Betrachtung über 2.Timotheus (Synopsis)

Kapitel 3

Betrachtung über 2.Timotheus (Synopsis)

Nun konnte es nicht ausbleiben, dass dieser böse Einfluss sich geltend machen würde. Die Kraft der heiligen Wahrheit Gottes würde in der Versammlung und unter den Christen verloren gehen; und die, die diesen Namen trugen, würden (unter dem Einfluss des Feindes) der Ausdruck des Willens und der Leidenschaften des Menschen werden, obwohl sie noch die Form der Gottseligkeit beibehielten – ein Zustand, der in besonderer Weise den Einfluss und das Werk des Feindes verrät. Da dies zu erwarten stand, würden in den letzten Tagen schwere Zeiten kommen (V. 1).

Der offene Widerstand des Feindes ist ohne Zweifel eine schmerzliche Sache; aber das, wovon der Apostel hier spricht, ist der falsche Schein, durch den Satan die Seelen zu verführen sucht, das, was den Namen Christentum trägt, was vor den Menschen den Charakter der Gottseligkeit hat und was das Fleisch viel bereitwilliger als solche annimmt, weil die wahre Gottseligkeit immer im Gegensatz zu dem Fleisch steht. Nichtsdestoweniger finden sich gerade die schlechtesten Charakterzüge des menschlichen Herzens mit dem Namen des Christentums verbunden. Aber wenn es so ist, was wird dann aus dem Zeugnis? Es wird sozusagen zu einer in Sacktuch gehüllten, persönlichen Prophezeiung.

In diesem gefährlichen Übel der letzten Tage gibt es aber auch eine Tätigkeit: solche Betrüger schleichen sich in die Häuser und finden Gehör bei den schwachen Seelen, die, von ihren Leidenschaften beherrscht, immerdar lernen und doch nie lernen. Solche Lehrer widerstehen der Wahrheit und sind Menschen von verderbter Gesinnung, unbewährt hinsichtlich des Glaubens. Aber sie werden nicht weiter fortschreiten: Gott wird ihre Torheit und Falschheit offenbar machen, und zwar durch die Haltlosigkeit ihrer eigenen Behauptungen. Der Mensch Gottes soll sich von solchen Menschen abwenden, während sie fortfahren, zu betrügen und ihren bösen Einfluss auszuüben. Gott wird sie zu seiner Zeit offenbar machen. Dann werden ihre Behauptungen von allen beurteilt und gerichtet werden, was von Seiten des geistlichen Menschen heute schon geschieht, während die anderen in ihrer Sorglosigkeit sich noch durch sie betrügen lassen.

Wir können hier auch sehen, was den traurigen und gefährlichen Charakter der Tage, von denen der Apostel spricht, kennzeichnet. Wenn wir die im Anfang des Römerbriefes aufgezählten Sünden und Gräuel, die das heidnische Leben und die sittliche Entartung des Menschen während der Zeiten der Finsternis und der Dämonen-Anbetung kennzeichneten, vergleichen mit der Sündenliste derer, die eine Form der Gottseligkeit haben, so werden wir finden, dass es fast dieselben, ja, in sittlicher Hinsicht ganz dieselben Sünden sind. Es fehlen hier nur einige der offenbaren Sünden, die den Menschen unterscheiden, wenn er ohne alle äußeren Schranken dahinlebt, Sünden, die eben durch die Form der Gottseligkeit verhindert und ersetzt werden. Es ist ein ernster Gedanke, dass das gleiche Verderben, das inmitten der Heiden sich gezeigt hat, unter dem Deckmantel des Christentums wieder hervorgetreten ist und hier sogar die Form der Gottseligkeit annimmt. Aber es ist tatsächlich dieselbe Natur, dieselben Leidenschaften sind in dem Menschen wirksam; es ist dieselbe Macht des Feindes, nur noch mit Hinzufügung der Heuchelei. Dieser Zustand der Dinge ist dadurch herbeigeführt worden, dass man die wahre Lehre von dem Mittler verlassen und verdorben hat, wie im Heidentum die wahre Lehre von dem alleinigen Gott verlassen und verdorben wurde.

