Der zweite Brief an Timotheus

Einleitung

Der zweite Brief an Timotheus

Der erste Brief an Timotheus stellt die Versammlung Gottes als das Haus Gottes vor und schreibt ihre göttliche Ordnung entsprechend den Gedanken Gottes vor.

In diesem Brief wird anerkannt, dass schon damals Einzelne da waren, die sich unter eitlem Getöne abgewandt hatten und Lehrer des Gesetzes sein wollten, und dass es auch solche gab, die an dem Glauben Schiffbruch gelitten hatten (Kapitel 1,19). Es wird auch davor gewarnt, dass in späteren Zeiten etliche von dem Glauben abfallen werden (Kapitel 4,1). Trotzdem wird die große Masse der Christen so gesehen, dass sie den Wunsch haben, ihrer Verantwortung hinsichtlich der Aufrechterhaltung der Ordnung des Hauses Gottes zu entsprechen; und es ist das große Ziel des Heiligen Geistes in diesem ersten Brief, hinsichtlich dieser Ordnung und dem damit in Übereinstimmung stehenden Verhalten in all den Einzelheiten seiner Verwaltung auf Erden Unterweisungen zu geben.

In dem zweiten Brief an Timotheus hat sich alles geändert. Die Versammlung, das Haus Gottes, wird nicht länger gesehen als bewahrt in der von Gott gegebenen Ordnung, sondern als durch das Versagen der Menschen in Unordnung gefallen. Im Blick auf dieses Versagen und diese Unordnung schreibt der Apostel an Timotheus, um ihn in den Tagen des Verfalls zu ermutigen, zu unterweisen und zu ermahnen; darüber hinaus warnt er ihn, dass das Böse fortschreiten und durch diese Haushaltung hindurch immer weiter zunehmen wird, bis es sich in den letzten Tagen in seinen schlimmsten Formen zeigen wird.       

Auf diese Weise lernen wir im Verlauf des Briefes, dass schon in den Tagen des Apostels das Evangelium in Bedrängnis war, der Prediger der Nationen war in Gefangenschaft, und die Heiligen hatten den verlassen, der sie mit der vollen Wahrheit des Christentums bekannt gemacht hatte (Kapitel 1). Falsche Lehrer waren in dem christlichen Bekenntnis aufgestanden, die durch ungöttliches und eitles Geschwätz Irrlehren brachten, die zur Gottlosigkeit verführten; das Ergebnis davon war, dass das Haus Gottes zu einem großen Haus geworden war, in welchem Gefäße zur Ehre mit Gefäßen zur Unehre miteinander verbunden sind (Kapitel 2). Mehr noch, wenn dieser Zustand in jenen Tagen seinen Beginn genommen hatte - ein noch schlimmerer Zustand würde noch folgen. In den letzten Tagen werden schwere Zeiten da sein, wenn die Masse der bekennenden Christen durch eine Form der Gottseligkeit, jedoch ohne deren Kraft, gekennzeichnet sein wird. In einem solchen Zustand werden böse Menschen in ihrer Verdorbenheit immer mehr zunehmen, bis zuletzt das christliche Bekenntnis die gesunde Lehre nicht mehr ertragen wird (Kapitel 3 und 4). Im ersten Brief wird also die Masse noch als treu angesehen, obwohl Einzelne versagt haben mögen; im zweiten Brief hat die Masse versagt, und nur Einzelne bleiben ihrem Bekenntnis treu.

Außerdem zeigt dieser Brief, dass zu der Zeit, als der Sturm des Bösen aufkam, gerade derjenige, der so oft den Feind besiegt und die Heiligen angeleitet hatte, im Begriff stand, weggenommen zu werden. Es mag folglich den Anschein haben, als würde der Apostel gerade in dem Moment beiseite genommen werden, in dem doch seine Anwesenheit so absolut notwendig war.

Dennoch wird diese Verkettung von Umständen - der aufkommende Sturm des Bösen und die Hinwegnahme dessen, der dem Bösen so gut entgegentreten konnte - durch den Geist Gottes dazu benutzt, den Treuen während der ganzen christlichen Haushaltung zu beweisen, dass Gott auch ohne menschliche Hilfsmittel jeder denkbaren Notlage gewachsen ist.

Obwohl der Apostel im Begriff stand, abzuscheiden, und im Vorausblick auf den Tag des Herrn mit Zuversicht die Krone der Gerechtigkeit erwartete, konnte er doch nicht anders, als tief zu empfinden, wie doch das versagt hatte, was er im Auftrag Gottes auf der Erde aufgerichtet hatte. Die ganze Besorgnis seines Herzens ließ er vor den Ohren seines geliebten Kindes im Glauben hervorströmen. Der Geist Gottes benutzt dieses Ausschütten des Herzens des Apostels, um einerseits die Gläubigen im voraus vor dem fortschreitenden Charakter des Verderbens des Christentums in dieser Haushaltung zu warnen, und andererseits, um uns das Ausmaß unserer Hilfsquellen in Gott, in Christus, und in den Schriften vorzustellen, damit wir inmitten des Bösen nicht nachlassen und auch in schwierigen Zeiten nach den Gedanken Gottes wandeln mögen.

Die Unterweisungen dieses Briefes werden in der folgenden Anordnung vorgestellt:

  • Kapitel 1: die unvergänglichen Tröstungen für den Gottesfürchtigen in den Tagen des Verfalls;
  • Kapitel 2: der Pfad des Gottesfürchtigen in den Tagen des Verfalls;
  • Kapitel 3: die Hilfsquellen für den Gottesfürchtigen in den letzten Tagen;
  • Kapitel 4: die besonderen Anweisungen für den Dienst für Gott in den Tagen, in denen die Masse des christlichen Bekenntnisses die gesunde Lehre nicht mehr ertragen wird.
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