Das Buch der Richter
Bleibe deinem Gott treu!

Kapitel 7,1-22

Der Kampf gegen Midian Kapitel 7,1-22

Die Auswahl der Krieger an der Quelle Harod (V. 1-8)

„Und Jerub-Baal, das ist Gideon, und alles Volk, das bei ihm war, machten sich früh auf, und sie lagerten an der Quelle Harod; das Lager Midians aber war nordwärts von ihm, zum Hügel More hin, im Tal. Und der Herr sprach zu Gideon: Das Volk, das bei dir ist, ist zu zahlreich, als dass ich Midian in ihre Hand geben sollte; damit Israel sich nicht gegen mich rühme und spreche: Meine Hand hat mich gerettet! Und nun rufe doch vor den Ohren des Volkes aus und sprich: Wer furchtsam und verzagt ist, kehre um und wende sich zurück vom Gebirge Gilead! Da kehrten vom Volk 22 000 um, und 10 000 blieben übrig. Und der Herr sprach zu Gideon: Noch ist das Volk zu zahlreich; führe sie ans Wasser hinab, dass ich sie dir dort läutere; und es soll geschehen, von wem ich dir sagen werde: Dieser soll mit dir ziehen, der soll mit dir ziehen; und jeder, von dem ich dir sagen werde: Dieser soll nicht mit dir ziehen, der soll nicht ziehen. Und er führte das Volk ans Wasser hinab. Und der Herr sprach zu Gideon: Jeder, der mit seiner Zunge vom Wasser leckt, wie ein Hund leckt, den stelle besonders; und auch jeden, der sich auf seine Knie niederlässt, um zu trinken. Und die Zahl derer, die mit ihrer Hand zu ihrem Mund leckten, war dreihundert Mann; und das ganze übrige Volk hatte sich auf seine Knie niedergelassen, um Wasser zu trinken. Und der Herr sprach zu Gideon: Durch die dreihundert Mann, die geleckt haben, will ich euch retten und Midian in deine Hand geben; das ganze übrige Volk aber soll gehen, jeder an seinen Ort. Und sie nahmen die Wegzehrung des Volkes mit sich und seine Posaunen. Und er entließ alle Männer von Israel, jeden zu seinen Zelten; aber die dreihundert Mann behielt er. Das Lager Midians war aber unter ihm im Tal“ (7,1-8).

Gideon wird hier im Andenken an seine Treue, in der er den Götzendienst vernichtet hatte, Jerub-Baal genannt. Zusammen mit 32'000 Kriegern machte er sich früh auf. Das war ein Zeichen seiner geistlichen Energie. Gemeinsam lagerten sie sich an der Quelle Harod. Dieser Name bedeutet «Angst» oder «Schrecken». Ihnen gegenüber befanden sich unzählige Feinde (V. 12).

Vor dem Kampf traf Gott aus der Mitte seines Heeres die Auswahl der Soldaten. Im himmlischen Volk Gottes gilt der gleiche Grundsatz: «Lass diese (die Diener) aber auch zuerst erprobt werden, dann lass sie dienen, wenn sie untadelig sind» (1. Tim 3,10).

Gott selbst gab Gideon drei Kriterien für diese Selektion. Es sollte eine Truppe:

  • von geringer Zahl,
  • ohne Furcht und
  • mit der Bereitschaft sein, alles zu verlieren.

Die Anzahl (V. 2)

In Zeiten des Niedergangs kann uns eine grosse Anzahl, die leicht mit Kraft verwechselt wird, etwas vorgaukeln. Ebenso besteht in diesem Fall die Gefahr, für die eigene Ehre zu kämpfen anstatt alles Gott zuzuschreiben. Wir meinen dann: «Meine Hand hat mich gerettet!» Doch wir müssen lernen, was es heisst: «Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der HERR der Heerscharen» (Sach 4,6).

