Betrachtung über Apostelgeschichte (Synopsis)

Kapitel 13

Betrachtung über Apostelgeschichte (Synopsis)

Jetzt kommen wir zum Anfang der eigentlichen Geschichte des Werkes, das in einigen wichtigen Punkten neu ist und mit der Sendung des Paulus durch die unmittelbare Dazwischenkunft des Heiligen Geistes in Verbindung steht. Es ist jetzt nicht Christus auf der Erde, der durch seine persönliche Autorität die Zwölfe aussendet, die nachher mit der Kraft des Heiligen Geistes aus der Höhe begabt werden, um seine Erhöhung in den Himmel und seine Rückkehr zu verkündigen und alle, die an Ihn glauben würden, unter die Standarte des Kreuzes zu versammeln. Paulus hat Christus in Herrlichkeit gesehen und hat sich deshalb mit der schon versammelten Kirche vereinigt. Es ist hier kein Christus persönlich gegenwärtig, um Paulus als einen Zeugen seiner Gegenwart auf der Erde oder seiner Verwerfung auszusenden – als einen Zeugen dessen, den er hienieden gekannt hätte. Der Heilige Geist selbst sendet ihn, und zwar nicht von Jerusalem aus, sondern von einer griechischen Stadt, wo Er in freier und unumschränkter Macht etliche aus den Heiden bekehrt und versammelt hatte. Ohne Zweifel waren auch einige aus den Juden in ihrer Mitte; aber die Gläubigen aus den Juden und Heiden bildeten eine Versammlung, deren Dasein zuerst gekennzeichnet war durch die Tatsache, dass das Evangelium den Griechen verkündigt worden war.

In diesem 13. Kapitel befinden wir uns wieder in der Versammlung zu Antiochien und inmitten der unabhängigen 1 Wirksamkeit des Geistes Gottes. Es sind dort gewisse Propheten; Saulus ist unter ihnen. Sie fasteten und waren mit dem Dienst des Herrn beschäftigt. Der Heilige Geist befiehlt ihnen, Barnabas und Saulus auszusondern zu dem Werk, wozu Er sie berufen hatte. Das war die Quelle des Dienstes dieser beiden neuen Apostel. Gewiss gab dieser Dienst Zeugnis für Ihn, an den sie geglaubt und den Saulus wenigstens gesehen hatte, und sie handelten unter seiner Autorität. Die bestimmte und unverkennbare Quelle ihrer Sendung aber war der Heilige Geist. Er war es, der sie zu dem Werk berief. Sie waren von Ihm ausgesandt (V. 4) – ein überaus wichtiger Grundsatz bezüglich der Wege des Herrn auf der Erde. Wir treten aus Jerusalem, aus dem Judentum, aus dem Rechtsgebiet der Apostel, die von dem Herrn, als Er auf der Erde war, ernannt wurden, heraus. Christus wird nicht mehr nach dem Fleisch gekannt, wie Saulus (nachdem er Paulus geworden) es ausdrückt. Sie haben wider den jüdischen Geist zu kämpfen. Sie haben ihn zwar zu berücksichtigen, soweit er aufrichtig ist, aber die Quellen ihres Werkes sind nicht mehr in Verbindung mit dem System, das von diesem Werk nicht länger als Ausgangspunkt betrachtet wird. Ein verherrlichter Christus im Himmel, der die Jünger als Glieder seines Leibes, als Sich selbst droben anerkennt – eine Sendung von Seiten des Heiligen Geistes auf der Erde, die nur seine Energie als die Quelle des Wirkens und der Autorität betrachtet (und, wie natürlich ist, für Christus Zeugnis ablegt) – dies ist das Werk, das jetzt anfängt, und das Barnabas und Saulus anvertraut wird. Barnabas bildet, es ist wahr, eine Verbindung zwischen dem alten und neuen Werke. Er war ein Hellenist aus Cypern, und er war es, der Saulus nach seiner Bekehrung in der Nähe von Damaskus den Aposteln vorstellte. Barnabas hatte ein weiteres Herz – war mehr geöffnet für die Zeugnisse der Gnade Gottes – als selbst die Apostel und die anderen, die in einem strengen Judentum erzogen waren; denn Gott trifft in seiner Gnade Vorsorge für alles. Er gibt immer einen Barnabas, einen Nikodemus, einen Joseph und sogar einen Gamaliel, wenn es nötig ist. Die Handlungen Gottes in dieser Hinsicht sind in der ganzen Geschichte, die uns beschäftigt, bemerkenswert. Möchten wir nur, während wir durch den Geist seinen Willen tun, uns völliger Dem anvertrauen, der alles lenkt!

