Die Bergpredigt
Eine Verständnishilfe zu Matthäus 5 - 7

12. Das Licht der Welt (Matthäus 5,14-16)

Die Bergpredigt

Eines der beiden Kennzeichen wahrer Jünger des Herrn in Mt 5,13–16 ist Licht: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Im täglichen Leben sind wir so auf das Licht angewiesen, dass jeder den Sinn und die Wichtigkeit dieses Begriffs versteht. Licht ist gleichbedeutend mit Helligkeit und Klarheit, mit Sehen und Erkennen, aber auch mit Wärme und Leben. Denken wir nur an die Lichtquelle, von der alles Leben auf unserem Planeten abhängt: die Sonne. Ohne dieses Licht wäre alles finster, kalt und tot.

Gott ist Licht

Licht steht in der Bibel oft in Verbindung mit Gott. Bereits in Psalm 36,9 heißt es: „In deinem Licht werden wir das Licht sehen.“ Aber als der Herr Jesus in der Bergpredigt seine Jünger belehrte, waren ihnen die einfachen, aber gewaltigen Worte wohl noch nicht bekannt, die Johannes, einer von ihnen, Jahrzehnte später schreiben sollte (1. Joh 1,5): Gott ist Licht.

Kürzer und klarer kann das Wesen Gottes nicht beschrieben werden. Dass Gott außerdem „ein unzugängliches Licht“ bewohnt (1. Tim 6,16), hebt die absolute Reinheit, Heiligkeit und Herrlichkeit unseres Gottes noch deutlicher hervor. Gottes Licht ist ein wunderbares Licht. Es ist Licht, das Leben bringt. – Finsternis charakterisiert demgegenüber im Neuen Testament immer die Sünde und die Gottesferne.

Als der Herr Jesus seinen Jüngern sagte: „Ihr seid das Licht der Welt“, da war Er selbst noch als das wahrhaftige Licht hier. Der ewige Sohn Gottes, der Abglanz seiner Herrlichkeit und der Abdruck seines Wesens, war als das Licht in die Welt gekommen, um Gott zu offenbaren (vgl. Joh 1,4–9; 8,12; 9,5; 12,46).

Jeder, der Ihn im Glauben annimmt, wird nun aus der Finsternis in Gottes wunderbares Licht gebracht, ja noch mehr, statt ehemals Finsternis ist er nun Licht in dem Herrn (1. Pet 2,9; Eph 5,8)!

Ihr seid das Licht

Die ganze Tiefe der Bedeutung des Wortes „Licht“ war den Jüngern sicher noch nicht bekannt, als der Herr zu ihnen sagte: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Sie konnten jedoch verstehen, dass Er damit ihr Zeugnis in der Welt meinte. Während Salz unsichtbar und innerlich wirkt, ist Licht etwas weithin Sichtbares.

„Eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen sein.“ Ob ein Feind einen Angriff plante oder ob ein Reisender Obdach suchte, eine Stadt auf einem Berg in Israel würde tagsüber durch den hellen Glanz ihrer weißen Mauern und Gebäude und nachts durch das Licht ihrer Häuser für jeden von weitem erkennbar sein. So soll auch der Lebenswandel der Jünger des Herrn ein für jedermann sichtbares Licht in dieser Welt sein.

„Man zündet auch nicht eine Lampe an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Lampenständer, und sie leuchtet allen, die im Haus sind.“ Die relativ kleinen Öllämpchen der Antike, die zu Tausenden im Schutt der Ausgrabungsstätten gefunden worden sind, konnten nur ein spärliches Licht ausstrahlen. Deshalb stellte man sie einzeln oder zu mehreren auf einen Lampenständer, der an der Zimmerdecke hing, an der Wand befestigt war oder auf dem Boden stand. Auch der siebenarmige goldene Leuchter in der Stiftshütte war ein Lampenständer. Auf diese Weise wurde die größtmögliche Lichtverbreitung erzielt.

Wie widersinnig wäre es gewesen, eine solche Lampe unter einen Scheffel zu stellen, d.h. sie zu verstecken! Ein Scheffel war ein Gefäß mit einem Fassungsvermögen von ungefähr 83/4 Liter zum Abmessen von Getreide usw. Wenn man ihn über die Lampe gestülpt hätte, hätte man ihre kleine Flamme nicht nur unsichtbar und damit wirkungslos gemacht, sondern auf die Dauer auch erstickt!

In Markus 4,21 erwähnt der Herr Jesus neben dem Scheffel noch das Bett. Beides würde das Licht verdunkeln. Liegt darin nicht eine zweifache Warnung: einerseits vor rein menschlicher Geschäftigkeit (das Licht unter dem Scheffel), und andererseits vor Trägheit und Schlaf (das Licht unter dem Bett)?

Lasset euer Licht leuchten

Aber wie die Stadt auf dem Berg soll auch der Schein der Lampe für alle sichtbar sein. „Also lasset euer Licht leuchten vor den Menschen.“ Dieses Licht ist das Bekenntnis des Jüngers zu seinem Herrn. Dadurch wird deutlich, zu wem er gehört. Lasst uns deshalb Christus überall und in allen Umständen bekennen.

