Der Prophet Daniel und die Zeiten der Nationen

Daniel 11

Einleitende Gedanken

Wie wir bereits gesehen haben, bilden die Kapitel 10–12 eine zusammenhängende Offenbarung oder Prophezeiung. Wir werden noch sehen, dass das gesamte Kapitel 10 zusammen mit dem ersten Vers von Kapitel 11 eine Einleitung darstellt, die die Umstände beschreibt, unter denen die Offenbarung gegeben wurde, sowie die Übungen des Propheten, die Gott benutzte, um ihn moralisch in einen Zustand zu bringen, in dem er diese göttliche Entfaltung der Zukunft empfangen konnte. Es sollte wiederholt werden, dass wir bis zum Ende von Vers 35 einen Bericht der Ereignisse finden, die in Verbindung mit dem Königreich stattfinden sollten, in das Griechenland nach dem Tod Alexanders des Großen aufgeteilt wurde. Diese wurden ausgesucht, weil sie uns zwei Monarchen vorstellen, den König des Nordens und den König des Südens (die entsprechend ihrer geografischen Lage ihrer jeweiligen Reiche in Bezug auf das „gelobte Land“ benannt sind), die selbst die Widersacher der Juden in den letzten Tagen vorschatten. Ihre hier beschriebenen Handlungen sind heute längst vergangen; aber ihre prophetische Bedeutung bleibt bestehen, sonst wären sie für den Leser uninteressant, außer insofern, dass sie die göttliche Präzision sowie Gottes Fürsorge für sein Volk enthüllen, selbst wenn es als Volk Ihm und seinem Wort untreu ist.

Gott wirkt im Stillen seine Ziele

„Und auch ich stand im ersten Jahr Darius’, des Meders, ihm bei als Helfer und Schutz“ (11,1).

Im ersten Vers wird eine bemerkenswerte Bemerkung gemacht. Es muss jeden berühren, wenn er in Daniel 6 liest, mit welcher Ernsthaftigkeit Darius sich für den Fall Daniels einsetzt und nach einer Befreiung aus den Schlingen seiner Feinde sucht. Das Geheimnis dessen wird hier enthüllt und verdeutlicht die Tatsache, dass Gott die Herzen aller Menschen in seinen Händen hält und lenkt, wohin Er will, um seine Absichten zu verfolgen. „Und auch ich“, sagte der Engel zu Daniel, „stand im ersten Jahr Darius, des Meders, ihm bei als Helfer und Schutz.“ Darius wusste dies nicht, doch es wird nun die Tatsache verkündet, dass es einen göttlichen Einfluss gab, der im Verborgenen wirkte, ihn einer bestimmten Richtung befestigte und ihn gegen die stärkte, die sich im Königshof gegen den Zeugen Gottes zusammengerottet hatten. Daraus können wir lernen, dass wir von allen sekundären Ursachen wegschauen und in dem Wissen ruhen sollten, dass Gott im Stillen wirkt, um seine festgesetzten Ziele durch all die offenbare Verwirrung menschlicher Pläne zur Ausführung zu bringen, und zwar im Angesicht aller sichtbaren Mächte des Feindes.

Historische Ereignisse mit schattenbildlichem Charakter

„Und nun will ich dir die Wahrheit kundtun: Siehe, es werden noch drei Könige in Persien aufstehen, und der vierte wird größeren Reichtum erlangen als alle; und wenn er durch seinen Reichtum stark geworden ist, wird er alles gegen das Königreich Griechenland aufreizen.

Und ein tapferer König wird aufstehen, und er wird mit großer Macht herrschen und nach seinem Gutdünken handeln. Und sobald er aufgestanden ist, wird sein Reich zertrümmert und nach den vier Winden des Himmels hin zerteilt werden. Aber nicht für seine Nachkommen wird es sein und nicht entsprechend der Macht, mit der er geherrscht hat; denn sein Reich wird zerstört und anderen zuteil werden, unter Ausschluss von jenen“ (11,2–4).

Die nächsten drei Verse geben eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse, die die Grundlage der darauffolgenden Entwicklungen bilden, die der Heilige Geist im Begriff stand zu skizzieren. Zunächst sollten vier Könige von Persien aufstehen, und „und der vierte wird größeren Reichtum erlangen als alle.“ Drei davon (die ersten drei) werden in Esra 4 erwähnt: Ahasveros, Artaxerxes und Darius.1 Der vierte ist der berühmte Xerxes, der „durch seinen Reichtum stark geworden ist“ und „alles gegen das Königreich Griechenland aufregen“ wird.

Die überwältigende Niederlage seines bunt zusammengewürfelten Heeres, die darauffolgende Invasion und Eroberung seines Königreiches durch Alexander – Tatsachen, die jedem Leser der Geschichte gut bekannt sind und auf die in Daniel 8,7 angespielt wird – werden hier überliefert. Zudem wird Alexander als ein „tapferer König“ vorgestellt – der „mit großer Macht herrschen und nach seinem Gutdünken handeln wird“.

Als nächstes wird uns berichtet: „Und sobald er aufgestanden ist, wird sein Reich zertrümmert und nach den vier Winden des Himmels hin zerteilt werden. Aber nicht für seine Nachkommen wird es sein und nicht nach der Macht, mit der er geherrscht hat; denn sein Reich wird zerstört und anderen zuteilwerden, mit Ausschluss von jenen.“ Dem ernsthaften Gläubigen an das inspirierte Wort Gottes wird man nicht erläutern müssen, dass dies eine passende Beschreibung dessen ist, was bis ins kleinste Detail beim Tod Alexanders geschah – tatsächlich so genau, dass der Ungläubige es nur erklären kann, indem er behauptet, dass es erst nach dem Geschehen geschrieben wurde! Der Einfallsreichtum der Untreuen, die versuchen, den Beweisen zu entfliehen, dass Gott in seinem Wort zu den Menschen redet, und dass Er die Zukunft ganz und gar im Blick hat, ist einfach erstaunlich. Die Vermutungen des Unglaubens werden direkt als Tatsachen geglaubt und angenommen; aber die Wahrheiten des göttlichen Berichts werden mit Verachtung verworfen. Und wer ist der Verlierer? Sicherlich der Mann, der im Hochmut seiner eingebildeten Selbstgefälligkeit seine Augen vor dem Licht verschließt. Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.

Jedenfalls ist allseits bekannt (die Tatsachen sind bereits beschrieben worden), dass das Reich dieses „tapferen Königs“ nach vielen Schlachten und Kämpfen bei seinem Tod „nach den vier Winden des Himmels hin zerteilt“ wurde, und zwar nicht an seine Nachkommenschaft, sondern an vier seiner Generäle. Zwei dieser Königreiche verschwanden recht schnell, und zwei bestanden bis ca. 50 v. Chr.2 Dies sind die beiden, die in diesem Bericht als „König des Südens“ und „König des Nordens“ bezeichnet werden.3 Während man die Berichterstattung verfolgt, muss im Gedächtnis behalten werden, dass der König des Nordens und der König des Südens sich nicht immer auf dieselben Personen bezieht. Es handelt sich um Titel (wie beispielsweise auch Pharao), die sich auf alle Herrscher einer Linie beziehen. Wenn demnach einer der Könige des Nordens starb, so trägt sein Nachfolger dieselbe Bezeichnung. Dies wird sicherlich leicht zu verstehen sein.

„Und der König des Südens, und zwar einer von seinen Obersten, wird stark werden. Und einer wird stark werden über ihn hinaus und wird herrschen; seine Herrschaft wird eine große Herrschaft sein. Und nach Verlauf von Jahren werden sie sich verbünden; und die Tochter des Königs des Südens wird zum König des Nordens kommen, um einen Ausgleich zu bewirken. Aber sie wird die Kraft des Armes nicht behalten, und er wird nicht bestehen noch sein Arm; und sie wird hingegeben werden, sie und die sie eingeführt haben und der sie gezeugt und der sie in jenen Zeiten unterstützt hat“ (11,5–6).

