Botschafter des Heils in Christo 1872

Wie man Frieden erlangt

1 Wie kann ich Frieden mit Gott erlangen?

Er hat „Frieden gemacht durch das Blut seines Kreuzes.“

Ich leugne es nicht; ich glaube es; und dennoch habe ich keinen Frieden. Wie kann ich ihn erlangen?

„Da wir nun gerechtfertigt sind durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott.“

„Ich weiß, dass es also geschrieben steht, allein ich weiß auch, dass ich keinen Frieden habe. Wie gern möchte ich ihn besitzen! Zuweilen denke ich, dass mir der Glaube ganz und gar fehle. Ich sehe Sie glücklich, und ich frage: Wie kommt man zu diesem Glück?“

Sie betrachten es also nicht als eine Vermessenheit, im Frieden mit Gott, und zwar in der vollen Gewissheit seiner Gunst und mithin unserer eigenen Errettung, zu sein?

In Bezug auf mich selbst würde ich es dafürhalten. Aber ich sehe es in der Schrift, und darum muss es die Wahrheit sein. Auch sehe ich etliche wenige Personen, bei denen es ohne Zweifel Wirklichkeit ist, dass sie sich der göttlichen Gunst erfreuen. Aber ich weiß nicht, wie man dazu gelangt. Es beunruhigt mich, so oft ich daran denke, obwohl ich gleich anderen Christen von Tag zu Tage vorangehe. Sobald diese Frage angeregt wird, erkenne ich, dass ich weder Frieden, noch die Gewissheit habe, dass die göttliche Gunst auf mir ruht, deren Sie und andere sich erfreuen. Es ist dieses eine ernste Sache, denn wenn – wie Sie behaupten und wie die Schrift es ausdrückt – „weil gerechtfertigt aus Glauben, wir Frieden mit Gott haben“, ich aber diesen Frieden nicht besitze, wie kann ich dann gerechtfertigt sein?

Sie besitzen nicht die wahre Erkenntnis der Rechtfertigung aus Glauben. Ich will damit nicht sagen, dass Sie in den Augen Gottes nicht gerechtfertigt sind; aber ihr Gewissen ist nicht im Besitz davon. Alle Reformatoren gingen darin weiter als ich. Sie alle hielten dafür, dass, wenn jemand nicht die Gewissheit seiner Errettung habe, er überhaupt nicht gerechtfertigt sei. Jeder aber, der an den Sohn Gottes glaubt, ist in den Augen Gottes von allem gerechtfertigt. Doch solange er dieses nicht als eine Lehre von Gott erkennt, und solange er nicht den Wert des Werkes Christi erfasst, hat er kein Bewusstsein davon in seiner Seele und mithin, falls er so ernstlich wie Sie darauf eingeht, auch keinen Frieden. Auch kann sein Friede erst dann fest gegründet sein, wenn er erkennt, dass Christus nicht nur für ihn gestorben, sondern auch, dass er selbst in Christus ist; und das tagtägliche Vorangehen der Christen, wie Sie sagen, ist eine falsche und törichte Sache, welche früher oder später abgebrochen werden muss. Eben dieses ist es, wodurch am Sterbebett oft viele Unruhe verursacht wird. Der Charakter der christlichen Tätigkeit ist gänzlich verunstaltet und zu einer Verrichtung gemacht, die, anstatt das in der Kraft des Heiligen Geistes vollbrachte Werk einer im Frieden ruhenden Seele zu sein, als Mittel dienen soll, um glücklich zu werden. Wenn eine Seele es ernstlich meint und vor Gott wandelt, so kann sie unmöglich eher ruhen, als bis sie Frieden mit Gott hat; und je tiefer und gründlicher diese Herzensübungen sind, desto besser. Doch „er hat Frieden gemacht durch das Blut seines Kreuzes“. Wie der Pflug und die Egge auf dem Acker, so fördern solche Übungen das Unkraut zu Tage. In diesem Fall sind sie nützlich, ja notwendig; keineswegs aber sind sie die Frucht, die der Glaube an das vollbrachte Werk Christi hervorbringt. Sein Werk ist vollendet. „Er ist einmal in der Vollendung der Zeitalter offenbart worden zum Wegtun der Sünde durch das Schlachtopfer seiner selbst;“ und „er hat das Werk vollbracht, welches Ihm der Vater zu tun gegeben hatte“. Dieses Werk, welches unsere Sünde hinwegnimmt, ist vollkommen und von Gott angenommen. Wenn Sie durch Ihn zu Gott kommen, und ihre Sünden durch dasselbe nicht alle und zwar völlig und für immer hinweggenommen sind, so kann dieses nimmer geschehen; denn Er kann nicht wiederum sterben. Alles ist durch das „eine Opfer“ zuwege gebracht; denn sonst „hätte er“ – wie der Apostel in Hebräer 9 sagt – „oftmals leiden müssen“.

Ich beginne jetzt klarer einzusehen, dass es ein vollkommenes, ein für alle Mal vollbrachtes Werk ist.

Was begehren Sie nun weiter noch, um Frieden zu haben?

Das ist es eben, was ich wissen möchte.

Bevor wir von ihrem Zustand und den Hindernissen sprechen, dringt es mich, das Werk selbst uns klar vor die Seele zu stellen. Wer vollbrachte dieses Werk?

Nun, selbstredend Christus.

Welchen Anteil haben Sie an der Vollbringung desselben? Keinen.

Ganz recht, keinen, wenn wir nicht etwa ihre Sünden als Anteil bezeichnen wollen. Und auf welchen Zustand ihrer Seele findet das Werk seine Anwendung – auf einen gottseligen, oder auf einen gottlosen Zustand?

Nun, muss ich denn nicht heilig sein?

Gewiss; „ohne Heiligung wird niemand den Herrn schauen“. Aber sehen Sie auch, wie schnell und zwar mit einer instinktmäßigen Selbstgerechtigkeit Sie sich von dem Werk Christi zu ihrer eigenen Heiligkeit, zu dem, was Sie sind, wenden? Ganz eigentümlich ist die Scharfsichtigkeit des Menschen bezüglich dessen, was ihn und seinen Gefallen an sich selbst zunichtemacht. Ihr Verlangen nach Heiligkeit ist jedoch das Verlangen des neuen Menschen. Wären Sie hierüber gleichgültige so würde es nötig sein. Ihr Gewissen aufzurütteln, und nicht vom Frieden zu reden, sondern vielmehr ihren falschen Frieden zu zerstören. Doch jetzt sind wir mit der Frage beschäftigt, in welcher Weise eine bekümmerte Seele Frieden finden kann.

Ganz richtig. Ich bin öfters sehr gleichgültig, und das ist eine Ursache meiner Bekümmernis; doch ich habe keinen Frieden und möchte alles darum geben, ihn zu erlangen.

Ohne Zweifel hindert Sie in einem gewissen Sinne diese Gleichgültigkeit an der Erlangung dieses Friedens; doch wir haben in Demut zu lernen, was wir sind. Ach! der Gewinn etlicher Taler würde manche Seele zu weit größerem Eifer anspornen. Doch ich wiederhole meine Frage: Findet das Werk Christi auf ihre Gottlosigkeit, oder auf ihre Frömmigkeit, oder doch wenigstens auf irgendeinen veredelten Zustand ihrer Seele seine Anwendung?