Wenn wir in einem Restaurant essen, wagen wir es dann, uns durch das Gebet vor der Mahlzeit ohne Scheu zu Ihm zu bekennen, auch wenn die ungläubigen Tischnachbarn ihre Unterhaltung lautstark fortsetzen oder vielleicht sogar spotten?

Wir werden manchmal von Ungläubigen über weltliche Vergnügungen wie Kino-, Theater-, Discobesuch, oder über Fragen wie Homosexualität, außereheliche Beziehungen, Abtreibung usw. um unsere Ansicht oder Meinung gefragt. Bekennen wir dann unseren Glauben an den Herrn oder geben wir in dieser Hinsicht ausweichende Antworten?

Sind wir gegenüber unseren Arbeitskollegen, unseren Nachbarn und allen Mitmenschen gerecht, freundlich, hilfsbereit und friedliebend? So können wir unser Licht leuchten lassen vor den Menschen. „Tut alles ohne Murren und zweifelnde Überlegungen, damit ihr tadellos und lauter seid, unbescholtene Kinder Gottes inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter dem ihr scheint wie Lichter (oder: Himmelslichter) in der Welt, darstellend das Wort des Lebens“ (Phil 2,14.15). Unser Licht leuchten lassen, bedeutet, dass unser neues Wesen und unsere Stellung als Kinder Gottes und unser Zeugnis für unseren Herrn in der Welt durch unser Betragen zum Ausdruck kommt.

Gute Werke

„Ebenso lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“ Der Herr Jesus spricht in diesen Versen nicht vom Evangelium zur Rettung verlorener Menschen. Die ganze Bergpredigt handelt nicht davon, sondern vom rechten Verhalten der Jünger des Herrn. Auch wenn die Menschen der Welt öfter erwähnt werden, ist es nicht das Ziel der Bergpredigt, dass sie Segen empfangen oder zum Herrn geführt werden, sondern dass der Charakter des Reiches Gottes in den Jüngern und damit auch in uns zum Ausdruck kommt.

Die guten Werke sind hier die Frucht der Wirkung des göttlichen Lichts in der Seele. Wenn wir unser Licht leuchten lassen, dann werden auch gute Werke damit verbunden sein. Aber sie sind hier nicht in erster Linie im Blickfeld.

Auch in der Welt werden von einzelnen und von Organisationen viele gute Werke getan. Das Rote Kreuz, die Hunger- und Katastrophen-Hilfsorganisationen haben gerade in der letzten Zeit viel Gutes an Not leidenden Menschen tun können. Wenn wir als Kinder Gottes uns solche guten Werke vornehmen, dann sind wir dadurch also nicht unbedingt ein Zeugnis für unseren Herrn, denn wir befinden uns praktisch auf dem gleichen Niveau wie die Nationen. Er möchte aber, dass wir ein Zeugnis für IHN sind. Deshalb ermahnt Er uns hier nicht zu guten Werken, sondern dazu, dass wir unser Licht leuchten lassen. Wir sollen nicht an „unsere“ Werke, sondern an Ihn denken. Dann werden gute Werke die Folge sein. Der Apostel Paulus spricht von der Frucht des Lichts, die in aller Gütigkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit besteht (Eph 5,9).

„... und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“ Wenn gute Werke den Charakter des himmlischen, göttlichen Lichts tragen, dann werden die Menschen nicht sagen: „Was für ein guter Mensch ist das“, sondern sie können dadurch selbst in das Licht Gottes geführt und dazu gebracht werden, Gott zu verherrlichen. Wenn das Licht leuchtet, werden auch die Taten in Verbindung mit diesem Licht gesehen.

Hier wird zum ersten Mal im Neuen Testament Gott „euer Vater“ genannt. Zwar kommt im Alten Testament auch der Name „Vater“ für Gott vor. Aber er bezieht sich nicht auf das persönliche Verhältnis eines Israeliten oder eines Gläubigen zu Gott, sondern auf das ganze irdische Volk Gottes. Jehova, der Herr, war der Vater, und Israel war der Sohn (vgl. 2. Mo 4,23; 5. Mo 32,6; Jes 63,16).

Erst als der Sohn Gottes auf die Erde kam, um den Vater zu offenbaren, konnten die Gläubigen in das wunderbare Kindschaftsverhältnis gebracht werden und den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem sie rufen: Abba, Vater! Dazu war es nötig, dass der Herr starb und auferstand. Nach seiner Auferstehung gab Er Maria Magdalene die wunderbare Botschaft: „Geh aber hin zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott“ (Joh 20,17). Das war hier noch zukünftig. Dennoch spricht der Herr bereits zu den Jüngern von „eurem Vater, der in den Himmeln ist“, obwohl sie weder die Grundlage zu dieser neuen Beziehung, das Werk Christi, noch deren Innigkeit und Kraft durch den Heiligen Geist kannten.

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