Dennoch wird sogar dieses Band bald gebrochen. Barnabas hielt noch ein wenig an dem „alten Kleide“, dem „alten Schlauche“, wie gesegnet er selbst auch sein mochte, er, dem der Heilige Geist ein so schönes Zeugnis gab, und in dem wir einen so ausgezeichneten Charakter sehen. Er wollte später auch seinen Verwandten Markus mitnehmen (siehe Kol 4, 10). Markus hatte sich beinahe im Beginn des Werkes der Evangelisation in den heidnischen Gegenden nach Jerusalem zurückgewandt. Saulus aber weigert sich, einen Mann als Mitarbeiter anzunehmen, der das Werk verlassen hatte, und setzt dasselbe mit solchen Werkzeugen fort, wie Gott sie unter seiner Hand bildete, oder mit einem Silas, der vorzog, zu Antiochien zu bleiben, als der besondere Dienst, der ihm zu Jerusalem aufgetragen worden, beendet war und er deshalb mit Judas dorthin hätte zurückkehren können.

Es gehen also, um wieder auf den eigentlichen Punkt unserer Erzählung zurückzukommen, Barnabas und Saulus, ausgesandt von dem Heiligen Geist, mit Johannes Markus als ihrem Diener, nach Seleucien und dann nach Cypern. Als sie sich in Salamis, einer Stadt auf jener Insel, befanden, predigten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden (V. 5). Was nun auch die Energie des Heiligen Geistes sein mochte, immer handelte Er in Verbindung mit den Ratschlüssen und Verheißungen Gottes, und zwar mit vollkommener Geduld. Bis zum Ende seines Lebens, ungeachtet des Widerstandes der Juden, mochte sich dieser auch noch so erbittert und unversöhnlich zeigen, geht der Apostel voran, wie die Wege und Ratschlüsse Gottes in Christus es verordnet hatten, er wendet sich „zuerst zu den Juden und dann zu den Nationen“. War man einmal eingeführt in die Versammlung Gottes, wo die Wahrheit und die Gnade völlig offenbart waren, so gab es keinen Unterschied mehr zwischen Jude und Heide. Gott ist einer in seinem Charakter und völlig offenbart, und der Vorhang ist zerrissen. Die Sünde ist eine in ihrem Charakter und ist Gott entgegengesetzt. Die Grundlage der Wahrheit verändert sich nicht; und die Einheit der Versammlung ist verbunden mit der Höhe der Gnade in Gott selbst und kommt hernieder bis zu der tiefen Gesamtheit der Sünde, wegen der diese Gnade sich entfaltet hat. Die Juden waren Kinder des Zornes, wie auch die übrigen, aber in Bezug auf die Wege Gottes auf der Erde hatten sie den ersten Platz, und der Geist, der über allem ist, kann daher in völliger Freiheit handeln und alle die Wege der Unumschränktheit Gottes anerkennen, gleichwie auch Christus, der sich in Gnade zu einem Knecht machte, Sich diesen Wegen unterwarf, und jetzt, da Er zum Himmel erhöht ist, vereinigt Er alle diese verschiedenen Wege und Haushaltungen in Sich selbst als Haupt und Mittelpunkt einer Herrlichkeit, der der Heilige Geist Zeugnis gibt, um sie hienieden so weit wie möglich durch die Gnade zu erfüllen.

Dies verhindert den Apostel nicht, über den Zustand der Juden, wenn die Gelegenheit es erfordert, ein klares und bestimmtes Urteil auszusprechen. Sogar hier im Anfang seines Dienstes sind die beiden Dinge zusammen dargestellt: die Rücksicht des Apostels gegen die Juden gemäß der Liebe Gottes und das Urteil, das er über sie ausspricht, wenn sie sich dem Zeugnis an die Nationen widersetzen. Wir haben schon bemerkt, dass er mit den Juden beginnt. Nachdem er die Inseln durchzogen hat, kommt er nach Paphos, dem Sitz der Regierung. Dort verlangt der Prokonsul, ein kluger und verständiger Mann, das Evangelium zu hören. Von einem falschen Propheten bereits umgeben (der sich das Bedürfnis einer Seele zunutze machte, die, obwohl unwissend, ernstlich nach etwas verlangte, das die Leere ausfüllen könnte, die sie in der Nichtigkeit heidnischer Gebräuche und in ihrer ekelhaften Sittenlosigkeit empfand), lässt Sergius Paulus den Barnabas und Saulus rufen. Elimas widersteht ihrem Zeugnis, wie dies ganz natürlich war. Er verlor seinen Einfluss bei dem Prokonsul, wenn dieser die Wahrheit, die Paulus predigte, annahm. Elimas war ein Jude. Saulus (der hinfort Paulus genannt wird 2), erfüllt mit dem Heiligen Geist, verkündigt ihm von Seiten Gottes das Urteil einer zeitweiligen Blindheit – ein Urteil, das augenblicklich durch die mächtige Hand Gottes vollzogen wird. Der Prokonsul, in Erstaunen gesetzt über die Kraft, die das Wort des Apostels begleitete, unterwirft sich dem Evangelium Gottes.

