Das Buch der Richter
Bleibe deinem Gott treu!

Einleitung

Das Buch der Richter schliesst direkt an das Buch Josua an. Es erzählt - wenn wir die ersten sieben Kapitel des ersten Buches Samuel noch dazunehmen - die Geschichte des Volkes Israel nach der Eroberung des verheissenen Landes bis zur Einführung des Königtums. Dieser Bericht erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa 450 Jahren (Apg 13,20). Die herrliche Zeit der Treue gegenüber Gott im Buch Josua dauerte nur etwa 30 Jahre. Die Zeit der Untreue und der Niederlagen im Buch der Richter nimmt hingegen einen viel grösseren Raum ein.

Ebenso verhielt es sich mit der Geschichte der Versammlung auf der Erde. Das Buch Josua findet sein Gegenstück im Epheser-Brief, der die Gedanken Gottes über Christus und seine Versammlung offenbart. Zudem stellt dieser Brief den geistlichen Kampf des Erlösten in den himmlischen Örtern vor, durch den er im Glauben die himmlischen Segnungen in Christus ergreift, um sie zu geniessen. Dem Buch der Richter dagegen entspricht der zweite Brief an Timotheus, der nur einige Jahre nach dem Epheser-Brief geschrieben wurde. Dieser Brief zeigt uns, dass das Haus Gottes auf der Erde seinen Charakter als Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit damals bereits grösstenteils verloren hatte (1.Tim 3,15).

Um unsere Gewissen wachzurütteln, berichtet die Bibel ausführlich über den Verfall und Ruin des Volkes Israel, denn wir finden darin im Bild die Geschichte der Versammlung auf der Erde. Gleichzeitig werden unsere Herzen durch die Hilfsmittel der Gnade ermutigt, die Gott für diese schwierige Zeit gab. Die Zeit der Richter war von Schwachheit geprägt. Zugleich war sie auch eine Zeit der geistlichen Erweckungen und des Erbarmens Gottes gegenüber seinem Volk: «Seine Seele wurde ungeduldig über die Mühsal Israels» (Kap. 10,16).

Das Buch der Richter gliedert sich in drei grosse Abschnitte:

  1. Kapitel 1 - 2: Der Standpunkt Israels nach dem Tod Josuas
  2. Kapitel 3 - 16: Die Untreue des Volkes und die Befreiungen Gottes
  3. Kapitel 17 - 21: Der moralische Zustand Israels in der Zeit der Richter

Während der Eroberung des Landes versammelte sich das Volk immer wieder in Gilgal. Dieser Ort war sowohl Ausgangspunkt für die Siege Israels als auch Sammelpunkt des Volkes nach dem Triumph über die Feinde. Die ganze Geschichte der Eroberungen zur Zeit Josuas lässt sich in diesem Ort zusammenfassen. Gilgal bedeutet für uns Christen die Verurteilung des Fleisches auf der Grundlage des Todes Christi. Nur so können wir Siege erringen und danach standhaft bleiben.

Während der Zeit der Richter wurde Gilgal aufgegeben. Das Volk vergass seine Schwachheit und entfernte sich von seinem Gott. So kam der Engel des HERRN nach Bochim (= Weinende) herauf. Israel merkte nun: Gott war einst in Gilgal gewesen, aber nun war Er nicht mehr dort.

Gott ist gerecht, darum musste Er sich in seiner Regierung gegen sein treuloses Volk stellen. Siebenmal fiel Israel in die Hand seiner Feinde (sogar solcher, die sich im Land selbst befanden), weil «die Kinder Israel taten, was böse war in den Augen des HERRN». Diesen Ausdruck finden wir siebenmal in diesem Buch: In den Kapiteln 2,11; 3,7; 3,12; 4,1; 6,1; 10,6 und 13,1.

Aber Gott liebte sein Volk immer und setzte Richter zu seiner Befreiung ein (Kap. 2,16.18). Jede einzelne Befreiung im Buch der Richter ist für uns das Bild einer geistlichen Erweckung durch das Wirken des Heiligen Geistes mitten in einer untreuen und schlafenden Christenheit.

Dieser eindrückliche Wechsel zwischen Gericht und Barmherzigkeit wird in den Kapiteln 3-16 entwickelt. Die folgende Übersichtstabelle veranschaulicht die Ordnung des göttlichen Berichts. Tatsächlich setzte sich diese Geschichte zu Beginn des Buches Samuel fort, als die Philister die Lade des Bundes des HERRN wegnahmen. In diesem ernsten Augenblick, der die tiefe Not Israels widerspiegelte, wurde das Urteil «Ikabod: Die Herrlichkeit ist von Israel gewichen!» über das untreue Volk ausgesprochen (1.Sam 4,21.22). Da sandte Gott den Propheten Samuel, den letzten Richter (Apg 13,20). Als das Volk sich in Mizpa vor Gott demütigte und Wasser ausgoss, wurde es wirklich wiederhergestellt (1.Sam 7,5.6). Daraufhin befreite Gott das Volk Israel vom Joch der Philister. Nach diesem Sieg stellte Samuel einen Stein auf und gab ihm den Namen Eben-Eser (= Stein der Hilfe). Er war ein Andenken an das wunderbare Wirken der Gnade Gottes.

Zusammengefasst können wir sagen: Gilgal kennzeichnet das Buch Josua und Bochim das Buch der Richter. In Mizpa wurde das Volk Israel zu Beginn des ersten Buches Samuel durch Demütigung auf die Ankunft des Königs David vorbereitet, der ein Vorausbild auf Christus ist.

Die letzten fünf Kapitel des Buches der Richter folgen nicht der chronologischen Ordnung der Ereignisse. Sie malen ein schreckliches Bild des moralischen und religiösen Zustands des Volkes Israel, das Gott mit bewundernswerter Geduld getragen hat. Ungehemmt entfalten sich Götzendienst und Gewalttat (Kap. 17-18) und moralisches Verderben (Kap. 19-21). Den traurigen Abschluss des Buches bilden die Worte: «In jenen Tagen war kein König in Israel; jeder tat, was recht war in seinen Augen» (Kap. 21,25).

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