Das Buch Daniel

Daniel 11

Der Antichrist

Bevor Daniel diese neuen Offenbarungen empfängt, wird ihm versichert, dass das, was er gleich hören wird, „die Wahrheit“ ist (11,2). Um die Geschichte von Gottes irdischem Volk während der Zeiten der Nationen im Voraus zu wissen, haben wir anstelle von menschlichen Spekulationen die Gewissheit göttlicher Offenbarungen.

Im Lauf dieser Offenbarungen finden wir:

  1. Die Vorhersage der Ereignisse, die zu der Zeit des Endes hinführen (11,2–35).
  2. Die Prophezeiungen, die uns weiter in die Zeit des Endes mitnehmen, indem sie uns die Herrschaft des Antichrists als eines Abtrünnigen inmitten der abtrünnigen Nation der Juden vorhersagen (11,36–39).
  3. Den nördlichen Feind der Juden, der in den letzten Tagen während der Regierung des Antichrists ihr Land überströmen wird (11,40–45).

Die prophetische Geschichte der Ereignisse, die in Verbindung mit dem Land Israel stehen und zur Zeit des Endes hinführen (11,2–35)

Der Engel stellt Daniel eine kurze Übersicht der Handlungen der heidnischen Mächte vor, die in Verbindung mit Gottes Land stehen. Es wird deutlich, dass Gott bei der Aufzeichnung von Ereignissen in der heidnischen Welt nur so weit geht, wie diese Ereignisse sein Volk und das „Land der Zierde“ betreffen (11,16).

„Und nun will ich dir die Wahrheit kundtun: Siehe, es werden noch drei Könige in Persien aufstehen, und der vierte wird größeren Reichtum erlangen als alle; und wenn er durch seinen Reichtum stark geworden ist, wird er alles gegen das Königreich Griechenland aufreizen“ (11,2).

Zur Zeit der Überbringung dieser Botschaften war das erste große Weltreich bereits gefallen. Das zweite, persische Weltreich übernahm nun die Führung der Weltherrschaft. Daniel wird zunächst in einigen Worten gesagt, wie das persische Weltreich zu seinem Ende kommen würde. Vier persische Könige sollten noch aufstehen, wobei der vierte weit größer sein würde als seine Vorgänger. Aus Esra 4 wissen wir, dass die ersten drei Könige Ahasveros, Artaxerxes und Darius waren (Esra 4,5–7.23–24). Der vierte König war, wie wir aus der Geschichte wissen, der berühmte Xerxes, der die Perser gegen die Herrscher Griechenlands führte.

„Und ein tapferer König wird aufstehen, und er wird mit großer Macht herrschen und nach seinem Gutdünken handeln“ (11,3).

Dann teilt der Engel Daniel mit, dass ein mächtiger König aufstehen und über ein großes Gebiet herrschen und nach seinem Gutdünken handeln würde. Wieder wissen wir aus der Geschichte, dass dies Alexander der Große war, der Xerxes besiegte, die persische Weltmacht vernichtete und das Herrschaftsgebiet Griechenlands aufrichtete – das dritte Weltreich.

„Und sobald er aufgestanden ist, wird sein Reich zertrümmert und nach den vier Winden des Himmels hin zerteilt werden. Aber nicht für seine Nachkommen wird es sein und nicht entsprechend der Macht, mit der er geherrscht hat; denn sein Reich wird zerstört und anderen zuteilwerden, unter Ausschluss von jenen“ (11,4).

Dann lernen wir, wie bereits in früheren Gesichten beschrieben, dass Alexanders Herrschaftsgebiet in vier getrennte Reiche aufgeteilt werden würde, die nicht von seinen Nachkommen, sondern von Außenstehenden regiert werden würden. Wir wissen, dass all dies erfüllt wurde, als Alexanders Herrschaftsgebiet zwischen vier von seinen Generälen aufgeteilt wurde.

„Und der König des Südens, und zwar einer von seinen Obersten, wird stark werden. Und einer wird stark werden über ihn hinaus und wird herrschen; seine Herrschaft wird eine große Herrschaft sein. Und nach Verlauf von Jahren werden sie sich verbünden; und die Tochter des Königs des Südens wird zum König des Nordens kommen, um einen Ausgleich zu bewirken. Aber sie wird die Kraft des Armes nicht behalten, und er wird nicht bestehen noch sein Arm; und sie wird hingegeben werden, sie und die sie eingeführt haben und der sie gezeugt und der sie in jenen Zeiten unterstützt hat“ (11,5.6).