Ich zweifle nicht, dass wir in diesem elenden Bar-Jesus ein Bild der Juden in der Jetztzeit sehen, die für eine Zeit mit Blindheit geschlagen sind, weil sie auf den Einfluss des Evangeliums eifersüchtig waren. Um das Maß ihrer Ungerechtigkeit voll zu machen, widerstanden sie der Predigt des Evangeliums an die Nationen. Ihr Zustand ist gerichtet ihre wahre Geschichte ist in der Mission des Paulus dargestellt. Weil sie der Gnade widerstrebten und ihre Wirkung auf die Nationen zu zerstören suchten, sind sie mit Blindheit geschlagen worden, jedoch nur für eine Zeit.

Von Paphos abgereist, gehen Paulus und seine Begleiter nach Kleinasien (V. 13 ff.). Hier nimmt der Apostel in den Augen des Geschichtsschreibers des Heiligen Geistes mit Bestimmtheit seinen Platz ein. Es ist Paulus und die mit ihm waren, (oi peri Paulon: ein Ausdruck im Griechischen, der Paulus zu allem macht). Als sie Perge erreichten, verlässt sie Johannes Markus, um nach Jerusalem zurückzukehren. Seine Abreise war eine Kundgebung des jüdischen Einflusses unter einer milderen und gemäßigteren Form, wie wir sie bei anderen antreffen; allein sie zeigt, dass ein solcher Einfluss, falls er sich geltend machte, wenigstens die für das Werk Gottes, wie es sich jetzt unter den Nationen entfaltete, nötige Kraft wegnahm, wenn er auch keinen Widerstand hervorbrachte. Barnabas geht dennoch weiter und setzt mit Paulus das Werk fort. Letzterer wendet sich nach ihrer Ankunft zu Antiochien in Pisidien aufs Neue zunächst an die Juden. Er geht am Sabbattag in die Synagoge, und nach der Einladung des Vorstehers verkündigt er ihnen Jesum, der von den Juden zu Jerusalem verworfen und gekreuzigt, aber durch die Kraft Gottes wieder auferweckt worden sei, und dass von allem, wovon sie im Gesetz Moses nicht gerechtfertigt werden könnten, in diesem jeder Glaubende gerechtfertigt sei (V. 39). Hier ist das Zeugnis des Paulus dem des Petrus sehr ähnlich und ist in Bezug auf seinen Charakter besonders verwandt mit dem Anfang der Epistel an die Hebräer. In Vers 33 haben wir genau das Zeugnis des Petrus in Kapitel 3. Im 31. Vers setzt er die Zwölfe als die, welche den Herrn persönlich begleitet und Ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten, bestimmt an den Platz des Zeugnisses für Israel. „Sie sind“, sagt er, „Seine Zeugen an das Volk.“ Das Zeugnis aber des Paulus (das hinsichtlich der Erfüllung der Verheißungen durch die Ankunft Christi und der treuen Gnaden Davids, die in seiner Auferstehung gewiss gemacht waren, in die Ordnung der Predigt des Petrus zurückkehrt), weicht in einem wichtigen Punkt davon ab. Er sagt nichts davon, dass Gott Jesum zum Herrn und Christus gemacht hat. Er kündigt an, dass die Vergebung der Sünden in seinem Namen verkündigt wird, und ermahnt seine Zuhörer, dieses große Heil nicht zu vernachlässigen 3.

