Die Bergpredigt
Eine Verständnishilfe zu Matthäus 5 - 7

10. Leiden um Christi willen (Matthäus 5,11.12)

Die Bergpredigt

Die letzte der neun Seligpreisungen bildet zugleich den Übergang zum folgenden Teil der Bergpredigt. Jetzt spricht der Herr Jesus nicht mehr allgemein von den Jüngern in der dritten Person, sondern redet sie direkt mit dem persönlichen „Ihr“ an, wie Er es in Lukas 6,20–26 bei allen Seligpreisungen tut. Zugleich wendet Er seine Worte von Vers 10 auf sie an: „Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden um meinetwillen. Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren.“ Er sieht seine Jünger vor sich, Er weiß bereits jetzt, was sie durchmachen müssen, und Er gibt ihnen eine wunderbare Verheißung.

Bei aller Ähnlichkeit mit der vorherigen Seligpreisung besteht doch ein Unterschied: Hier spricht der Herr nicht von dem Leiden um der Gerechtigkeit willen, sondern von Schmähungen, Verfolgungen und bösen Worten um Seinetwillen. Es geht also um die Person unseres Herrn und um das Bekennen Seines Namens. Das Leiden um der Gerechtigkeit willen ist eine Folge unserer moralischen Haltung und unserer Handlungen, das Leiden um Jesu willen eine Folge unseres Bekenntnisses zu Ihm.

Bekenntnis zu Jesus

Zwar kennen wir in den demokratisch regierten Ländern keine offiziellen Verfolgungen von Christen, wie sie noch heute in einigen Ländern vorkommen. Nach dem deutschen Grundgesetz darf unter anderem niemand wegen seines Glaubens und seiner religiösen Anschauungen benachteiligt werden; die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Aber das bedeutet nicht, dass alle Menschen den Christen gut gesonnen sind. Wie mancher junge Gläubige hat den Spott und die Schmähungen seiner Kameraden erfahren, wenn er beim Eintritt in das Berufsleben an seiner Arbeitsstelle, bei der Bundeswehr oder beim Ersatzdienst bekannte: „Ich glaube an den Herrn Jesus als meinen Erlöser!“ Es kann sogar sein, dass es nicht bei Schmähungen und lügnerischen Verleumdungen, d.h. Worten, bleibt, sondern zu Verfolgung, d.h. Taten kommt. Mit dem Wort „wenn“ will der Herr nicht nur eine eventuelle Möglichkeit andeuten, sondern auf eine sicher zu erwartende Tatsache hinweisen. Wer sich öffentlich und mutig auf die Seite unseres Herrn und Heilandes stellt, indem er sich zu Ihm bekennt, wird Verachtung, Spott und Hohn ernten. Dabei geht das Leiden um Jesu willen und um der Gerechtigkeit willen oft in einander über. Manchmal wird bereits mit Hohn und Verachtung reagiert, wenn der Name des Herrn Jesus freimütig bekannt wird. Manchmal wird dies zwar noch mitleidig lächelnd hingenommen, aber sobald sich der Gläubige dann auch durch sein praktisches Verhalten als Christ erweist, gibt es Ablehnung und Hass.

Satan versucht immer, die Jünger des Herrn davon abzuhalten, seinen Namen zu bekennen. Er flüstert der Seele ein: „Ist es denn wirklich nötig, jetzt von dem Herrn Jesus zu sprechen? Du brauchst doch nicht immer von dem Evangelium zu zeugen!“ Er will ja nicht nur das Bekenntnis zu Christus als Herrn verhindern, sondern auch die Ausbreitung der Botschaft seiner Gnade. Aber für den, der den Herrn wirklich liebt, kann und darf es kein Schweigen, keine Rücksichtnahme auf die eigene Stellung, auf das Fortkommen der Kinder und auf was sonst noch alles geben. Ist Er es nicht wert, dass wir uns rückhaltlos zu Ihm bekennen, auch wenn dies vermeintliche Nachteile mit sich bringen könnte?