Eines dieser Königreiche würde nördlich des Landes Israel liegen und ein anderes südlich. In der folgenden Prophezeiung werden die Herrscher dieser Königreiche jeweils als der König des Südens (oder Ägypten) und der König des Nordens (oder Syrien) bezeichnet. Im Verlauf der Prophezeiung beziehen sich diese beiden Titel nicht immer auf dieselbe Person, sondern sie werden als offizielle Titel benutzt, um Könige aus derselben Linie zu benennen. Die darauffolgenden Offenbarungen beschäftigen sich hauptsächlich mit den Handlungen dieser beiden Abspaltungen des Reiches Alexanders, da sie im Besonderen mit Gottes irdischem Volk und mit Gottes Land in Kontakt treten.

Daniel wird unterrichtet, dass der König des Südens, einer der Ptolemäer, ein berühmter Fürst unter Alexander, stark werden würde. Jedoch würde jemand aufstehen, der „über ihn hinaus“ erstarken würde. Dies war ohne Zweifel der erste König des Nordens. Die weltliche Geschichte gibt den Kampf zwischen diesen beiden Mächten sehr ausführlich wieder. Gott nennt hier nur die herausragenden Fakten, da im Verlauf dieser Kämpfe immer wieder der eine oder der andere das Land Israel in Besitz nahm.

Nach Jahren der Kämpfe würden diese beiden Mächte, gestärkt durch einen Heiratsbund, Bemühungen anstellen, sich durch ein Bündnis zu vereinigen. Die Tochter des Königs des Südens würde dem König des Nordens gegeben werden. Jedoch würde eine Beendigung des Kampfes durch diese Heirat nicht erreicht werden. Die Tochter des Königs des Südens würde, obwohl sie zum König des Nordens gekommen war, keine Macht erhalten. Sie, ihr Ehemann und ihre Diener würden ihren Feinden „hingegeben werden“. Die Geschichte berichtet uns, dass sie alle ermordet wurden.

„Doch einer von den Schösslingen ihrer Wurzeln wird an seiner statt aufstehen; und er wird gegen die Heeresmacht kommen und wird in die Festungen des Königs des Nordens eindringen und mit ihnen nach Gutdünken verfahren und wird siegen. Und auch wird er ihre Götter samt ihren gegossenen Bildern, samt ihren kostbaren Geräten, Silber und Gold, nach Ägypten in die Gefangenschaft führen; und er wird jahrelang standhalten vor dem König des Nordens. Und dieser wird in das Reich des Königs des Südens kommen, aber in sein Land zurückkehren“ (11,7–9).

Der Bruder der ermordeten Königin würde, nachdem er in seine Position als König des Südens gelangt ist, den König des Nordens angreifen, um den Tod seiner Schwester zu rächen. Er würde über den König des Nordens siegen und, nachdem er viele Gefangene und eine reiche Beute genommen hat, in sein eigenes Land zurückkehren.

„Aber seine Söhne werden sich zum Krieg rüsten und eine Menge großer Heere zusammenbringen; und einer wird kommen und überschwemmen und überfluten; und er wird wiederkommen, und sie werden Krieg führen bis zu seiner Festung. Und der König des Südens wird sich erbittern und wird ausziehen und mit ihm, dem König des Nordens, kämpfen; und dieser wird eine große Menge aufstellen, aber die Menge wird in seine Hand gegeben werden. Und wenn die Menge weggenommen wird, wird sein Herz sich erheben; und er wird Zehntausende niederwerfen, aber nicht zu Macht kommen“ (11,10–12).

Zu seiner Zeit würden die Söhne des Königs des Nordens versuchen, ihre Niederlage zu rächen. Sie würden eine große Armee versammeln und das Heilige Land durchqueren, um den König des Südens anzugreifen. Wutschnaubend würde der König des Südens ausziehen, um diesem Angriff entgegenzutreten und seine Widersacher niederzuschlagen. Nichtsdestotrotz würde sein überwältigender Sieg weder seine eigene Sicherheit wiederherstellen, noch diese Kämpfe zu einem Ende bringen.

„Und der König des Nordens wird wiederkommen und eine Menge aufstellen, größer als die frühere; und nach einigen Jahren wird er mit einem großen Heer und mit großer Ausrüstung kommen. Und in jenen Zeiten werden viele aufstehen gegen den König des Südens; und Gewalttätige deines Volkes werden sich erheben, um das Gesicht zu erfüllen, und werden zu Fall kommen“ (11,13.14).

