Betrachtung über Johannes (Synopsis)

Kapitel 21

Betrachtung über Johannes (Synopsis)

Indem dieses Kapitel ein neues Zeugnis von der Auferstehung Jesu ablegt, gibt es uns zugleich bis zum 13. Verse ein Gemälde von dem Werke Christi im Tausendjährigen Reiche. Vom 15. Verse bis zum Ende des Kapitels finden wir das besondere Teil des Petrus und des Johannes in Verbindung mit ihrem Dienst für Christum. Die Anwendung hiervon beschränkt sich auf die Erde; denn sie hatten Jesum auf Erden gekannt. Paulus ist es, der uns die himmlische Stellung Christi und der Kirche zeigen wird.

Durch Petrus geleitet, gehen einige der Apostel hin, um zu fischen. Der Herr trifft mit ihnen in denselben Umständen zusammen, in denen Er sie im Anfang gefunden hatte, und offenbart Sich ihnen auf die nämliche Weise.

Johannes versteht alsbald, dass es der Herr ist; und Petrus wirft sich mit seiner gewöhnlichen Energie ins Wasser, um zu Ihm zu gelangen. Beachten wir, dass wir uns hier wieder auf dem Boden der historischen Evangelien befinden, d. h. dass das Wunder des Fischfangs mit dem Werke Christi auf der Erde zusammenhängt. Es trägt nicht den gewöhnlichen Charakter der Lehre dieses Evangeliums, das uns die göttliche Person Jesu außerhalb jeder Haushaltung hienieden vor Augen stellt und unsere Gedanken über alle derartigen Gegenstände erhebt. Hier, am Ende des Evangeliums und der Skizze, die er im 20. Kapitel (Joh 20) von dem Resultat der Offenbarung der göttlichen Person Jesu und Seines Werkes entworfen hat, stellt sich der Evangelist zum ersten Male auf den Boden der Synoptiker 1, oder der Offenbarung und der zukünftigen Früchte der Verbindung Christi mit der Erde. Die Anwendung dieser Stelle auf die Beziehungen des Herrn zur Erde ist daher nicht nur ein Gedanke, der durch die Erzählung hervorgerufen wird, sondern stützt sich auf die allgemeine Belehrung des Wortes. Jedoch gibt es einen bemerkenswerten Unterschied zwischen dem, was sich hier und bei dem ersten Fischfang (siehe Lk 5,1–11) ereignete. Dort begannen die Schiffe zu sinken und die Netze rissen. Nicht so hier; und der Heilige Geist erwähnt diesen Umstand als bedeutungsvoll. Das Werk Christi im Tausendjährigen Reiche wird keinen Schaden leiden. Er ist gegenwärtig nach Seiner Auferstehung, und das, was Er vollbringt, ruht an und für sich nicht auf der Verantwortlichkeit des Menschen hinsichtlich seiner Wirkung hienieden: das Netz zerreißt nicht. Auch hat der Herr schon Fische bereit liegen, wenn die Jünger diejenigen, die sie gefangen haben, herbeibringen (V. 9). So wird es am Ende auf der Erde sein. Vor Seiner Erscheinung wird Jesus einen Überrest für Sich auf der Erde zubereitet haben; aber nach Seiner Erscheinung wird Er auch aus dem Meere der Nationen eine Menge sammeln.

Noch ein anderer Gedanke bietet sich hier dar. Christus hat Sich gleichsam aufs Neue zu Seinen Jüngern gesellt. „Kommt her, frühstückt“, sagt Er (V. 12). Es handelt sich hier nicht um himmlische Dinge, sondern um die Erneuerung Seiner Verbindung mit Seinem Volke im Reiche. Alles das gehört nicht unmittelbar zu dem Gegenstande unseres Evangeliums, dessen allgemeiner Gesichtspunkt ein höherer ist; demzufolge wird dieser Gegenstand auch auf eine geheimnisvolle und sinnbildliche Weise eingeführt.