Selbstredend nur auf meine Gottlosigkeit.

Ganz sicher, und folglich nicht auf ihre Heiligkeit, wenn eine solche vorhanden wäre, und auch nicht auf einen in etwa veredelten Zustand. Und dennoch – auf was warten Sie, um Frieden zu erlangen? Warten Sie nicht auf einen verbesserten oder veredelten Seelenzustand?

Freilich.

Dann befinden Sie sich auf falschem Weg; denn das, wodurch Christus „Frieden gemacht“, findet seine Anwendung auf ihre Gottlosigkeit. Ihr Verlangen ist ein richtiges, aber Sie spannen, wie man zu sagen pflegt, den Karren vor das Pferd. Sie trachten nach der Heiligkeit, um Christus zu erlangen, anstatt nach Christus zu trachten, um die Helligkeit zu erlangen.

Aber ich rechne auf seine Hilfe, um heilig zu werden.

Ich glaube es; aber Sie trachten nach seiner Hilfe, und nicht nach seinem Werk, oder der Blutvergießung, um Frieden zu erlangen. Sie bedürfen der Gerechtigkeit, nicht der Hilfe. Wir sind seiner Hilfe jeden Augenblick bedürftig, wenn wir gerechtfertigt sind. Er ist der Urheber jedes guten Gedankens in uns. Doch das ist weder Frieden, noch seine Blutvergießung, noch Gerechtigkeit. Freilich ist dieses Streben nach Heiligkeit nicht ohne Frucht; denn es führt Sie zu der Erkenntnis, dass Sie auf solche Weise nicht finden, was Sie suchen. Sie werden auf diesem Weg weder Heiligkeit, noch Frieden finden. Diese Erfahrung ihres Unvermögens, sowie die Entdeckung, dass, ob auch „das Wollen“ bei Ihnen ist, Sie dennoch „das Wirken dessen, was recht ist“, nicht finden, wird Sie, indem Sie erkennen, dass nichts Gutes in Ihnen wohnt, zu dem führen, was den Frieden gibt, nämlich zu dem Werk Christi, nicht aber zu ihrem Zustand oder dem Werk der Gnade in Ihnen. Dies letztere Werk wirkt Gott; aber wir dürfen es nicht als ein Mittel zum Frieden betrachten, sondern müssen außer uns einfach und völlig auf das Werk Christi und auf seine Annahme vor Gott schauen. Aber sagen Sie mir doch, wie Sie vor Gott stehen.

Ich weiß es nicht. Das ist es eben, was mich beunruhigt. Sind Sie verloren?

Ich hoffe nicht. Natürlich sind wir alle von Natur verloren. Jedoch hoffe ich, dass Gott ein Werk in mir begonnen hat, obwohl ich zuweilen hierüber in Zweifel bin.

Gesetzt, Sie ständen jetzt vor Gott, und ihre Sache müsste entschieden werden. Wie würde es um Sie stehen, wenn die Entscheidung derselben von ihren Werken abhinge? Haben Sie Vertrauen?

Ich hoffe, dass alles in Ordnung sein würde. Ich kann mich von dem Gedanken nicht trennen, dass ein Gnadenwerk in mir begonnen hat; aber dennoch kann ich nicht ohne Furcht an das Gericht denken.