Furcht schliesst vom Kampf aus (V. 3)

Gott wies Gideon an, die Soldaten, die sich fürchteten und mutlos waren, an den vierten Aufruf der Vorsteher zur Zeit Moses zu erinnern (5. Mo 20,8). Sie sollten umkehren, damit sie die anderen mit ihrer Angst nicht beeinflussten. Darauf kehrten 22'000 zu ihren Familien zurück. Nur 10'000 blieben übrig.

Kampf oder Bequemlichkeit in der Welt? (V. 4-6)

Gott «läuterte» nun die Übriggebliebenen, indem Er sie zum Wasser führte. Nur wer sich in Eile erfrischte, anstatt bequem seinen Durst zu stillen, war für den Kampf qualifiziert.

Im Gesetz gab es bereits eine ähnliche Anordnung: Die Vorsteher sollten das Volk darauf hinweisen, dass die Beschäftigungen des Lebens - ein Haus bauen, einen Weinberg pflanzen und sich mit einer Frau verloben -, ein Hindernis dafür waren, in den Kampf zu ziehen (5. Mo 20,5-7). Das war bei diesen 300 Männern nicht der Fall.

Sie waren bereit, für eine einzige Sache alles aufzugeben (Phil 3,8.13.14). Vom Herrn Jesus wird prophetisch gesagt: «Auf dem Weg wird er trinken aus dem Bach» (Ps 110,7). Gleichzeitig «stellte er sein Angesicht fest, nach Jerusalem zu gehen» (Lk 9,51). Welche Hingabe offenbarte Er in dem Werk, das der Vater Ihm in seine Hände gegeben hatte. Entschlossen ging Er nach Jerusalem hinauf, um den grössten Kampf gegen den Widersacher auszufechten!

Gideon zeigte nun ein völliges Vertrauen in Gott. Als er sich mit sich selbst beschäftigt hatte, war sein Glaube zögerlich gewesen. Aber jetzt wurde er durch die Verheissung gestärkt, dass Gott Israel befreien wollte (V. 7). Die 300 Männer nehmen Trompeten (ein Symbol des Zeugnisses) und Wegzehrung mit (V. 8). Ohne Nahrung kann man nicht kämpfen. Eine der Listen Midians bestand genau darin: Sie liessen das Volk hungern, um es weiter in Knechtschaft zu halten (Kap. 6,4-6). Gideon hatte dies wohl verstanden und deshalb seinen Weizen vor den Feinden in Sicherheit gebracht (Kap. 6,11).

Gideon und das Lager Midians; der Traum (V. 9-14)

„Und es geschah in jener Nacht, da sprach der Herr zu ihm: Mach dich auf, geh in das Lager hinab; denn ich habe es in deine Hand gegeben. Und wenn du dich fürchtest, hinabzugehen, so geh mit Pura, deinem Knaben, zum Lager hinab; und du wirst hören, was sie reden; und danach werden deine Hände erstarken, und du wirst in das Lager hinabgehen. Da ging er mit Pura, seinem Knaben, hinab bis an das Ende der Gerüsteten, die im Lager waren. Und Midian und Amalek und alle Söhne des Ostens lagen im Tal, wie die Heuschrecken an Menge; und ihre Kamele waren ohne Zahl, wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist, an Menge. Und Gideon kam, und siehe, ein Mann erzählte seinem Genossen einen Traum und sprach: Siehe, ich habe einen Traum gehabt; und siehe, ein Laib Gerstenbrot rollte in das Lager Midians; und es kam bis zum Zelt und schlug es, dass es umfiel, und kehrte es um, das Unterste zuoberst, und das Zelt lag da. Und sein Genosse antwortete und sprach: Das ist nichts anderes als das Schwert Gideons, des Sohnes des Joas, des Mannes von Israel; Gott hat Midian und das ganze Lager in seine Hand gegeben“ (7,9-14).

Alles war zum Kampf bereit: 300 gerüstete Männer mit Gideon als Anführer oberhalb des Lagers Midians (V. 8). Eigentlich war der Sieg bereits errungen und das Lager Midians den Händen Gideons ausgeliefert (V. 9). Sogar die Midianiter wussten dies (V. 14).