Der erste dieser Herrscher, auf den unsere Aufmerksamkeit gelenkt wird, ist der König des Südens – er stellt Ägypten dar, wie wir aus Vers 8 entnehmen können. Er ist charakterisiert durch Stärke; doch jemand wird „stark werden über ihn hinaus“4 und seine Herrschaft wird eine „große Herrschaft“ sein.

Die Herrscher sind nun an ihren Orten, im Süden und Norden Palästinas, und als nächstes finden wir eine Beschreibung ihrer Beziehungen und Kämpfe. Es wird jedoch nicht notwendig sein, diese in allen Details zu beleuchten: Es genügt, die Umrisse der hier beschriebenen Geschehnisse zu skizzieren.5

In Vers 6 lesen wir: „Und nach Verlauf von Jahren werden sie sich verbünden; und die Tochter des Königs des Südens wird zu dem König des Nordens kommen, um einen Ausgleich zu bewirken.“ Dies hat sich exakt erfüllt: In einem Streit zwischen den direkten Nachfolgern des ersten griechischen Königs von Syrien und Ägypten versuchte der König Ägyptens, seine Tochter (Berenice) an den König des Nordens zu verheiraten, um die Freundschaft wiederherzustellen. Doch, wie geschrieben steht, „sie wird die Kraft des Armes nicht behalten, und er wird nicht bestehen noch sein Arm; und sie wird dahingegeben werden, sie und die sie eingeführt haben, und der sie gezeugt, und der sie in jenen Zeiten unterstützt hat“. So geschah es auch, denn diese Königin (Berenice) wurde zusammen mit ihrem Mann (dem König des Nordens), ihrem Sohn und ihren Dienern ermordet. Auf diese Weise wurden die Mittel, die zur Freundschaft gereichen sollten, zur Grundlage späterer Uneinigkeit und Kämpfe.6

„Doch einer von den Schösslingen ihrer Wurzeln wird an seiner statt aufstehen; und er wird gegen die Heeresmacht kommen und wird in die Festungen des Königs des Nordens eindringen und mit ihnen nach Gutdünken verfahren und wird siegen. Und auch wird er ihre Götter samt ihren gegossenen Bildern, samt ihren kostbaren Geräten, Silber und Gold, nach Ägypten in die Gefangenschaft führen; und er wird jahrelang standhalten vor dem König des Nordens. Und dieser wird in das Reich des Königs des Südens kommen, aber in sein Land zurückkehren“ (11,7–9).

Die nächsten drei Verse geben eine Beschreibung der Rache an der Ermordung Berenices durch einen „von den Schösslingen ihrer Wurzeln“, einem weiteren König des Südens, der Syrien einnahm und somit „in das Reich des Königs des Südens“ eindrang und sich durchsetzte. Sein Sieg war tatsächlich umfassend, und er breitete seine Eroberungen nach Antiochien aus, und ostwärts nach Babylon, um dann wieder nach Ägypten mit Triumph und große Beute an Göttern und Schätzen zurückzukehren, wie es in Vers 8 beschrieben wird. „Und dieser wird in das Reich des Königs des Südens kommen, aber in sein Land zurückkehren.“7

„Aber seine Söhne werden sich zum Krieg rüsten und eine Menge großer Heere zusammenbringen; und einer wird kommen und überschwemmen und überfluten; und er wird wiederkommen, und sie werden Krieg führen bis zu seiner Festung. Und der König des Südens wird sich erbittern und wird ausziehen und mit ihm, dem König des Nordens, kämpfen; und dieser wird eine große Menge aufstellen, aber die Menge wird in seine Hand gegeben werden. Und wenn die Menge weggenommen wird, wird sein Herz sich erheben; und er wird Zehntausende niederwerfen, aber nicht zu Macht kommen. Und der König des Nordens wird wiederkommen und eine Menge aufstellen, größer als die frühere; und nach einigen Jahren wird er mit einem großen Heer und mit großer Ausrüstung kommen“ (11,10–13).

Aus dem Zusammenhang wird klar, dass die Bezeichnung „seine Söhne“ sich auf die Nachfolger des Königs des Nordens bezieht, die von Ptolemäus dem Dritten besiegt worden waren. Tatsächlich griffen die beiden nachfolgenden Könige Ägypten mit riesigen Streitkräften an, waren aber nicht erfolgreich. Der letzte der beiden erlitt eine furchtbare Niederlage, wie Vers 11 voraussagt: „Und dieser wird eine große Menge [die Armee des Königs des Nordens] aufstellen, aber die Menge wird in seine Hand gegeben werden [in die Hand des Königs des Südens – Ägypten]“.

Doch wie wir in Vers 12 lesen, profitierte der König Ägyptens nicht von seinem Sieg8, denn sein Herz war hoch, und obwohl er Zehntausende bezwang, wurde er dadurch nicht gestärkt. Der Grund dafür wird uns in Vers 13 gegeben, in dem uns mitgeteilt wird, dass „der König des Nordens wiederkommen und eine Menge aufstellen [wird], größer als die frühere; und nach Verlauf der Zeiten von Jahren wird mit einem großen Heer und mit großer Ausrüstung kommen“.

„Und in jenen Zeiten werden viele aufstehen gegen den König des Südens; und Gewalttätige deines Volkes werden sich erheben, um das Gesicht zu erfüllen, und werden zu Fall kommen“ (11,14).

Viele andere sollten „gegen den König des Südens aufstehen“; und darüber hinaus wird noch eine andere Gruppe erwähnt: „Gewalttätige deines Volkes“ (nämlich Daniels Volk), von denen gesagt wird, dass sie „sich erheben“ werden, „um das Gesicht zu erfüllen“, also das göttliche Wort zu bestätigen, „und werden zu Fall kommen“.

Es ist fast nicht nötig zu erwähnen, dass all dies sich genau so zugetragen hat, denn Antiochus der Große und Philipp der Dritte von Mazedonien machten mit noch weiteren ein Bündnis gegen Ägypten, und viele der jüdischen Aufständischen und bekennenden Patrioten, „Gewalttätige deines Volkes“, brachen gleichzeitig das Bündnis mit Ägypten. Das Ergebnis dieses Zusammenschlusses gegen den König des Südens wird im nächsten Vers beschrieben.

„Und der König des Nordens wird kommen und einen Wall aufwerfen und eine befestigte Stadt einnehmen; und die Streitkräfte des Südens werden nicht standhalten, sogar sein auserlesenes Volk wird keine Kraft haben, um standzuhalten. Und der, der gegen ihn gekommen ist, wird nach seinem Gutdünken handeln, und niemand wird vor ihm bestehen; und er wird im Land der Zierde stehen, und Vertilgung wird in seiner Hand sein“ (11,15–16).

Antiochus und seine Verbündeten eroberten „eine befestigte Stadt“, nahmen ganz Judäa in Besitz und besiegten entscheidend die ägyptische Armee. Er handelte nach seinem Gutdünken und niemand konnte vor ihm bestehen. Weiter heißt es: „Und er wird seinen Stand nehmen im Land der Zierde, und Vertilgung wird in seiner Hand sein.“ Das Land der Zierde ist Palästina, und es wird hier auf eine bestimmte Handlung des Königs des Nordens angespielt in Bezug auf das Heilige Land. Manche bringen an, dass das Wort „Vertilgung“ eigentlich „Vervollkommnung“ heißen müsste; und es scheint erwiesen, dass der König des Nordens bei dieser Gelegenheit als Freund der Juden fungierte und bei der Fertigstellung oder Verschönerung des Tempels half.