Auch ich glaube, dass ein Gnadenwerk in Ihnen begonnen hat, ja, ich hege durchaus keinen Zweifel darüber. Aber hier ist der Wendepunkt unserer Untersuchung. Es mangelt Ihnen, sich in der Gegenwart Gottes zu sehen und dort zu erkennen, dass Sie einfach verloren sind, wenn Gott – wie dieses in Gerechtigkeit und mit Rücksicht auf ihren Zustand und auf ihre Werke geschehen wird – mit Ihnen ins Gericht geht. Sie sind ein Sünder, und ein Sünder kann im Gericht vor Gott durchaus nicht bestehen. Hier, d. h., wenn wirklich in der Gegenwart Gottes, bedürfen mir nicht der Hilfe, sondern der Gerechtigkeit, und diese haben Sie nicht erlangt, – ich meine in Betreff ihres Glaubens, durch welchen wir sie erlangen, und ihres Gewissens, in welchem wir sie besitzen. Die Gerechtigkeit, und zwar die Gerechtigkeit Gottes, kann allein vor Gott genügen, denn mir besitzen keine, und eben diese muss gefunden werden. Auch das Werk der Gnade in uns bringt dieselbe nicht hervor. Nur durch den Glauben, mittelst des Werkes Christi, und in Ihm besitzen wir sie; durch Ihn rechtfertigt Gott den Gottlosen. Das Beispiel des verlorenen Sohnes wird dieses erläutern. Es war ein Werk Gottes in ihm; er „kam zu sich selbst“, erkannte sich als verloren und machte sich auf zu seinem Vater. Indem er sich aufmachte, bekannte er seine Sünden, mit der Beifügung: „Mache mich zu einem deiner Tagelöhner!“ Dort war Aufrichtigkeit, ein Gefühl von der Güte Gottes und ein Bewusstsein von Sünde; er zog Schlüsse in Betreff seiner Hoffnung, wenn er mit dem Vater zusammentreffen würde; und also steht es mit Ihnen. Er besaß, was die Christenwelt Demut und eine geringe Hoffnung nennt und machte, gleich Ihnen, Folgerungen, welche bewiesen, dass er nie dem Vater begegnet war. Er hätte nicht überlegen können, welche Aufnahme er bei der Begegnung mit seinem Vater finden würde, wenn er ihm je begegnet wäre. Es ist die Stellung einer Seele, die nimmer mit Gott zusammengetroffen ist, obwohl Gott in ihr gewirkt hat. Als er seinem Vater begegnete, finden wir nicht ein Wort, dass er ihn „wie einen seiner Tagelöhner“ machen möchte. Das Sündenbekenntnis war ein vollständiges; und die vorhergehende Erfahrung hatte ihn in seinen „Lumpen“, in seinen Sünden zu seinem Vater gebracht – nicht als ob er die Sünden liebte, aber er befand sich in ihnen und bekannte sie. Die Wirkung des Vorhergegangenen bestand also darin, dass er in Betreff seines Gewissens in seinen Sünden Gott begegnete; und das war alles. Jetzt, wo ihm der Vater um den Hals fiel, herrschte die Gnade; – das beste Kleid, Christus, die Gerechtigkeit Gottes, ward sein Teil. Nicht ein Wachstum im Guten war ihm gewährt worden, sondern er empfing etwas, das er vorher nimmer besessen hatte, etwas ganz Neues war ihm verliehen worden. In der Gegenwart Gottes haben wir Christus und nicht ein Wachstum nötig; wir bedürfen durch Ihn der Gerechtigkeit und der Rechtfertigung, und nicht der Hilfe oder der Veredlung. Selbstredend hat uns Gott seine Hilfe gewährt; denn sonst würden wir seine Gegenwart nicht erreicht haben. Auch hat ein Wachstum stattgefunden; aber der Zweck desselben war, uns in die Gegenwart Gottes zu bringen, und zwar nicht, damit über dieses Wachstum und über die daraus entspringende Hoffnung, sondern über die Sünde vor seinem Angesicht ein Urteil gefällt werde, und wir erkennen möchten, dass Er sie nicht dulden kann, während wir Zugleich Christus als den erblicken, der an unserer statt eine vollkommene Aufnahme bei Gott gefunden, der unsere Sünden getragen, und der unsere vollkommene, unbedingte und ewige Gerechtigkeit ist. Die Beschauung unseres Wachstums bringt uns keinen Frieden; denn wäre dieses der Fall, so würde es heißen müssen: „Nun wir sind gerechtfertigt worden aus Erfahrung, so haben wir Frieden mit Gott.“ Doch dieses sagt das Wort Gottes nirgends. Das wahre Wachstum besteht in dieser Beziehung darin, dass wir als völlig verlorene Sünder in die Gegenwart Gottes gebracht werden, indem wir unsere Sünden bekennen und Zugleich das Bekenntnis ablegen, dass „in uns, das ist in unserem Fleisch, nichts Gutes wohnt“; und daher muss das Bewusstsein unseres Verlorenseins eine Sache der Gegenwart sein. Es handelt sich nicht darum, was wir sein, oder wie wir am Tag des Gerichts beurteilt werden, sondern um die Entdeckung dessen, was wir jetzt sind – um unsere gegenwärtigen Sünden und unsere sündige Natur, als die wahre Plage jeder aufrichtigen Seele, und um die Erlangung Christi als des „vornehmsten Kleides“, wenn wir uns in unseren Sünden in der Gegenwart Gottes befinden. Wir haben Christus gefunden und an Ihn geglaubt. „Er ist die Sicherung für unsere Sünden“, indem Er sie an seinem eigenen Leib an dem Holz getragen hat; und besitzen wir Christus, so ist Er unsere Gerechtigkeit. Da Er ein Opfer für die Sünde geworden ist, so hat Gott die Sünde im Fleisch verurteilt (Röm 8,3), und wir sind nicht „im Fleisch“, sondern „in Christus“. Statt Adam und seiner, d. h. unserer Sünden, haben wir Christus und den Wert seines Werkes. Dieses ist wahr in Betreff eines jeden, der an Ihn glaubt und durch Ihn zu Gott kommt. Wären wir so einfältig wie die Schrift, so würden wir dieses augenblicklich erkennen. Aber uns mangelt diese Einfalt, und wir müssen geheilt werden von der Eigengerechtigkeit unserer Herzen und als bloße Sünder vor Gott erkennen, dass Gott in Liebe die Frage in Betreff unserer Sünden und unserer bösen Natur vor dem Tag des Gerichts ausgeglichen und für einen jeden, der durch Ihn zu Gott kommt, „ein für alle Mal“ erledigt hat. Er hat sich für immer mit den Sünden, über welche ich am Tag des Gerichts hätte Rechenschaft geben müssen, am Kreuz beschäftigt, und zwar in der Weise, dass Er sie nach seiner eigenen Gerechtigkeit hinweggetan hat; – unsere ausgebildetste Sündenform im Fleisch, d. i. die Feindschaft wider Gott, traf mit Gott zusammen, der, sich mit der Sünde beschäftigend, dieselbe verurteilte, uns aber begnadigte. Die Sünde und Gott begegneten einander an dem Kreuz, als Christus für uns zur Sünde gemacht war; und durch seinen Tod sind wir der Sünde gestorben und sind die Frucht seiner Arbeit vor Gott. Er trug die Sünden vieler, erschien, um die Sünde hinweg zu tun und verherrlichte Gott betreffs ihrer in Gerechtigkeit in jener verhängnisvollen Stunde. Er nahm auf sich, was ich verdient hatte; und ich empfange die Frucht dessen, was Er getan hat. Ich komme, so zu sagen, wie Abel zu Gott; mit diesem Opfer in meiner Hand. Gott muss den Wert desselben anerkennen; ich habe den Beweis meiner Gerechtigkeit; Gott gibt Zeugnis zu meinen Gaben; meine Annahme ist in den Augen Gottes dem Wert des Opfers Christi gemäß. Indem ich hiermit komme, so bekenne ich, dass mein Ich rechtmäßig ausgeschlossen ist, ich stütze mich nicht auf eine Veredlung meines Zustandes. Ich komme, so zu sagen, mit Christus, meinem geschlachteten Lamm, in meiner Hand, und Gott gibt Zeugnis zu meiner Gabe. Wenn ich mich mit dieser Gabe nahe, blickt Gott auf sie und nicht auf meinen Zustand, welcher, indem ich also komme, unleugbar derjenige eines Sünders, und zwar eines, hinsichtlich seiner Ansprüche, von Gott ausgeschlossenen Sünders ist.

Aber muss ich denn Christus nicht annehmen?

Ach, wie durchkreuzt das „Ich“ doch stets die köstlichsten Zeugnisse von den in Gnade gegen uns handelnden Wegen Gottes! Ich sage: „Hier ist Christus von Seiten Gottes für Sie das Lamm Gottes“; und Sie antworten: „Aber muss ich denn nicht“? Es überrascht mich dieses nicht. Ich will keinen Vorwurf machen; es ist eben die menschliche Natur, meine Natur im Fleisch. Beherzigen Sie es indessen, dass in dem „Ich“ nichts Gutes wohnt. Doch sagen Sie mir: Würden Sie sich nicht freuen, Ihn zu haben?

Ei gewiss.

Dann handelt es sich in Wirklichkeit nicht darum, ob Sie Ihn annehmen wollen, sondern ob Gott Ihnen wirklich Christus und in Ihm das ewige Leben vorgestellt hat. Eine einfältige Seele würde ausrufen: „Was, annehmen! Ich bin dankbar, Ihn zu haben.“ – Da indessen nicht alle einfältig sind, so will ich noch ein Wort hierüber hinzufügen. Wenn Sie jemanden schwer beleidigt hätten, und ein Freund bemühte sich, demselben eine Genugtuung anzubieten, wer müsste diese annehmen?

Natürlich der Beleidigte.

Ohne Zweifel. Und wer ist durch ihre Sünden beleidigt worden?

Gott.

Und wer muss die Genugtuung annehmen?

Selbstredend kein anderer als Gott.

Ganz sicher. Glauben Sie, dass Er Sie angenommen hat?

Ohne Zweifel glaube ich dieses.

Und sollte Er zufrieden gestellt sein?

Auf jeden Fall.

Und sind Sie es denn nicht?

O ich erkenne es jetzt. Christus hat das ganze Werk vollendet, und Gott hat es angenommen, und darum kann von meiner Schuld oder Gerechtigkeit keine Rede mehr sein. Es ist meine Gerechtigkeit vor Gott. Wunderbar, und doch so einfach! Aber warum erkannte ich es nicht? Wie töricht ich doch war!

