Betrachtung über die Psalmen (Synopsis)

Psam 145-150

Betrachtung über die Psalmen (Synopsis)

Psalm 145

Psalm 145 geht in seinen Gedanken schon ins Tausendjährige Reich über, wenn die Drangsal vorüber ist und die volle Befreiung gefeiert werden kann. Wir hören Christum im Geiste, vielleicht sogar in Person, in der Mitte Israels Lobgesänge für Jehova anstimmen und solche in den Herzen der Menschen erwecken. Obgleich daher dieser Psalm nur der Absicht, Jehova zu preisen, Ausdruck gibt, trägt er doch den Charakter eines Wechselgesanges. Zuerst drückt der Psalmist seine eigene Absicht aus, Jehova zu preisen, und zwar immer und ewiglich. „Reden will ich von der herrlichen Pracht deiner Majestät.“ Man sieht, sein Herz ist mit Lob und Preis erfüllt und redet davon. Dann heißt es: „Und sie (die Menschen) werden sprechen von der Kraft deiner furchtbaren Taten, und deine Großtaten werde ich erzählen. Das Gedächtnis deiner großen Güte werden sie hervorströmen lassen und deine Gerechtigkeit Jubelnd preisen.“ Da er hier an die Güte erinnert worden ist, bricht er ab – und das ist wunderschön –, um von dieser Güte zu reden, denn „aus der Fülle des Herzens redet der Mund“. Dann heißt es weiter: „Es werden dich loben, Jehova, alle deine Werke, und deine Frommen werden dich preisen“, und zwar wird der Gegenstand ihres Rühmens die Herrlichkeit des Reiches und die Macht Jehovas sein, um den Menschenkindern kundzutun Seine Machttaten und die prachtvolle Herrlichkeit Seines Reiches; und dieses Reich ist ein ewiges Reich. In den Versen 14 – 20 wird dann der Charakter Jehovas entfaltet. In Vers 21 wiederholt der Psalmist den Vorsatz seines Herzens, das Lob Jehovas auszusprechen. Es ist, als ob der Mensch Christus hier redete. Er sagt: „Mein Gott“ (V. 1); und Jehova wird als König betrachtet. Im allgemeinen rühmt hier der Anführer des Lobes das, was Jehova Selbst ist, während die übrigen mehr die äußere Größe und die Machttaten Gottes preisen, obwohl auch jener von den Wundertaten Jehovas redet; doch ist sein Herz vor allem von der Größe, Herrlichkeit und Majestät Jehovas (V. 3. 5. 8. 9) und von Seinen Wegen und Handlungen der Gnade (V. 14 – 19) erfüllt. Wir finden also in diesem Psalm den Anführer des Lobes, ferner die Heiligen (den jüdischen Überrest) und schließlich die Menschenkinder im allgemeinen. Das ist von großem Interesse, denn es ist der Messias, der Sein Wort erfüllt: „Von dir ist mein Lobgesang in der großen Versammlung“ (Ps 22, 25). Und wie erfüllt ist Sein Herz von diesem Lobgesang! Jehovas Reich ist jetzt errichtet, und der Messias lobsingt Ihm zuerst in der Mitte Israels, dann die so wunderbar bewahrten Heiligen, und endlich stimmt, von ihnen angeleitet, die ganze Erde ein in das Lob Jehovas und preist Seine Wunderwerke.

Psalm 146

Psalm 146 bildet die Einleitung zu den Lobgesängen, die den Schluss des ganzen Buches der Psalmen bilden. Das Herz strömt über vom Lobe Jehovas als des Gottes Jakobs, und verkündet, was Er ist und wie gut es ist, auf Ihn zu vertrauen, den Schöpfer aller Dinge, der den Bedrückten Recht schafft, die Niedergebeugten aufrichtet, die Gerechten liebt und den Weg der Gesetzlosen krümmt. „Jehova wird regieren in Ewigkeit, dein Gott, Zion, von Geschlecht zu Geschlecht.“ Der Charakter dieses Lobgesangs ist, wenn man das über die früheren Psalmen Gesagte beachtet, sehr einfach.

Psalm 147

In Psalm 147 sehen wir die Heiligen in Jerusalem, in Zion, um Jehova zu preisen, und zu verkündigen, was Er ist. Er ist ihr Gott, der Jerusalem baut und die Vertriebenen Israels sammelt, der da heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und ihre Wunden verbindet. In den Versen 4 – 6 wird Seine Größe und Güte gefeiert, aber auch Sein Gericht gerühmt, und in den folgenden Versen Seine Güte, wie sie sich in der Segnung der Erde kundgibt, besungen. Jehova hat nicht Wohlgefallen an natürlicher Kraft, sondern an denen, die Ihn fürchten. In Vers 12 wendet sich das Lob wieder Seiner gnädigen Handlungsweise mit Jerusalem zu. Die Verse 15 – 18 zeigen, wie Er in Seiner Macht die Naturereignisse leitet. Sein Wort und Seine Rechte hat Er Jakob kundgetan, aber keiner anderen Nation. Wohl kannten die Nationen die Macht des Gottes Jakobs in der Schöpfung und Vorsehung wahrnehmen; aber Seine Gedanken und Gesetze hat Er nur Seinem Volke gegeben.