Diese Erscheinung Christi wird als Seine dritte Offenbarung bezeichnet. Ich zweifle daran, dass Seine Erscheinung auf der Erde, vor Seinem Tode in dieser Zahl mit einbegriffen ist. Lieber möchte ich diese drei Offenbarungen in folgender Weise einteilen. 1. diejenige, die nach Seiner Auferstehung zum Sammeln der Kirche Anlass gab; 2. eine Offenbarung Seiner Selbst für die Juden nach der Art und Weise dessen, was wir im Hohenlied dargestellt finden; und 3. die öffentliche Entfaltung Seiner Macht, wenn Er den Überrest in den letzten Tagen bereits gesammelt haben wird. Seine Erscheinung gleich einem Blitze steht außerhalb aller dieser Dinge. Geschichtlich fanden die drei Erscheinungen statt: am Tage Seiner Auferstehung, am folgenden ersten Wochentage und am See Genezareth.

Hernach finden wir Worte unaussprechlicher Gnade, mit denen der Herr dem Petrus die Sorge für Seine Schafe, anvertraut (und zwar für Seine jüdischen Schafe, wie ich nicht bezweifle; denn Petrus ist der Apostel der Beschneidung), und dem Johannes wird ein unbestimmtes Bleiben auf der Erde angewiesen (V. 15–23). Die Worte des Herrn beziehen sich weit mehr auf den Dienst der beiden Apostel als auf ihre Personen, mit Ausnahme eines einzigen Verses, der auf Petrus Bezug hat. Dies erfordert jedoch eine etwas nähere Beleuchtung.

Der Herr beginnt mit der völligen Wiederherstellung der Seele des Petrus. Er wirft ihm nicht seinen Fehler vor, aber Er richtet die Quelle des Übels, die ihn hervorgebracht hatte: das Selbstvertrauen. Petrus hatte erklärt, dass, wenn auch alle Jesum verleugneten, er es wenigstens nicht tun würde. Deshalb fragt ihn der Herr: „Liebst du mich mehr als diese?“ Und Petrus ist genötigt anzuerkennen, dass es der Allwissenheit Gottes bedürfe, um zu beurteilen, ob er, der sich gerühmt hatte, Jesum, mehr zu lieben als alle anderen, wirklich Liebe zu Ihm habe. Die dreimal wiederholte Frage muss in der Tat die Tiefen seines Herzens erforscht haben: auch war es erst beim dritten Male, dass Petras sagte: „Herr, du weißt alles; du erkennst, dass ich dich lieb habe.“ Jesus ließ sein Gewissen nicht los, bis es auf diesen Punkt gekommen war. Die Gnade jedoch, die auf solche Weise für sein Wohl sorgte, die ihm trotz allem nachgegangen war und für ihn gebetet hatte, bevor er die Notwendigkeit hierzu gefühlt oder den Fehler begangen hatte – diese Gnade ist auch hier vollkommen; denn in dem Augenblick, wo man als Höchstes hätte voraussetzen können, dass Petrus durch die Nachsicht Gottes wieder aufgenommen werden würde, wird der stärkste Beweis der Gnade Gottes über ihn ausgeschüttet. Nachdem er durch seinen Fall gedemütigt und in gänzliche Abhängigkeit von der Gnade gebracht ist, entfaltet sich die überschwängliche Gnade. Der Herr vertraut ihm das an, was Ihm am teuersten war – die Schafe, die Er soeben erkauft hatte; Er vertraut sie seiner Sorge an. Das ist die Gnade, die alles, was der Mensch ist, übersteigt – die Gnade, die sich erhaben zeigt über allem, was der Mensch ist, und die infolgedessen Vertrauen erweckt, nicht Vertrauen auf sich selbst, sondern auf Gott, als auf den Gott, dessen Gnade man stets Vertrauen schenken kann, der voll von Gnade und vollkommen ist in jener Gnade, die über allem erhaben ist und stets unveränderlich dieselbe bleibt. Es ist die Gnade, die uns befähigt, das Werk der Gnade zu vollbringen, und zwar zu Gunsten dessen, der ihrer bedarf. Sie erweckt Vertrauen je nach dem Maße, in dem sie wirkt. Ich halte, wie schon bemerkt, dafür, dass sich die Worte des Herrn auf die schon von Petrus gekannten Schafe beziehen; denn mit diesen allein war Jesus in täglichem Verkehr gewesen, und diese werden auch naturgemäß vor Seiner Seele gestanden haben, und besonders in der Szene, die dieses Kapitel vor unsere Blicke stellt – die Schafe des Hauses Israel.