Nun würde der König des Nordens mit einer noch größeren Armee zum Angriff zurückkehren. Zudem würden viele andere sich dem Angriff auf den König des Südens anschließen. Weiter wird Daniel gesagt, dass Anführer aus seinem eigenen Volk – den Juden, die hier „Gewalttätige“ genannt werden – versuchen würden, sich selbst zu erhöhen, indem sie dieser Verbündung gegen den König des Südens beitreten.

„Und der König des Nordens wird kommen und einen Wall aufwerfen und eine befestigte Stadt einnehmen; und die Streitkräfte des Südens werden nicht standhalten, sogar sein auserlesenes Volk wird keine Kraft haben, um standzuhalten. Und der, der gegen ihn gekommen ist, wird nach seinem Gutdünken handeln, und niemand wird vor ihm bestehen; und er wird im Land der Zierde stehen, und Vertilgung wird in seiner Hand sein“ (11,15.16).

Im Verlauf dieses Kampfes würde der König des Nordens die befestigten Städte im Land Israel einnehmen, und das Land der Zierde würde unter seine Macht kommen. Die Streitkräfte des Königs des Südens würden nicht in der Lage sein, die Eroberung des Landes der Zierde zu verhindern.

„Und er wird sein Angesicht darauf richten, mit der Macht seines ganzen Reiches zu kommen, indem er einen Ausgleich im Sinn hat, und er wird ihn bewirken; und er wird ihm eine Tochter der Frauen geben, zu ihrem Verderben; und sie wird nicht bestehen und wird nichts für ihn sein“ (11,17).

Nachdem er das Land in Besitz genommen hat, würde der König sich darauf vorbereiten, mit allen Kräften seines Königreichs in das Land des Königs des Südens einzudringen. Offensichtlich würde er jedoch seine Meinung ändern und dem König des Südens seine Tochter geben, in der Hoffnung, durch sie seine Ziele mittels Bestechung zu erreichen. Diese würde sich jedoch weigern, für ihren Vater gegen ihren Ehemann zu handeln.

„Und er wird sein Angesicht zu den Inseln hinwenden und viele einnehmen; aber ein Feldherr wird seinem Hohn ein Ende machen, dazu noch seinen Hohn ihm zurückgeben. Und er wird sein Angesicht zu den Festungen seines Landes hinwenden und wird straucheln und fallen und nicht mehr gefunden werden“ (11,18.19).

Während er darauf vertraut, dass durch diese Heirat seine Ziele mit Ägypten gesichert wären, würde der König des Nordens die Inseln Griechenlands angreifen und für eine Zeit lang siegreich sein. Doch ein Feldherr würde von Westen her aufstehen und ihn vollständig besiegen und ihn dazu bringen, als niedergedrückter und zerschlagener Fürst in sein Land zurückzukehren.

„Und an seiner statt wird einer aufstehen, der einen Eintreiber der Abgaben durch die Herrlichkeit des Reiches ziehen lässt; aber in wenigen Tagen wird er zerschmettert werden, und zwar weder durch Zorn noch durch Krieg“ (11,20).

Infolge seiner Niederlage würde der König des Nordens (wie wir aus der Geschichte wissen) den Römern Abgaben zahlen müssen. Daher würde sein Nachfolger als „Eintreiber der Abgaben“ bekannt sein. Seine Eintreibungen von dem Volk des Landes würden zu seiner Ermordung führen.

„Und an seiner statt wird ein Verachteter aufstehen, auf den man nicht die Würde des Königtums legen wird; und er wird unversehens kommen und sich des Königtums durch Schmeicheleien bemächtigen. Und die überschwemmenden Streitkräfte werden vor ihm überschwemmt und zertrümmert werden, und sogar ein Fürst des Bundes. Denn seitdem er sich mit ihm verbündet hat, wird er Trug üben und wird hinaufziehen und mit wenig Volk Macht gewinnen. Unversehens wird er in die fettesten Gegenden der Landschaft eindringen und tun, was weder seine Väter noch die Väter seiner Väter getan haben: Raub und Beute und Gut wird er ihnen zerstreuen und gegen die Festungen seine Pläne ersinnen, und zwar eine Zeit lang“ (11,21–24).

