Die Bergpredigt
Eine Verständnishilfe zu Matthäus 5 - 7

Einleitung

Die Bergpredigt

Das Reich Gottes

Das Reich Gottes nimmt in den Evangelien – wie auch im ganzen Neuen Testament – neben der Versammlung (Kirche, Gemeinde) einen wichtigen Platz ein. Es ist die von Gott verordnete Herrschaft seines Sohnes als König der Könige über sein irdisches Volk Israel, aber darüber hinaus über das gesamte Weltall.

Das Reich begann, als der Herr als König auf der Erde erschien (vgl. Mt 12,28). Durch seine Ablehnung und Verwerfung wurde das Reich nicht beendet, sondern es wird auch in der jetzigen Zeit seiner Abwesenheit weitergeführt, nur unter anderen Vorzeichen. Seine wahren Jünger sind jetzt die Glieder seines Leibes, der Versammlung, die bei seinem bevorstehenden Kommen entrückt werden. Die Zielsetzung des Reiches wird jedoch auch danach fortgeführt, wenn in der Drangsalszeit das Evangelium des Reiches verkündet werden wird (Mt 24,14). Seine Vollendung wird das Reich Gottes mit der Erscheinung Christi in Herrlichkeit zur Errichtung des Tausendjährigen Reiches finden. So wird Gottes Plan mit der Erde und der ganzen Schöpfung in Erfüllung gehen. Der Herr Jesus wird als verherrlichter Mensch herrschen, und alle seine Feinde werden Ihm als Fußschemel dienen.

Das Evangelium nach Matthäus

Zum richtigen Verständnis der Bergpredigt ist es notwendig, den speziellen Charakter des Evangeliums nach Matthäus zu kennen. In ihm wird der Herr Jesus als der bereits im Alten Testament von Gott verheißene König Israels beschrieben. Matthäus führt deshalb auch wesentlich mehr Zitate aus dem Alten Testament an als die anderen drei Evangelisten. Dadurch wird besonders unterstrichen, dass Jesus wirklich der Messias ist. Matthäus beginnt sein Evangelium deshalb auch mit dem Geschlechtsregister Jesu Christi, „des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams“, und mit der Beschreibung seiner Geburt in Bethlehem, dem Geburtsort Davids. Insgesamt achtmal wird der Herr Jesus „Sohn Davids“ genannt, und sehr häufig kommt der Ausdruck Reich Gottes bzw. Reich der Himmel vor (eig. müsste es heißen: Königreich).

Die Bergpredigt ist nun die erste von fünf großen Reden des Herrn Jesus im Matthäusevangelium. Alle diese Reden enden mit dem gleichartigen Schluss-Satz: „Und es geschah, als Jesus ... vollendet hatte ...“, und alle stehen mit dem Reich der Himmel in Verbindung.

  • Seine erste Rede ist die Bergpredigt, so genannt, weil der Herr dazu auf den Berg stieg. Hier verkündigte Er die Grundsätze, die nach Gottes Willen in seinem Reich herrschen sollen (Mt 5,1 – 7,29).
  • Die zweite Rede hielt der Herr, als Er seine Jünger aussandte und ihnen den Auftrag gab, dem Volk der Juden das Reich anzukündigen (Mt 10,1 – 11,1).
  • Die Gleichnisse vom Reich der Himmel bilden den Inhalt der dritten Rede des Herrn (Mt 13,1–53).
  • In der vierten Rede stellt der Herr Jesus verschiedene Grundsätze für das persönliche und gemeinschaftliche Verhalten der Jünger bzw. der Gläubigen auf (Mt 18,1 – 19,1).
  • In seiner letzten großen Rede auf dem Ölberg spricht der Herr Jesus über die Endzeit. Er erklärt seinen Jüngern die Zukunft Israels (Mt 24,1–44), der Christenheit (Mt 24,45 – 25,30) und der Nationen (Mt 25,31–46) bis zu seinem Erscheinen in Herrlichkeit.

Der Christ und die Bergpredigt

In der Bergpredigt kündigt Christus, der König, im Wissen um seine baldige Verwerfung die Grundsätze und Richtlinien an, nach denen diejenigen, die Ihn als ihren König anerkennen, in dieser Welt leben sollen. Deshalb ist die Bergpredigt auch das „Grundgesetz des Reiches Gottes“ genannt worden.

Ich glaube, dass es wichtig ist, dies zu verstehen. Die Bergpredigt enthält nämlich nicht das Evangelium für verlorene Sünder, sondern richtet sich an Menschen, die den Herrn Jesus bereits im Glauben angenommen haben. Noch weniger kann man die Lehren der Bergpredigt als „Programm“ für die Verbesserung der Welt betrachten und benutzen. Ihre Vorschriften können letzten Endes nur von wiedergeborenen Menschen verwirklicht werden.

Andererseits spricht der Herr Jesus in der Bergpredigt nicht von den Segnungen und Vorrechten der Christen, d. h. derjenigen, die in der jetzigen Gnadenzeit an Ihn glauben. Für sie ist Er ja viel mehr als ein König: Er ist ihr Erlöser, ihr guter Hirte, ihr Hoherpriester bei Gott, ihr Sachwalter oder Fürsprecher bei dem Vater und das Haupt seines Leibes, der Versammlung. In ihm sind sie auch gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern.

Diese großen und wunderbaren Segnungen ändern jedoch nichts an der Tatsache, dass auch die Christen in der Welt dazu berufen sind, die Grundsätze des Reiches Gottes zu kennen und danach zu leben. Es wäre ein Widerspruch, wenn sie zwar die Segnungen für sich in Anspruch nehmen, aber die Verantwortung als Jünger Christi in der Welt nicht auf sich nehmen wollten. So haben die Worte der Bergpredigt nicht nur den damaligen Jüngern des Herrn Jesus und dem zukünftigen Überrest in der Zeit nach der Entrückung etwas zu sagen, sondern auch uns, die wir in der Zwischenzeit an Ihn glauben, Ihm dienen und Ihn erwarten.

Einteilung der Bergpredigt

  1. Einleitung Kap. 5,1–2
  2. Seligpreisungen: Kap. 5,3–12
  3. Die Stellung der Jünger in der Welt: Kap. 5,13–16
    a. Das Salz der Erde: Kap. 5,13
    b. Das Licht der Welt: Kap. 5,14–16
  4. Das Gesetz und das Reich: Kap. 5,17–48
    a. Christus und das Gesetz: Kap. 5,17–20
    b. Sechs Beispiele: Kap. 5,21–48
  5. Die Gerechtigkeit der Jünger: Kap. 6,1–18
    a. Wohltätigkeit Kap. 6,1–4
    b. Gebet Kap. 6,5–15
    c. Fasten Kap. 6,16–18
  6. Der Jünger Jesu in der Welt: Kap. 6,19–34
    a. Warnung vor Raffgier: Kap. 6,19–23
    b. Gott oder der Mammon: Kap. 6,24
    c. Warnung vor Sorgen: Kap. 6,25–34
  7. Der Jünger und sein Nächster: Kap. 7,1–6
  8. Der Jünger und das Gebet: Kap. 7,7–12
  9. Die Energie des Jüngers Kap. 7,13–23
    a. Die enge Pforte Kap. 7,13–14
    b. Früchte Kap. 7,15–20
    c. Leeres Bekenntnis Kap. 7,21–23
  10. Der Gehorsam des Jüngers Kap. 7,24–27
  11. Schluss Kap. 7,28–29
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