Betrachtung über das zweite Buch der Könige (Synopsis)

Kapitel 11-17

Betrachtung über das zweite Buch der Könige (Synopsis)

In Kapitel 11 fällt das Gericht Gottes auf die Familie 1, die Israel und sogar auch Juda verderbt hatte. Die Tochter des Hauses Ahabs, Athalja, die den Thron Judas widerrechtlich an sich reißt, wird durch die Treue des Hohenpriesters, dessen Weib einen der Nachkommen Davids bewahrt hatte, abgeschnitten.

Nichtsdestoweniger ist kein wahrer Eifer für Jehova da. Die Priester bewahren das Geld für sich, mit dem sie das Baufällige des Hauses Jehovas auszubessern willens waren, bis der König sich einschaltet, um die Dinge zu ordnen.

Da das Haus Jehus in den Fußstapfen Jerobeams, des Sohnes Nebats, wandelte, war es kein Schutz für Israel wider Hasael. Doch das Mitleid Jehovas erweckte einen Befreier. In Seinem mitleidigen Herzen war noch Raum für Langmut gegenüber Seinem Volk. Auf dem Sterbebett stellte Elisa den König auf den Weg der Befreiung, sein Herz war aber unfähig, diese in ihrem vollen Ausmaß zu erfassen. Doch wurden die Syrer während der Regierungszeit des Joas in ihr eigenes Land zurückgetrieben, und Joas, obwohl er auf den bösen Wegen des Sohnes Nebats wandelte, konnte alle ursprünglichen Besitztümer von Juda zurückbringen; denn Gott erbarmte sich Israels, und Er hatte gesehen, daß ihre Bedrückung sehr bitter war.

Wehe! Wenn nicht der Glaube des Volkes Gottes die Quelle ihrer Kraft bildet, so macht ein vernichteter Feind nur einem anderen Raum. Bald erscheint der Assyrer auf dem Schauplatz. Als Elisa tot war, verlor Israel die letzte Verbindung mit Gott und fiel bald der Anarchie und dem Verfall anheim. Der Assyrer fällt in das Land ein. In einem Bündnis mit dem König von Syrien macht Israel die letzten Anstrengungen wider Juda. Ein trauriges Bild des Volkes Gottes! Das Bündnis zwischen Syrien und Israel bringt die Untreue des Königs von Juda an den Tag und verwickelt ihn in die Fallstricke der Assyrer.

Schon tot, gibt Elisa einer Leiche, die wegen eines Einfalls der Moabiter eilig begraben wurde, das Leben wieder. Bis zum Schluß ist seine Geschichte mit dem Merkmal der Kraft des Lebens geprägt 2. Diese Auferweckung, die durch die Berührung mit den Gebeinen Elisas bewirkt wird, scheint nur die trostreiche Unterweisung zu geben, daß, während er scheinbar für Israel verloren ist, der wahre Prophet noch immer das Gefäß und der Hüter aller ihrer Hoffnungen ist, und daß Er Israel, wenn es tot und vergessen sein wird, wie es hier der Fall war, nach alledem auf eine ebenso unerwartete wie machtvolle Weise zum Leben wiederherstellen wird.

Jetzt kommen wir zu der Verbindung Judas mit dem Assyrer, die die Frucht der inneren Sittenverderbnis der früheren war.

Ahas ergab sich dem schlimmsten Götzendienst. Er ist der weltlichen Weisheit voll und sucht in der neuen Macht Assyriens eine Stütze gegen naheliegende Feinde, und es gelingt ihm zu seinem Verderben. Hier sehen wir wieder die Nichtigkeit des Hohenpriesters vor dem König. Anscheinend hatte das Volk sein Vertrauen zum Hause Davids verloren, wie letzteres sein Vertrauen auf die Treue und Güte des Herrn verloren hatte.

