaubten viele ihrem Wort: fünftausend Personen bekannten bereits den Herrn Jesum (V. 1–4).

Wir haben gesehen, welche Botschaft Gott in seiner Gnade durch den Mund des Petrus an Israel sandte. Wir werden jetzt sehen, nicht nur, auf welche Weise diese Botschaft von den Obersten des Volkes (wie schon bemerkt ist) empfangen wurde, sondern auch die wohlüberlegte Antwort ihres innersten Herzens, wie wir es bezeichnen können. Am Morgen waren die Obersten, die Ältesten und Schriftgelehrten mit Annas und seinem Geschlecht zu Jerusalem versammelt, und als sie die Apostel in ihre Mitte gestellt hatten, fragten sie dieselben, in welcher Macht oder in welchem Namen sie dieses Wunder an dem Lahmen gewirkt hätten (V. 5–7). Petrus, voll Heiligen Geistes, erklärt – indem er es ganz Israel mit der äußersten Bereitwilligkeit und völligen Freimütigkeit verkündigt –, dass es durch Jesum geschehen sei, den sie gekreuzigt und den Gott aus den Toten auferweckt hätte. Also wurde die Frage zwischen Gott und den Obersten Israels förmlich festgestellt, und dies durch den Geist Gottes. Jesus war der von ihnen – den Bauleuten – verworfene Stein, der zum Eckstein geworden war. Das Heil konnte in keinem anderen gefunden werden (V. 11. 12). In Bezug auf die Widersacher und Leiter findet man in diesem Zeugnis keine Schonung, aber in Bezug auf das Volk als solches, das unwissend und verführt war, geschieht alles, um es zu gewinnen. Das Synedriurn erkannte die Apostel als frühere Mitgenossen Christi. Der Geheilte war gegenwärtig. Was konnten sie sagen oder tun angesichts der Volksmenge, die Zeuge des Wunders gewesen war? Sie konnten nur einen Willen zeigen, der in entschiedenem Widerstand gegen den Herrn und sein Zeugnis war, und der öffentlichen Meinung nachgeben, die zu ihrem eigenen Ansehen notwendig war und durch die sie beherrscht wurden. Mit Drohungen befahlen sie den Aposteln, dass sie nicht mehr in dem Namen Jesus lehren sollten. Wir mögen hier bemerken, dass Satan wider die Lehre der Auferstehung sadduzäische Werkzeuge erweckt hatte, während er wider einen lebenden Christus Pharisäer als passende Werkzeuge benutzte. Wir müssen des wohlgeordneten Widerstandes Satans wider die Wahrheit gewärtig sein.

Petrus und Johannes aber gestatten betreffs ihres Weges keine Zweideutigkeit. Gott hatte ihnen befohlen, Christus zu predigen; das Verbot eines Menschen hatte keine Wichtigkeit für sie. „Es ist uns unmöglich“, sagten sie, „was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden“ (V. 19. 20). Welch ein Zustand für die Leiter des Volkes! Ein Zeugnis wie dieses zeigt deutlich, dass die Leiter Israels den Platz als Ausleger des Willens Gottes verloren hatten. Die Apostel treiben sie nicht hinweg, sie greifen sie nicht an – Gott wollte sie richten –, sondern sie handeln unmittelbar auf Seiten Gottes und beachten hinsichtlich des Werkes, das Gott selbst ihnen auferlegt hatte, keineswegs die Autorität der Leiter. Das Zeugnis Gottes war mit den Aposteln und nicht mit den Vorstehern des Tempels.

Petrus und Johannes kehren zu den Ihrigen zurück, denn ein abgesondertes Volk war gebildet, das sich untereinander kannte; und alle, vom Heiligen Geist getrieben (denn dort war es, wo Gott durch seinen Geist wohnte und nicht mehr im Tempel), erheben ihre Stimme zu Gott, dem Herrscher über alles, um zu bekennen, dass dieser Widerstand der Leiter nur die Erfüllung des Wortes und zugleich der Ratschlüsse und der Vorsätze Gottes war. Die Drohungen, deren Gegenstand sie waren, gaben nur Anlass, Gott zu bitten, dass Er seine Kraft in Verbindung mit dem Namen Jesu offenbaren möge. Mit einem Wort, die Welt (die Juden eingeschlossen, die in ihrem Widerstand ein Teil dieser Welt waren) hat sich wider Jesum, den Knecht Gottes, erhoben und widersetzt sich dem über Ihn abgelegten Zeugnis. Der Heilige Geist ist die Kraft dieses Zeugnisses, sei es in dem Mut derer, die ein Zeugnis ablegen (V. 8), oder in seiner Gegenwart in der Versammlung (V. 31), oder in der Energie des Dienstes (V. 33), oder in den Früchten, die von neuem unter den Heiligen hervorgebracht werden, und zwar mit einer Kraft, die es offenbar macht, dass der Heilige Geist in ihren Herzen über alle Beweggründe, die den Menschen beeinflussen, Herrschaft hat, indem Er sie durch solche Beweggründe wandeln lässt, von denen Er die Quelle ist. Es ist die Energie des Geistes angesichts des Widerstandes, wie wir vorher die natürlichen Früchte des Geistes in denen gesehen haben, unter denen Er wohnte. Andere Personen kommen jetzt, verkaufen ihre Güter und legen den Preis derselben zu den Füßen der Apostel nieder, unter anderen ein Mann – der Heilige Geist hat Wohlgefallen daran, ihn besonders zu bezeichnen – Joseph, mit dem Zunamen Barnabas, von der Insel Cypern.

Dies vierte Kapitel zeigt also einerseits den Zustand der Juden, ihre Verwerfung des Zeugnisses, das in Gnade an sie gerichtet wurde, und andererseits die Kraft des Heiligen Geistes und die Gegenwart und Leitung Gottes, die sich aber nicht unter ihnen, sondern in der Mitte der Jünger offenbart.

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