Betrachtung über die Psalmen (Synopsis)

Psalm 22

Betrachtung über die Psalmen (Synopsis)

In Psalm 22 haben die Leiden Christi, wie gesagt, einen anderen, viel tieferen Charakter. Wir befinden uns hier angesichts des großen Werkes, das die Grundlage aller Segnungen bildet, die in den anderen Psalmen geschildert werden, ja, jeder Segnung und selbst der ewigen Herrlichkeit, indem es das Interesse, die Teilnahme Christi an Seinen Heiligen ermöglicht, weil es diese Teilnahme zu einer gerechten macht, sowie auch zu dem Wege, auf dem Gott verherrlicht wird.

Wir haben schon früher als allgemeinen Grundsatz hervorgehoben, dass oft der Gegenstand eines Psalms in dem ersten oder den ersten Versen desselben ausgedrückt wird. Auch hier ist dies der Fall. Christus hatte zwar seitens der Menschen gelitten, seitens solcher Menschen, die ebenso gewalttätig wie gefühllos waren: Hunde hatten Ihn umgeben, Stiere Basans Ihn umringt. Aber wenn auch das Maß dieser Leiden über alle Beschreibung hinausging, wenn auch Christus das, was Er litt, viel mehr und in ganz anderer Weise gefühlt hat als gewöhnliche Leiden von Seiten der Menschen, weil es ganz ungerecht und um Jehovas willen war, für dessen Namen Er Schmach erduldete – so hatten doch auch andere schon in gewissem Maße und um Jehovas willen seitens gefühlloser Menschen Leiden erduldet. Ist Er auch in Gnade der Anführer und Vollender des Glaubens gewesen, so hatten doch auch andere durch die Gnade (es war für sie ein Vorrecht, auf Seiner Seite aber freiwillige Gnade) einige Schritte auf diesem von Gott ihnen vorgezeichneten Pfade getan. Doch sie hatten auf Gott vertraut und waren gerettet worden; Jehova hatte sie nie verlassen noch versäumt. So hatte Er es verheißen, und sie trugen in ihrem Herzen das Bewusstsein, dass Er niemals irgendeine Seiner guten und gnädigen Verheißungen unerfüllt gelassen hatte.

Hier aber sehen wir ein Leiden, das außer dem Bereich der Verheißungen lag, ja, noch mehr, das den Grund für deren gerechte Erfüllung legen sollte. Wir erblicken hier etwas ganz Neues, das seinesgleichen nicht hat, weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft der Geschichte der Ewigkeit – etwas einzig Dastehendes: der Gerechte wird von Gott verlassen! Das kann unmöglich zum zweiten Male geschehen; denn dann würde es seinen Charakter verlieren; die Wiederholung würde das Zeugnis des ersten Males leugnen oder vernichten, nämlich dass Gott vollkommen verherrlicht, moralisch verherrlicht ist hinsichtlich des Bösen. Wenn es wiederholt werden muss, dann ist Gott nicht verherrlicht worden. Aber es ist ein für allemal geschehen, vollkommen und für immer. Die Natur Gottes, alles, was Gott ist, ist vor dem ganzen Weltall im Zeugnis dargestellt und bestätigt worden. Wie könnte das je wiederholt werden? Ich sage noch einmal: wenn eine Wiederholung stattfinden müsste, so wäre die Verherrlichung Gottes weder in dem einen Falle erfolgt, noch könnte sie in dem anderen geschehen. Aber sie ist geschehen! Gott ist völlig und für ewig verherrlicht worden!

Doch zu diesem Ende war es hinsichtlich des Guten und Bösen nötig, damit Gerechtigkeit und Gnade, oder Liebe, da völlig zutage traten, wo Schwachheit und Sünde waren, dass alles, was Gott dem Bösen gegenüber ist, dargetan und behauptet wurde. Gegen wen? Wer hätte es ertragen können? Der Sünder? Es hätte ewiges Verderben für ihn bedeutet; zugleich wäre weder die Liebe, noch was Gott ist, offenbart worden. Doch der Herr Selbst gab Sich dafür hin; Er, der imstande war, es zu ertragen und in der tiefsten Erniedrigung derer, für die Er eintrat, in ihrer menschlichen Natur, das Werk auszuführen. Er erduldete in Seiner Seele alles, was Gott gegenüber dem Bösen ist. Schrecklicher Augenblick! Das allein lässt uns einigermaßen verstehen, was Gerechtigkeit und Gericht sind.