Obwohl Hosea weniger böse war als seine Vorgänger, schließt er die Liste der Könige ab, die die Geduld Gottes in Israel getragen hatte. Gott gedachte Seines Volkes, jetzt aber gab es für sie keine Hoffnung mehr. Sie taugten nicht einmal mehr dazu, ein Gefäß der Auswahl Gottes zu sein, der Er Sich kundgetan hatte. Als er dem König von Assyrien unterworfen war, hatte Hosea von Ägypten Hilfe zu erlangen gesucht. Nachdem der König von Assyrien ihn ins Gefängnis gesperrt hatte, konnten sich Samaria und ganz Israel nicht lange widersetzen. Das Volk Gottes wird in die Gefangenschaft weggeführt und unter die Städte Assyriens und Mediens zerstreut; und das Land, das Jehova gehörte und das Israel zum Besitztum gegeben worden war, wird von Fremden bevölkert, die der König von Assyrien hierher gesandt hatte.

In den Weissagungen Hoseas können die zwei großen Grundsätze des Handelns Gottes gesehen werden, einer wird uns in Elisa vor Augen gestellt (der Zusammenhang zwischen der Auferstehung des Mannes, der eben begraben werden sollte, und dem Vers, den ich anführen werde, ist bemerkenswert), nämlich die Erlösung von der Macht des Todes (Hos 13, 14) und die Regierungswege Gottes (Hos 14, 9). Wie bemüht sich der Prophet doch, seine Stimme der Torheit Israels anzupassen und durch sie das Gewissen dieses irrenden Volkes zu erreichen! Er kommt nach dem Tode Elisas. Die Anwesenheit Elisas unter ihnen und das darauffolgende Zeugnis Hoseas bringen die wunderbare Geduld und Güte Gottes ihnen gegenüber ans Licht. Hosea gibt uns mehr als die innere Geschichte; er entfaltet die Ursachen der Gerichte, obwohl Gott Sich manchmal zur Wiederherstellung eingeschaltet haben mag, und wie es scheint, sie heimzusuchen, wenn der König weniger böse war als gewöhnlich.

In der Sprache der Propheten finden wir das, was das Volk in den Augen Gottes wirklich war. Die Verheißung ihrer Wiederherstellung wird darin gefunden, und dem Grundsatze nach sogar die Verheißung unserer gegenwärtigen Segnung. Die Geschichte dessen, was geschah, nachdem fremde Völker eingeführt wurden, zeigt die in Israel stattgefundene große Verwirrung. Es ist einer der früheren Priester des Systems Jerobeams, der kommt, um diese Völker die Furcht Jehovas zu lehren. Gleichzeitig damit beten sie ihre eigenen Götter an. Ein dem Herrn verhaßter Mischmasch ist die Folge. In der gleichen Weise, wie Jehova trotz ihrer Treulosigkeit Seine unumschränkten Rechte über das Volk behielt, so finden wir, daß Er auch Sein Recht auf das Land geltend macht, nachdem das Volk vertrieben war. Er hält diese Rechte auf ewig aufrecht.

Fußnoten

  • 1 Während der Zeit, wo Ahab, durch Isebel aufgewiegelt, als auch seine Familie und Söhne die Werkzeuge für Israels Abtrünnigkeit und Verderbtheit bilden, sendet Gott das Zeugnis Elias und Elisas. Nach Salomo ist das der hauptsächliche Gegenstand der zwei Bücher der Könige. Der Fall des Hauses Davids, der durch sein Bündnis mit Israel oder das Beispiel ihrer Könige heraufbeschworen wurde, wird am Ende des Buches erzählt, wo wir auch die Verbindungen der Assyrer mit dem Volke Gottes finden.
  • 2 Um diesen ganzen Teil der Geschichte, die wir betrachten, zu verstehen, müssen die Propheten Hosea und Amos gelesen werden, und auch Jesaja 7; 8 (vgl. Hos 5, 13; 8, 4; 11, 5; Amos 5, 27; und auch Amos 5, 25. 26; Hosea 13, 10. 11); um aber das Handeln Gottes gut zu verstehen, sollten diese ganzen Weissagungen gelesen werden. Ich habe nur Schriftstellen angeführt, die die Verbindung mit der Geschichte kennzeichnen; aber der innere Zustand des Volkes wird viel mehr in den Propheten als in den Büchern gesehen, die uns betreffs seiner öffentlichen Geschichte unterweisen.
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