Dies ist zwar von untergeordneter Bedeutung, doch die Umstände dienen dazu, die Aufmerksamkeit auf die Berichterstattung über die Kämpfe zwischen diesen beiden verfeindeten Herrschern zu lenken. Sie werden in solchem Detail wiedergegeben, weil sie sich auf die Juden und das gelobte Land beziehen. Dies wird verständlich werden, wenn die geografische Lage Palästinas in Relation zu Syrien und Ägypten einbezogen wird. Es lag zwischen den beiden und bildete somit die Hauptverbindungsstrecke zwischen beiden Ländern. Die Armeen der beiden verfeindeten Länder marschierten daher in ihren gegenseitigen Angriffen immer durch das Land. Darüber hinaus wurde Judäa von dem Herrscher eingenommen, der gerade siegreich war. Palästina war demnach größtenteils das Schlachtfeld, indem es die Außenposten des Herrschaftsgebiets beider Königreiche bildete. Gott konnte sich gegenüber dieser Verletzung des Wohlergehens Seines armen, nach Babylon zurückgekehrten Volkes nicht gleichgültig zeigen; daher sorgte der Geist Gottes dafür, dass der Ablauf all dieser Schlachten aufgezeichnet wurde. Es zeigt uns die Intensität der Liebe Gottes zu seinem Volk, in welchem Zustand es auch sein mag; und es lehrt und darüber hinaus, dass Er die Handlungen der Nationen daraufhin besieht, ob diese die Interessen seines Volkes berühren.

„Und er wird sein Angesicht darauf richten, mit der Macht seines ganzen Reiches zu kommen, indem er einen Ausgleich im Sinn hat, und er wird ihn bewirken; und er wird ihm eine Tochter der Frauen geben, zu ihrem Verderben; und sie wird nicht bestehen und wird nichts für ihn sein. Und er wird sein Angesicht zu den Inseln hinwenden und viele einnehmen; aber ein Feldherr wird seinem Hohn ein Ende machen, dazu noch seinen Hohn ihm zurückgeben. Und er wird sein Angesicht zu den Festungen seines Landes hinwenden und wird straucheln und fallen und nicht mehr gefunden werden“ (11,17–19).

Der nächste Abschnitt beinhaltet die darauffolgenden Handlungen dieses Königs des Nordens sowie die Beschreibung seines Todes. Zunächst erdachte er einen weiteren Angriff auf Ägypten. Doch dann ändert er seine Meinung und bildet eine Allianz mit dem König des Südens, indem er ihm seine Tochter zur Frau gibt, um seinen eigenen Einfluss im ägyptischen Hof zu sichern. Mit seiner Absicht, „ihn zu verderben“ ist gemeint, dass er wollte, dass sie mehr nach seinen Interessen handelte als nach denen ihres Mannes. Doch sie, die in dieser Hinsicht eine wahrhaftige Frau war, hielt zu ihrem Mann. Indem er glaubte, durch die Hochzeit in Ägypten alles gesichert zu haben, fuhr er nach dem von ihm ersonnen Plan damit fort, „die Inseln“ anzugreifen – die Inseln Griechenlands – und er nahm viele davon ein. Doch hier endet seine Siegeskarriere. „Ein Mächtiger“ tritt auf die Bildfläche, ein römischer Kommandeur, denn das Römische Reich hatte einen Bund mit Griechenland, griff ihn an und besiegte ihn in zwei entscheidenden Schlachten. Dann zwang er ihn, die westliche Hälfte seines Reiches an seine Bezwinger abzutreten. Zudem legten sie ihm einen beachtlichen Tribut auf.9 Um in der Lage zu sein, diesen Tribut zu zahlen, machte der König des Nordens einen Angriff auf eine reiche Festung und wurde bei dem Versuch, sie zu plündern, getötet – in Übereinstimmung mit der Prophezeiung: „Er wird straucheln und fallen, dass man ihn nirgends finden wird.“

„Und an seiner statt wird einer aufstehen, der einen Eintreiber der Abgaben durch die Herrlichkeit des Reiches ziehen lässt; aber in wenigen Tagen wird er zerschmettert werden, und zwar weder durch Zorn noch durch Krieg.

Und an seiner statt wird ein Verachteter aufstehen, auf den man nicht die Würde des Königtums legen wird; und er wird unversehens kommen und sich des Königtums durch Schmeicheleien bemächtigen“ (11,20–21).

Sein Nachfolger, ein „Steuereinnehmer“, der versucht, den Tribut an die Römer zu zahlen, plünderte den Tempel in Jerusalem und wurde „nach einigen Jahren“ umgebracht, „aber weder öffentlich noch im Kampf“. Genau der Mann, den er beauftragt hatte, den Tempel zu plündern, wurde zum Werkzeug seiner Ermordung.

Wir erreichen nun die Ankunft eines Herrschers, der „ein verächtlicher Mensch“ genannt wird, der gezielt ausgewählt worden war als Vorbild des Assyrers, dem König des Nordens der letzten Tage. Aus diesem Grund wird sein Werdegang auch so detailliert beschrieben, denn der gesamte Abschnitt von Vers 21 bis 25 beschäftigt sich damit. Dieser „verächtliche Mensch“ ist in der Geschichte bekannt als Antiochus Epiphanes, und er begann seine Herrschaft um 175 v. Chr. Ihm war „die Ehre des Thrones“ nicht zugedacht, denn er war nicht der rechtmäßige Erbe; doch er sollte „unerwartet kommen und sich durch Ränke die Herrschaft erschleichen“ - und erfüllte diese Beschreibung buchstäblich.

„Und die überschwemmenden Streitkräfte werden vor ihm überschwemmt und zertrümmert werden, und sogar ein Fürst des Bundes. Denn seitdem er sich mit ihm verbündet hat, wird er Trug üben und wird hinaufziehen und mit wenig Volk Macht gewinnen. Unversehens wird er in die fettesten Gegenden der Landschaft eindringen und tun, was weder seine Väter noch die Väter seiner Väter getan haben: Raub und Beute und Gut wird er ihnen zerstreuen und gegen die Festungen seine Pläne ersinnen, und zwar eine Zeit lang.

Und er wird seine Kraft und seinen Mut gegen den König des Südens erwecken mit einem großen Heer. Und der König des Südens wird sich zum Krieg rüsten mit einem großen und überaus starken Heer; aber er wird nicht bestehen, denn man wird Pläne gegen ihn ersinnen; und die, die seine Tafelkost essen, werden ihn zerschmettern; und sein Heer wird überschwemmen, und viele Erschlagene werden fallen. Und die beiden Könige: Ihre Herzen werden auf Bosheit bedacht sein, und an einem Tisch werden sie Lügen reden; aber es wird nicht gelingen, denn das Ende verzögert sich noch bis zur bestimmten Zeit. Und er wird mit großem Reichtum in sein Land zurückkehren, und sein Herz wird gegen den heiligen Bund gerichtet sein; und er wird handeln und in sein Land zurückkehren“ (11,22–28).

