Das Buch der Richter
Bleibe deinem Gott treu!

Kapitel 3,31

Schamgar (3,31)

Und das Land hatte achtzig Jahre Ruhe. Und nach ihm war Schamgar, der Sohn Anats; und er schlug die Philister, 600 Mann, mit einem Rinderstachel. Und auch er rettete Israel (3,31).

Die allgemeine Geschichte des Volkes Israel wird hier unterbrochen, um den Dienst Schamgars wie eine Zwischenbemerkung einzufügen. In Wirklichkeit knüpfte die Erweckung Baraks und Deboras an die Erweckung Ehuds an und nicht an die Zeit Schamgars (Kap. 4,1). Allerdings wird der Zustand des Volkes zur Zeit Schamgars im Lied von Debora beschrieben (Kap. 5,6-8). Wir müssen den letzten Vers des dritten Kapitels also im Licht der Aussage der Prophetin betrachten.

Die Umstände zur Zeit Schamgars (5,6-8)

Debora stellte hier fünf Kennzeichen des Niedergangs und des Ruins im Volk Gottes fest. Durch dieses Bild, das die Prophetin zeichnete, sollen wir heute die tiefen Ursachen unseres Niedergangs im christlichen Zeugnis prüfen.

  • «Die Pfade ruhten.» Das bedeutet, dass die Wege verlassen waren. Der Herr hat für seine Versammlung auf der Erde den richtigen Weg vorgezeichnet: die Lehre und Gemeinschaft der Apostel; das Brechen des Brotes und die Gebete; Frieden, Erbauung, Furcht des Herrn und Ermunterung des Heiligen Geistes (Apg 2,42; 9,31). Dies sind die Pfade der Vorzeit, die guten Wege (Jer 6,16). Auf diesem Weg geniessen wir Frieden und Segen, indem wir zum Ziel, zu Christus in der Herrlichkeit, unterwegs sind. Doch sobald Feinde das Land besetzen, schwindet jede Sicherheit. Dann meiden die Wanderer die Wege, um den Hinterhalten und Fallen des Feindes zu entgehen.
  • «Die Wanderer betretener Wege gingen krumme Pfade.» Damit wird erklärt, dass die Israeliten die grossen und guten Wege zugunsten kleiner und krummer Pfade verliessen. Der Gerechte folgt dem geraden Weg und wandelt im Licht (Spr 4,18; Jes 35,8). Aber in Zeiten des Verfalls wendet man sich vom Glauben und von der Wahrheit ab (1.Tim 6,20.21; 2.Tim 4,4). Als Folge davon verschwindet der Frieden (Jes 59,8).
  • «Es ruhten die Landstädte.» Das ist ein Hinweis darauf, dass in Israel die Orte, wo die Familien zusammen wohnten, verlassen waren und die Autoritäten nichts mehr galten (siehe Fussnote zu V. 7). So ist auch die sichtbare Einheit der Versammlung auf der Erde verloren gegangen. Die Autorität des Herrn in der Mitte der versammelten Seinen geriet in Vergessenheit und damit wurde das Versammeltsein zu seinem Namen hin aufgegeben (Mt 18,18.20). Das ist wohl die Hauptursache der Zerstreuung der Glaubenden.
  • «Israel erwählte neue Götter.» Damit war der Götzendienst zur Religion des Volkes geworden, das den wahren Gott aufgegeben hatte. Israel war nun sich selbst überlassen und wurde von den Feinden bedrückt: «Da war Kampf an den Toren» (V. 8).
  • «Wurde wohl Schild und Lanze gesehen unter 40'000 in Israel?» Es fehlte in Israel an Schild und Lanze. Da fragen wir uns: Wie kann ein Volk ohne Waffen gegen seine Feinde bestehen? Gott stellt jedem Christen die Waffen des Lichts und der Gerechtigkeit zur Verfügung (Röm 13,12; 2.Kor 6,7). Machen wir Gebrauch vom Schwert des Geistes, dem Wort Gottes? Benutzen wir den Schild des Glaubens, das völlige Vertrauen auf Gott, um die feurigen Pfeile des Bösen auszulöschen?

Zusammenfassend können wir hier in Israel ein ergreifendes Bild unseres persönlichen und gemeinsamen Zustands erkennen. Das führt uns in die Gegenwart Dessen, der allein «Vermaurer der Lücken, Wiederhersteller bewohnbarer Strassen» ist (Jes 58,12). Wie schön, wenn der Herr in unseren Herzen ein echtes Werk seiner Gnade bewirken kann!

Schamgar, Sohn Anaths (3,31)

Ein neuer Richter stand auf. Durch ihn befreite Gott sein Volk. Es ging jetzt nicht mehr um Feinde, die im Bild gesehen der menschlichen Natur entspringen (Moab, die Kinder Ammon und Amalek) wie zur Zeit Ehuds, sondern um die Philister, die während der ganzen Geschichte der Richter immer wieder vorkommen.

Die Philister waren Nachkommen Hams und stammten aus dem assyrischen Reich. Ihre Väter waren die Kasluchiter bzw. die Kaphtoriter, die aus Kaphtor kamen (1.Mo 10,14; 5.Mo 2,23; 1.Chr 1,12 ). Gott hatte sie in der Mitte Israels erhalten, um sein Volk zu prüfen (Kap. 3,3.4). Sie sind ein Bild des Fleisches im Gläubigen, insbesondere des religiösen Fleisches, das sich an äussere Formen der Frömmigkeit klammert. Die Philister, deren Name «Umherziehende» oder «Fremde» bedeutet, waren einst aus Ägypten gekommen und hatten sich, ohne den Jordan zu überqueren, im Land Kanaan niedergelassen. Nun wohnten sie im Volk Israel und mischten sich in das vertrauliche Leben des Volkes Gottes ein. Das ist die Gefahr des Fleisches im Gläubigen!

Bei der Befreiung durch Schamgar handelte es sich nicht um einen nationalen Sieg, auf den - wie in den beiden vorhergehenden Fällen von Othniel und Ehud - eine lange Ruhezeit folgte. Trotzdem schlug er 600 Philister und rettete Israel. Beim Richter Ehud waren seine Person und seine Herkunft in den Augen der Welt gering. Nun benutzte Schmagar eine verächtliche Waffe: einen Rinderstachel, der eigentlich zum Treiben des unverständigen Viehs benutzt wurde.

Da aber sowohl der eine wie der andere Richter im Glauben handelte, war der Rinderstachel Schamgars genauso wirksam wie das Kurzschwert Ehuds. Auch für uns Christen gilt es, im Glauben zu kämpfen. Wir besitzen dazu Christus als Kraft und als Weisheit. Denn: «Die Worte der Weisen sind wie Treibstacheln» (Pred 12,11).

Auf die traurige Darstellung des Zustands von Israel vor seiner Befreiung folgt die Beschreibung der Glaubenskraft Schamgars, der den Feind besiegte. Auch heute kann der Christ in Zeiten der Schwachheit und des Niedergangs im Glauben die Welt überwinden (1.Joh 5,4.5).

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