Psalm 148

In Psalm 148 werden zunächst die Himmel und alles, was in ihnen ist, aufgefordert, in das große Halleluja einzustimmen und Jehova zu loben, der sie geschaffen hat und an ihrer Stätte erhält. Dann wird die Erde und alles, was zu ihr gehört, aufgefordert, teilzunehmen am Lobe Jehovas, dessen Name allein hoch erhaben und dessen Majestät über Erde und Himmel ist, der aber das Horn Seines Volkes erhöht, das Lob all Seiner Frommen, des treuen Überrestes; dieser aber macht nun ganz Israel aus und bildet somit das Volk, das Ihm nahe ist. Ja, der große Schöpfer, den Himmel und Erde preisen sollen, ist der Gott Israels, und Israel ist Sein Volk.

Psalm 149

In Psalm 149  wird Israel insbesondere zum Lobe Jehovas aufgefordert. Wie wir überall wahrgenommen haben, steht die Schöpfung in Verbindung mit Israel (die neue Schöpfung mit der Kirche Christi), und das ist der Kreis, in dem die Psalmen sich bewegen. Ein neues Lied wird Jehova gesungen, doch es geschieht jetzt in der Versammlung der Frommen. Israels Beziehung zu Jehova ist eine doppelte: Er ist ihr Schöpfer, der sie gebildet hat zu Seinem Preise, und Er ist ihr König, der in Zion regiert. Sodann werden die Gründe, warum man Ihn preisen soll, angegeben: Jehova hat Wohlgefallen an Seinem Volke. Wer aber macht dieses Volk aus? Die Sanftmütigen, die Er mit Rettung schmückt. Dann sagt Er: „Es sollen jubeln die Frommen in Herrlichkeit“; aber wenn einerseits Lobeserhebungen Gottes in ihrer Kehle sind, so ist andererseits das Schwert des irdischen Gerichts in ihrer Hand, um Rache zu üben an den Nationen und Völkerschaften, und um die Mächtigen zu binden, unter deren Bedrückung sie einst litten, und so an ihnen das geschriebene Gericht auszuführen. Das ist die Ehre aller Frommen Jehovas. Um wen es sich hier handelt, ist klar, wie auch die Stellung, die sie einnehmen: es sind die Sanftmütigen aus Israel, die nun aus aller Bedrängnis befreit sind, und der Herr Jesus Selbst, der jetzt König in Zion ist; sie üben Gericht an denen, die sie unterdrückt haben. Das ist, wie gesagt, „das geschriebene Gericht“. Und wir finden dadurch den Gesichtspunkt bestätigt, von dem aus ich die beiden letzten Bücher der Psalmen betrachtet habe, nämlich dass sie uns Israel wieder in Verbindung mit Jehova und in das Land zurückgebracht vorstellen, zugleich aber auch zeigen, dass die volle Segnung erst eintritt, nachdem der Messias gekommen ist und die noch im Lande befindlichen Feinde gerichtet hat. Das ist nun völlig eingetreten. Das Tausendjährige Reich selbst wird nicht beschrieben; die Psalmen bilden nur die Einleitung zu demselben. Aber indem sie Christum, wie wir Ihn in den Evangelien, finden, mit dem Überrest Israels in den letzten Tagen in Verbindung bringen, werfen sie helles Licht auf die Evangelien und helfen uns zum Verständnis derselben.

Psalm 150

Psalm 150 ist eine allgemeine Schluss-Aufforderung, Jehova zu loben im Heiligtum (doch beachten wir, dass es jetzt freimütig geschieht in Seinem Heiligtum sowohl als auch in der Feste Seiner Stärke) mit all den verschiedenen Instrumenten, die sich im Tempel befinden. Alles, was Odem hat wird aufgefordert, Ihn zu loben wegen Seiner Machttaten und nach der ganzen Fülle Seiner Größe. Es ist ein lauter, chorartiger Schlussgesang und dem jüdischen Tempeldienst angepasst.

Damit beschließen wir die Betrachtung dieses höchst interessanten und belehrenden Teiles der Heiligen Schrift, von dem ich nur hoffen konnte, eine Skizzierung allgemeiner Grundsätze zu liefern, die den Leser in den Stand setzen können, das Buch der Psalmen richtig zu gebrauchen. Meine Absicht war nicht, den so mannigfaltigen und kostbaren Inhalt in seinen Einzelheiten zu betrachten; das würde Bände erfordern, sei es hinsichtlich der prophetischen Verbindung der einzelnen inhaltlichen Gegenstände des Buches, sei es im Blick auf die Glaubensübungen und -gefühle, insoweit sich diese auf die Heiligen der gegenwärtigen Zeit anwenden lassen.

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