Das Buch der Richter
Bleibe deinem Gott treu!

Kapitel 4

Debora und Barak

Die allgemeine Geschichte Israels wird hier nach dem Einschub Schamgars und seines Sieges über die Philister fortgesetzt.

Israel und seine Feinde (V. 1-3)

Und die Kinder Israel taten wieder, was böse war in den Augen des HERRN; und Ehud war gestorben. Da verkaufte sie der HERR in die Hand Jabins, des Königs der Kanaaniter, der in Hazor regierte; und sein Heeroberster war Sisera, und er wohnte in Haroschet-Gojim. Und die Kinder Israel schrien zu dem HERRN; denn er hatte 900 eiserne Wagen, und er bedrückte die Kinder Israel zwanzig Jahre mit Gewalt (4,1-3).

Die Kinder Israel taten wieder, was böse war in den Augen des HERRN (V. 1).

In der Zeit der ersten Erweckung (Othniel und Ehud) wurde das Volk infolge seines Fehlverhaltens von äusseren Feinden unterdrückt: Aram aus Mesopotamien und Moab von den Ebenen östlich des Jordan. Israel konnte sich vor ihren Angriffen schützen, indem es seine Grenzen bewachte.

Jetzt brachte die Untreue des Volkes es unter die Knechtschaft der Kanaaniter. Das waren Feinde, die in ihrem eigenen Gebiet mitten unter ihnen wohnten. Damit wurde die Situation für Israel viel kritischer. Das ist für uns ein Bild eines inneren Kampfs in unseren Seelen.

Die Kanaaniter wohnten einst im Norden des Landes. Jabin, dessen Name «der Weise» oder «der Verständige» bedeutet, war der offizielle Titel der Könige der Kanaaniter. Er regierte in Hazor, der Hauptstadt all dieser Königreiche (Jos 11,1.10).

Zur Zeit Josuas waren die Heere der Kanaaniter und der mit ihnen verbündeten Nationen am Wasser Merom vollständig vernichtet worden (Jos 11,1-15).

Zur Zeit der Richter aber liess Gott die Kanaaniter in der Mitte Israels, um es zu prüfen (Kap. 3,1-4). Da sündigte das Volk schwer, indem es sich durch Heirat mit diesen heidnischen Nationen verband (Kap. 3,5.6).

Jetzt bauten diese Feinde unter der hochmütigen Herrschaft des Heerobersten Siseras ihre Kräfte wieder auf. Sie besassen 900 eiserne Wagen und bedrückten das Volk Gottes. War sich Israel bewusst, dass die Hand Gottes seine Feinde lenkte? Es heisst hier ausdrücklich: «Da verkaufte sie der HERR in die Hand Jabins» (V. 2).

Debora und der vertrauende Glaube (V. 4.5)

Und Debora, eine Prophetin, die Frau Lappidots, richtete Israel in jener Zeit. Und sie wohnte unter der Debora-Palme zwischen Rama und Bethel, auf dem Gebirge Ephraim; und die Kinder Israel gingen zu ihr hinauf zum Gericht (4,4.5).

Gott antwortete auf den Notschrei seines Volkes, indem er ihnen eine Frau zur Befreiung sandte, Debora, die Frau Lappidots (V. 4). Die Schwachheit des Volkes war so gross, dass der Ausspruch des Propheten auf die aktuelle Situation zutraf: «Ich suchte einen Mann unter ihnen ...; aber ich fand keinen» (Hes 22,30).

   Ihr Name und der Name ihres Mannes: Debora bedeutet «Biene», ein Symbol für Aktivität in der Natur. Der Name Lappidot bedeutet «Fackel». Wenn wir beides zusammen auf uns übertragen, dann heisst das: Wir sollen aktiv sein, um in der Welt das Licht Gottes darzustellen.

  • Ihre göttliche Berufung und ihr Dienst: Sie war als Prophetin von Gott zum Volk gesandt. Als Richterin übte sie die Regierung in seiner Mitte aus. Dadurch wurde die Ordnung wenigstens in einem gewissen Mass aufrechterhalten.
  • Ihr Wohnort: Sie wohnte zwischen Rama (ein erhöht gelegener Ort) und Bethel (= Haus Gottes) unter der Palme. Die Palme ist ein Bild des Segens (2. Mo 15,27; Ps 92,13). Für einen Diener ist es wichtig, in der Gemeinschaft mit seinem Herrn zu sein, bevor er einen öffentlichen Dienst ausübt.
  • Die Kraft ihres Glaubens und ihrer Liebe (Kap. 5,7): Zur rechten Zeit stand sie aus Liebe zu ihrem Volk und in Glaubensenergie auf, um eine Mutter in Israel zu sein. Das ist ein schönes Beispiel für «den Glauben, der durch die Liebe wirkt» (Gal 5,6).
  • Ihre demütige Stellung: Trotz des aussergewöhnlichen Charakters ihres Dienstes und der Gefahren, die daraus hervorgehen können, sehen wir sie nie den Platz der Zurückhaltung und Demut verlassen. So bewahrte sie stets die Stellung, die Gott der Frau sowohl in der menschlichen Gesellschaft als auch im Volk Gottes zuweist.