Ein Beispiel für dieses Leiden um des Herrn Jesus willen bieten die Apostel in Apostelgeschichte 4 und 5. Nachdem sie viele geheilt und zum Herrn geführt hatten, wurden sie von den Führern der Juden gefangen genommen und aufgefordert, nicht mehr von dem Namen Jesu zu sprechen (Apg 4,18; 5,28). Aber sie konnten und wollten nicht schweigen. Als sie dann nach ihrer zweiten Verhaftung und wunderbaren Befreiung wieder bedrängt und schließlich sogar geschlagen worden waren, wie gingen sie dann vom Synedrium fort? Voller Freude, dass sie gewürdigt worden waren, für den Namen Schmach zu leiden (Apg 5,41).

Freude

So fügt auch der Herr Jesus seiner Seligpreisung hinzu: „Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln.“ Es gibt nichts Höheres, als Christus als Erlöser und Herrn zu besitzen. Er ist es wert, dass wir uns offen zu Ihm bekennen. Für eine ängstliche Seele und für das Fleisch mögen die vermeintlich drohenden nachteiligen Folgen eines treuen Bekenntnisses unseres Heilandes schwer wiegen. Aber der Herr sagt etwas anderes: „Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln.“ Die Jünger des Herrn sollen sich nicht trotz, sondern wegen der mit ihrem Bekenntnis verbundenen Leiden freuen (vgl. Röm 5,3; Jak 1,2). Auch wenn das Bekennen des Namens des Herrn zu irdischen Nachteilen führen sollte – was ja nicht immer der Fall ist –, ist der von Ihm selbst verheißene Lohn in den Himmeln unvergleichlich größer! Zu wissen, in den Fußstapfen des Herrn Jesus zu gehen, gibt schon Freude. Diese Freude wird vergrößert durch den verheißenen Lohn, der nicht mit der Erde, sondern mit dem Himmel in Verbindung steht (vgl. Mt 6,19).

Beispiele

Der Herr führt dann die Propheten des Alten Testaments als Vorbilder an. Diese waren einst verfolgt worden, weil sie von Gott zeugten. Beispiele dafür sind Elia (1. Kön 19,2), der Prophet Sekarja zur Zeit des Königs Amazja (2. Chr 24,21), Jeremia (Jer 20,2) und viele andere (vgl. Neh 9,26; Apg 7,27; 1. Thes 2,15). Auch Mose, der sich selbst einen Propheten nennt (5. Mo 18,15. 18), litt um seines Gottes willen, sowohl von den Ägyptern als auch von seinem eigenen Volk. Von ihm werden im Neuen Testament die bemerkenswerten Worte gesagt, dass „er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung“ (Heb 11,26).

Dass auch der Herr Jesus selbst verfolgt und getötet wurde, wird hier nicht erwähnt. Aber dennoch darf jeder Jünger sich immer wieder daran erinnern, dass Er das große Vorbild des Leidens und des Ausharrens ist. Dadurch, dass Er seine Jünger, die seinetwegen verfolgt werden würden, mit den Propheten, die um Gottes willen verfolgt worden waren, vergleicht, gibt Er stillschweigend ein Zeugnis von seiner Gottheit und damit das höchste Motiv zum Ertragen der Verfolgung um seines Namens willen.

Zusammenfassung

Mit dieser letzten Seligpreisung endet der erste Teil der so genannten Bergpredigt, in dem der Herr Jesus als der König, der schon bald von seinem eigenen Volk verworfen werden würde, die Grundsätze des Reiches Gottes als Richtschnur und Ermunterung für seine Jünger verkündet. Wenn wir die einzelnen Aussprüche überblicken, sehen wir darin eine deutliche Ordnung. In den ersten drei Seligpreisungen wird die für den Jünger des Herrn zu allererst notwendige Selbsterkenntnis und Demütigung angesprochen. In den nächsten vier sehen wir dann das Streben nach Gerechtigkeit und einem Gott wohlgefälligen Leben, und schließlich in den letzten beiden die Bewährung, das Ergebnis des Lebens mit dem Herrn Jesus und des Leidens für Ihn.

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