Dennoch war eine letzte Vorbereitung notwendig: Gott warnte Gideon vor der Menschenfurcht, indem Er seinen Glauben durch den Bericht des Traumes des Midianiters stärkte.

  • Die Furcht: Sie war eine Gefahr für Gideon, wie zuvor für die 22'000: «Wenn du dich fürchtest, hinabzugehen ...» (V. 10). Die aussergewöhnliche Stellung eines Dieners - wie hier Gideon - befreit ihn nicht von gewöhnlichen Glaubensübungen.
  • Der Traum des Midianiters: Gideon, der «tapfere Held» (Kap. 6,12), wurde durch etwas Verächtliches dargestellt: durch einen Laib Gerstenbrot. Das war die Nahrung der Armen. Gleichzeitig war es das «Schwert Gideons» (V. 14). Während des Kampfes würde es für ihn aber «das Schwert des HERRN und Gideons» sein (V. 20). Dadurch lernte Gideon, seine Schwachheit anzuerkennen, und sich völlig Gott und seiner Macht anzuvertrauen. Nachdem er den Bericht über den Traum und seine Deutung gehört hatte, betete er an (V. 15). Die Feinde hatten ja offenbart, was nur Gott weiss: «Sind die Deutungen nicht Gottes?» (1. Mo 40,8).

Gott selbst liess einen Schrecken über das Lager der Feinde kommen. Und durch den Traum des Midianiters offenbarte Er es Gideon, um seinen Glauben zu unterstützen.

Kampf und Sieg (V. 15-22)

„Und es geschah, als Gideon die Erzählung des Traumes und seine Deutung hörte, da betete er an. Und er kehrte in das Lager Israels zurück und sprach: Macht euch auf, denn der Herr hat das Lager Midians in eure Hand gegeben! Und er teilte die dreihundert Mann in drei Abteilungen und gab ihnen allen Posaunen in die Hand und leere Krüge und Fackeln in die Krüge. Und er sprach zu ihnen: Seht es mir ab und tut ebenso; siehe, wenn ich an das Ende des Lagers komme, so soll es geschehen, dass ihr ebenso tut, wie ich tue. Und stoße ich in die Posaune, ich und alle, die bei mir sind, so sollt auch ihr in die Posaunen stoßen rings um das ganze Lager, und sollt rufen: Für den Herrn und für Gideon! Und Gideon und die hundert Mann, die bei ihm waren, kamen an das Ende des Lagers, beim Beginn der mittleren Nachtwache; man hatte gerade die Wachen aufgestellt. Und sie stießen in die Posaunen und zerschmetterten die Krüge, die in ihrer Hand waren. Und die drei Abteilungen stießen in die Posaunen und zerbrachen die Krüge; und sie hielten in ihrer linken Hand die Fackeln und in ihrer rechten Hand die Posaunen zum Blasen und riefen: Schwert des Herrn und Gideons! Und sie standen jeder an seiner Stelle, rings um das Lager. Da fing das ganze Lager an zu laufen und schrie und floh. Und sie stießen in die dreihundert Posaunen; und der Herr richtete das Schwert des einen gegen den anderen, und zwar im ganzen Lager. Und das Lager floh bis Beth-Schitta, nach Zerera hin, bis an das Ufer von Abel-Mehola bei Tabbat“ (7,15-22).

Nun begann der Kampf.

Die Waffen der Soldaten

Jeder bekam eine Posaune, einen leeren Krug und eine Fackel im Krug. Das ist das Bild des vollständigen Zeugnisses, das Gott uns für den Kampf gegen Satan und die Welt anvertraut. Die Posaune spricht vom Wort Gottes und wurde hier benutzt, um in den Kampf zu ziehen. Zuvor hatte Gideon die Posaune geblasen, um das zerstreute Volk zu versammeln (Kap. 6,34). Die Krüge, die wahrscheinlich die Lebensmittel des Volkes enthalten hatten, waren nun leer (V. 8.16). Diese wertlosen Gefässe aus Ton sollten nun zerschlagen werden. Sie sind ein Bild der menschlichen Natur, die vor dem Werk Gottes verschwinden muss. Allerdings enthielten die Krüge das dritte Element des Zeugnisses Gottes, nämlich die Fackeln, die das göttliche Licht darstellen. Wenn der Krug zerbrochen wird, strahlt das Licht hervor.