Nachdem er selbst sein Königreich errichtet hatte, werden seine verschiedenen Handlungen beschrieben, seine Erfolge, sein Betrug und seine wachsende Stärke, die Erweiterung seines Herrschaftsgebietes sowie seine unbesonnene Verschwendung. Dann wagte er, wie seine Vorgänger, einen Feldzug gegen den König des Südens und besiegte ihn mit der Hilfe eines Verrats im Lager und Hof seines Feindes auf verheerende Weise. 10

Vers 27 entsprechend scheint ein Vertrag geschlossen worden zu sein, in dem beide Herrscher unter dem Deckmantel der Freundschaft den Verrat in ihren Herzen verschleiern - „und sie werden an einem Tisch verlogen miteinander reden. Es wird ihnen aber nicht gelingen, denn das Ende ist noch auf eine andere Zeit bestimmt.“ Nachdem er seine Angelegenheiten vorerst mit dem König von Ägypten geregelt hatte, kehrte er in sein Königreich zurück „mit großer Beute“. Nun war seine Feindschaft gegen den „heiligen Bund“ (nämlich gegen die jüdische Religion, der Bund Gottes mit seinem Volk) auf gewisse Weise gefestigt. Es wird hinzugefügt: „Er wird es ausführen und in sein Land zurückkehren.“ Man sagt, dass er auf dem Weg zurück in sein Land Jerusalem angriff und Tausende seiner Einwohner niedermetzelte und den Tempel entweihte wegen eines Aufstandes der Juden nach einer fälschlichen Meldung seines Todes.11

„Zur bestimmten Zeit wird er wiederkehren und gegen den Süden ziehen, aber es wird zuletzt nicht sein wie im Anfang. Denn Schiffe aus Kittim werden gegen ihn kommen; und er wird verzagen und umkehren, und er wird gegen den heiligen Bund ergrimmen und handeln: Er wird umkehren und sein Augenmerk auf diejenigen richten, die den heiligen Bund verlassen“ (11,29–30).

Wir lesen nun, dass er „nach einer bestimmten Zeit ... wieder nach Süden ziehen“ wird. Mit der „bestimmten Zeit“ ist nach unserem Verständnis (wie in Vers 27 beschrieben) die von Gott festgesetzte Zeit für das Ende der boshaften Verbindung gemeint, die dieser Herrscher mit dem König des Südens eingegangen ist. Diese dient nicht zu seinem Wachstum, und dementsprechend kehrte Antiochus in Missachtung seiner vertraglichen Verpflichtungen und in Feindschaft mit seinen Verbündeten zurück. „Aber“, so wird Daniel gesagt, „es wird zuletzt nicht sein wie im Anfang.“ Bei früheren Gelegenheiten waren seine Pläne aufgegangen, doch nun tritt eine weitere Macht hervor (eine Macht, die schon bald als das vierte prophetische Königreich als das Griechenlands die Weltherrschaft übernehmen würde) und beginnt seine siegreiche Laufbahn. „Denn die Schiffe von Kittim werden gegen ihn kommen“ – die Schiffe Italiens, das in der Schrift als Kittim bezeichnet wird und tatsächlich eine Flotte des Römischen Reiches ist. Verhindert durch den römischen Konsul an der Durchsetzung seiner Ziele in Ägypten und hilflos gegen eine solch große Armee war er zur Rückkehr gezwungen. Seine Reaktion darauf, dass ihm seine Beute entrissen wird, wird in Vers 30 beschrieben: „Er wird umkehren und sein Augenmerk auf diejenigen richten, die den heiligen Bund verlassen.“

Wir haben nun den Höhepunkt der fortlaufenden Beschreibung von aus heutiger Sicht historischen Fakten, die von dem Engel lange vor ihrer Erfüllung beschrieben wurden – was einmal mehr sowohl die Gegenwart Gottes als auch die Wahrheit der göttlichen Inspiration deutlich macht. Heutzutage ist es üblich, in alten Ruinen und antiken Inschriften und Tafeln nach Bestätigungen der biblischen Beschreibungen zu suchen. Es scheint vergessen zu werden, dass Gott zur Bestätigung der von Ihm gemachten Offenbarungen nicht auf Menschen angewiesen ist, und dass, wenn das Wort Gottes nicht sein eigener Zeuge ist (siehe Joh 3,33), keine Menge von menschlichen Beweisen es als solches in der Seele wirken lassen kann. Darüber hinaus legen die vorgebrachten Fakten und die Übersetzungen alter Schriftrollen und Denkmäler jeweils sehr unterschiedliche Schlussfolgerungen und Bedeutungen nahe, in Übereinstimmung mit den Ansichten der verschiedenen Ausleger. Doch in der Annahme der Bibel als das wahre Wort Gottes und damit dem Festhalten an seiner absoluten „Unfehlbarkeit“ (um einmal einen neuen theologischen Begriff zu verwenden), wo es keine Diskussion über die Lesart oder Übersetzung gibt, haben wir einen unfehlbaren Führer und eine vertrauenswürdige Grundlage – und damit die Gewissheit, dass die beschriebenen Ereignisse sich tatsächlichen erfüllen werden und die aufgezeichneten historischen Fakten mit höchster Genauigkeit der Wahrheit entsprechen. Es ist von höchster Wichtigkeit, wenn wir die göttlichen Schriften verstehen wollen, dass wir mit einem zweifellosen Glauben an die Unfehlbarkeit der Schrift beginnen.

„Und Streitkräfte von ihm werden dastehen; und sie werden das Heiligtum, die Festung, entweihen und werden das beständige Opfer abschaffen und den verwüstenden Gräuel aufstellen. Und diejenigen, die gottlos handeln gegen den Bund, wird er durch Schmeicheleien zum Abfall verleiten; aber das Volk, das seinen Gott kennt, wird sich stark erweisen und handeln. Und die Verständigen des Volkes werden die Vielen unterweisen, aber sie werden fallen durch Schwert und Flamme, durch Gefangenschaft und Raub, eine Zeit lang. Und wenn sie fallen, wird ihnen mit einer kleinen Hilfe geholfen werden; und viele werden sich ihnen mit Heuchelei anschließen. Und von den Verständigen werden einige fallen, damit sie geläutert und gereinigt und weiß gemacht werden bis zur Zeit des Endes; denn es verzögert sich noch bis zur bestimmten Zeit“ (11,31–35).

Von der Mitte von Vers 30 bis zum Ende von Vers 35 finden wir eine Beschreibung der Handlungen Antiochus' in Jerusalem und dem gelobten Land – er verhält sich (in Relation zu den Grundsätzen Gottes) so teuflisch, dass er, wie bereits mehrfach festgestellt, ein Vorbild des mächtigen Feindes Israels in den letzten Tagen bildet. Vielleicht sogar noch mehr als ihr letzter Feind, der Assyrer, denn er scheint fast jedes Element der Feindschaft und Gotteslästerung in sich zu bündeln, das in den beiden Tieren aus Offenbarung 13 sowie in dem König des Nordens gefunden werden wird.

Uns wird gesagt, dass er „gegen den heiligen Bund ergrimmen und handeln“ wird. Das bedeutet nach unserer Auffassung, dass er entsprechend seinem Grimm gegen die Juden und den heiligen Bund handeln wird. Darüber hinaus hatte er eine Vereinbarung mit den abtrünnigen Juden. Der Bericht seiner Taten kann Makkabäer 1 und 2 entnommen werden, woraus deutlich wird, dass er entschieden danach trachtete, die Juden zu heidnisieren und tatsächlich wie Nebukadnezar in Daniel 3 seine Herrschaftsgebiete zu vereinen, indem er alle seine Untertanen dazu zwang, dieselben falschen Götter anzubeten. Dass er damit unter den Juden Großteils Erfolg hatte, kann man dieser prophetischen Berichterstattung entnehmen. Abtrünnige werden in den Versen 30 und 32 benannt.