Beides wird uns hier vor Augen gestellt, und zwar in den Ausdrücken Christi selbst, in denen sich sowohl die Tatsache als auch das, was Er dabei fühlte, offenbart. Die Tiefen dessen, was sich da zugetragen hat, kann kein menschliches Herz ergründen. Es ist die Tatsache, die uns vorgestellt wird, aber so, wie sie von Ihm gefühlt wurde. Doch sehen wir hier den Gerechten vor uns, der, Sich Seiner Gerechtigkeit bewusst, vollkommen unterwürfig ist; Er hat das Gefühl Seines Nichts, was Seine Stellung betrifft, sowie das Gefühl der bestimmten und unwandelbaren Vollkommenheit Jehovas. Er ist gerecht, und deshalb kann Er sagen: „Warum hast du mich verlassen?“ Er ist unterwürfig und sagt: „Du aber bist heilig.“ Wir begegnen hier nicht der geringsten Tätigkeit eines Willens, der die Wege Gottes in Zweifel zieht, sondern einem lauteren und vollkommenen Zustand, der, was auch kommen möge, Gottes Vollkommenheit erblickt. Denn der einzige Gerechte, der Gott in allen Seinen Wegen verherrlicht hatte, bildet hier die alleinige Ausnahme von allen den Wegen der gerechten Gnade Gottes gegen die Gerechten: Er ist verlassen. Er ruft und bleibt ohne Erhörung; Er ist ein Wurm und kein Mann.

Aber das konnte nicht für immer so bleiben, ebenso wenig wie der Tod Ihn behalten konnte, weil Er Gott vollkommen verherrlicht hatte, indem Er bis zum äußersten Ende der Prüfung ging und wartete, bis Gottes Zeit gekommen war. Er, der stets und in allem die Freude und Wonne Jehovas war, konnte nicht erhört werden, bis alles vollbracht war, obwohl Er in viel herrlicherer Weise, und das mit Recht, das Wohlgefallen Jehovas war, als irgendeine Gerechtigkeit während Seines Lebens es sein konnte, wie vollkommen sie auch gewesen sein mochte. In der Gerechtigkeit während Seines Lebens hatte Er Gott hinsichtlich des Guten verherrlicht, indem Er vollkommen gewesen war in Seinem Gehorsam als Mensch und vollkommen in der Offenbarung des Gnadennamens Seines Vaters, der Darstellung dessen, was Gott war, was es Ihn auch kosten mochte. Die Schmähungen derer, die Gott schmähten, waren auf Ihn gefallen. Jetzt aber verherrlichte Er Gott hinsichtlich des Bösen, indem Er zu Sünde gemacht war; und das steht, wie wir gesehen haben, einzig da.

Deshalb sagt Er auch. „Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf dass ich es wiedernehme“ (Joh 10, 17). Hier, wo Er vor Gott an dem Platz der Sünde stand, d. h. zur Sünde gemacht war, während Er das Gegenteil von Sünde, nämlich einen unbedingten und vollkommenen Gehorsam in völliger Widmung für Gott offenbarte, so dass Gottes Gerechtigkeit darin einen Beweggrund für Seine Liebe fand, und doch Seine Gerechtigkeit darin erweisen musste, dass Er Ihn verließ – hier wurde der Grund zu ewiger Gerechtigkeit und ewiger Segnung gelegt; hier wurde Gott vollkommen verherrlicht und die Grundlage für die Erfüllung all Seiner Ratschlüsse in Herrlichkeit geschaffen 1.

Dann aber, nachdem das Werk vollendet war, dieses Werk der Verherrlichung Gottes, wurde Er erhört von den Hörnern der Büffel. Der Mensch und alles umher verschwand, in Finsternis eingehüllt, in dieser Stunde, wo alles, was in Gott ist, wo die Macht und die Ohnmacht des Bösen gegenüber der unumschränkten Güte und Gerechtigkeit Gottes, zu diesem göttlichen Austrag gebracht und Gott bezüglich desselben verherrlicht wurde. Und alles das ging vor zwischen der Seele Dessen, der ein Opfer für die Sünde wurde, und dem gerechten Jehova. Aber dann kam der Abschluss. Er war vollkommen; Er hatte die Herrlichkeit Gottes sichergestellt; Er hatte Gott verherrlicht, als Er nicht erhört werden konnte. Dann ist Er erhört worden, und alles ist beendet. Er steigt zwar hinab ins Grab, dieses bestimmte und unwiderlegliche Zeugnis dafür, dass bezüglich dieser großen Frage, von welcher der Tod das verordnete Zeugnis war, nunmehr alles zum Abschluss gebracht war; doch Er steigt nur hinab, um wieder aufzuerstehen, indem nicht das geringste fehlte an der Vollkommenheit des Werkes der Versöhnung und der Verherrlichung Gottes betreffs der Sünde sowie an dem vollständigen Siege über jeden und selbst den letzten Feind. Er wurde erhört! Wer könnte das in Frage stellen, da er weiß, dass Er auferstanden ist?