Für das Verhalten des Menschen Gottes gegenüber den Gefäßen zur Unehre und gegenüber den Menschen, die in dem Geist der letzten Tage handeln, gibt der Apostel hier zwei verschiedene Vorschriften. Von den ersten soll er sich reinigen, indem er auf die Treue seines eigenen Wandels bedacht ist; und dadurch, dass er sich von den Gefäßen reinigt, die den Namen Christi nicht ehren und (obgleich sie in dem großen Haus sind) nicht das Gepräge eines lauteren Verlangens nach seiner Verherrlichung tragen, wird er selbst zu einem für den Hausherrn nützlichen Gefäß zur Ehre. Indern er sich von jenen fernhält, bleibt er vor den Einflüssen geschützt, die das für Christus abzulegende Zeugnis verkümmern und schmälern; er bleibt rein von dem, was dieses Zeugnis verdirbt und verfälscht. Betreffs der anderen Klasse, der Menschen nämlich, die den letzten Tagen ihren gefahrvollen Charakter aufprägen „Menschen, verderbt in der Gesinnung“, die der Wahrheit widerstehen, obwohl sie den Namen der Gottseligkeit tragen, soll sein Zeugnis klar und deutlich sein. Hier hat er nicht nur sich selbst zu reinigen, sondern er soll auch seinen sittlichen Abscheu, seinen Widerwillen bezeugen hinsichtlich solcher, die als Werkzeuge des Feindes diesen Charakter einer Form-Frömmigkeit tragen. Er soll sich von ihnen weg wenden und sie dem Gericht Gottes überlassen.

Timotheus hatte den Wandel und Geist des Apostels zum Vorbilde. Da er ihn oft begleitete, hatte er in Zeiten der Prüfung seine Geduld und seine Leiden sowie die Verfolgungen gesehen, die er erduldet und aus dene allen der Herr ihn errettet hatte. Alle aber auch, die gottselig leben wollen in Christus Jesus 1, werden dasselbe erfahren: sie werden verfolgt werden. Und böse Menschen und Verführer werden im Bösen fortschreiten, indem sie andere verführen und zu gleicher Zeit selbst verführt werden.

Der Charakter der letzten Tage wird hier scharf bezeichnet und gibt für die Wiederherstellung der Christenheit, als Ganzes betrachtet, keine Hoffnung. Wir haben schon hingewiesen auf die beiden verschiedenen Arten, in denen der Fortschritt des Bösen sich entwickeln sollte. Zuerst haben wir das große Haus, – die Christenheit als ein Ganzes, in dem sich Gefäße zur Unehre befinden, von denen wir uns zu reinigen haben; dann die bestimmte Wirksamkeit des Verderbens und der Werkzeuge, die es verbreiten und der Wahrheit widerstehen, obgleich die auf diese Weise sich Verderbenden die Form der Gottseligkeit annehmen. Unter dieser letzten Form werden die Gottlosen im Bösen fortschreiten; doch die mächtige Hand Gottes wird ihre Torheit offenbar machen. Bei dieser zweiten Klasse, bei allen, die sich dem bösen Einfluss unterwerfen, mögen wir den allgemeinen Charakter des Stolzes und der Verdorbenheit unterscheiden, aber es gibt unter ihnen auch solche, die sich bemühen, das Böse auszubreiten. Von den letztgenannten sagt der Apostel, dass sie sich in die Häuser Einschleichen. Der Charakter kennzeichnet die ganze verführte Masse, aber es gibt besondere Verführer. Diese widerstehen der Wahrheit, und ihre Torheit wird offenbar werden. Es mag sein, dass Gott überall da, wo Treue ist, diese Torheit offenbar macht, um die Seinen vor ihrem Einfluss zu bewahren; aber im allgemeinen wird ihr böses Werk fortschreiten und die Verführung sich verschlimmern bis zum Ende, wo Gott die Torheit derer offenbaren wird, die von Ihm abgewichen sind und sich den Irrtümern des menschlichen Geistes überliefert und deren Ausbreitung sich zur Aufgabe gemacht haben.