Zur Verfolgung seiner Absichten würde der Tempel ihm gezwungenermaßen im Weg stehen und seine tödlichste Feindschaft hervorrufen; Vers 31 beschriebt sein Vorgehen in Bezug darauf. Es heißt: „Und Streitkräfte von ihm werden dastehen; und sie werden das Heiligtum, die Feste entweihen und werden das beständige Opfer abschaffen und den verwüstenden Gräuel aufstellen.“ Makkabäer 1 bezieht sich hierauf mit folgenden Worten: „Der König schickte Boten nach Jerusalem und in die Städte von Juda mit der schriftlichen Anordnung, man solle eine Lebensform übernehmen, die dem Land fremd war. Brand-, Schlacht- und Trankopfer im Heiligtum seien einzustellen, Sabbate und Feste zu entweihen, das Heiligtum und die Heiligen zu schänden. Man solle stattdessen Altäre, Heiligtümer und Tempel für die fremden Götter errichten sowie Schweine und andere unreine Tiere opfern ... So sollte das Gesetz in Vergessenheit geraten und alle seine Satzungen sollten hinfällig werden.“ Weiter lesen wir: „Am fünfzehnten Kislew des Jahres 145 ließ der König auf dem Altar den Gräuel der Verwüstung errichten“ und „am fünfundzwanzigsten dieses Monats brachten sie auf dem Altar, den sie über dem Brandopferaltar errichtet hatten, ein Opfer dar.“ (Makkabäer 1,44–59). Aus anderen Quellen wissen wir, dass die Anbetung, die Antiochus anstelle des Gottes des Himmels, Jahwe, anordnete, die des Jupiter Olympus war.

Diese Tatsachen ermöglichen es dem Leser, den 30. Vers und den schrecklichen Charakter der Taten, Gotteslästerungen und der Bosheit dieses Königs des Nordens zu verstehen; genauso wie die Leiden, die durch sein Verhalten über die Juden kamen, die ihrem Gott und seinem Wort treu blieben. Einige, „die gottlos handeln gegen den Bund“, würden durch Schmeicheleien zum Abfall verleitet werden. Doch Gott erhielt einen treuen Überrest, und dieser kannte seinen Gott, erstarkte und vollbrachte Heldentaten (V. 32). Im nächsten Vers wird uns eine kleinere Gruppe vorgestellt – „die Verständigen des Volkes“. Es gab demnach drei Gruppen von Juden:

  1. Die große Masse, die durch Schmeicheleien zum Abfall gebracht wurde;
  2. der treue Überrest, der sich weigerte, auf die Einhaltung des Gesetzes ihres Gottes zu verzichten;
  3. einige aus dem Überrest, die von Gott belehrt und in der Lage waren, die anderen im Wort zu unterweisen und sie auf dem Weg der Treue zu ermutigen, wie stark auch die Verfolgung sein mochte.

Letztere Gruppe wird erneut in Kapitel 12,3 erwähnt, und die dazu gehörenden werden „die Unterwiesenen“ 12 genannt. Gegen diese Gruppe, die öffentlich mit dem Zeugnis Gottes auf der Erde in Verbindung stand, war die Feindschaft Satans besonders gerichtet. Folglich sagt der Engel: „Aber sie werden stürzen durch Schwert und Flamme, durch Gefangenschaft und Beraubung – eine Zeit lang“ (V. 33). Der Leser wird sich sicherlich an ähnliche Begebenheiten erinnern, die in der Schrift aufgezeichnet sind (siehe Off 11; Off 12,17; Off 13; Off 14,12–13 usw.).

Doch sie wurden dem Feind nicht gänzlich überlassen, denn „...während sie stürzen, wird ihnen mit einer kleinen Hilfe geholfen werden. Doch viele werden sich ihnen heuchlerisch anschließen“ (V. 34). In dieser prophetischen Erzählung könnte es kaum anders sein, es muss einen sehr direkten Hinweis auf den Aufstand geben, den tapferen Widerstand der Makkabäer gegen die Grausamkeiten und die Gotteslästerung dieses Unterdrückers. Denn zumindest du Beginn ihrer Rebellion gab es zweifellosen Eifer für Gott, Seinen Tempel und sein Gesetz; und der ihnen zugesicherte Erfolg war groß. Vier Jahre lang hielten sie der Flut der gesamten Macht des Königs des Nordens stand und verteidigten durch Siege um Siege ihren gerechten und heiligen Anspruch. All dies ist nun Gegenstand der Geschichte, und es wird hier nur als Erklärung für den letzten Teil von Vers 34 erwähnt – „viele werden sich ihnen heuchlerisch anschließen“ - denn folgend auf die Regierung des Antiochus, als Syrien durch Brüche und innere Zerwürfnisse zerrissen wurde, wurden die Makkabäer genausooft umworben wie bedroht.

Doch der Leser sollte im Gedächtnis behalten, dass es sich hierbei zwar um geschichtliche Ereignisse handelt, doch es ist mehr als das. Wie wieder und wieder herausgestellt wurde, ist Antiochus eine schattenbildliche Person, und viele der Ereignisse, die mit seiner Regierung in Verbindung stehen, insbesondere seine Handlungen in Jerusalem, sind schattenbildlich, sodass viele dieser Dinge sich am Ende wiederholen werden. Zwei Illustrationen dessen sollen hier dargestellt werden. Antiochus ließ „den verwüstenden Gräuel“ im Tempel aufstellen. In Daniel 12,11 sehen wir, dass sich diese Handlung in der Zukunft wiederholen wird. Folglich zitiert unser Herr Daniel 12 in Matthäus 24, wo Er von Dingen spricht, die sich noch nicht erfüllt hatten. Wenn man diese Unterscheidung genauer beachtet hätte, wären in der Deutung dieser prophetischen Schriften weniger Fehler gemacht worden. Auch in Vers 35, wo es heißt, dass von den „Verständigen“ einige stürzen werden, um ihren Glauben zu prüfen und den Überrest zu reinigen „bis zur Zeit des Endes“, zeigt die verwendete Sprache, dass das, was dann geschah, eine Veranschaulichung eines ähnlichen Geschehens in den letzten Tagen ist. In Offenbarung 14 finden wir demnach nach der Ankündigung des Gerichts über alle, die das Tier und sein Bild anbeten würden, die Beschreibung des Überrests. Daraufhin kommt der himmlische Befehl: „Glückselig die Toten, die von jetzt an im Herrn sterben!“ (Off 14,9–13; vgl. Off 13,5–15). Wenn also jemand beim Lesen dieses Kapitels versucht war zu fragen, welcher Nutzen in diesen historischen Details liegt, dann ist die Antwort, dass Gott es zugelassen hat, dass bestimmte Dinge in Vorbereitung auf das passierten, was wir zur Zeit des Endes sehen werden. Aus benanntem Grund gibt es nur sehr wenige rein historische Ereignisse in der Schrift, denn die aufgezeichneten Geschichten sind selbst vorbildlich und prophetsich. Es ist eine ungeheure Hilfe beim Studieren der Schrift, wenn dieses Prinzip verstanden wird.13

Zukünftige Ereignisse: Der Antichrist und der König des Nordens

„Und der König wird nach seinem Gutdünken handeln, und er wird sich erheben und sich groß machen über jeden Gott, und gegen den Gott der Götter wird er Erstaunliches reden; und er wird Gelingen haben, bis der Zorn vollendet ist, denn das Festbeschlossene wird vollzogen“ (11,36).