Und was blieb nun noch übrig? Die Sünde? Sie war (was das Werk betrifft, das zu diesem Zweck vollbracht werden musste) gänzlich und für immer vor den Augen Gottes hinweggetan; und wenn auch das volle Ergebnis noch nicht da war, so war sie doch vollkommen hinweggetan für diejenigen, die teil an Ihm haben 2. Gab es für solche noch Zorn? Er hatte den Kelch des Zornes getrunken. War noch Gericht da über die Sünde oder über den Sünder wegen der Sünde, wenn Glaube vorhanden ist? Er hatte es erduldet. Wie stand es mit der Macht des Todes über die Seele? Sie war besiegt. Wie mit der Macht Satans, der die Macht des Todes hatte? Sie war vernichtet. Dagegen strahlte das Licht des Antlitzes und der Liebe des Vaters in vollem Glanze, und das Wohlgefallen des Vaters an göttlicher Gerechtigkeit war da, und zwar für uns. In dieses Verhältnis trat Jesus jetzt ein, indem Er aufgrund dessen, was Er zur Verherrlichung Seines Vaters vollbracht hatte, in Gerechtigkeit vor Gott stand, und nicht nur in dem ewigen Wohlgefallen, das Gott an Seiner Person hatte. Deshalb ist diese Stellung unerschütterlich für sie, welche mit Ihm an diesem Platze teilhaben, und sie begründet die ewigen Segnungen in den neuen Himmeln und auf der neuen Erde. Der Platz war für Sünder erworben, indem ihre Sünde hinweggetan worden war, und zwar gegründet auf die Gerechtigkeit Gottes selbst. In die volle Segnung dieses Vaternamens (das ist in die wahre Beziehung zu Gott diesem Namen gemäß) trat Er jetzt als Mensch ein 3.

Aber Er hatte auch Brüder – wenigstens solche, mit denen Er Sich vereinigte und die Ihm nächst der Verherrlichung Seines Vaters am allermeisten am Herzen lagen. Er war in diesen Platz unvermischter Freude eingegangen, und was nun für Sein Herz noch übrig blieb, war, Seinen Brüdern den Namen kundzutun, welcher der Ausdruck dieser Segnung war, und sie verstehen zu lassen, was es war, in diese versetzt zu sein. „Verkündigen will ich deinen Namen meinen Brüdern.“ Und dieses überaus kostbare Zeugnis Seiner Liebe war genau das, was Er nach Seiner Auferstehung ausführte: „Gehe hin zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott“ (Joh 20, 17).

Beachten wir, dass der Herr von den Hörnern der Büffel erhört wurde, und zwar in dem Augenblick, als das Werk vollbracht war und Er Seine Seele dem Tode, als dem göttlichen Gericht, unterwarf. Nachdem der Gehorsam bis zum Tode vollendet war, wurde die Erhörung zu einer gerechten und notwendigen Sache; die Auferstehung hat dies dem Menschen bewiesen. Doch er konnte sagen: „Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist“ (Lk 23, 46). Er konnte ihn dem Vater übergeben und dem Räuber versichern, dass er noch an demselben Tage mit Ihm im Paradiese sein werde (Lk 23, 43).

Ich habe bereits auf einen unendlich wichtigen Charakterzug dieses Psalms hingewiesen, der den Psalmen, die von den Leiden Christi seitens der Menschen reden, so ganz entgegengesetzt ist, nämlich dass hier alles Gnade ist und kein Wort von Gericht gefunden wird. Wer hätte auch gerichtet werden müssen, nachdem Gott Selbst es gewesen war, der die Leiden auferlegt hatte, die besonders in dem Verbergen Seines Antlitzes bestanden, und nachdem die Sünden der Menschen, die glaubend daran teilhatten, dadurch hinweggetan waren? Diese Leiden waren für sie das Gericht, und das Gericht war ausgeführt und vorüber. Daher ist alles, was nun folgt, Segenswoge auf Segenswoge, überströmender Segen und nichts anderes. Beachten wir jedoch, dass die Segnung sich hier ganz und gar auf die Erde bezieht; so völlig beschränkt der Herr Sich in den Psalmen auf Israel und die Juden. Und obwohl uns Seine Auferstehung vor Augen gestellt worden ist und wir weiterhin auch Seine Himmelfahrt eingeführt sehen werden, so dass der Weg des Lebens bis in die Gegenwart Gottes Selbst dem Glauben geöffnet wird, ist doch der himmlische Platz für die Heiligen nicht enthüllt. Wir wissen wohl, dass die Wahrheiten, auf denen die Segnung beruht, uns weiter führen; aber die Psalmen reden nicht davon.