Es ist, wie mir scheint, in dem, was der Herr zu Petrus sagt, ein Fortschreiten zu bemerken. „Liebst du mich mehr als diese?“ fragt Er, und Petrus antwortet: „Du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Jesus sagt: „Weide meine Lämmlein.“ Das zweite Mal fragt Jesus nur: „Liebst du mich?“ und lässt die Vergleichung zwischen Petrus und den übrigen sowie seine frühere Anmaßung fort. Petrus versichert Ihn abermals seiner Liebe, worauf Jesus zu ihm sagt: „Hüte meine Schafe.“ Zum dritten Mal fragt Er: „Hast du mich lieb 2?“ indem Er Sich so der eigenen Worte des Petrus bedient. Und als Petrus dann antwortet, indem er den Gebrauch seiner eigenen Worte durch den Herrn bemerkt, sagt Jesus: „Weide meine Schafe.“ Das Band zwischen Petrus und Christus, so wie Er auf Erden gekannt gewesen war, befähigte Petrus, die Herde des jüdischen Überrestes zu hüten, die Lämmlein zu weiden, indem er ihnen den Messias zeigte, so wie Er gewesen war, und dann der Hirt derer zu sein, die weiter gefördert waren, und ihnen Nahrung darzureichen. Die Gnade des liebenden Heilandes blieb jedoch dabei nicht stehen. Petrus hätte noch immer den Kummer fühlen können, eine so schöne Gelegenheit zum Bekenntnis des Herrn in einem kritischen Augenblick versäumt zu haben. Jesus versichert ihn deshalb, dass das, was er durch die Kraft seines eigenen Willens nicht hatte tun können, ihm nach dem Willen Gottes gewährt werden würde. Als er noch jung war, gürtete er sich selbst; aber wenn er alt geworden wäre, sollten ihn andere gürten und hinführen, wohin er nicht wollte (V. 18). Es sollte ihm durch den Willen Gottes gegeben werden, für den Herrn zu sterben, wozu er sich früher aus eigener Kraft bereit erklärt hatte. Und jetzt, da Petrus gedemütigt und ganz unter die Gnade gestellt ist, da er versteht, dass er keine Kraft hat, da er seine Abhängigkeit von dem Herrn fühlt und seine gänzliche Unfähigkeit, sobald er sich auf seine eigene Kraft stützt, – jetzt, ich wiederhole es, beruft ihn der Herr zu Seiner Nachfolge. Freilich hatte er sich angemaßt, Ihm zu folgen zu einer Zeit, da der Herr ihm gesagt hatte, dass er es nicht vermochte. Allein diese Nachfolge war es, wonach das Herz des Petrus verlangte. Wenn er diejenigen weidete, die Christus bis zu Seinem Tode geweidet hatte, so würde er, gleich Ihm, Israel alles verwerfen und sein eigenes Werk enden sehen, wie Christus das Seinige hatte enden sehen: indem das Gericht Gottes bereit sein würde, hereinzubrechen, und zwar beginnend an dem Hause Gottes (1. Pet 4,17). Schließlich sollte ihm das zuteil werden, was zu vollbringen er sich einst angemaßt, aber nicht auszuführen vermocht hatte: er sollte Christo nachfolgen in Gefängnis und Tod.