Das ist der Glaube an das Werk Christi; nicht dass wir es freudig annehmen, sondern dass wir glauben, dass Gott es angenommen hat. Sie haben jetzt nicht nötig zu untersuchen, ob Sie glauben. Der Gegenstand des Glaubens ist vor ihrer Seele und wird von ihr geschaut; was Gott offenbart, wird erkannt, indem es also durch den Glauben gesehen wird. Sie sind von diesem, nicht von ihrem Zustand, versichert, sowie Sie die vor Ihnen stehende Lampe nicht deshalb sehen und unterscheiden, weil sie den Zustand ihres Auges erkennen; sie erkennen den Zustand ihres Auges, indem Sie das Licht sehen. Aber Sie sagen: „Wie töricht war ich doch!“ – Es ist immer so. Doch erlauben Sie mir die Frage: Was war es doch, wonach Sie verlangten? War es Christus, oder war es eine Heiligkeit in Ihnen selbst und ein besserer Seelenzustand?

Jedenfalls eine Heiligkeit und ein besserer Seelenzustand.

Dann ist es kein Wunder, dass Sie Christus nicht sahen. Gott bezeichnet es als eine Unterwerfung unter seine Gerechtigkeit, indem wir eine Gerechtigkeit, die weder von uns noch in uns ist, nämlich Christus finden, während der stolze Wille, durch die Gnade gebrochen, sich unterwirft, um durch das, was weder von noch in uns ist, gerettet zu werden. Es ist Christus statt unseres Ichs und statt unserer Stellung im Fleisch. Wenn Sie Frieden erlangt hätten auf dem Weg, wo Sie ihn suchten, mit wem würden Sie dann zufrieden gewesen sein?

Mit mir selbst.

Ganz recht. Und was würde dieses gewesen sein? In der Tat nichts Wirkliches; und wenn auch, so war Christus, zwar nicht als ein Hilfsmittel, wohl aber als Gerechtigkeit und Frieden ausgeschlossen. Und da eine aufrichtige, von Gott unterwiesene Seele nicht mit sich selbst zufrieden sein kann, so bleibt sie, wenn sie auch in einer gewissen Vertraulichkeit mit Gott verkehrt, dennoch vielleicht viele Jahre hindurch ohne Frieden, bis sie sich der Gerechtigkeit Gottes unterwirft. Und jetzt merken Sie sich noch einen anderen Punkt; denn die Seele im Frieden mit Gott kann jetzt zu ihrer Unterweisung Christus betrachten. Er hat nicht nur unsere Sünden getragen, ist nicht nur der Sünde gestorben und hat nicht nur die ganze Geschichte des alten Menschen, indem derselbe mit Ihm gekreuzigt ist, durch seinen Tod für alle, die da glauben, abgeschlossen, sondern Er hat auch Gott in diesem Werk verherrlicht (Joh 12,28; 17,4–5) und auf diese Weise für den Menschen einen Platz in der Herrlichkeit Gottes erlangt, und zwar einen Platz einer gegenwärtigen, unbedingten Annahme nach der Natur und Gunst des durch Ihn verherrlichten Gottes; und dieses ist unser Platz vor Gott. Nicht nur, dass der alte Mensch und seine Sünden vor dem Angesicht Gottes hinweggetan sind, sondern wir befinden uns auch in Christus vor Gott und haben das Bewusstsein dieser Stellung durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist (Joh 14,20). Gott hat uns begnadigt in dem Geliebten, und das göttliche Wohlgefallen ruht auf uns, wie auf Ihm. Und ebenso wohnt Er auch in uns; und dieses führt uns zu wahrer praktischer Heiligkeit. Wir sind geheiligt und durch sein Blut für Gott abgesondert; aber wir sind dieses, insofern wir sein Leben, oder Ihn als unser Leben, sowie den Heiligen Geist besitzen; und Er selbst wird der Maßstab unseres Wandels und unseres Verhältnisses zu Gott. Wir gehören uns nicht mehr an, sondern sind mit einem Preis erkauft, und nichts geziemt einem Christen, was mit seinem Blut, dem teuer bezahlten Preise, und dessen Macht über unsere Herzen im Widerspruch steht. Dieses ist figürlich im Alten Testament sehr schön ausgedrückt. Wenn ein Aussätziger gereinigt wurde, so mussten außer dem Opfer seine Ohren, sein Daumen und seine große Zehe mit Blut benetzt werden. Jeder Gedanke, jede Tat – alles, was in unserem Wandel die Probe dieses Blutes nicht bestehen kann, ist von den Gedanken und dem Wandel eines Christen ausgeschlossen. Und wie groß seine Freude, praktisch von dieser Welt und den: Leib der Sünde befreit zu werden und dafür jenes kostbare Blut als Beweggrund, Maß und Sicherheit zu haben, auch sein mag, so wird er doch Zugleich auch fühlen, dass alles, was irgend den Heiligen Geist, durch welchen wir als Besprengte versiegelt sind, betrübt, für einen Christen, ungeziemend ist, welcher weiß, dass Er in ihm wohnt. Ja, dieses kostbare Blut und die Liebe, die Christus, indem Er es vergoss, gezeigt hat, sind der Beweggrund, sowie der Heilige Geist die Kraft der Widmung und der Liebe ist, die uns wandeln lässt, wie Christus gewandelt hat. Wenn wir in Christus sind, so ist Christus in uns; und wir wissen dieses durch den Sachwalter, der uns gegeben ist (Joh 14). Wir sind der Brief Christi in dieser Welt; das Leben Jesu muss in unserem sterblichen Leib offenbart werden.

Aber ihr Maßstab ist ein sehr hoher.

Er ist einfach derjenige, den die Schrift gibt. „Wer da sagt, dass er in Ihm bleibe, der ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie Er gewandelt hat.“ Gott selbst ist als Muster vor uns gestellt, indem Christus der Ausdruck des Göttlichen im Menschen ist. „Seid denn Nachahmer Gottes als geliebte Kinder, und wandelt in Liebe, gleich wie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat als Darbringung und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch.“ Nirgends zeigt sich eine Grenze. „Hieran erkennen wir die Liebe, dass Er für uns sein Leben dargelegt hat; auch wir sind schuldig, für die Brüder das Leben zu lassen.“ „Nun seid ihr ein Licht in dem Herrn; wandelt als Kinder des Lichts.“ Aber merken Sie sich, dass hier nichts Gesetzliches ist, nichts, wodurch wir unsere Sache bei Gott gut zu machen trachten sollen. Mancher möchte vielleicht sagen, dass die vollkommene Gnade und Sicherheit uns Freiheit gebe zu tun, was uns beliebt, und dass, wenn vollkommen errettet, der Beweggrund und die Notwendigkeit guter Werke für uns wegfalle. Das ist ein schrecklicher Grundsatz! Als ob wir keinen Beweggrund zum Wirken hätten als nur, um errettet zu werden, keinen, als gesetzliche Knechtschaft und Verbindlichkeiten! Haben die Engel denn keinen Beweggrund? Es ist ein äußerst grober Irrtum, wie wir ihn in menschlichen Dingen nicht machen könnten. Was würden wir von dem Verstand eines Menschen denken, welcher uns sagte, die Kinder eines Mannes seien von jeder Verbindlichkeit befreit, weil sie gewiss und für immer seine Kinder seien? Ich würde behaupten, dass gerade, weil sie gewiss und für immer seine Kinder sind, sie auch gewiss und stets Verpflichtungen haben, die sie nicht haben würden, wenn sie aufhörten, Kinder zu sein.