Barak und sein zögernder Glaube (V. 6-9)

Und sie sandte hin und ließ Barak, den Sohn Abinoams, von Kedes-Naphtali, rufen; und sie sprach zu ihm: Hat nicht der HERR, der Gott Israels, geboten: Geh hin und zieh auf den Berg Tabor, und nimm mit dir 10.000 Mann von den Kindern Naphtali und von den Kindern Sebulon; und ich werde Sisera, den Heerobersten Jabins, zu dir heranziehen an den Bach Kison samt seinen Wagen und seiner Menge, und ich werde ihn in deine Hand geben? Und Barak sprach zu ihr: Wenn du mit mir gehst, so gehe ich; wenn du aber nicht mit mir gehst, so gehe ich nicht. Da sprach sie: Ich will gewiss mit dir gehen; nur dass die Ehre nicht dein sein wird auf dem Weg, den du gehst, denn in die Hand einer Frau wird der HERR Sisera verkaufen. Und Debora machte sich auf und ging mit Barak nach Kedes (4,6-9).

Der Kontrast zwischen Debora und Barak ist demütigend und macht den niedrigen Zustand Israels offenbar. Dennoch ist es Barak und nicht Debora, der später durch den Schreiber des Hebräer-Briefs in der Wolke von Glaubenszeugen erwähnt wird (Heb 11,32).

Barak, dessen Name «Blitz» bedeutet, zeigte kaum die Energie, die sein Name ausdrückt. Unruhe und Furcht hinderten ihn, in der Kraft Gottes zu leben. Auf diese Gefahr weist uns Paulus hin, wenn er die Endzeit vor sich sieht, in der wir leben: «Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft» (2. Tim 1,7). Darüber hinaus appelliert der gleiche Apostel an alle, besonders aber an die Brüder: «Wacht, steht fest im Glauben; seid mannhaft, seid stark!» (1. Kor 16,13).

Der HERR gab Barak durch Debora genaue Anordnungen für den Kampf zur Befreiung Israels (V. 6.7). Aber Barak wollte lediglich die Hilfskraft einer Frau sein (V. 8), obwohl nach der Ordnung Gottes die Frau die Hilfe des Mannes ist. Der Glaube Baraks reichte nicht aus, um ohne jede menschliche Hilfe auszukommen. Da musste Debora ihm erklären: «Die Ehre wird nicht dein sein» (V. 9). Trotzdem zogen die beiden gemeinsam in den Kampf gegen die Feinde des Volkes.

  

Der Krieg gegen die Kanaaniter (V. 10-17)

Und Barak berief Sebulon und Naphtali nach Kedes; und ihm nach zogen 10.000 Mann hinauf; auch Debora zog mit ihm hinauf. (Heber aber, der Keniter, hatte sich von den Kenitern, den Kindern Hobabs, des Schwagers Moses, getrennt; und er hatte seine Zelte aufgeschlagen bis an die Terebinthe in Zaanannim, das neben Kedes liegt.) Und man berichtete Sisera, dass Barak, der Sohn Abinoams, auf den Berg Tabor hinaufgezogen wäre. Da berief Sisera alle seine Wagen, 900 eiserne Wagen, und alles Volk, das bei ihm war, von Haroschet-Gojim an den Bach Kison. Und Debora sprach zu Barak: Mach dich auf, denn dies ist der Tag, an dem der HERR Sisera in deine Hand gegeben hat! Ist nicht der HERR ausgezogen vor dir her? Und Barak stieg vom Berg Tabor hinab, und 10.000 Mann ihm nach. Und der HERR verwirrte Sisera und alle seine Wagen und das ganze Heerlager durch die Schärfe des Schwertes vor Barak her; und Sisera stieg vom Wagen herab und floh zu Fuß. Barak aber jagte den Wagen und dem Heerlager nach bis Haroschet-Gojim; und das ganze Heerlager Siseras fiel durch die Schärfe des Schwertes: Es blieb auch nicht einer übrig. Und Sisera floh zu Fuß in das Zelt Jaels, der Frau Hebers, des Keniters; denn es war Frieden zwischen Jabin, dem König von Hazor, und dem Haus Hebers, des Keniters (4,10-17). 