Die Ordnung des Kampfes

Jeder Soldat musste auf Gideon schauen, damit er ihn nachahmen konnte (V. 17). Die Anwendung für uns ist ebenso einfach wie wichtig: Wir sollen im Glauben auf Christus blicken, vor allem wenn wir im geistlichen Kampf stehen. Der Sieg würde durch den einfachen Ruf errungen: «Für den HERRN und für Gideon!» (V. 18). Die Disziplin aller Kämpfer wird zu unserer Belehrung betont: Jeder stand an seiner Stelle, rings um das Lager (V. 21).

Nachdem sie die Krüge zerschmettert hatten, trugen die Soldaten nur noch ihre Fackel in der linken und ihre Posaune in der rechten Hand. Dabei stiessen sie den Siegesschrei aus (V. 19.20). So verschwindet die menschliche Schwachheit für den, der die «Waffen des Lichts» angezogen hat und die «Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken» trägt (Röm 13,12; 2. Kor 6,7).

Die geistliche Unterweisung anhand von 2. Korinther 4

Zuerst werden wir aufgefordert, Christus in der Herrlichkeit zu betrachten, so wie die 300 Männer auf Gideon schauen mussten (2. Kor 3,18).

Der Apostel erklärt dann, was das himmlische Licht ist, das durch die Fackeln symbolisiert wird: Es ist das Evangelium der Herrlichkeit des Christus, die Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi (2. Kor 4,4.6).

Doch so wie die Fackeln sich vor dem Kampf in den Krügen befanden, so haben wir diesen Schatz in irdenen Gefässen (2. Kor 4,7). Dieses Gefäss ist ein Bild des von Gott geschaffenen Menschen (Jer 18,6; Röm 9,21).

In der Praxis muss das Gefäss des Gläubigen zerbrochen werden. Das geschieht in Bedrängnis, in Ausweglosigkeit, in Verfolgung und in Situationen, wo wir niedergeworfen werden (2. Kor 4,8.9). So tragen wir «allezeit das Sterben Jesu am Leib» herum (2. Kor 4,10).

Einerseits ist Gott in dieser Not mit den Seinen: Sie sind weder eingeengt noch ohne Ausweg, noch verlassen, noch umkommend (2. Kor 4,8.9).

Anderseits wird das Gefäss in solchen Situationen zerbrochen (wie die Krüge Gideons), um den göttlichen Schatz sichtbar zu machen: «Damit auch das Leben Jesu an unserem Leib offenbar werde» (2. Kor 4,10). Das Leben Jesu (nicht das Leben Christi) soll gesehen werden. Unser Zeugnis in dieser Welt besteht also darin, Jesus, den demütigen und sanftmütigen Menschen, darzustellen und so zu leben, wie Er gelebt hat (1. Joh 2,6).

Wir wollen die Erfahrungen von Paulus nie vergessen, der diese wunderbaren Offenbarungen niedergeschrieben hat. Als unbekehrter Saulus von Tarsus war er einst ein Feind Gottes. Doch auf dem Weg von Damaskus wurde er zu Boden geworfen und dann zu einem auserwählten Gefäss geformt, um den Namen des Herrn vor Nationen, vor Könige und Söhne Israel zu tragen (Apg 9,15).

Ein Glaubensmann hat dazu geschrieben: «Was für eine herrliche Berufung für einen Menschen, auf diese Weise mit Christus einsgemacht und ein Gefäss der Kraft des reinen Lebens zu sein. Durch völlige Selbstverleugnung und Aufopferung des eigenen Lebens wird man Jesus moralisch ähnlicher!»

Der Sieg

Der HERR bewirkte, dass die Feinde sich selbst gegenseitig zerstörten (V. 22). Die Posaunen und Fackeln wiesen darauf hin, dass Gott in der Mitte seines Volkes war. Aber der Sieg wurde nur durch Gott errungen. 

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