Wir gehen nun zu einem neuen Abschnitt in diesem Kapitel über, denn zwischen den Versen 35 und 36 ist ein Einschnitt. Bis Vers 35 finden wir in prophetischer Form eine Beschreibung, die, obwohl sie zu Daniels Zeiten noch zukünftig war, sich mittlerweile längst erfüllt hat. Ab Vers 36 werden ausschließlich zukünftige Dinge beschrieben. Man kann direkt sagen, dass der Beweis hierfür in zwei Sätzen liegt. In Vers 36 lesen wir, dass der König Gelingen haben wird bis zur Vollendung der Verfluchung. In Vers 40 wird mitgeteilt, dass das dort beschriebene Ereignis „zur Zeit des Endes“ stattfindet. Es wurde bezüglich des ersteren Ausdrucks bereits bemerkt, dass er in Jesaja für Gottes letzte Empörung durch die Assyrer gegen sein Volk im Land vor dem Erscheinen Christi benutzt wird. Wenn der Leser aufmerksam Jesaja 10,20–25 und Jesaja 28,16–22 berücksichtigt, wird er vom Zutreffen dieser Deutung überzeugt werden. Man könnte denken, dass der letztere Ausdruck, „die Zeit des Endes“, allgemeiner gemeint ist, weil er ebenso in Vers 35 zu finden ist, doch es muss die typische Bedeutung dessen beachtet werden, worauf er sich bezieht. Der hier beschriebene König bezieht sich auf den „Mann der Sünde“, den neutestamentlichen Antichristen. Wenn man dies berücksichtigt, besteht kein Zweifel darüber, dass zwischen den Versen 35 und 36 ein erhebliches Zeitintervall liegt. Diese Schlussfolgerung wird zudem durch mehrere Ereignisse gestützt, die im letzten Abschnitt dieses Kapitels beschrieben werden.

Die Eigenschaften und Taten dieses „Königs“ werden recht genau beschrieben. Zunächst wird gesagt: „Und der König wird nach seinem Belieben handeln, und er wird sich erheben und sich groß machen gegen jeden Gott, und gegen den Gott der Götter wird er unerhörte Reden führen.“ Die Bezeichnung als „eigenwilliger König“ entstammt diesem Vers und drückt die hier beschriebene Tatsache aus, dass sein eigener Wille seine einzige Handlungsrichtlinie ist. Er wird die Fleischwerdung und Verkörperung alles dessen sein, was Böses im Menschen ist. Adam fiel im Garten Eden durch Ungehorsam, indem er seinen eigenen Willen anstelle von Gottes Willen tat, und indem er der durch die Versuchung Satans der Begierde nachgab, sich selbst erhöhen wollte. Diese beiden Dinge werden in diesem eigenwilligen König zur vollen Entfaltung kommen, der auf der Höhe seiner anmaßenden Torheit behaupten wird, dass er sich selbst genug und sowohl unabhängig von Gott als auch allein allmächtig sei. Er wird daher in moralischer Hinsicht das vollkommene Gegenbild zu Christus sein, der, „da Er in Gestalt Gottes war, es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein, sondern sich selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm, und, in seiner Gestalt wie ein Menschen erfunden, sich selbst erniedrigte, indem Er gehorsam wurde bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,6–8).

Dieser Mann wird behaupten, über jeden Gott erhaben zu sein, und wird darüber hinaus unerhörte Reden gegen den Gott der Götter führen. Diese letzte Eigenschaft gleicht dem, was in Daniel 7 und Offenbarung 13 dem Herrscher des wiederauferstandenen Römischen Reiches zugeschrieben wird; doch es muss bedacht werden, dass dieser König – der König der Juden, die ihn als den Messias annehmen werden – in seinem eigenen Namen kommen wird und sich diesem Herrscher gegenüber wie der falsche Prophet verhält und die ganze Gewalt des Herrschers vor ihm ausübt (Off 13,12). Er wird es sein, der große Wunder tun wird, sodass er vor den Augen der Menschen Feuer vom Himmel auf die Erde fallen lassen wird, um seine Behauptungen zu stützen. Die ungehinderte Entfaltung der satanischen Macht wird in dieser furchtbaren Zeit so groß sein, dass die Menschen unter dieser starken Irreführung einer Lüge glauben werden: Dass alle, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Gefallen an der Lüge hatten, verdammt (gerichtet) werden würden.

Wenn wir uns nun für einen Moment 2. Thessalonicher 2 ansehen, erkennen wir, dass die Ankunft dieses „Menschen der Gesetzlosigkeit“ und „Sohnes des Verderbens“ nicht sein wird, ehe die Versammlung beim Kommen des Herrn von der Erde weggenommen wird. Es heißt eindeutig: „Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur offenbart es sich nicht, bis der, welcher jetzt zurückhält [nach unserem Verständnis des Abschnitts der Heilige Geist in der Versammlung], aus dem Weg ist; und dann wird der Gesetzlose offenbart werden“ (1. Thes 2,6.7).

Die früher in diesem Kapitel (Vers 4) gegebene Beschreibung des „Menschen der Gesetzlosigkeit“ deckt sich in sehr auffälliger Weise mit der Beschreibung in Vers 36. Es heißt: „Der sich widersetzt und sich überhebt über alles, was Gott heißt oder Gegenstand der Verehrung ist, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, dass er Gott sei“ (2. Thes 2,4). Es ist unmöglich, diese beiden Stellen zu lesen, ohne zu dem Schluss zu kommen, dass sie sich auf ein und dieselbe Person beziehen, und dass beide in gleicher Weise von ihm in seiner Beziehung zu den Juden handeln. Der Apostel Johannes stellt ihn uns in seiner Beziehung zur Christenheit vor, wenn er schreibt: „Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Der ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet“ (1. Joh 2,22).

Wir lesen zudem, dass er Erfolg haben wird, bis die Empörung vollendet sein wird. Gott wird zulassen, dass er eine Zeit lang seine eigenen Wege gehen wird; doch wenn die Empörung vollendet ist, wird der Herr in der Züchtigung der schuldigen Nation, die Christus verworfen hat, am Ende der dreieinhalb Jahre, von denen in der Offenbarung so häufig gesprochen wird, vom Himmel her erscheinen und diesen Bösen mit dem Hauch seines Mundes vertilgen und ihn mit dem Glanz seines Kommens vernichten (2. Thes 2,8; Off 19,20).

„Und auf den Gott seiner Väter wird er nicht achten, und weder auf die Sehnsucht der Frauen noch auf irgendeinen Gott wird er achten, sondern er wird sich über alles erheben. Und an dessen statt wird er den Gott der Festungen ehren: Den Gott, den seine Väter nicht gekannt haben, wird er ehren mit Gold und mit Silber und mit Edelsteinen und mit Kleinodien. Und er wird gegen die starken Festungen so verfahren mit dem fremden Gott: Wer ihm Anerkennung zollt, dem wird er viel Ehre erweisen, und er wird ihm Herrschaft verleihen über die Vielen und das Land austeilen zum Lohn“ (11,37–39).

Wenn wir dem prophetischen Bericht folgen, so sehen wir als nächstes, dass der Antichrist ein abtrünniger Jude sein wird; er wird weder „auf den Gott seiner Väter“ achten, noch „auf den Schatz der Frauen, noch auf irgendeinen Gott“; mit der Begründung, dass er „sich über alles erheben“ wird. Dies, so denken wir, bezieht sich auf seinen eigenen Gemütszustand. Dennoch, da der Mensch im Allgemeinen irgendeine Art von Religion braucht, wird er einen Gott einführen, den die Menschen anerkennen müssen – den „Gott der Festungen ... Den Gott, den seine Väter nicht gekannt haben, wird er ehren mit Gold und mit Silber und mit Edelsteinen und mit Kleinodien. Und er wird gegen die starken Festungen so verfahren mit dem fremden Gott: Wer ihm Anerkennung zollt, dem wird er viel Ehre erweisen.“ In seinem völligen Unglauben und Atheismus wird er die Anbetung eines Götzen einführen, um die Begierden des Volkes zu befriedigen – es kann geschlussfolgert werden, dass es sich um das Bild handelt, das er selbst für das Tier machen lassen wird, das durch ein Schwert verwundet wurde und doch lebte – dessen Kopf das westliche Römische Reich in seiner letzten wiederauferstandenen Form sein wird. Diesbezüglich lesen wir in der Offenbarung, dass „der König“ dieses Kapitels in Daniel, das Tier aus der Offenbarung, das „zwei Hörner wie ein Lamm [hatte], und es redete wie ein Drache“ (denn es handelt sich um ein und dieselbe Person), und dem Macht gegeben wurde, „dem Bild des Tieres Odem zu geben, damit das Bild des Tieres auch redete und bewirkte, dass alle getötet wurden, die das Bild des Tieres nicht anbeteten.“ (Off 13,11.15).14 So ausgestattet mit satanischer List und Macht, ist es leicht verständlich, wie schnell dieser König die Herrschaft über die Menschen erlangen und es ihm gelingen wird, sie seinem Willen zur Ausführung seiner teuflischen Pläne unterwerfen wird. Von dieser Zeit spricht der Apostel, wenn er schreibt, dass Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns unter die Menschen senden wird, dass sie der Lüge glauben, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht zu ihrer Rettung angenommen haben (2. Thes 2,10.11).