Viele schließen sich Paulus 4 und Barnabas infolge dieser Verkündigung an und werden durch sie ermahnt, in der Gnade, die ihnen verkündigt worden, zu verharren (V. 42. 43). Am folgenden Sabbat kommt eine große Volksmenge zusammen, um das Wort Gottes zu hören, nachdem die Heiden gebeten hatten, dass ihnen dieses Evangelium der Gnade von neuem verkündigt werden möchte. Ihre Seelen hatten mehr Wahrheit gefunden in der Lehre des alleinigen Gottes, die von den Juden anerkannt wurde, als in dem sinnlosen Kult der Heiden. Dieser Kult bot einem aufgeweckten und unbefriedigten Gemüt keine Nahrung mehr dar, die es befriedigen konnte – einem Gemüt, das zu tätig war, um der Einbildung zu gestatten, sich mit Zeremonien zu unterhalten, die nur Reize hatten für die Unwissenheit. Diese konnte freilich durch den Prunk von Festen, an die sie gewöhnt war und die das religiöse Element des Fleisches befriedigten, gefesselt werden. Dennoch war es nicht die oberflächlich anerkannte Lehre des alleinigen wahren Gottes, die zwar das Gemüt von allem befreite, was diesem in der sinnlosen und unmoralischen Mythologie des Heidentums zuwider war, aber die Seele nicht im geringsten ernährte, wie es das kraftvolle Zeugnis eines in Gnade handelnden Gottes tat. Und ein solches Zeugnis wurde jetzt von dem Heiligen Geist durch den Mund der von Ihm gesandten Boten hervorgebracht – ein Zeugnis, welches, treu den Verheißungen, die den Juden gegeben waren, sich dennoch als ein „Wort des Heils“ an alle wandte, die Gott fürchteten (V. 26). Allein die Juden, eifersüchtig auf die Wirkung des Evangeliums, das dem Bedürfnis der Seele auf eine Weise begegnete, wie ihr System es nicht vermochte, widerstehen Paulus und lästern die Lehre Christi (V. 45). Deshalb wenden sich Paulus und Barnabas mit Freimütigkeit zu den Nationen.

Es war ein entscheidender und wichtiger Augenblick. Diese beiden Boten des Heiligen Geistes führen ein prophetisches Zeugnis des Alten Testaments an hinsichtlich des Vorsatzes Gottes in Betreff der Nationen, denen Christus ein Licht sein sollte – eines Vorsatzes, den sie nach dem Verständnis, das der Geist ihnen darin gab, und durch seine Kraft erfüllten. Die Stelle, worauf sich Paulus und Barnabas beziehen, findet sich in Jesaja 49, wo der Widerstand Israels, der das Zeugnis Christi für sie selbst nutzlos machte, Gott Gelegenheit gab, zu erklären, dass das Werk, den Überrest Israels zusammenzubringen, nur eine geringe Sache sei, und dass Christus „ein Licht der Nationen und sein Heil sein werde bis an das Ende der Erde“ (V. 6).

Wir werden wohl tun, diesen letzten Umstand zu beachten, nämlich die Energie im Handeln, die durch geistliches Verständnis mitgeteilt wird, und den Weg, auf dem prophetische Aussagen das Licht und die Autorität zum Handeln werden, wenn der Geist Gottes die wahre praktische Bedeutung – die Anwendung – angibt. Ein anderer mag es vielleicht nicht verstehen, aber der geistliche Mensch hat eine völlige Garantie für sein eigenes Gewissen in dem Wort, das er verstanden hat. Das übrige überlässt er Gott.

Die Nationen freuen sich des Zeugnisses, und es glauben so viele, wie zum ewigen Leben verordnet waren (V. 48). Das Wort breitet sich aus durch die ganze Gegend. Die Juden zeigen sich jetzt in ihrem wahren Charakter als Feinde des Herrn und seiner Wahrheit; und Paulus und Barnabas schütteln den Staub von ihren Füßen wider sie ab. Die Jünger waren, was auch ihre Schwierigkeiten sein mochten, erfüllt mit Freude und mit dem Heiligen Geist. Die Schwierigkeiten waren dazu kein Hindernis. Die hier von den Juden eingenommene Stellung – die wir freilich überall finden – lässt uns verstehen, was für eine Quelle von Kummer und Schmerz sie für die Apostel gewesen sein müssen.

Fußnoten

  • 1 Die Wirksamkeit des Geistes ist immer unabhängig; aber hier will ich sagen, dass sie außerhalb der Autorität der Apostel war. Was dort geschah, hatte weder diese Autorität zur Quelle, noch bezog sie sich auf dieselbe.
  • 2 Ich weiß nicht, ob der bei dieser Gelegenheit angegebene Wechsel des Namens (dessen Bedeutung die Neugierde der Sprachforscher gereizt hat) nicht einfach eine Veränderung ist, durch die seine jüdische Form verloren ging, um ein römisches oder heidnisches Ansehen anzunehmen.
  • 3 Beide folgen, wie wir gesehen haben, hauptsächlich dem Auftrag in Lukas 24.
  • 4 Hier ist Paulus vor Barnabas gestellt; im vorigen Kapitel hat Barnabas den ersten Platz.
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