Hierauf folgt die Geschichte des Jüngers, den Jesus liebte. Johannes, der ohne Zweifel den an Petrus gerichteten Ruf vernommen hatte, folgt Jesu ebenfalls; und Petrus, der, wie wir gesehen haben, mit ihm durch ihre gemeinsame Liebe zum Herrn verbunden war, fragt nach dessen künftigem Schicksal. Die Antwort des Herrn kündigt das Teil und den Dienst des Johannes an, jedoch, wie mir scheint, in Verbindung mit der Erde. Indes ist der rätselhafte Ausspruch des Herrn ebenso bemerkenswert wie wichtig. „Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an?“ Infolgedessen dachten die Jünger, dass Johannes nicht sterben würde, wiewohl der Herr das nicht gesagt hatte – eine Warnung für uns, Seinen Worten nicht einen Sinn beizulegen, anstatt einen solchen zu empfangen. Es zeigt uns zugleich, wie sehr wir der Hilfe des Heiligen Geistes zum richtigen Verständnis der Worte des Herrn bedürfen; denn buchstäblich konnten die Worte allerdings so verstanden werden. In der Hoffnung, dass ich selbst diese Warnung beachte, will ich kurz darlegen, was nach meiner Meinung die Bedeutung dieser Worte ist – eine Bedeutung, die den Schlüssel zu vielen anderen Ausdrücken ähnlicher Art gibt. In der Erzählung des Evangeliums stehen wir in Verbindung mit der Erde, d. h. es beschäftigt uns die Verbindung Jesu mit der Erde. Als in Jerusalem, auf der Erde gepflanzt, wird die Kirche als das Haus Gottes förmlich anerkannt als dasjenige, was den Platz des Hauses Jehovas, in Jerusalem einnimmt. Die Geschichte der Kirche, die somit förmlich als ein Mittelpunkt auf Erden aufgerichtet ist, endet mit der Zerstörung Jerusalems. Der durch den Messias gerettete Überrest sollte als solcher hinfort nicht mehr in Verbindung mit Jerusalem den Mittelpunkt zum Sammeln der Heiden bilden. In diesem Sinne setzte die Zerstörung Jerusalems gerichtlich dem neuen System Gottes auf der Erde ein Ende – einem System, das durch Petrus verkündigt wurde (Apg 3), hinsichtlich dessen Stephanus den Juden ihr Widerstreben gegen den Heiligen Geist vorhielt und gleichsam als ein Bote Demjenigen nachgesandt wurde, der hingegangen war, um das Reich zu empfangen und dann wieder zurückzukehren. Paulus – erwählt aus der Mitte dieser Feinde der guten Botschaft, die noch nach dem Tode Christi durch den Heiligen Geist an die Juden gerichtet wurde, und abgesondert von den Juden und von den Heiden, um zu den letzteren gesandt zu worden – erfüllt ein neues Werk, das den Propheten des Alten Bundes verborgen war, nämlich das Sammeln einer himmlischen Kirche ohne Unterschied von Juden oder Heiden. Die Zerstörung Jerusalems hat dem ersten dieser Systeme sowie dem Dasein des Judentums nach dem Gesetz und nach den Verheißungen ein Ende gemacht, um nur die himmlische Kirche bestehen zu lassen. Johannes, der letzte der Zwölfe, ist bis zu diesem Zeitabschnitt länger als Paulus geblieben, um über die auf diesem Boden errichtete Kirche, d. h. über den organisierten irdischen Rahmen zu wachen, in den das Zeugnis Gottes eingefasst ist – über die Kirche, die in diesem Charakter verantwortlich ist und daher den Gegenstand der Regierung Gottes hienieden bildet. Das ist jedoch nicht alles. In seinem Dienst ist Johannes, wie wir es in der Offenbarung sehen, bis ans Ende, bis zur Ankunft Christi auf der Erde zum Gericht gegangen und hat das Gericht der Kirche, als des verantwortlichen Zeugen auf der Erde, mit dem Gericht der Welt verbunden, das hereinbricht, wenn Gott Seine Verbindungen mit der Erde im Wege der Regierung wieder aufnehmen wird, nachdem das Zeugnis der Kirche beendigt und sie, dem ihr eigentümlichen Charakter gemäß, in den Himmel aufgenommen ist, um bei dem Herrn zu sein.