Der letzte Teil von Vers 39 ist nicht ganz klar. Es heißt: „Und er wird ihm Herrschaft verleihen über die Vielen und das Land austeilen zum Lohn.“ Es wurde allgemein angenommen, dass sein Inhalt zeigen soll, dass er seine eigenen Anhängern Stellungen der Ehre und Herrschaft verschaffen wird, und das Land entweder zu seinem eigenen Vorteil oder als Belohnung für treue Dienste und Hingabe für seine Interessen verteilen wird. Der Ausdruck „das Land“ bezieht sich auf den Bereich seines königlichen Einflusses und seiner Handlungen, denn soweit wir wissen, beschreibt es immer das verheißene Land. Dies ist in der Sprache der Schrift ausdrücklich das Land. Folglich kann man wie schon zuvor schlussfolgern, dass Jerusalem und Palästina der Sitz der Macht des eigenwilligen Königs sein werden – und er demnach der Antichrist ist.

„Und zur Zeit des Endes wird der König des Südens mit ihm zusammenstoßen, und der König des Nordens wird gegen ihn anstürmen mit Wagen und mit Reitern und mit vielen Schiffen; und er wird in die Länder eindringen und wird sie überschwemmen und überfluten. Und er wird ins Land der Zierde eindringen, und viele Länder werden zu Fall kommen; diese aber werden seiner Hand entkommen: Edom und Moab und die Vornehmsten der Kinder Ammon“ (11,40–41).

Nachdem der Antichrist nun in seinen moralischen Eigenschaften vorgestellt wurde, fährt der Geist Gottes durch den Engel damit fort, die Handlungen zu beschreiben – hauptsächlich die des Königs des Nordens, wobei jedoch auch der König des Südens erwähnt wird. Zwei oder drei einführende Beobachtungen werden dem Leser beim Verständnis dieses Schriftabschnitts helfen. Man kann nun aus Vers 40 den Grund für die detaillierten Beschreibungen der Kämpfe zwischen den Königen des Nordens und des Südens früher im Kapitel entnehmen – es ist einfach aufgrund der Beziehung dieser zwei Herrscher zu den Juden und zu „dem Land“, und aufgrund ihres vorbildlichen und prophetischen Charakters in Bezug auf das Ende. Das Verständnis dessen, was sich in diesen Kämpfen in der Vergangenheit abspielte, ist der Schlüssel zum Verständnis der Geschehnisse in der Zukunft. Damit ist ein sehr wichtiger Punkt verbunden, der in den prophetischen Schriften offenbart wird. Die Könige des Südens und des Nordens werden in Vers 40 erwähnt, und es ist „zur Zeit des Endes“. Edom, Moab und Ammon werden in Vers 41 als in derselben Zeitepoche lebend erwähnt; und mehreren anderen Schriftstellen kann entnommen werden, dass wenn die Juden einmal wieder in ihrem eigenen Land sein werden, die Völker, die sie vorher umgaben und in direkter Verbindung mit ihnen standen, wieder an ihren früheren Orten auftauchen werden. „Als der Höchste den Nationen das Erbe austeilte, als er voneinander schied die Menschenkinder, da stellte er fest die Grenzen der Völker nach der Zahl der Kinder Israel“ (5. Mose 32,8). Wenn also Israel sein Land wieder einnehmen wird, werden die Grenzen der Völker nach der göttlichen und ursprünglichen Bestimmung wiederhergestellt werden. Dies zu verstehen, wie es in der Schrift offenbart ist, ist der Schlüssel zu einem großen Teil der Prophetie.15

Um zu unserem Thema zurückzukehren: Uns wird über den eigenwilligen König mitgeteilt, dass „der König des Südens mit ihm zusammenstoßen [wird], und der König des Nordens wird gegen ihn anstürmen mit Wagen und mit Reitern und mit vielen Schiffen; und er wird in die Länder eindringen und wird sie überschwemmen und überfluten“. Zu diesen Zeitpunkt wird der König des Nordens, stark „jedoch nicht durch seine eigene Macht“ (8,24), militärische und Marinestreitkräfte für seine Zwecke nutzen und offensichtlich in allen seinen Unternehmungen Erfolg haben.

Es wird nicht genau gesagt, was das der Grund seines Feldzuges in Palästina sein wird, aber wir sehen aus Daniel 8, dass er „Starke und das Volk der Heiligen verderben“ wird (8,24). Hier sehen wir nun, dass er „in die Länder eindringen und ... sie überschwemmen und überfluten“ wird. „Und er wird in das Land der Zierde eindringen, und viele Länder werden zu Fall kommen.“ Ohne Zweifel handelt es sich dabei um die „überflutende Geißel“, von der Jesaja schreibt, die durch das Land fährt und die „Spötter, Beherrscher dieses Volkes, das in Jerusalem ist“, zertritt (Jesaja 28,14–22).

Dann lesen wir, als wunderbare Bestätigung der Wahrheit und Einzigartigkeit der Schrift: „Diese aber werden seiner Hand entkommen: Edom und Moab und die Vornehmsten der Kinder Ammon.“ Wenn wir uns Jesaja 11 anschauen, finden wir die Erklärung dessen. Dort heißt es von der Zeit nach der Wiederherstellung von Juda uns Israel: „An Edom und Moab werden sie ihre Hand legen, und die Kinder Ammon werden ihnen gehorsam sein“ (Jesaja 11,14). Das Gericht Gottes über dieses drei Völker soll durch Israel ausgeführt werden – daher wird nicht zugelassen, dass der Assyrer, der König des Nordens, sie antastet, sondern sie werden aus seiner Hand entkommen.

Doch wenn auch diese Völker sich seiner Rache entziehen, wird er in anderen Ländern doch erfolgreich sein, insbesondere in Ägypten:

„Und er wird seine Hand an die Länder legen, und das Land Ägypten wird nicht entkommen; und er wird die Schätze an Gold und Silber und alle Kostbarkeiten Ägyptens in seine Gewalt bringen, und Libyer und Äthiopier werden in seinem Gefolge sein. Aber Gerüchte von Osten und von Norden her werden ihn erschrecken; und er wird ausziehen in großem Grimm, um viele zu vernichten und zu vertilgen. Und er wird seine Palastzelte aufschlagen zwischen dem Meer und dem Berg der heiligen Zierde. Und er wird zu seinem Ende kommen, und niemand wird ihm helfen“ (11,42–45).

Offensichtlich werden ihn Nachrichten der Feinde aus dem Osten, dem Osten Syriens erreichen. Es könnte sich um inländische Feinde handeln, da der Norden in Richtung seines eigenen Landes zeigt. Dieser wird, angetrieben von seinen bisherigen Erfolgen und im Vertrauen auf seine eigene Macht damit beginnen, „mit großem Grimm“ seinen Feinden entgegenzutreten.