Der Apostel lenkt alsdann die Aufmerksamkeit des Timotheus auf das, was ihm Schutz gewähren und eine Stütze bieten konnte, um sich selbst durch die Gnade standhaft in der Wahrheit und im Genuss des Heils Gottes zu bewahren. Die Sicherheit des Christen beruht auf der Gewissheit des unmittelbaren Ursprungs der Lehre, die er empfangen hat; dann auf den Schriften, die ihm gleichfalls gegeben sind als verbürgte und inspirierte Dokumente, die den Willen Gottes sowie seine Handlungen, seine Ratschlüsse und selbst seine Natur kundmachen. Wir bleiben in dem, was wir gelernt haben, weil wir wissen, von wem wir gelernt haben. Das ist ein einfacher und sehr wichtiger Grundsatz. Wir machen Fortschritte in der göttlichen Erkenntnis, aber wir werden (insoweit wir von Gott gelehrt sind) nie das, was wir aus einer unmittelbar göttlichen Quelle, von deren Göttlichkeit wir überzeugt sind, empfangen haben, für neue Meinungen aufgeben. Unter einer unmittelbar göttlichen Quelle verstehe ich eine Person, der Gott selbst die Wahrheit durch Offenbarung mitgeteilt hat, mit der gleichzeitigen Vollmacht, diese Wahrheit zu verkündigen. In einem solchen Fall nehme ich das Gesagte (vorausgesetzt, dass ich den Redenden als von Gott beauftragt kenne) als eine göttliche Mitteilung auf. Ganz gewiss sind die Schriften immer da als Gegenprobe; aber wenn es, wie in dem Fall des Apostels, erwiesen ist, dass jemand ein Diener Gottes und durch Ihn begabt ist zu dem Zweck, Seine Gedanken mitzuteilen, so nehme ich das, was er in der Ausübung seines Dienstes sagt, als von Gott kommend auf. Es ist hier nicht die Rede von der Versammlung. Sie kann, wie wiederholt gesagt, nicht das Gefäß sein, dem die göttliche Wahrheit unmittelbar von Gott mitgeteilt wird; dazu benutzt Gott stets die einzelnen Personen. Wir haben gesehen, dass es das Teil der Versammlung ist, die Wahrheit, nachdem sie mitgeteilt worden ist, zu bekennen, nicht sie mitzuteilen. Aber hier reden wir von einer Person, welcher und durch welche Gott unmittelbar die Wahrheit offenbart, wie in dem Fall der Apostel und Propheten. Gott hat ihnen, als den zu diesem Zweck erwählten Gefäßen, das mitgeteilt, was Er der Welt kundtun wollte, und sie haben es weitergegeben. Niemand könnte das tun, ohne es selbst als eine Offenbarung von Gott empfangen zu haben; anderenfalls ist der Mensch dabei beteiligt. Und dann könnte ich das Wort: „Ich weiß, von wem ich gelernt habe“, nicht mehr in dem Bewusstsein sagen, dass das Mitgeteilte unmittelbar von Gott und durch göttliche Offenbarung kommt.

Wenn Gott der Versammlung selbst etwas mitzuteilen hatte, so tat Er es mittels solcher Personen wie Paulus, Petrus usw. Die Versammlung setzt sich aus einzelnen Personen zusammen und kann als Masse, als Versammlung, keine göttliche Offenbarung empfangen, es sei denn, dass alle gemeinsam eine göttliche Stimme hören würden; aber das ist nicht die Weise Gottes. Der Heilige Geist teilt jedem insbesondere mit, wie Er will. Es gibt Propheten, und der Heilige Geist sagt in Apg 13,2: „Sondert mir Barnabas und Saulus aus.“ Christus hat den Menschen Gaben gegeben; etliche hat Er gegeben als Apostel, etliche als Propheten usw. Demgemäß sagt der Apostel hier nicht: da du weißt, „wo“, sondern „von wem“ du gelernt hast.

So findet denn der Mensch Gottes im Blick auf die göttliche Wahrheit hier die erste Grundlage der Gewissheit, der Kraft und der Überzeugung. Sie ist ihm nicht unmittelbar offenbart worden. Paulus und andere waren die von Gott zu dieser besonderen Gunst erwähnten Werkzeuge; aber er weiß, von wem er gelernt hat, nämlich von jemand (hier ist es Paulus), dem die Wahrheit unmittelbar durch göttliche Eingebung kundgetan worden ist, und der sie durch die ihm von Gott gegebene Vollmacht weitergegeben hat, so dass die, die von ihm lernen, wissen, dass es göttliche Wahrheit ist, genau so wie Gott sie mitgeteilt hat sowie in der Form, in der Gott sie mitteilen wollte (vgl. 1.Kor. 2).