Die Offenbarung stellt uns also das Gericht der Kirche auf Erden als des formellen Zeugen der Wahrheit vor Augen und geht dann über zu der Wiederaufnahme der Regierung Gottes über die Erde im Blick auf die Einsetzung des Lammes auf den Thron und die Beseitigung der Macht des Bösen. Der himmlische Charakter der Kirche findet sich in der Offenbarung nur dann, wenn ihre Glieder als Könige und Priester auf Thronen gesehen werden, und wenn die Hochzeit des Lammes im Himmel stattfindet. Nach Ablauf des Zeitraumes, der uns in den Sendschreiben an die sieben Versammlungen dargestellt wird, besitzt die Erde das himmlische Zeugnis nicht mehr. Es ist weder in diesen Sendschreiben noch in dem eigentlich prophetischen Teile der Offenbarung davon die Rede. Wenn man daher die sieben Versammlungen als in jenen Tagen bestehend betrachtet, so findet man die Kirche nach der Lehre des Paulus in dem, was gesagt wird, nicht. Betrachtet man dagegen die Versammlungen beziehungsweise die an sie gerichteten Sendschreiben als Schilderungen der Kirche, als des Gegenstandes der Regierung Gottes auf Erden, so haben wir deren Geschichte bis zu ihrer schließlichen Verwerfung vor uns; diese Geschichte ist dann eine fortlaufende, und der prophetische Teil des Buches reiht sich unmittelbar an das Ende der Versammlungen an; nur finden wir an der Stelle der Kirche die Welt und hernach die Juden 3. Die Ankunft Christi, von der am Ende unseres Evangeliums geredet wird, ist also Seine Erscheinung auf der Erde; und Johannes, der persönlich bis zum Ende alles dessen blieb, was durch den Herrn in Verbindung mit Jerusalem eingeführt worden war, bleibt hier, was seinen Dienst betrifft, bis zur Erscheinung Christi für die Welt.

Wir finden in Johannes also zweierlei: Einerseits geht sein Dienst, insofern er in Verbindung mit der Haushaltung und mit den Wegen Gottes steht, nicht über das hinaus, was irdisch ist; die Ankunft Christi ist Seine Erscheinung, um jene Wege zu vollenden und die Regierung Gottes aufzurichten. Andererseits verbindet er uns mit der Person Jesu, die über und außerhalb aller Haushaltungen und Wege Gottes steht, es sei denn insofern Er die Offenbarung Gottes Selbst war. Johannes betritt den Boden der Kirche, so wie Paulus dieselbe vorstellt, niemals; er redet entweder von der Person Jesu oder von den Beziehungen Gottes zur Erde 4. Sein Brief stellt uns die Wiederhervorbringung des Lebens Christi in uns dar und schützt uns auf diese Weise vor aller falschen Anmaßung verkehrten Lehrer. Aber durch diese beiden Teile der Wahrheit, die Person Jesu und den wahren Charakter Seines Lebens in uns reicht Gott uns einen kostbaren Stützpunkt für den Glauben dar, wenn alles, was mit dem Körper des Zeugnisses in Verbindung steht, zusammenbrechen mag. Jesus ist persönlich der Gegenstand des Glaubens, in dem wir Gott kennen; und das Leben Gottes wird in uns wieder hervorgebracht als solchen, die durch Jesum lebendig gemacht sind. Dies bleibt immer wahr, und es ist das ewige Leben, selbst wenn wir allein, ohne die Versammlung, auf der Erde wären; und es führt uns über ihre Ruinen hinweg im Besitze dessen, was wesentlich ist und immerdar fortdauern wird. Die Regierung Gottes wird alles Übrige entscheiden. Allein es ist unser Vorrecht und unsere Pflicht, den paulinischen Teil des Zeugnisses Gottes so lange aufrecht zu erhalten, wie wir es durch die Gnade vermögen.

