Es werde Licht

Wir sind schuldig (Kapitel 43)

Es werde Licht

Der Hunger zwingt die Söhne Jakobs, wieder nach Ägypten zu reisen. Trotz aller Sorgen des alten Vaters muss Benjamin mit. Das Geld, das sich in ihren Säcken befand, nehmen sie mit und auch Geschenke für den hohen Herrn in Ägypten.

Diesmal werden sie wie vornehme Gäste empfangen. Im Speisesaal breiten sie ihre Geschenke aus. Dann kommt Joseph herein. Er fragt nach ihrem Wohlergehen und nach dem Vater: Lebt er noch? Geht es ihm wohl? Als Joseph seinen Bruder Benjamin sieht, überwältigt ihn die Freude so sehr, dass er in ein Nebenzimmer gehen muss, um sich dort auszuweinen. Nachdem er sich das Gesicht gewaschen hat, geht er wieder zu seinen Brüdern in den Speisesaal. „Traget Speise auf!“ befiehlt er, und ihnen wird ein Festmahl zubereitet.

Sie kommen aus dem Staunen nicht heraus. Woher weiß der Fremde ihr Alter, dass er ihre Sitzordnung so genau bestimmen kann? Auch Simeon ist wieder frei und dem Alter nach am Tisch eingereiht. Fast ist es ihnen unheimlich zumute. Was mag in ihren Herzen vorgehen? Nur sehr langsam

verliert sich ihre Angst. Doch dann „trinken und trinken sie sich fröhlich mit ihm“. -

Am Tag danach will Joseph seine Brüder noch einmal prüfen. Er wählt dazu ein hinterhältiges Mittel. Aber es ist ein Hinterhalt der Gnade. Ohne ihr Wissen nehmen sie Josephs silbernen Becher mit.

Kaum haben sie die Stadt verlassen, da werden sie eingeholt. Josephs Hausverwalter ist ihnen nachgeritten. Er befiehlt ihnen, stehen zu bleiben. Jeder muss seinen Getreidesack öffnen. Und dann fährt die Hand des Hausverwalters in jeden einzelnen Sack hinein bis auf den Grund. „Beim Ältesten fängt er an, und beim Jüngsten hört er auf.“ Es geschieht ohne Hast. Ganz sorgfältig, ganz gewissenhaft führt er die Kontrolle durch. Die Körner rinnen durch seine Finger. Nichts entgeht seinen Augen (Jer 16, 17; 23, 24; Ps 139, 7.8; Mk 4, 22). Da auf einmal hält er den Becher in der Hand. Er hebt ihn hoch. Der Becher war in Benjamins Sack!

„Warum habt ihr Gutes mit Bösem vergolten?“ fragt der Hausverwalter Josephs die Söhne Jakobs. Betroffen sehen sie den Mann an. Als aber Benjamin allein mit in die Stadt zurück soll, werden sie von Entsetzen gepackt, dass sie ihre Kleider zerreißen. Benjamin soll Knecht werden? Sein, das kann nicht sein, das darf nicht sein! Ohne Benjamin heimkommen? Niemals! Sie kehren alle mit zurück zur Stadt. Vor Joseph erklärt Juda für sie alle:  Wir sind alle schuldig! Gott hat unsere Missetat gefunden. Hatte nicht gerade Juda einst den Verkauf Josephs vorgeschlagen? Aber Joseph hält noch immer zurück. Zum erstenmal bekennen sie sich zusammen schuldig. Aber - wie tief geht die Reue der Brüder wirklich? Noch einmal will er sie prüfen: Zieht heim - aber ohne Benjamin!

Doch darauf erwidert Juda: Wie könnten wir ohne Benjamin heimkommen! Wie könnten wir unserem alten Vater diesen Kummer bereiten! Seine Seele hängt an Benjamins Seele. Und nun lass mich doch statt des Bruders bleiben, als dein Knecht, und Benjamin ziehe hinauf mit seinen Brüdern!

Keiner kann unterweisen wie Gott (Ps 25, 18; Spr 3, 11; Jes 48, 17; Mk 1, 22).

„Siehe, glückselig der Mensch, den Gott straft (zurechtweist)! So verwirf denn nicht die Züchtigung des Allmächtigen. Denn er bereitet Schmerz und verbindet, er zerschlägt, und seine Hände heilen.“ (Hiob 5, 17.18). Gott allein vermag in den Gewissen ein wahres Gefühl von der Sünde wachzurufen.

Nun stehen die Söhne Jakobs in der Gegenwart des Mannes, den sie mit „gesetzlosen Händen“ in die Grube geworfen hatten. Ihre Sünde hat sie gefunden, aber gefunden in der Gegenwart Josephs. Und da finden sie Vergebung.

Joseph lässt seine Diener hinausgehen. Dann, als er mit seinen Brüdern allein ist, gibt er sich ihnen zu erkennen: „Ich bin Joseph euer Bruder - und nun betrübt euch nicht...“

„Meine Wehklage hast du mir in einen Reigen verwandelt, mein Sacktuch hast du gelöst und mit Freude mich umgürtet; - Auf dass meine Seele dich besinge und nicht schweige. Jehova, mein Gott, in Ewigkeit werde ich dich preisen!“ (Psalm 30, 11.12)

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