Das ist klar genug, wiewohl ich nie daran gedacht hatte. Sie wollen aber damit doch nicht sagen, dass, bevor wir Kinder Gottes waren, wir keine Verpflichtungen hatten?

Gewiss nicht. Aber wir hatten nicht die Verpflichtung eines Kindes. Sie können nicht die Verpflichtung haben, als ein Christ zu leben, bevor Sie ein Christ sind. Wir waren verpflichtet, als Menschen zu leben, als Menschen im Fleisch vor Gott; und dafür war das Gesetz der vollkommene Maßstab. Doch in diesem Verhältnis waren wir gänzlich verloren, wie wir gesehen haben. Wir aber als Glaubende sind vollkommen errettet und sind Kinder Gottes durch den Glauben an Christus Jesus. Unsere Pflichten sind die Pflichten eines Kindes Gottes. Alle Pflichten, sowie auch die richtigen Neigungen fließen stets aus dem Verhältnis, in welchem man steht, und das Bewusstsein dieses Verhältnisses ist die Quelle und der Charakter der Pflicht, wiewohl unsere Vergesslichkeit die Verpflichtung nicht aufhebt. Die Sprache der Schrift bleibt immer: „Seid Nachahmer Gottes als geliebte Kinder!“ „Zieht denn an als Auserwählte Gottes, Heilige und Geliebte, herzliches Erbarmen ...“ Die richtigen Neigungen und Pflichten entspringen der Stellung, in welcher wir uns bereits befinden, und sind nie das Mittel, um in diese Stellung zu gelangen. Wir erfreuen uns unserer Stellung, wenn wir ihr gemäß wandeln, oder vielmehr wir genießen das Licht und die Gunst Gottes durch die Gemeinschaft mit Ihm in dieser Stellung. Aber merken Sie sich, dass selbst unser Mangel an Treue nicht ein Grund ist, an diesem Verhältnis zu zweifeln, sondern vielmehr, weil wir uns darin befinden, eine Ursache ist, uns selbst in Betreff dessen zu richten, was mit diesem Verhältnis im Widerspruch steht. Hier findet nun die Stellvertretung Christi, sowie manche Wahrheit ihren Platz, auf welche ich jetzt nicht näher eingehen kann, wie köstlich sie auch an ihrer Stelle sind. Jedoch merken Sie sich, dass die Stellvertretung nicht das Mittel ist, um die Gerechtigkeit zu erlangen, sondern dass sie auf diese Gerechtigkeit sowie darauf gegründet ist, dass Christus die Versöhnung für unsere Sünden gemacht hat. Auch nahen wir Ihm nicht, damit Er uns vertrete, sondern Er vertritt uns bei dem Vater, weil wir gesündigt haben. Christus hatte für Petrus gebetet, noch ehe derselbe die Sünde begangen, und Er hatte gerade das erbeten, was ihm Not tat; nicht, dass ihm die Sichtung erspart würde, deren er bedurfte, sondern dass, wenn er gesichtet wurde, sein Glaube nicht aufhören möge. Ach, wenn wir nur Ihm zu vertrauen verständen! Sehen Sie, wie Er inmitten seiner Feinde gerade in dem rechten Augenblicke den Petrus anblickt, um ihm das Herz zu brechen!

Wie einfach erscheint doch alles, wenn wir das Wort zur Hand nehmen, und wie sehr ändert dasselbe unsere Gedanken in Betreff Gottes! Man befindet sich überhaupt in einem ganz neuen Zustand.

Ganz gewiss; und das leitet uns zu zwei anderen Punkten, auf welche ich gern aufmerksam machen möchte. Wir haben gesehen, wie in dem Werk Christi Gott befriedigt, ja verherrlicht worden ist, indem wir untersuchten, wie die Gerechtigkeit zu erlangen sei. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass es die unumschränkte Liebe Gottes war, welche uns Christus schenkte, und zwar dieselbe Liebe, in der Er sich selbst für uns hingab. Für uns herrscht die Gerechtigkeit nicht. Dieses wird sich zwar einst als wahr erweisen, wenn Gott kommen wird, um die Welt zu richten. Aber für uns herrscht die Gnade, die unumschränkte Güte, ja Gott selbst durch Gerechtigkeit, die, wie wir gesehen, eine göttliche Gerechtigkeit ist, und welche uns der Annahme Christi gemäß und gleich Ihm einen Platz in Herrlichkeit in der Gegenwart Gottes gibt. Es ist die unumschränkte Gnade, die einem Sünder mit dem Sohn Gottes einen Platz anweist und ihn seinem Bild gleichförmig macht. Doch dieses ist gerecht; denn das Blut und das Werk erfordern notwendig eine solche Stellung, wie wir in Johannes 13 und 17 sehen. Und jetzt „rühmen wir uns Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus“. Wir kennen Ihn als die Liebe und diese Liebe als die Quelle unserer Freude und unseres Segens. Doch sind wir gerecht in Christus; denn „er ist für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in Ihm würden die Gerechtigkeit Gottes“. Gott hat sich uns in Liebe offenbart; und wir sind mit Ihm versöhnt. Es ist eine gesegnete Stellung, eine Stellung heiliger Neigungen und einer friedlichen Ruhe. Wir haben Gemeinschaft mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus. Aber was ist Gemeinschaft?

Nun, eine Gemeinschaft offenbart sich in der Gemeinsamkeit der Gedanken, der Freuden und der Gefühle.

Erinnern Sie sich stets daran, dass es so ist mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus.

Das ist wunderbar. Ich kann es kaum fassen.

Nun, wir müssen danach trachten, dass der Christus durch den Glauben in unseren Herzen wohne, und wir in Liebe gewurzelt und gegründet seien, um die Breite und Länge und Tiefe und Höhe erfassen zu können. Wenn aber der Heilige Geist, der in uns wohnt, die Quelle unserer Gedanken, unserer Freuden und Gefühle ist, so können sie, wie schwache Geschöpfe wir auch seil: mögen, nicht anders als im Einklänge stehen mit denen des Vaters und des Sohnes. Hat das Herz des Christen nicht seine Wonne an Christus, an seinen Worten, an seinem Gehorsam, an seiner Heiligkeit, an der Hingabe seiner selbst in den Willen des Vaters? Und hat nicht auch der Vater an diesem allen seine Wonne? – wir zwar in einer sehr schwachen und armseligen Weise, Er aber in unendlich vollkommenem Maße; doch der Gegenstand ist derselbe. Er ist von Gott auserwählt und kostbar, und ebenso ist Er auch den Glaubenden kostbar. Ohne hierin weiter zu gehen, führe ich dieses nur zur Erläuterung an. Es ist eine Sache ihres täglichen Lebens und ihrer fortdauernden Herzenstätigkeit; jedoch werden Sie verstehen, dass das, was von dem Heiligen Geist kommt, mit der Gesinnung des Vaters und des Sohnes im Einklänge stehen muss.

Das ist klar; aber mir ist alles noch so neu, als wenn ich in eine andere Welt gebracht sei. Wenn dieses wahr ist, wo befinden wir uns denn alle?

