Betrachtung über die Psalmen (Synopsis)

Psalm 27-28

Betrachtung über die Psalmen (Synopsis)

Psalm 27

besteht aus zwei verschiedenen Teilen, und die beiden letzten Verse zeigen uns, wie mir scheint, das Ergebnis der Unterweisung Gottes in der Seele des Gläubigen. Der erste Teil (V. 1–6) ist der Ausdruck des völligen Vertrauens des Gläubigen, was für Feinde ihn auch umringen mögen; im zweiten (V. 7–12) hören wir sein Schreien aus der Bedrängnis. Der Grund des Vertrauens in dem ersten Teil besteht darin, dass das Auge einfältig ist, im zweiten darin, dass Gott gesagt hat: „Suchet mein Angesicht.“ Feinde außerhalb und Bedränger innerhalb (denn der Überrest der Juden wird beide gegen sich finden), ein Heer, ja, ein sich erhebender Krieg erwecken keine Furcht in ihm. Jehova ist das Licht und das Heil seiner Seele; sein einziges Begehren ist, zu wohnen im Hause Jehovas, um anzuschauen die Lieblichkeit Jehovas und nach Ihm zu forschen in Seinem Tempel. Er hat Ihn kennen gelernt, wie Er die Feinde des Gläubigen verwirrte; er sucht Ihn als den Gegenstand des Verlangens seines Herzens. Er weiß, dass Jehova am Tage des Übels ihn bergen wird und dass die Angriffe der Feinde nur eine Gelegenheit sein werden, sein Haupt über sie zu erhöhen, und dann will er Opfer des Jubelschalls opfern.

Mit dem siebenten Verse tritt eine Änderung der Sachlage ein. Wir sehen nicht mehr den Gläubigen, wie er im Glauben an den Herrn denkt, sondern wir hören ihn in der Bedrängnis zu Ihm schreien. Er beruft sich, wie bereits bemerkt, nicht mehr auf seine Lauterkeit, sondern auf die Aufforderung Jehovas. „Suchet mein Angesicht.“ Sollte der Herr, nachdem Er dies gesagt hatte, Sein Angesicht verbergen? Der Gläubige begehrt, auf ebenem Pfade geleitet zu werden. Es ist Lauterkeit in seinem Herzen, aber was, ihn beschäftigt, ist die Aufforderung Gottes. Schließlich sucht und erwartet er die zeitliche Rettung im Lande der Lebendigen; bis dahin muss er auf Jehova harren. Jehova wird zur rechten Zeit einschreiten und unterdessen das Herz stärken. – Wir haben hier, im Anschluss an das bisherige, eine belehrende Schilderung des Zustandes des gläubigen Überrestes, nämlich ihr Vertrauen und den Grund ihrer Hoffnung, wenn sie sich in Drangsal befinden und auf Jehova harren müssen.

Psalm 28

In Psalm 28 bittet der gläubige Jude in der Zeit der Drangsal, die über das Volk hereingebrochen ist, dass er nicht mit den Gesetzlosen weggerafft werde. Er befindet sich so sehr in derselben Trübsal wie jene, dass, wenn Jehova nicht zu seinen Gunsten einschreitet, der Tod ihn verschlingen muss. Er bittet um Gericht über die Gesetzlosen, sie achten nicht auf Jehova, und Er wird ihnen vergelten nach ihrem Tun. Der Psalm legt dem Überrest in seinem Elend nicht nur den richtigen Ausdruck in den Mund, sondern gibt ihm auch das prophetische Zeugnis, dass Jehova sein Schreien gehört habe. Das Herz vertraut auf Jehova, es ist ihm geholfen worden, und die Folge davon ist Freude und Dank. Sodann wird der Messias völlig einsgemacht mit den Gerechten. Jehova ist ihre Stärke und auch die Stärke des Messias. Nachdem dies festgestellt ist, wird dem prophetischen Wunsch der Gläubigen, dem Geiste Christi gemäß, Ausdruck gegeben, dass Jehova Sein Volk retten und Sein Erbteil segnen möge (denn der Glaube an die Bundes-Segnungen und -Beziehungen zieht sich durch diesen ganzen Teil der Psalmen hindurch), dass Er sie weiden und tragen möge bis in Ewigkeit. Gerettet, gesegnet, geweidet und getragen zu werden bis in Ewigkeit, das sind die Früchte, die der Gläubige von Jehovas Kommen in Macht erwartet.

In Psalm 25 und Psalm 26 haben wir die wichtigen Grundsätze des Vertrauens auf Jehova (selbst bei dem Bekenntnis der Sünden) und die Lauterkeit des Herzens gesehen, während wir in Psalm 27 und Psalm 28 mehr das persönliche Gefühl von dem Zustand der Gläubigen und die Art oder die Grundlage ihrer Beziehung zu Gott haben. Dies tritt im ersten Teil des 27. Psalms besonders schön hervor in dem einen Wunsch des Herzens, und im zweiten Teil in der rührenden Berufung darauf, dass Gott gesagt habe: „Suchet mein Angesicht.“ Der Gläubige sagt gleichsam: Du hast mich gelehrt, Dein Angesicht zu suchen. Nun, in dieser Zeit göttlicher Unterweisung antwortet mein Herz: „ich suche dein Angesicht.“ Willst Du, Herr, nun jetzt, wo ich in Trübsal bin, es von mir abwenden, während Du mich noch aufgefordert hast, es zu suchen und darauf zu vertrauen? Die Wahrheit ist dieselbe; nur enthält der erste Teil des Psalmes den Ausdruck des einen Wunsches des Herzens, während in dem zweiten die Aufforderung Gottes, Sein Angesicht zu suchen, eine Hilfsquelle für die Seele wird. Jehova Selbst ist die Zuflucht der Gläubigen und hat sie unterwiesen, Ihn zu suchen.

Im 28. Psalm fühlt das Herz mehr den Druck des Bösen und wartet auf das kommende Gericht und die Absonderung des Überrestes aus der Mitte der Gottlosen. Diese Absonderung kennzeichnet das ganze Zeugnis Gottes in Verbindung mit dem Kommen des Messias – ein Umstand, der uns sehr behilflich sein wird, die Einheit des Überrestes in den Gedanken Gottes zu verstehen. Die Absonderung des Überrestes ist nicht nur prophetisch angekündigt worden, wie z. B. in Jesaja 65, sondern Johannes der Täufer kennzeichnete dadurch auch das Kommen des Messias, indem er den zu seiner Taufe kommenden Juden sagte, dass es ihnen nichts nützen könne, Abrahams Kinder zu sein (Mt 3, 9). Und so hat die Absonderung geistlicherweise tatsächlich auch stattgefunden, nur wurden, da Christus verworfen und noch nicht in Macht gekommen war, die Abgesonderten damals als solche, die gerettet werden sollten, der „Versammlung“ hinzugefügt. So fasst es auch Petrus auf in Apostelgeschichte 2, 40. Der Herr Selbst empfing sie als Seine Schafe (Joh 10). Auch Paulus gründet seine Beweisführung in Römer 11auf diese Tatsache.

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