Es gibt noch ein anderes Mittel der Gewissheit, das seinen eigenen, besonderen Charakter hat: die Schriften die als solche für den Menschen Gottes die Glaubensgrundlage bilden und ihn in allen seinen Wegen leiten. Der Herr Jesus sagt selbst, indem Er von Mose spricht: „Wenn ihr seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?“ Seine Worte waren die Worte Gottes. Er stellte die Autorität dessen, was Er gesagt hatte, nicht in Gegensatz zu dem, was geschrieben stand; Er stellte nur die beiden Arten der Mitteilung einander gegenüber. Es hat Gott gefallen, die Schriften zu geben, damit sie als fortdauernde Autorität dienen. Petrus sagt: „Keine Weissagung der Schrift ... „ Es gab viele Weissagungen, die nicht geschrieben worden waren, dennoch aber für diejenigen, an die sie gerichtet wurden, die Autorität Gottes besaßen. Denn das Wort spricht mehr als einmal von Propheten (die also doch geweissagt haben müssen), ohne uns ihre Weissagungen mitzuteilen. Sie waren Werkzeuge, die für den Augenblick den Willen Gottes seinem Volk kundtaten, um es in seinen jeweiligen Umständen zu leiten, ohne dass ihre Mitteilungen eine für das Volk zu allen Zeiten notwendige, oder auf die Welt oder Israel oder die Versammlung zu jeder Zeit anwendbare Offenbarung dargestellt hätten. Es war nicht eine allgemeine und dauernde Anweisung oder eine Offenbarung Gottes, die den Seelen in allen Zeitabschnitten zur Belehrung dienen sollte. Selbst der Herr Jesus hat vieles gesprochen, was nicht in der Schrift wiedergegeben ist. Die Frage ist also nicht bloß, von wem wir eine Wahrheit gehört haben, sondern auch, welchen Charakter das Mitgeteilte hat. War es zum dauernden Nutzen des Volkes oder der Versammlung Gottes bestimmt, so ließ Gott es in den Schriften niederlegen, und es bleibt da zur Belehrung und Nahrung der Gläubigen aller Zeiten.

Der Ausdruck: „da du weißt, von wem du gelernt hast“, stellt uns hinsichtlich der Lehre auf den Boden der persönlichen, apostolischen Autorität, indem die Apostel als vorn Herrn bevollmächtigte Lehrer betrachtet werden. Johannes sagt: „Die, die aus Gott sind, hören uns.“ Es ist nicht nötig, dass die Schriften durch Apostel geschrieben wurden. Gott hat seinen Willen und die Wahrheit in ihnen kundgegeben und hat den geheiligten Schatz seiner Aussprüche seinem Volk zum Nutzen für alle Zeiten anvertraut. Die Schriften haben, als solche, Autorität; nicht nur das, was man als ein geistlicher Mensch davon aufnimmt, das, wovon wir Nutzen gehabt haben (denn hinsichtlich der Anwendung auf die Seele haben wir dann eben nur diesen bestimmten Teil uns zunutze zu machen gewusst), sondern die ganze Heilige Schrift, so wie wir sie besitzen, hat diese Autorität.

Timotheus hatte von Kindheit an die Heiligen Schriften gelesen; und diese Schriften, wie er sie als Kind gelesen hatte, schützten ihn durch ihre göttliche Autorität gegen Irrtümer und versahen ihn mit den für seine Belehrung nötigen Wahrheiten. Sicherlich war für den richtigen Gebrauch derselben der Glaube an Christus erforderlich; aber es waren eben die Schriften, deren er sich bediente, die er von seiner Jugend an kannte. Es ist hier wichtig zu beachten, dass der Apostel von den Schriften spricht, wie sie in sich selbst sind, so wie ein Kind sie liest; nicht gerade von dem, was ein bekehrter oder geistlicher Mensch in ihnen findet, sondern einfach von den Heiligen Schriften selbst. Es möchte vielleicht eingewandt werden, dass Timotheus als Kind nur das Alte Testament besessen habe. Zugegeben; aber es handelt sich hier um den Charakter alles dessen, was ein Recht hat, die Heilige Schrift genannt zu werden. Gleichwie Petrus sagt: „sie verdrehen die Schriften des Paulus, wie auch die übrigen Schriften2 (2.Pet 3,16). Von dem Augenblick an, da wir erkennen, dass das Neue Testament auch zu diesen „Schriften“ gehört, besitzt es denselben Charakter und hat dieselbe Autorität wie das Alte Testament. Die Schriften sind der fortdauernde Ausdruck der Gedanken und des Willens Gottes und sind als solche mit seiner Autorität bekleidet. Sie sind sein Ausdruck seiner eigenen Gedanken. Sie erbauen und sind nützlich; aber das ist nicht alles – sie sind „von Gott eingegeben“. Es handelt sich nicht nur darum, dass die Wahrheit durch Inspiration in ihnen mitgeteilt ist. Das ist es nicht, was hier gesagt wird; nein, sie sind von Gott eingegeben.