10'000 Mann aus Sebulon und Naphtali waren in Kedes zum Kampf versammelt. Debora begleitete zwar Barak, um ihm Mut zu machen, aber er stand allein an der Spitze des Heeres Israels (V. 10.14).

Als Barak trotz seiner Zurückhaltung und seines Zögerns den göttlichen Anordnungen gehorchte (V. 6.7), erfüllte Gott sein Versprechen. Er selbst verwirrte Sisera und dessen Heer (V. 15). Wie viel einfacher wäre unser christliches Leben, wenn Christus - unser Leben - in allen Kämpfen unsere Kraft wäre!

Der Tod Siseras (V. 18-22)

Da ging Jael hinaus, Sisera entgegen; und sie sprach zu ihm: Kehre ein, mein Herr, kehre ein zu mir, fürchte dich nicht! Und er kehrte ein zu ihr in das Zelt, und sie bedeckte ihn mit einer Decke. Und er sprach zu ihr: Lass mich doch ein wenig Wasser trinken, denn ich habe Durst. Und sie öffnete den Milchschlauch und ließ ihn trinken, und sie deckte ihn zu. Und er sprach zu ihr: Stelle dich an den Eingang des Zeltes; und es geschehe, wenn jemand kommt und dich fragt und spricht: Ist jemand hier?, so sage: Niemand. Und Jael, die Frau Hebers, ergriff einen Zeltpflock und nahm den Hammer in ihre Hand, und sie kam leise zu ihm und schlug den Pflock durch seine Schläfe, dass er in die Erde drang. Er war nämlich vor Erschöpfung in einen tiefen Schlaf gefallen; und er starb. Und siehe, da kam Barak, der Sisera verfolgte; und Jael ging hinaus, ihm entgegen, und sprach zu ihm: Komm, ich will dir den Mann zeigen, den du suchst! Und er ging zu ihr hinein, und siehe, Sisera lag tot da, und der Pflock war in seiner Schläfe (4,18-22).

Nur Sisera entkam nach der Vernichtung seines Heeres und seiner Wagen (V. 15.17). Er fand Zuflucht im Zelt Jaels, der Frau Hebers, des Keniters. Obwohl Heber im Gebiet der Israeliten wohnte, hatte er sich von seinem eigenen Volk getrennt, um mit den Feinden des Volkes Gottes Frieden zu schliessen (V. 11.17). Dieses traurige Motiv ist jeder Handlung des Glaubens entgegengesetzt.

Die Untreue Hebers stellt den Glauben seiner Frau Jael umso mehr in den Vordergrund. Im Zelt - die Wohnung des Fremdlings in der Wüste - nahm sie den Platz als Hausherrin ein und stand mit ihrem ganzen Herzen auf der Seite des Volkes Gottes. Welch ein Unterschied zu Barak: Allein nahm sie als schwache Frau Pflock und Hammer - zwei häusliche Werkzeuge - in ihre Hand, um das Gericht Gottes über den Feind seines Volkes auszuführen.

Barak war nur ein stummer Zeuge dieser Szene, als alles bereits ausgeführt war. So verstehen wir, dass der Segen gemäss dem Hinweis Deboras (V. 9) nicht Barak, sondern Jael zuteil wurde (Kap. 5,24).

Der Glaube ehrt Gott und Gott findet Gefallen daran, den Glauben der Seinen zu ehren (1. Sam 2,30).

Schluss (V. 23.24)

So beugte Gott an jenem Tag Jabin, den König von Kanaan, vor den Kindern Israel. Und die Hand der Kinder Israel wurde immer härter über Jabin, den König von Kanaan, bis sie Jabin, den König von Kanaan, vernichtet hatten (4,23.24). 

Gott bediente sich also der Treue von zwei Frauen, Debora und Jael, um das Gewissen Baraks und des ganzen Volkes aufzuwecken, damit sie wieder ihre Verantwortung fühlten.

Zunächst schlug Gott in seiner Macht den Feind, vernichtete ihn aber nicht ganz. Das Volk Israel, das seine moralische Trägheit abgeschüttelt hatte, bekämpfte nun seinen Feind bis zu seiner völligen Zerstörung.

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