„Inmitten der Versammlung will ich dich loben.“ Der zur Zeit des Herrn gesammelte Überrest bildet den ersten Kreis, der an der Stätte des Lobes vereinigt ist; dann folgt die tausendjährige Segnung in ganz Israel. Die Jehova fürchten, sollen Ihn loben. Die Menschen fürchten Jehova, aber weiter vermögen sie nichts zu tun. Das hier beschriebene Werk dagegen lässt die, welche Ihn fürchten, Ihn auch loben.

Die, welche an jenem Tage Jehova fürchten und durch Leiden gehen, können Mut fassen, denn Christus ist der Bürge ihrer Befreiung und ihres Vertrauens (und Er kann es sein, weil Er Sühnung getan hat), aber auch ihrer tatsächlichen Rettung, denn Jehova hat nicht Sein Ohr verschlossen für das Elend des Elenden, noch Sein Angesicht vor Ihm verborgen; als Er zu Ihm schrie, hörte Er. Christus war für einen Augenblick in Leiden gewesen, aber nur, um das Versöhnungswerk zu vollbringen. Und jetzt nachdem dies geschehen und Er erhört worden ist, kann Er anderen die Gewissheit der Errettung schenken.

Die Sanftmütigen der Erde sollen jetzt essen und gesättigt werden und Frieden haben.

Doch soll sich die Segnung nicht auf Israel beschränken; alle Enden der Erde werden eingedenk werden und zu Jehova umkehren und vor Ihm niederfallen; denn das Reich wird Jehova gehören. Alle sollen sich vor Ihm niederbeugen. Auch soll die Segnung nicht auf das damalige Geschlecht beschränkt bleiben: einem Volke, welches geboren wird, sollen jene erzählen, dass Jehova dies getan hat.

Da ich nur die Psalmen zu erklären suche, kann ich nicht auf eine nähere Betrachtung des wunderbaren Werkes eingehen, auf das dieser Psalm sich gründet. Ich sage, sich gründet, weil der Psalm weit weniger von dem Werke selbst redet, als davon, was Christus dabei gefühlt hat. Ich möchte nur wünschen, dass dieser beständige und unerschöpfliche Gegenstand für das Nachsinnen der Heiligen auf die Seele meines Lesers, wie auf meine eigene, die ganze Kraft ausübe, für welche arme, aber erneuerte menschliche Wesen durch die Macht des Heiligen Geistes empfänglich sein können. Was den Frieden der Seele betrifft, so ist es unser Trost, dass Gott, da Seine Liebe der Ursprung dieses Werkes war, es auch nach seiner ganzen Fülle schätzt, und dass Er, da Er Jesum verherrlicht hat, dieses Werk auch Selbst angenommen hat zu unserem Frieden. Doch wie gesagt, ich möchte hier nur, so weit ich es vermag, die Gliederung und den Inhalt des Psalmes selbst darstellen.

Der Leser wird beachtet haben, wie tief die äußeren Leiden waren; aber unter allen Gerechten war Christus der einzige, welcher das Verlassensein von Gott erdulden musste. Er, der oftmals Sein Vertrauen auf Jehova und die Innigkeit Seiner Verbindung mit Ihm ausgedrückt und Seine Jünger gelehrt hatte, auf Ihn zu vertrauen, als auf Den, der stets ein Hörer des Gebets ist, Er musste öffentlich aussprechen, dass Er nicht erhört, sondern verlassen war. Welch eine Sprache redet das von der Bedeutung jener Stunde!

