Einführender Vortrag zum 2. Timotheusbrief

Kapitel 3

Einführender Vortrag zum 2. Timotheusbrief

Danach geht Paulus in 2. Timotheus 3 weiter und zeigt uns nicht nur ein Bild des Zustands, in den die  Christenheit verfällt, sondern auch den allgemeinen Zustand, der aus dieser Verwirrung entsteht. Hier werden uns die gefährlichen Zeiten ausführlich vorgestellt. „Die Menschen werden eigenliebig sein, geldliebend, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, heillos, ohne natürliche Liebe, unversöhnlich, Verleumder, unenthaltsam, grausam, das Gute nicht liebend, Verräter, verwegen, aufgeblasen, mehr das Vergnügen liebend als Gott“ (V. 2–4). In der letzten Zeit und besonders zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Entwicklung in diese Richtung gegangen. Nimm das sogenannte Christentum! Es ist ein erkenntnisloses, anstößiges und heidnisches Gebilde – gerade gut genug, uns zu zeigen, wohin die Menschen treiben. Es entspricht nicht wenig den hier geschilderten Kennzeichen. Wie wir wissen, mag über demselben ein gewisser Schimmer von Frömmigkeit schweben, aber unter demselben finden wir nichts als Gottlosigkeit. Davor möchte der Apostel den Timotheus und in Wirklichkeit auch uns bewahren. Warnend beschreibt er, wie die Verführung immer mehr voranschreiten würde. Doch er sagt auch: „Von diesen wende dich weg.“ Welche Argumente und Entschuldigungen auch gefunden werden mögen, sich mit einem solchen Zustand zu verbinden – „wende dich weg!“

Danach weist Paulus auf die beiden grundsätzlichen Vorkehrungen für den Treuen in solch gefährlichen Umständen hin. Die erste ist der sittliche Charakter der Quelle oder des Kanals, aus dem Timotheus erfahren hatte, was er wusste. „Du aber hast genau erkannt meine Lehre, mein Betragen, meinen Vorsatz, meinen Glauben, meine Langmut, meine Liebe, mein Ausharren, meine Verfolgungen, meine Leiden“ (V. 10–11). Das enthält sozusagen die ganze geistliche Erfahrung des Apostels. Timotheus sollte in den Dingen verharren, die er gelernt hatte und von denen er völlig überzeugt war, indem er wusste, von wem er sie gelernt hatte. Das ist ein wichtiger Punkt. Die Menschen meinen manchmal, es sei unwichtig, wer lehrt; aber Gott betrachtet diese Angelegenheit nicht so leichtfertig. Dieses Bewusstsein ist oft ein sehr großes Schutzmittel für den Erlösten Gottes; denn es macht auf jeden Fall keinen geringen Unterschied, wer dieses oder das sagt. Ein Wort mag in dem einen Mund ganz und gar unpassend sein, welches in einem anderen völlig angemessen ist. Der Apostel wusste sehr gut, dass der Gott, welcher diese herrlichen Wahrheiten zum Menschen gebracht und seine Gnade offenbart hat, einen Beweis von ihrer Wirklichkeit in jenem „Mann“ (vgl. Apostelgeschichte 17,31!) gegeben hat, von dem er sie gelernt hatte. Das sollte eine andauernde Wirkung auf Herz und Gewissen von Timotheus ausüben; denn es handelte sich nicht um ein reines und einfaches Dogma; es war nicht einfach Unterweisung. Dafür sollten wir Gott danken! Es liegt eine unermessliche Segnung darin, dass wir die Wahrheit nicht nur in einem Buch, sondern auch in praktischen Bildern gezeigt bekommen – diese Wahrheit, welche aus den Herzen und von den Lippen lebender Menschen Gottes kommt. Folglich erinnert der Apostel Timotheus daran.

Gleichzeitig wird der einzige und bleibende Maßstab nicht im Geringsten abgeschwächt. Paulus stellt den unendlichen Wert der Heiligen Schriften, das ist das, was aufgeschrieben worden ist, vor. Sie sind das  eine, aus dem Jenseits stammende Hilfsmittel für die schweren Zeiten, wenn wir die Gegenwart und persönliche Hilfe von Aposteln nicht mehr besitzen. Dabei geht es nicht um das, was gepredigt wurde, sondern um das, was in fortdauernder Gestalt zum Guten für die Erlösten Gottes auf der Erde  bleibt und die bemerkenswerte Bestätigung der wesensmäßigen Würde der Bibel herausstellt. „Alle Schrift“ – denn das besagt dieser Vers [und nicht, was die Fußnote sagt: „Alle von Gott eingegebene Schrift ...“; Übs.] – „alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, auf daß der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke völlig geschickt“ (V. 16–17).

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