Beachten wir, dass das Werk des Petrus und des Paulus darin bestand, Seelen zu sammeln, sei es aus der Beschneidung oder aus den Heiden. Johannes ist konservativ (erhaltend), indem er das bewahrt, was wesentlich im ewigen Leben ist. Er redet von dem Gericht Gottes in Verbindung mit der Welt, jedoch als von einem Gegenstande, der außerhalb seiner eigenen Beziehungen zu Gott steht, deren Ausdruck die Einleitung zur Offenbarung bildet. Er folgt Christo nach, als Petrus von dem Herrn berufen wurde, weil – wiewohl Petrus, wie Christus es getan hatte, sich mit der Berufung der Juden beschäftigte – Johannes, ohne zu diesem Werk berufen zu sein, Ihm auf demselben Boden nachfolgte. Der Herr erklärt, sein Verhalten, wie wir gesehen haben. Die Verse 24 und 25 enthalten gleichsam den Titel des Buches.

Johannes hat bei weitem nicht alles erzählt, was Jesus getan hat, wohl aber das, was Ihn als das ewige Leben offenbarte. Es wäre unmöglich, alle Seine Werke aufzuzählen.

Hiermit sind, Gott sei Dankt diese vier kostbaren Bücher der Evangelien nach ihren großen Grundzügen insoweit erläutert, als Gott mich dazu befähigt hat. Was die Betrachtung ihres Inhalts im Einzelnen betrifft, so muss ich diese jeder Seele unter dem Beistande der mächtigen Wirkung des Heiligen Geistes überlassen; denn wenn man alle Einzelheiten eingehend betrachten wollte, so würde man beinahe mit dem Apostel sagen können, dass die Welt die geschriebenen Bücher nicht fassen würde. – Möge Gott in Seiner Gnade die Seelen in den Genuss der in diesen Büchern enthaltenen unerschöpflichen Ströme der Gnade und Wahrheit in Jesu einführen!

Fußnoten

  • 1 So werden die drei anderen Evangelisten genannt (Anm. d. Übers.).
  • 2 Das durch „lieb haben“ übersetzte Wort ist ein anderes als dasjenige, das der Herr bei Seiner ersten und zweiten Frage gebraucht, und deutet mehr auf die innige Zuneigung des Herzens hin. Petrus wendet es in jeder seiner Antworten an (Anm. d. Üb.)
  • 3 Auf diese Weise wird uns in dem dienstlichen Leben und in den Unterweisungen des Petrus und Johannes die ganze religiöse irdische Geschichte von Anfang bis zu Ende dargestellt; sie beginnt mit den Juden unter Fortdauer der persönlichen Beziehungen Christi zu ihnen, durchläuft dann den ganzen christlichen Zeitraum, um sich nach dem Schluss der irdischen Geschichte der Kirche auf dem Boden der Beziehungen Gottes zur Welt (den jüdischen Überrest einbegriffen), mit Rücksicht auf die Einführung des Erstgeborenen in die Welt, wieder zu finden. Dieses letzte herrliche Ereignis schließt die Geschichte, die mit der Verwerfung des Erstgeborenen begonnen hatte. Paulus befindet sich auf einem ganz anderen Boden. Er sieht die Versammlung als den Leib Christi mit Ihm im Himmel vereinigt.
  • 4 Johannes stellt den Vater dar als geoffenbart in dem Sohne - Gott, kundgemacht durch den Sohn, der im Schoße des Vaters ist, und zugleich als das ewige Leben geoffenbart: Gott ist uns dargestellt und das Leben. Paulus offenbart uns, wie wir vor Gott in Christo dargestellt sind. Obgleich ein jeder von ihnen unvollkommen auf den anderen Punkt anspielt, so kennzeichnet doch den einen die Darstellung Gottes uns gegenüber sowie die Gabe des ewigen Lebens, den anderen unsere Darstellung vor Gott.
« Vorheriges Kapitel

Ihre Nachricht