Doch es ist beachtenswert, wie ich schon bemerkt habe, dass, während Seine Leiden von Seiten der Menschen das Gericht über Seine Feinde herbeiführen, Sein Verlassensein von Gott, weil es zur Versöhnung gehört, das Tragen des Gerichts bedeutete, und dass alles, was daraus hervorgeht, unvermischte Gnade ist. Weil dieses Werk einen sühnenden Charakter trägt, so ist, nachdem Er einmal von den Hörnern der Büffel erhört ist, alles Gnade. Ein Strom von Gnade fließt hervor für den Überrest, sodann für Israel, für die Welt, für das künftige Geschlecht; und alles ist die Folge des unerschütterlichen und göttlich vollkommenen Sühnungswerkes im Tode Christi. In dem Werk, in den Leiden, war Er allein; aber sobald es vollendet ist, nimmt Er Seinen Platz in der Versammlung ein, die Er Selbst um Sich schart.

Beachten wir auch, wie vollkommen in Christo die Erkenntnis des Namens Seines Gottes und Vaters und die daraus entspringende Freude sein musste, in deren Genuss Er als Mensch eintrat, nachdem Er die Sünde hinweggetan hatte, und wie vollkommen andererseits die Wonne Gottes an Ihm und an Seinem Werke sein musste: alles, was Gott gegen Ihn gewesen war, ist Er jetzt für Ihn gemäß der Vortrefflichkeit dieses Werkes. Wie völlig musste Christus verstehen, was es ist, aus Seinen Leiden auf dem Kreuze errettet und in dieses Licht der Wonne Gottes eingetreten zu Sein! Nun, das ist hier die Quelle Seines Lobes; und das muss auch der Charakter unseres Lobes sein, es muss sich auf die glückselige Gewissheit gründen, dass wir aus dem Bereich der Sünde, des Todes und des Gerichts hinübergebracht sind in die Vollkommenheit der Gunst Gottes. Alles, was nicht aus diesem Bewusstsein entspringt, steht nicht im Einklang mit Ihm, der unsere Loblieder leitet.

Fußnoten

  • 1 Je mehr wir uns mit dem Kreuz beschäftigen, desto mehr werden wir sehen, dass dort jede Frage hinsichtlich des Guten und Bösen zum Austrag gebracht und die unerschütterliche Grundlage gelegt worden ist für eine vollkommene Segnung (gemäß dem, was Gott in Gerechtigkeit und Gnade und auch in Majestät ist) für die neuen Himmel und die neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. Es bezeugt uns in gesegneter Weise, dass es allen unseren Bedürfnissen begegnet ist; aber indem wir es in Frieden betrachten, sehen wir, wie der Mensch in unbedingter Bosheit und Sünde Gott in Seiner Gnade und Güte hasst und verwirft. Wir erblicken Satans ganze Macht - die Jünger flohen voll Furcht - und wie die ganze Welt durch seine Macht wider Christum geführt wird. Andererseits sehen wir den Menschen in unbedingter Güte den Vater lieben und Ihm gehorchen und, was es auch kosten mochte, Gott verherrlichen, gerade da wo es nötig war, auf dem Schauplatz der Sünde. Wir sehen Gott in vollkommener Gerechtigkeit der Sünde gegenüber wie nirgendwo anders, und schauen zugleich Seine vollkommene Liebe zu dem Sünder. Der Zustand der Unschuld im Paradiese war eine Segnung, die von Bedingungen abhing. Das, was am Kreuze geschah, ist dagegen in Vollkommenheit erfüllt, und sein Wert kann sich niemals ändern. Es ist eine ewige Gerechtigkeit. Daher ist die Segnung der neuen Himmel und der neuen Erde unwandelbar. Wir haben ein unschuldiges Eden gehabt, dann eine sündige Welt; und wir werden außer dem Tausendjährigen Reich, in dem die Gerechtigkeit herrscht, neue Himmel und eine neue Erde haben, in denen Gerechtigkeit wohnt.
  • 2 Wir wissen dies durch den Heiligen Geist, der herabgesandt wurde, als Er hinaufgefahren war zur Höhe. Die neuen Himmel und die neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt, werden das volle Ergebnis sein, sowie andererseits die Offenbarung des gerechten Grundes der schließlichen Verdammnis der Ungläubigen.
  • 3 Christus gebraucht während Seines Lebens naturgemäß den Ausdruck „Vater“; auf dem Kreuze, am Ende der Stunden der Finsternis, sagt Er: „Mein Gott, mein Gott“, bei Seinem Sterben: „Vater“, wie auch vorher in Gethsemane; nach Seiner Auferstehung sagt Er: „Vater und Gott“ - das eine in Seiner persönlichen Beziehung zu Ihm und als das Wohlgefallen des Vaters, das andere in göttlicher Gerechtigkeit, indem Er uns dahinein versetzt.
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