Ich überlasse es Ihnen, darüber nachzudenken und nach dem Wort zu erforschen, ob diese Dinge sich also verhalten, und ob die Schrift – wiewohl sie die Übungen unserer Seele, welche wir, um dazu zu gelangen, durchmachen, völlig anerkennt – jeden Christen anders betrachtet, als einen, dem vergeben und der begnadigt ist in dem Geliebten, und wenn er dieses anerkannt, als einen, welcher „nicht den Geist der Knechtschaft empfangen hat wiederum zur Furcht, sondern den Geist der Sohnschaft, in welchem wir rufen: Abba, Vater“.

Aber wenn ich dieses annehme, dann begreife ich die Stelle nicht, welche uns auffordert, „uns zu prüfen, ob wir im Glauben sind“; denn was Sie gesagt haben, setzt, wie mir es scheint, dieses bei Seite.

Diese Stelle will das nicht sagen, was Sie meinen. Manche aufrichtige Seele ist mit dieser Prüfung ernstlich beschäftigt; und wir alle haben auf diesem Weg Erfahrungen gemacht.

Aber wir finden es doch in der Schrift.

Die Worte bilden den Teil einer Stelle in 2. Korinther 13,3–5, deren Anfang heißt: „Weil ihr einen Beweis sucht, dass Christus in mir spreche.“ Dann folgt ein Zwischensatz, bis der Apostel zur Vollendung des Hauptsatzes fortfährt: „So prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid.“ Es ist dieses ein Verweis. Die Korinther hatten, wie Sie dieses in beiden Briefen wahrnehmen können, die Wirklichkeit des Apostelamtes des Paulus, sowie dass Christus in ihm spreche, in Frage gestellt. Und er führt daher als Schlussbeweis die Worte an: „Prüft euch lieber selbst, wie ihr dazu gekommen, Christen geworden zu sein“; – denn er war das Werkzeug ihrer Bekehrung gewesen. Deshalb fügt er hinzu: „Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? es sei denn, dass ihr etwa unbewährt seid.“ – Wie kam er dazu? Er beruft sich auf ihre Gewissheit, um zu ihrer Beschämung sein Apostelamt zu beweisen; aber dieses ist keineswegs eine Aufforderung zur Prüfung, ob jemand im Glauben sei. Ganz richtig ist es, wenn wir untersuchen, ob wir unserem Glauben gemäß wandeln; aber das ist eine ganz andere Sache. Ein Kind tut recht daran, sein Betragen als das eines Kindes zu prüfen; traurig aber wäre es, wenn es untersuchen wollte, ob es überhaupt ein Kind sei. Das Bewusstsein eines Verhältnisses und das Bestehen eines solchen sind zwei verschiedene Dinge, die nicht mit einander verwechselt werden dürfen. Der Verlust des Bewusstseins hinsichtlich eines Verhältnisses (ein Fall, der, wenn ein wirkliches Bewusstsein vorhanden war, meines Erachtens nur als göttliche Züchtigung für Sünden eintreten kann) zerstört den Grund und Boden der Pflicht, sowie die Möglichkeit entsprechender Neigungen. Betrachten sie einmal die Stelle.

Ich verstehe sie jetzt völlig. Es ist nichts vorhanden, um den Satz: „Weil ihr einen Beweis sucht, dass Christus in mir spreche“, vollenden zu können, wenn wir denselben nicht mit den Worten: „So prüft euch selbst usw.“ in Verbindung bringen. In jedem Fall ist es klar, dass die Kraft der Beweisführung des Apostels darin liegt, dass er sich auf ihre Gewissheit beruft: „Erkennt ihr nicht usw.“? Letzteres würde keinen Sinn haben, wenn er ihnen die Pflicht auferlegte, sich zu prüfen, ob sie gläubig seien. Aber wohin wären wir doch mit der Schrift gekommen?

Oder vielmehr, wohin wären wir ohne die Schrift gekommen! Sie lesen und forschen nicht, wie Sie es tun sollten. Beginnen Sie damit, und die Wahrheit wird Ihnen klarwerden. Nur bedürfen wir dazu der Gnade Gottes und des Hinschauens auf Ihn, um „wie neugeborene Kindlein die unverfälschte Milch“ des Wortes in uns aufzunehmen. – Jetzt möchte ich noch einen Punkt kurz berühren, um über den Gegenstand, den wir eben betrachten, völlig klar zu werden. Indem wir Christus empfangen, sind wir des Lebens teilhaftig. „Dieses ist die Botschaft“, sagt Johannes, „dass Gott uns das ewige Leben gegeben hat; und dieses Leben ist in dem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben“. Zwischen diesem Leben und dem Fleisch existiert nichts Gemeinsames. Wenn wir die Erlösung nicht verwirklichen, so macht uns die Tatsache, lebendig geworden zu sein, wie wir dieses in Römer 7 finden, höchst unglückselig, indem sie uns die innewohnende Sünde aufdeckt, ohne uns von der Herrschaft des Gesetzes und dem Gefühl unserer Verantwortlichkeit zu befreien. Wenn mir die Erlösung kennen und durch den Geist versiegelt worden sind, so gelüstet zwar dennoch „das Fleisch wider den Geist, und der Geist wider das Fleisch“; sie sind stets einander entgegengesetzt. Wenn wir aber durch den Geist geleitet werden, so sind wir nicht unter Gesetz. Nun haben sie es versucht, aus dem Auffinden von Lebenszeichen in Ihnen hoffnungslose Schlüsse zu ziehen, indem Sie nur, was stets eine wahre Bekehrung begleitet, eine allgemeine, durch die Erkenntnis des Todes Christi bestätigte Vorstellung von der Güte Gottes besaßen. Dieses Grübeln über sich selbst war indessen keineswegs der Glaube an die Erlösung. Es blieb ihnen, wiewohl mit einer besseren Hoffnung, stets noch eine Aussicht auf das Gericht; oder wenigstens erwarteten Sie immer noch eine Besserung ihres Ichs, obwohl Sie beim Hinschauen auf das Kreuz erkannten, dass dort etwas sei, dessen Sie als Sünder bedürften. Sie konnten nicht sagen, dass in dem Kreuz ihr Teil sei, dessen Sie benötigt waren, ja, dass Sie in Betreff ihres Zustandes vor Gott, die Frucht des Kreuzes seien; und wenn sie ihre Blicke dem Gericht zuwandten, dann fühlten Sie, dass ihr Zustand Ihnen dort keine guten Dienste leisten würde. Das Leben ist nicht die Erlösung. Beide gehören dem Gläubigen, aber es sind verschiedene Dinge. Sie suchten Beweise des Lebens in der Meinung, dass, wenn solche vorhanden seien, Sie im Gericht bestehen könnten, während sie Christus auf unbestimmte Weise nur als Zugabe anführten.

Ich glaube. Sie haben meinen Zustand ziemlich genau beschrieben.

