Kommt, folgt mir nach

„Jesus sehen“ (Joh 12, 20-28)

„Es waren aber einige Griechen unter denen, die hinaufgingen, um auf dem Fest anzubeten. Diese nun kamen zu Philippus, dem von Bethsaida in Galiläa, und baten ihn und sagten: Herr, wir möchten Jesus sehen! Philippus kommt und sagt es Andreas, [und wiederum] kommt Andreas mit Philippus, und sie sagen es Jesus“ (Joh 12,20-22).

Welch schöne Bitte: „Wir möchten Jesus sehen.“ Immer bewegt es mich aufs Neue, wenn ich diesen Wunsch der Griechen lese.

„Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen“ (Joh 20,20). Und auch die Griechen werden sich gefreut haben, denn: „Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht, Lieblichkeiten in deiner Rechten immerdar“ (Ps 16,11).

Sie waren auf das Fest nach Jerusalem gekommen, um anzubeten. Ach, was half, was gab ihnen das religiöse Fest mit seinen Priestern, Opfern, seinem Gepränge und seinen Zeremonien? Von Nazareth kam das Gute (Joh 12,20). Der Vater zieht zum Sohn, und die Bitte kommt auf: „Wir möchten Jesus sehen“.

Die Griechen sagen es dem Philippus. Dieser sagt es dem Andreas, dann kommen beide, und „sie sagen es Jesus“. Das ist unser köstliches Vorrecht, Seelen zum Heiland zu führen und für sie zu beten.

Die Griechen kamen, sie haben Jesus gesehen. Niemand hat diesen herzlichen Wunsch ausgesprochen, ohne dass er erfüllt worden wäre. Jesus hat die Griechen gesehen. „Fordere von mir, und ich will dir die Nationen zum Erbteil geben und die Enden der Erde zum Besitztum!“ (Ps 2,8).

„Schaut die Felder an, denn sie sind schon weiß zur Ernte“ (Joh 4,35). Und als er sie sah und in dem Herzen die Sehnsucht der Heiden nach dem Heil sah, da antwortet der Heiland der Welt:

„Jesus aber antwortet ihnen und spricht: Die Stunde ist gekommen, dass der Sohn des Menschen verherrlicht werde“ (Joh 12,23).

Die Stunde, in der er an das Kreuz gehen wollte, um die Sünde der Welt wegzunehmen, die Sünde vieler zu tragen, sein Blut zu vergießen zur Reinigung von aller Sünde. Die Stunde, in der er Gott begegnen würde im Gericht, beladen mit der Schuld der Menschen.

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht“ (Joh 12,24).

Es war die Stunde, in der das Weizenkorn in die Erde gesenkt werden und sterben sollte. Nur so konnte der Sohn des Menschen verherrlicht werden und später die Stämme Jakobs aufrichten, zum Licht gesetzt werden den Nationen, Gottes Heil sein bis an die Enden der Erde.

Aber wie schwer und furchtbar war diese Stunde! Mit Angst erfüllt war sein Herz, geängstigt Seine Seele, bebend vor dem Gericht dort am Kreuz.

„Jetzt ist meine Seele bestürzt, und was soll ich sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde!“ (Joh 12,27a).

Aber nein, das kann er nicht so stehen lassen, das kann er nicht so sagen. Da stehen seine Jünger, da stehen ja die Griechen mit ihren sehnsüchtigen Friedenswünschen.

„Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen“ (Joh 12,27b).

Damit durch seine Leiden viel Frucht gebracht wird.

„Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme aus dem Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn auch wiederum verherrlichen“ (Joh 12,28).

Welche Blicke eröffnen sich uns hier in die innersten Leiden und Kämpfe des Sohnes des Menschen; welche Eindrücke haben die lauschenden Griechen empfangen! Das war der Erlöser, das war das Lamm.

Viel Not und Leid haben wir unserem Herrn bereitet. Lasst uns ihn lieben, ihm unser Leben weihen. Er hat uns zuerst und unsagbar geliebt, bis in den Tod. Ihm folgen, ihm folgen allezeit!

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