Er würde durch eine niederträchtige Person besiegt werden, die in der Geschichte als Antiochus Epiphanes bekannt ist. Dieser würde nicht der rechtmäßige Erbe sein, sondern durch Schmeicheleien die Widerstände entschärfen und das Königreich friedevoll erben. Er würde des Land Gottes überfluten, allen Widerstand niederschmettern und den Führer des Volkes Gottes beiseitesetzen, der hier als Fürst des Bundes bezeichnet wird. Er würde ein Bündnis mit dem Volk eingehen und dann Trug üben, um durch Korruption und Bestechung die fettesten Gegenden der Landschaft zu erlangen. Zudem würde er Götzendienst unter dem Volk einführen, was seine Väter zuvor nicht getan hatten.

„Und er wird seine Kraft und seinen Mut gegen den König des Südens erwecken mit einem großen Heer. Und der König des Südens wird sich zum Krieg rüsten mit einem großen und überaus starken Heer; aber er wird nicht bestehen, denn man wird Pläne gegen ihn ersinnen; und die, die seine Tafelkost essen, werden ihn zerschmettern; und sein Heer wird überschwemmen, und viele Erschlagene werden fallen. Und die beiden Könige: Ihre Herzen werden auf Bosheit bedacht sein, und an einem Tisch werden sie Lügen reden; aber es wird nicht gelingen, denn das Ende verzögert sich noch bis zur bestimmten Zeit. Und er wird mit großem Reichtum in sein Land zurückkehren, und sein Herz wird gegen den heiligen Bund gerichtet sein; und er wird handeln und in sein Land zurückkehren“ (11,25–28).

Nachdem er das Land der Zierde in Besitz genommen hat, würde er den König des Südens angreifen, wobei er auf ein mächtiges Heer stoßen würde. Dennoch würde der König des Südens eine Niederlage erleiden, da der König des Nordens Pläne gegen ihn ersinnen und seine Anhänger bestechen würde. Diese beiden Könige würden sich treffen und versuchen, sich gegenseitig an demselben Tisch zu betrügen. Der König des Nordens würde mit großem Reichtum in sein Land zurückkehren, wobei er in seinem Herzen beschlossen haben würde, keine der Vereinbarungen einzuhalten, die er mit dem König des Südens oder dem Volk Gottes getroffen hat.

„Zur bestimmten Zeit wird er wiederkehren und gegen den Süden ziehen, aber es wird zuletzt nicht sein wie im Anfang. Denn Schiffe aus Kittim werden gegen ihn kommen; und er wird verzagen und umkehren, und er wird gegen den heiligen Bund ergrimmen und handeln: Er wird umkehren und sein Augenmerk auf diejenigen richten, die den heiligen Bund verlassen. Und Streitkräfte von ihm werden dastehen; und sie werden das Heiligtum, die Festung, entweihen und werden das beständige Opfer abschaffen und den verwüstenden Gräuel aufstellen. Und diejenigen, die gottlos handeln gegen den Bund, wird er durch Schmeicheleien zum Abfall verleiten; aber das Volk, das seinen Gott kennt, wird sich stark erweisen und handeln. Und die Verständigen des Volkes werden die Vielen unterweisen, aber sie werden fallen durch Schwert und Flamme, durch Gefangenschaft und Raub, eine Zeit lang. Und wenn sie fallen, wird ihnen mit einer kleinen Hilfe geholfen werden; und viele werden sich ihnen mit Heuchelei anschließen. Und von den Verständigen werden einige fallen, damit sie geläutert und gereinigt und weiß gemacht werden bis zur Zeit des Endes; denn es verzögert sich noch bis zur bestimmten Zeit“ (11,29–35).

Schließlich würde der König des Nordens den König des Südens erneut angreifen. Bei diesem Angriff würde eine westliche Macht ihm entgegentreten. Die Schiffe aus Kittim kommen gegen ihn – eine Flotte des Römischen Reiches. Wegen der Durchkreuzung seiner Pläne durch diesen neuen Feind würde er gezwungen sein, sich mit Entrüstung aus dem Süden zurückzuziehen. Seine Verärgerung würde er offensichtlich an den Juden auslassen. Von der Mitte von Vers 30 bis zum Ende von Vers 35 finden wir in großer Ausführlichkeit die Handlungen dieses niederträchtigen Mannes in Bezug auf die Juden und ihr Land beschrieben. Zu diesen Ereignissen haben diese historischen Einzelheiten hingeführt, da sie die Feindseligkeit der Menschen gegen Gott und sein Volk darlegen – eine Feindschaft, deren schrecklichem Höhepunkt sich der Jude in den letzten Tagen ausgesetzt sehen wird.