Wenn jemand in Einfalt des Herzens recht nahe bei Gott bleibt, so ist das Gefühl der Güte Gottes vorherrschend, und der Duft der Gottseligkeit umgibt ihn; fehlt aber dieses Gefühl und dieser Duft, dann zeigt sich Unruhe und Unbehaglichkeit; das verklagende Gewissen tritt wieder seine Herrschaft an, und wir sind unglücklich und vielleicht äußerst beängstigt und in Furcht versetzt. Doch in diesem Fall fehlt die wirkliche Erkenntnis der Erlösung; man erkennt nicht, dass Christus unseren Platz im Gericht eingenommen und uns seinen Platz in Herrlichkeit gegeben hat, so dass wir nur die Kindschaft, die Erlösung unseres Leibes, zu erwarten haben. Die Schrift vereinigt diese beiden Wahrheiten in der Auferstehung Christi. Diese ist die Kraft des Lebens, sowie das Siegel der Annahme seines Werkes – sein Erscheinen, außerhalb der Folgen unserer Sünde, in einer anderen Stellung, und also wir in Ihm. Wir waren tot in Sünden, dem Gericht und dem Tod verfallen; Christus kommt vom Himmel und vollbringt durch seinen Tod das Werk der Erlösung von unseren Sünden, und wir sind mit Ihm gestorben. Dann sind Er und wir mit Ihm auferweckt, als eine Folge seines vollbrachten Werkes und der Annahme desselben von Seiten Gottes. Gott hat uns mit Ihm auferweckt, nachdem Er uns alle Vergehungen vergeben hatte. In der Auferstehung wird das Leben in seiner ganzen göttlichen Kraft dargestellt; es ist nicht nur die Mitteilung des ewigen Lebens, sondern auch die Erlösung aus dem Zustand, in welchem wir uns befanden, wie unser Eintritt in einen anderen Zustand, und zwar, wenn selbstredend auch nicht äußerlich, so doch in Wirklichkeit durch den Besitz dieses Lebens. Unter Erlösung versteht man die Errettung mittels eines Preises aus einem Zustand, in welchem ich war, und die Einführung in einen anderen, in einen befreiten Zustand. Daher reden wir von der Erlösung des Leibes, deren wir noch nicht teilhaftig geworden sind. Das Leben an und für sich gibt die Erlösung nicht; vielmehr empfinden wir durch dasselbe die Bürde des alten Zustandes, in welchem wir waren; aber wenn wir erkennen, dass wir erlöst sind, so wissen wir, dass wir mit dem Preis des Todes Christi aus dem alten Adamszustande herausgebracht und in Christus versetzt worden sind. Deshalb haben wir „Freimütigkeit am Tag des Gerichts, weil, wie Er ist, auch wir sind in dieser Welt“.

Ich vermag nicht ganz dem Gedankengang der Schrift zu folgen, welchen Sie mir darstellen. Ich muss diese Dinge noch lernen. Jedoch sehe ich den Unterschied zwischen Erlösung und Leben, wiewohl wir beides jetzt in Christus besitzen. Er ist gestorben und auferstanden. Ich denke, dass ich schon vorher das Leben besaß; aber ich habe jetzt auch einigermaßen die Erlösung begriffen.

Ja, Sie waren jedenfalls erlöst. Und sicher hatte Gott, wie Sie sagten, in Gnade in Ihnen gewirkt; aber – wie bereits erwähnt – Sie beschauten dieses mit einem auf den Gott des Gerichts gehefteten Blicke, wobei Sie sich zwar etlicher Lichtblicke der göttlichen Liebe erfreuten, ohne jedoch an eine vollbrachte Erlösung zu glauben. Sehen Sie, wie die Beweisführung des Apostels hierzu passt in Römer 5,19: „Durch den Gehorsam des einen sind die vielen in die Stellung von Gerechten versetzt.“ „Dann“ – sagt das Fleisch – „darf ich in der Sünde leben?“ Wie lautet die Antwort? Etwa: „Du sollst nicht!“ – Keineswegs. Denn das hieße jemanden wieder unter die Botmäßigkeit des Gesetzes stellen und wieder zerstören, was in Betreff des Gehorsams Christi gelehrt worden ist. Die Antwort lautet: „Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollen wir noch in derselben leben?“ Wir sind in den Tod Christi getauft und sind Christen dadurch, dass wir an seinem Tod Teil haben. Wie können wir denn, wenn wir mit Ihm der Sünde gestorben sind, in der Sünde leben? Wir sind jetzt freigemacht, um uns „als Lebende aus den Toten Gott darzustellen“.

Auf diese Weise entsteht, während die alten Grundlagen bleiben, etwas Neues aus der ganzen Sache. Es ist dieses keineswegs die gewöhnliche Darstellungsweise des Christentums. Ich muss noch etwas näher in diese Wahrheit einzudringen suchen; aber ich stehe schon, was den Grund meines Friedens betrifft, auf einem ganz anderen Boden; oder vielmehr, ich habe jetzt Frieden, während ich vorher keinen hatte. Ich finde ihre Worte in der Schrift begründet und muss sie näher erforschen.

Leider gleicht die große Mehrheit aufrichtiger Christen denen, die draußen stehen in der Hoffnung, es werde alles gut gehen, wenn sie einmal hineinkommen, während sie drinnen sein, und, als ein Brief Christi, der Welt zeigen sollten, wie es im Innern ist.

Sie möchten uns wohl alle von Grund aus zu Christen machen, die, wie Sie sagen, der Welt und allem gestorben sind.

Ganz gewiss. „Ein wankelmütiger Mann ist unstet in allen seinen Wegen.“ Nur das einfältige Auge macht den ganzen Leib licht. Wir sind nicht unser. Der neue Mensch kann nicht hienieden seine Gegenstände haben. Er hat hienieden seinen Dienst, wie auch Christus, der nie seine eigenen Zwecke verfolgte. Wir sind der Welt, und die Welt ist uns gekreuzigt; und ebenso haben wir auch das Fleisch gekreuzigt samt seinen Leidenschaften und Lüsten. Nur erinnern Sie sich stets, dass das Fleisch wider den Geist gelüstet, und dass stete Wachsamkeit erforderlich ist. Der Apostel ruft mit Rücksicht auf den Weg durch die Wüste: „Bewirkt eure Seligkeit mit Furcht und Zittern“, – nicht weil unser Platz ein unsicherer ist, sondern weil Gott es ist, „der da in euch wirkt das Wollen und das Wirken“; und es ist eine ernste Sache, die Sache Gottes aufrecht, zu erhalten, da das Fleisch in uns ist und Satan über die Welt herrscht, um uns zu hindern und zu betrügen. Lassen Sie sich aber nicht entmutigen; denn Gott wirkt in ihnen, und größer ist, der in uns, als der in der Welt ist. Sie könnten sich nicht in den Schwierigkeiten der Wüste befinden, wenn Sie nicht aus Ägypten erlöst worden wären. „Meine Gnade ist dir genug“, spricht Christus; „meine Kraft wird in der Schwachheit vollbracht.“ „Wenn Gott für uns ist, wer wider uns?“ Das Geheimnis liegt in der Demut des Herzens und dem Bewusstsein der Abhängigkeit, während wir mit Vertrauen auf Christus blicken, der uns errettet und berufen hat mit einem heiligen Ruf. Sie können nicht zu viel Vertrauen auf Gott setzen, während Sie gegen sich selbst nicht misstrauisch genug sein können. Durch die Erlösung sind Sie Gott nahegebracht und befinden sich in der Stellung seines Volkes und – wie wir jetzt sagen dürfen – seiner Kinder und seiner Versammlung; und in diese Stellung sind Sie gesetzt, um Gott zu verherrlichen. Die wahre Erkenntnis der Erlösung bringt uns in vollkommenen Frieden, in die wirkliche und dauernde Abhängigkeit von dem Erlöser. Fehlt Ihnen jedoch diese Erkenntnis, so fehlen ihnen auch die gesegneten Früchte derselben; auch können Sie nicht mit Gott wandeln, wenn Sie nicht mit Ihm versöhnt sind.