Der größte Teil des Neuen Testamentes gehört zu der ersten Quelle der Autorität, von der wir gesprochen haben: „da du Weißt, von wem du gelernt hast“; es enthält alles das, was die Apostel geschrieben haben. Denn indem ich die in diesen Schriften enthaltene Wahrheit lerne, kann ich sagen: „Ich weiß, von wem ich gelernt habe.“ Ich habe sie gelernt von Paulus oder von Johannes oder von Petrus usw. Aber außerdem hat das, was sie geschrieben haben, als Teil der „Schrift“, die Autorität göttlicher Schriften, denen, als Form der Mitteilung, Gott den Vorzug über das gesprochene Wort gegeben hat. Die Schriften sind die bleibende Regel, nach der jedes gesprochene Wort beurteilt werden muss.

Mit einem Wort, die Schriften sind inspiriert. Sie lehren, sie überführen das Herz, sie weisen zurecht, sie unterweisen in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, das heißt, dass er gründlich unterrichtet sei in dem Willen Gottes, dass seine Gesinnung nach jenem Willen gebildet und er so für jedes gute Werk völlig ausgerüstet werde. Die Kraft zur Vollbringung desselben kommt von der Wirksamkeit des Geistes. Aber den Schutz gegen die Irrtümer und die Weisheit zur Seligkeit finden wir in den Schriften; sie sind fähig, uns beides darzureichen. Wir müssen in dem bleiben, was wir von den Aposteln gelernt haben, und uns durch die Schriften Gottes leiten lassen.

Wird nun durch diese vollkommene und höchste Autorität der Schriften der Dienst beseitigt? Keineswegs; sie ist im Gegenteil die Grundlage des Dienstes am Wort. Man ist Diener des Wortes; man verkündigt es, gestützt auf das geschriebene Wort, das die Autorität für alle ist und das, was der Diener sagt, erst gültig macht und seinem Wort die Autorität Gottes über die Gewissen derer verleiht, die er belehrt oder ermahnt. Auch ist die Liebe in dem Herzen dessen, der den Dienst ausübt, in Tätigkeit (vorausgesetzt dass es ein wirklicher Dienst ist), sowie die mächtige Wirkung des Geistes, wenn der Diener mit dem Heiligen Geist erfüllt ist; aber das, was das Wort sagt, bringt jeden Widerstand in dem Herzen oder den Gedanken des Gläubigen zum Schweigen. So musste Satan schweigen, als der Herr ihm durch das Wort antwortete. Wer dem Wort Gottes sich nicht unterwirft, erweist sich dadurch als ein Empörer gegen Gott. Die von Gott gegebene Regel findet sich in den Schriften, und die mächtige Wirksamkeit seines Geistes erweist sich in dem Dienst, obwohl Gott auch unmittelbar durch das Wort selbst auf das Herz wirken kann. Seitdem aber die Offenbarungen Gottes vollständig sind, bildet der Diener niemals eine Autorität, sonst würde es zwei Autoritäten geben; und in diesem Fall würde die eine nur eine nutzlose Wiederholung der anderen sein, oder es würde, falls sie voneinander abwichen, gar keine Autorität geben.

Ohne Zweifel konnte es, solange die Offenbarungen nicht vollständig waren, mehrere Autoritäten geben, nämlich die Autorität der Schriften und die Autorität dessen, der die neuen Offenbarungen mitteilte. Das Alte Testament erzählt die Geschichte von Christus nicht, noch die Sendung des Heiligen Geistes oder die Bildung der Versammlung, weil diese Tatsachen, als noch nicht geschehen, nicht der Gegenstand geschichtlicher und belehrender Mitteilungen sein konnten; die Versammlung war nicht einmal Gegenstand der Weissagung. Aber jetzt ist alles vollständig. Paulus sagt, dass er ein Diener der Versammlung sei, um das Wort Gottes zu vollenden (Kol 1,25). Die Gegenstände der Offenbarung wurden durch seine Mitteilungen vollständig.

Fußnoten

  • 1 Hier haben wir wieder denselben Unterschied: nicht alle Christen werden verfolgt werden, sondern alle, die gottselig leben wollen in Christus Jesus.
  • 2 Das ist auch der Sinn von Röm 16, 26: „durch prophetische Schriften“.
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