Betrachtung über Apostelgeschichte (Synopsis)

Kapitel 18

Betrachtung über Apostelgeschichte (Synopsis)

Der unehrliche Gewinn, dessen Satan sich bediente, begegnete zu Philippi dem Evangelium; zu Athen war es die Härte und die moralische Gleichgültigkeit des Wissens, das der menschlichen Eitelkeit schmeichelte; zu Thessalonich waren es die Anstrengungen der jüdischen Eifersucht. Das Evangelium, siegreich über den einen dieser feindlichen Zustände, und der Wirkung des anderen nachgebend, verfolgt seinen Weg, und nachdem es den gelehrten Athenern alles, wie es ihrem Zustand angemessen war, vorgestellt hatte, verlässt es sie und findet inmitten der Üppigkeit und der entarteten Sitten der reichen Stadt Korinth ein zahlreiches Volk, um es der Versammlung hinzuzufügen. Das sind die Wege Gottes und die Übungen seines Ihm gewidmeten Knechtes, der vom Heiligen Geist geleitet wird. Man wird bemerken, dass diese Energie, die die Nationen sucht, nie die Gunst Gottes gegen sein auserwähltes Volk aus dem Auge verliert – eine Gunst, die dieses Volk suchte, bis es dieselbe verwarf.

Zu Thessalonich erhielt Paulus zweimal eine Unterstützung aus Philippi; zu Korinth, wo viel Geld und ein großer Handel war, arbeitet er ruhig mit zwei seiner Landsleute, die mit ihm vom gleichen Handwerk waren. Er fängt wiederum mit den Juden an, die aber seiner Lehre widerstreben und lästern. Der Apostel nimmt seine Maßregel mit der Freimütigkeit und Entschiedenheit eines in Wahrheit von Gott geleiteten Mannes sowie mit der Ruhe und der Erkenntnis, die sich der Ursache dieser Maßregel bewusst ist und nicht vorn Wege abgelenkt werden will. Er schüttelt zum Zeichen, dass er von ihrem Blut rein ist, seine Kleider aus und bezeugt, dass er, Jesaja 49 gemäß, von jetzt an zu den Nationen gehe, indem er jene Prophezeiung als einen Befehl von Gott betrachtet.

In Korinth hatte Gott „ein großes Volk“. Daher benutzt er die ungläubige Gleichgültigkeit des Gallion, die Vorsätze und Bosheit der Juden zunichte zu machen, die wie immer eifersüchtig waren auf eine Religion, die ihre Wichtigkeit in den Schatten stellte, was auch die Gnade Gottes gegen sie sein mochte. Nachdem Paulus dort eine lange Zeit gearbeitet hat, geht er in Frieden weiter. Seine jüdischen Freunde, Priscilla und Aquila, reisen mit ihm (V. 18). Er selbst geht nach Jerusalem, weil er unter einem Gelübd war. Der Widerstand der Juden nimmt seine Liebe zu seinem Volk nicht weg noch seine Treue, ihnen zuerst das Evangelium zu verkündigen und alles anzuerkennen, was ihnen in Gnade vor Gott gehörte. Er unterwirft sich sogar jüdischen Satzungen. Möglicherweise hatte die Gewohnheit noch in etwa Einfluss auf ihn, und das war nicht vom Geist; aber dem Geist gemäß dachte er nicht daran, dasjenige zu verkennen, was die Langmut Gottes dem Volk verliehen hatte. Er wendet sich an die Juden zu Ephesus. Sie wollen ihn gerne hören, allein er wünscht das zukünftige Fest in Jerusalem zu halten. Hier ist er noch ein Jude mit seinen Festen und Gelübden. Der Geist hat offenbar diese Umstände mitgeteilt, um uns ein wahres und vollständiges Bild der Beziehungen zwischen dem jüdischen System und dem zu geben, dessen Diener Paulus war: das Maß der Befreiung von dem Einfluss des einen sowie die Energie, welche das andere aufrichtete. Ein altes System, das sich mit dem Fleisch verbindet, behält oft in gewissem Maß seinen Einfluss, während die Energie, nach einem anderen System zu handeln, das geistlich ist, in hohem Grad vorhanden sein kann. Die Freiheit, die Vorurteilen und Gewohnheiten nachgibt, ist nicht dasselbe, wie sich in eigener Person diesen Vorurteilen zu unterwerfen. In unserer Schwachheit mischen sich die beiden Dinge zusammen; aber sie sind in der Tat einander entgegengesetzt. Das zu achten, was Gott achtet (selbst wenn das System seine ganze wirkliche Kraft und seinen wahren Wert verloren hat), falls man berufen ist, in Verbindung mit diesem System zu handeln, wenn dieses in der Tat nichts weiter ist als Aberglaube und Schwachheit, ist ganz etwas anderes, als sich unter das Joch des Aberglaubens und der Schwachheit zu beugen. Das erste ist die Frucht des Geistes, das letzte die des Fleisches. In uns wird das eine oft mit dem anderen verwechselt. Liebe wird Schwachheit und macht das Zeugnis unsicher.