Es ist wahr. Denken Sie nur nicht, dass ich noch Schwierigkeit zu machen begehre; aber um über diese Dinge eine völlige Klarheit zu gewinnen, möchte ich noch gern eine Frage stellen. Man hat uns nämlich gelehrt, auf die Verheißungen Gottes zu bauen und auf sie in Betreff unserer Errettung unser Vertrauen zu setzen. Es ist dieses die Sprache, die wir beständig hören; und wenn ihre Meinung die richtige ist, so weiß ich nicht, wie ich dieselbe mit diesem Bauen auf die Verheißungen in Einklang bringen soll. Sollen wir denn nicht auf die Verheißungen vertrauen?

Die Antwort ist sehr einfach; und ich bin sehr froh, dass sie diese Frage gestellt haben. Gerade diese Dinge sind es, die wir zu untersuchen haben. Auf Gottes Verheißungen zu vertrauen, ist sicher ganz richtig; und wir haben köstliche Verheißungen. Doch sagen Sie mir, ist es noch eine Verheißung, dass Christus kommen, und dass Er sterben und wieder auferstehen soll?

Nein; Er ist gekommen, gestorben und auferstanden, und sitzt jetzt zur Rechten Gottes.

Dieses also kann keine Verheißung sein, denn es ist eine vollendete Tatsache. Für den Abraham war es eine Verheißung, und er tat recht, an dieselbe als an eine solche zu glauben. Für uns ist es eine vollendete Tatsache, und wir müssen an sie als an eine solche glauben. So spricht auch die Schrift: „Er glaubte, dass Gott, was Er verheißen hat, auch zu tun vermöge.“ Wir aber glauben, dass Er erfüllt hat, was zu unserer Errettung nötig war. Es wäre Unglaube, dieses noch als eine Verheißung zu betrachten; und so steht es geschrieben: „Um unsertwillen, welchen es zugerechnet werden soll, die wir an den glauben, der Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt hat.“ Sie werden diese beiden, gerade auf diesen Punkt sich beziehenden Stellen am Ende des vierten Kapitels des Briefes an die Römer beieinander finden. Was die Hilfe auf dem Weg betrifft, da gibt es viele köstliche Verheißungen. „Ich werde dich nicht versäumen, noch dich verlassen.“ „Gott wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet.“ „Niemand wird sie aus meiner Hand rauben.“ „Welcher euch auch befestigen wird bis ans Ende, dass ihr an dem Tag unseres Herrn Jesus Christus tadellos seid.“ – Ich könnte noch viele andere Stellen anführen, welche uns in unseren Schwierigkeiten auf dem Weg den größten Trost gewähren und von unendlichem Wert für uns sind. Doch das Werk, an welches ich zu glauben habe, als dasjenige, was mich vor Gott rechtfertigt und mit Ihm versöhnt, als dasjenige, was allem und vollkommen meine Sünden hinweg tut und mich zu Gottes Eigentum macht, ist nicht eine Verheißung und kann nicht als solche betrachtet werden. Es ist eine vollendete Tatsache, ein von Gott schon angenommenes Werk.

Ich sehe es ganz klar ein; ja, es kann nichts Einfacheres und Klareres geben, sobald es in dieser Weise dargestellt wird. Was uns vor Gott rechtfertigt, ist durchaus keine Verheißung, sondern eine Vollendete Tatsache. Ich hatte die Stelle in Römer 4 gar nicht bemerkt. Sie ist sehr klar. Wie oberflächlich liest man doch die Schrift! Doch die Wahrheit ihrer Behauptungen liegt klar am Tag.

Erlauben Sie mir, da wir diesen Punkt berührt haben, Ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes, nämlich auf die Form zu lenken, in welcher uns das Werk und das Zeugnis der Gnade dargestellt wird. Sie werden bemerken, dass es in der Stelle (Röm 4) nicht heißt (wie wahr dieses auch ist): „Die wir an Christus glauben“, sondern: „Die wir glauben an den, der Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt hat.“ So sagt auch Petrus: „Die durch Ihn an Gott glauben, der Ihn auferweckt hat von den Toten, und Ihm die Herrlichkeit gegeben.“ Und ebenso sagt der Herr selbst in Bezug auf sein Kommen in die Welt: „Wer mich hört und glaubt an den, der mich gesandt hat.“ – Wir kennen Gott nur, insofern wir Ihn durch Christus erkennen. Wenn ich Ihn also erkenne, so erkenne ich Ihn als unseren Gott Heiland, als den, der um meinetwillen seines eigenen Sohnes nicht verschont hat, – als den, der, als Christus um unserer Sünde willen gestorben war. Ihn von den Toten auferweckte. Kurz, ich glaube nicht nur an Christus, sondern auch an den, der uns Christus gegeben und der sein Werk anerkannt und dem Menschen in Ihm die Herrlichkeit geschenkt hat – an den, der gekommen ist, zu erretten und der nicht wartet, um mich zu richten. Ich glaube an Ihn durch Christus. Nachdem die Kinder Israel das rote Meer überschritten, glaubten sie an einen Gott, der sie errettet und zu sich gebracht hatte, und ich glaube dasselbe. Ich kenne keinen anderen Gott, als diesen. Wenn ich an Ihn durch Christus glaube, so warte ich wohl auf eine Verheißung, nämlich auf die Erlösung des Leibes, auf die vollen Resultate seines Werkes. So gibt uns also das Christentum für die Gegenwart im Frieden Gesinnungen der Liebe in einem erkannten Verhältnis und Zugleich die anregende Kraft der Hoffnung, – zwei Dinge, welche einem Menschen in Betreff seiner Stellung Kraft und Segen verleihen. Die Liebe aber ist die Quelle, aus der alles fließt – Liebe gegen Gott, weil Er uns zuerst geliebt, und – indem wir unsere Freude in Ihm finden – Liebe gegen andere, weil wir Teilnehmer seiner Natur sind, und weil Christus in unseren Herzen wohnt, so dass seine Liebe uns dringt.

Sie machen aus dem Christen eine wunderbare Person in der Welt; aber wir sind doch sehr schwach für eine solche Stellung.

Ich könnte den Christen mit meinen Worten nicht so hoch stellen, als Gott ihn in seinem Wort gestellt hat. Was die Schwachheit betrifft, so ist es umso besser, je mehr wir sie fühlen; die Kraft Christi wird in der Schwachheit vollbracht.

Fußnoten

  • 1 Es hat mir einige Überwindung gekostet, diese Wahrheiten in die Form eines Zwiegesprächs zu kleiden, weil ich das Erdichtete in göttlichen Dingen nicht liebe. In Wirklichkeit jedoch habe ich in Obigem nur verschiedene Unterhaltungen zusammengefasst und denselben diese Form gegeben, um die gewöhnlichen Schwierigkeiten einer Seele umso klarer ins Licht stellen zu können.
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