In den Tagen dieses schändlichen Königs werden, wie in den letzten Tagen, Abtrünnige unter den Juden gefunden werden – solche, die „das Heiligtum, die Festung, entweihen“. Auf diese Menschen wird er „sein Augenmerk ... richten“ und „durch Schmeicheleien zum Abfall verleiten“. Während er eine Zeit lang mit seiner Verdorbenheit Erfolg hat, wird er Macht besitzen, die er benutzen wird, um das Heiligtum zu entweihen, das beständige Opfer abzuschaffen und ein Götzenbild im Tempel aufzustellen.

Trotz allem wird es in dieser schrecklichen Zeit das Volk geben, „das seinen Gott kennt“. Dieses wird stark sein und für seinen Gott handeln und viele in den Wegen und Gedanken Gottes unterweisen. In der Folge wird es viele Tage lang Verfolgung, Gewalt und Gefangenschaft erleiden müssen. Doch in all seinem Leid wird ihm geholfen werden. All dies wird Gott zulassen, um es im Hinblick auf den Lohn und die Ehre, die am Ende kommen wird, zu erproben und zu prüfen, denn das Ende ist von Gott festgesetzt und wird gewiss kommen.

Die führenden Ereignisse, die in dieser Prophetie vorhergesagt werden, werden mit einer solchen Präzision angegeben, dass es einfach ist, ihre exakte Erfüllung in der weltlichen Geschichte zu sehen und sogar die Namen der verschiedenen Akteure und die Daten und Orte ihrer Siege und Niederlagen zu nennen. Darüber hinaus werden die letzten Ereignisse in dieser Prophezeiung, die in den Versen 21 bis 35 dargestellt werden und die Handlungen des niederträchtigen Antiochus Epiphanes beschreiben, besonders ausführlich dargestellt. Der Grund dafür ist, dass sie nicht nur die mit dem Volk Gottes in Verbindung stehende Geschichte vorstellen, die sich bereits erfüllt hat, sondern mit großer Genauigkeit die noch größeren Leiden beschreiben, die das jüdische Volk in den zukünftigen Tagen der großen Drangsal durchleben wird.

Der Antichrist (11,36–39)

„Und der König wird nach seinem Gutdünken handeln, und er wird sich erheben und sich groß machen über jeden Gott, und gegen den Gott der Götter wird er Erstaunliches reden; und er wird Gelingen haben, bis der Zorn vollendet ist, denn das Festbeschlossene wird vollzogen. Und auf den Gott seiner Väter wird er nicht achten, und weder auf die Sehnsucht der Frauen noch auf irgendeinen Gott wird er achten, sondern er wird sich über alles erheben. Und an dessen statt wird er den Gott der Festungen ehren: Den Gott, den seine Väter nicht gekannt haben, wird er ehren mit Gold und mit Silber und mit Edelsteinen und mit Kleinodien. Und er wird gegen die starken Festungen so verfahren mit dem fremden Gott: Wer ihm Anerkennung zollt, dem wird er viel Ehre erweisen, und er wird ihm Herrschaft verleihen über die Vielen und das Land austeilen zum Lohn“ (11,36–39).

Bis zum Ende von Vers 35 haben wir Prophetie über Ereignisse, die zwar in den Tagen Daniels in der Zukunft lagen, sich jedoch inzwischen längst erfüllt haben. Von Vers 36 an spricht der Engel von Ereignissen, deren Erfüllung noch in der Zukunft liegt. Dies wird durch die Worte des Engels deutlich, die davon reden, dass diese Dinge sich fortsetzen werden, bis der Zorn vollendet ist (11,36). Auch wird dies durch den Bezug auf die Zeit des Endes deutlich (11,40). Schon einmal hatte der Engel die Bezeichnung „Zeit des Endes“ verwendet, um zu zeigen, dass bezüglich der Verfolgungen, durch die der gläubige Überrest gehen muss, ein Ende in Sicht ist (11,35). In Vers 40 wird dieser Ausdruck nun benutzt, um Ereignisse zu beschreiben, die der Zeit des Endes direkt vorausgehen. Weiterhin ist es wichtig festzustellen, dass der Engel in Vers 36 unter der Bezeichnung „der König“ eine völlig neue Person in seine Prophezeiung einführt. Aus Vers 40 lernen wir, dass sowohl der König des Südens als auch der König des Nordens dieser neu eingeführten Person entgegentreten werden. Offensichtlich spricht der Engel also nicht mehr von dem König von Ägypten oder Assyrien, sondern von einem König, der in dem Land regiert.