Paulus setzt seine Reise fort; er geht hinauf nach Jerusalem und grüßt die Versammlung (V. 22). Danach reist er zurück nach Antiochien und besucht wiederum alle die ersten Versammlungen, die er gebildet hatte, und verbindet auf diese Weise sein ganzes Werk – Antiochien und Jerusalem. Wie weit seine alten Gewohnheiten ihn in seinen Handlungen beeinflussten, überlasse ich dem Urteil des Lesers. Er war ein Jude. Der Heilige Geist wollte uns sehen lassen, dass der Apostel so weit wie möglich von aller Verachtung gegen das alte Volk Gottes, gegen das die Gunst Gottes sich nie verändern wird, entfernt war. Dieses Gefühl in Paulus war gewiss richtig. Das Wort zeigt uns, dass er in einem anderen Fall die Grenzen, die der Geist und die Geistlichkeit diesem Gefühl setzen, überschritt. Hier haben wir nur die Tatsachen. Der Apostel mag irgendeinen besonderen Grund gehabt haben, der hinsichtlich seiner Stellung gültig war. Man kann in Umständen sein, die der Freiheit des Geistes widersprechen und die dennoch, wenn wir uns darin befinden, ein gewisses Recht über uns haben oder einen Einfluss ausüben, der notwendig in der Seele die Kraft jener Freiheit schwächt. Wir können verkehrt gehandelt haben, indem wir uns in diese Umstände begaben, allein wenn wir darin sind, wird der Einfluss ausgeübt; die Rechte machen ihre Ansprüche geltend. Wenn jemand, der berufen ist, Gott zu dienen, aus seines Vaters Haus vertrieben worden ist, so wandelt er in der Freiheit des Geistes. Kehrt er später in das väterliche Haus zurück, ohne dass sein Vater sich verändert hat, und die Rechte seines Vaters machen sich geltend – wo ist dann seine Freiheit? Oder wenn jemand, der mit klarem geistlichem Verständnis begabt ist, sich in die Mitte von Freunden begibt, die in geistlicher Beziehung unter ihm stehen, so ist es ihm beinahe unmöglich, ein geistliches Urteil aufrechtzuhalten. Wie es auch hier gewesen sein mag, das Band mit einem System, das noch unter dem Joch des Gesetzes war, ist von Seiten dessen freiwillig geknüpft, der den Platz der Freiheit und der Gnade eingenommen hat. Die Christen zu Jerusalem bleiben auf der Höhe ihrer früheren Vorurteile und beanspruchen Geduld und Nachsicht von dem, der das Gefäß und der Zeuge der Freiheit des Geistes Gottes war. Dieses bildete mit der Hinzufügung seines Werkes zu Ephesus den Kreis der Wirksamkeit des Apostels in dem Evangelium, um uns in ihm die Wege des Geistes mit den Menschen zu zeigen.

Von Apg 18, 24 – 19, 7 haben wir eine Art Übersicht der Fortschritte der Lehre Christi und der sie begleitenden Kraft. Apollos kannte nur den Unterricht des Johannes; aber brünstig im Geist, bekannte und predigte er öffentlich, was er wusste. Es war der Glaube einer wiedergeborenen Seele. Aquila und Priscilla unterweisen ihn völlig in den Tatsachen des Evangeliums und der Lehre eines gestorbenen und verherrlichten Christus. Zu Korinth wird er ein mächtiger Lehrer des Evangeliums des Herrn unter den Juden und befestigt auf diese Weise den Glauben der Jünger. Es offenbart sich in ihm die Kraft des Heiligen Geistes ohne irgendwelche Vermittlung von Seiten des Apostels oder der Zwölfe. Er handelt unabhängig, mit anderen Worten, der Geist handelt unabhängig in Ihm. Man konnte sagen: „Ich bin des Apollos“ (1. Kor 1, 12). Es ist wichtig, diese verschiedenen Offenbarungen der Kraft und der Freiheit des Geistes zu sehen und zu bedenken, dass der Herr über allen ist, und dass, wenn Er auch Großes wirkt durch einen Paulus, Er zugleich wirkt, in wem er will.

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