Während er nach Hause zurückkehrt, lesen wir im nächsten Vers, dass er „sein Palastgezelt aufschlagen [wird] zwischen dem Meer15 und dem Berg der heiligen Zierde“. Wie sein Schattenbild, Antiochus Epiphanes, macht er auf seinem Rückweg von Ägypten Jerusalem und das Land zum primären Gegenstand seiner Feindseligkeit. Dann wird hinzugefügt: „Und er wird zu seinem Ende kommen, und niemand wird ihm helfen.“ Die Umstände des Endes seiner Laufbahn werden uns nicht mitgeteilt. Es wird nur festgehalten, dass er in Verbindung mit seiner Feindseligkeit gegen den Berg der heiligen Zierde zu seinem Ende kommt, und dass er unter dem Gericht Gottes stirbt. In Daniel 8 lesen wir von dem kleinen Horn, das zweifellos den König des Nordens darstellt: „Gegen den Fürsten der Fürsten wird er sich auflehnen, aber ohne eine Menschenhand wird er zerschmettert werden“ (Daniel 8,25). Wenn sich dies auf dasselbe Ereignis bezieht, was wahrscheinlich ist, dann finden wir in beiden Stellen die Zerstörung des Assyrers durch den Herrn selbst, sodass er „ohne eine Menschenhand“ – also ohne menschliches Zutun – zerschmettert wird, und zudem „niemand ... ihm helfen“ wird. Denn aus Jesaja sehen wir: „Siehe, der Herr, der HERR der Heerscharen, haut mit Schreckensgewalt die Äste herunter. Und die von hohem Wuchs werden gefällt, und die Emporragenden werden erniedrigt“ (Jesaja 10,33). Ob dieses Ereignis vor oder nach der Zerstörung des Tieres und des falschen Propheten stattfindet, kann nur durch ein sorgfältiges Studium der prophetischen Schriften bestimmt werden. Wenn Sacharja 14 den letzten Angriff Jerusalems beschreibt, dann muss es ohne Frage stattfinden, nachdem der Herr das Tier und den Antichristen lebendig in den Feuersee geworfen haben wird (siehe auch Micha 5,4–5).

Es könnte gut sein, hinzuzufügen, dass das Ende des eigenwilligen Königs, des Antichristen, hier nicht beschrieben wird – dieses finden wir in Offenbarung 19, wo er als der falsche Prophet beschrieben wird. Hier ist es das Ende des Königs des Nordens, einem der schlimmsten Feinde der Juden in den letzten Tagen – während der Zeit ihrer unvergleichlichen Leiden. Sie werden von jeder Seite belagert sein, denn zusätzlich zu dem Assyrer (dem König des Nordens) wird dort auch das Tier aus Offenbarung 13 sein (der Herrscher des westlichen Reiches), und sein Verbündeter, der Antichrist, sowie der König des Südens, der in Vers 40 unseres Kapitels erwähnt wird. Dies ermöglicht es uns, die Sprache des Geistes in Psalm 118, 10–12 zu verstehen: „Alle Nationen hatten mich umringt; gewiss, im Namen des HERRN vertilgte ich sie. Sie hatten mich umringt, ja, mich umringt; gewiss, im Namen des HERRN vertilgte ich sie. Sie hatten mich umringt wie Bienen; sie sind erloschen wie Dornenfeuer; gewiss, im Namen des HERRN vertilgte ich sie.“

Fußnoten

  • 1 Es sollte bemerkt werden, dass es sich hier nicht um Darius, den Meder, aus Vers 1 handelt, sondern Darius Hystaspes, wie er in der Geschichte bekannt ist. Von Ahasveros und Artaxerxes wird angenommen, dass sie Monarchen waren, die von gottlosen Schreibern als Cambyses und Smerdis bezeichnet wurden.
  • 2 Genauer gesagt bestand das syrische Königreich nur bis 65 v. Chr. fort, doch das ägyptische wurde bis 51 v. Chr. nicht zerstört.
  • 3 Sie repräsentieren die zwei bekannten Dynastien von Ptolemäus (Ägypten) und Seleucid (Syrien). Für eine chronologische Tabelle der jeweiligen Monarchen dieser Dynastien, siehe Elliott's Horae Apocalypticae, vol. iv. Fourth edition.
  • 4 Es nicht nötig, hier über die Übersetzung zu diskutieren. Es genügt, darauf hinzuweisen, dass die meisten der Meinung sind, dass dieser Satz sich auf den König des Nordens bezieht, und hier die Gründer ihrer jeweiligen Dynastien gemeint sind, nämlich Ptolemäus und Seleukos – zwei der vier, die auf das Königreich Alexanders folgten.
  • 5 Wenn der Leser die Details studieren möchte, so kann er die Geschichtsbücher dieser Zeitperiode zur Hand nehmen, insbesondere Makkabäer, sowie die Artikel aus Smith's Bible Dictionary unter der Überschrift Syria, Alexander, Seleucus, Antiochus, Ptolemy, etc.; Josephus, etc.
  • 6 Zur Überprüfung dieser Behauptungen siehe Elliot's Horae Apocalypticae, vol. iv. et seq. (4th edition), und Smith's Bible Dictionary, unter dem Titel Ptolemy.
  • 7 Der Name dieses Königs des Südens war Ptolemäus der Dritte, der auch unter dem Namen Euergetes (Wohltäter) bekannt war, den er entweder selbst angenommen oder empfangen hatte.
  • 8 Die Schlacht, bei der dieser Sieg errungen wurde, ist bekannt unter der Bezeichnung Raphia, und der König, der sie gewann, ist Ptolemäus Philopator.
  • 9 Siehe Smiths's Bible Dicionary, Vol. I
  • 10 Man sagt, er habe vier Feldzüge gegen Ägypten gestartet, in den Jahren 171, 170, 169 und 168 v. Chr., doch in der Schrift werden nur zwei davon erwähnt, es sei denn, dass in Vers 29 tatsächlich drei gefunden werden. Diese wurden offensichtlich aufgrund ihrer Relevanz in Bezug auf die Juden ausgewählt.
  • 11 Siehe Makkabäer 50,21–24
  • 12 Im englischen Original bleibt der hebräische Ausdruck „the Mashilim“ unübersetzt und bezeichnet damit eine besondere Gruppe. Es sind die verständigen Juden innerhalb des Überrest. Siehe auch: https://www.bibelkommentare.de/index.php?page=dict&article_id=1699
  • 13 Man sollte nicht vergessen, dass diese Offenbarungen zur Leitung und zum Trost der Juden während dieser Zeit der Kriege zwischen Syrien und Ägypten gedacht waren, genauso wie zur Belehrung des gottesfürchtigen Überrestes in den letzten Tagen.
  • 14 Um Verwirrungen vorzubeugen, muss erneut ins Gedächtnis gerufen werden, dass zusätzlich zu dem Bild, das der Antichrist machen und im ganzen Römischen Reich anbeten lassen wird, er selbst als Gott im Tempel Jerusalems sitzen wird.
  • 15 Es könnte für einige interessant sein, dass im Alten Testament vier Wörter für Völker und Völkerschaften benutzt werden – eines steht immer im Singular, entweder „das Volk“ oder „mein Volk“ für Israel; und ein anderes im Plural, um die Heiden oder Nationen zu beschreiben, die Israel als dem Volk Gottes gegenüberstehen – Israel wird einmal in Psalm 43,1 so bezeichnet, um seine Schuld zu kennzeichnen. Eine andere wird für die Völker und Nationen auf der Erde im Allgemeinen verwendet, die verschiedenen Rassen der Menschen. Schließlich gibt es noch eine Bezeichnung für die Nationen, die, wie ich denke, in Verbindung mit Israel als wiederhergestellt angesehen werden und mit Jahwe in Verbindung genommen werden (siehe See The Synopsis, by J. N. Darby, vol. ii.).
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