Die Eigenschaften dieses Mannes, die der Engel angibt, passen so vollständig zu der Beschreibung des Menschen der Gesetzlosigkeit, oder des Antichrists, die im Neuen Testament dargelegt wird (2. Thes 2), dass man nur schlussfolgern kann, dass sich beide Abschnitte auf dieselbe Person beziehen. Der Unterschied besteht darin, dass der Antichrist in Daniel im Zusammenhang mit dem jüdischen Abfall vorgestellt wird, während er im zweiten Thessalonicherbrief als Folge des Abfalls der Christenheit genannt wird. Es ist die prophetische Beschreibung dieses schrecklichen Mannes, die diesem letzten Abschnitt der Prophezeiung eine solch tiefe Wichtigkeit verleiht.

  1. Als erstes lernen wir, dass er „nach seinem Gutdünken handeln“ wird. Er wird in völliger Unabhängigkeit von Gott agieren, indem er keinen anderen Willen als den seinen anerkennt.
  2. Zweitens wird er sich selbst über jeden Gott erhöhen und verherrlichen. Diese ersten beiden Dinge kennzeichneten den Sündenfall. Adam handelte in Unabhängigkeit von Gott in der Verlockung, sich selbst zu erhöhen und wie Gott zu sein. Im Antichrist werden diese beiden Dinge in ihrer endgültigen Ausprägung zum Vorschein kommen, dem Höhepunkt alles Bösen, das das Geschlecht Adams verdorben hat.
  3. Drittens wird er nicht nur behaupten, jedem Gott überlegen zu sein, sondern er wird auch lästerliche Dinge gegen den Gott der Götter aussprechen.
  4. Viertens wird diesem furchtbaren Menschen trotz seiner Boshaftigkeit gewährt, „Gelingen [zu] haben, bis der Zorn vollendet ist“. Der Prophet Jesaja zeigt deutlich, dass der Ausdruck „Zorn“ verwendet wird, um die Zeit des Handelns Gottes in herrschaftlichem Gericht mit dem Volk Israel zu beschreiben (vgl. Jes 5–10; 14).
  5. Fünftens lernen wir: „Und auf den Gott seiner Väter wird er nicht achten, und weder auf die Sehnsucht der Frauen noch auf irgendeinen Gott wird er achten, sondern er wird sich über alles erheben.“ Er wird also offenbar ein abgefallener Jude sein, der nicht nur den HERRN verwirft, sondern auch den Messias, dessen Geburt die Sehnsucht der jüdischen Frauen war.
  6. Sechstens, nachdem er sich über alles erhoben und sich selbst zum Gott ernannt hat, wird er den Menschen einen neuen Gott aufzwingen, den „Gott der Festungen“. Offensichtlich setzt er die Herrschaft der Macht über die des Rechts.
  7. Siebtens wird er unter diesem neuen Gott der Macht das gesamte Land Israel organisieren und es für seinen eigenen Gewinn und als Lohn für solche, die seinen Willen ausführen, aufteilen.

Dies sind die furchtbaren Merkmale des kommenden Antichrists, die in Verbindung mit den Juden und dem Land stehen. In seinem Auftreten wird er das genaue Gegenteil von all dem sein, was in Christus auf so wunderbare Weise gesehen werden kann, der immer den Willen Gottes tat, sich nie selbst erhöhte und nur die Ehre des Vaters und das Wohl der Menschen suchte.

So wird uns in wenigen, kurzen Worten der Antichrist vorgestellt, der selbst als ein abgefallener Jude über eine abgefallene Nation herrschen wird. Dies wird uns in der Offenbarung näher beschrieben.

Der König des Nordens (11,40–45)

„Und zur Zeit des Endes wird der König des Südens mit ihm zusammenstoßen, und der König des Nordens wird gegen ihn anstürmen mit Wagen und mit Reitern und mit vielen Schiffen; und er wird in die Länder eindringen und wird sie überschwemmen und überfluten. Und er wird ins Land der Zierde eindringen, und viele Länder werden zu Fall kommen; diese aber werden seiner Hand entkommen: Edom und Moab und die Vornehmsten der Kinder Ammon. Und er wird seine Hand an die Länder legen, und das Land Ägypten wird nicht entkommen; und er wird die Schätze an Gold und Silber und alle Kostbarkeiten Ägyptens in seine Gewalt bringen, und Libyer und Äthiopier werden in seinem Gefolge sein“ (11,40–43).

Im Antichrist wird uns der große Feind Gottes und seines Volkes vorgestellt, der in den letzten Tagen inmitten des jüdischen Volkes gefunden werden wird. Diese abschließenden Verse des Kapitels kündigen prophetisch an, dass das Volk gleichzeitig von einem Feind von außen bekämpft werden wird.

Zur „Zeit des Endes“, wenn die Juden in ihr Land zurückgekehrt sind und unter der Herrschaft des Antichrists stehen, werden sie vom König des Südens und vom König des Nordens angegriffen werden. Der König des Nordens wird offenbar ein großer und ernster Gegner für das Volk sein, denn wir lesen, dass er wie ein Wirbelwind kommen und das Land überschwemmen und in es eindringen wird. Eine Zeit lang wird er seine siegreiche Laufbahn fortsetzen, denn „viele Länder werden zu Fall kommen“. Edom, Moab und die Kinder Ammon werden entkommen, doch das Land Ägypten wird unter seine Herrschaft fallen.

Wir können aus diesem Abschnitt entnehmen, dass diese alten Völker, die das Land schon in früheren Zeiten umgaben, wieder auftauchen werden, wenn die Juden wieder in ihr Land eingesetzt sind, und zwar entlang der Grenzen der Länder, die ihnen ursprünglich von Gott zugewiesen worden waren. Wir wissen von Jesaja, dass das Gericht Gottes über diese drei Nationen von Israel ausgeführt werden wird (Jes 11,14). Daher könnte es sein, dass es dem König des Nordens nicht erlaubt wird, sie zu berühren. Die Libyer und Äthiopier werden seinen Anweisungen offensichtlich Folge leisten.

„Aber Gerüchte von Osten und von Norden her werden ihn erschrecken; und er wird ausziehen in großem Grimm, um viele zu vernichten und zu vertilgen. Und er wird seine Palastzelte aufschlagen zwischen dem Meer und dem Berg der heiligen Zierde. Und er wird zu seinem Ende kommen, und niemand wird ihm helfen“ (11,44.45).

Inmitten seiner Erfolge wird er die Nachricht von sich nähernden Feinden aus dem Osten und dem Norden erhalten, was ihn dazu zwingen wird, „in großem Grimm“ gegen diese neuen Gegner auszuziehen. Auf der Heimreise wird er danach trachten, seinen Palast auf dem Berg der heiligen Zierde aufzuschlagen.

In diesem Abschnitt werden uns keine Einzelheiten über die Umstände gegeben, die seine Laufbahn beendeten. Uns wird lediglich mitgeteilt, dass er zu seinem Ende kommen wird und niemand da sein wird, um ihm zu helfen. Dieser Ausdruck scheint anzudeuten, dass Gott mit diesem Feind unabhängig von menschlicher Mitwirkung handeln wird (vgl. Hes 39,1–7).

Wenn wir die verschiedenen Aussagen der Verse 36 und 45 zusammenbringen, sehen wir ein klares Bild der Juden zur Zeit des Endes, wenn sie im Unglauben, indem sie Christus als ihren Messias verwerfen, in ihr Land zurückgeführt worden sein werden. Sie werden ihren Tempel wiederaufgebaut und die Darbringung von Opfern wiederaufgenommen haben. Nachdem sie ihren König verworfen haben, werden sie nach den Worten des Herrn einen anderen aufnehmen, der „in seinem eigenen Namen kommt“ (Joh 5,43). Demnach werden sie den Antichrist als ihren König annehmen. Im Norden des Landes wird Syrien unter einem mächtigen König aufgerichtet werden. Im Süden wird Ägypten unter seinem eigenen König gedeihen und „Schätze an Gold und Silber“ haben. Äthiopien und Libyen werden als unabhängige Nationen existieren. Im Osten werden Edom, Moab und Ammon wiederaufgerichtet werden. In diesen Umständen werden die Juden, nachdem sie die Herrschaft des Antichrists angenommen haben, abfallen und ihren nördlichen Feinden zum Opfer fallen.

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